Drei Jahre Zwillingsmama – Teil 2

Das erste Jahr

Ich weiß vieles nicht mehr so richtig, muss ich zugeben. Manche Leuchtturmmomente sind mir sehr präsent, aber vieles dazwischen, der Alltag, ist zu einer kleinen Zeitspanne zusammengeschmolzen. Ich war 14 Monate mit den Zwillingen vollzeit und überwiegend alleine zuhause.  Meine Mutter kam ein Mal in der Woche, anfangs öfter, damit alles rundlief, später, damit ich die Rückbildungsgymnastik mitmachen konnte und dann, um mir zu ermöglichen, dass ich mit Minilama zum Schwimmkurs gehen konnte. Auch als ich wieder auf der Arbeit einstieg, blieb es bei unserem festen Termin. Nach der Entbindung kam eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse zum Putzen und Waschen. Da brachte ich Minilama schon wieder zu Fuß in die Kita und holte es ab. Da begann zwei Wochen nach der Entbindung, denn da ging das neue Kitajahr los und ich musste das Kind ins Nachbardorf bringen.
Kurz hatte ich Unterstützung durch Wellcome, aber die kam weder zur rechten Zeit noch auf die Weise, wie es mir geholfen hätte. Wenn ich daran denke werde ich noch immer wütend (und vieles andere, das jetzt zu weit führen würde.
Ich war (mit Ausnahme der beiden Tage, an denen ich diese schlimmen Nachwehen hatte, wo ich vor Schmerzen halb wahnsinnig war und daher die Kinder ganz an Alphalama abgeben musste) von Anfang an sehr glücklich mit den Kindern. Es spielte sich rasch ein Babyalltag ein, den wir zunehmend unseren Bedürfnissen anpassten. So kauften wir rasch mehr Stoffwindeln, richteten im Erdgeschoss eine zweite Wickelecke ein, deckten uns auf dem ersten Kleiderbasar im Herbst richtig üppig mit Babysachen ein (Die Babylamas haben ein anderes Geschlecht als Minilama, außerdem sind sie in einer anderen Jahreszeit geboren – ich konnte so gut wie nichts mehr verwenden). Ich sprach mich in der örtlichen Drogerie mit den Kassiererinnen ab, die mir erlaubten sechs anstelle der üblichen drei Packungen Milchpulver zu kaufen, denn meine Babies tranken richtig gut.
Raus gingen wir nur morgens und nachmittags, um Minilama in die Kita zu bringen oder abzuholen. Dann kaufte ich auch ein. Mit dem großen Wagen war das einfach, da der Korb riesig war und auch schwer, da der Wagen richtig breit und wuchtig war (war, weil er vor Kurzem zu einem süßen Pärchen weitergezogen ist, das damit bei der Oma umhergefahren wird. Es war schwer ihn herzugeben, für uns alle). Ich konnte nicht in allen Läden damit an die Kasse fahren, arrangierte mich dann zügig und machte das Beste draus. Als die Zwillinge noch nicht sitzen konnten und ich nur den großen Kinderwagen nutzen konnte, war vieles nicht möglich. Bestimmte Läden wegen der Kassenbreite oder weil sie Stufen hatten am Eingang. Das habe ich damals hingenommen, heute wird mir immer wieder bewusst, was für eine Einschränkung das doch war. Durch die erneute Babyzeit mit Babylama kommen viele Erinnerungen wieder hoch. Die Babylamas lagen beispielsweise immer auf dem Boden (auf Isodecken und Matten natürlich) und ich setzte mich dazu. Ich hob sie so wenig wie mögliuch, denn das war richtig kräftezehrend. Das morgendliche Fertigmachen zum Kitagang war ein regelrechter Gewaltakt. Auch, weil es in dem Jahr früh kalt wurde, weil der Winter hart war und man lange Zeit mit dem Einpacken der Kinder verbrachte. Und geweint hat immer einer, meistens zwei. Minilama hat in der Zeit besonders nach der Kita fast den ganzen Weg nach dem Papa geweint, lautstark und dabei die Babies meist geweckt. Ich war nervlich angespannt von der Geräuschkulisse. ich erinnere mich noch sehr gut dran, dass wir öfters aus der Kita direkt zum Kinderarzt gegangen sind, weil Minilama irgendwas geplagt hat, Bauchweh meistens. Und ich nur weil wir die zwillinge haben nicht aus Bequemlichkeit auf eine Abklärung verzichten wollte. Einmal bin ich in der Kita losgesprintet mit Wagen und Trittbrett, weil es zeitlich eng wurde für den Arztbesuch und der Rucksack von Minilama fiel aus dem Wagen und ich mit dem Wagen drüber. Die Löcher vom Schleifen und Drüberfahren habe ich nie geflickt.
Ich habe funktioniert, zumindest tagsüber. Die Zwillinge schliefen als Babies zum Glück besser als Minilama, Alphalama und ich hatten je ein Baby im Wechsel am Bett zum Füttern und Wickeln. Ich war aber oft wie erschlagen und Alphalama musste meine Schicht übernehmen und dann noch 1 Stunde pro Strecke Autofahren.
Die Zwillinge waren meistens daheim mit mir. Ich habe sie immer zur gleichen Zeit gefüttert und gewickelt. Damals war es einfach so, aber heute wird mir klar, was das für ein Kraftakt war. Ich bin heute oft so froh, dass ich jetzt mit dem Baby lachen und scherzen kann, mich zu ihm legen kann, es auf dem Arm in den Schlaf wiegen kann.
Ich war oft innerlich zerrissen zwischen beispielsweise der intensiven Mama-Baby-Zeit auf dem Wickeltisch mit Bürsten und Bauchküssen und juchzendem Babychen einerseits und dem anderen Baby, das im doofsten Fall zeitgleich weinend im Nachbarzimmer auf dem Boden lag. Ich fand meinen Weg, da zu sein, Liebe zu geben, beiden zu zeigen, das sie das größte Geschenk für mich sind. Aber ich war wohl auch ziemlich unter Strom, wenn ich mir das aus heutiger Sicht ansehe.
Die Zwillingslamas waren sehr liebe Babies, sehr dankbar, sehr ausgeglichen (mit den üblichen Ausnahmen. Ich war mehr als ein Mal mit Musik auf den Ohren mit dem Kinderwagen draußen, weil es nicht anders ging) und machten es mir leicht, sie zu lieben und ihnen nur das Beste zu geben. Anders als ich es bei Minilama in Erinnerung habe, haben sie auch viel und oft die Nähe zu mir gesucht, viel geschmust. Das fand ich wundervoll (und finde es nach wie vor wundervoll, denn auch als fast Dreijährige sind die Zwillinge noch immer gern bei Mama auch dem Schoß, wollen geknuddelt und gewuddelt werden – Minilama mittlerweile zum Glück auch).
Ich weiß noch, das ich zwei bis drei Mal am Tag Fläschchen spülen und vaporisieren musste, dass meine Mama als erstes, wenn sie zu mir kam, Wasser im Kessel gekocht hat, damit wir genug abgekochtes 40 Grad warmes Wasser für die Fläschchen hatten. Ich weiß auch, dass die Haushaltshilfe von der Krankenkasse geschockt über die (Windel)Wäscheberge war, die bei uns anfielen. Und ich weiß, wie einschneidend der Beikoststart war. Wie fertig ich bei Minilama nach dem Breigeben war, weiß ich noch lebhaft. Wie viel Arbeit es war die Küche, das Kind, den Sitz, das Geschirr, mich selbst zu reinigen. Wie viel Wäsche das produzierte, mit den ganzen abdeckenden Handtüchern. Und dass ich bei den Zwillingen schon nach einer Mahlzeit am Ende war mit der Kraft. Und dann ja noch nichts abschließend geschafft hatte, weil das zweite Kind auch gefüttert werden musste. (Ich habe nacheinander gefüttert, auch weil ich keine zwei Wiegen hatte und die Kinder noch nicht sitzen konnten und ich für jedes Kind 100 Prozent da sein wollte, zumindest am Anfang, beim Übergang zur festen Nahrung). Alphalama lag um die Zeit herum in der Klinik mit einer Superinfektion, wir hatten den ersten (von mehreren) größeren Schaden an den Küchenrohren mit Kanalauto und bildgebendem Verfahren, mit Schnee im Frühling, mit Autofahren ins Krankenhaus, mit meiner Mama, die daheim alles liegen lässt und einige Tage bei uns übernachtet. Die Babyschalen waren daher im Auto und ich brauchte sie eigentlich im Haus zum Füttern. Daher beschafften wir obwohl ich nichts davon halte, rasch eine Wippe zum Füttern – das war eine irre Zeit. Auch die Mengen, die ich einkaufte (4 Kilo Möhren, 2 Kilo Kartoffeln, 1,5 Kilo Fleisch, 1 Kilo Äpfel), um für 10 Tage den Mittagsbrei vorzukochen, haltbar einzukochen, sind unglaublich gewesen. Ich denke manchmal dran, wenn ich über den Breibeginn beim Baby nachsinne, den ich bald nicht mehr hinauszögern kann. Ich brauchte von allem viel und das schnell, weil die Kinder je älter sie wurden, weniger schliefen. Ich fing damals auch mit Sport daheim an, mit Videos. Abends alleine raus ging nicht mehr, in der Schwangerschaft war das rausgehen ja auch immer mehr zurückgegangen.
Die Zwillinge zum Kinderarzt zu bringen war ein echter Gewaltakt – und ist es noch heute, aber anders. Heute muss ich die Kinder nicht mehr hochtragen in den 1. Stock. Aber ich muss heute mehr als nur gucken, dass keiner sich von der Liege kugelt. PC, Otoskop, Reflexhämmerchen, Mülleimer, Papierspender, medizinisches Zubehör aller Art – nichts ist vor den Zwillingen sicher. Wenn man beide dabei hat, ist es einfach nur grässlich und auch beschämend, sage ich ganz ehrlich. Ich versuche daher die Konstellation zu vermeiden, wenn möglich ein Kind früher aus der Kita zu holen (oder später zu bringen) oder einen Termin zu machen, wenn meine Mama da ist. Akute Fälle gibt es natürlich oft genug und da stehe ich dann mit der Vollbesetzung (Mama, vier Kinder, das älteste 5 Jahre alt und nimmt gerne vieles in den Mund) in der Sauna-Praxis und schwitze vor Hitze und Anspannung. Jeden Tag, wo das mir erspart bleibt, bin ich abends von Herzen dankbar. Als die Zwillinge noch kleiner waren habe ich nach der Behandlung immer auf dem Weg raus gerufen „ich rufe gleich nochmal an wegen Folgetermin.“ Anders ging es für mich nicht.

