Zweieiige Zwillinge in der Kita getrennt oder in der selben Gruppe?

In nahezu jedem Zwillingsblog, auf dem ich bisher gestöbert habe, kommt irgendwann das Thema trennen oder zusammen belassen auf. Ob in Krippe, Kita, Schule oder Hobby – diese Frage ist irgendwann „dran“. Bei uns aktuell auch (wieder), da der Wechsel von der Krippe (U3) zur Kindergartengruppe ansteht.
Wir haben zweieiige, gleichgeschlechtliche Zwillinge, die seit sie 14 Monate alt sind, gemeinsam eine Krippengruppe mit 8-10 Kindern besuchen. Fast ein Jahr lang waren bei dieser überschaubaren Gruppe noch zwei andere zweieiige Zwillinge. Ich habe damals eine innere Präferenz fürs Trennen gehabt, weil ich dachte, die beiden sollen lernen, sich alleine „durchzubeißen“. Wenn ich darauf bestanden hätte, wäre die Kita sicher mitgegangen, allerdings hätte das bedeutet, dass die Kinder in zwei unterschiedlichen Gebäuden gewesen wären. Das war mir eine Spur zu hart für Kinder, die 14 Monate lang immer zusammen waren außer einigen Tagen an denen Zwilling 1 in der Klinik war. Ideal wäre es sicher gewesen, wenn die Kinder im Nebengebäude, das ein etwas abgeschlossener Bereich mit zwei Gruppen ist, in Nachbargruppen gewesen wären. Dann hätten sie sich immer sehen können, aber es hätte auch gruppeninterne Dinge gegeben, bei denen jeder für sich gewesen wäre. Das war aber aus organisatorischen Gründen nicht möglich und ich habe die gute Idee auch nicht weiter verfolgt. Wir waren einfach froh, zwei Ganztagesplätze angeboten zu bekommen und das nur 8 Wochen nach dem gewünschten Termin.
Die Zwillinge gehen gerne in die Kita, mit seltenen Tagen, an denen sie sich nicht von mir oder Alphalama trennen wollen. Sie fügen sich auch in größere Gruppen bei den Randzeiten gut ein, haben Bekanntschaften gemacht und erste Freundschaften geschlossen. Wobei die Auswahl bei 8-10 Kindern zwischen 10 Monaten und 3 Jahren gering ist und die beiden sich mit dem einen Altersgenossen ihres Geschlechts eher schlecht verstehen. Man könnte fast meinen, es gäbe eine Fehde zwischen den Dreien, wenn man sie reden hört. Das nächste Kind des gleichen Geschlechtes ist 1 Jahr jünger, dann gibt es noch zwei andersgeschlechtliche Kinder, ungefähr im gleichen Alter. Die finden meine Zwillinge interessant, verehren sie auch regelrecht, aber die Interessen kommen nicht zueinander. Die Folge: die beiden spielen in der Gruppe viel miteinander. Und da die Krippengruppe ohnehin eher für sich ist, verbringen sie dort auch die meiste Zeit. Die Zwillingslamas haben im Grunde nur mal Pause voneinander, wenn sie schlafen oder wenn einer der beiden krank zu Hause ist. Das ist eine wichtige Feststellung, die auch erklärt, warum die beiden manchmal extrem genervt von der Anwesenheit des anderen sind. Und da die verbale Ausdrucksfähigkeit nach wie vor nicht sehr hoch ist und auch nicht davon ausgegangen werden kann, dass das Geschwister auf die Bitte nach Ruhe überhaupt reagiert, geht es körperlich immer wieder mal hoch her. Das bringt der gesamten Familie ein erhöhtes Stresspotential und die Kinder können nur selten mal ein Puzzle ungestört legen oder ein Buch in Ruhe schauen. Wir Eltern schauen sehr bewusst darauf, die Kinder zu eigenen Tätigkeiten anzuleiten und den Raum dafür zu bereiten, dass diese auch in Ruhe ausgeführt werden können. Wir bauen in den Alltag noch mehr als ohnehin schon Phasen der freien Bewegung und des Austobenkönnens ein. (so geht jedes Kind eine Wegstrecke zur Kita bzw. von der Kita am Tag zu Fuß) und nutzen jeden Besucher dazu, den Kindern exklusive Ausmerksamkeitszeiten mit einem Erwachsenen anzubieten.
Ich habe die Erzieherinnen nach ihrer Einschätzung gefragt, was die Zukunft in den neuen Gruppen angeht. Sie sind (auch) für das Trennen. Bisher kenne ich bei uns nur Zwillinge, die zusammen geblieben sind (mindestens 6 Familien). Aber auf unsere Zwillinge passt das glaube ich nicht so gut. Mein Bauch sagt, dass das Trennen, wenigstens für die kommenden drei Kitajahre gut sein könnte. Dass die Kinder sich dann nicht auf den anderen stützen, sondern sich selbst behaupten müssen, dass sie ihre Talente entdecken können, dass sie nicht „die Zwillinge“ sondern Individuen sind. Die beiden sind ziemlich unterschiedlich im Temperament und zeigen auch leicht unterschiedliche Interessen. Dennoch sind sie natürlich gleichaltrige, gleichgeschlechtliche Kinder der selben Familie. Allein daher sind sie in vielen Dingen natürlich ähnlich unterwegs. Und dennoch: Ich erkenne immer wieder Funken vom Eigenen, erlebe auch deutlich, wie die Kinder zu Minilama, Alphalama, Babylama, den Großeltern und mir ganz unterschiedliche Beziehungen pflegen, wie sie unterschiedlich auf Fremde zugehen, wie sie sich für leicht abgewandelte Themen interessieren. Noch sehen sie sich sehr ähnlich, vor allem, denke ich, weil die Haarfarbe noch exakt die gleiche ist. Im Gesicht differenziert es sich schon aus – andere erkennen das noch nicht so gut. (Ich unterscheide aber auch nur meine eigenen Zwillinge korrekt und irre mich doch, wenn ich sie von hinten sehe, vor allem, wenn sie die gleiche Jacke tragen. Aber auch sonst mal so. Und dann schimpfe ich, weil der Gerufene nicht gehört hat. Und dann schäme ich mich ein bisschen.)
Wir trennen sie also ab dem Sommer. Auf einer Etage können sie nicht sein, denn dann wäre einer von ihnen bei Minilama. Und davon rät die Kita ab, ich will es auch nicht. Minilama braucht defintiv seinen eigenen Bereich, gerade im Vorschuljahr. Und genau das gestehe ich den Zwillingslamas auch zu. Den eigenen Bereich. Einer wird oben bei Minilama sein (und zwar der Zwilling, der die nicht so innige Bindung an Minilama hat) und der andere neben der Krippengruppe, wo auch die morgendliche Auffanggruppe ist. Wir probieren es aus. Ich bin gespannt.

