Advent und Weihnachten bei den fünf kleinen Lamas – in zwei Versionen

Weihnachten ist nicht ganz so meins, da habe ich ja schon einmal verraten. Daran ändert sich, glaube ich, auch grundsätzlich nichts mehr. Den Advent selbst mag ich total gerne. Seit ich Kinder habe lasse ich mich schon eher mitreißen mit deren Vorfreude und habe auch Spaß daran mit ihnen zu backen und zu basteln. Beides Dinge, die ich auch übers Jahr verteilt sehr gerne mit den Kindern tue und die für mich weniger zum Advent, sondern mehr zum Leben mit Kindern dazugehören. Wir haben einige Traditionen, wie Besuche bei den Paten und dann mit ihnen auf den örtlichen Weihnachtsmärkten, laden gerne befreundete Kinder zum gemütlichen Spielen und Basteln ein, kramen jedes Jahr aufs Neue einige Bücher, die wir im Advent gerne zusammen lesen, hervor und versuchen uns auch unter der Woche mehr Zeit als üblich zum gemeinsamen Lesen und Geschichten hören zu nehmen. Die Vereine der Kinder und der Kindergarten und die Pfarrgemeinde haben in dieser Zeit natürlich auch besondere Angebote für Kinder, bei denen ich besonders aufmerksam für etwas Gutes und Sinnstiftendes bin und die Kinder häufiger mal zu einem Nachmittag außer Haus verführe als im alltäglichen Alltag. Eingestimmt haben wir uns dieses Jahr wirklich sehr schön auf das Fest der Feste, anders kann man es nicht sagen. Es war ja auch unser zweites Weihnachtfest in 2017 und wir wussten ja schon wie man es macht. Und so kann ich unsere Advents- und Weihnachtstage hier vorstellen. Auf der linken Seite das Beschauliche und Schöne und auf der rechten Seite dann diese Einschübe, die das Leben erst real machen.

Nur zur Info: Ich beklage mich nicht und bin auch nicht überfordert mit den Kindern (und dann noch ein viertes wollen, unglaublich). Bei uns ist es wohl einfach anders als bei anderen Familien und wir lernen immer besser mit diesem Anderssein umzugehen.

Ende November

Ich beginne damit, mir schöne Bastelideen für den Advent auf Pinterest zusammenzusuchen und stelle das dafür benötigte Material zusammen. Alphalama und ich schauen in den Terminkalender und überlegen, wann wir wohin fahren wollen und wen wir einladen. Wir sprechen über Weihnachtskarten und Geschenke für Verwandte und Bekannte, beginnen mit den ersten Planungen.

Ich schaue nach einem schönen Türkranz und einem passenden Adventskranz. Alphalama guckt nach der Weihnachtskiste und wir bestücken die Kinderregale mit den entsprechenden Büchern. Dieses Jahr neu: Ein Adventskalenderbuch mit 24 Geschichten über Weihnachten aus aller Welt und eine Weihnachtsgeschichte mit 24 Kapiteln, um jeden Abend eine neue Geschichte miteinander zu hören.

Ich entdecke im Dorf einen schönen Magnetkalender mit 24 Magnetfiguren, die die Krippe jeden Tag mehr bevölkern und wir Eltern sind froh, dass wir eine gute Lösung für das Thema Adventskalender gefunden haben.

Minilama bekommt kurz vor dem 1. Dezember einen Rappel und beginnt noch in der Kita beim Abholen herzzerreißend zu weinen. Grund: Es hat keinen Adventskalender. Und alle anderen haben einen. Und zwar einen mit Einhörnern und Feuerwehrmann Sam Sammelfiguren und der ist total groß und toll und überhaupt.
In der ersten Dezemberwoche beginnen wir mit Ausmalbildern und singen Nikolauslieder. In der Kita kommt der Nikolaus und Minilama geht in die Kapelle zu einem schönen Gottesdienst. Für die Kleinen kommt der Nikolaus in die Gruppe und danach wird Selbstgebackenes genascht. Sonntags gehen wir alle zusammen in den Familiengottesdienst und jeder bekommt ein flauschiges Schäfchen mit nach Hause. Wir singen häufig zusammen Nikolauslieder und sprechen vom Uropa, der auch Nikolaus hieß.

Ich stelle einfache Rezepte zusammen und lade Freunde mit ihren Kindern zum gemeinsamen Plätzchenbacken und Kinderpunschtrinken nach Hause ein.

Minilamas Erzieherin spricht mich an. Minilama hat eine überbordende Phantasie aktuell. Es hat keinen Adventskalender bekommen bzw. es öffnet den Kalender immer heimlich, wenn die Mama schon schläft.

Ich kläre auf, die Erzieherin und ich sind amüsiert.

Auf dem Heimweg ist ein Wutzwerg mit unterwegs und brüllt und stampft. „Wir haben noch keine Plätzchen gebacken. Ich will Plätzchen backen. Wir backen ja nie Plätzchen.“

An einem schönen Sonntag sitzen 5 Kinder in unserem Wohnzimmer, mümmeln selbst gemachten Kuchen und stechen Kekse aus.

Die ausgekühlten Kekse verzieren wir mit vielfältigen Liebesperlen und bunten Streuseln. Am Ende machen die Kinder aus den Resten noch richtige Kunstwerke. 5 volle Dosen backen wir gemeinsam, alle gehen zufrieden nach Hause. Minilama nimmt stolz seine Kekse mit in die Kita und erzählt allen vom gemeinsamen Backen.

Die Zwillinge verteilen sehr viel Mehl überall, der Teig wird bröselig, weil die Kinder ihn mit den Händen warm gehalten haben, mir verbrennen fast die Kekse im Ofen, die Zwillinge wollen Teig naschen (leider den mit dem Ei), Alphalama verliert um ein Haar die Nerven, weil die Kinder alles anfassen und das schnell.

Die Zwillinge werden vom Plätzchenbacken ausgeschlossen, Alphalama und der befreundete Papa lenken sie mit mäßigem Erfolg mit Spielen am Boden ab. Ich pendele zwischen Ofen und Minilama und steche in der Küchje einige kekse aus, um die Teigmenge, die größer ist als die Kinder mit Spaß ausstechen können, ofenfertig zu machen. Minilama beginnt zu weinen. Es will sofort verzieren. Es verkippt dann eine ganze Rolle Liebesperlen auf einen Keks, weil es sich nicht helfen lassen will und außerdem auch nicht die Minismarties mit den anderen Kindern teilen mag. Die Kinder unserer Freunde nehmen einzelne Dekorteile und legen sie ruhig und liebevoll auf die Kekse. Ich bin ziemlich neidisch, ganz ehrlich.
Minilama sagt dem Besuch nicht mehr Tschüss, sondern sitzt total motzig am Tisch. Einzige Sorgen: Die anderen könnten seinen selbst modellierten Pilz mitgenommen haben. Währenddessen haben die Zwillinge jeder 4 Mal Stuhlgang und Alphalama ist wirklich über Gebühr mit dem Thema beschäftigt. Er hat keine Lust mehr.

Minilama beschwert sich in der Kita, dass es nie Zeit für sich hat und ständig daheim helfen muss. Es will doch nur seine Ruhe und sich ausruhen. Und da kommt doch das Geschwisterchen und dann hat es schon wieder mehr Aufgaben. Die Erzieherinnen können ein Grinsen nicht verbergen. Ich nehme das Ganze ernst und hinterfrage mich.
Die Zwillinge lassen morgens beim Anziehen und mittags beim Abholen aus der Kita total die Bären tanzen. Sie laufen weg, sie ziehen sich Angezogenes wieder aus, helfen sich gegenseitig aus dem Buggy heraus. Alphalama bleibt morgens 10 Minuten länger daheim, um mir zu helfen, die Herde zu bändigen.

Ich gehe größere Umwege im nächtlichen Dorf, weil wir für die 20 Minuten weg nun 45 Minuten Zeit haben.

Abends wollen die Kinder teils nicht mit nach Hause kommen, wollen, dass die Oma kommt oder wollen noch spielen. Meist dekorieren sie während ich den einen anziehe, den Weihnachtsbaum ab oder flüchten vor mir in den Bewegungsraum oder das Bad (und stellen dort das Wasser an, um ihre Hände und Oberteile zu wässern). Einmal geht ein Wichelmännchen in der Kita zu Bruch, dem Kind scheint es egal zu sein. Ich merke gegen Weihnachten hin immer mehr, wie ich schon angespannt in Richtung Kita gehe. Auch Atemübungen oder so helfen mir nicht weiter. Ich bin richtig wütend, dass ich die Kinder nicht einfach auf den Arm nehmen kann und auch darüber, dass auch ein Transport im Buggy mit den Zwillingen so kompliziert ist. Das ständige Betteln und Rumreden macht mich mürbe. Gerade, wenn es mir so arg auf die Symphyse drückt und ich ständig auf Toilette muss, ist mir das Trara zu viel und ich muss mich maximal beherrschen, um ruhig zu bleiben. Außerdem regnet es total oft und Minilama und ich hassen Regen total. Der schlägt uns auf die Laune.

Sobald wir an der Garage angekommen sind wollen die Kinder zum Metzger oder zum Dönermann. Sie reißen sich von der Hand fast los, lassen sich auf den oft regennassen Boden fallen, pflücken die Beeren des wilden Weins unserer Nachbarn und versuchen sie zu essen usw.

Ausziehen und Hände waschen hat auch schon mal besser geklappt.

Meine Mutter kommt an einem Freitag und wir entscheiden, dass Minilama heute nicht in den Schwimmkurs muss (auf den es schon seit Wochen immer wieder mal keine Lust hat) und wir auch nicht mehr zum Baumschmücken im Nachbardorf dazugehen, da uns das arme Kind überreizt und gestresst vorkommt. Wir wollen ihm exklusive Mama-Oma-Zeit geben. Stattdessen holen wir es früher ab und backen nur mit ihm alleine eine große Menge Ausstechkekse. Minilama macht sehr lieb mit und verziert liebevoll die Kekse mit unsern vielfältigen Dekoren. Danach stickt Minilama zufrieden ein ganzes Stickbild aus.

Abends dürfen alle Kinder Windlichter ausprickeln, die wir auf die Fensterbank stellen. Besonders die Kleinen lieben die Lichter und stellen moegens immer die LED-Lichter an.