Die Krippenzeit

Die Zwillinge gingen mit 14 Monaten in die Krippe. Es ist die gleiche Kita, die Minilama auch besucht, allerdings eine extra Krippengruppe für Kinder von 10 Monaten bis 3 Jahren. Die fehlende Altersdurchmischung und die Tatsache, dass diese Gruppe in vielen Dingen unabhängig von der restlichen Kita agiert, hat mir von Anfang an nicht richtig gefallen. Jetzt wo die Kinder drei Jahre alt werden und in ihre neuen Gruppen umgewöhnt sind  kann ich sagen, dass mein Bauchgefühl richtig war. Ich ärgere mich, dass ich damals nichts dagegen unternommen habe, dass die Kinder dorthin kamen. ich war so froh, dass wir überhaupt einen Platz hatten (wenn auch 2 Monate später als wir eigentlich gebraucht hätten)  meine schwache Ausrede – und ich hatte von einer anderen Mutter mitbekommen, dass sie nicht wollte, dass ihr zweites Kind in die Krippe geht, sondern auf eine der Gruppen im Nebengebäude der Kita bestanden hatte (wo Minilama und ihre große Tochter auch waren) – und eben auch gehört, was das für einen Unmut unter den Erzieherinnen gebracht hatte (die Krippenerzieherinnen waren verärgert), dass ich nicht genau das gleiche unternahm. Dort hätten die Zwillinge in zwei benachbarten Gruppen sein können, wenn meine Idealvorstellung umgesetzt worden wäre mit Kindern bis 4,5 Jahre. Ich habe es nicht gemacht, war nicht stark genug in dem Moment. Und ich bereue es, denn ich habe den Kindern damit keinen Gefallen getan.
Sprachlich und kognitiv und was die Sauberkeitserziehung angeht hinken die Zwillinge, die sicher vom Vermögen her nicht weniger gut ausgerüstet sind als Minilama, dem großen Geschwister mit drei Jahren mindestens ein halbes Jahr hinter. Das gilt übrigens für alle Krippenkinder aus dieser Gruppe. Da kann keiner ordentlich sprechen und sauber sind sie mit extremen Ausnahmen auch alle nicht. Und  – ich muss mich nicht als bildungsaffin outen, mein Wunsch nach guter Förderung kam ja an dieser Stelle schon öfter mal zur Sprache – das ärgert mich sehr. Ich hoffe, die Kinder können das aufholen können in den neuen Gruppen. (Das Baby ist wieder im Nebengebäude – die Kita hat selbst wahrgenommen,. dass ich mit der Arbeit zufriedener war und mir direkt diese Option „angeboten“. Ich habe in der Kitazeit der Zwillinge bisher viele aussichtlose Kämpfe gehabt. Kleinere wie die Bitte, das die Kinder nicht aus Plastikbechern trinken oder von Plastiktellern  essen sollen, größere wie die Stoffwindelfrage, grenüberschreitende wie die, dass ich (und auch der Kinderarzt und der Zahnarzt) nicht will, dass sie noch den Schnuller bekommen – was sie in der Kita aber nach wie vor tun, aus Bequemlichkeit, sage ich mal ganz hart (da wir schon seit fast einem Jahr zuhause davon weg sind) und die Familie an die Belastbarkeitsgrenze und darüber hinaus bringende wie wie nach dem Mittagsschlaf, den die Kinder daheim schon seit Monaten nicht mehr brauchen und in der Kita aber bis kurz vor 16 Uhr ausleben dürfen („Krippenkinder brauchen den Mittagsschlaf“ – wobei sie jetzt mit drei Jahren ja keine mehr sind und sehr wahrscheinlich ihren Ganztagesplatz nach den Ferien verlieren und ich sie um halb 12  – wie auch immer – holen muss, da ich ja in der Elternzeit und somit zuhause bin)- mit verheerenden Folgen für die Abendroutine und eine Regenerationszeit für uns Eltern).
Diese Zeit war nicht nur teuer (knapp 900 Euro im Monat bis zum 2. Geburtstag), sondern auch extrem nervig und ich war mehr als einmal kurz davor, meine gute Kinderstube zu vergessen und den Damen (besonders einer eigentlich) ordentlich meine Meinung über ihre Arbeitseinstellung zu sagen. Aus Rücksicht auf meine Kinder, die das Fehlverhalten ihrer Eltern  ja bekanntlich ausbaden müssen, habe ich den Mund gehalten. Als auch der Kinderarzt beim letzten Besuch erstaunt über Schnuller und langen Schlaf war und meinte, die Kita müsse aber schon mit uns Eltern kooperieren, wurde ich nochmal erneut wütend. Es ist zwar geschafft, die Kinder sind jetzt da raus, aber fertig bin ich damit nicht. Am Schlimmsten finde ich, dass das einzige, was ich mir von den Erzieherinnen wirklich und schriftlich gewünscht hatte, nicht drin war: Ich wollte, dass meine Zwillinge jeder für sich als Individuum wahrgenommen wird. Statt dessen Verwechslung bis zum letzten Tag. Es ist nicht möglich für jedes Kind 3 Eigenschaften zu nennen, die Portfolios ist teils mit den falschen Bildern bestückt. Mein Wunsch nach zwei getrennten Abschiedsfesten und getrennten Abschlussgesprächen für die beiden Kinder wurde gar nicht begriffen, aber wenigstens hingenommen.