Großfamilie – ein paar Gedanken

Seit knapp 2 Monaten sind wir offiziell eine Großfamilie und zählen zu den knapp 2 Prozent Familien mit mehr als drei Kindern in Deutschland.
Ich finde es immer noch gewöhnungsbedürftig, zu sagen, dass ich vier Kinder habe. Die Antwort „drei“ hat sich schon richtig gesetzt gehabt.
Die Umstellung finde ich nicht so krass, wie man es sich vielleicht denken würde, wenn man ein Kind (also kein Kind) hat. Auch ist dieser Sprung vom zweiten zum dritten Kind bei uns ja nicht vorhanden gewesen. Wir waren 28 Monate lang überforderte Einkindeltern und waren dann direkt kinderreich. Da blieb keine Zeit mehr, sich seine eigene Überforderung klar zu machen oder herumzujammern. Mit Zwillingen erwartet irgendwie (fast) jeder, dass man total fertig, überfordert und am Ende ist. Und da ich nicht gern das tue, was von mir erwartet wird, war dem auch nicht so. Abgesehen davon bin ich glaube ich so der Typ Zwillingsmama – ich mache es mir nicht gerne einfach, das ist nicht so mein Stil. Wir haben uns direkt maximal auf die Rabauken gefreut und von Anfang an akzeptiert, dass es jetzt zwei auf einmal sind. Ich bereue nicht, dass das Zwillingsmamasein mir manches unmöglich gemacht hat und fühle mich auch nicht um irgendwas betrogen, wie eine Bekannte von mir mal sagte. Die Zwillinge sind zum Glück reif geboren und hatten gesundheitlich bisher eine weitgehend beschwerdefreie Kindheit. Das macht sicher auch einen Unterschied und erspart viel Leid und seelischen Stress. Hier ist zum Glück nur der alltägliche Wahnsinn mit den auf Radau gebürsteten 2,5 jährigen Zwillingen zu bewältigen. Die keine Angst kennen, überall rauf klettern, überall runter springen, die Beißen und Hauen als Kommunikationsform nutzen, für die ein „nein“ großen Aufforderungscharakter hat und die immer Stärke und Trost aus der Nähe des anderen ziehen können. Eben noch mit Steinen nach dem anderen geworfen und nun sitzen beide einträchtig Händchen haltend im Buggy. Und auch hier gilt wieder einmal: Mama wächst an ihren Aufgaben. Ich versuche mir anzugewöhnen nur noch bei Gefahr laut zu werden und ansonsten „laufen“ zu lassen. In die Pfütze springt Zwilling 1 so und so, ob mit meiner akustischen Untermalung oder ohne. Gummistiefel gibt es hier aber keine. Insofern muss das Kind dann die Konsequenzen tragen (oder die Ersatzschuhe, die ich extra aus diesem Grund angeschafft habe).
Mit der Entscheidung für ein weiteres Kind haben wir noch einmal „ja“ gesagt zu den ganzen Unsicherheiten und Gefahren einer Schwangerschaft, begeben uns in ein erhöhtes Armutsrisiko (es steigt signifikant ab dem vierten Kind, da die Ausgleichszahlungen ab jetzt nicht mehr die Kosten und die Verdienstausfälle kompensieren können. Viele bekannte Eltern können uns nicht verstehen, sind absolut fertig mit dem Kinderkriegen und überhaupt. Finden das Baby süß, keine Frage, aber wollen keines mehr selbst haben. Manche würden wohl noch eines nehmen, aber bekommen wollen sie keines mehr. Ging mir im Grunde ja ähnlich, aber ich habe mich durchgebissen. Und eine Erinnerung an die ganze Sache gleich mit bekommen.
Babyerfahren sind wir mittlerweile und haben auch schon vor Jahren auf eigene Bedürfnisse komplett verzichtet. Daher ist die Umstellung nur minimal, der Schock, den man beim ersten Kind erlebt, ist völlig ausgeblieben.
Was ist anders als Großfamilie? Zwilling 2 schläft nach wie vor saumäßig schlecht, weint, wandert nachts umher, döst ein bisschen bei uns, döst ein bisschen mit Mama bei sich im Bett. Das ist gleich geblieben. Das Baby ist nachts auch wach und trinkt, meckert, schläft dann wieder. Die Schlafprobleme fangen hier später an, so mit dem ersten Zähnchen.
Das Auto musste gewechselt werden. Und nach wie vor mag ich es ungern nutzen, weil es so unpraktisch ist, alle Kinder rein zu schnallen. Gerade für kurze Wege. Das Prozedere fand ich schon mit Minilama nervig und bin daher immer zu Fuß unterwegs gewesen. Mit den Zwillingslamas wars unpraktisch, weil ich nicht beide zusammen tragen konnte, wenn ich dann angekommen war. Und jetzt würde es schon gehen, geht auch bei Regen, mit dem Tragetuch, ist aber umständlich und man braucht immer noch was, wo man das Baby drauflegen kann, wenn man sich um die Zwillingslamas kümmert. So einfach auf den Kitaboden legen finde ich dann doch zu nachlässig. Und die Kinder mal machen lassen mit Baby auf dem Arm, ein romantisches Stilleben mit Säugling – das ist ein schlechter Witz. Hier müssen noch die Kinder davon überzeugt werden, mit heim zu kommen und wehren sich aktiv gegen das Anziehen, laufen weg, matschen mit Wasser, spielen noch rasch etwas, ziehen sich Angezogenes wieder aus usw. Ein Schauspiel für Alt und Jung. Ich schnalle mir dann immer das Baby auf den Bauch und die Softtragetasche vom Kinderwagen auf den Rücken.
Am besten geht es nach wie vor zu Fuß. Die Zwillinge müssen jetzt das Gehen lernen. Die Kondition ist kein Problem, aber das Hören, wenn Gefahr droht, ist ausbaufähig. Und auch das Nichtanfassen von allem, was da so rumliegt, ob Wurm, Kippe, Schnecke, Müll, Kot oder Erbrochenes. Und das nicht Klingeln bei allen Nachbarn, das Nichtklettern auf jede Mauer. Das Nichtwerfen von Steinen aus Vorgärten. Ich bin aber der Meinung, dass ihnen dieser Lernprozess zugemutet werden kann, dass fast dreijährige Kinder mit gesunden Beinen nicht dauerhaft gefahren werden brauchen. Und so braust morgens um 7 Minilama mit dem Roller oder Rad voran und läuft ein Zwilling hinterher während ich den anderen Zwilling und Babylama mit Zwillingswagen schiebe. Und wenn eine gefährliche Ecke kommt, muss der entsprechende Zwilling dann aufs Buggyboard. Ja, bei uns ist das Laufendürfen die Belohnung und das Board oder der Wagen kommt als Bestrafung rüber. Und mittags das Ganze umgekehrt. Es ist ein hartes Stück Arbeit, aber es wird sich auszahlen, da bin ich sicher. Ich sehe es ja bei Minilama. Wie viele Kinder in seinem Alter nur mit Auto oder Buggy bewegt werden und keine Strecke zu Fuß bewältigen können. Auf Dauer keine gute Lösung für mich. Die Antworten sind immer die gleichen „ja, das sind Zwillinge“ und „nein, es ist nicht so viel Arbeit wie ihr schockiertes Gesicht ausdrückt“ und oft auch „Ich habe noch Zwillinge, daher der große Kinderwagen. Ja, die sind grade im Kindergarten. Nein, das ist doch nicht schlimm, ich finde es schön, mit den Kindern. Das Baby ist total gut aufgenommen im Kreis der drei Geschwister. Drei, ja. Minilama fährt übrigens mit dem Roller, der ist in der Kita stehen geblieben. Ja, es sind vier insgesamt. Sieht man mir nicht an, ich weiß. (was das auch immer heißen mag, da ist viel Spielraum möglich) Diese ganzen Kinder, find ich super, es ist ein großer Segen.“

