Leben mit Zwillingen: Heute und vor 28 Monaten

Unsere Zwillinge sind seit 28 Monaten bei uns. Babylamas kann man die schon länger nicht mehr nennen. Als Minilama 28 Monate alt war, war es schon großes Geschwisterchen und hatte die Babylamas auf dem Schoß, trank ihnen die Milch weg und probierte ihre Sauger aus.
Zwillinge zu haben ist eine wunderbare Sache und ein großes Geschenk.  Ich habe mir schon immer Zwillinge gewünscht. Als der Wunsch dann wahr wurde, war ich mir nicht sicher, ob ich mir das gewünscht hatte, weil ich tief in mir geahnt habe, dass ich mal Zwillingsmama sein würde (also irgendwie vorhersehend) oder ob diese tiefe Wünschen auf irgendeine Weise die Wirklichkeit beeinflusst hatte.
In jedem Fall kam es mir unwirklich vor, dass aus meinen „wir bekommen sicher Zwillinge“ Witzen dann eines Tages Wirklichkeit wurde. Dieser Erstschock über den Kindersegen, den manche Eltern verspüren, habe ich einfach übersprungen und war erst total froh und später dann immer wieder ganz besorgt, ob mein Wunder auch in Erfüllung gehen würde.
Zwillingsmama zu sein ist vielfältig. Oft ist es  total witzig und amüsant,  da die Menschen oft auf so skurrile Weise auf Zwillinge reagieren. Manche Zwillingsmamas erwägen ja deshalb auch, einen Klingelbeutel an den Wagen zu machen, um für jeden dieser witzigen Sprüche auch gleich eine Spende einzusammeln. Je nachdem, was zuhause gerade los ist, ist es auch nervig, da man so sehr in die Öffentlichkeit gerät und viele Menschen sich einbilden, besser zu wissen, was die Kinder gerade brauchen und sich ungefragt einmischen oder – was mich auch sehr geärgert hat – meinen, man sei zu schwach und zu zerbrechlich und ungeeignet für das eigene Leben, dass man nun karitative Unterstützung benötigt. Eine andere Erscheinung davon ist es leider, dass man echt oft angeglotzt wird, wenn man entweder unterwegs ist oder sich gerade mit was Schwerem abmüht.
Meistens ist es super schön , so süße und tolle Kinder zu haben und beobachten zu dürfen, wie sie aufwachsen und ich würde nicht tauschen wollen. Oft denke ich mir, gerade aktuell in der Trotzphase, dass diese Trotzphase mal zwei schon eine Nummer für sich ist, von der ich gern ab und an mal eine Pause haben möchte und auch den Kindern gern für eine kurze Weile die ganze Wut über die eigenen Grenzen ersparen würde.
Das Leben mit unseren Zwillingen hat sich seit ihrer Geburt ziemlich verändert. Die Zwillinge, die kleinen autonomen Anarchiekinder, ja auch. Es lohnt sich also, mal genau zu schauen, wie die Basics, die Alltagsdinge sich so verändert und entwickelt haben. Alltag mal zwei – das heißt natürlich auch doppelt so viele Fläschchen, doppelt so viel Brei kochen, doppelt so viele Kleider besorgen und waschen, doppelt so viele Stoffwindeln waschen, doppelt so viel einpacken, wenn man mal raus will.
Aber wie hat sich unser Leben eigentlich verändert seit wir die Babies begrüßen durften?
Hier ein kurzer Überblick über alle Dinge, die einen täglich so betreffen:

 

Frisch geschlüpft und die erste Zeit zuhause Mit 28 Monaten
Ernährung Die Zwillinge sind Flaschenkinder. (Wer dazu mehr wissen mag, einfach im Archiv stöbern oder den Links folgen).

Es war einiges an Ausrüstung nötig, um die hungrigen Gesellen zufrieden zu machen. Die Kinder haben rasch im Schnitt 8 Fläschchen Pre-Milch am Tag getrunken. Mindestens 15 Glasfläschchen und passende Sauger, ein guter Vaporisator, ein Thermometer und Thermosflaschen, haben wir gehabt.
Täglich wurde mehrmals gespült und vaporisiert, alles neu vorbereitet, eingefüllt, Wasser gekocht usw. Wichtig ist es, ständig dran zu bleiben, damit nicht auf einmal keine sauberen Fläschchen mehr vorhanden sind, denn wenn die Kinder hungrig sind, ist der Vaporisator, egal wie toll er ist, immer zu langsam. Von wegen „Ruhen, wenn das Kind ruht“. Hier ist eher angesagt, sobald die Kinder ruhen, die Flaschen wieder einsatzbereit zu machen und neues Wasser abzukochen und auf 40 Grad abzukühlen.
Beschaffungsprobleme gibt es öfters mit dem Milchpulver, das kennen Mamas, die nicht stillen können. Hier herrscht zwischendurch regelrechter Mangel im Handel und man darf, wenn was da ist,  nur 3 Pakete pro Haushalt mitnehmen. Unser DM ist aber so kulant, dass wir pro Kind 3 Pakete kaufen dürfen und ich somit nicht ständig die Angst haben musste, dass wir morgen nichts zum Füttern haben.
Täglicher Verbrauch im Schnitt: 1 Paket Milchpulver.

Unterwegs ist natürlich entsprechend eine größere Logistik nötig, um die Kinder zu ernähren. (siehe „Unterwegs“)

Essen die Zwillingslamas alles, was auf den Tisch kommt. Auch in der Kita sind meine beiden die Topesser. Sie haben guten Appetit, honorieren die Kochkünste des Kochs, mögen nahezu alles gern. Sie essen gute Portionen und machen uns was das angeht keine Probleme. Unterwegs ist das natürlich genial.
Schlafen Die Zwillingslamas schlafen als Babies relativ gut. Sie sind in Wiegen in unserem Zimmer untergebracht, wo wir sie auch füttern. Meist hat einer eine gute Nacht, der andere eine eher schlechte Nacht. Gegenseitig wecken sie sich nie, auch tagsüber nicht. Das verwundert Außenstehende immer wieder.
Nach dem Fläschchen schlafen sie  immer schnell wieder ein. Wickeln mussten wir schon mit 6 Monaten nachts nicht mehr, auch weil Alphalama mit Beikoststart die nächtlichen Mahlzeiten konsequent ausschleicht.
Wir Eltern sind die meiste Zeit relativ ausgeschlafen.
Wann das Schlafen schwierig wurde kann ich nicht mehr sagen. Aber es ist ein schwieriges Thema. Wir waren lange so froh, dass die Babies besser schlafen als Schrei-Minilama  und über vieles hinweggesehen. Das hat allerdings mit 14 Monaten zuverlässig geschlafen.
Das tun die Zwillinge nicht mehr. Zwilling 1 schläft meistens gut, braucht 2-3-mal den Sauger nachts, wenn er ihn im Schlaf verliert. Zwilling 2 schläft ähnlich leicht wie Minilama, wacht oft weinend auf, steht dann auf, legt den Schlafsack ab, weckt auch seine Geschwister, kommt zu uns ins Zimmer gelaufen, schläft regelmäßig die zweite Nachthälfte bei uns im Bett.
In guten Nächten muss Alphalama 3-mal raus, in schlechten sind wir Eltern bis zu 10-mal auf den Beinen. Ab 5.00 Uhr ist eigentlich immer Schlafende und der Tag beginnt.
Wir Eltern sind regelmäßig in einem Zombimodus unterwegs, was dazu führt, dass unsere Geduld oft rasch aufgebraucht ist.
Gesundheit Bis auf  eine wiederkehrende chronisch-obstruktive Bronchitis mit Diagnose hyperreaktibles Bronchialsystem, besonders  im ersten Herbst und Winter bei Zwilling 1 alles ok. Zum Glück hatte der Kinderarzt in der Klinik nicht recht behalten als er meinte, dass wir uns noch Öfters (zumindest in dieser Sache) sehen werden.
Irgendwie ist es mir trotz aktivem Achten darauf nicht geglückt, dass der Hinterkopf von Zwilling 1 schön rund bleibt. Ich habe die beiden echt gewendet wie die Hähnchen und geschaut, dass keiner eine spezielle Seite beim Nebeneinanderliegen hat. Das ist so ein Zwillingsproblem. Ich hatte die Schwierigkeiten klar, dennoch hatte das Baby von Anfang an eine Lieblingsseite. Eine Mama aus dem Rückbildungskurs hatte dann ein Kissen in der Tragewanne ihres Wagens, die gab mir dann den Tipp, ein Lagerungskissen anzuschaffen. Wir haben dann beiden Kindern eins gegönnt und es hat sich gut ausgewachsen. 100 % weg ist es leider nicht, aber durch die Haarpracht wird es verdeckt. Da hatte ich lange dran zu knabbern, dass mir sowas „passiert“ ist, aber weder Kinderarzt, noch der Oberarzt in der Klinik noch ein spezieller Orthopäde, von ich das Kind dann hingeschleift habe, war sonderlich von meinen Horrorszenarien überzeugt.
Kitakrankheiten wie Bindehautentzündung, Mund-Hand-Fuß-Krankheit oder Magendarmerkrankungen. Und Fieber wegen dem Zahnen.
Im Grunde aber die normale Abhärtung, die jedes Kitakind durchmacht, leider mit einer Häufung von Magen-Darm-Infekten, die uns dieses Frühjahr einmal in die Klinik brachte und beim Gesundheitsamt meldepflichtig werden ließ. War aber im Rückblick alles halb so wild.
Pflegen und Wickeln Die Zwillinge sind sehr wenig gewaschen worden, um die empfindliche Haut nicht zu reizen. Geduftet haben sie trotzdem immer total toll.

