Leben mit Zwillingen: Heute und vor 28 Monaten

Unsere Zwillinge sind seit 28 Monaten bei uns. Babylamas kann man die schon länger nicht mehr nennen. Als Minilama 28 Monate alt war, war es schon großes Geschwisterchen und hatte die Babylamas auf dem Schoß, trank ihnen die Milch weg und probierte ihre Sauger aus.
Zwillinge zu haben ist eine wunderbare Sache und ein großes Geschenk.  Ich habe mir schon immer Zwillinge gewünscht. Als der Wunsch dann wahr wurde, war ich mir nicht sicher, ob ich mir das gewünscht hatte, weil ich tief in mir geahnt habe, dass ich mal Zwillingsmama sein würde (also irgendwie vorhersehend) oder ob diese tiefe Wünschen auf irgendeine Weise die Wirklichkeit beeinflusst hatte.
In jedem Fall kam es mir unwirklich vor, dass aus meinen „wir bekommen sicher Zwillinge“ Witzen dann eines Tages Wirklichkeit wurde. Dieser Erstschock über den Kindersegen, den manche Eltern verspüren, habe ich einfach übersprungen und war erst total froh und später dann immer wieder ganz besorgt, ob mein Wunder auch in Erfüllung gehen würde.
Zwillingsmama zu sein ist vielfältig. Oft ist es  total witzig und amüsant,  da die Menschen oft auf so skurrile Weise auf Zwillinge reagieren. Manche Zwillingsmamas erwägen ja deshalb auch, einen Klingelbeutel an den Wagen zu machen, um für jeden dieser witzigen Sprüche auch gleich eine Spende einzusammeln. Je nachdem, was zuhause gerade los ist, ist es auch nervig, da man so sehr in die Öffentlichkeit gerät und viele Menschen sich einbilden, besser zu wissen, was die Kinder gerade brauchen und sich ungefragt einmischen oder – was mich auch sehr geärgert hat – meinen, man sei zu schwach und zu zerbrechlich und ungeeignet für das eigene Leben, dass man nun karitative Unterstützung benötigt. Eine andere Erscheinung davon ist es leider, dass man echt oft angeglotzt wird, wenn man entweder unterwegs ist oder sich gerade mit was Schwerem abmüht.
Meistens ist es super schön , so süße und tolle Kinder zu haben und beobachten zu dürfen, wie sie aufwachsen und ich würde nicht tauschen wollen. Oft denke ich mir, gerade aktuell in der Trotzphase, dass diese Trotzphase mal zwei schon eine Nummer für sich ist, von der ich gern ab und an mal eine Pause haben möchte und auch den Kindern gern für eine kurze Weile die ganze Wut über die eigenen Grenzen ersparen würde.
Das Leben mit unseren Zwillingen hat sich seit ihrer Geburt ziemlich verändert. Die Zwillinge, die kleinen autonomen Anarchiekinder, ja auch. Es lohnt sich also, mal genau zu schauen, wie die Basics, die Alltagsdinge sich so verändert und entwickelt haben. Alltag mal zwei – das heißt natürlich auch doppelt so viele Fläschchen, doppelt so viel Brei kochen, doppelt so viele Kleider besorgen und waschen, doppelt so viele Stoffwindeln waschen, doppelt so viel einpacken, wenn man mal raus will.
Aber wie hat sich unser Leben eigentlich verändert seit wir die Babies begrüßen durften?
Hier ein kurzer Überblick über alle Dinge, die einen täglich so betreffen:

 

Frisch geschlüpft und die erste Zeit zuhause Mit 28 Monaten
Ernährung Die Zwillinge sind Flaschenkinder. (Wer dazu mehr wissen mag, einfach im Archiv stöbern oder den Links folgen).

Es war einiges an Ausrüstung nötig, um die hungrigen Gesellen zufrieden zu machen. Die Kinder haben rasch im Schnitt 8 Fläschchen Pre-Milch am Tag getrunken. Mindestens 15 Glasfläschchen und passende Sauger, ein guter Vaporisator, ein Thermometer und Thermosflaschen, haben wir gehabt.
Täglich wurde mehrmals gespült und vaporisiert, alles neu vorbereitet, eingefüllt, Wasser gekocht usw. Wichtig ist es, ständig dran zu bleiben, damit nicht auf einmal keine sauberen Fläschchen mehr vorhanden sind, denn wenn die Kinder hungrig sind, ist der Vaporisator, egal wie toll er ist, immer zu langsam. Von wegen „Ruhen, wenn das Kind ruht“. Hier ist eher angesagt, sobald die Kinder ruhen, die Flaschen wieder einsatzbereit zu machen und neues Wasser abzukochen und auf 40 Grad abzukühlen.
Beschaffungsprobleme gibt es öfters mit dem Milchpulver, das kennen Mamas, die nicht stillen können. Hier herrscht zwischendurch regelrechter Mangel im Handel und man darf, wenn was da ist,  nur 3 Pakete pro Haushalt mitnehmen. Unser DM ist aber so kulant, dass wir pro Kind 3 Pakete kaufen dürfen und ich somit nicht ständig die Angst haben musste, dass wir morgen nichts zum Füttern haben.
Täglicher Verbrauch im Schnitt: 1 Paket Milchpulver.

Unterwegs ist natürlich entsprechend eine größere Logistik nötig, um die Kinder zu ernähren. (siehe „Unterwegs“)

Essen die Zwillingslamas alles, was auf den Tisch kommt. Auch in der Kita sind meine beiden die Topesser. Sie haben guten Appetit, honorieren die Kochkünste des Kochs, mögen nahezu alles gern. Sie essen gute Portionen und machen uns was das angeht keine Probleme. Unterwegs ist das natürlich genial.
Schlafen Die Zwillingslamas schlafen als Babies relativ gut. Sie sind in Wiegen in unserem Zimmer untergebracht, wo wir sie auch füttern. Meist hat einer eine gute Nacht, der andere eine eher schlechte Nacht. Gegenseitig wecken sie sich nie, auch tagsüber nicht. Das verwundert Außenstehende immer wieder.
Nach dem Fläschchen schlafen sie  immer schnell wieder ein. Wickeln mussten wir schon mit 6 Monaten nachts nicht mehr, auch weil Alphalama mit Beikoststart die nächtlichen Mahlzeiten konsequent ausschleicht.
Wir Eltern sind die meiste Zeit relativ ausgeschlafen.
Wann das Schlafen schwierig wurde kann ich nicht mehr sagen. Aber es ist ein schwieriges Thema. Wir waren lange so froh, dass die Babies besser schlafen als Schrei-Minilama  und über vieles hinweggesehen. Das hat allerdings mit 14 Monaten zuverlässig geschlafen.
Das tun die Zwillinge nicht mehr. Zwilling 1 schläft meistens gut, braucht 2-3-mal den Sauger nachts, wenn er ihn im Schlaf verliert. Zwilling 2 schläft ähnlich leicht wie Minilama, wacht oft weinend auf, steht dann auf, legt den Schlafsack ab, weckt auch seine Geschwister, kommt zu uns ins Zimmer gelaufen, schläft regelmäßig die zweite Nachthälfte bei uns im Bett.
In guten Nächten muss Alphalama 3-mal raus, in schlechten sind wir Eltern bis zu 10-mal auf den Beinen. Ab 5.00 Uhr ist eigentlich immer Schlafende und der Tag beginnt.
Wir Eltern sind regelmäßig in einem Zombimodus unterwegs, was dazu führt, dass unsere Geduld oft rasch aufgebraucht ist.
Gesundheit Bis auf  eine wiederkehrende chronisch-obstruktive Bronchitis mit Diagnose hyperreaktibles Bronchialsystem, besonders  im ersten Herbst und Winter bei Zwilling 1 alles ok. Zum Glück hatte der Kinderarzt in der Klinik nicht recht behalten als er meinte, dass wir uns noch Öfters (zumindest in dieser Sache) sehen werden.
Irgendwie ist es mir trotz aktivem Achten darauf nicht geglückt, dass der Hinterkopf von Zwilling 1 schön rund bleibt. Ich habe die beiden echt gewendet wie die Hähnchen und geschaut, dass keiner eine spezielle Seite beim Nebeneinanderliegen hat. Das ist so ein Zwillingsproblem. Ich hatte die Schwierigkeiten klar, dennoch hatte das Baby von Anfang an eine Lieblingsseite. Eine Mama aus dem Rückbildungskurs hatte dann ein Kissen in der Tragewanne ihres Wagens, die gab mir dann den Tipp, ein Lagerungskissen anzuschaffen. Wir haben dann beiden Kindern eins gegönnt und es hat sich gut ausgewachsen. 100 % weg ist es leider nicht, aber durch die Haarpracht wird es verdeckt. Da hatte ich lange dran zu knabbern, dass mir sowas „passiert“ ist, aber weder Kinderarzt, noch der Oberarzt in der Klinik noch ein spezieller Orthopäde, von ich das Kind dann hingeschleift habe, war sonderlich von meinen Horrorszenarien überzeugt.
Kitakrankheiten wie Bindehautentzündung, Mund-Hand-Fuß-Krankheit oder Magendarmerkrankungen. Und Fieber wegen dem Zahnen.
Im Grunde aber die normale Abhärtung, die jedes Kitakind durchmacht, leider mit einer Häufung von Magen-Darm-Infekten, die uns dieses Frühjahr einmal in die Klinik brachte und beim Gesundheitsamt meldepflichtig werden ließ. War aber im Rückblick alles halb so wild.
Pflegen und Wickeln Die Zwillinge sind sehr wenig gewaschen worden, um die empfindliche Haut nicht zu reizen. Geduftet haben sie trotzdem immer total toll.