Alltagsästhetik: Geburtsgeschenke

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

 

Wenn bei uns ein Baby (oder zwei) geboren werden, bekommen die Großen ein besonderes Geschenk. Das ist etwas, das es normalerweise eher nicht geben würde und von dem wir annehmen, dass die Kinder es absolut genial finden werden. Minilama bekam vor 2,5 Jahren beispielsweise ein riesiges Plüschpferd , das nach wie vor täglich bespielt und  geherzt wird (es hat vorher bei einer anderen Familie gewohnt und erhält nun bei uns das Gnadenbrot, die Schutzgebühr für Finn Fohlen betrug 5 Euro). Auch dieses Mal habe ich voll ins Schwarze getroffen, selbst genähtes Einhorn und Parkgarage mit Sound, die andere Kinder aussortiert haben und für 10 Euro verkauft haben (wie gesagt, würde es normalerweise definitiv nicht geben) kommen mehr als gut an. Und erleichtern ein bisschen den Übergang ins neue Leben im veränderten Familiengefüge. Dazu gabs Pins  Shirts und je ein Buch alles über die Zeit des Klinikaufenthalts verteilt, damit der Abschied nicht so schlimm wird. Gerade Zwilling 2 hatte damit zu kämpfen und wollte, dass die Mama mit heim kommt, notfalls auch ohne Babylama. Zwilling 2 hat es ja auch am schwersten, ist nicht mehr das jüngste Kind.

 

Leben mit Zwillingen: Heute und vor 28 Monaten

Unsere Zwillinge sind seit 28 Monaten bei uns. Babylamas kann man die schon länger nicht mehr nennen. Als Minilama 28 Monate alt war, war es schon großes Geschwisterchen und hatte die Babylamas auf dem Schoß, trank ihnen die Milch weg und probierte ihre Sauger aus.
Zwillinge zu haben ist eine wunderbare Sache und ein großes Geschenk.  Ich habe mir schon immer Zwillinge gewünscht. Als der Wunsch dann wahr wurde, war ich mir nicht sicher, ob ich mir das gewünscht hatte, weil ich tief in mir geahnt habe, dass ich mal Zwillingsmama sein würde (also irgendwie vorhersehend) oder ob diese tiefe Wünschen auf irgendeine Weise die Wirklichkeit beeinflusst hatte.
In jedem Fall kam es mir unwirklich vor, dass aus meinen „wir bekommen sicher Zwillinge“ Witzen dann eines Tages Wirklichkeit wurde. Dieser Erstschock über den Kindersegen, den manche Eltern verspüren, habe ich einfach übersprungen und war erst total froh und später dann immer wieder ganz besorgt, ob mein Wunder auch in Erfüllung gehen würde.
Zwillingsmama zu sein ist vielfältig. Oft ist es  total witzig und amüsant,  da die Menschen oft auf so skurrile Weise auf Zwillinge reagieren. Manche Zwillingsmamas erwägen ja deshalb auch, einen Klingelbeutel an den Wagen zu machen, um für jeden dieser witzigen Sprüche auch gleich eine Spende einzusammeln. Je nachdem, was zuhause gerade los ist, ist es auch nervig, da man so sehr in die Öffentlichkeit gerät und viele Menschen sich einbilden, besser zu wissen, was die Kinder gerade brauchen und sich ungefragt einmischen oder – was mich auch sehr geärgert hat – meinen, man sei zu schwach und zu zerbrechlich und ungeeignet für das eigene Leben, dass man nun karitative Unterstützung benötigt. Eine andere Erscheinung davon ist es leider, dass man echt oft angeglotzt wird, wenn man entweder unterwegs ist oder sich gerade mit was Schwerem abmüht.
Meistens ist es super schön , so süße und tolle Kinder zu haben und beobachten zu dürfen, wie sie aufwachsen und ich würde nicht tauschen wollen. Oft denke ich mir, gerade aktuell in der Trotzphase, dass diese Trotzphase mal zwei schon eine Nummer für sich ist, von der ich gern ab und an mal eine Pause haben möchte und auch den Kindern gern für eine kurze Weile die ganze Wut über die eigenen Grenzen ersparen würde.
Das Leben mit unseren Zwillingen hat sich seit ihrer Geburt ziemlich verändert. Die Zwillinge, die kleinen autonomen Anarchiekinder, ja auch. Es lohnt sich also, mal genau zu schauen, wie die Basics, die Alltagsdinge sich so verändert und entwickelt haben. Alltag mal zwei – das heißt natürlich auch doppelt so viele Fläschchen, doppelt so viel Brei kochen, doppelt so viele Kleider besorgen und waschen, doppelt so viele Stoffwindeln waschen, doppelt so viel einpacken, wenn man mal raus will.
Aber wie hat sich unser Leben eigentlich verändert seit wir die Babies begrüßen durften?
Hier ein kurzer Überblick über alle Dinge, die einen täglich so betreffen:

 

Frisch geschlüpft und die erste Zeit zuhause Mit 28 Monaten
Ernährung Die Zwillinge sind Flaschenkinder. (Wer dazu mehr wissen mag, einfach im Archiv stöbern oder den Links folgen).

Es war einiges an Ausrüstung nötig, um die hungrigen Gesellen zufrieden zu machen. Die Kinder haben rasch im Schnitt 8 Fläschchen Pre-Milch am Tag getrunken. Mindestens 15 Glasfläschchen und passende Sauger, ein guter Vaporisator, ein Thermometer und Thermosflaschen, haben wir gehabt.
Täglich wurde mehrmals gespült und vaporisiert, alles neu vorbereitet, eingefüllt, Wasser gekocht usw. Wichtig ist es, ständig dran zu bleiben, damit nicht auf einmal keine sauberen Fläschchen mehr vorhanden sind, denn wenn die Kinder hungrig sind, ist der Vaporisator, egal wie toll er ist, immer zu langsam. Von wegen „Ruhen, wenn das Kind ruht“. Hier ist eher angesagt, sobald die Kinder ruhen, die Flaschen wieder einsatzbereit zu machen und neues Wasser abzukochen und auf 40 Grad abzukühlen.
Beschaffungsprobleme gibt es öfters mit dem Milchpulver, das kennen Mamas, die nicht stillen können. Hier herrscht zwischendurch regelrechter Mangel im Handel und man darf, wenn was da ist,  nur 3 Pakete pro Haushalt mitnehmen. Unser DM ist aber so kulant, dass wir pro Kind 3 Pakete kaufen dürfen und ich somit nicht ständig die Angst haben musste, dass wir morgen nichts zum Füttern haben.
Täglicher Verbrauch im Schnitt: 1 Paket Milchpulver.

Unterwegs ist natürlich entsprechend eine größere Logistik nötig, um die Kinder zu ernähren. (siehe „Unterwegs“)

Essen die Zwillingslamas alles, was auf den Tisch kommt. Auch in der Kita sind meine beiden die Topesser. Sie haben guten Appetit, honorieren die Kochkünste des Kochs, mögen nahezu alles gern. Sie essen gute Portionen und machen uns was das angeht keine Probleme. Unterwegs ist das natürlich genial.
Schlafen Die Zwillingslamas schlafen als Babies relativ gut. Sie sind in Wiegen in unserem Zimmer untergebracht, wo wir sie auch füttern. Meist hat einer eine gute Nacht, der andere eine eher schlechte Nacht. Gegenseitig wecken sie sich nie, auch tagsüber nicht. Das verwundert Außenstehende immer wieder.
Nach dem Fläschchen schlafen sie  immer schnell wieder ein. Wickeln mussten wir schon mit 6 Monaten nachts nicht mehr, auch weil Alphalama mit Beikoststart die nächtlichen Mahlzeiten konsequent ausschleicht.
Wir Eltern sind die meiste Zeit relativ ausgeschlafen.
Wann das Schlafen schwierig wurde kann ich nicht mehr sagen. Aber es ist ein schwieriges Thema. Wir waren lange so froh, dass die Babies besser schlafen als Schrei-Minilama  und über vieles hinweggesehen. Das hat allerdings mit 14 Monaten zuverlässig geschlafen.
Das tun die Zwillinge nicht mehr. Zwilling 1 schläft meistens gut, braucht 2-3-mal den Sauger nachts, wenn er ihn im Schlaf verliert. Zwilling 2 schläft ähnlich leicht wie Minilama, wacht oft weinend auf, steht dann auf, legt den Schlafsack ab, weckt auch seine Geschwister, kommt zu uns ins Zimmer gelaufen, schläft regelmäßig die zweite Nachthälfte bei uns im Bett.
In guten Nächten muss Alphalama 3-mal raus, in schlechten sind wir Eltern bis zu 10-mal auf den Beinen. Ab 5.00 Uhr ist eigentlich immer Schlafende und der Tag beginnt.
Wir Eltern sind regelmäßig in einem Zombimodus unterwegs, was dazu führt, dass unsere Geduld oft rasch aufgebraucht ist.
Gesundheit Bis auf  eine wiederkehrende chronisch-obstruktive Bronchitis mit Diagnose hyperreaktibles Bronchialsystem, besonders  im ersten Herbst und Winter bei Zwilling 1 alles ok. Zum Glück hatte der Kinderarzt in der Klinik nicht recht behalten als er meinte, dass wir uns noch Öfters (zumindest in dieser Sache) sehen werden.
Irgendwie ist es mir trotz aktivem Achten darauf nicht geglückt, dass der Hinterkopf von Zwilling 1 schön rund bleibt. Ich habe die beiden echt gewendet wie die Hähnchen und geschaut, dass keiner eine spezielle Seite beim Nebeneinanderliegen hat. Das ist so ein Zwillingsproblem. Ich hatte die Schwierigkeiten klar, dennoch hatte das Baby von Anfang an eine Lieblingsseite. Eine Mama aus dem Rückbildungskurs hatte dann ein Kissen in der Tragewanne ihres Wagens, die gab mir dann den Tipp, ein Lagerungskissen anzuschaffen. Wir haben dann beiden Kindern eins gegönnt und es hat sich gut ausgewachsen. 100 % weg ist es leider nicht, aber durch die Haarpracht wird es verdeckt. Da hatte ich lange dran zu knabbern, dass mir sowas „passiert“ ist, aber weder Kinderarzt, noch der Oberarzt in der Klinik noch ein spezieller Orthopäde, von ich das Kind dann hingeschleift habe, war sonderlich von meinen Horrorszenarien überzeugt.
Kitakrankheiten wie Bindehautentzündung, Mund-Hand-Fuß-Krankheit oder Magendarmerkrankungen. Und Fieber wegen dem Zahnen.
Im Grunde aber die normale Abhärtung, die jedes Kitakind durchmacht, leider mit einer Häufung von Magen-Darm-Infekten, die uns dieses Frühjahr einmal in die Klinik brachte und beim Gesundheitsamt meldepflichtig werden ließ. War aber im Rückblick alles halb so wild.
Pflegen und Wickeln Die Zwillinge sind sehr wenig gewaschen worden, um die empfindliche Haut nicht zu reizen. Geduftet haben sie trotzdem immer total toll.