Wickeln war eine wahre Wonne. Besonders nach dem ganzen Ärger mit Minilama, das monatelang das Wickeln sehr abgelehnt hat und viel getobt hat, war das Wickeln immobiler süßer Knöpfe eine echte Freude. Ich habe es sehr genossen, jedes Mal. Wir wickeln die ersten 2 Lebensjahre ausschließlich mit Stoff. (Für mich eine Herzensangelegenheit und eine Kompensation, dass ich den Kindern keine Muttermilch bieten konnte.)

Die Zwillinge werden einmal in der Woche im Hallenbad nach dem Schwimmspaß gewaschen. Machen wir auch mit Minilama so. Hat sich für uns bewährt, da wir Eltern wenig Ärger damit haben und die Kinder es gut finden.
Das Wickeln ist eher problematisch. Seit wir das Stoffwickeln in der Kita (auf Druck der Kita) aufgeben mussten, wollen die beiden auch zuhause die Prozedur mit den Höschen- oder gar Bindewindeln nicht mehr erdulden. Außerdem haben beide eine wirklich gesegnete Verdauung und trinken auch überdurchschnittlich viel. An guten Tagen macht jeder bis zu 5 Windeln mit was Größerem voll, und läuft auch noch 2-mal wegen Pipi aus. Auch mit den Wegwerfprodukten, auch mit Markenwindeln. Zwischendurch ging es mit dem Toilettengang mal recht vielversprechend los, das ist aktuell aber wieder zurückgegangen.
Das Windeln anlegen ist ein mühsames Geschäft, umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn sie kaum 30 Minuten sauber und trocken halten.
Unterwegs sein Der Aktionsradius mit den Babylamas ist sehr klein. Im Grunde ist es unser Ort und das Nachbardorf, wo Minilamas Kita ist. Die Zeiten außer Haus sind so geplant, dass man nach dem Fläschchen rausgeht und zum nächsten Fläschchen wieder heimgeht. Ich bin kein Fan davon, den halben Hausstand mit zu nehmen und auch grundsätzlich der Meinung, dass zuhause und nicht unterwegs gegessen und getrunken wird., da wir ja alle nicht am Verhungern sind. (sehen die Kinder manchmal anders…)
Dennoch waren wir täglich mehrmals draußen, allein zum Kitagang zwei Mal  (knapp 7 Kilometer Weg). Das Auto habe ich alleine in den ersten 8 Monaten nie genutzt mit den Kindern, weil mir das Ganze mit den Sitzen und dem bewegen von zwei Nichtläufern ab Parkplatz zu anstrengend war. Dafür ist das Zwillingszeugs zu schwer, zu wuchtig, zu wenig wendig.
Das Anziehen und in den Kinderwagen bringen und später wieder hoch holen ist körperlich anstrengend und bedarf organisatorischer Fertigkeiten. Außerdem muss man extrem schnell sein, denn der Arbeitsablauf wird immer wieder durch wütendes oder ängstliches Weinen neu beschleunigt.
Die Zwillinge  zu bewegen ist ein organisatorischer Aufwand, den wir mehr als selten unternommen haben. Ab 10 Monaten ging es besser, auch weil die Gesundheit vom Baby 1 dann stabiler wurde, die Kinder auch irgendwo abgesetzt werden könnten und ziemlich durchgeimpft waren. ich  bin ungern mit ungeimpften Kindern unter vielen Leuten, da die zunehmende und meiner Ansicht nach auch asoziale Impfmüdigkeit mancher Menschen ja die Schwächsten am meisten schädigt.Eine Autoreise braucht sehr viel Vorplanung, da viele Dinge mitgenommen werden müssen, Medizin, Inhaliergerät, Wechselkeidung, Säuglingsnahrung usw. Daher lassen wir das meistens aus.

 

Auch heute ist der Radius eher klein, sicher auch, weil wir alles ja vor Ort bekommen können. Wir gehen bei gutem Wetter nach wie vor täglich zu Fuß zur Kita und wieder zurück.

Auch Dinge des täglichen Bedarfes und die Wege zu den Freizeitaktivitäten legen wir in der Regel zu Fuß zurück.
Die Zwillinge nehmen zunehmend aktiv an diesem Geschehen teil, will heißen, sie laufen selbst. Sie sind laufbegeistert und laufstark. Ich muss sie manchmal bremsen, wenn sie müde sind oder übermütig oder wenn es dunkel wird, da es dann zu gefährlich für die beiden Wusel wird.
Einmal in der Woche sind wir im Hallenbad, ansonsten im Ort. Auch die Hobbies finden vor Ort statt. Da haben wir bei der Haussuche schon drauf geachtet, denn ich will und werde kein Mamataxiunternehmen aufmachen.
Die Omas und Opas kommen uns tendenziell eher besuchen als wir sie, auch, weil die Kinder eher wild drauf sind und nicht jede Wohnungseinrichtung darauf abgestimmt ist.
Urlaube oder Kurzausflüge in die weitere Umgebung sind mit dem Auto und zunehmend auch ohne Doppelbuggy kein Problem mehr. Wir brauchen so gut wie keine spezielle Ausrüstung mehr, vielleicht Wechselkleidung und eine Ersatzwindel, aber sind ansonsten frei beweglich, besonders natürlich, wenn es draußen warm ist.

Kommunikation Die Zwillinge kommunizieren viel miteinander, auch nonverbal und suchen unsere Nähe, lachen, wenden sich uns zu, suchen von Anfang an viel Kontakt zu Minilama Die Zwillinge reden relativ viel, bei Weitem nicht auf Minilamaniveau zu der Zeit, aber sie verstehen und verständigen sich. Durch die Trotzphase ist es oft schwierig rauszufinden, was in dem kleinen Wutzwerg vorgeht und wie man das Leid lösen könnte, da das Sprechen dann zugunsten wüstem Geschrei aufgegeben wird. Aber wir Eltern lernen.
Beschäftigung/ spielen Die Babyzwillinge liegen viel auf ihrer Decke, entdecken Hände und Greiflinge, bleiben an einem Ort und sind dort zufrieden. Ich kann sie auch mal alleine lassen und die Etage wechseln, um eine Waschmaschine anzustellen. Ich bin sehr viel entspannter in der Babyzeit als mit Minilama, einfach, weil ich den Eindruck habe, ich weiß, was zu tun ist. Die Zwillinge sind extrem mobil, motorisch sehr ambitioniert, erklettern nahezu alles, probieren jeden Knopf und jede Schublade. Sie spielen viel mit Fahrzeugen, gucken Bücher, laufen Bällen hinterher, beobachten Tiere, balgen herum, und schneiden mit Vorliebe mit der Schere.
Man kann sie keinen Augenblick aus den Augen lassen.

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Übungsphase

Aktuell übe ich mit den Zwillingen, wie man „selba“ im Dorf unterwegs sein kann. Die Kleinen sind in dieser „selba“ Phase und knatschen ordentlich los, wenn man vor lauter Geräuschkulisse und Seitengespräch überhört, dass das magische Wort gefallen ist. Ich liebe diese Autonomiephase sehr, denn unterstütze es, dass die Kinder so viel sie selbst können, auch selbst machen. Ich empfinde es als riesige Erleichterung, Kinder zu haben, die sich selbst die Jacke anziehen und ausziehe, die Loop und Mütze anziehen und die Interesse am Schuhe an- und ausziehen haben. Ich muss dazu sagen, dass meine Kinder dabei auch gleichermaßen ambitioniert wie begabt sind und mit minimalen Handgriffen der Unterstützung richtig gute Ergebnisse erzielen. Es macht auch Spaß, sie selbst machen zu lassen und ja, man spart richtig Zeit dabei, wenn das ständige Hinterherrennen und dompteurhafte Bändigen eines motzigen Kindes beim Ankleiden entfällt. Außerdem ziehen die beiden sich dann auch nicht mehr alles aus, was man ihnen zuvor angezogen hat.