Wickeln war eine wahre Wonne. Besonders nach dem ganzen Ärger mit Minilama, das monatelang das Wickeln sehr abgelehnt hat und viel getobt hat, war das Wickeln immobiler süßer Knöpfe eine echte Freude. Ich habe es sehr genossen, jedes Mal. Wir wickeln die ersten 2 Lebensjahre ausschließlich mit Stoff. (Für mich eine Herzensangelegenheit und eine Kompensation, dass ich den Kindern keine Muttermilch bieten konnte.)

Die Zwillinge werden einmal in der Woche im Hallenbad nach dem Schwimmspaß gewaschen. Machen wir auch mit Minilama so. Hat sich für uns bewährt, da wir Eltern wenig Ärger damit haben und die Kinder es gut finden.
Das Wickeln ist eher problematisch. Seit wir das Stoffwickeln in der Kita (auf Druck der Kita) aufgeben mussten, wollen die beiden auch zuhause die Prozedur mit den Höschen- oder gar Bindewindeln nicht mehr erdulden. Außerdem haben beide eine wirklich gesegnete Verdauung und trinken auch überdurchschnittlich viel. An guten Tagen macht jeder bis zu 5 Windeln mit was Größerem voll, und läuft auch noch 2-mal wegen Pipi aus. Auch mit den Wegwerfprodukten, auch mit Markenwindeln. Zwischendurch ging es mit dem Toilettengang mal recht vielversprechend los, das ist aktuell aber wieder zurückgegangen.
Das Windeln anlegen ist ein mühsames Geschäft, umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn sie kaum 30 Minuten sauber und trocken halten.
Unterwegs sein Der Aktionsradius mit den Babylamas ist sehr klein. Im Grunde ist es unser Ort und das Nachbardorf, wo Minilamas Kita ist. Die Zeiten außer Haus sind so geplant, dass man nach dem Fläschchen rausgeht und zum nächsten Fläschchen wieder heimgeht. Ich bin kein Fan davon, den halben Hausstand mit zu nehmen und auch grundsätzlich der Meinung, dass zuhause und nicht unterwegs gegessen und getrunken wird., da wir ja alle nicht am Verhungern sind. (sehen die Kinder manchmal anders…)
Dennoch waren wir täglich mehrmals draußen, allein zum Kitagang zwei Mal  (knapp 7 Kilometer Weg). Das Auto habe ich alleine in den ersten 8 Monaten nie genutzt mit den Kindern, weil mir das Ganze mit den Sitzen und dem bewegen von zwei Nichtläufern ab Parkplatz zu anstrengend war. Dafür ist das Zwillingszeugs zu schwer, zu wuchtig, zu wenig wendig.
Das Anziehen und in den Kinderwagen bringen und später wieder hoch holen ist körperlich anstrengend und bedarf organisatorischer Fertigkeiten. Außerdem muss man extrem schnell sein, denn der Arbeitsablauf wird immer wieder durch wütendes oder ängstliches Weinen neu beschleunigt.
Die Zwillinge  zu bewegen ist ein organisatorischer Aufwand, den wir mehr als selten unternommen haben. Ab 10 Monaten ging es besser, auch weil die Gesundheit vom Baby 1 dann stabiler wurde, die Kinder auch irgendwo abgesetzt werden könnten und ziemlich durchgeimpft waren. ich  bin ungern mit ungeimpften Kindern unter vielen Leuten, da die zunehmende und meiner Ansicht nach auch asoziale Impfmüdigkeit mancher Menschen ja die Schwächsten am meisten schädigt.Eine Autoreise braucht sehr viel Vorplanung, da viele Dinge mitgenommen werden müssen, Medizin, Inhaliergerät, Wechselkeidung, Säuglingsnahrung usw. Daher lassen wir das meistens aus.

 

Auch heute ist der Radius eher klein, sicher auch, weil wir alles ja vor Ort bekommen können. Wir gehen bei gutem Wetter nach wie vor täglich zu Fuß zur Kita und wieder zurück.

Auch Dinge des täglichen Bedarfes und die Wege zu den Freizeitaktivitäten legen wir in der Regel zu Fuß zurück.
Die Zwillinge nehmen zunehmend aktiv an diesem Geschehen teil, will heißen, sie laufen selbst. Sie sind laufbegeistert und laufstark. Ich muss sie manchmal bremsen, wenn sie müde sind oder übermütig oder wenn es dunkel wird, da es dann zu gefährlich für die beiden Wusel wird.
Einmal in der Woche sind wir im Hallenbad, ansonsten im Ort. Auch die Hobbies finden vor Ort statt. Da haben wir bei der Haussuche schon drauf geachtet, denn ich will und werde kein Mamataxiunternehmen aufmachen.
Die Omas und Opas kommen uns tendenziell eher besuchen als wir sie, auch, weil die Kinder eher wild drauf sind und nicht jede Wohnungseinrichtung darauf abgestimmt ist.
Urlaube oder Kurzausflüge in die weitere Umgebung sind mit dem Auto und zunehmend auch ohne Doppelbuggy kein Problem mehr. Wir brauchen so gut wie keine spezielle Ausrüstung mehr, vielleicht Wechselkleidung und eine Ersatzwindel, aber sind ansonsten frei beweglich, besonders natürlich, wenn es draußen warm ist.

Kommunikation Die Zwillinge kommunizieren viel miteinander, auch nonverbal und suchen unsere Nähe, lachen, wenden sich uns zu, suchen von Anfang an viel Kontakt zu Minilama Die Zwillinge reden relativ viel, bei Weitem nicht auf Minilamaniveau zu der Zeit, aber sie verstehen und verständigen sich. Durch die Trotzphase ist es oft schwierig rauszufinden, was in dem kleinen Wutzwerg vorgeht und wie man das Leid lösen könnte, da das Sprechen dann zugunsten wüstem Geschrei aufgegeben wird. Aber wir Eltern lernen.
Beschäftigung/ spielen Die Babyzwillinge liegen viel auf ihrer Decke, entdecken Hände und Greiflinge, bleiben an einem Ort und sind dort zufrieden. Ich kann sie auch mal alleine lassen und die Etage wechseln, um eine Waschmaschine anzustellen. Ich bin sehr viel entspannter in der Babyzeit als mit Minilama, einfach, weil ich den Eindruck habe, ich weiß, was zu tun ist. Die Zwillinge sind extrem mobil, motorisch sehr ambitioniert, erklettern nahezu alles, probieren jeden Knopf und jede Schublade. Sie spielen viel mit Fahrzeugen, gucken Bücher, laufen Bällen hinterher, beobachten Tiere, balgen herum, und schneiden mit Vorliebe mit der Schere.
Man kann sie keinen Augenblick aus den Augen lassen.