Wickeln war eine wahre Wonne. Besonders nach dem ganzen Ärger mit Minilama, das monatelang das Wickeln sehr abgelehnt hat und viel getobt hat, war das Wickeln immobiler süßer Knöpfe eine echte Freude. Ich habe es sehr genossen, jedes Mal. Wir wickeln die ersten 2 Lebensjahre ausschließlich mit Stoff. (Für mich eine Herzensangelegenheit und eine Kompensation, dass ich den Kindern keine Muttermilch bieten konnte.)

Die Zwillinge werden einmal in der Woche im Hallenbad nach dem Schwimmspaß gewaschen. Machen wir auch mit Minilama so. Hat sich für uns bewährt, da wir Eltern wenig Ärger damit haben und die Kinder es gut finden.
Das Wickeln ist eher problematisch. Seit wir das Stoffwickeln in der Kita (auf Druck der Kita) aufgeben mussten, wollen die beiden auch zuhause die Prozedur mit den Höschen- oder gar Bindewindeln nicht mehr erdulden. Außerdem haben beide eine wirklich gesegnete Verdauung und trinken auch überdurchschnittlich viel. An guten Tagen macht jeder bis zu 5 Windeln mit was Größerem voll, und läuft auch noch 2-mal wegen Pipi aus. Auch mit den Wegwerfprodukten, auch mit Markenwindeln. Zwischendurch ging es mit dem Toilettengang mal recht vielversprechend los, das ist aktuell aber wieder zurückgegangen.
Das Windeln anlegen ist ein mühsames Geschäft, umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn sie kaum 30 Minuten sauber und trocken halten.
Unterwegs sein Der Aktionsradius mit den Babylamas ist sehr klein. Im Grunde ist es unser Ort und das Nachbardorf, wo Minilamas Kita ist. Die Zeiten außer Haus sind so geplant, dass man nach dem Fläschchen rausgeht und zum nächsten Fläschchen wieder heimgeht. Ich bin kein Fan davon, den halben Hausstand mit zu nehmen und auch grundsätzlich der Meinung, dass zuhause und nicht unterwegs gegessen und getrunken wird., da wir ja alle nicht am Verhungern sind. (sehen die Kinder manchmal anders…)
Dennoch waren wir täglich mehrmals draußen, allein zum Kitagang zwei Mal  (knapp 7 Kilometer Weg). Das Auto habe ich alleine in den ersten 8 Monaten nie genutzt mit den Kindern, weil mir das Ganze mit den Sitzen und dem bewegen von zwei Nichtläufern ab Parkplatz zu anstrengend war. Dafür ist das Zwillingszeugs zu schwer, zu wuchtig, zu wenig wendig.
Das Anziehen und in den Kinderwagen bringen und später wieder hoch holen ist körperlich anstrengend und bedarf organisatorischer Fertigkeiten. Außerdem muss man extrem schnell sein, denn der Arbeitsablauf wird immer wieder durch wütendes oder ängstliches Weinen neu beschleunigt.
Die Zwillinge  zu bewegen ist ein organisatorischer Aufwand, den wir mehr als selten unternommen haben. Ab 10 Monaten ging es besser, auch weil die Gesundheit vom Baby 1 dann stabiler wurde, die Kinder auch irgendwo abgesetzt werden könnten und ziemlich durchgeimpft waren. ich  bin ungern mit ungeimpften Kindern unter vielen Leuten, da die zunehmende und meiner Ansicht nach auch asoziale Impfmüdigkeit mancher Menschen ja die Schwächsten am meisten schädigt.Eine Autoreise braucht sehr viel Vorplanung, da viele Dinge mitgenommen werden müssen, Medizin, Inhaliergerät, Wechselkeidung, Säuglingsnahrung usw. Daher lassen wir das meistens aus.

 

Auch heute ist der Radius eher klein, sicher auch, weil wir alles ja vor Ort bekommen können. Wir gehen bei gutem Wetter nach wie vor täglich zu Fuß zur Kita und wieder zurück.