 

Leben mit Zwillingen: Heute und vor 28 Monaten

Unsere Zwillinge sind seit 28 Monaten bei uns. Babylamas kann man die schon länger nicht mehr nennen. Als Minilama 28 Monate alt war, war es schon großes Geschwisterchen und hatte die Babylamas auf dem Schoß, trank ihnen die Milch weg und probierte ihre Sauger aus.
Zwillinge zu haben ist eine wunderbare Sache und ein großes Geschenk.  Ich habe mir schon immer Zwillinge gewünscht. Als der Wunsch dann wahr wurde, war ich mir nicht sicher, ob ich mir das gewünscht hatte, weil ich tief in mir geahnt habe, dass ich mal Zwillingsmama sein würde (also irgendwie vorhersehend) oder ob diese tiefe Wünschen auf irgendeine Weise die Wirklichkeit beeinflusst hatte.
In jedem Fall kam es mir unwirklich vor, dass aus meinen „wir bekommen sicher Zwillinge“ Witzen dann eines Tages Wirklichkeit wurde. Dieser Erstschock über den Kindersegen, den manche Eltern verspüren, habe ich einfach übersprungen und war erst total froh und später dann immer wieder ganz besorgt, ob mein Wunder auch in Erfüllung gehen würde.
Zwillingsmama zu sein ist vielfältig. Oft ist es  total witzig und amüsant,  da die Menschen oft auf so skurrile Weise auf Zwillinge reagieren. Manche Zwillingsmamas erwägen ja deshalb auch, einen Klingelbeutel an den Wagen zu machen, um für jeden dieser witzigen Sprüche auch gleich eine Spende einzusammeln. Je nachdem, was zuhause gerade los ist, ist es auch nervig, da man so sehr in die Öffentlichkeit gerät und viele Menschen sich einbilden, besser zu wissen, was die Kinder gerade brauchen und sich ungefragt einmischen oder – was mich auch sehr geärgert hat – meinen, man sei zu schwach und zu zerbrechlich und ungeeignet für das eigene Leben, dass man nun karitative Unterstützung benötigt. Eine andere Erscheinung davon ist es leider, dass man echt oft angeglotzt wird, wenn man entweder unterwegs ist oder sich gerade mit was Schwerem abmüht.
Meistens ist es super schön , so süße und tolle Kinder zu haben und beobachten zu dürfen, wie sie aufwachsen und ich würde nicht tauschen wollen. Oft denke ich mir, gerade aktuell in der Trotzphase, dass diese Trotzphase mal zwei schon eine Nummer für sich ist, von der ich gern ab und an mal eine Pause haben möchte und auch den Kindern gern für eine kurze Weile die ganze Wut über die eigenen Grenzen ersparen würde.
Das Leben mit unseren Zwillingen hat sich seit ihrer Geburt ziemlich verändert. Die Zwillinge, die kleinen autonomen Anarchiekinder, ja auch. Es lohnt sich also, mal genau zu schauen, wie die Basics, die Alltagsdinge sich so verändert und entwickelt haben. Alltag mal zwei – das heißt natürlich auch doppelt so viele Fläschchen, doppelt so viel Brei kochen, doppelt so viele Kleider besorgen und waschen, doppelt so viele Stoffwindeln waschen, doppelt so viel einpacken, wenn man mal raus will.
Aber wie hat sich unser Leben eigentlich verändert seit wir die Babies begrüßen durften?
Hier ein kurzer Überblick über alle Dinge, die einen täglich so betreffen:

 

Frisch geschlüpft und die erste Zeit zuhause Mit 28 Monaten
Ernährung Die Zwillinge sind Flaschenkinder. (Wer dazu mehr wissen mag, einfach im Archiv stöbern oder den Links folgen).

Es war einiges an Ausrüstung nötig, um die hungrigen Gesellen zufrieden zu machen. Die Kinder haben rasch im Schnitt 8 Fläschchen Pre-Milch am Tag getrunken. Mindestens 15 Glasfläschchen und passende Sauger, ein guter Vaporisator, ein Thermometer und Thermosflaschen, haben wir gehabt.
Täglich wurde mehrmals gespült und vaporisiert, alles neu vorbereitet, eingefüllt, Wasser gekocht usw. Wichtig ist es, ständig dran zu bleiben, damit nicht auf einmal keine sauberen Fläschchen mehr vorhanden sind, denn wenn die Kinder hungrig sind, ist der Vaporisator, egal wie toll er ist, immer zu langsam. Von wegen „Ruhen, wenn das Kind ruht“. Hier ist eher angesagt, sobald die Kinder ruhen, die Flaschen wieder einsatzbereit zu machen und neues Wasser abzukochen und auf 40 Grad abzukühlen.
Beschaffungsprobleme gibt es öfters mit dem Milchpulver, das kennen Mamas, die nicht stillen können. Hier herrscht zwischendurch regelrechter Mangel im Handel und man darf, wenn was da ist,  nur 3 Pakete pro Haushalt mitnehmen. Unser DM ist aber so kulant, dass wir pro Kind 3 Pakete kaufen dürfen und ich somit nicht ständig die Angst haben musste, dass wir morgen nichts zum Füttern haben.
Täglicher Verbrauch im Schnitt: 1 Paket Milchpulver.

Unterwegs ist natürlich entsprechend eine größere Logistik nötig, um die Kinder zu ernähren. (siehe „Unterwegs“)