Minilama bricht in Tränen aus als wir die Geschwister aus der Kita holen. Grund: Der Baum steht schon und es war nicht dabei. Jetzt fällt ihm auf, dass man dort hätte hingehen können, vorher war das kein Thema gewesen. Plätzchen backen und Sticken ist doof, nur zum Baum hätte es gewollt. Und warum es heute nicht schwimmen durfte. Es liebt den Schwimmkurs doch so sehr. Durch das Weinen löst das Kind im Auto ein Geheul aus, wir erreichen die Garage mit drei völlig aufgelösten Kindern, die – oh Wunder – sofort Pommes vom Dönerladen haben wollen. Oder wenigstens was vom Metzger. (Beides gibt es allerdings nicht, auch giftige Beeren versagen ich Rabenmutter und die Rabenoma streng.)
An einem anderen Freitag passt die Oma auf die Zwillinge auf, damit Minilama und ich gegen 6 Uhr zum Lichterglanz ins Dorf gehen können. Alles ist schön geschmückt, Lichter leuchten, kerzen brennen. Es gibt Naschereien und warme Getränke. Wir schauen uns einen netten Tanz der Kindergruppe an, die Minilama so mag und singen fröhlich mit.
Minilamas bester Freund kommt zum Basteln und Punsch trinken vorbei. Der Tisch biegt sich vor Obstteller, Plätzchentellern und Naschereien. Auch Minilamas selbst gemachte Kekse werden liebevoll präsentiert.  Alphalama ist dabei und unterstützt das Bastelvorhaben tatkräftig (vor allem durch regelmäßiges Wickeln der Zwillinge, die wieder mal alles raus lassen). Die befreundete Mama hat noch Glitter und Dekortiere dabei, alle Kinder sind froh und haben richtig Freude am Basteln.
Wir dekorieren die Fenster im Wohnzimmer neu. Es sieht festlich aus.
Die Großen verschwinden direkt im Spielzimmer und lassen sich nicht durch die Info, dass der Kuchen auf dem Tisch steht und die Kleinen schon losnaschen, runterlocken. Als dann die Platte schon gut geputzt ist, kommen sie runter und brechen in Tränen aus. Minilama noch mehr, da der Freund auf seinem Platz sitzt und daher sein Glas genommen hat und außerdem irgendwas isst, das Minilama sich ausgeguckt hatte. Es verbietet unter Geschrei, dass wir die Kitakekse zusammen essen, die es gebacken hat. Ich nehme sie wieder vom Tisch.

Minilama besteht auf seinem Stuhl und meckert extrem herum als wir ihm erklären, dass es, da größer beim Basteln besser als der Freund auf einem normalen Stuhl sitzen könne.

Die Zwillinge hauen dem kleinen Freund ein Schleichtier auf den Kopf, verkippen jeder 2 Gläser Punsch – der den großen im Übrigen absolut nicht schmeckt, da sie keinen Orangensaft mehr mögen – seit heute.

Als es um die Glitzerverzierung geht, schreit Minilama nochmal auf und kippt ein halbes Röhrchen auf eine kleine Fläche, da die anderen nichts abbekommen sollen. Wir brauchen den Sauger. Und für Ausgegossenes den Putzlappen.

Außerdem trotzt das Kind herum, weil sein Gebasteltes nicht so schön ausgemalt ist wie das des Freunds und auch, weil es eine andere Schere haben will und zwar sofort. (Geht nur leider schlecht, weil Minilama seine eigene Linkshänderschere hat)

In der Kita ist in der Vorweihnachtswoche die Rede von Bindehautentzündung und Scharlach, auch Magendarm ist unterwegs. Ich bekomme etwas Panik.
Alphalama und die Kinder stellen nach einem schönen Morgen im Schwimmbad einträchtig unseren Weihnachtsbaum auf und verzieren ihn allerliebst. Dabei singe ich aus dem Off bekannte Weihnachtslieder und die Zwillinge antworten mit einem fröhlichen „Laterne, Laterne“. Es ist wunderbar. Die letzten Tage vor Heiligabend sind alle drei Kinder aufgekratzt. Die Zwillinge steigern sich auf ein nächtliches Rufen von bis zu 10 Mal. Alphalama ist völlig durch den Wind, die Kinder unausgeschlafen und übermüdet. Zwilling 2 schläft fast jede Nacht in unserem Bett – und wir wissen wieder einmal, warum wir keine Familienbettmenschen sind.
Am Morgen des Heiligabends darf Minilama im Schalfanzug bleiben. Die Zwillinge werden in festliche Sachen gehüllt.

Ich backe mit den Kleinen eine größere Ladung Plätzchen, da wir schon alles leergemampft haben und wir bereiten alles für das Abendessen vor. Alphalama liest Geschichten vor und spielt Lego mit den Kindern. Kerzen leuchten.

Minilama ist schon am späten Vormittag wieder fieberfrei.

Am Heiligmorgen weint Minilama in seinem Bett auf. Wir laufen schnell zu ihm. Das Kind ist warm und klagt über Gliederschmerzen. Das Thermometer schwankt zwischen 37,9 und 38,8. Minilama soll sich noch etwas im Bett ausruhen und vor allem die Geschwister nicht übermäßig ankuscheln. Gegen 7.30 brüllt Minilama den Papa schon zum 10. Mal nach oben, wegen Kassettenproblemen. Gegen 9.00 kommt das Kind ins Wohnzimmer, will nicht länger im Bett bleiben. Wir Eltern diskutieren, wie unsere Eltern die Verbreitung von Infektionskrankheiten im Haus verhindert haben und überlegen uns, warum wir früher im Bett geblieben sind, wenn es hieß „bleib im Bett, du bist krank.“

Minilama ist extrem nähebedürftig und schleckt die Geschwister regelrecht ab. Ich muss den Raum verlassen, ich bin maximal angespannt, besonders nachdem Minilama Durchfall bekommt. Meine arme Mama muss sich mein apokalyptisches Geseier anhören, dessen Refrain lautet „und schon wieder haben wir alle über die Feiertage Magendarm.“

 

Die Kinder spielen fröhlich und gemeinsam im Wohnzimmer, es läuft Musik und weihnachtliche Geschichten, wir Eltern holen Gesellschaftsspiele, Puzzles, Bastelarbeiten und Legosteine hervor. Auf den Mittagsschlaf verzichten wir klugerweise, weil wir intuitiv begreifen, dass die Kinder das gerade nicht wollen.

Wir entschieden uns, gemeinsam zum nahen Reiterhof zu spazieren und erlauben Minilama, das ja krank ist, sich ebenfalls in einem Buggy schieben zu lassen. Minilama bekommt außerdem als Vorgeschenk ein Oberteil mit seinen aktuellen Helden überreicht, welches es fröhlich überstreift und sich niedlich bedankt. Es tanzt durchs Zimmer und alle Kinder singen die Titelmelodie des Hörbuchs, das dahinter steckt. Wir entscheiden uns, den Tag nach dem Spaziergang mit der Bescherung ausklingen zu lassen und auf die Kirche zu verzichten (aus Gründen) und gönnen uns allen frische Luft bei hübschen Pferden und Ponies.

Minilama bricht in Tränen aus und verlangt, in die Kirche zu gehen. Ihm ist auch nicht mehr schlecht und es will, will, will in den Kindergottesdienst. Und zwar jetzt – 3 Stunden vor Beginn. Die Geschwister sind eher ambivalent unterwegs, Zwilling 1 hat keine Lust auf Pferde Zwilling 2 will nur zu den Pferden. Von Kirche kriegen sie nichts mit.

Das Kind ist fieberfrei und hat auch keine weiteren Anzeichen einer Erkrankung mehr gezeigt. Daher mit kompletter Ausrüstung nach draußen (Schüssel, Handschuhe, Tempos, Desinfektionsmittel usw. Ich bin ja gerüstet mittlerweile)

Zwilling 1 döst unterwegs ein und wir befürchten, dass das Kind später nicht mehr einschlafen will. Zwilling 2 will nicht mehr weg von den Pferden und Minilama steht mit den Schuhen mitten im Matsch und ist nicht davon zu überzeugen, die Schuhe nicht maximal vollzusauen.

Die gesamte Familie geht festlich gekleidet und St. Martinlieder schmetternd in die Kirche zum Kindergottesdienst. Alle tragen saubere jacken, Schuhe, Hosen und festliche Oberteile und sehen zufrieden und nach glänzenden Kinderaugen aus (das ist ja das Maß aller Dinge, wenn es um Kinderzufriedenheit geht). Die Kinder sind lebhaft interessiert am Gottesdienst, Minilama macht sogar alleine die Prozession mit und gibt später fröhlich das Weihnachtsopfer ab. Es winkt seinen Freunden und hält auch das eine oder andere Schwätzchen. Alle klatschen beim Singen mit und machen die Bewegungen der bekannten Lieder mit. Die religiöse Grunderziehung ist echt gelungen, die Kinder nehmen sogar Weihwasser und schlagen beim Segen ein Kreuzchen. Mein Theologinnenherz hüpft.

Die Zwillinge beginnen nach der Bescherung sofort, mit ihrer neuen Eisenbahn zu spielen und haben sichtlich Spaß beim Zusammensetzen. Erfolg auf der ganzen Linie.

Alphalama freut sich sehr über sein Geschenk und auch über sein Überraschungsgeschenk. Auch hier Erfolg auf der ganzen Linie.

Beim Abendbrot sitzen wir gemütlich im Licht des Adventskranzes zusammen und mümmeln unseren Gemüseteller in Eintracht. Später baut Alphalama mit Minilama zusammen sein Legoset auf und die Kinder gehen nach einer ausgiebigen Gutenachtgeschichte und Lieder-CDs ins Bett.

Alphalamas geschenk freut mich total, er hat in der Karte auch die richtigen Worte gefunden. Ich wage ein erstes Lächeln. Wir sehen uns die Weihnachtsfotos von Freunden unter dem Baum an und freuen uns ehrlich, wie schön die sind. Minilamas motziges Gesicht neben der xxl-Legokiste amüsiert uns erstmals.

Wenn ich nicht schwanger wäre, würden wir jetzt zusammen ein Glas Hochzeitswein trinken. Ich gönne Alphalama den Genuss von Herzen.

Wir stehen ganz hinten in der Kirche und ich habe die Schüssel immer in Reichweite meiner Hand. Ab der Hälfte rennen die Zwillinge nur noch herum und wagen sich auch ziemlich weit nach vorne. Als sie den Gebetbuchständer umherschieben und auch allgemein zu Fastnachtslaune auflaufen, setzen Alphalama und ich die meckernden Zwerge wieder in den Buggy, Alphalama denkt kurz drüber nach, mit ihnen rauszugehen.

Zuhause sind die Kinder auf die Beschwerung gespannt. Alphalama will schnell vorgehen, um den Baum anzumachen und mit dem Glöckchen zu klingeln. Vorbereitet ist schon alles.

Die Kinder (Minilama und Zwilling 1) ziehen sich schnell aus und sind vor Alphalama oben. Wie auch immer sie das geschafft haben. Alphalama bittet sie wieder aus dem Wohnzimmer heraus, die Kinder weigern sich. Wir versuchen noch einige Weihnachtslieder zu singen, aber die Kinder ziehen lange Gesichter.