Auch Dinge des täglichen Bedarfes und die Wege zu den Freizeitaktivitäten legen wir in der Regel zu Fuß zurück.
Die Zwillinge nehmen zunehmend aktiv an diesem Geschehen teil, will heißen, sie laufen selbst. Sie sind laufbegeistert und laufstark. Ich muss sie manchmal bremsen, wenn sie müde sind oder übermütig oder wenn es dunkel wird, da es dann zu gefährlich für die beiden Wusel wird.
Einmal in der Woche sind wir im Hallenbad, ansonsten im Ort. Auch die Hobbies finden vor Ort statt. Da haben wir bei der Haussuche schon drauf geachtet, denn ich will und werde kein Mamataxiunternehmen aufmachen.
Die Omas und Opas kommen uns tendenziell eher besuchen als wir sie, auch, weil die Kinder eher wild drauf sind und nicht jede Wohnungseinrichtung darauf abgestimmt ist.
Urlaube oder Kurzausflüge in die weitere Umgebung sind mit dem Auto und zunehmend auch ohne Doppelbuggy kein Problem mehr. Wir brauchen so gut wie keine spezielle Ausrüstung mehr, vielleicht Wechselkleidung und eine Ersatzwindel, aber sind ansonsten frei beweglich, besonders natürlich, wenn es draußen warm ist.

Kommunikation Die Zwillinge kommunizieren viel miteinander, auch nonverbal und suchen unsere Nähe, lachen, wenden sich uns zu, suchen von Anfang an viel Kontakt zu Minilama Die Zwillinge reden relativ viel, bei Weitem nicht auf Minilamaniveau zu der Zeit, aber sie verstehen und verständigen sich. Durch die Trotzphase ist es oft schwierig rauszufinden, was in dem kleinen Wutzwerg vorgeht und wie man das Leid lösen könnte, da das Sprechen dann zugunsten wüstem Geschrei aufgegeben wird. Aber wir Eltern lernen.
Beschäftigung/ spielen Die Babyzwillinge liegen viel auf ihrer Decke, entdecken Hände und Greiflinge, bleiben an einem Ort und sind dort zufrieden. Ich kann sie auch mal alleine lassen und die Etage wechseln, um eine Waschmaschine anzustellen. Ich bin sehr viel entspannter in der Babyzeit als mit Minilama, einfach, weil ich den Eindruck habe, ich weiß, was zu tun ist. Die Zwillinge sind extrem mobil, motorisch sehr ambitioniert, erklettern nahezu alles, probieren jeden Knopf und jede Schublade. Sie spielen viel mit Fahrzeugen, gucken Bücher, laufen Bällen hinterher, beobachten Tiere, balgen herum, und schneiden mit Vorliebe mit der Schere.
Man kann sie keinen Augenblick aus den Augen lassen.

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Übungsphase

Aktuell übe ich mit den Zwillingen, wie man „selba“ im Dorf unterwegs sein kann. Die Kleinen sind in dieser „selba“ Phase und knatschen ordentlich los, wenn man vor lauter Geräuschkulisse und Seitengespräch überhört, dass das magische Wort gefallen ist. Ich liebe diese Autonomiephase sehr, denn unterstütze es, dass die Kinder so viel sie selbst können, auch selbst machen. Ich empfinde es als riesige Erleichterung, Kinder zu haben, die sich selbst die Jacke anziehen und ausziehe, die Loop und Mütze anziehen und die Interesse am Schuhe an- und ausziehen haben. Ich muss dazu sagen, dass meine Kinder dabei auch gleichermaßen ambitioniert wie begabt sind und mit minimalen Handgriffen der Unterstützung richtig gute Ergebnisse erzielen. Es macht auch Spaß, sie selbst machen zu lassen und ja, man spart richtig Zeit dabei, wenn das ständige Hinterherrennen und dompteurhafte Bändigen eines motzigen Kindes beim Ankleiden entfällt. Außerdem ziehen die beiden sich dann auch nicht mehr alles aus, was man ihnen zuvor angezogen hat.