Essen die Zwillingslamas alles, was auf den Tisch kommt. Auch in der Kita sind meine beiden die Topesser. Sie haben guten Appetit, honorieren die Kochkünste des Kochs, mögen nahezu alles gern. Sie essen gute Portionen und machen uns was das angeht keine Probleme. Unterwegs ist das natürlich genial.
Schlafen Die Zwillingslamas schlafen als Babies relativ gut. Sie sind in Wiegen in unserem Zimmer untergebracht, wo wir sie auch füttern. Meist hat einer eine gute Nacht, der andere eine eher schlechte Nacht. Gegenseitig wecken sie sich nie, auch tagsüber nicht. Das verwundert Außenstehende immer wieder.
Nach dem Fläschchen schlafen sie  immer schnell wieder ein. Wickeln mussten wir schon mit 6 Monaten nachts nicht mehr, auch weil Alphalama mit Beikoststart die nächtlichen Mahlzeiten konsequent ausschleicht.
Wir Eltern sind die meiste Zeit relativ ausgeschlafen.
Wann das Schlafen schwierig wurde kann ich nicht mehr sagen. Aber es ist ein schwieriges Thema. Wir waren lange so froh, dass die Babies besser schlafen als Schrei-Minilama  und über vieles hinweggesehen. Das hat allerdings mit 14 Monaten zuverlässig geschlafen.
Das tun die Zwillinge nicht mehr. Zwilling 1 schläft meistens gut, braucht 2-3-mal den Sauger nachts, wenn er ihn im Schlaf verliert. Zwilling 2 schläft ähnlich leicht wie Minilama, wacht oft weinend auf, steht dann auf, legt den Schlafsack ab, weckt auch seine Geschwister, kommt zu uns ins Zimmer gelaufen, schläft regelmäßig die zweite Nachthälfte bei uns im Bett.
In guten Nächten muss Alphalama 3-mal raus, in schlechten sind wir Eltern bis zu 10-mal auf den Beinen. Ab 5.00 Uhr ist eigentlich immer Schlafende und der Tag beginnt.
Wir Eltern sind regelmäßig in einem Zombimodus unterwegs, was dazu führt, dass unsere Geduld oft rasch aufgebraucht ist.
Gesundheit Bis auf  eine wiederkehrende chronisch-obstruktive Bronchitis mit Diagnose hyperreaktibles Bronchialsystem, besonders  im ersten Herbst und Winter bei Zwilling 1 alles ok. Zum Glück hatte der Kinderarzt in der Klinik nicht recht behalten als er meinte, dass wir uns noch Öfters (zumindest in dieser Sache) sehen werden.
Irgendwie ist es mir trotz aktivem Achten darauf nicht geglückt, dass der Hinterkopf von Zwilling 1 schön rund bleibt. Ich habe die beiden echt gewendet wie die Hähnchen und geschaut, dass keiner eine spezielle Seite beim Nebeneinanderliegen hat. Das ist so ein Zwillingsproblem. Ich hatte die Schwierigkeiten klar, dennoch hatte das Baby von Anfang an eine Lieblingsseite. Eine Mama aus dem Rückbildungskurs hatte dann ein Kissen in der Tragewanne ihres Wagens, die gab mir dann den Tipp, ein Lagerungskissen anzuschaffen. Wir haben dann beiden Kindern eins gegönnt und es hat sich gut ausgewachsen. 100 % weg ist es leider nicht, aber durch die Haarpracht wird es verdeckt. Da hatte ich lange dran zu knabbern, dass mir sowas „passiert“ ist, aber weder Kinderarzt, noch der Oberarzt in der Klinik noch ein spezieller Orthopäde, von ich das Kind dann hingeschleift habe, war sonderlich von meinen Horrorszenarien überzeugt.
Kitakrankheiten wie Bindehautentzündung, Mund-Hand-Fuß-Krankheit oder Magendarmerkrankungen. Und Fieber wegen dem Zahnen.
Im Grunde aber die normale Abhärtung, die jedes Kitakind durchmacht, leider mit einer Häufung von Magen-Darm-Infekten, die uns dieses Frühjahr einmal in die Klinik brachte und beim Gesundheitsamt meldepflichtig werden ließ. War aber im Rückblick alles halb so wild.
Pflegen und Wickeln Die Zwillinge sind sehr wenig gewaschen worden, um die empfindliche Haut nicht zu reizen. Geduftet haben sie trotzdem immer total toll.

Wickeln war eine wahre Wonne. Besonders nach dem ganzen Ärger mit Minilama, das monatelang das Wickeln sehr abgelehnt hat und viel getobt hat, war das Wickeln immobiler süßer Knöpfe eine echte Freude. Ich habe es sehr genossen, jedes Mal. Wir wickeln die ersten 2 Lebensjahre ausschließlich mit Stoff. (Für mich eine Herzensangelegenheit und eine Kompensation, dass ich den Kindern keine Muttermilch bieten konnte.)

Die Zwillinge werden einmal in der Woche im Hallenbad nach dem Schwimmspaß gewaschen. Machen wir auch mit Minilama so. Hat sich für uns bewährt, da wir Eltern wenig Ärger damit haben und die Kinder es gut finden.
Das Wickeln ist eher problematisch. Seit wir das Stoffwickeln in der Kita (auf Druck der Kita) aufgeben mussten, wollen die beiden auch zuhause die Prozedur mit den Höschen- oder gar Bindewindeln nicht mehr erdulden. Außerdem haben beide eine wirklich gesegnete Verdauung und trinken auch überdurchschnittlich viel. An guten Tagen macht jeder bis zu 5 Windeln mit was Größerem voll, und läuft auch noch 2-mal wegen Pipi aus. Auch mit den Wegwerfprodukten, auch mit Markenwindeln. Zwischendurch ging es mit dem Toilettengang mal recht vielversprechend los, das ist aktuell aber wieder zurückgegangen.
Das Windeln anlegen ist ein mühsames Geschäft, umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn sie kaum 30 Minuten sauber und trocken halten.
Unterwegs sein Der Aktionsradius mit den Babylamas ist sehr klein. Im Grunde ist es unser Ort und das Nachbardorf, wo Minilamas Kita ist. Die Zeiten außer Haus sind so geplant, dass man nach dem Fläschchen rausgeht und zum nächsten Fläschchen wieder heimgeht. Ich bin kein Fan davon, den halben Hausstand mit zu nehmen und auch grundsätzlich der Meinung, dass zuhause und nicht unterwegs gegessen und getrunken wird., da wir ja alle nicht am Verhungern sind. (sehen die Kinder manchmal anders…)
Dennoch waren wir täglich mehrmals draußen, allein zum Kitagang zwei Mal  (knapp 7 Kilometer Weg). Das Auto habe ich alleine in den ersten 8 Monaten nie genutzt mit den Kindern, weil mir das Ganze mit den Sitzen und dem bewegen von zwei Nichtläufern ab Parkplatz zu anstrengend war. Dafür ist das Zwillingszeugs zu schwer, zu wuchtig, zu wenig wendig.
Das Anziehen und in den Kinderwagen bringen und später wieder hoch holen ist körperlich anstrengend und bedarf organisatorischer Fertigkeiten. Außerdem muss man extrem schnell sein, denn der Arbeitsablauf wird immer wieder durch wütendes oder ängstliches Weinen neu beschleunigt.
Die Zwillinge  zu bewegen ist ein organisatorischer Aufwand, den wir mehr als selten unternommen haben. Ab 10 Monaten ging es besser, auch weil die Gesundheit vom Baby 1 dann stabiler wurde, die Kinder auch irgendwo abgesetzt werden könnten und ziemlich durchgeimpft waren. ich  bin ungern mit ungeimpften Kindern unter vielen Leuten, da die zunehmende und meiner Ansicht nach auch asoziale Impfmüdigkeit mancher Menschen ja die Schwächsten am meisten schädigt.Eine Autoreise braucht sehr viel Vorplanung, da viele Dinge mitgenommen werden müssen, Medizin, Inhaliergerät, Wechselkeidung, Säuglingsnahrung usw. Daher lassen wir das meistens aus.

 

Auch heute ist der Radius eher klein, sicher auch, weil wir alles ja vor Ort bekommen können. Wir gehen bei gutem Wetter nach wie vor täglich zu Fuß zur Kita und wieder zurück.