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Dankbar

Manchmal vergisst man im Alltag ja das Wesentliche. Einfach weil es viel von allem zu tun ist. Aber vor ein paar Tagen war wieder einer dieser aufrüttelnden Momente, die mir noch einmal aufs Neue kla gemacht haben, wie dankbar ich eigentlich sein muss für all das Glück, das mir unverdient in den Schoß gefallen in.
Schon als ich mit meinen Zwillingen schwanger war, las ich von einer anderen Mutter, die in der 23. SSW eines ihrer Drillinge verlor und knapp 2 Wochen später die anderen beiden zur Welt brachte. Absolute Minibabies, die dann außerhalb des Bauchs zu stattlichen kleinen Kerlen herangewachsen waren. Deren ET war ungefähr da, wo unserer war. Geboren sind die Kinder aber Monate früher. Ich habe in der letzten Schwangerschaft wegen Zervixverkürzung und vorzeitiger Wehen ab 31+5 sieben Wochen gelegen und trotz starker Schmerzen und großer Angst um meine Kinder dann eine letztlich komplikationslose Schwangerschaft und eine Geburt zum errechneten Termin erleben dürfen. Meine Zwillinge sind weder Frühchen noch sind sie in irgendeiner Weise im Nachteil dadurch, dass sie sich den Bauch ihrer Mama teilen mussten. Von der Größe, Gewicht und geistigem Entwicklungsstand sind sie mindestens auf dem Stand gleichaltriger Kinder. Und dazu haben sie dann noch den Vorteil, dass sie zu Zweit sind, immer jemanden haben, der alles mit ihnen teilt, der zur Not andere Kinder in die Schranken weist/ beißt, haben immer jemanden zum Reden, wenn Schlafenszeit ist und jemanden zum Schmusen, wenn man sich einsam fühlt. Ich habe es ja schon öfters geschrieben: Die beiden sind oft grob zueinander, aber mindestens genauso oft auf ganz unscheinbare Art innig und liebevoll verbunden, dass man sich fast wie ein Eindringling vorkommt, wenn man diese Verbundenheit erspähen kann. Wenn einer dem anderen seinen Schnuller gibt, um ihn zu trösten zum Beispiel oder den anderen in den Arm nimmt, bin ich fast zu gerührt, um überhaupt noch was zu sagen oder zu tun. Da schleiche ich auf Zehenspitzen weg.

Letzte Woche als ich abends surfte, kam ich zum Kanal einer schwangeren mono-di Zwillingsmama. Ich las ein wenig und schaute ein bisschen bis ich an den Punkt kam, an dem sie einen ihrer Zwillingsjungen in der 24 SSW wegen FFTS verlor. Zwillingswagen aber schon gekauft und auch sonst komplett ausgestattet und total froh, dass sie bald Zwillinge hat. Ich war wie vom Donner gerührt. Und wütend auf die Ärzte und überhaupt. Obwohl ich ja im Grunde nichts weiß. Nur, dass die arme Mama etwas so Schreckliches erleben muss, das ich es keinem Menschen wünsche.

In meinem Büro hängt ein Spruch (und das, obwohl ich eine sehr nüchterne Person bin und dekomäßig sehr sparsam). Der heißt: „Twins. Two little blessings sent from above. Twice the smiles, twice the love“
Das sehe ich mir immer beim Telefonieren oder Nachdenken an. Und das „mother of twins Prayer“ hängt auch da. Das lese ich auch mehrmals täglich und muss oft schmunzeln über die Wallung, die bei uns herrscht.
Oft denke ich, die Wellen schlagen über mir zusammen. Weil zwei so viel mehr Unsinn machen als nur eins. Weil es auch oft so gefährlich ist, was die Kinder aushecken. Weil es oft so dicht ist hier, dass man kaum die 3 Minuten zum Zähneputzen hat und auf dem Klo schon richtig gestresst ist, weil man Angst hat, jetzt klettert wieder einer das Regal hoch oder schnappt sich wie auch immer was Gefährliches oder fällt mit dem Hinterkopf gegen die Fensterbank oder oder oder. Weil so ein übles Chaos herrscht und vier kleine Hände Schränke und Regale so dermaßen fix leeren, dass es mir die Tränen in die Augen treibt, weil sie meine Zahnbürste klauen und ankauen, weil sie ihr Spielzeug demolieren, weil sie Minilama büschelweise Haare ausreißen, sich bis aufs Blut beißen und im vollen Windelmülleimer herumspielen. Weil sie Licht an-Licht aus spielen bis das Kabel verschmort oder am Klodeckel herumspielen bis er lose ist und auch noch das Rohr tropft. Weil sie nicht an der Hand gehen wollen und auch nicht im Buggy sitzen bleiben. Weil sie Reißverschlüsse auch wieder aufkriegen und dann auf einmal Jacke, Mütze, Tuch und Schuhe wieder ausgezogen haben und man eben nicht jetzt raus gehen kann, sondern wieder von vorne anfangen muss und noch eine volle Windel zusätzlich wechseln muss.
Und dann will ich oft nur noch weinen, weil alles so viel ist und weil ich mich alleine fühle und so kraftlos bin. Zwei Hände und dieses ganze Chaos. Besonders jetzt, wo die Küchen abgebaut sind und wir keine Garderobe mehr haben, sondern nur noch Unordnung und Herumliegendes ist oft die grenze dessen erreicht, von dem ich meine aushalten zu können.
Und das liegt nicht an meiner Schwäche oder daran, dass ich überfordert bin. Das liegt daran, dass es eben zwei Kinder sind. Und dass sie gleich alt sind. Und dass sie schlau und findig sind und klug und überaus interessiert an ihrer Welt. Da lasse ich mir auch von überengagierten Einlingsmamas keinen Knopf an die Backe nähen.
Ich bin zunehmend davon überzeugt, dass Zwillinge zu haben definitiv nicht was für alle Frauen ist. Viele sagen das ja auch deutlich. Dass sie keine zwei auf einmal wollen, dass sie regelrecht froh waren als beim kommenden Ultraschall nur noch ein Kind da war. Oder dass sie sich betrogen fühlen um die vielen Sachen, die man mit einem Einling tun kann, aber eben nicht mit zwei im gleichen Alter. Oder dass ihnen Schwangere leid tun, die auch Zwillinge kriegen. Dass es ihnen zu teuer wäre und dass sie beim Hausbau so nicht geplant haben. Hier gibt es sehr viele Mehrlinge, ich kenne wirklich viele Familien mit Zwillingen und alles das habe ich schon im direkten Gespräch gehört.
Ich bewerte das gar nicht. Gefühle kann man nicht beurteilen.
Aber für meinen Teil weiß ich eins: Seit dem Tag, den dem ich die zwei bubbernden Herzchen auf dem Ultraschall gesehen habe, ist für mich ein Lebenstraum wahr geworden. Ich kann mir kaum was Schöneres vorstellen, als diese Kinder beim Großwerden zu beobachten und zu begleiten. Minilama, meinem ersten und damit mir am innigsten verbundenen Kind, hätte nichts Besseres widerfahren können als diese Geschwister zu bekommen (und umgekehrt). Diese beiden Süßen-Verrückten haben uns wirklich noch gefehlt zum Glücklichsein.
Und ich erlebe es an mir an jedem Tag aufs Neue: Man wächst an seinen Aufgaben. Dieses Bewusstsein ist in mir seit ich weiß, dass wir Zwillinge erwarten. Ich habe keine Sekunde gezweifelt, dass ich das hinbekomme und dass ich es gut hinbekomme – und das obwohl ich so oft stark an mir zweifele und hart mit mir ins Gericht gehe. Was das angeht, bin ich mindestens  genauso überzeugt von mir wie ich es damals war als ich mich für meine Ausbildung beworben habe.
Auch wenn ich mir wünsche, besser, schneller zu lernen, klüger mit den Umständen umgehen zu können, rationaler auf Widerstände zu reagieren, irgendwie näher an der Person zu sein, die ich mir als erwachsenes Ich  vorgestellt habe, bin ich schon so unglaublich weit gekommen in meiner Erziehungsbegleitung.
Ja, ich bin sehr oft stolz auf mich, wie ich mit meinen Kindern umgehe, was ich ihnen ermögliche, welche Entwicklungschancen ich ihnen biete und das alles trotz der Tatsache, dass es drei Kinder unter fünf Jahren sind, dass ich vollzeit arbeite und auch wieder schwanger bin und dass das Haus nicht die ideale Komfortzone bietet. Meine Kinder sind so selbstständig und autonom, so wendig und lebensklug, kennen ihre Bedürfnisse so genau und kommen in ihrem Alltag weitgehend ohne meine direkte Übermamaeinmischung weiter, dass ich oft staunend daneben stehe, wie klasse sie doch sind. Ich bin dankbar  für dieses Geschenk und wachse täglich ein Stückchen mit ihnen. Was Besseres hätte mir nie im Leben passieren können.

Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass

Im Sommer denke ich oft, dass das heiße Wetter uns allen aufs Gemüt schlägt. Dann fahren alle total risikoreich, sind schnell gereizt, alle wollen nur noch weg. Woanders hin als da, wo sie gerade sind. Also ins Freibad zum Beispiel. Alles ist zu eng, zu dick, zu wärmend. Hitze macht uns wirr im Kopf. Chemische Reaktionen laufen ja bei höherer Temperatur auch schneller ab, erinnere ich aus grauer Chemievorzeit.
Im Sommer sind meine drei Schätze grundsätzlich gut drauf, aber das heimgehen zu Fuß an der gleißenden Straße ist oft eine Qual für uns alle. Und ich wäge ab, Ob ich das Auto für die 2 Kilometer nehmen soll, besonders, wenn es den ganzen Tag in der Hitze stand und ich die Klimaanlage gar nicht hoch genug einstellen könnte, ums kühl zu haben. Einmal, da waren die Zwillinge noch kein Jahr als, habe ich die armen Würmchen mitten in der Stadt bis auf die Bodies ausgezogen. Ich hatte sie einfach zu warm eingepackt und sie weinten nur noch. Ich ging den Restweg rückwärts, damit die Sonne die beiden nicht direkt in die Äuglein scheint. (Das riesige Zwillingsschiff hatte keine schwenkbare Schiebestange) Minilama und ich tranken bestimmt 1,5 Liter auf der Strecke. Daheim gabs erstmal ein Fußbad, warmen Minztee (besser als Eiskaltes) für uns alle. Was Ähnliches erlebe ich immer wieder, wenn es regnet. Bei mir und auch bei den anderen Mamas.
Jetzt im Herbst regnet es bei uns meistens nachts und am frühen Morgen. Ich bin schon ein paar Mal wieder umgekehrt, um doch das Auto für den Kitaweg zu nehmen. Nicht, dass wir aus Zucker wären, aber strammes Nieseln durchnässt komplett, wenn man 20 Minuten unterwegs ist. Und die Babylamas sind schon in dem Alter angekommen, wo ein Plastikregencover arg stört und ein bisschen Angst macht. Die beiden stecken immer ihre Köpfe raus. Auch das Verdeck mögen sie gar nicht. Wenn ich es mal bei Kälte über die klappen will, um den Wind etwas abzufedern, meckern sie. Sie mögen es nicht. Und wenn sie dann mit dem Regencover spielen, sind sie bei Nieselregen so richtig nass. Bei Minilama war es genau das gleiche. So unter einer Plastikhaut zu sitzen, ist aber auch eher unangenehm, ich kann es total verstehen. Minilama hat ab einem gewissen Alter selbst einen Schirm über sich gehalten. Aber mit zweien klappt das nicht so richtig. Eigentlich bräuchte mal da zwei Schirme, aber das verleitet zum ausgelassenen Spiel (also wieder Nässe) oder es tropft zwischen den Schirmen durch auf die Kinder.
Alles nicht so ideal. Außerdem regnet es ja auch immer schräg und ein Schirm hält nicht gut was ab. Regenkleidung haben wir keine, also diese Plastikhosen – auch weil ich bisher selbst noch nie Regekleidung hatte, in denen ich nicht mehr geschwitzt habe als sonst war. Mal abgesehen von der Ökosache und den Giftstoffen.
Wenn es regnet gebe ich zu, steigt mein Puls. Dann müssen wir erstmal runter ans Auto, dann alle 3 im Regen ins Auto schaffen, selbst nass werden. Da fängt es schon an. Ich bin ja total gern im Wasser, wenn es uns Schwimmen geht, aber im kalten nassgeregnet zu werden, macht mich total mürrisch.
Und dann habe ich ja zumindest 2 Kinder, die sich am liebsten in der Pfütze suhlen würden (die Kleinen) und einen Pechvogel, der irgendwie immer öfter an Regentagen in die Pfütze tritt oder fällt. Im Grunde wäre das doch kein Problem, aber ich werde nahezu verrückt beim Gedanken, dass die Kinder nass in der Kita ankommen könnten. Alles Wegatmen und Entspannungsversuche gelingen nicht. Ärgerlich eigentlich.
Aber wenn ich das in den Griff bekommen wollte bräuchte ich einen kompletten Ersatzsatz Kleidung für 3. Habe ich für die Kleinen in der Kita, das geht also. (An Minilamas Sachen kommt man vor 8 nicht dran, weil da noch abgesperrt ist) Ausnahme sind Schuhe und Winterjacken. Natürlich haben wir von allem mehr als genug, aber irgendwie dann doch nicht. Dann ist mal was ihn der Wäsche oder wie aktuell: alles ist durch den Rohrschaden in einem chaotischen Partyraum verteilt.
Ich denke mir manchmal, ich sollte noch mehr Ersatzzeugs und Notfallequipment haben. Das würde mich doch entspannen. Aber auch total belasten, dass weiß ich auch. Wo sollte denn das alles hintun und wie oft würde ich es realistisch brauchen? Also wie oft sind die Kinderschuhe wirklich in der Kita morgens so nass, dass ich andere brauche? Oder die Winterjacke so durchnässt, dass ich sie wieder mit heim nehmen muss? Aber wenn es dann so schüttet und die Baustellenwege vor der Kita mit Aquaplaning und Schlamm verschmutzt sind, dann wird mir anders. Ob ich alle 3 hintereinander von der Straße an die Kita bringen soll denke ich mir dann. Aber die Aufsichtspflicht lässt mich das dann sein lassen. Und einfach das Nasssein ignorieren und abgeben, geht auch nach hinten los. Unsere Erzieherinnen können nämlich total gut Dinge sein lassen. Sie wickeln frühestens um 8.10, wenn alle in den Gruppen sind z.B. oder wechseln wenn überhaupt erst dann die Kleidung. Es ist ja auch viel los in der Gemeinschaftseinrichtung. Und die „Dreistigkeit“ zu sagen: Guten Morgen, da sind wir. Mein Kind hat die Hose voll, bitte wickeln.“ „Oder mein Kind ist nass, bitte umziehen. Tschüss bis um 5.“ Hab ich einfach nicht. Ob das ein Makel ist, weiß ich nicht. Zumindest kann ich nicht guten Gewissens gehen, wenn einer nass ist und ich das genau weiß. Ich wäre ja auch gerne trocken – und zwar jetzt und nicht in 40 Minuten -, egal wie sehr ich nicht gehört habe als es hieß, ich soll kein Pfützenbad nehmen. Das war ja eben und jetzt ist alles nass und kalt.
Und so habe ich heute allen dreien ihre Rucksäcke gegeben und mir selbst die Windel-Wechselwäschetasche umgeschlungen. Und Minilama und ich haben je 1 Zwilling an der Hand über die Baustellenstraße zur anderen Baustellenstraße geführt (wird grade viel gebaut an der Kita). Da gingen die Schleusen so richtig auf von oben. Zwilling 1 wollte balancieren. Nur leider war der an Minilamas Hand und ein kleines Kind beim Balancieren absichern kann Minilama, so toll es auch ist, natürlich nur dann, wenn es nichts abzusichern gibt. Aber da es rutschig und dunkel war und außerdem coole Baumaschinen unterwegs waren, ist Zwilling 1 nicht gerade gegangen und entsprechend in die Pfütze neben dem Mäuerchen geplumpst. Keine Verletzungen zum Glück, aber nass war er natürlich schon. Wie sehr war nicht zu erkennen. Dann habe ich Minilama aus der Pflicht entlassen, zumal wir ja die Straße schon überquert hatten und ich gut alle beide nehmen könnte. Das arme Kind war schon deprimiert, dass der Balancierversuch so ins Wasser gefallen war. Beim Übergeben ist Zwilling 1 dann irgendwie auf die Knie gefallen/gerutscht. Das ging zu schnell, ums genau zu erklären. Eine Mischung aus Unwillen und Nichtgutsehen in der Dunkelheit um 7.30 wird es gewesen sein. Just in dem Moment höre ich eine andere Mama die Straße wecken, da ihr Kind (Minilamas Kumpel) nicht willens zu sein scheint, vom Auto den Weg in die Kita zügig zu nehmen. Und da Unstimmigkeiten gern mal der genaueren Überlegung bedürfen, erwägt das Kind, sich auf die Straße zu setzen. Ich betone: Um uns herum Baustellenverkehr und mittlerweile richtiger Regen. Die arme Mama hat gut gemeckert und gebrüllt. Ob das angemessen war, kann ich nicht sagen. Ist ja nur ein Kind. Aber ich war mit Minilama auch überforderter als mit allen dreien jetzt. Von daher, man weiß es nicht. Das Doofe an der Sache: Freezing bei Minilama. Beobachten geht am besten ohne Bewegung. Stop and stare – eine Haltung, die auch ich als Kind gern eingenommen habe, manchmal auch noch heute, wenn ich alleine unterwegs bin. Nur leider hat es doll geregnet und der Wind pustete uns die Kapuzen von den Köpfen. Also auch von meiner Seite eine deutliche Verhaltensanweisung ans Kind. Und ich dachte direkt, hoffentlich ist das Kind jetzt nicht irritiert und tritt in eine Pfütze – auch sowas, das ich gern mache. Verwundert aufschrecken aus der Bewegungslosigkeit, einen Schritt tun und mitten in einer Pfütze stehen. Aber Minilama ist ja zum Glück sehr fix und kennt sich aus. Das Pfützentreten blieb heute komplett aus. Die Zwillinge haben auch keine Lust mehr gehabt in der nassen Kälte rumzustehen und fanden wohl auch keine ansprechende Pfütze zum rein hopsen. Außerdem bündelte das andere Mama-Schauspiel das Interesse dermaßen gut, das ich meine kleine Herde bis auf die eine Ausnahme trocken ins Gebäude bekam.
Was das Ausziehen in der Kita selbst angeht, bin ich mittlerweile verwöhnt. Minilama macht alles komplett alleine, hilft den Erzieherinnen auch noch beim Tisch decken und allem, was sonst anfällt, bringt mir die Warnweste (ich sage ja: Baustellen ohne Ende an der Kita, wir tragen jetzt alle Warnwesten für die 150 Meter) und wenn nötig auch die Handschuhe an den Wagen und läuft fröhlich in die Auffanggruppe.
Zwilling 2 zieht sich meist schneller aus, und ist direkt hinter Minilama in der Gruppe. Mittlerweile setzen die Kleinen sich auf die Bank im Flur und fangen mit den Mützen an, sodass ich die Rucksäcke und den anderen Kram (und das ist immer einiges) in die Gruppe bringen kann. Echt klasse.
Ich verstaue dann immer die ganzen Sachen einigermaßen ordentlich. Und da Zwilling 1 nicht so nass war wie befürchtet, aber auch nicht trocken genug, entschieden wir uns im Dialog für eine andere Hose. Dieses im Dialog sein klappt auch immer öfter mit den Zwillingen. Die Kinder lassen sich öfters auch auf Deals wie „erst putzt du deine Zähne, dann ich“ oder „Soll ich deine Schläppchen anziehen oder willst du, dass eine Erzieherin hilft?“ ein – und das Abgeben endet nicht mehr so oft in einem bockenden trotzigen Kind, das tretend der Erzieherin übergeben werden muss.
Trotzphase 0: Mama 1. Tolle Tage sind das. (Die anderen blende ich mal galant aus).
Morgen bitte keinen Regen, ok? Dann können wir relaxed zu Fuß gehen, müssen keine 25 Minuten vor der Kita warten (waren ja so fertig, dass wir hätten gemütlich zu Fuß gehen können und angezogene Kinder entkleidet man nicht nochmal, um später los zu gehen), nicht noch am Auto rum werkeln müssen und alles mit Bedacht in die Kita bringen können.
Und morgen gibt es dann fürs arme Minilama auch die neuen Schläppchen. Die alten sind zu klein, übergangsweise gab es heute Rutschsocken. Aber morgen dann die neuen, schönen in 31/32. Pololos fallen ja auch klein aus oder so.