Ich bin also voll dafür und finde es auch toll, dass man zunehmend mit ihnen reden kann. Wenn beide Eltern da sind, lassen wir ihnen oft die Wahl, wer die Windel wechseln soll oder wer die Zähnen nachputzt. Ja, sie putzen sich tatsächlich auch schon die Zähne selbst. Also spielen im Mund herum mit der Bürste. Aber sie lassen uns hinterher auch „nachputzen“, also sauber putzen ohne groß zu brüllen und spülen auch schön mit Wasser aus (ohne alles leer zu trinken). Wenn nur ein Elter da ist, ist wenn  Minilama Lust dazu hat, auch Minilamas Hilfe eine Auswahlmöglichkeit. Wir haben einen guten Zeitpuffer morgens und auch abends eingebaut, dann klappt dieses Vorgehen auch richtig gut. Und wir sind total konsequent, wenn Unsinn gemacht wird. Wer wegläuft und Unfug macht (in der Chaos-Einliegerwohnung aktuell ja auch gefährlich, weil vieles auf den umgekehrten Stühlen herumliegt. Wir arbeiten aber stetig dran.), wird in den Buggy gesetzt (also in den Buggy, den ich extra dafür gekauft habe. Das ist ein absolutes Billigding, nicht so recht straßentauglich, aber die Kinder kriegen den Verschluss am Sitz nicht auf, und zwar alle 3. Ein derart tolles Billigding gibt es echt selten.) und muss warten. In der Kita haben sie dafür Stühle und wohl etwas mehr Autorität, denn da stehen die Minis nicht mehr auf, wenn sie einmal drinnen sitzen. Mit uns wollen sie gern zanken und das geht leider nicht, wenn Gefahr im Verzug ist und/oder die Mama merkt, dass ihr gerade alles zu viel wir und sie geneigt ist, loszumeckern. Das soll ja nicht die letzten Momente vorm Kitatag bestimmen und daher helfen wir uns aktuell zur Not so aus. Parallel dazu äußern die beiden schon seit dem Sommer immer wieder den Wunsch, nicht im Buggy zu fahren, sondern selbst zu laufen. Auch hier rennen die Kinder offene Türen ein. ich merke, dass das Doppelbuggyschieben mich echt anstrengt, mit Baby. Außerdem sind unsere Kinder ja sehr  groß und entsprechend schwer. 14 Kilo wird jeder Zwilling sicher haben. Und obwohl wir einen guten Buggy haben und den auch neu gekauft haben. muss ich sagen: Das Ding ist echt am Ende. Ich würde das Modell trotzdem immer empfehlen, aber man muss einfach sehen, das wir im Schnitt 7 Kilometer am Tag mit dem Buggy fahren und das seit die Kinder 9 Monate alt sind (also seit sie sicher sitzen können), weil der Kinderwagen, den wir gebraucht vorher hatten, ein echtes Monster war und ich so froh war als ich das leichtere Modell nehmen konnte. Wir kaufen damit auch ein, also hängen kiloweise Einkäufe noch zusätzlich dran, Windeln und sonstiger Kitakram sowie Sportbeutel sowieso. Einige Male  war auch das Buggyboard mal angebracht und wenn es eng wird, mache ich auch die Hundeleine vom liebsten Leihhund am Griff fest. Der Buggy leistet Schwerstarbeit und auch die viel zu engen Straßen im Dorf belasten ihn zusätzlich. Wie heißen: Bekämen wir nochmal Zwillinge, wäre ein Neukauf über Kurz oder Lang angeraten. Das wir aber einen Einling erwarten, war ohnehin ein Anderskauf nötig, denn ihr könnt euch denken, wie Minilamas Kinderwagen ausgesehen hat als wir mit dem fertig waren. Da war ein Laufpensum noch höher, da das Kind nur im Wagen gut schlief und ich den Wagen nicht  in die Wohnung kriegen konnte. Den Wagen haben wir für 50 Euro als Zweitwagen verkauft und jetzt endlich mal was Solides angeschafft. Auch wieder gebraucht und auch wieder unter der Maßgabe weniger als 200 Euro. Mehr gebe ich nicht aus, bringt ja nichts. Ich bin mal gespannt, ob dieses Markenprodukt überzeugt. Einzelbuggies haben wir ja auch 2 Stück. Das Billigding und Minilamas Zweitwagen. Der erste Einzelbuggy verlor eines Tages nach zahllosen Kilometern ein Rad. Da haben wir umgehend einen Ersatzwagen gekauft, damals noch unter der Hinsicht, dass ein krankes Minilama oft so schwach war, das es dann gar nicht laufen konnte. Und zur Apotheke oder Kinderarzt oder einfach zum Lufttanken wollte ich unbedingt was Wendiges haben. Hat sich auch für einen kranken Zwilling schon bewährt und ich nutze den Wagen, der immer im Auto herumliegt aktuell gern zum Transport meines Einkaufs vom Parkplatz nach Hause (wir können ja schlecht am Haus halten und da wir eine Bank gegenüber haben, tun das Wildfremde gern und wir Anwohner haben dann das Nachsehen und müssen manchmal sogar warten und „bitte“ sagen, damit wir mit dem Kinderwagen ins Haus können/dürfen.) Am Anfang hatte ich immer den Doppelbuggy im Auto und habe die Kinder so in die Kita gebracht, wenn wir nicht ohnehin zu Fuß unterwegs waren. Bei Regen und Sturm habe ich erstmal den schweren Buggy aus dem Kofferraum geholt, aufgestellt und die Kinder reingehoben. Da war ich und auch der Buggy oft schon durchnässt bevor es richtig losging. Die Taschen konnten dann auch gut dran. Mit der Zeit habe ich mich – auch schwangerschaftsbedingt – dazu entschieden, es mit dem deutlich leichtern Einzelbuggy zu probieren. Der liegt im Auto, i ich fragt ab, wer heute will, dort rein, der andere läuft entweder an der Hand (ging oft super schlecht, auch weil der Wagen mit einer Hand so schlecht zu lenken war und ich keine Zeit hatte, Räder festzustellen) oder einer stieg hinten in den Korb (ist nicht erlaubt, da das Kind zu schwer ist, weiß ich, habe ich aber trotzdem gemacht und für die 100 Meter zur Kita ging es gut, da die Kinder so klug sind, sich aufs Metall unter dem Korb zu stellen.) Mittlerweile gehen wir eigentlich nur noch ohne den Buggy in die Kita, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind. Jedes Kind bekommt seinen Rucksack auf den Rücken, ich schnappe mir rechts und links einen Zwerg und wir überqueren die Straße. Die Kinder sind erstaunlich fit darin und laufen auch kaum noch weg. Hier sehe ich eine große Weiterentwicklung bei den Kleinen. Minilama kann das alles ja schon länger, Minilama fährt ja auch mit dem Rad oder Roller in die Kita ohne dass ich eine einzige Verkehrsinfo mehr geben muss. Wenn wir nur einen Einling als zweites Kind hätten, wäre ich sicher auch schon deutlich weiter. Aber auch die Herausforderung mit zwei Wuseln umzugehen während mehrere Baustellen vor, an und neben der Kita sind und ein echtes Verkehrschaos in der sonst ruhigen Nebenstraße herrscht, nehme ich an und spüre, wie ich täglich besser damit umgehen kann. Das ist ja im Grunde das Wesentliche: Die Kinder haben keine Probleme mit Situationen. Sie wollen die Welt entdecken. Das Problem sind die Eltern, die überfordert sind und selbst nicht wissen, was zu tun ist. Zumindest ist das bei uns so. Sobald ich akzeptiere, wie es ist und mir wirklich Gedanken mache, was die Kinder brauchen, was ihre Bedürfnisse sind und mich komplett darauf einstelle, wird es einfacher. Parallel dazu weiß ich und wissen die Kinder jederzeit, was geschieht, wenn sie die Grenzen übertreten. Denn da kann ich mit 3 Kindern und im Schwangeren Zustand keine Kompromisse machen. Wenn es gefährlich wird, müssen alle drei sofort auf mich hören, auch wenn ich nicht gleich eingreifen kann. Wer warum auch immer dazu gerade nicht in der Lage ist, verliert sein Laufprivileg.