Auch Dinge des täglichen Bedarfes und die Wege zu den Freizeitaktivitäten legen wir in der Regel zu Fuß zurück.
Die Zwillinge nehmen zunehmend aktiv an diesem Geschehen teil, will heißen, sie laufen selbst. Sie sind laufbegeistert und laufstark. Ich muss sie manchmal bremsen, wenn sie müde sind oder übermütig oder wenn es dunkel wird, da es dann zu gefährlich für die beiden Wusel wird.
Einmal in der Woche sind wir im Hallenbad, ansonsten im Ort. Auch die Hobbies finden vor Ort statt. Da haben wir bei der Haussuche schon drauf geachtet, denn ich will und werde kein Mamataxiunternehmen aufmachen.
Die Omas und Opas kommen uns tendenziell eher besuchen als wir sie, auch, weil die Kinder eher wild drauf sind und nicht jede Wohnungseinrichtung darauf abgestimmt ist.
Urlaube oder Kurzausflüge in die weitere Umgebung sind mit dem Auto und zunehmend auch ohne Doppelbuggy kein Problem mehr. Wir brauchen so gut wie keine spezielle Ausrüstung mehr, vielleicht Wechselkleidung und eine Ersatzwindel, aber sind ansonsten frei beweglich, besonders natürlich, wenn es draußen warm ist.

Kommunikation Die Zwillinge kommunizieren viel miteinander, auch nonverbal und suchen unsere Nähe, lachen, wenden sich uns zu, suchen von Anfang an viel Kontakt zu Minilama Die Zwillinge reden relativ viel, bei Weitem nicht auf Minilamaniveau zu der Zeit, aber sie verstehen und verständigen sich. Durch die Trotzphase ist es oft schwierig rauszufinden, was in dem kleinen Wutzwerg vorgeht und wie man das Leid lösen könnte, da das Sprechen dann zugunsten wüstem Geschrei aufgegeben wird. Aber wir Eltern lernen.
Beschäftigung/ spielen Die Babyzwillinge liegen viel auf ihrer Decke, entdecken Hände und Greiflinge, bleiben an einem Ort und sind dort zufrieden. Ich kann sie auch mal alleine lassen und die Etage wechseln, um eine Waschmaschine anzustellen. Ich bin sehr viel entspannter in der Babyzeit als mit Minilama, einfach, weil ich den Eindruck habe, ich weiß, was zu tun ist. Die Zwillinge sind extrem mobil, motorisch sehr ambitioniert, erklettern nahezu alles, probieren jeden Knopf und jede Schublade. Sie spielen viel mit Fahrzeugen, gucken Bücher, laufen Bällen hinterher, beobachten Tiere, balgen herum, und schneiden mit Vorliebe mit der Schere.
Man kann sie keinen Augenblick aus den Augen lassen.

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Dankbar

Manchmal vergisst man im Alltag ja das Wesentliche. Einfach weil es viel von allem zu tun ist. Aber vor ein paar Tagen war wieder einer dieser aufrüttelnden Momente, die mir noch einmal aufs Neue kla gemacht haben, wie dankbar ich eigentlich sein muss für all das Glück, das mir unverdient in den Schoß gefallen in.
Schon als ich mit meinen Zwillingen schwanger war, las ich von einer anderen Mutter, die in der 23. SSW eines ihrer Drillinge verlor und knapp 2 Wochen später die anderen beiden zur Welt brachte. Absolute Minibabies, die dann außerhalb des Bauchs zu stattlichen kleinen Kerlen herangewachsen waren. Deren ET war ungefähr da, wo unserer war. Geboren sind die Kinder aber Monate früher. Ich habe in der letzten Schwangerschaft wegen Zervixverkürzung und vorzeitiger Wehen ab 31+5 sieben Wochen gelegen und trotz starker Schmerzen und großer Angst um meine Kinder dann eine letztlich komplikationslose Schwangerschaft und eine Geburt zum errechneten Termin erleben dürfen. Meine Zwillinge sind weder Frühchen noch sind sie in irgendeiner Weise im Nachteil dadurch, dass sie sich den Bauch ihrer Mama teilen mussten. Von der Größe, Gewicht und geistigem Entwicklungsstand sind sie mindestens auf dem Stand gleichaltriger Kinder. Und dazu haben sie dann noch den Vorteil, dass sie zu Zweit sind, immer jemanden haben, der alles mit ihnen teilt, der zur Not andere Kinder in die Schranken weist/ beißt, haben immer jemanden zum Reden, wenn Schlafenszeit ist und jemanden zum Schmusen, wenn man sich einsam fühlt. Ich habe es ja schon öfters geschrieben: Die beiden sind oft grob zueinander, aber mindestens genauso oft auf ganz unscheinbare Art innig und liebevoll verbunden, dass man sich fast wie ein Eindringling vorkommt, wenn man diese Verbundenheit erspähen kann. Wenn einer dem anderen seinen Schnuller gibt, um ihn zu trösten zum Beispiel oder den anderen in den Arm nimmt, bin ich fast zu gerührt, um überhaupt noch was zu sagen oder zu tun. Da schleiche ich auf Zehenspitzen weg.

Letzte Woche als ich abends surfte, kam ich zum Kanal einer schwangeren mono-di Zwillingsmama. Ich las ein wenig und schaute ein bisschen bis ich an den Punkt kam, an dem sie einen ihrer Zwillingsjungen in der 24 SSW wegen FFTS verlor. Zwillingswagen aber schon gekauft und auch sonst komplett ausgestattet und total froh, dass sie bald Zwillinge hat. Ich war wie vom Donner gerührt. Und wütend auf die Ärzte und überhaupt. Obwohl ich ja im Grunde nichts weiß. Nur, dass die arme Mama etwas so Schreckliches erleben muss, das ich es keinem Menschen wünsche.