Working Mom: mal wieder ein genauerer Blick

Ich bin eine berufstätige Mutter. Und meine Kinder, 4, 2 und 2 werden in einer Kindertageseinrichtung betreut seit sie 12 bzw. 14 Monate alt sind. Ich habe nach beiden Geburten 12 Monate Elternzeit genommen, Alphalama ein Mal 6 vollzeit und ein Mal 12 Monate teilzeit. Seit 15 Monaten arbeite ich wieder vollzeit. Bis Oktober hatte ich täglich 70 km zum Büro zurückzulegen, war im Schnitt 90 Minuten auf der Straße um zum Büro zu kommen, entsprechend länger, wenn ich Außentermine hatte. Meine Arbeit, für die ich 5 Jahre studiert und danach noch mutig 31 Monate eine Fachausbildung auf mich genommen habe, bietet viele Vorteile. Eigenverantwortliches Arbeiten beispielsweise, viele planerische Freiheiten, keine Kernzeiten. Aber ich habe auch eine 6 Tage Woche und viel mit Menschen und dadurch  mit hohem Organisationsaufwand zu tun. In meiner bisherigen Tätigkeit war ich im Bereich Jugend und Schule unterwegs und hatte damit die besondere Herausforderung morgens in den Schulen präsent zu sein und abends freie Jugendarbeit zu machen. Schon als kinderlose Frau fand ich die langen Tage mit dem Loch in der Mitte anstrengend. Durch die nicht ideale Lage meines Wohnturms, gemessen an der Stelle war alles mit viel Planerei verbunden, was mal besser und mal schlechter gelang.
Meine Arbeit ist eine meiner Passionen. Ich brenne für die Sache, liebe das Organisieren und das Finden neuer Wege, habe gern mit Menschen und deren Lebensgeschichten zu tun. Seit ich Mutter bin, ist auch mein Arbeiten viel besser, viel authentischer, viel geschmeidiger geworden. Wo ich früher sehr Akademikerin war, bin ich heute Mensch unter Menschen und kann mein fachliches Repertoire ohne große Anstrengung abrufen. Berufserfahrung ist so was Tolles und Lebenserfahrung sowieso.
Arbeiten ist natürlich nicht nur Spaß und so ungefähr einmal im Monat ärgere ich mich über Umstände, Ideen, Personen oder das System. Ich finde es noch im Rahmen und bin eine sehr zufriedene Arbeitnehmerin. Ich gehe gerne und habe Freude an meinem Tun.
Solange Alphalama tageweise zuhause war ging das mit der weiten Fahrt und den Kitazeiten meist ganz gut hin. An Tagen mit ausladenderen Arbeitszeiten könnte Alphalama den Hol- und Bringdienst übernehmen und ich mich auf die Arbeit konzentrieren. Einige Monate lang habe ich erfolgreich ignoriert, dass sich das ja wieder ändern würde und meine Taktik, an Alphalamas Zuhausetagen 12 Stunden zu arbeiten, um dann an den anderen Tagen die Kinder zu Fuß zu bringen und spätestens um 15.30 Uhr abzuholen ging super auf.
Seit Oktober ist das ja nun anders und ich habe immer wieder überlegt, ob und wie viel ich reduzieren soll. Alphalamas Firma bietet leider keine Teilzeitbeschäftigung an. Meinen Überlegungen kamen zwei Dinge quer: die interne Bewerbung zu einer Dienststelle im Heimatort und das große Geschenk, dass wir noch einmal Eltern werden dürfen.
Aus Überlegungen, die Höhe meines Elterngeldes betreffend, habe ich mich dagegen entschieden, meinen Stundenumfang zu reduzieren und auch da ich mich für die neue Stelle in Vollzeit beworben habe, machte ein Reduzieren eher schwierig. Als ich unerwartet und sehr knapp die Zusage für die neue Stelle erhielt, war ich schon längst schwanger und wechselte zusammen mit Alphalamas Wiedereintritt zur Vollzeitstelle meine Stelle. Ich muss nun nur noch über die Straße gehen, um ins Büro zu kommen. Ich kann zwischendurch nach Hause gehen für die Waschmaschine, für einen Snack oder, um Handwerker einzulassen.
Die Kinder werden nun immer zu Fuß geholt und gebracht und auch Minilamas neustes Hobby, die Musikschule, bringt mich nicht in größere Probleme.
Ein Stellenwechsel, wenn man schwanger ist, ist natürlich nicht ideal. Aber da ich nur die Dienststelle gewechselt habe, ist es  weniger „unfair“ (oder wie man das nennen soll) wie ein kompletter Neueinstieg in einer neuen Firma. Das Ganze habe ich mir mal wieder nicht leicht gemacht und lange überlegt, ob ich meine Stelle überhaupt antreten soll. Aber da ich mich überwiegend aus familiären Gründen auf die neue Stelle beworben habe, machte es auch nur Sinn, die Stelle anzutreten.  Wenn auch nur für eine überschaubare Zeitspanne. Weil dann kann ich hier wieder einsteigen. Mit vier Kindern kann ich nicht mehr eine so weite Strecke fahren wie in denn letzten vier Jahren- bei derart flexiblen (vor allem nach hinten flexiblen) Arbeitszeiten, das ist mir klar.
Zum Glück haben die meisten Kollegen und vor allem der Chef top reagiert. Der eine Ausreißer, der mein spätes Ansagen unkollegial fand/findet ist mittlerweile einigermaßen verdaut. Aber wer so viele Kinder will, braucht ein dickes Fell, glaube ich. Ich bin nach wie vor zurückhaltend mit der Botschaft, ich habe Angst vor Kommentaren wie „asozial“ oder „sonst keine Hobbies“ oder wie auch schon hier im Blog „jetzt schon überfordert und dann noch eins mehr“. Gebe ich ehrlich zu. Ich stehe zu meinen Entscheidungen, ich möchte noch ein Kind und finde große Familien toll. Aber ich bin auch eine sehr sensible Person (schwanger noch umso mehr) und mag es gar nicht, wenn Leute mich ablehnen und ich mich schlecht fühlen muss. Das mit dem Schlechtfühlen wegen allem und jedem kann ich auch gut ohne äußere Einflüsse. Scheint ein Mamaproblem zu sein. Richtig macht man es ja nie.
Meine neue Arbeit ist erwartungsgemäß schön. Schon am ersten Tag dachte ich, dass die Entscheidung die richtige war. Denke ich noch immer. Auch wenn jetzt Umstrukturierungen anstehen, die im schlimmsten Fall eine Wiederherstellung weiter Fahrstrecken bedeuten, allerdings für 2020. Eine Kollegin sagte dazu treffend „geschmeidig bleiben“. Wohl wahr.
Aber auch ohne Fahrzeiten sind die 39 Stunden schon eine Nummer für sich. Ich sitze mehr als vorher abends und am Wochenende am Schreibtisch. Ich bin mal gespannt, was ich mache, wenn die nächste Elternzeit vorbei ist. Ich weiß es nicht. Mal sehen.