Ich bin also voll dafür und finde es auch toll, dass man zunehmend mit ihnen reden kann. Wenn beide Eltern da sind, lassen wir ihnen oft die Wahl, wer die Windel wechseln soll oder wer die Zähnen nachputzt. Ja, sie putzen sich tatsächlich auch schon die Zähne selbst. Also spielen im Mund herum mit der Bürste. Aber sie lassen uns hinterher auch „nachputzen“, also sauber putzen ohne groß zu brüllen und spülen auch schön mit Wasser aus (ohne alles leer zu trinken). Wenn nur ein Elter da ist, ist wenn  Minilama Lust dazu hat, auch Minilamas Hilfe eine Auswahlmöglichkeit. Wir haben einen guten Zeitpuffer morgens und auch abends eingebaut, dann klappt dieses Vorgehen auch richtig gut. Und wir sind total konsequent, wenn Unsinn gemacht wird. Wer wegläuft und Unfug macht (in der Chaos-Einliegerwohnung aktuell ja auch gefährlich, weil vieles auf den umgekehrten Stühlen herumliegt. Wir arbeiten aber stetig dran.), wird in den Buggy gesetzt (also in den Buggy, den ich extra dafür gekauft habe. Das ist ein absolutes Billigding, nicht so recht straßentauglich, aber die Kinder kriegen den Verschluss am Sitz nicht auf, und zwar alle 3. Ein derart tolles Billigding gibt es echt selten.) und muss warten. In der Kita haben sie dafür Stühle und wohl etwas mehr Autorität, denn da stehen die Minis nicht mehr auf, wenn sie einmal drinnen sitzen. Mit uns wollen sie gern zanken und das geht leider nicht, wenn Gefahr im Verzug ist und/oder die Mama merkt, dass ihr gerade alles zu viel wir und sie geneigt ist, loszumeckern. Das soll ja nicht die letzten Momente vorm Kitatag bestimmen und daher helfen wir uns aktuell zur Not so aus. Parallel dazu äußern die beiden schon seit dem Sommer immer wieder den Wunsch, nicht im Buggy zu fahren, sondern selbst zu laufen. Auch hier rennen die Kinder offene Türen ein. ich merke, dass das Doppelbuggyschieben mich echt anstrengt, mit Baby. Außerdem sind unsere Kinder ja sehr  groß und entsprechend schwer. 14 Kilo wird jeder Zwilling sicher haben. Und obwohl wir einen guten Buggy haben und den auch neu gekauft haben. muss ich sagen: Das Ding ist echt am Ende. Ich würde das Modell trotzdem immer empfehlen, aber man muss einfach sehen, das wir im Schnitt 7 Kilometer am Tag mit dem Buggy fahren und das seit die Kinder 9 Monate alt sind (also seit sie sicher sitzen können), weil der Kinderwagen, den wir gebraucht vorher hatten, ein echtes Monster war und ich so froh war als ich das leichtere Modell nehmen konnte. Wir kaufen damit auch ein, also hängen kiloweise Einkäufe noch zusätzlich dran, Windeln und sonstiger Kitakram sowie Sportbeutel sowieso. Einige Male  war auch das Buggyboard mal angebracht und wenn es eng wird, mache ich auch die Hundeleine vom liebsten Leihhund am Griff fest. Der Buggy leistet Schwerstarbeit und auch die viel zu engen Straßen im Dorf belasten ihn zusätzlich. Wie heißen: Bekämen wir nochmal Zwillinge, wäre ein Neukauf über Kurz oder Lang angeraten. Das wir aber einen Einling erwarten, war ohnehin ein Anderskauf nötig, denn ihr könnt euch denken, wie Minilamas Kinderwagen ausgesehen hat als wir mit dem fertig waren. Da war ein Laufpensum noch höher, da das Kind nur im Wagen gut schlief und ich den Wagen nicht  in die Wohnung kriegen konnte. Den Wagen haben wir für 50 Euro als Zweitwagen verkauft und jetzt endlich mal was Solides angeschafft. Auch wieder gebraucht und auch wieder unter der Maßgabe weniger als 200 Euro. Mehr gebe ich nicht aus, bringt ja nichts. Ich bin mal gespannt, ob dieses Markenprodukt überzeugt. Einzelbuggies haben wir ja auch 2 Stück. Das Billigding und Minilamas Zweitwagen. Der erste Einzelbuggy verlor eines Tages nach zahllosen Kilometern ein Rad. Da haben wir umgehend einen Ersatzwagen gekauft, damals noch unter der Hinsicht, dass ein krankes Minilama oft so schwach war, das es dann gar nicht laufen konnte. Und zur Apotheke oder Kinderarzt oder einfach zum Lufttanken wollte ich unbedingt was Wendiges haben. Hat sich auch für einen kranken Zwilling schon bewährt und ich nutze den Wagen, der immer im Auto herumliegt aktuell gern zum Transport meines Einkaufs vom Parkplatz nach Hause (wir können ja schlecht am Haus halten und da wir eine Bank gegenüber haben, tun das Wildfremde gern und wir Anwohner haben dann das Nachsehen und müssen manchmal sogar warten und „bitte“ sagen, damit wir mit dem Kinderwagen ins Haus können/dürfen.) Am Anfang hatte ich immer den Doppelbuggy im Auto und habe die Kinder so in die Kita gebracht, wenn wir nicht ohnehin zu Fuß unterwegs waren. Bei Regen und Sturm habe ich erstmal den schweren Buggy aus dem Kofferraum geholt, aufgestellt und die Kinder reingehoben. Da war ich und auch der Buggy oft schon durchnässt bevor es richtig losging. Die Taschen konnten dann auch gut dran. Mit der Zeit habe ich mich – auch schwangerschaftsbedingt – dazu entschieden, es mit dem deutlich leichtern Einzelbuggy zu probieren. Der liegt im Auto, i ich fragt ab, wer heute will, dort rein, der andere läuft entweder an der Hand (ging oft super schlecht, auch weil der Wagen mit einer Hand so schlecht zu lenken war und ich keine Zeit hatte, Räder festzustellen) oder einer stieg hinten in den Korb (ist nicht erlaubt, da das Kind zu schwer ist, weiß ich, habe ich aber trotzdem gemacht und für die 100 Meter zur Kita ging es gut, da die Kinder so klug sind, sich aufs Metall unter dem Korb zu stellen.) Mittlerweile gehen wir eigentlich nur noch ohne den Buggy in die Kita, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind. Jedes Kind bekommt seinen Rucksack auf den Rücken, ich schnappe mir rechts und links einen Zwerg und wir überqueren die Straße. Die Kinder sind erstaunlich fit darin und laufen auch kaum noch weg. Hier sehe ich eine große Weiterentwicklung bei den Kleinen. Minilama kann das alles ja schon länger, Minilama fährt ja auch mit dem Rad oder Roller in die Kita ohne dass ich eine einzige Verkehrsinfo mehr geben muss. Wenn wir nur einen Einling als zweites Kind hätten, wäre ich sicher auch schon deutlich weiter. Aber auch die Herausforderung mit zwei Wuseln umzugehen während mehrere Baustellen vor, an und neben der Kita sind und ein echtes Verkehrschaos in der sonst ruhigen Nebenstraße herrscht, nehme ich an und spüre, wie ich täglich besser damit umgehen kann. Das ist ja im Grunde das Wesentliche: Die Kinder haben keine Probleme mit Situationen. Sie wollen die Welt entdecken. Das Problem sind die Eltern, die überfordert sind und selbst nicht wissen, was zu tun ist. Zumindest ist das bei uns so. Sobald ich akzeptiere, wie es ist und mir wirklich Gedanken mache, was die Kinder brauchen, was ihre Bedürfnisse sind und mich komplett darauf einstelle, wird es einfacher. Parallel dazu weiß ich und wissen die Kinder jederzeit, was geschieht, wenn sie die Grenzen übertreten. Denn da kann ich mit 3 Kindern und im Schwangeren Zustand keine Kompromisse machen. Wenn es gefährlich wird, müssen alle drei sofort auf mich hören, auch wenn ich nicht gleich eingreifen kann. Wer warum auch immer dazu gerade nicht in der Lage ist, verliert sein Laufprivileg.