In meinem Büro hängt ein Spruch (und das, obwohl ich eine sehr nüchterne Person bin und dekomäßig sehr sparsam). Der heißt: „Twins. Two little blessings sent from above. Twice the smiles, twice the love“
Das sehe ich mir immer beim Telefonieren oder Nachdenken an. Und das „mother of twins Prayer“ hängt auch da. Das lese ich auch mehrmals täglich und muss oft schmunzeln über die Wallung, die bei uns herrscht.
Oft denke ich, die Wellen schlagen über mir zusammen. Weil zwei so viel mehr Unsinn machen als nur eins. Weil es auch oft so gefährlich ist, was die Kinder aushecken. Weil es oft so dicht ist hier, dass man kaum die 3 Minuten zum Zähneputzen hat und auf dem Klo schon richtig gestresst ist, weil man Angst hat, jetzt klettert wieder einer das Regal hoch oder schnappt sich wie auch immer was Gefährliches oder fällt mit dem Hinterkopf gegen die Fensterbank oder oder oder. Weil so ein übles Chaos herrscht und vier kleine Hände Schränke und Regale so dermaßen fix leeren, dass es mir die Tränen in die Augen treibt, weil sie meine Zahnbürste klauen und ankauen, weil sie ihr Spielzeug demolieren, weil sie Minilama büschelweise Haare ausreißen, sich bis aufs Blut beißen und im vollen Windelmülleimer herumspielen. Weil sie Licht an-Licht aus spielen bis das Kabel verschmort oder am Klodeckel herumspielen bis er lose ist und auch noch das Rohr tropft. Weil sie nicht an der Hand gehen wollen und auch nicht im Buggy sitzen bleiben. Weil sie Reißverschlüsse auch wieder aufkriegen und dann auf einmal Jacke, Mütze, Tuch und Schuhe wieder ausgezogen haben und man eben nicht jetzt raus gehen kann, sondern wieder von vorne anfangen muss und noch eine volle Windel zusätzlich wechseln muss.
Und dann will ich oft nur noch weinen, weil alles so viel ist und weil ich mich alleine fühle und so kraftlos bin. Zwei Hände und dieses ganze Chaos. Besonders jetzt, wo die Küchen abgebaut sind und wir keine Garderobe mehr haben, sondern nur noch Unordnung und Herumliegendes ist oft die grenze dessen erreicht, von dem ich meine aushalten zu können.
Und das liegt nicht an meiner Schwäche oder daran, dass ich überfordert bin. Das liegt daran, dass es eben zwei Kinder sind. Und dass sie gleich alt sind. Und dass sie schlau und findig sind und klug und überaus interessiert an ihrer Welt. Da lasse ich mir auch von überengagierten Einlingsmamas keinen Knopf an die Backe nähen.
Ich bin zunehmend davon überzeugt, dass Zwillinge zu haben definitiv nicht was für alle Frauen ist. Viele sagen das ja auch deutlich. Dass sie keine zwei auf einmal wollen, dass sie regelrecht froh waren als beim kommenden Ultraschall nur noch ein Kind da war. Oder dass sie sich betrogen fühlen um die vielen Sachen, die man mit einem Einling tun kann, aber eben nicht mit zwei im gleichen Alter. Oder dass ihnen Schwangere leid tun, die auch Zwillinge kriegen. Dass es ihnen zu teuer wäre und dass sie beim Hausbau so nicht geplant haben. Hier gibt es sehr viele Mehrlinge, ich kenne wirklich viele Familien mit Zwillingen und alles das habe ich schon im direkten Gespräch gehört.
Ich bewerte das gar nicht. Gefühle kann man nicht beurteilen.
Aber für meinen Teil weiß ich eins: Seit dem Tag, den dem ich die zwei bubbernden Herzchen auf dem Ultraschall gesehen habe, ist für mich ein Lebenstraum wahr geworden. Ich kann mir kaum was Schöneres vorstellen, als diese Kinder beim Großwerden zu beobachten und zu begleiten. Minilama, meinem ersten und damit mir am innigsten verbundenen Kind, hätte nichts Besseres widerfahren können als diese Geschwister zu bekommen (und umgekehrt). Diese beiden Süßen-Verrückten haben uns wirklich noch gefehlt zum Glücklichsein.
Und ich erlebe es an mir an jedem Tag aufs Neue: Man wächst an seinen Aufgaben. Dieses Bewusstsein ist in mir seit ich weiß, dass wir Zwillinge erwarten. Ich habe keine Sekunde gezweifelt, dass ich das hinbekomme und dass ich es gut hinbekomme – und das obwohl ich so oft stark an mir zweifele und hart mit mir ins Gericht gehe. Was das angeht, bin ich mindestens  genauso überzeugt von mir wie ich es damals war als ich mich für meine Ausbildung beworben habe.
Auch wenn ich mir wünsche, besser, schneller zu lernen, klüger mit den Umständen umgehen zu können, rationaler auf Widerstände zu reagieren, irgendwie näher an der Person zu sein, die ich mir als erwachsenes Ich  vorgestellt habe, bin ich schon so unglaublich weit gekommen in meiner Erziehungsbegleitung.
Ja, ich bin sehr oft stolz auf mich, wie ich mit meinen Kindern umgehe, was ich ihnen ermögliche, welche Entwicklungschancen ich ihnen biete und das alles trotz der Tatsache, dass es drei Kinder unter fünf Jahren sind, dass ich vollzeit arbeite und auch wieder schwanger bin und dass das Haus nicht die ideale Komfortzone bietet. Meine Kinder sind so selbstständig und autonom, so wendig und lebensklug, kennen ihre Bedürfnisse so genau und kommen in ihrem Alltag weitgehend ohne meine direkte Übermamaeinmischung weiter, dass ich oft staunend daneben stehe, wie klasse sie doch sind. Ich bin dankbar  für dieses Geschenk und wachse täglich ein Stückchen mit ihnen. Was Besseres hätte mir nie im Leben passieren können.

Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass

Im Sommer denke ich oft, dass das heiße Wetter uns allen aufs Gemüt schlägt. Dann fahren alle total risikoreich, sind schnell gereizt, alle wollen nur noch weg. Woanders hin als da, wo sie gerade sind. Also ins Freibad zum Beispiel. Alles ist zu eng, zu dick, zu wärmend. Hitze macht uns wirr im Kopf. Chemische Reaktionen laufen ja bei höherer Temperatur auch schneller ab, erinnere ich aus grauer Chemievorzeit.
Im Sommer sind meine drei Schätze grundsätzlich gut drauf, aber das heimgehen zu Fuß an der gleißenden Straße ist oft eine Qual für uns alle. Und ich wäge ab, Ob ich das Auto für die 2 Kilometer nehmen soll, besonders, wenn es den ganzen Tag in der Hitze stand und ich die Klimaanlage gar nicht hoch genug einstellen könnte, ums kühl zu haben. Einmal, da waren die Zwillinge noch kein Jahr als, habe ich die armen Würmchen mitten in der Stadt bis auf die Bodies ausgezogen. Ich hatte sie einfach zu warm eingepackt und sie weinten nur noch. Ich ging den Restweg rückwärts, damit die Sonne die beiden nicht direkt in die Äuglein scheint. (Das riesige Zwillingsschiff hatte keine schwenkbare Schiebestange) Minilama und ich tranken bestimmt 1,5 Liter auf der Strecke. Daheim gabs erstmal ein Fußbad, warmen Minztee (besser als Eiskaltes) für uns alle. Was Ähnliches erlebe ich immer wieder, wenn es regnet. Bei mir und auch bei den anderen Mamas.
Jetzt im Herbst regnet es bei uns meistens nachts und am frühen Morgen. Ich bin schon ein paar Mal wieder umgekehrt, um doch das Auto für den Kitaweg zu nehmen. Nicht, dass wir aus Zucker wären, aber strammes Nieseln durchnässt komplett, wenn man 20 Minuten unterwegs ist. Und die Babylamas sind schon in dem Alter angekommen, wo ein Plastikregencover arg stört und ein bisschen Angst macht. Die beiden stecken immer ihre Köpfe raus. Auch das Verdeck mögen sie gar nicht. Wenn ich es mal bei Kälte über die klappen will, um den Wind etwas abzufedern, meckern sie. Sie mögen es nicht. Und wenn sie dann mit dem Regencover spielen, sind sie bei Nieselregen so richtig nass. Bei Minilama war es genau das gleiche. So unter einer Plastikhaut zu sitzen, ist aber auch eher unangenehm, ich kann es total verstehen. Minilama hat ab einem gewissen Alter selbst einen Schirm über sich gehalten. Aber mit zweien klappt das nicht so richtig. Eigentlich bräuchte mal da zwei Schirme, aber das verleitet zum ausgelassenen Spiel (also wieder Nässe) oder es tropft zwischen den Schirmen durch auf die Kinder.
Alles nicht so ideal. Außerdem regnet es ja auch immer schräg und ein Schirm hält nicht gut was ab. Regenkleidung haben wir keine, also diese Plastikhosen – auch weil ich bisher selbst noch nie Regekleidung hatte, in denen ich nicht mehr geschwitzt habe als sonst war. Mal abgesehen von der Ökosache und den Giftstoffen.
Wenn es regnet gebe ich zu, steigt mein Puls. Dann müssen wir erstmal runter ans Auto, dann alle 3 im Regen ins Auto schaffen, selbst nass werden. Da fängt es schon an. Ich bin ja total gern im Wasser, wenn es uns Schwimmen geht, aber im kalten nassgeregnet zu werden, macht mich total mürrisch.
Und dann habe ich ja zumindest 2 Kinder, die sich am liebsten in der Pfütze suhlen würden (die Kleinen) und einen Pechvogel, der irgendwie immer öfter an Regentagen in die Pfütze tritt oder fällt. Im Grunde wäre das doch kein Problem, aber ich werde nahezu verrückt beim Gedanken, dass die Kinder nass in der Kita ankommen könnten. Alles Wegatmen und Entspannungsversuche gelingen nicht. Ärgerlich eigentlich.
Aber wenn ich das in den Griff bekommen wollte bräuchte ich einen kompletten Ersatzsatz Kleidung für 3. Habe ich für die Kleinen in der Kita, das geht also. (An Minilamas Sachen kommt man vor 8 nicht dran, weil da noch abgesperrt ist) Ausnahme sind Schuhe und Winterjacken. Natürlich haben wir von allem mehr als genug, aber irgendwie dann doch nicht. Dann ist mal was ihn der Wäsche oder wie aktuell: alles ist durch den Rohrschaden in einem chaotischen Partyraum verteilt.
Ich denke mir manchmal, ich sollte noch mehr Ersatzzeugs und Notfallequipment haben. Das würde mich doch entspannen. Aber auch total belasten, dass weiß ich auch. Wo sollte denn das alles hintun und wie oft würde ich es realistisch brauchen? Also wie oft sind die Kinderschuhe wirklich in der Kita morgens so nass, dass ich andere brauche? Oder die Winterjacke so durchnässt, dass ich sie wieder mit heim nehmen muss? Aber wenn es dann so schüttet und die Baustellenwege vor der Kita mit Aquaplaning und Schlamm verschmutzt sind, dann wird mir anders. Ob ich alle 3 hintereinander von der Straße an die Kita bringen soll denke ich mir dann. Aber die Aufsichtspflicht lässt mich das dann sein lassen. Und einfach das Nasssein ignorieren und abgeben, geht auch nach hinten los. Unsere Erzieherinnen können nämlich total gut Dinge sein lassen. Sie wickeln frühestens um 8.10, wenn alle in den Gruppen sind z.B. oder wechseln wenn überhaupt erst dann die Kleidung. Es ist ja auch viel los in der Gemeinschaftseinrichtung. Und die „Dreistigkeit“ zu sagen: Guten Morgen, da sind wir. Mein Kind hat die Hose voll, bitte wickeln.“ „Oder mein Kind ist nass, bitte umziehen. Tschüss bis um 5.“ Hab ich einfach nicht. Ob das ein Makel ist, weiß ich nicht. Zumindest kann ich nicht guten Gewissens gehen, wenn einer nass ist und ich das genau weiß. Ich wäre ja auch gerne trocken – und zwar jetzt und nicht in 40 Minuten -, egal wie sehr ich nicht gehört habe als es hieß, ich soll kein Pfützenbad nehmen. Das war ja eben und jetzt ist alles nass und kalt.
Und so habe ich heute allen dreien ihre Rucksäcke gegeben und mir selbst die Windel-Wechselwäschetasche umgeschlungen. Und Minilama und ich haben je 1 Zwilling an der Hand über die Baustellenstraße zur anderen Baustellenstraße geführt (wird grade viel gebaut an der Kita). Da gingen die Schleusen so richtig auf von oben. Zwilling 1 wollte balancieren. Nur leider war der an Minilamas Hand und ein kleines Kind beim Balancieren absichern kann Minilama, so toll es auch ist, natürlich nur dann, wenn es nichts abzusichern gibt. Aber da es rutschig und dunkel war und außerdem coole Baumaschinen unterwegs waren, ist Zwilling 1 nicht gerade gegangen und entsprechend in die Pfütze neben dem Mäuerchen geplumpst. Keine Verletzungen zum Glück, aber nass war er natürlich schon. Wie sehr war nicht zu erkennen. Dann habe ich Minilama aus der Pflicht entlassen, zumal wir ja die Straße schon überquert hatten und ich gut alle beide nehmen könnte. Das arme Kind war schon deprimiert, dass der Balancierversuch so ins Wasser gefallen war. Beim Übergeben ist Zwilling 1 dann irgendwie auf die Knie gefallen/gerutscht. Das ging zu schnell, ums genau zu erklären. Eine Mischung aus Unwillen und Nichtgutsehen in der Dunkelheit um 7.30 wird es gewesen sein. Just in dem Moment höre ich eine andere Mama die Straße wecken, da ihr Kind (Minilamas Kumpel) nicht willens zu sein scheint, vom Auto den Weg in die Kita zügig zu nehmen. Und da Unstimmigkeiten gern mal der genaueren Überlegung bedürfen, erwägt das Kind, sich auf die Straße zu setzen. Ich betone: Um uns herum Baustellenverkehr und mittlerweile richtiger Regen. Die arme Mama hat gut gemeckert und gebrüllt. Ob das angemessen war, kann ich nicht sagen. Ist ja nur ein Kind. Aber ich war mit Minilama auch überforderter als mit allen dreien jetzt. Von daher, man weiß es nicht. Das Doofe an der Sache: Freezing bei Minilama. Beobachten geht am besten ohne Bewegung. Stop and stare – eine Haltung, die auch ich als Kind gern eingenommen habe, manchmal auch noch heute, wenn ich alleine unterwegs bin. Nur leider hat es doll geregnet und der Wind pustete uns die Kapuzen von den Köpfen. Also auch von meiner Seite eine deutliche Verhaltensanweisung ans Kind. Und ich dachte direkt, hoffentlich ist das Kind jetzt nicht irritiert und tritt in eine Pfütze – auch sowas, das ich gern mache. Verwundert aufschrecken aus der Bewegungslosigkeit, einen Schritt tun und mitten in einer Pfütze stehen. Aber Minilama ist ja zum Glück sehr fix und kennt sich aus. Das Pfützentreten blieb heute komplett aus. Die Zwillinge haben auch keine Lust mehr gehabt in der nassen Kälte rumzustehen und fanden wohl auch keine ansprechende Pfütze zum rein hopsen. Außerdem bündelte das andere Mama-Schauspiel das Interesse dermaßen gut, das ich meine kleine Herde bis auf die eine Ausnahme trocken ins Gebäude bekam.
Was das Ausziehen in der Kita selbst angeht, bin ich mittlerweile verwöhnt. Minilama macht alles komplett alleine, hilft den Erzieherinnen auch noch beim Tisch decken und allem, was sonst anfällt, bringt mir die Warnweste (ich sage ja: Baustellen ohne Ende an der Kita, wir tragen jetzt alle Warnwesten für die 150 Meter) und wenn nötig auch die Handschuhe an den Wagen und läuft fröhlich in die Auffanggruppe.
Zwilling 2 zieht sich meist schneller aus, und ist direkt hinter Minilama in der Gruppe. Mittlerweile setzen die Kleinen sich auf die Bank im Flur und fangen mit den Mützen an, sodass ich die Rucksäcke und den anderen Kram (und das ist immer einiges) in die Gruppe bringen kann. Echt klasse.
Ich verstaue dann immer die ganzen Sachen einigermaßen ordentlich. Und da Zwilling 1 nicht so nass war wie befürchtet, aber auch nicht trocken genug, entschieden wir uns im Dialog für eine andere Hose. Dieses im Dialog sein klappt auch immer öfter mit den Zwillingen. Die Kinder lassen sich öfters auch auf Deals wie „erst putzt du deine Zähne, dann ich“ oder „Soll ich deine Schläppchen anziehen oder willst du, dass eine Erzieherin hilft?“ ein – und das Abgeben endet nicht mehr so oft in einem bockenden trotzigen Kind, das tretend der Erzieherin übergeben werden muss.
Trotzphase 0: Mama 1. Tolle Tage sind das. (Die anderen blende ich mal galant aus).
Morgen bitte keinen Regen, ok? Dann können wir relaxed zu Fuß gehen, müssen keine 25 Minuten vor der Kita warten (waren ja so fertig, dass wir hätten gemütlich zu Fuß gehen können und angezogene Kinder entkleidet man nicht nochmal, um später los zu gehen), nicht noch am Auto rum werkeln müssen und alles mit Bedacht in die Kita bringen können.
Und morgen gibt es dann fürs arme Minilama auch die neuen Schläppchen. Die alten sind zu klein, übergangsweise gab es heute Rutschsocken. Aber morgen dann die neuen, schönen in 31/32. Pololos fallen ja auch klein aus oder so.