Dieser Lernprozess läuft ungefähr seit Sommer, seit die Zwillinge zwei Jahre alt sind. Verstärkt ist meine Ambition, die Kinder hier vorrangig zu fördern dadurch, dass wir bald ein weiteres Familienmitglied haben, das definitiv im Einzelwagen gefahren werden wird und es auf dem Buggyboard maximal Platz für ein weiteres Kind gibt. Wenn möglich aber zumindest streckenweise für gar keines, denn der Weg zur Kita hat einige fiese Steigungen und meinem Beckenboden zuliebe wäre ich gern in der Lage, die Laufskills der Zwillinge genau dann abzufragen, wenn es Bergauf oder steiler begab geht. Zwilling 1 hat mehr Lust am Laufen und kann sich selbst aus dem Buggy lösen. Dieses Kind läuft also tendenziell öfters und ist deutlich weiter in der Verkehrssicherheit als Zwilling 2. Am Anfang haben beide alles angefasst, jede Hauswand befingert, jede Treppe in fremden Hauseingängen erklommen, jede erreichbare Klingel gedrückt jede erreichbare Hecke abgerupft, jeden Stock aufgelesen, auf alles damit geklopft, jeden Stein aufgesammelt, sind überall drauf geklettert. Das habe ich vielleicht 300 Meter ausgehalten bevor ich ein völliges nervliches Wrack war. Denn parallel dazu ist ja noch Verkehr auf der sehr engen Straßen und das nicht zu knapp un dich stelle mir andauernd die Frage, wie weit ich das Tun der Kinder laufen lassen kann ohne dass ihr Verhalten sozial unkonform wird. Unsere Kinderärztin hat uns mal so gesehen als sie mit dem Rad unterwegs war. Wir haben beim  nächsten Arztbesucht auch darüber gesprochen. Sie hat es von sich aus angesprochen, fand ich super. Sie hat mich bestärkt und in manchem auch entlastet, das fand ich sogar noch besser. Wenn man ständig die hysterische Irre  gibt, zumindest den Eindruck hat, dass man dauernd nur lautstark herummeckert und durch die Gegend blökt, tut es total gut, wenn man auch Bestärkung erfährt. (Letztens nannte mich eine andere Mutter sogar „gelassen“ angesichts all dessen, was um mich herum so los ist. Toll, aber leider unwahr.)

Diese Phase haben die Kinder (weitgehend) hinter sich gelassen und heben nur noch Kaugummis und Kippen auf, klettern an einigen erlaubten Stellen und springen nach wie vor mit Anlauf in jede Pfütze. Es bleibt also noch was zu tun.
Streckenmäßig sind beide top fit. Die 1,7 Kilometer sind konditionell kein Problem. Sie laufen die meiste Zeit, gehen ist nur zum kurzen Ausruhen vorm erneuten Laufen. Zwilling 1 geht deutlich besser am rechten Rand des Gehweges, Zwilling 2 kaspert für meine Begriffe allgemein noch zu viel, spielt Fangen, rennt zu nah  an die Straßenkante heran. Da fehlt es nicht nur an Übung, sondern auch an grundlegender Einsicht oder von mir aus auch an Gehorsam. Zwilling 2 geht daher nach wie vor meist nur den kürzeren Weg, kommt spätestens am Brunnen immer in den Buggy, weil er es irgendwie übertrieben hat, z.B. im trockenen Brunnen herumgematscht hat und Jacke, Hand und Gesicht völlig schwarz verdreckt sind – gern während ich Zwilling 1 die Windel wechsele, weil es einfach nötig ist grade.

Wir haben für alle Familienmitglieder gute Warnwesten angeschafft, damit wir auch im Halbdunkel gut gesehen werden und ich lasse die Zwillinge aktuell ungefähr auf halber Strecke aus dem Buggy raus, da ist ein relativ breiter Gehweg und die Kinder können den Rest des Wegs (bzw.-. eben bis zum Brunnen) schön bergab laufen. Zwilling 1 schafft regalmäßig die gesamte Reststrecke ohne mütterliches Meckern, muss nur am Weihnachtsbaum vom Schlagen gegen die Deko abgehalten werden und ist dann mit einer Klettermauer ablenkbar für weitere Schritte. Zwilling 2 braucht noch etwas mehr Beobachtung. Aber ich sehe gute Fortschritte und denke, die Kinder sind auf einem sehr guten Weg.

Heute war ein besonderer Morgen. An einer breiteren Straße hing Zwilling 1 schwer an meinem Buggy, Zwilling 2 lief vor und ich schaute mehr auf ihn als auf das Kind, das sicher und nah bei mir war. Plötzlich mitten auf der Straße Geruckel und Gebrüll von Zwilling 1. Da ich ungern mitten auf einer Straße stehenbleibe, sind wir erstmal an die Bushaltestelle gegangen, an die natürlich just in dem Moment ein Gelenkbus anfuhr. Und wie sich das gehört, mit ordentlich Geschwindigkeit und Kanten schneiden. Als ich die Kinder aus der Gefahrenzone bewegt hatte, wurde mir klar, dass Zwilling 1 seinen Schuh verloren hatte, mitten auf der Straße. Und ein Auto kam auf dieser Straße gefahren. Minilama befürchtete schon, dass es über den Schuh fährt. Ist zum Glück nicht passiert. Nass war die Strumpfhose natürlich trotzdem.
Später warf Zwilling 2 ein weihnachtliches Wichtelmännchen im Eingangsbereich der Kita vom Sockel, dessen Beinchen dann auf dem Boden zersprangen. Meine Bitte, das Männchen nicht anzurühren, hatte das Kind überhört. (Ich habe das natürlich in der Kita direkt gestanden, ist ja klar und drum gebeten, ein bisschen genauer die Handlungen dieses kleinen Wildlings zu beobachten. Dabei erfuhr ich noch die eine oder andere nette Überraschung in Bezug auf das, was meine Kinder gerade witzig finden.)
Zwilling 1 bekam dann noch eine frische Strumpfhose und Hose, Zwilling 2, wo ich doch schon dabei war, eine frische Windel (ich wollte nicht, dass er noch ewig drin rumsitzen muss, bis die Erzieherinnen ihre Wickelroutine gegen 8.30 Uhr beginnen) und beiden wurden noch sehr ausgiebig die Händchen gewaschen, die vom Fallen und Stolpern ganz dreckig waren. Am Waschbecken trafen wir dann noch eine andere Mama, die ihrem Kind beim Saubermachen half. Der Kleine war auf dem Weg vom Auto in die Kita in den Matsch gefallen…