Dieser Lernprozess läuft ungefähr seit Sommer, seit die Zwillinge zwei Jahre alt sind. Verstärkt ist meine Ambition, die Kinder hier vorrangig zu fördern dadurch, dass wir bald ein weiteres Familienmitglied haben, das definitiv im Einzelwagen gefahren werden wird und es auf dem Buggyboard maximal Platz für ein weiteres Kind gibt. Wenn möglich aber zumindest streckenweise für gar keines, denn der Weg zur Kita hat einige fiese Steigungen und meinem Beckenboden zuliebe wäre ich gern in der Lage, die Laufskills der Zwillinge genau dann abzufragen, wenn es Bergauf oder steiler begab geht. Zwilling 1 hat mehr Lust am Laufen und kann sich selbst aus dem Buggy lösen. Dieses Kind läuft also tendenziell öfters und ist deutlich weiter in der Verkehrssicherheit als Zwilling 2. Am Anfang haben beide alles angefasst, jede Hauswand befingert, jede Treppe in fremden Hauseingängen erklommen, jede erreichbare Klingel gedrückt jede erreichbare Hecke abgerupft, jeden Stock aufgelesen, auf alles damit geklopft, jeden Stein aufgesammelt, sind überall drauf geklettert. Das habe ich vielleicht 300 Meter ausgehalten bevor ich ein völliges nervliches Wrack war. Denn parallel dazu ist ja noch Verkehr auf der sehr engen Straßen und das nicht zu knapp un dich stelle mir andauernd die Frage, wie weit ich das Tun der Kinder laufen lassen kann ohne dass ihr Verhalten sozial unkonform wird. Unsere Kinderärztin hat uns mal so gesehen als sie mit dem Rad unterwegs war. Wir haben beim  nächsten Arztbesucht auch darüber gesprochen. Sie hat es von sich aus angesprochen, fand ich super. Sie hat mich bestärkt und in manchem auch entlastet, das fand ich sogar noch besser. Wenn man ständig die hysterische Irre  gibt, zumindest den Eindruck hat, dass man dauernd nur lautstark herummeckert und durch die Gegend blökt, tut es total gut, wenn man auch Bestärkung erfährt. (Letztens nannte mich eine andere Mutter sogar „gelassen“ angesichts all dessen, was um mich herum so los ist. Toll, aber leider unwahr.)

Diese Phase haben die Kinder (weitgehend) hinter sich gelassen und heben nur noch Kaugummis und Kippen auf, klettern an einigen erlaubten Stellen und springen nach wie vor mit Anlauf in jede Pfütze. Es bleibt also noch was zu tun.
Streckenmäßig sind beide top fit. Die 1,7 Kilometer sind konditionell kein Problem. Sie laufen die meiste Zeit, gehen ist nur zum kurzen Ausruhen vorm erneuten Laufen. Zwilling 1 geht deutlich besser am rechten Rand des Gehweges, Zwilling 2 kaspert für meine Begriffe allgemein noch zu viel, spielt Fangen, rennt zu nah  an die Straßenkante heran. Da fehlt es nicht nur an Übung, sondern auch an grundlegender Einsicht oder von mir aus auch an Gehorsam. Zwilling 2 geht daher nach wie vor meist nur den kürzeren Weg, kommt spätestens am Brunnen immer in den Buggy, weil er es irgendwie übertrieben hat, z.B. im trockenen Brunnen herumgematscht hat und Jacke, Hand und Gesicht völlig schwarz verdreckt sind – gern während ich Zwilling 1 die Windel wechsele, weil es einfach nötig ist grade.

Wir haben für alle Familienmitglieder gute Warnwesten angeschafft, damit wir auch im Halbdunkel gut gesehen werden und ich lasse die Zwillinge aktuell ungefähr auf halber Strecke aus dem Buggy raus, da ist ein relativ breiter Gehweg und die Kinder können den Rest des Wegs (bzw.-. eben bis zum Brunnen) schön bergab laufen. Zwilling 1 schafft regalmäßig die gesamte Reststrecke ohne mütterliches Meckern, muss nur am Weihnachtsbaum vom Schlagen gegen die Deko abgehalten werden und ist dann mit einer Klettermauer ablenkbar für weitere Schritte. Zwilling 2 braucht noch etwas mehr Beobachtung. Aber ich sehe gute Fortschritte und denke, die Kinder sind auf einem sehr guten Weg.

Heute war ein besonderer Morgen. An einer breiteren Straße hing Zwilling 1 schwer an meinem Buggy, Zwilling 2 lief vor und ich schaute mehr auf ihn als auf das Kind, das sicher und nah bei mir war. Plötzlich mitten auf der Straße Geruckel und Gebrüll von Zwilling 1. Da ich ungern mitten auf einer Straße stehenbleibe, sind wir erstmal an die Bushaltestelle gegangen, an die natürlich just in dem Moment ein Gelenkbus anfuhr. Und wie sich das gehört, mit ordentlich Geschwindigkeit und Kanten schneiden. Als ich die Kinder aus der Gefahrenzone bewegt hatte, wurde mir klar, dass Zwilling 1 seinen Schuh verloren hatte, mitten auf der Straße. Und ein Auto kam auf dieser Straße gefahren. Minilama befürchtete schon, dass es über den Schuh fährt. Ist zum Glück nicht passiert. Nass war die Strumpfhose natürlich trotzdem.
Später warf Zwilling 2 ein weihnachtliches Wichtelmännchen im Eingangsbereich der Kita vom Sockel, dessen Beinchen dann auf dem Boden zersprangen. Meine Bitte, das Männchen nicht anzurühren, hatte das Kind überhört. (Ich habe das natürlich in der Kita direkt gestanden, ist ja klar und drum gebeten, ein bisschen genauer die Handlungen dieses kleinen Wildlings zu beobachten. Dabei erfuhr ich noch die eine oder andere nette Überraschung in Bezug auf das, was meine Kinder gerade witzig finden.)
Zwilling 1 bekam dann noch eine frische Strumpfhose und Hose, Zwilling 2, wo ich doch schon dabei war, eine frische Windel (ich wollte nicht, dass er noch ewig drin rumsitzen muss, bis die Erzieherinnen ihre Wickelroutine gegen 8.30 Uhr beginnen) und beiden wurden noch sehr ausgiebig die Händchen gewaschen, die vom Fallen und Stolpern ganz dreckig waren. Am Waschbecken trafen wir dann noch eine andere Mama, die ihrem Kind beim Saubermachen half. Der Kleine war auf dem Weg vom Auto in die Kita in den Matsch gefallen…

Dankbar

Manchmal vergisst man im Alltag ja das Wesentliche. Einfach weil es viel von allem zu tun ist. Aber vor ein paar Tagen war wieder einer dieser aufrüttelnden Momente, die mir noch einmal aufs Neue kla gemacht haben, wie dankbar ich eigentlich sein muss für all das Glück, das mir unverdient in den Schoß gefallen in.
Schon als ich mit meinen Zwillingen schwanger war, las ich von einer anderen Mutter, die in der 23. SSW eines ihrer Drillinge verlor und knapp 2 Wochen später die anderen beiden zur Welt brachte. Absolute Minibabies, die dann außerhalb des Bauchs zu stattlichen kleinen Kerlen herangewachsen waren. Deren ET war ungefähr da, wo unserer war. Geboren sind die Kinder aber Monate früher. Ich habe in der letzten Schwangerschaft wegen Zervixverkürzung und vorzeitiger Wehen ab 31+5 sieben Wochen gelegen und trotz starker Schmerzen und großer Angst um meine Kinder dann eine letztlich komplikationslose Schwangerschaft und eine Geburt zum errechneten Termin erleben dürfen. Meine Zwillinge sind weder Frühchen noch sind sie in irgendeiner Weise im Nachteil dadurch, dass sie sich den Bauch ihrer Mama teilen mussten. Von der Größe, Gewicht und geistigem Entwicklungsstand sind sie mindestens auf dem Stand gleichaltriger Kinder. Und dazu haben sie dann noch den Vorteil, dass sie zu Zweit sind, immer jemanden haben, der alles mit ihnen teilt, der zur Not andere Kinder in die Schranken weist/ beißt, haben immer jemanden zum Reden, wenn Schlafenszeit ist und jemanden zum Schmusen, wenn man sich einsam fühlt. Ich habe es ja schon öfters geschrieben: Die beiden sind oft grob zueinander, aber mindestens genauso oft auf ganz unscheinbare Art innig und liebevoll verbunden, dass man sich fast wie ein Eindringling vorkommt, wenn man diese Verbundenheit erspähen kann. Wenn einer dem anderen seinen Schnuller gibt, um ihn zu trösten zum Beispiel oder den anderen in den Arm nimmt, bin ich fast zu gerührt, um überhaupt noch was zu sagen oder zu tun. Da schleiche ich auf Zehenspitzen weg.

Letzte Woche als ich abends surfte, kam ich zum Kanal einer schwangeren mono-di Zwillingsmama. Ich las ein wenig und schaute ein bisschen bis ich an den Punkt kam, an dem sie einen ihrer Zwillingsjungen in der 24 SSW wegen FFTS verlor. Zwillingswagen aber schon gekauft und auch sonst komplett ausgestattet und total froh, dass sie bald Zwillinge hat. Ich war wie vom Donner gerührt. Und wütend auf die Ärzte und überhaupt. Obwohl ich ja im Grunde nichts weiß. Nur, dass die arme Mama etwas so Schreckliches erleben muss, das ich es keinem Menschen wünsche.