Ende der Auszeit oder: Wieder mehr als Hausfrau und Mutter

Meine Auszeit vom Beruf neigt sich dem Ende zu. Ich war dieses Mal sehr lange zuhause. Es war auch mehr als Elternzeit. In der frühen Schwangerschaft mit den Zwillinge (Babylamas) ging es mir nicht so gut, ich hatte starke Schmerzen und Konzentrationsprobleme. Das war meinem Arzt nicht geheuer, da ich 35 Kilometer fahren und einiges an Höhenmetern zurücklegen muss, um ins Büro zu gelangen. Und da mein Job eigentlich kein Bürojob, sondern ein Job vor Ort ist, kommen am Tag einige weitere Gänge und Fahrten hinzu, erteilte er mir früh ein Beschäftigungsverbot. Hätte ich nicht weiterhin einige Schwierigkeiten und vor allem starke Schmerzen gehabt, wäre das eine lustige Zeit geworden. Die meiste Zeit davon war leider anstrengend und leidvoll. Oft ging es mir nur im Liegen einigermaßen aushaltbar gut. Zwischen der ersten Überkeitswelle (bis 16. SSW) und der Liegephase wegen Frühgeburtsrisiko (31. SSW) gab es einige beschwerdeärmere Wochen, in denen ich Kleidung nähte und meine hausfraulichen Pflichten wie Waschen, Kochen, Bügeln und Putzen auf den ganzen Tag verteilt verrichtete.
Die letzten 7 Wochen lag ich panisch auf der Couch, aus Angst, die Kinder könnten zu früh geboren werden. Ich hatte unsagbare Schmerzen in der Rippengegend, in die die Babies (beide Schädellage) fröhlich kickten. Davon gibt es sogar Ultraschallbilder, da ich mehrmals aus Angst vor Gestose (starke Schmerzen im rechten Oberbauch) den Arzt konsultierte. Der Bauch wurde regelmäßig hart und ich spürte die Wehenaktivität deutlich. Vieles aus diesen schrecklichen Wochen habe ich schon verdrängt, das ist auch gut so. Ich war nicht mehr ich selbst, hatte nur noch das Ziel, dass es den Kindern gutgeht, hatte keine eigenen Wünsche oder Bedürfnisse mehr.
Als die Kinder dann gut und am Termin zur Welt kamen begannen 12 Wochen Mutterschutz (bei Mehrlingen sind es 12 Wochen), in denen ich durch das Engagement meiner Mutter eine Haushaltshilfe über die Krankenkasse bekam. Die Kasse selbst (bzw. der Sachbearbeiter) stellte sich unheimlich quer. Mein Mann war jedoch 13 Stunden am Tag außer Haus und meine Mutter lebt eine Fahrstunde weg von uns. Die Idee, mir Unterstützung von Wellcome zu suchen, erwies sich ja im Nachhinein als eher abwegig und zudem war direkt nach der Geburt niemand zu finden.
Trotz starker Nachwehen und sekundärem Milcheinschuss ging es rasch aufwärts und ich konnte zunehmend alle Erledigungen an den Kindern alleine bewältigen, Minilama zur Kita bringen und abholen und (Das musste vorher Alphalama tun und dafür täglich ein bisschen, in der Woche dann 1 Tag,  Urlaub nehmen, der ihm dadurch so durch die Finger rann) kleine Einkäufe (wie Milchpulver) machen. Die Haushaltshilfe wusch, bügelte, räumte grob auf, wischte das Haus, wienerte die Bäder (das war mir nach beiden Schwangerschaften sehr wichtig. Gerade im Wochenbett wollte ich ein desinfiziertes Bad haben. Sonst bin ich da eher lax, aber in der Zeit brauchte ich es sauber, sauber, sauber – sonst hätte ich einfach losgeweint.
Darauf folgte eine kurze Zeit, in der ich den Alltag alleine stemmte, die Babylamas wurden getauft dann kam die Wellcome-Episode (könnt ihr an anderer Stelle nachlesen). Dann musste Baby 1 in die Klinik, ich stand wahre Todesängste um meinen Schatz aus, Alphalama musste irgendwie die anderen beiden Kinder betreuen, arbeiten, alles regeln zuhause und ich hatte in der Folge eine allergische Reaktion am ganzen Körper. Kleinstkind im Krankenhaus – der absolute Albtraum. Toll sind dabei auch die Kommentare anderer Leute vorm Aufzug auf dem Weg zum Schweißtest, der Gott sei Dank negativ ausgefallen ist („He, Horst, guck mal das Kind da. So klein und braucht schon Sauerstoff. Tss, tss.“) – aber ich bin ja immer dann wenn die Menschen um mich herum irgendwie durchdrehen die Ruhe selbst und konnte damit klug umgehen. Zuhause dann eben die Reaktion auf was auch immer. Der Hausarzt ist nahezu 100 % sicher, dass es reiner Stress war.
Um Weihnachten herum wurde es schön gemütlich bei uns, unterbrochen von einem Tag nach dem Fest, an dem Minilama eine Kommode auf Baby 1 kippte während ich oben war um Wechselwäsche zu holen und Alphalama in der Küche Snacks richtete – wir wollten zum Indoorspielplatz. Zum Glück war es außer dem Schreck nichts. Danke an die leichten Ikeamöbel (es war übrigens nicht Malm, wenn ihr das denkt), die nun außer Kinderreichweite sind.
Das ist auch ein Thema der Auszeit. Je mobiler die Kinder werden, umso mehr Dinge, die wir Eltern lieben weichen. Deko, Bilder, Möbel, Lautsprecher, Beamer und Leinwand… Das Wohnzimmer, verbarrikadiert mit Hochstühlen ist ein Indoorspielplatz geworden, ein großer Laufstall. Das brauchen wir auch dringend, denn es ist unrealistisch, die Kinder den ganzen Tag im Auge zu haben. Toilettengang, Essen aus dem Keller holen, Waschmaschine anschalten, ein Baby wickeln, umziehen, Wechselkleidung holen, saugen, kochen … all das muss getan werden. Und da meine Kinder über Tag kaum schlafen (maximal 2 Stunden von morgens 5 bis abends 7) – und dann meist unterwegs im Wagen – muss es irgendwie gehen während die beiden spielen. Minilama, das bis 14 Monate nur robbte und zwar sehr langsam und nur wenn mal was interessant war (was es kaum war) und meist mit einem Buch zufrieden war (wie heute auch noch – das Kind ist noch bibliophiler als ich), war immer da, wo ich war. Ich hatte überall Decken liegen und ein Buch dabei und so gingen wir durchs Haus und erledigten alles. Mit meinen beiden Hochleistungskrabbeln ist die Vorstellung, so zu agieren ein schlechter Witz. Daher sind sie immer in einem (sehr großen) Raum, der ein echtes Kinderparadies ist.