Ich möchte mit einem Würfel auswürfeln, wer als erstes die Geschenke bekommt und bitte die Kinder, auf Couch und Stühlen Platz zu nehmen. Auch würde ich gern die Weihnachtsgeschichte vorlesen. Es geht aber nicht. Die Kinder wühlen in den Päckchen und streiten sich darum – obwohl keiner weiß, wem was ist. Das erste Papier ist schon runter bevor wir eingreifen können.Wir Eltern stehen wie doof daneben und reden uns den Mund fusselig, dass die Kinder bitte kurz Pause machen sollen.

Wir geben jedem ein Paket zum Auspacken, Minilama knatscht enttäuscht auf als es sein Lego und sein Buch ausgepackt hat und meint, es hätte zu wenig Geschenke bekommen. Ich versuche, das Kind zu animieren, sich die Sachen mal anzusehen und nicht direkt nach weiteren Päckchen zu verlangen. Minilama weint weiter und bedauert, dass es zu wenig bekommen habe und auch, dass die Geschwister mehr bekommen haben.

Wir versuchen zu erklären, dass jeder ein Buch/CD bekommen hat und eine größere Sache Lego oder Eisenbahn) und dass die übrigen Päckchen unterm Baum  die beiden Geschenke für den Papa und der Umschlag für die Mama ist und dass wir Eltern das gerne selbst auspacken wollen und vor allem, dass wir uns die Sachen auch nach dem Auspacken anschauen wollen, danke sagen usw.

Unsere Versuche ein schönes Foto unterm Baum zu schießen, scheitern, da Minilama ein Gesicht macht wie ein getretener Hund. Witzig, wie das mit der extrem großen Legoschachtel zusammengeht. Ich packe mein Geschenk nicht mehr aus, warte bis Alphalama und ich alleine sind. Mir ist echt zum Weinen zumute, auch Alphalama, der Weihnachtsfreund, ist etwas aus dem Konzept gebracht.

Am ersten Weihnachtstag bereiten wir noch den Nachtisch vor und fahren dann zu Alphalamas Eltern. Zuvor machen wir nette Bilder mit den fröhlichen und adrett gekleideten Kindern vor dem Baum. Die können wir an Omas und Paten weitergeben, die Kinder sehen total niedlich und fröhlich aus.

Heute hat Alphalamas Mama Geburtstag. Die Fahrt zu ihr ist unspektakulär, das Essen gut, die Kinder lieb. Es wird eifrig Lego zusammengesetzt und gespielt. Die Uroma liest Geschichten vor, die Zwillinge schlafen fast 2,5 Stunden entspannt nach dem Mittagessen. Minilama bekräftigt gegen Mittag, dass es nun zufrieden sei, da genug Geschenke angekommen seien.

Auch wir eltern sind froh, da es viele Bücher und für jedes Kind ein größeres Geschenk gegeben hat, das den Wünschen der Kinder vom Wunschzettel entspricht.

Die Kinder sind alle 3 während der 45 Minuten Autofahrt nach Hause wach und wir kommen gut gelaunt zuhause an. Ohne nur ein einziges lautes Wort gehen alle drei lieb zu Bett.

Am zweiten Weihnachtstag droht Minilama damit, sein neues Dinopuzzle, das meine Mama verschenkt hat, aus dem Fenster zu werfen. Es mag keine Dinos (mehr) und ein Puzzle hat es sich nicht gewünscht, sondern irgendwas anderes.

Außerdem will es das gesamte Küchenzubehör haben, dass die Oma ihm und den Zwillingen geschenkt hat. Alles ist nur für Minilama und wer was davon anfasst, wird richtig angezickt.

Am 28.12 machen alle drei Kinder Urlaub bei den Omas. Da Alphalama einen Arzttermin in meiner Heimat hat, fahren wir zu meiner Mutter, gehen während des Termins gemeinsam einen Kaffee trinken und was feines essen. Die Kinder spielen in der Spielecke. Später shoppen wir noch ein bisschen für die Kinder und lassen das fröhliche Minilama bei der Oma. Die Zwillinge bringen wir zur anderen Oma und kaufen für uns Große lecker ein für ein gemütliches spätes Mittagessen. Wir Eltern entspannen uns und genießen den Tag Ruhe. Außerdem machen wir in aller Ruhe auf allen 5 Etagen des Hauses klar Schiff.

Minilama hat es gut bei Oma gefallen, es ist total fröhlich heimgekommen. Und mag bald wieder zur Oma. Es geht zum Geburtstag des Freundes und kommt zufrieden wieder. Dort hat es sich wie immer vorbildlich benommen und total süß beim Aufbau des Legosets geholfen.

Auch die Zwillinge fanden es schön bei Oma. Wir essen noch gemeinsam, bringen mit vier Erwachsenen die Kinder ins Bett, sehr entspannend.

Bei der Fahrt in die Eifel ist extrem doofes Wetter. Ich fahre zum ersten Mal das neue Auto auf der Autobahn. Die Kinder wuseln sich aus den Gurten, Zwilling 1 tritt mir dauerhaft in den Rücken. Die Kinder lassen ständig ihre Mützen fallen und brüllen dann danach. Ich sehe die Hand vor Augen kaum, es schneit draußen. Alphalama kriegt die Kleinen nicht beruhigt. So fahren wir 65 Minuten bis zu meiner Mama.

Der Buggy bockt und wir befürchten, er ist kaputt gegangen. Die Kinder spielen eine Minute in der Spielecke des Cafés, kommen dann zu mir gerannt, sind laut und meckern vor Hunger. Meine Mama bestellt, bringt alles an den Tisch. Irgendwann laufen die Zwillinge auch bis an die Theke und zurück. Ich werde nervös, weil Alphalama mich auf die Notwendigkeit des Wickelns hingewiesen hat. Ich möchte nicht, dass die Kinder auslaufen, sie haben jedes 2 Sätze Wechselkeidung dabei, die soll die Oma nutzen können.

Ich wickele beide im Damen-WC im Stehen. Keine 10 Minuten später wickele ich  beide wieder. Zwilling 2 hatte so starken Stuhlgang, dass auch Hose, Body und Strumpfhose betroffen sind, ich habe die Wechselsachen im Auto. Das ist 500 Meter entfernt. Ich lasse das Kind ohne Strumpfhose in die Winterschuhe und gehe ans Auto, Parkuhr füttern, neue Kleidung holen. Wir brauchen neue Strumpfhosen, sonst wird das bei der Oma nichts. Feuchttücher habe ich auch fast alle aufgebraucht. Ich fluche. Warum musste das jetzt sein? Ich wünsche mir, die Kinder würden endlich aufs Klo gehen. Meine Mama findet mich unentspannt. Sie hat Recht.

Die Zwillinge weinen die gesamten 25 Minuten Autofahrt in die Eifel zu Oma 2. Sie sind untröstlich. Wenigstens schläft Zwilling 1 keine 500 Meter vor Omas Haus ein (Ironie off). Die Kinder wollen sich bei Oma nicht die Schuhe ausziehen, ich habe extreme Symphysenschmerzen. Die Oma kocht gerade was, Alphalama räumt Sitze um. Ich packe mir den widerspenstigeren, der setzt sich dabei doof auf eine Stufe, kommt schmerzhaft mit dem Hintern auf und weint laut los.

Die Oma kocht für uns mit. Wir lehnen ab, ich will nur weg. Akute Fluchttendenz.

Am nächsten Tag bringt die Oma Minilama wieder heim, damit es zu einer Geburtstagsparty kann. Das fröhliche Kind weint unerwartet los, weil es lieber bei der anderen Oma gewesen und nicht bei Oma und Uroma.

Die Omas wiederum sind fast im Schnee stecken geblieben und nur nicht umgekehrt, weil auf der andere Fahrbahn noch schlimmeres Schneetreiben war.

Einen Tag vor Silvester laden wir liebe Freunde ein und verbringen den Tag zusammen. Deren Mama geht es nicht gut, sie entspannt sich daheim. Ich koche lecker für alle und backe einen Streuselkuchen. Die Kinder spielen total lieb zusammen und wir Eltern sind froh. Wir ändern kurzfristig den Plan. In den Indoorspielplatz zu fahren, da die Zwillinge außer Rand und Band sind und wir es nicht verantworten können, mit ihnen dorthin zu fahren. Wir laden die Freunde zu uns ein, kaufen ein, um gemeinsam zu kochen und zu backen.

Die Zwillinge sind nach wie vor total unkontrollierbar, das wird auch nicht besser als Alphalama die neue Kinderküche, die wir bekommen, zusammenbaut.  Wir brechen es ab, um was zu essen. Minilama schmeckt es erst nicht, dann doch ein bisschen. Die Zwillinge essen wie immer alles gut und schlafen auch ausgiebig – trotz des Gebrülls, das die anderen drei Kinder veranstalten während ihrer Hetzjagd durchs Treppenhaus. Alphalama ringt um Fassung.

Der Große meines Bekannten bekommt bei uns Durchfall, kurz vorm Heimfahren erbricht die Kleine in unser Wohnzimmer. Wir Eltern setzen unsere Kinder in die Einliegerwohnung und desinfizieren – mittlerweile total routiniert – 2 komplette Etagen, nehmen alles Spielzeug außer Reichweite, das die Kinder benutzt haben, schaffen Kuscheltiere und Teppich außer Reichweite, nehmen die Felle aus den Betten und legen spezielle Saugeinlagen ein, waschen mehrere Maschinen Wäsche mit Hygienespüler und ich schelte mich extrem, warum ich unbedingt noch wen einladen musste.

Wir befürchten zwei Tage lang, dass wir auch den Infekt im Haus haben und ich denke daran, wie ich schwanger wegen Magendarm im Krankenhaus war oder wie Zwilling 2 wegen EHEC im April im Krankenhaus war. Und nein: ich bin nicht entspannt, absolut nicht. Ich habe echte Panik vor Magendarmerkrankungen. Und Ärzte sind ja auch eher schwer zu erreichen.
An Silvester essen wir lecker gemeinsam und verbringen einen netten Tag, auch Neujahr machen wir es uns schön, malen, basteln, gehen mit dem Lieblingshund raus und ich backe und koche feine gesunde Sachen für meine Lieben. Alphalama verbringt sehr viel Zeit mit den Kindern, die das sichtlich genießen, es wird viel geknuddelt.

Die Kinder schlafen fröhlich ein und fast durch und gekotzt hat bisher auch noch keiner. Prost Neujahr!

Wenn immer Minilama nicht Papas volle Aufmerksamkeit hat, dreht es durch, nimmt was in den Mund, brüllt herum, wirft einem ein Buch über, weil es jetzt vorgelesen haben will.

Ich habe regelrechte Panik, dass wir den Infekt noch kriegen und daher nicht wie geplant wie Kita wieder anfangen können und muss mich wirklich zusammenreißen, um nicht völlig losgelöst von den Fakten wirre und irre Befürchtungen zu hegen.