In meinem Büro hängt ein Spruch (und das, obwohl ich eine sehr nüchterne Person bin und dekomäßig sehr sparsam). Der heißt: „Twins. Two little blessings sent from above. Twice the smiles, twice the love“
Das sehe ich mir immer beim Telefonieren oder Nachdenken an. Und das „mother of twins Prayer“ hängt auch da. Das lese ich auch mehrmals täglich und muss oft schmunzeln über die Wallung, die bei uns herrscht.
Oft denke ich, die Wellen schlagen über mir zusammen. Weil zwei so viel mehr Unsinn machen als nur eins. Weil es auch oft so gefährlich ist, was die Kinder aushecken. Weil es oft so dicht ist hier, dass man kaum die 3 Minuten zum Zähneputzen hat und auf dem Klo schon richtig gestresst ist, weil man Angst hat, jetzt klettert wieder einer das Regal hoch oder schnappt sich wie auch immer was Gefährliches oder fällt mit dem Hinterkopf gegen die Fensterbank oder oder oder. Weil so ein übles Chaos herrscht und vier kleine Hände Schränke und Regale so dermaßen fix leeren, dass es mir die Tränen in die Augen treibt, weil sie meine Zahnbürste klauen und ankauen, weil sie ihr Spielzeug demolieren, weil sie Minilama büschelweise Haare ausreißen, sich bis aufs Blut beißen und im vollen Windelmülleimer herumspielen. Weil sie Licht an-Licht aus spielen bis das Kabel verschmort oder am Klodeckel herumspielen bis er lose ist und auch noch das Rohr tropft. Weil sie nicht an der Hand gehen wollen und auch nicht im Buggy sitzen bleiben. Weil sie Reißverschlüsse auch wieder aufkriegen und dann auf einmal Jacke, Mütze, Tuch und Schuhe wieder ausgezogen haben und man eben nicht jetzt raus gehen kann, sondern wieder von vorne anfangen muss und noch eine volle Windel zusätzlich wechseln muss.
Und dann will ich oft nur noch weinen, weil alles so viel ist und weil ich mich alleine fühle und so kraftlos bin. Zwei Hände und dieses ganze Chaos. Besonders jetzt, wo die Küchen abgebaut sind und wir keine Garderobe mehr haben, sondern nur noch Unordnung und Herumliegendes ist oft die grenze dessen erreicht, von dem ich meine aushalten zu können.
Und das liegt nicht an meiner Schwäche oder daran, dass ich überfordert bin. Das liegt daran, dass es eben zwei Kinder sind. Und dass sie gleich alt sind. Und dass sie schlau und findig sind und klug und überaus interessiert an ihrer Welt. Da lasse ich mir auch von überengagierten Einlingsmamas keinen Knopf an die Backe nähen.
Ich bin zunehmend davon überzeugt, dass Zwillinge zu haben definitiv nicht was für alle Frauen ist. Viele sagen das ja auch deutlich. Dass sie keine zwei auf einmal wollen, dass sie regelrecht froh waren als beim kommenden Ultraschall nur noch ein Kind da war. Oder dass sie sich betrogen fühlen um die vielen Sachen, die man mit einem Einling tun kann, aber eben nicht mit zwei im gleichen Alter. Oder dass ihnen Schwangere leid tun, die auch Zwillinge kriegen. Dass es ihnen zu teuer wäre und dass sie beim Hausbau so nicht geplant haben. Hier gibt es sehr viele Mehrlinge, ich kenne wirklich viele Familien mit Zwillingen und alles das habe ich schon im direkten Gespräch gehört.
Ich bewerte das gar nicht. Gefühle kann man nicht beurteilen.
Aber für meinen Teil weiß ich eins: Seit dem Tag, den dem ich die zwei bubbernden Herzchen auf dem Ultraschall gesehen habe, ist für mich ein Lebenstraum wahr geworden. Ich kann mir kaum was Schöneres vorstellen, als diese Kinder beim Großwerden zu beobachten und zu begleiten. Minilama, meinem ersten und damit mir am innigsten verbundenen Kind, hätte nichts Besseres widerfahren können als diese Geschwister zu bekommen (und umgekehrt). Diese beiden Süßen-Verrückten haben uns wirklich noch gefehlt zum Glücklichsein.
Und ich erlebe es an mir an jedem Tag aufs Neue: Man wächst an seinen Aufgaben. Dieses Bewusstsein ist in mir seit ich weiß, dass wir Zwillinge erwarten. Ich habe keine Sekunde gezweifelt, dass ich das hinbekomme und dass ich es gut hinbekomme – und das obwohl ich so oft stark an mir zweifele und hart mit mir ins Gericht gehe. Was das angeht, bin ich mindestens  genauso überzeugt von mir wie ich es damals war als ich mich für meine Ausbildung beworben habe.
Auch wenn ich mir wünsche, besser, schneller zu lernen, klüger mit den Umständen umgehen zu können, rationaler auf Widerstände zu reagieren, irgendwie näher an der Person zu sein, die ich mir als erwachsenes Ich  vorgestellt habe, bin ich schon so unglaublich weit gekommen in meiner Erziehungsbegleitung.
Ja, ich bin sehr oft stolz auf mich, wie ich mit meinen Kindern umgehe, was ich ihnen ermögliche, welche Entwicklungschancen ich ihnen biete und das alles trotz der Tatsache, dass es drei Kinder unter fünf Jahren sind, dass ich vollzeit arbeite und auch wieder schwanger bin und dass das Haus nicht die ideale Komfortzone bietet. Meine Kinder sind so selbstständig und autonom, so wendig und lebensklug, kennen ihre Bedürfnisse so genau und kommen in ihrem Alltag weitgehend ohne meine direkte Übermamaeinmischung weiter, dass ich oft staunend daneben stehe, wie klasse sie doch sind. Ich bin dankbar  für dieses Geschenk und wachse täglich ein Stückchen mit ihnen. Was Besseres hätte mir nie im Leben passieren können.

Schon 2 Jahre Babylamas – Alltag bei den 5 kleinen Lamas

Seit einigen Wochen sind die Babylamas zwei Jahre alt. Sie haben bereits drei Mal das Meer und zwei Mal die Lamas auf ihrem Hof gesehen. Sie sind seit fast einem Jahr Krippenkinder und haben bereits innige Freundschaften mit den Gruppenkindern geschlossen. Nach den Sommerferien sind sie zum ersten Mal ins Eltern-Kind-Turnen  gegangen und erwartungsgemäß ist das genau ihr Ding. Die Babylamas haben richtig Spaß an dem Turnen und sind richtig fit und freudig dabei. Da lacht mein Mamaherz jedes Mal.
Die beiden sind sprachlich auf der Überholspur. Längere Zeit war die motorische Komponente zentral, seit einiger Zeit interessieren sie sich zunehmend für Bücher und das Sprechen. Ein Grund dafür ist sicher, dass ich das Spielzeugangebot nochmals drastisch reduziert habe. Die Kinder haben oft nur umhergeworfen und sich kaum mit einer Sache beschäftigt. Jetzt steht die Murmelbahn, Puzzles, Bücher en masse und das Geburtstagsgeschenk im Wohnzimmer zum Spielen bereit. Ich achte immer stärker auf Ordnung und darauf, dass alles grob seinen Platz hat. Die äußere Ordnung tut den Kindern sichtlich gut und sie sind viel ausgeglichener.
Das überträgt sich auch auf den Rest der Familie. Dennoch sind die Phasen des Trubels hier nach wie vor heftig. Beim Zähneputzen macht sich einer komplett nass, während der andere den Windeleimer inspiziert oder mit dem WC-Stein spielt. Ein fertig angezogenes Kind zieht Schuhe, Mütze und Loop aus, ich merke es beim Ausziehen der Strümpfe, weil ich mich kurz vom anderen Kind, das ich anziehe, abwende. Die Morgenroutine an der Garderobe war schon immer kräftezehrend, aber seit Zwilling 1 die Gurte vom Buggy selbst lösen kann, aussteigt und auf Entdeckertour geht, ist mein Stresslevel deutlich erhöht. Es gelingt mir auch nicht, den Raum uninteressant zu machen.
Die Kinder klettern selbst in ihre Reboarder (die ich und das betone ich ausdrücklich NIE wieder anschaffen würde. Sie sind viel zu teuer und die Kinder können sich schon länger die Armgurte runterreißen, auch auf engster Stufe. Das war schon bei Minilama der Fall. Außerdem werden auch diese Kinder noch vor ihrem 3. Geburtstag einen anderen Sitz benötigen, weil sie dann herausgewachsen sind. Ich bin, anders als Alphalama absolut unzufrieden mit den Sitzen. Sie sind klobig, brauchen extrem viel Platz unpraktisch, man kann sie nicht mal eben tauschen, und ist damit total unflexibel, weil kein anderer die Kinder abholen kann. Und die Kinder müssen entweder gelenkig und willig sein, wenn es ums reinsetzen geht oder die Mama verrenkt sich das Kreuz an zwei 14 Kilokindern – an doofen Tagen vier Mal am Tag. Ich bin froh, dass Minilama mittlerweile einen normalen Sitz hat.)
Beide sind schon mehrmals die Strecke in die Kita gelaufen (nicht gegangen, das machen sie nicht). 1,7 Kilometer stellen keine Herausforderung für sie dar. Für mich ist das natürlich extrem anstrengend, wegen des Verkehrs. Aber seit die Kinder in ihren Buggies nicht sicher verstaut sind, muss ich sehen, wie ich mich arrangiere. Ein Trick ist es schon einmal NIE stehen zu bleiben. Bleibe ich stehen, wird ausgestiegen.
Die Zwillinge sind freundlich und offen. Manchmal ist es mir etwas zu viel Offenheit, wenn sie andere Mamas umarmen oder von fremden Opas vorgelesen haben wollen. Aber ich finde es auch gut zu wissen, dass die Kinder auch ohne mich zurecht kommen, wissen, was sie brauchen und für sich sorgen. Wenngleich ich natürlich zeitgleich alles versuche, keines meiner Kinder aus den Augen zu lassen. Nur weil es viele sind, sind sie kein leichtes Opfer. Ganz im Gegenteil.