In diesem Jahr der Auszeit haben wir 4 neue Fenster bekommen, eine neue Heizung, mehrere neue Heizkörper, haben Rolladen reparieren lassen, die Einliegerwohnung ausgebaut, bauen den Speicher aus, haben den Ravello Steinteppich auf den Müll geworfen, die Schiebetür in der Küche rausgeworfen, eine Wand im Flur rasugeworfen, den Flur renoviert, den Speicher gedämmt, oben ein neues Veluxfenster einbauen lassen, sehr teure (!) edle Buchenkonsolen für die Treppenschutzgitter geordert), den Keller, wo der Tank stand, in einen schönen Raum verwandelt (der Rest ist Chaos, Chaos, Chaos), 2 neue Kleiderschränke beschafft und in den umgestalteten Kinderzimmern aufgebaut, ich habe ein (für mich) neues, aber nach wie vor kleines Auto gekauft – und die Kinder haben massenweise neue (für sie neue) Gefährte bekommen. Ich habe das Treppenhaus eine gefühlte Million mal geputzt (50 Stufen sage ich nur – und das parallel zu Sirenengebrüll der Babylamas – also mit 100 Unterbrechungen zum Trösten und oft mit einem Kind auf dem Arm).
Es war viel los und doch ist noch so viel zu tun. Im letzten Jahr, wo ich dauerhaft zuhause war, kam mehr als einmal die Wehmut hoch, dass unser Haus ist wie es ist. Verbaut an manchen Stellen, eng an vielen Stellen, ohne nennenswertes Draußengelände zum Wäsche trocknen (erst gestern musste ich beim Nachbarn mein Halstuch abholen, das trocken zu ihm wehte), so teuer komplett zu heizen usw. Oft wollte ich den Bau bei der Sparkasse verkaufen und mir was Neues bauen. Aber auch wenn ich das eigentlich gerne will, weiß ich, dass dieser Altbau die klügste Lösung war und unseren Kindern ein gutes Daheim bietet. Und zudem uns den finanziellen Spielraum, den Kindern etwas zu bieten ohne auf 10 Euro gucken zu müssen. Unser Haus ist in 7 Jahren abbezahlt und komplett renoviert. Wenn Minilama in die 4. Klasse kommt, sind wir schuldenfrei und Minilama kann sich jede Schule aussuchen, kann mit Bus, Bahn oder sonstwie dorthin fahren, kann eine Privatschule besuchen (die es hier im Ort gibt, daher der Gedanke),  kann auch neue Schulbücher haben, wenn nötig, kann mehrere Sportarten machen und noch ein Instrument dazu spielen. Es kann in der 11. Klasse ins Ausland, wenn es will und ein Semester im Ausland studieren. Und seine Geschwister ebenso. Diese Möglichkeiten habe ich schmerzlich vermisst – wenngleich es dafür noch andere Gründe gab. Das ist es mir wert. Ganz einfach. Die Kinder sind die Priorität, was sie brauchen bekommen sie. Und witzigerweise haben unsere Kinder im alten Wohnturm mehr Platz als manches im Neubaugebiet, wo die Kinderzimmer alle eng geplant sind und die Häuser auf 2 Kinder ausgelegt sind. Bekannte von uns, die auch Zwillinge haben stehen aktuell vor dem Problem, dass sie 3 Kinder und nur 2 Zimmer für sie haben und dass die Babies schon lange keine Babies mehr sind und langsam aber sicher eine Raumlösung gefunden werden muss. Das war bei uns kein Problem, da wir noch den Speicher als Ausbaupotential hatten. Alphalama und ich haben oben bald (!) ein Schlafzimmer und ein Büro/Spielzimmer für Große (in das übrigens auch keine Kinder dürfen und zwar grundsätzlich erstmal nicht bis sie nicht mehr alles runterwerfen und in den Mund nehmen. Es ist so schön zu wissen, dass es einen Ort gibt, wo das LThK, mein größter Schatz, und meine teure Glasschale stehen und auch einfach stehen bleiben. Nennt mich nun egoistisch oder kinderunfreundlich – aber ich brauche das. So so dringend.)
Dennoch ist es eben alt und eng und außerdem gibt es keinen Draußenraum (wenn man nicht neben den Mülltonnen spielen will.) und das macht es doch manchmal schwer. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, wann ich diesen zusätzlichen Raum pflegen sollte, zumal ich ja bald wieder vollzeit unterwegs bin und auch oft am Wochenende arbeite. Die Wünsche kommen eben oft dann, wenn man den Kopf dafür freier hat.
Dieses Jahr ging rasch vorüber, die Abläufe sind mittlerweile klar zementiert, ich habe den Alltag und den Haushalt im Griff. Die Kinder entwickeln sich rasant und zu meiner großen Freude. Minilama, problemlos trocken seit es 32 Monate alt ist,  spricht wie ein 5jähriges Kind, liebt Bücher und Hörspiele, bastelt und malt mit Hingabe und erstaunlicher Genauigkeit, zählt alles, was es sieht, fährt seit einem halb Jahr Fahrrad, lernt mit Hochdruck schwimmen und hat ohne ein negatives Wort die Nestgruppe verlassen und zählt jetzt zu den Großen, wo es in kürzester Zeit seinen Platz gefunden hat und sich völlig angstfrei bewegt. Es ist nach wie vor fordernd und durch seine Intelligenz oft anstrengend für die übermüdete und ausgepowerte Mutter, die sie oft mehr Geduld, Ruhe und Zeit wünschen würde. Und dennoch ist es das beste Kind, das ich kenne und hat einfach in allem, was es tut, Champions-League-Niveau. Meine hohen Erwartungen übertrifft das Kind problemlos und lässt mich sprachlos und voller Stolz zurück. Erste Sahne eben.
Die Babylamas sind ganz andere Kinder als Mini. Also im Rahmen dessen dass es Geschwister sind und sie daher vieles gleich machen natürlich. Baby 2 und Minilama sind kleine Zwillinge. Auf den Babyfotos kann man die Kinder kaum unterscheiden, also optisch. Vom Wesen her schon eher. Baby 2, von Anfang an der Süße, ist ein kleiner Krawallo. Schlägt alles überall dagegen. Fläschchen gegen Fenster, Bauklotz gegen Tür, Holzkugel gegen Boden. Wirft Sachen um, räumt lautstark aus. Und lacht dabei. Die Geschwister, eher gemütliche Bauer, meckern dann. Es kann aber auch sehr ruhig sein, wenn z.B. Bücher geguckt werden. Dann ist es aufmerksam und betastet andächtig die Zeichnungen. Und er spricht schon richtig viel, Mama und Papa, danke und bitte und auch schon Ball. Und zwar deutlich und am richtigen Moment. Baby 2 und Minilama sind sehr sehr eng und lieben sich innig. Minilama hat auch eine leichte Präferenz für Baby 2. Ich glaube, das liegt an der dichten Zeit, die die beiden verlebt haben als Baby 1 mit mir in der Klinik war.