 

Leben mit Zwillingen: Heute und vor 28 Monaten

Unsere Zwillinge sind seit 28 Monaten bei uns. Babylamas kann man die schon länger nicht mehr nennen. Als Minilama 28 Monate alt war, war es schon großes Geschwisterchen und hatte die Babylamas auf dem Schoß, trank ihnen die Milch weg und probierte ihre Sauger aus.
Zwillinge zu haben ist eine wunderbare Sache und ein großes Geschenk.  Ich habe mir schon immer Zwillinge gewünscht. Als der Wunsch dann wahr wurde, war ich mir nicht sicher, ob ich mir das gewünscht hatte, weil ich tief in mir geahnt habe, dass ich mal Zwillingsmama sein würde (also irgendwie vorhersehend) oder ob diese tiefe Wünschen auf irgendeine Weise die Wirklichkeit beeinflusst hatte.
In jedem Fall kam es mir unwirklich vor, dass aus meinen „wir bekommen sicher Zwillinge“ Witzen dann eines Tages Wirklichkeit wurde. Dieser Erstschock über den Kindersegen, den manche Eltern verspüren, habe ich einfach übersprungen und war erst total froh und später dann immer wieder ganz besorgt, ob mein Wunder auch in Erfüllung gehen würde.
Zwillingsmama zu sein ist vielfältig. Oft ist es  total witzig und amüsant,  da die Menschen oft auf so skurrile Weise auf Zwillinge reagieren. Manche Zwillingsmamas erwägen ja deshalb auch, einen Klingelbeutel an den Wagen zu machen, um für jeden dieser witzigen Sprüche auch gleich eine Spende einzusammeln. Je nachdem, was zuhause gerade los ist, ist es auch nervig, da man so sehr in die Öffentlichkeit gerät und viele Menschen sich einbilden, besser zu wissen, was die Kinder gerade brauchen und sich ungefragt einmischen oder – was mich auch sehr geärgert hat – meinen, man sei zu schwach und zu zerbrechlich und ungeeignet für das eigene Leben, dass man nun karitative Unterstützung benötigt. Eine andere Erscheinung davon ist es leider, dass man echt oft angeglotzt wird, wenn man entweder unterwegs ist oder sich gerade mit was Schwerem abmüht.
Meistens ist es super schön , so süße und tolle Kinder zu haben und beobachten zu dürfen, wie sie aufwachsen und ich würde nicht tauschen wollen. Oft denke ich mir, gerade aktuell in der Trotzphase, dass diese Trotzphase mal zwei schon eine Nummer für sich ist, von der ich gern ab und an mal eine Pause haben möchte und auch den Kindern gern für eine kurze Weile die ganze Wut über die eigenen Grenzen ersparen würde.
Das Leben mit unseren Zwillingen hat sich seit ihrer Geburt ziemlich verändert. Die Zwillinge, die kleinen autonomen Anarchiekinder, ja auch. Es lohnt sich also, mal genau zu schauen, wie die Basics, die Alltagsdinge sich so verändert und entwickelt haben. Alltag mal zwei – das heißt natürlich auch doppelt so viele Fläschchen, doppelt so viel Brei kochen, doppelt so viele Kleider besorgen und waschen, doppelt so viele Stoffwindeln waschen, doppelt so viel einpacken, wenn man mal raus will.
Aber wie hat sich unser Leben eigentlich verändert seit wir die Babies begrüßen durften?
Hier ein kurzer Überblick über alle Dinge, die einen täglich so betreffen:

 

Frisch geschlüpft und die erste Zeit zuhause Mit 28 Monaten
Ernährung Die Zwillinge sind Flaschenkinder. (Wer dazu mehr wissen mag, einfach im Archiv stöbern oder den Links folgen).

Es war einiges an Ausrüstung nötig, um die hungrigen Gesellen zufrieden zu machen. Die Kinder haben rasch im Schnitt 8 Fläschchen Pre-Milch am Tag getrunken. Mindestens 15 Glasfläschchen und passende Sauger, ein guter Vaporisator, ein Thermometer und Thermosflaschen, haben wir gehabt.
Täglich wurde mehrmals gespült und vaporisiert, alles neu vorbereitet, eingefüllt, Wasser gekocht usw. Wichtig ist es, ständig dran zu bleiben, damit nicht auf einmal keine sauberen Fläschchen mehr vorhanden sind, denn wenn die Kinder hungrig sind, ist der Vaporisator, egal wie toll er ist, immer zu langsam. Von wegen „Ruhen, wenn das Kind ruht“. Hier ist eher angesagt, sobald die Kinder ruhen, die Flaschen wieder einsatzbereit zu machen und neues Wasser abzukochen und auf 40 Grad abzukühlen.
Beschaffungsprobleme gibt es öfters mit dem Milchpulver, das kennen Mamas, die nicht stillen können. Hier herrscht zwischendurch regelrechter Mangel im Handel und man darf, wenn was da ist,  nur 3 Pakete pro Haushalt mitnehmen. Unser DM ist aber so kulant, dass wir pro Kind 3 Pakete kaufen dürfen und ich somit nicht ständig die Angst haben musste, dass wir morgen nichts zum Füttern haben.
Täglicher Verbrauch im Schnitt: 1 Paket Milchpulver.

Unterwegs ist natürlich entsprechend eine größere Logistik nötig, um die Kinder zu ernähren. (siehe „Unterwegs“)

Essen die Zwillingslamas alles, was auf den Tisch kommt. Auch in der Kita sind meine beiden die Topesser. Sie haben guten Appetit, honorieren die Kochkünste des Kochs, mögen nahezu alles gern. Sie essen gute Portionen und machen uns was das angeht keine Probleme. Unterwegs ist das natürlich genial.
Schlafen Die Zwillingslamas schlafen als Babies relativ gut. Sie sind in Wiegen in unserem Zimmer untergebracht, wo wir sie auch füttern. Meist hat einer eine gute Nacht, der andere eine eher schlechte Nacht. Gegenseitig wecken sie sich nie, auch tagsüber nicht. Das verwundert Außenstehende immer wieder.
Nach dem Fläschchen schlafen sie  immer schnell wieder ein. Wickeln mussten wir schon mit 6 Monaten nachts nicht mehr, auch weil Alphalama mit Beikoststart die nächtlichen Mahlzeiten konsequent ausschleicht.
Wir Eltern sind die meiste Zeit relativ ausgeschlafen.
Wann das Schlafen schwierig wurde kann ich nicht mehr sagen. Aber es ist ein schwieriges Thema. Wir waren lange so froh, dass die Babies besser schlafen als Schrei-Minilama  und über vieles hinweggesehen. Das hat allerdings mit 14 Monaten zuverlässig geschlafen.
Das tun die Zwillinge nicht mehr. Zwilling 1 schläft meistens gut, braucht 2-3-mal den Sauger nachts, wenn er ihn im Schlaf verliert. Zwilling 2 schläft ähnlich leicht wie Minilama, wacht oft weinend auf, steht dann auf, legt den Schlafsack ab, weckt auch seine Geschwister, kommt zu uns ins Zimmer gelaufen, schläft regelmäßig die zweite Nachthälfte bei uns im Bett.
In guten Nächten muss Alphalama 3-mal raus, in schlechten sind wir Eltern bis zu 10-mal auf den Beinen. Ab 5.00 Uhr ist eigentlich immer Schlafende und der Tag beginnt.
Wir Eltern sind regelmäßig in einem Zombimodus unterwegs, was dazu führt, dass unsere Geduld oft rasch aufgebraucht ist.
Gesundheit Bis auf  eine wiederkehrende chronisch-obstruktive Bronchitis mit Diagnose hyperreaktibles Bronchialsystem, besonders  im ersten Herbst und Winter bei Zwilling 1 alles ok. Zum Glück hatte der Kinderarzt in der Klinik nicht recht behalten als er meinte, dass wir uns noch Öfters (zumindest in dieser Sache) sehen werden.
Irgendwie ist es mir trotz aktivem Achten darauf nicht geglückt, dass der Hinterkopf von Zwilling 1 schön rund bleibt. Ich habe die beiden echt gewendet wie die Hähnchen und geschaut, dass keiner eine spezielle Seite beim Nebeneinanderliegen hat. Das ist so ein Zwillingsproblem. Ich hatte die Schwierigkeiten klar, dennoch hatte das Baby von Anfang an eine Lieblingsseite. Eine Mama aus dem Rückbildungskurs hatte dann ein Kissen in der Tragewanne ihres Wagens, die gab mir dann den Tipp, ein Lagerungskissen anzuschaffen. Wir haben dann beiden Kindern eins gegönnt und es hat sich gut ausgewachsen. 100 % weg ist es leider nicht, aber durch die Haarpracht wird es verdeckt. Da hatte ich lange dran zu knabbern, dass mir sowas „passiert“ ist, aber weder Kinderarzt, noch der Oberarzt in der Klinik noch ein spezieller Orthopäde, von ich das Kind dann hingeschleift habe, war sonderlich von meinen Horrorszenarien überzeugt.
Kitakrankheiten wie Bindehautentzündung, Mund-Hand-Fuß-Krankheit oder Magendarmerkrankungen. Und Fieber wegen dem Zahnen.
Im Grunde aber die normale Abhärtung, die jedes Kitakind durchmacht, leider mit einer Häufung von Magen-Darm-Infekten, die uns dieses Frühjahr einmal in die Klinik brachte und beim Gesundheitsamt meldepflichtig werden ließ. War aber im Rückblick alles halb so wild.
Pflegen und Wickeln Die Zwillinge sind sehr wenig gewaschen worden, um die empfindliche Haut nicht zu reizen. Geduftet haben sie trotzdem immer total toll.

Wickeln war eine wahre Wonne. Besonders nach dem ganzen Ärger mit Minilama, das monatelang das Wickeln sehr abgelehnt hat und viel getobt hat, war das Wickeln immobiler süßer Knöpfe eine echte Freude. Ich habe es sehr genossen, jedes Mal. Wir wickeln die ersten 2 Lebensjahre ausschließlich mit Stoff. (Für mich eine Herzensangelegenheit und eine Kompensation, dass ich den Kindern keine Muttermilch bieten konnte.)