Working Mom: mal wieder ein genauerer Blick

Ich bin eine berufstätige Mutter. Und meine Kinder, 4, 2 und 2 werden in einer Kindertageseinrichtung betreut seit sie 12 bzw. 14 Monate alt sind. Ich habe nach beiden Geburten 12 Monate Elternzeit genommen, Alphalama ein Mal 6 vollzeit und ein Mal 12 Monate teilzeit. Seit 15 Monaten arbeite ich wieder vollzeit. Bis Oktober hatte ich täglich 70 km zum Büro zurückzulegen, war im Schnitt 90 Minuten auf der Straße um zum Büro zu kommen, entsprechend länger, wenn ich Außentermine hatte. Meine Arbeit, für die ich 5 Jahre studiert und danach noch mutig 31 Monate eine Fachausbildung auf mich genommen habe, bietet viele Vorteile. Eigenverantwortliches Arbeiten beispielsweise, viele planerische Freiheiten, keine Kernzeiten. Aber ich habe auch eine 6 Tage Woche und viel mit Menschen und dadurch  mit hohem Organisationsaufwand zu tun. In meiner bisherigen Tätigkeit war ich im Bereich Jugend und Schule unterwegs und hatte damit die besondere Herausforderung morgens in den Schulen präsent zu sein und abends freie Jugendarbeit zu machen. Schon als kinderlose Frau fand ich die langen Tage mit dem Loch in der Mitte anstrengend. Durch die nicht ideale Lage meines Wohnturms, gemessen an der Stelle war alles mit viel Planerei verbunden, was mal besser und mal schlechter gelang.
Meine Arbeit ist eine meiner Passionen. Ich brenne für die Sache, liebe das Organisieren und das Finden neuer Wege, habe gern mit Menschen und deren Lebensgeschichten zu tun. Seit ich Mutter bin, ist auch mein Arbeiten viel besser, viel authentischer, viel geschmeidiger geworden. Wo ich früher sehr Akademikerin war, bin ich heute Mensch unter Menschen und kann mein fachliches Repertoire ohne große Anstrengung abrufen. Berufserfahrung ist so was Tolles und Lebenserfahrung sowieso.
Arbeiten ist natürlich nicht nur Spaß und so ungefähr einmal im Monat ärgere ich mich über Umstände, Ideen, Personen oder das System. Ich finde es noch im Rahmen und bin eine sehr zufriedene Arbeitnehmerin. Ich gehe gerne und habe Freude an meinem Tun.
Solange Alphalama tageweise zuhause war ging das mit der weiten Fahrt und den Kitazeiten meist ganz gut hin. An Tagen mit ausladenderen Arbeitszeiten könnte Alphalama den Hol- und Bringdienst übernehmen und ich mich auf die Arbeit konzentrieren. Einige Monate lang habe ich erfolgreich ignoriert, dass sich das ja wieder ändern würde und meine Taktik, an Alphalamas Zuhausetagen 12 Stunden zu arbeiten, um dann an den anderen Tagen die Kinder zu Fuß zu bringen und spätestens um 15.30 Uhr abzuholen ging super auf.
Seit Oktober ist das ja nun anders und ich habe immer wieder überlegt, ob und wie viel ich reduzieren soll. Alphalamas Firma bietet leider keine Teilzeitbeschäftigung an. Meinen Überlegungen kamen zwei Dinge quer: die interne Bewerbung zu einer Dienststelle im Heimatort und das große Geschenk, dass wir noch einmal Eltern werden dürfen.
Aus Überlegungen, die Höhe meines Elterngeldes betreffend, habe ich mich dagegen entschieden, meinen Stundenumfang zu reduzieren und auch da ich mich für die neue Stelle in Vollzeit beworben habe, machte ein Reduzieren eher schwierig. Als ich unerwartet und sehr knapp die Zusage für die neue Stelle erhielt, war ich schon längst schwanger und wechselte zusammen mit Alphalamas Wiedereintritt zur Vollzeitstelle meine Stelle. Ich muss nun nur noch über die Straße gehen, um ins Büro zu kommen. Ich kann zwischendurch nach Hause gehen für die Waschmaschine, für einen Snack oder, um Handwerker einzulassen.
Die Kinder werden nun immer zu Fuß geholt und gebracht und auch Minilamas neustes Hobby, die Musikschule, bringt mich nicht in größere Probleme.
Ein Stellenwechsel, wenn man schwanger ist, ist natürlich nicht ideal. Aber da ich nur die Dienststelle gewechselt habe, ist es  weniger „unfair“ (oder wie man das nennen soll) wie ein kompletter Neueinstieg in einer neuen Firma. Das Ganze habe ich mir mal wieder nicht leicht gemacht und lange überlegt, ob ich meine Stelle überhaupt antreten soll. Aber da ich mich überwiegend aus familiären Gründen auf die neue Stelle beworben habe, machte es auch nur Sinn, die Stelle anzutreten.  Wenn auch nur für eine überschaubare Zeitspanne. Weil dann kann ich hier wieder einsteigen. Mit vier Kindern kann ich nicht mehr eine so weite Strecke fahren wie in denn letzten vier Jahren- bei derart flexiblen (vor allem nach hinten flexiblen) Arbeitszeiten, das ist mir klar.
Zum Glück haben die meisten Kollegen und vor allem der Chef top reagiert. Der eine Ausreißer, der mein spätes Ansagen unkollegial fand/findet ist mittlerweile einigermaßen verdaut. Aber wer so viele Kinder will, braucht ein dickes Fell, glaube ich. Ich bin nach wie vor zurückhaltend mit der Botschaft, ich habe Angst vor Kommentaren wie „asozial“ oder „sonst keine Hobbies“ oder wie auch schon hier im Blog „jetzt schon überfordert und dann noch eins mehr“. Gebe ich ehrlich zu. Ich stehe zu meinen Entscheidungen, ich möchte noch ein Kind und finde große Familien toll. Aber ich bin auch eine sehr sensible Person (schwanger noch umso mehr) und mag es gar nicht, wenn Leute mich ablehnen und ich mich schlecht fühlen muss. Das mit dem Schlechtfühlen wegen allem und jedem kann ich auch gut ohne äußere Einflüsse. Scheint ein Mamaproblem zu sein. Richtig macht man es ja nie.
Meine neue Arbeit ist erwartungsgemäß schön. Schon am ersten Tag dachte ich, dass die Entscheidung die richtige war. Denke ich noch immer. Auch wenn jetzt Umstrukturierungen anstehen, die im schlimmsten Fall eine Wiederherstellung weiter Fahrstrecken bedeuten, allerdings für 2020. Eine Kollegin sagte dazu treffend „geschmeidig bleiben“. Wohl wahr.
Aber auch ohne Fahrzeiten sind die 39 Stunden schon eine Nummer für sich. Ich sitze mehr als vorher abends und am Wochenende am Schreibtisch. Ich bin mal gespannt, was ich mache, wenn die nächste Elternzeit vorbei ist. Ich weiß es nicht. Mal sehen.