Die Beziehung der Zwillinge untereinander basiert auf der Selbstverständlichkeit, dass es den anderen gibt. Das finden die beiden sehr gut und haben das stumme Einvernehmen, dass sie sich unheimlich gern haben. Immer wieder kann man was davon erspähen, wenn sie vorm Einschlafen miteinander sprechen, sich gegenseitig trösten, Heruntergefallenes geben, Essen teilen, etwas für den anderen erbitten oder sich innig umarmen und abküssen. Genauso oft geht es aber auch hoch her. Das wird konkurriert, gekämpft, immer wieder auch gehauen und gebissen, geschubst und gekreischt. Minilama hat eigene Allianzen mit den Geschwistern, aber nach wie vor eine klare Präferenz für Zwilling 2. Dieser ist ihm auch sehr ähnlich, innerlich wie äußerlich. Die beiden sind von Anfang an sehr eng miteinander gewesen. Zwilling 1 bekommt das öfters zu spüren: Minilama ruft den einen zum Spielen, dem anderen knallt es die Tür vor der Nase zu. Und trotzdem gibt es auch ein Band mit Zwilling 1, besonders dann, wenn Minilama Wissen vermitteln will und Bücher vorliest und Bilder erklärt. Da sollte nach Möglichkeit immer Zwilling 1 mitmachen.
Die Zwillinge sind nach wie vor sehr impulsiv und entdeckerfreudig. Nach wie vor sind Dinge wie die Klobürste, Elektrogeräte, Blumen… unter Verschluss, die Türen sind immer geschlossen (obwohl ich das eigentlich gar nicht mag), die Treppenschutzgitter sind auch noch im aktiven Einsatz. Die Kinder gehen mittlerweile sicher die vielen Stufen im Haus, aber ich brauche nach wie vor die Hilfsmittel als Unterstützungsmechanismus für die Aufsicht. Minilama hat immer, soweit zumindest meine Erinnerung, da gespielt, wo ich grade war und daher hatte ich es immer top im Auge. Aber mit mehr Kindern ist einfach mehr Bewegung drin. Einer muss zur Toilette, dem anderen ist ein Glas umgekippt. Das bindet meine Aufmerksamkeit dermaßen, dass ich Kind 3 nicht mehr im Blick habe. Daher muss ich den Aufenthaltsraum begrenzen. Ich lasse immer öfter mehr Freiräume und erlebe, dass die Kinder, wenn sie nicht grade sehr müde sind, gut damit klar kommen. Dennoch: Das Badezimmer kann aktuell nie zugänglich sein. Auch in der Küche muss ich gut Acht geben, da die beiden Herd und Ofen anstellen – manchmal längere Zeit nicht, dann wieder wie getrieben. Auch laufen sie schnell umher und heiße Töpfe und Kessel sind eine große potentielle Gefahr. Die Küche ist daher stark abgesichert und oft klappt das auch gut. Ich habe aktuell, was das Öffnen von Schubladen und Türen in der Küche angeht eine strikte Nulltoleranzhaltung. Vor einigen Monaten habe ich die ohnehin nur locker gefüllte Hauptküche erneut geprüft und weniger Genutztes in die Einliegerwohnung gebracht. Auch die Mülleimer hatte ich ins Bad ausgelagert und wenn ich alleine war im Wohnzimmer gewickelt und Zähne geputzt, um das Bad nicht unbeaufsichtigt zu haben. Davon bin ich abgerückt, weil mir immer klarer wurde, wie sehr das mein Wohlbefinden belastet. Wenn die Klobürste immer auf einem hohen Regal steht und das Klopapier daneben, ist es durchaus noch OK für mich. Aber jeden Apfelkern in einen anderen Raum bringen zu müssen und jede Schublade mit einem Tuch verschließen zu müssen (Türschlösser tun hier nicht ihren Zweck, sondern sind eine Einladung zum erfolgreichen Knobeln), hat mich mit der Zeit wirklich gestört. Nach und nach habe ich zurück geräumt und bis auf kurze Interessensattacken für den Mülleimer oder eine Schublade, die ich umgehend abbreche und bei Wiederholung das Kind aus der Küche verbanne, habe ich wieder eine einigermaßen normale Küche,  – zumindest wie sie Eltern von Einlingen auch haben.
Die Doppelbelastung mit zwei Kleinkindern im selben Alter ist definitiv nicht zu unterschätzen. Daher bin ich, so mein Eindruck, auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten sehr konsequent. Die Klospülung darf nicht einfach so betätigt werden, der Lichtschalter nicht zum Discospielen missbraucht werden, mit Essen in der Hand wird nicht am Boden gespielt. Ich hatte schon Phasen, in denen ich da lockerer war, aber ich habe gemerkt, dass dieses locker sein im Grunde nur stumme Resignation war und die Kinder sich immer weitere Räume erschlossen. Bei der letzten U hat mich der Kinderarzt dann angesprochen und gefragt, ob ich dieses extreme Entdeckertum der Kinder gut verkraften würde, ob die beiden immer so seien wie in der Praxis (wo sie ALLES angefasst, den Rechner mehrmals ausgemacht hatten und auf alles geklettert sind). Da ist mir klar geworden, dass Zwillinge zu haben nicht die Ausrede dafür sein kann, dass die Kinder absolut unreguliert handeln. Und ich habe mir sehr an die eigene Nase gegriffen, dass ich solange den Ausnahmezustand als Normalzustand hingenommen habe. Das ist nicht gut für die Kinder und auch nicht für uns als Eltern.
Ich gehe jetzt kritischer und anders an Situationen heran, versuche mich nicht über die Kinder zu ärgern, wenn sie impulsiv und gefährlich handeln. Vielmehr stelle ich mir die Frage, was genau mich gerade daran überfordert und warum und was nötig wäre, damit ich den Kindern so weit wie möglich in ihren Bedürfnissen entgegenkommen kann. Oft bin nämlich ich überfordert und die Kinder haben gar kein Problem. Wenn beispielsweise die Kinder zu Fuß unterwegs sein wollen, ist das ihr gutes Recht. Die Tatsache, dass ich 2 kleine Kinder habe, muss sie nicht tangieren. Ihr Bedürfnis ist klar und richtig. ich muss dafür sorgen, dass die Kinder sich in einer sicheren Umgebung ausprobieren können. Meine Aufgabe ist es, diese zu schaffen und auf diese Weise meiner Aufsichtspflicht nachzukommen. Ich gebe den Kindern den Rahmen vor, in dem sie handeln können – und nenne gleich die Konsequenz, die eintreten wird, wenn sie nicht den Regeln folgen, die ich aufstelle, um ihre Sicherheit zu garantieren. Übertreten die Kinder beim freien Laufen an der Straße die Regeln, folgt die Konsequenz unmittelbar. Ich habe die Kinder stets genau im Blick; kann ich es nicht leisten, muss das Laufen abgebrochen werden. Auch wenn die Kinder das nicht verstehen und in der Öffentlichkeit ihre Wut darüber zeigen. Damit muss ich als Mutter klarkommen und über Kommentare anderer, die keine Ahnung von dem haben, was ich alles im Blick haben muss, hinwegsehen.
Damit fahre ich aktuell sehr gut. Denn: Ich habe die Zügel in der Hand, nicht die Kinder. Ich bin keine Mutter, die nur reagieren kann, sondern ich agiere von mir aus.
Und ich nehme mir das Recht heraus, mir das Leben etwas einfacher zu machen. Bei Beispiel:
Wir haben mittlerweile 2 Einlingsbuggies im Haus, von denen sie nicht die Gurte öffnen können. Wenn an einem Tag beim Heimkommen große Wallung herrscht, bette ich ein Kind dorthin um, begleite das andere bei der Ankommensroutine und schicke es mit Minilama zusammen nach oben zum Spielen. Dann erst widme ich mich dem anderen Kind. Das gibt natürlich Gemecker, aber ich muss meine Nerven wirklich schonen. Wenn hier nämlich Wallung ist, macht der eine mit der Handseife eine Schlacht, der andere klettert den Handtuchheizkörper hoch, spült 5-6 mal das Klo ab, sitzt auf den Plastikrohren – während ich noch nicht die Jacke abgelegt habe. Das klingt niedlich und süß – aber man darf nicht vergessen, dass die Kindheit meiner Kinder auch mein Leben ist. (Auch so wird ein Schuh draus. Ich lade echt dazu ein, nochmal kurz von den Eltern her zu denken.) Und dass ich auch nach mehr als 8 Stunden Berufstätigkeit und Besorgungen für die Familie erledigen nach Hause komme, dass mir die Füße weh tun und ich von der Lautstärke der Kinder latent Kopfweh habe. Dass ich Hunger habe, aufs Klo muss, meine Ruhe will oder was auch immer.
Die extrem hohe Schlagzahl der Kinder halte ich auf Dauer nicht durch ohne krank oder traurig zu werden und die Kinder nur noch an zu meckern. Das ist mir in der Rückschau auf unseren kräftezehrenden Sommer, wo auch die U stattfand, deutlich geworden. Daher muss ich diese Kompromisse machen und die Kinder müssen, obwohl es ihnen nicht gefällt, manchmal eine kurze Zeit warten. Das läuft für mich aktuell wirklich gut, da ich immer wieder kurze Inseln habe, in denen ich kurz entspannen kann, weil ich weiß, jetzt kann sich keiner wehtun oder Unsinn machen, denn ich habe ja alle gut im Blick.
Die größte Herausforderung an Zwillingen im Alltag ist aktuell für mich die Tatsache, dass ich körperlich nicht in der Lage bin, beide gleichzeitig für längere Zeit zu tragen. Wenigstens einer muss z.B. beim Abholen aus der Kita laufen, seit ich den 18 Kilo Doppelbuggy nicht mehr ins Auto heben will. Andere schnappen sich das Kind auf den Arm, haben die Kitatasche im anderen und haben flugs das Kind im Auto und weg. Das geht mit zweien – zumindest mit meinem Rücken – nicht und damit muss ich als Mehrlingsmutter immer noch zwei, drei andere Ideen im Kopf haben, wie ich wendig (also eben nicht mit dem großen Schlachtschiff von Kinderwagen und dem xxl-Familienvan) ans Ziel komme.
Aber auch nach zwei Jahren ist mein Fazit das gleiche: Wer Zwillinge haben darf, ist gleich doppelt gesegnet. Ich bin jeden Tag dankbar für diese Aufgabe und diese wunderbaren, perfekten, einzigartigen und absolut hinreißenden Kinder – und wachse nach wie vor täglich an meiner Aufgabe.