Die Zwillinge werden einmal in der Woche im Hallenbad nach dem Schwimmspaß gewaschen. Machen wir auch mit Minilama so. Hat sich für uns bewährt, da wir Eltern wenig Ärger damit haben und die Kinder es gut finden.
Das Wickeln ist eher problematisch. Seit wir das Stoffwickeln in der Kita (auf Druck der Kita) aufgeben mussten, wollen die beiden auch zuhause die Prozedur mit den Höschen- oder gar Bindewindeln nicht mehr erdulden. Außerdem haben beide eine wirklich gesegnete Verdauung und trinken auch überdurchschnittlich viel. An guten Tagen macht jeder bis zu 5 Windeln mit was Größerem voll, und läuft auch noch 2-mal wegen Pipi aus. Auch mit den Wegwerfprodukten, auch mit Markenwindeln. Zwischendurch ging es mit dem Toilettengang mal recht vielversprechend los, das ist aktuell aber wieder zurückgegangen.
Das Windeln anlegen ist ein mühsames Geschäft, umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn sie kaum 30 Minuten sauber und trocken halten.
Unterwegs sein Der Aktionsradius mit den Babylamas ist sehr klein. Im Grunde ist es unser Ort und das Nachbardorf, wo Minilamas Kita ist. Die Zeiten außer Haus sind so geplant, dass man nach dem Fläschchen rausgeht und zum nächsten Fläschchen wieder heimgeht. Ich bin kein Fan davon, den halben Hausstand mit zu nehmen und auch grundsätzlich der Meinung, dass zuhause und nicht unterwegs gegessen und getrunken wird., da wir ja alle nicht am Verhungern sind. (sehen die Kinder manchmal anders…)
Dennoch waren wir täglich mehrmals draußen, allein zum Kitagang zwei Mal  (knapp 7 Kilometer Weg). Das Auto habe ich alleine in den ersten 8 Monaten nie genutzt mit den Kindern, weil mir das Ganze mit den Sitzen und dem bewegen von zwei Nichtläufern ab Parkplatz zu anstrengend war. Dafür ist das Zwillingszeugs zu schwer, zu wuchtig, zu wenig wendig.
Das Anziehen und in den Kinderwagen bringen und später wieder hoch holen ist körperlich anstrengend und bedarf organisatorischer Fertigkeiten. Außerdem muss man extrem schnell sein, denn der Arbeitsablauf wird immer wieder durch wütendes oder ängstliches Weinen neu beschleunigt.
Die Zwillinge  zu bewegen ist ein organisatorischer Aufwand, den wir mehr als selten unternommen haben. Ab 10 Monaten ging es besser, auch weil die Gesundheit vom Baby 1 dann stabiler wurde, die Kinder auch irgendwo abgesetzt werden könnten und ziemlich durchgeimpft waren. ich  bin ungern mit ungeimpften Kindern unter vielen Leuten, da die zunehmende und meiner Ansicht nach auch asoziale Impfmüdigkeit mancher Menschen ja die Schwächsten am meisten schädigt.Eine Autoreise braucht sehr viel Vorplanung, da viele Dinge mitgenommen werden müssen, Medizin, Inhaliergerät, Wechselkeidung, Säuglingsnahrung usw. Daher lassen wir das meistens aus.

 

Auch heute ist der Radius eher klein, sicher auch, weil wir alles ja vor Ort bekommen können. Wir gehen bei gutem Wetter nach wie vor täglich zu Fuß zur Kita und wieder zurück.

Auch Dinge des täglichen Bedarfes und die Wege zu den Freizeitaktivitäten legen wir in der Regel zu Fuß zurück.
Die Zwillinge nehmen zunehmend aktiv an diesem Geschehen teil, will heißen, sie laufen selbst. Sie sind laufbegeistert und laufstark. Ich muss sie manchmal bremsen, wenn sie müde sind oder übermütig oder wenn es dunkel wird, da es dann zu gefährlich für die beiden Wusel wird.
Einmal in der Woche sind wir im Hallenbad, ansonsten im Ort. Auch die Hobbies finden vor Ort statt. Da haben wir bei der Haussuche schon drauf geachtet, denn ich will und werde kein Mamataxiunternehmen aufmachen.
Die Omas und Opas kommen uns tendenziell eher besuchen als wir sie, auch, weil die Kinder eher wild drauf sind und nicht jede Wohnungseinrichtung darauf abgestimmt ist.
Urlaube oder Kurzausflüge in die weitere Umgebung sind mit dem Auto und zunehmend auch ohne Doppelbuggy kein Problem mehr. Wir brauchen so gut wie keine spezielle Ausrüstung mehr, vielleicht Wechselkleidung und eine Ersatzwindel, aber sind ansonsten frei beweglich, besonders natürlich, wenn es draußen warm ist.

Kommunikation Die Zwillinge kommunizieren viel miteinander, auch nonverbal und suchen unsere Nähe, lachen, wenden sich uns zu, suchen von Anfang an viel Kontakt zu Minilama Die Zwillinge reden relativ viel, bei Weitem nicht auf Minilamaniveau zu der Zeit, aber sie verstehen und verständigen sich. Durch die Trotzphase ist es oft schwierig rauszufinden, was in dem kleinen Wutzwerg vorgeht und wie man das Leid lösen könnte, da das Sprechen dann zugunsten wüstem Geschrei aufgegeben wird. Aber wir Eltern lernen.
Beschäftigung/ spielen Die Babyzwillinge liegen viel auf ihrer Decke, entdecken Hände und Greiflinge, bleiben an einem Ort und sind dort zufrieden. Ich kann sie auch mal alleine lassen und die Etage wechseln, um eine Waschmaschine anzustellen. Ich bin sehr viel entspannter in der Babyzeit als mit Minilama, einfach, weil ich den Eindruck habe, ich weiß, was zu tun ist. Die Zwillinge sind extrem mobil, motorisch sehr ambitioniert, erklettern nahezu alles, probieren jeden Knopf und jede Schublade. Sie spielen viel mit Fahrzeugen, gucken Bücher, laufen Bällen hinterher, beobachten Tiere, balgen herum, und schneiden mit Vorliebe mit der Schere.
Man kann sie keinen Augenblick aus den Augen lassen.

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Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass

Im Sommer denke ich oft, dass das heiße Wetter uns allen aufs Gemüt schlägt. Dann fahren alle total risikoreich, sind schnell gereizt, alle wollen nur noch weg. Woanders hin als da, wo sie gerade sind. Also ins Freibad zum Beispiel. Alles ist zu eng, zu dick, zu wärmend. Hitze macht uns wirr im Kopf. Chemische Reaktionen laufen ja bei höherer Temperatur auch schneller ab, erinnere ich aus grauer Chemievorzeit.
Im Sommer sind meine drei Schätze grundsätzlich gut drauf, aber das heimgehen zu Fuß an der gleißenden Straße ist oft eine Qual für uns alle. Und ich wäge ab, Ob ich das Auto für die 2 Kilometer nehmen soll, besonders, wenn es den ganzen Tag in der Hitze stand und ich die Klimaanlage gar nicht hoch genug einstellen könnte, ums kühl zu haben. Einmal, da waren die Zwillinge noch kein Jahr als, habe ich die armen Würmchen mitten in der Stadt bis auf die Bodies ausgezogen. Ich hatte sie einfach zu warm eingepackt und sie weinten nur noch. Ich ging den Restweg rückwärts, damit die Sonne die beiden nicht direkt in die Äuglein scheint. (Das riesige Zwillingsschiff hatte keine schwenkbare Schiebestange) Minilama und ich tranken bestimmt 1,5 Liter auf der Strecke. Daheim gabs erstmal ein Fußbad, warmen Minztee (besser als Eiskaltes) für uns alle. Was Ähnliches erlebe ich immer wieder, wenn es regnet. Bei mir und auch bei den anderen Mamas.
Jetzt im Herbst regnet es bei uns meistens nachts und am frühen Morgen. Ich bin schon ein paar Mal wieder umgekehrt, um doch das Auto für den Kitaweg zu nehmen. Nicht, dass wir aus Zucker wären, aber strammes Nieseln durchnässt komplett, wenn man 20 Minuten unterwegs ist. Und die Babylamas sind schon in dem Alter angekommen, wo ein Plastikregencover arg stört und ein bisschen Angst macht. Die beiden stecken immer ihre Köpfe raus. Auch das Verdeck mögen sie gar nicht. Wenn ich es mal bei Kälte über die klappen will, um den Wind etwas abzufedern, meckern sie. Sie mögen es nicht. Und wenn sie dann mit dem Regencover spielen, sind sie bei Nieselregen so richtig nass. Bei Minilama war es genau das gleiche. So unter einer Plastikhaut zu sitzen, ist aber auch eher unangenehm, ich kann es total verstehen. Minilama hat ab einem gewissen Alter selbst einen Schirm über sich gehalten. Aber mit zweien klappt das nicht so richtig. Eigentlich bräuchte mal da zwei Schirme, aber das verleitet zum ausgelassenen Spiel (also wieder Nässe) oder es tropft zwischen den Schirmen durch auf die Kinder.
Alles nicht so ideal. Außerdem regnet es ja auch immer schräg und ein Schirm hält nicht gut was ab. Regenkleidung haben wir keine, also diese Plastikhosen – auch weil ich bisher selbst noch nie Regekleidung hatte, in denen ich nicht mehr geschwitzt habe als sonst war. Mal abgesehen von der Ökosache und den Giftstoffen.
Wenn es regnet gebe ich zu, steigt mein Puls. Dann müssen wir erstmal runter ans Auto, dann alle 3 im Regen ins Auto schaffen, selbst nass werden. Da fängt es schon an. Ich bin ja total gern im Wasser, wenn es uns Schwimmen geht, aber im kalten nassgeregnet zu werden, macht mich total mürrisch.
Und dann habe ich ja zumindest 2 Kinder, die sich am liebsten in der Pfütze suhlen würden (die Kleinen) und einen Pechvogel, der irgendwie immer öfter an Regentagen in die Pfütze tritt oder fällt. Im Grunde wäre das doch kein Problem, aber ich werde nahezu verrückt beim Gedanken, dass die Kinder nass in der Kita ankommen könnten. Alles Wegatmen und Entspannungsversuche gelingen nicht. Ärgerlich eigentlich.
Aber wenn ich das in den Griff bekommen wollte bräuchte ich einen kompletten Ersatzsatz Kleidung für 3. Habe ich für die Kleinen in der Kita, das geht also. (An Minilamas Sachen kommt man vor 8 nicht dran, weil da noch abgesperrt ist) Ausnahme sind Schuhe und Winterjacken. Natürlich haben wir von allem mehr als genug, aber irgendwie dann doch nicht. Dann ist mal was ihn der Wäsche oder wie aktuell: alles ist durch den Rohrschaden in einem chaotischen Partyraum verteilt.
Ich denke mir manchmal, ich sollte noch mehr Ersatzzeugs und Notfallequipment haben. Das würde mich doch entspannen. Aber auch total belasten, dass weiß ich auch. Wo sollte denn das alles hintun und wie oft würde ich es realistisch brauchen? Also wie oft sind die Kinderschuhe wirklich in der Kita morgens so nass, dass ich andere brauche? Oder die Winterjacke so durchnässt, dass ich sie wieder mit heim nehmen muss? Aber wenn es dann so schüttet und die Baustellenwege vor der Kita mit Aquaplaning und Schlamm verschmutzt sind, dann wird mir anders. Ob ich alle 3 hintereinander von der Straße an die Kita bringen soll denke ich mir dann. Aber die Aufsichtspflicht lässt mich das dann sein lassen. Und einfach das Nasssein ignorieren und abgeben, geht auch nach hinten los. Unsere Erzieherinnen können nämlich total gut Dinge sein lassen. Sie wickeln frühestens um 8.10, wenn alle in den Gruppen sind z.B. oder wechseln wenn überhaupt erst dann die Kleidung. Es ist ja auch viel los in der Gemeinschaftseinrichtung. Und die „Dreistigkeit“ zu sagen: Guten Morgen, da sind wir. Mein Kind hat die Hose voll, bitte wickeln.“ „Oder mein Kind ist nass, bitte umziehen. Tschüss bis um 5.“ Hab ich einfach nicht. Ob das ein Makel ist, weiß ich nicht. Zumindest kann ich nicht guten Gewissens gehen, wenn einer nass ist und ich das genau weiß. Ich wäre ja auch gerne trocken – und zwar jetzt und nicht in 40 Minuten -, egal wie sehr ich nicht gehört habe als es hieß, ich soll kein Pfützenbad nehmen. Das war ja eben und jetzt ist alles nass und kalt.
Und so habe ich heute allen dreien ihre Rucksäcke gegeben und mir selbst die Windel-Wechselwäschetasche umgeschlungen. Und Minilama und ich haben je 1 Zwilling an der Hand über die Baustellenstraße zur anderen Baustellenstraße geführt (wird grade viel gebaut an der Kita). Da gingen die Schleusen so richtig auf von oben. Zwilling 1 wollte balancieren. Nur leider war der an Minilamas Hand und ein kleines Kind beim Balancieren absichern kann Minilama, so toll es auch ist, natürlich nur dann, wenn es nichts abzusichern gibt. Aber da es rutschig und dunkel war und außerdem coole Baumaschinen unterwegs waren, ist Zwilling 1 nicht gerade gegangen und entsprechend in die Pfütze neben dem Mäuerchen geplumpst. Keine Verletzungen zum Glück, aber nass war er natürlich schon. Wie sehr war nicht zu erkennen. Dann habe ich Minilama aus der Pflicht entlassen, zumal wir ja die Straße schon überquert hatten und ich gut alle beide nehmen könnte. Das arme Kind war schon deprimiert, dass der Balancierversuch so ins Wasser gefallen war. Beim Übergeben ist Zwilling 1 dann irgendwie auf die Knie gefallen/gerutscht. Das ging zu schnell, ums genau zu erklären. Eine Mischung aus Unwillen und Nichtgutsehen in der Dunkelheit um 7.30 wird es gewesen sein. Just in dem Moment höre ich eine andere Mama die Straße wecken, da ihr Kind (Minilamas Kumpel) nicht willens zu sein scheint, vom Auto den Weg in die Kita zügig zu nehmen. Und da Unstimmigkeiten gern mal der genaueren Überlegung bedürfen, erwägt das Kind, sich auf die Straße zu setzen. Ich betone: Um uns herum Baustellenverkehr und mittlerweile richtiger Regen. Die arme Mama hat gut gemeckert und gebrüllt. Ob das angemessen war, kann ich nicht sagen. Ist ja nur ein Kind. Aber ich war mit Minilama auch überforderter als mit allen dreien jetzt. Von daher, man weiß es nicht. Das Doofe an der Sache: Freezing bei Minilama. Beobachten geht am besten ohne Bewegung. Stop and stare – eine Haltung, die auch ich als Kind gern eingenommen habe, manchmal auch noch heute, wenn ich alleine unterwegs bin. Nur leider hat es doll geregnet und der Wind pustete uns die Kapuzen von den Köpfen. Also auch von meiner Seite eine deutliche Verhaltensanweisung ans Kind. Und ich dachte direkt, hoffentlich ist das Kind jetzt nicht irritiert und tritt in eine Pfütze – auch sowas, das ich gern mache. Verwundert aufschrecken aus der Bewegungslosigkeit, einen Schritt tun und mitten in einer Pfütze stehen. Aber Minilama ist ja zum Glück sehr fix und kennt sich aus. Das Pfützentreten blieb heute komplett aus. Die Zwillinge haben auch keine Lust mehr gehabt in der nassen Kälte rumzustehen und fanden wohl auch keine ansprechende Pfütze zum rein hopsen. Außerdem bündelte das andere Mama-Schauspiel das Interesse dermaßen gut, das ich meine kleine Herde bis auf die eine Ausnahme trocken ins Gebäude bekam.
Was das Ausziehen in der Kita selbst angeht, bin ich mittlerweile verwöhnt. Minilama macht alles komplett alleine, hilft den Erzieherinnen auch noch beim Tisch decken und allem, was sonst anfällt, bringt mir die Warnweste (ich sage ja: Baustellen ohne Ende an der Kita, wir tragen jetzt alle Warnwesten für die 150 Meter) und wenn nötig auch die Handschuhe an den Wagen und läuft fröhlich in die Auffanggruppe.
Zwilling 2 zieht sich meist schneller aus, und ist direkt hinter Minilama in der Gruppe. Mittlerweile setzen die Kleinen sich auf die Bank im Flur und fangen mit den Mützen an, sodass ich die Rucksäcke und den anderen Kram (und das ist immer einiges) in die Gruppe bringen kann. Echt klasse.
Ich verstaue dann immer die ganzen Sachen einigermaßen ordentlich. Und da Zwilling 1 nicht so nass war wie befürchtet, aber auch nicht trocken genug, entschieden wir uns im Dialog für eine andere Hose. Dieses im Dialog sein klappt auch immer öfter mit den Zwillingen. Die Kinder lassen sich öfters auch auf Deals wie „erst putzt du deine Zähne, dann ich“ oder „Soll ich deine Schläppchen anziehen oder willst du, dass eine Erzieherin hilft?“ ein – und das Abgeben endet nicht mehr so oft in einem bockenden trotzigen Kind, das tretend der Erzieherin übergeben werden muss.
Trotzphase 0: Mama 1. Tolle Tage sind das. (Die anderen blende ich mal galant aus).
Morgen bitte keinen Regen, ok? Dann können wir relaxed zu Fuß gehen, müssen keine 25 Minuten vor der Kita warten (waren ja so fertig, dass wir hätten gemütlich zu Fuß gehen können und angezogene Kinder entkleidet man nicht nochmal, um später los zu gehen), nicht noch am Auto rum werkeln müssen und alles mit Bedacht in die Kita bringen können.
Und morgen gibt es dann fürs arme Minilama auch die neuen Schläppchen. Die alten sind zu klein, übergangsweise gab es heute Rutschsocken. Aber morgen dann die neuen, schönen in 31/32. Pololos fallen ja auch klein aus oder so.

Schon 2 Jahre Babylamas – Alltag bei den 5 kleinen Lamas

Seit einigen Wochen sind die Babylamas zwei Jahre alt. Sie haben bereits drei Mal das Meer und zwei Mal die Lamas auf ihrem Hof gesehen. Sie sind seit fast einem Jahr Krippenkinder und haben bereits innige Freundschaften mit den Gruppenkindern geschlossen. Nach den Sommerferien sind sie zum ersten Mal ins Eltern-Kind-Turnen  gegangen und erwartungsgemäß ist das genau ihr Ding. Die Babylamas haben richtig Spaß an dem Turnen und sind richtig fit und freudig dabei. Da lacht mein Mamaherz jedes Mal.
Die beiden sind sprachlich auf der Überholspur. Längere Zeit war die motorische Komponente zentral, seit einiger Zeit interessieren sie sich zunehmend für Bücher und das Sprechen. Ein Grund dafür ist sicher, dass ich das Spielzeugangebot nochmals drastisch reduziert habe. Die Kinder haben oft nur umhergeworfen und sich kaum mit einer Sache beschäftigt. Jetzt steht die Murmelbahn, Puzzles, Bücher en masse und das Geburtstagsgeschenk im Wohnzimmer zum Spielen bereit. Ich achte immer stärker auf Ordnung und darauf, dass alles grob seinen Platz hat. Die äußere Ordnung tut den Kindern sichtlich gut und sie sind viel ausgeglichener.
Das überträgt sich auch auf den Rest der Familie. Dennoch sind die Phasen des Trubels hier nach wie vor heftig. Beim Zähneputzen macht sich einer komplett nass, während der andere den Windeleimer inspiziert oder mit dem WC-Stein spielt. Ein fertig angezogenes Kind zieht Schuhe, Mütze und Loop aus, ich merke es beim Ausziehen der Strümpfe, weil ich mich kurz vom anderen Kind, das ich anziehe, abwende. Die Morgenroutine an der Garderobe war schon immer kräftezehrend, aber seit Zwilling 1 die Gurte vom Buggy selbst lösen kann, aussteigt und auf Entdeckertour geht, ist mein Stresslevel deutlich erhöht. Es gelingt mir auch nicht, den Raum uninteressant zu machen.
Die Kinder klettern selbst in ihre Reboarder (die ich und das betone ich ausdrücklich NIE wieder anschaffen würde. Sie sind viel zu teuer und die Kinder können sich schon länger die Armgurte runterreißen, auch auf engster Stufe. Das war schon bei Minilama der Fall. Außerdem werden auch diese Kinder noch vor ihrem 3. Geburtstag einen anderen Sitz benötigen, weil sie dann herausgewachsen sind. Ich bin, anders als Alphalama absolut unzufrieden mit den Sitzen. Sie sind klobig, brauchen extrem viel Platz unpraktisch, man kann sie nicht mal eben tauschen, und ist damit total unflexibel, weil kein anderer die Kinder abholen kann. Und die Kinder müssen entweder gelenkig und willig sein, wenn es ums reinsetzen geht oder die Mama verrenkt sich das Kreuz an zwei 14 Kilokindern – an doofen Tagen vier Mal am Tag. Ich bin froh, dass Minilama mittlerweile einen normalen Sitz hat.)
Beide sind schon mehrmals die Strecke in die Kita gelaufen (nicht gegangen, das machen sie nicht). 1,7 Kilometer stellen keine Herausforderung für sie dar. Für mich ist das natürlich extrem anstrengend, wegen des Verkehrs. Aber seit die Kinder in ihren Buggies nicht sicher verstaut sind, muss ich sehen, wie ich mich arrangiere. Ein Trick ist es schon einmal NIE stehen zu bleiben. Bleibe ich stehen, wird ausgestiegen.
Die Zwillinge sind freundlich und offen. Manchmal ist es mir etwas zu viel Offenheit, wenn sie andere Mamas umarmen oder von fremden Opas vorgelesen haben wollen. Aber ich finde es auch gut zu wissen, dass die Kinder auch ohne mich zurecht kommen, wissen, was sie brauchen und für sich sorgen. Wenngleich ich natürlich zeitgleich alles versuche, keines meiner Kinder aus den Augen zu lassen. Nur weil es viele sind, sind sie kein leichtes Opfer. Ganz im Gegenteil.