Baby 1 fällt optisch ein bisschen aus der Reihe, ein bisschen nur. Aber mir als Mama fällt das stark auf. Baby 1 ist unheimlich niedlich, schmust mit Kuscheltieren, greift nach unseren Händen und schmust sich damit, knuddelt auch die Geschwister inniglich. Es ist unser Handwerker. Wenn bei uns Schmierfett an der Tür ist oder ein Körnchen auf dem Boden liegt – Baby 1 findet es und untersucht es ausgiebig, ist allgemein ein sehr haptischer Typ. Es kann schon seit Monaten den Grimms Stapelturm alleine aufbauen und Formen in die dazu gehörigen Löcher legen. Gezeigt habe ich das vielleicht 2 mal. Für mich ein richtiges Schauspiel. Baby 1 räumt gern den Tisch ab und steht schon länger freihändig. Der letzte Kick zum Loslaufen fehlt noch, wird aber sicher in der Kita kommen. Es ist unheimlich zufrieden und ausgeglichen, ruhig und entspannt. Kommt als einziges von unseren Kindern nach dem Papa, die anderen beiden sind ständig unter Volldampf unterwegs. Baby 1 ist furchtlos und krabbelt schon mal über den ganzen Spielplatz, guckt sich kurz um und wetzt dann weiter.
Die Babylamas sind unheimlich interessiert, wach und zufrieden, ja geduldig, wenn es darum geht, Minilamas Eskapaden auszuhalten. Sie warten auch 10 Minuten voll eingemummelt aufs Rausgehen – bis das Mini sich entschieden hat, Schuhe und die Mütze anzuziehen, zum Glück. Sie sind regelrecht kitareif und gucken sich alles interessiert an. Sie sind ja auch von Geburt an täglich 2 mal dort, haben schon Freunde, die auch dort sind (kleine Geschwister von Minilamas Homies (muss man echt so sagen), die öfters zu Gast sind). Die Eingewöhnung wird sicher ähnlich laufen wie bei Minilama, da beide sicher gebunden sind und ziemlich autonom vom Charakter her sind.
Daher gehe ich mit gutem Gewissen wieder arbeiten. Nach der Elternzeit habe ich meinen Resturlaub aus den letzten 3 Jahren verbraucht, um die Lücke bis zum Kitabeginn zu schließen und trotzdem läuft es wackeliger als ich gehofft hatte. Das Chaos zuhause nimmt gegen Ende ziemlich zu, durch Bauarbeiten und häufige Pausen sieht es hier chaotischer aus als es sollte (Bauschutt im Flur, vergessene Leiter auf dem Treppenabsatz, Farbe im Flur, Äpfel in der Einliegewohnung usw.) und ich bin super froh, dass ich bald mal 45 Minuten hier alleine habe um nach der Arbeit fix klar Schiff zu machen und die Kinder danach abzuholen. Ich freue mich auf über mein Gehalt und die Möglichkeiten, die es mir bietet (neue Schuhe wären toll, eine neue Hose aus – das meiste was ich grade habe, ist irgendwie geflickt oder zu groß. Der Sport hinterlässt seine guten Spuren und ich fühle mich endlich wieder richtig attraktiv und ansehnlich, bin glücklich über das Gewicht, die Frau im Spiegel, die Muskeln und die Leistung, die mein Körper vollbringt). In der Elternzeit waren Ausgaben für mich nicht drin, da lief alles in Haus und in die Kinder, jetzt kann ich mir wieder was Kleines erlauben und das macht mich froh. Ich habe auch bald wieder Ausgang, kann das Haus verlassen, kann mit anderen Erwachsenen reden ohne dass die Kinder brüllen oder auf die Straße rennen wollen, kann Themen jenseits der Kinder und meiner Mutterrolle ansprechen, kann das tun, für das ich 5 Jahre studiert habe.
Das heißt natürlich auch, dass ich mich noch besser organisieren muss, den Haushalt noch effektiver gestalten muss, an mehr denken muss (Arbeitsachen, Kitadinge, Erledigungen usw.) und ein noch schlechteres Gewissen den Kindern gegenüber haben werde. Die Kinder werden lange außer Haus sein, sich sicher wohlfühlen, aber dennoch wird es mir schwer fallen nicht bei allem dabei zu sein und auch, auf die herablassenden Kommentare anderer Mütter adäquat zu reagieren, die ihre Kinder ja nie so lange in der Einrichtung lassen würden. Mütter sind oft die größten Feinde untereinander. Ich bin nur meinen und den Bedürfnissen der Familie Rechenschaft schuldig. Und meine Kinder brauchen die außerhäusigen Erfahrungen und besonders  Minilama, das als ältestes Kind natürlich auch eine Lotsenfunktion innehat,  zeigt mir von deutlich, wo es gern alleine wäre. Meine Kinder sind alle drei auf ihre Weise autonome Kinder. Minilama am deutlichsten, denn es sucht sich, was es interessiert und beschäftigt sich damit. Baby 1 entdeckt die Umgebung ohne Mama ohne größere Angst, Baby 2 spielt 30 Minuten mit Dingen, die Krach machen ohne dass es einen anderen als Ansprache  braucht und versinkt ganz in seinen Büchern. Meine Kinder sind alle drei  keine niedlichen Schmusebären, keine kuschligen Affenbabies, die sich ans mütterliche Fell klammern, sondern sie entdecken ihre Umwelt selbstbewusst und wissen, dass ich immer da bin, um sie zu unterstützen. Diese Beobachtung kommt nicht von mir (obgleich ich durchaus die fachliche Kompetenz habe, sowas zu beurteilen, sondern vom Kinderarzt (für die Zwillinge) und von den Erzieherinnen (für Minilama) – und das ist eine Erfahrung, die auch mal weh tun kann. So sehr andere Mamas sich vielleicht wünschen, ihre Kinder wären mal selbstständiger – so sehr tut es eben auch mal weh zu sehen, dass die Kinder vieles alleine können ohne überhaupt mal zu fragen. Meine drei sind im großen und ganzen keine kuscheligen Babies gewesen, am wenigsten Minilama, aber dafür wussten sie von Anfang an, was sie wollen und haben das lautstark kundgetan. Und auch wenn es mir manchmal schwerfällt: Ich gebe ihnen, was sie brauchen, auch wenn das bedeutet, dass sie weniger Mama haben als ich es mir vielleicht wünschen würde. Dafür sind sie aber glücklich und entfalten sich auf erstaunliche Weise. Daher  (unter anderem) auch die Working Mom. Mein Versuch, den Kindern zu zeigen, dass man seine Wünsche erfüllen kann und versuchen kann eine gute Mama zu sein. Mein Versuch ihnen klarzumachen, dass sie gern ihren Weg gehen können. Und wenn immer etwas ist, bin ich da. Auch wenn es leider noch 35 Minuten Wegstrecke sind. Ich habe im letzten Jahr erfolglos es versucht zu verbessern, werde aber nicht aufhören, für uns einzutreten, damit die Ausgangslage sich weiter verbessert.
Froh auf der einen Seite, abwartend und unsicher auf der anderen. Aber egal: Es geht wieder los. Bist die Eingewöhnung abgeschlossen ist, erstmal mit dem Fuß auf der Bremse, danach dann (erstmal) mit Vollgas. Wie es weitergeht wird die Praxis zeigen. Verändern kann man sich ja immer wieder. Dafür ist Alphalama dann mit dem Fuß auf der Bremse (diesmal weniger, aber dafür länger) beruflich unterwegs und ist präsent für die Kinder.
Working Mom – es geht in die zweite Runde,