Babylamas‘ Geburtsbericht – Natürliche Zwillingsgeburt nach Einleitung

Eine spontane Zwillingsgeburt ist etwas Besonderes und auch etwas Außergewöhnliches, das das Kreißsaalteam nicht täglich erlebt. Und daher waren sie angesichts des guten Befundes unserer Zwillinge direkt dafür, eine natürliche Geburt zu versuchen. Ich selbst hatte am Anfang ziemliche Angst und war eigentlich auch von einem geplanten Kaiserschnitt ausgegangen. Aber das wollte niemand zu meiner Verwunderung, denn ich hatte der Klinik immer unterstellt, schnell mit dem Messer zu sein. Und ich war irgendwann auch überzeugt, dass es klappen würde. Ich wollte nur so kurz wie möglich ausfallen und auf eine entstellende Narbe hatte ich auch keine Lust, wenn es vermeidbar war.
Die Babylamas lagen seit der 25. SSW nahezu perfekt in Schädellage und blieben auch so. Das CTG war immer ok.
Auch als es noch nach einer Frühgeburt aussah, war der Oberarzt, mit dem ich ein Vorgespräch zur Anmeldung in der Klinik hatte, zu 100 % davon überzeugt, dass eine natürliche Geburt stattfinden würde. Ohnehin war er im Gegensatz zu mir total entspannt, dass die Kinder auch in der 32. Woche geboren; top fit sein würden. Er hat einfach schon mehr gesehen als ich. Und er hat ja auch Recht behalten. Im Endeffekt war alles total entspannt.
Nach einigen Wochen, in denen ich sehr besorgt war, dass die Kinder früher kommen würden, kam ich um die 38. SSW (also 37+0) zum Frauenarzt, der wie jede Woche erstaunt war, mich wieder mit Bauch zu sehen. Dieses Mal sagte er: „Sie sollten in dieser Woche versuchen zu entbinden. Sind die Kinder bei 38+0 noch im Bauch, fahren Sie bitte in die Klinik zur Einleitung.“ Er rief dort an, klärte wieder einmal alles für mich ab, machte einen Termin für 9.00 Uhr am kommenden Montag.
Ich versuchte mit Fensterputzen und Treppensteigen die Kinder zu animieren; es gelang nicht. Also ging es zur Einleitung. Meine Lust dazu war gering, auch wenn ich die Situation an sich skurril-witzig fand. Von der Frühgeburt ohne Umwege zur geplanten Einleitung, schon schräg.
Am ersten Tag versuchten die Ärzte, mit einem Wehencocktail die Wehen auf natürliche Weise in Gang zu bringen. Angesichts des Befundes dachten sie, der kleine Schubser würde ausreichen und die Geburt ginge rasch los. Leider passierte erst einmal nichts.
Am nächsten Morgen war alles nahezu unverändert und der Oberarzt schlug vor, einen Schritt weiter zu gehen und bot mir dazu den Wehentropf an. Er meinte, der sei besser zu kontrollieren als Wehengel. Das klang vernünftig und ich stimmte zu. Den Zugang hatte ich schon seit einem Tag übrigens, auf der Mitte des rechten Unterarms. Absolut nicht störend, kaum zu merken.
Die Hebamme bot mir ein Hemdchen an, schaltete den Wärmestrahler ein, legte Babykleidung raus, U-hefte, das Stempelkissen für die Füßchen. Sie ging davon aus, dass die Kinder vor Mittag geboren wären. Ich war erstaunt, wirklich. Ich dachte nicht, dass es bald losginge. ich war ruhig, dachte an alles Mögliche, nur nicht ans Entbinden. Die Pumpinfusion infundierte fröhlich das Oxytocin in die Vene, völlig schmerzfrei. Das CTG zeigte schöne Wehen, ich merkte so gut wie nichts. Ich konnte normal reden, alles wie immer. Gegen Mittag bekam ich Mittagessen und meine Füße wurden vom Rumsitzen dick. Liegen konnte ich nicht, das war einfach zu unbequem. Und ich wollte es nach der Erfahrung bei Minilama auch nicht. Nach 6 Stunden Infusion zeigte sich keine Veränderung am Muttermund. Ich war genervt. Ich durfte mich wieder anziehen. Draußen stand mein Bett, ich konnte also nicht mehr aufs Zimmer. Ich war genervter. Ich sollte etwas gehen. Eine Stunde lang, dann wiederkommen.
Wir trafen mehrere meiner Kolleginnen auf den Fluren, plauderten, eine versprach nach der Entbindung vorbeizukommen und die Kinder zu segnen. ich freute mich schon drauf.
Als wir zurückkamen, wurde ich in einen anderen Kreisssal gebracht, den größten, den mit der Wanne. Oder auch: Den, den ich schon vollgespuckt hatte, zwei Wochen zuvor. Der ist blau gestrichen und echt angenehm.
Kaum dass ich begriffen hatte, was los war, hatte der Oberarzt schon die untere Blase geöffnet. Fand ich doof, ich hätte gern gewusst, dass er das jetzt macht,. Die Hebamme fand das auch doof (das wie, nicht das dass), der Arzt ging, ließ die Hebamme und uns allein zurück. Ich fing an, mit ihr zu plaudern. Berichtete von meiner ersten Geburt, davon, dass ich so allein gewesen war und fragte, ob sie bei mir bleiben und deutliche Ansagen machen könne, was ich machen soll. Sie bejahte, versprach und hielt Wort: Sie  blieb bis zum Schluss (mit einer Pinkelpause) bei uns.
Da die Blase offen war, geriet ich unter Stress. Wie lange hatte ich bis das Infektionsrisiko stieg? Ich fragte nach, ob ich Zeitdruck habe, wie lange ich Zeit hätte. Sie war entspannt und sagte, alles sei ok, sie sei bis 21 Uhr da (es war 4) und dass ich mir Zeit lassen solle. Von da an lief alles perfekt ab. Wenn immer ich irgendeine Sorge hatte, fragte ich, bat um Untersuchungen, Hilfestellungen, Positionswechsel. Sie stellte mir das Kreißbett auf wie einen Sessel, ich saß aufrecht und fühlte mich echt wohl.
Der Wehentropf lief weiter, in ordentlicher Stärke. Die Wehen stiegen langsam an, ich merkte sie auch immer deutlicher. Erst plauderten wir noch über Gott und die Welt, später ging das nicht mehr. Sie ließ mich dann bei mir ankommen, gab nichts vor. Irgendwann musste ich zur Toilette, ich wäre auch ohne Hose über den Flur gegangen, es war mir egal; aber sie half mir in die Hose, das müsse schon noch drin sein. Fand ich super. Ich blieb danach stehen und sie machte mir ein Handtuchröckchen. Fand ich auch super. Über der Wanne gibt es ein Tuch, an dem hielt ich mich gut fest und versuchte, dem ersten Kind beim Herabrutschen ins Becken zu helfen. Zwischendurch musste ich mich an der Wanne festhalten. Alles war für meine Bedürfnisse ziemlich ideal.