Die Beziehung der Zwillinge untereinander basiert auf der Selbstverständlichkeit, dass es den anderen gibt. Das finden die beiden sehr gut und haben das stumme Einvernehmen, dass sie sich unheimlich gern haben. Immer wieder kann man was davon erspähen, wenn sie vorm Einschlafen miteinander sprechen, sich gegenseitig trösten, Heruntergefallenes geben, Essen teilen, etwas für den anderen erbitten oder sich innig umarmen und abküssen. Genauso oft geht es aber auch hoch her. Das wird konkurriert, gekämpft, immer wieder auch gehauen und gebissen, geschubst und gekreischt. Minilama hat eigene Allianzen mit den Geschwistern, aber nach wie vor eine klare Präferenz für Zwilling 2. Dieser ist ihm auch sehr ähnlich, innerlich wie äußerlich. Die beiden sind von Anfang an sehr eng miteinander gewesen. Zwilling 1 bekommt das öfters zu spüren: Minilama ruft den einen zum Spielen, dem anderen knallt es die Tür vor der Nase zu. Und trotzdem gibt es auch ein Band mit Zwilling 1, besonders dann, wenn Minilama Wissen vermitteln will und Bücher vorliest und Bilder erklärt. Da sollte nach Möglichkeit immer Zwilling 1 mitmachen.
Die Zwillinge sind nach wie vor sehr impulsiv und entdeckerfreudig. Nach wie vor sind Dinge wie die Klobürste, Elektrogeräte, Blumen… unter Verschluss, die Türen sind immer geschlossen (obwohl ich das eigentlich gar nicht mag), die Treppenschutzgitter sind auch noch im aktiven Einsatz. Die Kinder gehen mittlerweile sicher die vielen Stufen im Haus, aber ich brauche nach wie vor die Hilfsmittel als Unterstützungsmechanismus für die Aufsicht. Minilama hat immer, soweit zumindest meine Erinnerung, da gespielt, wo ich grade war und daher hatte ich es immer top im Auge. Aber mit mehr Kindern ist einfach mehr Bewegung drin. Einer muss zur Toilette, dem anderen ist ein Glas umgekippt. Das bindet meine Aufmerksamkeit dermaßen, dass ich Kind 3 nicht mehr im Blick habe. Daher muss ich den Aufenthaltsraum begrenzen. Ich lasse immer öfter mehr Freiräume und erlebe, dass die Kinder, wenn sie nicht grade sehr müde sind, gut damit klar kommen. Dennoch: Das Badezimmer kann aktuell nie zugänglich sein. Auch in der Küche muss ich gut Acht geben, da die beiden Herd und Ofen anstellen – manchmal längere Zeit nicht, dann wieder wie getrieben. Auch laufen sie schnell umher und heiße Töpfe und Kessel sind eine große potentielle Gefahr. Die Küche ist daher stark abgesichert und oft klappt das auch gut. Ich habe aktuell, was das Öffnen von Schubladen und Türen in der Küche angeht eine strikte Nulltoleranzhaltung. Vor einigen Monaten habe ich die ohnehin nur locker gefüllte Hauptküche erneut geprüft und weniger Genutztes in die Einliegerwohnung gebracht. Auch die Mülleimer hatte ich ins Bad ausgelagert und wenn ich alleine war im Wohnzimmer gewickelt und Zähne geputzt, um das Bad nicht unbeaufsichtigt zu haben. Davon bin ich abgerückt, weil mir immer klarer wurde, wie sehr das mein Wohlbefinden belastet. Wenn die Klobürste immer auf einem hohen Regal steht und das Klopapier daneben, ist es durchaus noch OK für mich. Aber jeden Apfelkern in einen anderen Raum bringen zu müssen und jede Schublade mit einem Tuch verschließen zu müssen (Türschlösser tun hier nicht ihren Zweck, sondern sind eine Einladung zum erfolgreichen Knobeln), hat mich mit der Zeit wirklich gestört. Nach und nach habe ich zurück geräumt und bis auf kurze Interessensattacken für den Mülleimer oder eine Schublade, die ich umgehend abbreche und bei Wiederholung das Kind aus der Küche verbanne, habe ich wieder eine einigermaßen normale Küche,  – zumindest wie sie Eltern von Einlingen auch haben.
Die Doppelbelastung mit zwei Kleinkindern im selben Alter ist definitiv nicht zu unterschätzen. Daher bin ich, so mein Eindruck, auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten sehr konsequent. Die Klospülung darf nicht einfach so betätigt werden, der Lichtschalter nicht zum Discospielen missbraucht werden, mit Essen in der Hand wird nicht am Boden gespielt. Ich hatte schon Phasen, in denen ich da lockerer war, aber ich habe gemerkt, dass dieses locker sein im Grunde nur stumme Resignation war und die Kinder sich immer weitere Räume erschlossen. Bei der letzten U hat mich der Kinderarzt dann angesprochen und gefragt, ob ich dieses extreme Entdeckertum der Kinder gut verkraften würde, ob die beiden immer so seien wie in der Praxis (wo sie ALLES angefasst, den Rechner mehrmals ausgemacht hatten und auf alles geklettert sind). Da ist mir klar geworden, dass Zwillinge zu haben nicht die Ausrede dafür sein kann, dass die Kinder absolut unreguliert handeln. Und ich habe mir sehr an die eigene Nase gegriffen, dass ich solange den Ausnahmezustand als Normalzustand hingenommen habe. Das ist nicht gut für die Kinder und auch nicht für uns als Eltern.
Ich gehe jetzt kritischer und anders an Situationen heran, versuche mich nicht über die Kinder zu ärgern, wenn sie impulsiv und gefährlich handeln. Vielmehr stelle ich mir die Frage, was genau mich gerade daran überfordert und warum und was nötig wäre, damit ich den Kindern so weit wie möglich in ihren Bedürfnissen entgegenkommen kann. Oft bin nämlich ich überfordert und die Kinder haben gar kein Problem. Wenn beispielsweise die Kinder zu Fuß unterwegs sein wollen, ist das ihr gutes Recht. Die Tatsache, dass ich 2 kleine Kinder habe, muss sie nicht tangieren. Ihr Bedürfnis ist klar und richtig. ich muss dafür sorgen, dass die Kinder sich in einer sicheren Umgebung ausprobieren können. Meine Aufgabe ist es, diese zu schaffen und auf diese Weise meiner Aufsichtspflicht nachzukommen. Ich gebe den Kindern den Rahmen vor, in dem sie handeln können – und nenne gleich die Konsequenz, die eintreten wird, wenn sie nicht den Regeln folgen, die ich aufstelle, um ihre Sicherheit zu garantieren. Übertreten die Kinder beim freien Laufen an der Straße die Regeln, folgt die Konsequenz unmittelbar. Ich habe die Kinder stets genau im Blick; kann ich es nicht leisten, muss das Laufen abgebrochen werden. Auch wenn die Kinder das nicht verstehen und in der Öffentlichkeit ihre Wut darüber zeigen. Damit muss ich als Mutter klarkommen und über Kommentare anderer, die keine Ahnung von dem haben, was ich alles im Blick haben muss, hinwegsehen.
Damit fahre ich aktuell sehr gut. Denn: Ich habe die Zügel in der Hand, nicht die Kinder. Ich bin keine Mutter, die nur reagieren kann, sondern ich agiere von mir aus.
Und ich nehme mir das Recht heraus, mir das Leben etwas einfacher zu machen. Bei Beispiel:
Wir haben mittlerweile 2 Einlingsbuggies im Haus, von denen sie nicht die Gurte öffnen können. Wenn an einem Tag beim Heimkommen große Wallung herrscht, bette ich ein Kind dorthin um, begleite das andere bei der Ankommensroutine und schicke es mit Minilama zusammen nach oben zum Spielen. Dann erst widme ich mich dem anderen Kind. Das gibt natürlich Gemecker, aber ich muss meine Nerven wirklich schonen. Wenn hier nämlich Wallung ist, macht der eine mit der Handseife eine Schlacht, der andere klettert den Handtuchheizkörper hoch, spült 5-6 mal das Klo ab, sitzt auf den Plastikrohren – während ich noch nicht die Jacke abgelegt habe. Das klingt niedlich und süß – aber man darf nicht vergessen, dass die Kindheit meiner Kinder auch mein Leben ist. (Auch so wird ein Schuh draus. Ich lade echt dazu ein, nochmal kurz von den Eltern her zu denken.) Und dass ich auch nach mehr als 8 Stunden Berufstätigkeit und Besorgungen für die Familie erledigen nach Hause komme, dass mir die Füße weh tun und ich von der Lautstärke der Kinder latent Kopfweh habe. Dass ich Hunger habe, aufs Klo muss, meine Ruhe will oder was auch immer.
Die extrem hohe Schlagzahl der Kinder halte ich auf Dauer nicht durch ohne krank oder traurig zu werden und die Kinder nur noch an zu meckern. Das ist mir in der Rückschau auf unseren kräftezehrenden Sommer, wo auch die U stattfand, deutlich geworden. Daher muss ich diese Kompromisse machen und die Kinder müssen, obwohl es ihnen nicht gefällt, manchmal eine kurze Zeit warten. Das läuft für mich aktuell wirklich gut, da ich immer wieder kurze Inseln habe, in denen ich kurz entspannen kann, weil ich weiß, jetzt kann sich keiner wehtun oder Unsinn machen, denn ich habe ja alle gut im Blick.
Die größte Herausforderung an Zwillingen im Alltag ist aktuell für mich die Tatsache, dass ich körperlich nicht in der Lage bin, beide gleichzeitig für längere Zeit zu tragen. Wenigstens einer muss z.B. beim Abholen aus der Kita laufen, seit ich den 18 Kilo Doppelbuggy nicht mehr ins Auto heben will. Andere schnappen sich das Kind auf den Arm, haben die Kitatasche im anderen und haben flugs das Kind im Auto und weg. Das geht mit zweien – zumindest mit meinem Rücken – nicht und damit muss ich als Mehrlingsmutter immer noch zwei, drei andere Ideen im Kopf haben, wie ich wendig (also eben nicht mit dem großen Schlachtschiff von Kinderwagen und dem xxl-Familienvan) ans Ziel komme.
Aber auch nach zwei Jahren ist mein Fazit das gleiche: Wer Zwillinge haben darf, ist gleich doppelt gesegnet. Ich bin jeden Tag dankbar für diese Aufgabe und diese wunderbaren, perfekten, einzigartigen und absolut hinreißenden Kinder – und wachse nach wie vor täglich an meiner Aufgabe.