Irgendwann konnte ich nicht mehr, wollte nicht mehr.,Alles tat weh, das Kind kam nicht. Ich war fertig. Sie schlug einen Positionswechsel vor. Ich legte mich seitlich aufs Kreißbett. Alles war vorbereitet, das Kind konnte kommen. Aber es kam nicht. Ich strengte mich echt an; nichts passierte. Der Arzt guckte kurz in den Kreißsaal, die Hebamme schüttelte de Kopf, ging kurz raus. Ich hätte heulen können. Schon wieder Probleme auf den letzten Metern, das ärgerte mich. Die Hebamme fand den richtigen Ton. Ob ich denn bereit sei, die Kinder loszulassen. Schließlich hatte ich ja so gekämpft, dass sie sicher im Bauch bleiben konnten, bis hin zur völligen Selbstaufgabe hatte ich wochenlang im Sommerwetter auf unserer zu kurzen Zweisitzercouch gelegen, und gehofft, dass alles gut ginge. Auf jede Frage Minilamas, ob ich mit irgendwohin käme sagte ich tapfer „nein“ verabschiedete meine Lieben und weinte dann kurz allein. Sie bot mir an, mir etwas zu geben, das mir beim Loslassen helfen sollte. Ich ging davon aus, dass sie mir Placebowasser brächte. Ich sagte dennoch „ja“. Und mir kamen kurz die Tränen. Ich begriff, wie schwer es mir fiel nun von der Schwangerschaft Abschied zu nehmen, da ich überhaupt noch nicht an dem Punkt angekommen war, dass ich genervt war und wollte, dass die Kinder jetzt kommen. Ich war noch an dem Punkt, an dem man Angst vor der Neo hat und alles tun würde, um das zu vermeiden.  Nur so kann ich auch die 6 Stunden Wehentropf so weggesteckt haben. Nicht einmal habe ich das Gesicht verzogen. Wirklich: Ich hatte keine Schmerzen.
Ich konnte aber irgendwie doch Loslassen, da ich ja verstand, dass es jetzt so weit war und wenn ich nicht von mir aus loslassen würde, ein anderer notgedrungen das Messer wetzen müsste.
Als die Hebamme mit dem Wasser wiederkam, war es auch schon fast geschafft. Das hört man ja oft: Zwischen Ich-kann-nicht-mehr und Ich-weine-still-in -mich-hinein und Hallo-Baby stehen nur ein paar Minuten.
Sie wurde deutlich, genauso wie ich es brauchte. Und ich verstand, was zu machen war – was ich bei Minilama nicht begriffen hatte.
2 Presswehen und der Kopf war da. Pause. Noch eine und Baby 1 war geboren. Kein lautes Rumgebrülle wie beim letzten Mal, keine Panik, kein Hyperventilieren, sondern ganz konzentrierte Arbeit. In der Zwischenzeit waren ein Kinderarzt, der Chefarzt und 2 weitere Ärzte dazugekommen und ein fahrbares Ultraschallgerät.
Baby 1 ging direkt zum Kinderarzt, Alphalama ging mit. Es waren auch nur 2 Schritte, an der Wand lag alles auf einem Tisch bereit. Ich sah kurz, wie das Kind versorgt wurde. Das Kind selbst hatte ich nicht gesehen, war wohl zu beschäftigt gewesen, dann war es schon weg gewesen. Ich hörte es schreien und da Alphalama dabei war, war ich beruhigt. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass Baby 1 ziemlich blau auf die Welt kam, aber innerhalb von 5 Sekunden rosig wurde und schrie. Entsprechend war der Apgartest hier auch 9/10/10 gewesen. War also gut, dass ich nichts mitbekommen hatte.
Der Arzt machte mir klar, dass ich jetzt erst das zweite Kind entbinden müsse, dann erst ginge es ans Knuddeln. War aber nicht nötig gewesen, ich war sehr fokussiert in dem Moment. Er öffnete die zweite Blase und 5 Minuten später war Baby 2 auf der Welt. Das ging völlig problemlos. 2 Minuten später kam dann die Plazenta, zum Glück vollständig.
Und leider lief wieder das Blut, kräftiger als bei Minilama. Mehr als 1,5 Liter meinten die Ärzte später. Daher bekam ich in den folgenden Tagen Eiseninfusionen und wurde mit wieder leicht steigendem, aber eigentlich unterirdischem HB-Wert entlassen.
2 junge Ärztinnen versorgten mich, die Hebamme war auch dabei.  Am Tropf wurde etwas neu eingestellt, die beiden suchten die Stelle, die gerissen war, redeten mit mir, erklärten, dass sie die Stelle noch nicht gefunden hätten, dass ich alles super mache, dass sie davon ausgingen, dass es wieder eine innere Verletzung sei.  Als sie sie endlich hatten, sagten sie, es sei wieder der Zervix, dass sie ihn schon halb zu hätten und das es gleich geschafft sei.
Ich hatte Baby 2 (glaube ich) auf dem Arm und knuddelte es ausgiebig, auch um mich von den Schmerzen abzulenken, musste es zwischendurch leider abgeben. Ich weiß noch, wie mir das Kissen doof an den Rücken rutschte und ich den Kopf so schlecht abstützen konnte, wie mir schwindlig wurde und ich um irgendwas Medizinisches bat. Wie der Tropf dann nicht mehr gut lief, wie die eine Ärztin mich am anderen Arm zwei Mal stach, beim ersten Mal erfolglos, weil der Blutdruck so schlecht war, bei zweiten Mal dann gut, weil ich mich drüber aufregte, dass gepikst wurde, wie sie mir sagte, sie bräuchte aber unbedingt einen funktionierenden Zugang für mich. Wie die Hebamme dann zum Glück sagte, der Zugang rechts sei wieder intakt, es liefe wieder. Wie ich erleichtert auflachte und es wieder aufwärts ging und die Ärztin die beiden neuen Stiche so lange drückte, bis es nicht mehr blutete und ansonsten in Ruhe ließ. Zwischenzeitlich hatten sie mir einiges an Medikamenten gegeben, der Servierwagen voller medizinischer Dinge, der für mich vorbereitet war, war leer geräubert, es ging mir wirklich besser. Ich bekam noch mal was zu trinken, es war ja auch knapp 40 Grad draußen.
Keine 5 Minuten später war die Wunde komplett geschlossen. Ich bekam beide Kinder, Fläschchen für die Kinder und guckte sie mir in Ruhe an. Dieses Mal hatte ich keine Angst um mein Leben gehabt, ich hatte den Umstehenden vertraut. Als alles genäht war, war ich einfach nur glücklich und froh mit mir und den Kindern im Reinen.
Ich zog aufs Krankenhausbett um mit ganz viel Hilfe der Hebamme und Alphalma und blieb zur Beobachtung noch 2 Stunden unten, damit ausgeschlossen werden konnte, dass es nachblutete. Das hat es nicht und wir konnten hoch fahren. Ich war richtig müde. Eine andere Hebamme brachte uns hoch. Es war schon nach 9 Uhr geworden. Alphalama durfte die Nacht über bei uns bleiben. Ich bekam noch die Abstilltablette mit dem Hinweis bitte liegen zu bleiben, da sie wohl den Kreislauf angreift. Das tat ich natürlich auch. Ich schmuste noch eines der Babies, Alphalama das andere und schlief dann zufrieden ein für ein paar Stunden.