Working Mum und der Freizeitstress

Seit einigen Wochen bin ich wieder vollzeit berufstätig. Nach fast 18 Monaten Elternzeit und vorgelagertem Beschäftigungsverbot. In einer Übergangszeit war ich mit 60 Prozent dabei, bis die Babylamas in die Krippe eingewöhnt waren. Das lief abwechselnd mit Alphalama und ist erwartungsgemäß sehr problemlos verlaufen. Zwillinge allgemein und die zweiten einer Familie im Besonderen sind so die Kita häufig problemlos bei der Eingewöhnung. Wir haben es aber nicht übertrieben, weil die beiden sich so gut gemacht haben und trotzdem und 6 Wochen lang langsam eingewöhnt. Das haben wir Minilama auch gegönnt und der Erfolg gibt uns recht: Minilama geht gern in die Kita.
Auch die Babylamas sind fröhlich in der Kita, essen und schlafen dort gut, freuen sich sichtlich, wenn wir das Gebäude betreten und schließen erste Freundschaften. Sie machen auch richtige Sprünge, was ihre sprachliche und motorische wie soziale Entwicklung angeht. Das hatte ich auch bei Minilama schon beobachtet, wie gut die Kita meinen Kindern tut.
Seit 4 Wochen bin ich jetzt wieder vollzeit dabei. Alphalama ist an 2 Tagen in der Woche in Elternzeit, den Rest der Woche arbeitet er normal weiter. Das heißt, an Tagen an denen Alphalama daheim ist, bin ich spätestens um 7 Uhr auf der Arbeit. Wenn Alphalama arbeiten muss, verlässt auch er gegen 6.15 das Haus. Ich putze dann allen die Zähne, wickele die Babies noch mal, ziehe alle drei warm an, setze die Babies in den Buggy, packe Windeln, Wechselkleidung, Rucksäckchen mit Essen und Brei zusammen und hänge sie an den Buggy. Dann gehe ich zur Garage (500 meter vom Haus entfernt), setze die Kinder ins Auto, räume die Taschen dazu, lege den störrischen Buggy zusammen und verstaue ihn im Kofferraum. Das gleiche mache ich dann in umgekehrter Reihenfolge vor der Kita, verbringe dort alle Windeln, Kleider, Rucksäcke, ziehe alle aus, hänge alles auf, verabschiede mich und bin spätestens um 7.40 wieder im Auto. Manchmal mehr geschwitzt, manchmal dreckiger als an anderen Tagen, wenn der Buggy sich nicht zusammenklappen lässt.
Am Anfang habe ich gedacht, dass ich das nicht schaffen kann. Allein dieses ganze Geschleppe. Ich bin ja schon gestresst, wenn ich in die Garage rein fahren muss und nicht vor der Garage parken kann. Weil ich dann noch mal aussteigen muss und entsprechend heranfahren muss, dass weder andere Autos blockiert werden, während ich aufschließe noch das Garagentor ans Auto knallt und sich nicht öffnen lässt. Während die drei Kleinen meckern und weinen. Dinge, die normale Menschen einfach aus dem Ärmel schütteln sind für mich oft sehr anstrengend. Wie das Auto packen mit den drei Kindern dabei. Oder meckernde Kinder und nasses Schwimmzeug ins Haus bringen bei Regen und Schneematsch. Mag daran liegen, dass bei uns vieles nicht ganz optimal aufgeteilt ist (Um bei  Autothema zu bleiben: wir haben leider keinen elekrischen Garagentoröffner und sind ziemlich weit unterwegs vom Haus ans Auto, sodass ich nicht mal eben hin kann, wenn was fehlt. Außerdem brauchen sowohl die Kinder als auch ich selbst für die langen Tage außer Haus einiges an Zeugs. Essen, Wechselsachen, Windeln, manchmal auch Spielzeug, dann kommt Gewerktes mit nach Hause oder Gebasteltes und Geschenktes von anderen Kindern oder Minilama hat Schätze gefunden, die mit heim sollen. Ich habe regelmäßig Dinge wie einen Moderationskoffer dabei oder anderes sperriges Material, das das Ein- und Aussteigen der Kinder erschwert, da der Kofferraum voller Buggy ist und wenn das sperrige Ding einmal sicher dort liegt nicht mehr geöffnet werden sollte.) Es liegt aber sicherlich auch daran, dass ich oft so schwerfällig bin, etwas, das mich sehr stört, aber dem ich nicht entkommen kann. Und etwas, das meine Kinder eigentlich nicht erleben sollten. Ich arbeite aber sehr an mir und versuche nicht mehr zu thematisieren, wie schwer das alles für mich ist.
Richtig Autofahren habe ich beispielsweise erst vor 7 Jahren gelernt als es mit der Ausbildung nach dem Diplom anfing. Vorher habe ich mich vorm Fahren immer gedrückt, weil ich es nicht mag und auch immer Angst um mein Leben habe. In meinem Job fährt man aber knapp 1000 Kilometer dienstlich im Monat, zusätzlich zu den Fahrten zur Dienststelle. (Im Schnitt übers Jahr verteilt) Und daher muss ich ran. 2009 lernte ich dann, was andere schon längst ohne nachzudenken konnten im knietiefen Schnee auf kaum geräumten saarländischen Straßen. Mit viel Angst, aber irgendwie ging es ja zum Glück.
Um zurück zum Thema zu kommen: Gegen 7.40 kann ich dann die 40 Kilometer Strecke zum Büro beginnen.  Auf der Arbeit gebe ich vollgas, aber trotzdem passt es nicht allen, wie ich mich organisiere. Weil ich eben (außer Montag und Dienstag)  zwischen 16 und 18.30 nicht arbeiten kann und entsprechend manchmal Sitzungen vorzeitig verlasse. Weil ich um 5 spätestens an der Kita sein muss, weil ich eben an 3 Tagen die Kinder alleine abholen muss. Auf meine Stunden komme ich natürlich, wenn ich auch manchmal eine Abendschicht einlege, aber es gibt bei uns einige, die 50 Stunden Wochen normal finden. Und es zu straight finden, wenn ich sage, dass ich um halb 5 los muss, wenn ich 20 Minuten Wegstrecke vor mir habe. Und krass, dass ich dann noch eine 100 % Stelle habe bzw. so der Subtext mich dafür bezahlen lasse. Weil Mamas doch nicht vollzeit arbieten oder sowas.
Ich finde es doof, fand ich aber schon vor den Zwillingen doof. Kinderlose sind nunmal anders mit ihrem Job verbandelt als welche, die Kinder haben. Und wer erst um 10 Uhr mit dem Arbeiten beginnt, muss eben länger da bleiben. Dass ich im Schnitt um halb 8 dienstbereit bin wird gern mal übersehen.
Das Ganze ärgert mich so, weil ich selbst grade nicht richtig zufrieden mit der Situation bin. Die Zwillinge schlafen extrem schlecht, oft haben wir beide bei uns im Bett (Kardinalfehler, ich weiß), weil wir keine Kraft mehr haben beide alle 10 Minuten aufs Neue zu trösten und dazu aufzustehen und den Raum zu wechseln. Es sind die Zähne und die Überreizung des Tages, eine Kombination aus beidem, denke ich.
Minilama ist nach wie vor tief in der Trotzphase verwurzelt und orientiert sich in seinem Handeln an dem, was Babies können. Und da Babies sich weder an- noch ausziehen können, verweigert das Kind zuhause und wenn wir Eltern dabei sind konsequent die Mithilfe beim Anziehen. Das morgentliche aus dem Haus gehen ist auch aus diesem Grund so extrem kräftezehrend, weil Minilama wegläuft und bockt, wenn es die Zähne geputzt bekommen soll, weil es mit aller Kraft zu verhindern versucht, dass man es anzieht. Selbst tun ist ebenso nicht drin, falls jemand denkt, ich würde das Kind übergehen oder sowas.
Entsprechend dünn ist mein Nervenkostüm natürlich auch zwischendurch.
Abends hole ich die drei nach Möglichkeit spätestens um 16 Uhr ab. Das geht weil ich keine Mittagspause mache(n muss). Die Babies schlafen bis gegen 15 Uhr, werden dann gewickelt und mit Brei gefüttert und spielen ein bisschen. Wenn ich dann gegen 4 da bin sind die beiden sehr zufrieden. Früher abholen ist meist doof, weill dann die Windeln noch nass und die Bäuche leer sind und man sich höllisch beeilen muss, um das zuhause nachzuolen ohne dass einer ausläuft oder sich in Rage brüllt vor Hunger und unangenehmem Windelgefühl.
Minilama ist auch gegen 4 am besten abholbar, da es dann aureichend gespielt und gebastelt und und viele seiner Freunde auch um diese Zeit heim gehen. Früher meckert es oft, weil es nichts verpassen mag. Hole ich später ab, ist das Kind oft gestresst und weint auf dem kompletten Heimweg. (Diese Phase kenne ich ja, wir hatten das knapp 6 Monate lang regelmäßig, sodass ich oft mit drei weinenden Kindern unterwegs war, die sich gegenseitig angesteckt haben mit Weinen und Meckern. Sehr nervenzehrend, wenn man währenddessen durch die Stadt fährt und mittlerweile mehr als das eigene Körpergewicht schiebt, weil Minilama abends keinen Schritt mehr gehen kann, oft auch nicht, damit ich einen Bordstein hoch fahren kann. Ich übe mich im Annehmen, was anderes bringt nämlich nichts.)
Zuhause müssen wir dann die Windeln des Tages durchsehen (Details erspare ich euch jetzt) und wegräumen, nasse Kleider zum Trocknen aufhängen. die Brotdosen neu befüllen, neue Windeln und Wechselkleidung bereitlegen, Obst auftauen für den Brei, einen kleinen Snack reichen, weil Minilama seit der Kita im Dauerloop brüllt „ich habe Hunger“ „ich habe Durst“ (egal wie viel ich schon unterwegs gereicht habe, denn das Kind liebt Snacks) und dann erst kann ich mich umziehen (ich habe extra Arbeitskleider, die ich so gut es geht schone) und mit den Kindern spielen. Wenn alles einigermaßen gebrüllfrei läuft mache ich das Abendsessen und koche für den nächsten Tag (Alphalama und ich essen mittags warm), packe das Essen für uns Große ein und warte dann auch Alphalama.
Meist geht es dann auch schon in Richtung Bett. Parallel machen wir oft eine Waschmaschine an oder einer räumt wenn die Babies schlafen die Küche und das Wohnzimmer auf.
An zwei Tagen hat Minilama nach der Kita besondere Termine mit mir: Kinderturnen und schwimmen.  Eigentlich sind die zwei Termine in der Woche zu viel für ein 3jähriges Kind. Ich finde es auch nicht gut, aber es hat sich so entwickelt. Minilama freut sich auf beides sehr. Ich könnte also nicht einfach so was aufhören ohne zu bestrafen. Das Turnen wird sich aber ab dem 4. Geburtstag verändern, dann ist es ohne Eltern in einer anderen Halle. Ich denke, da mache ich dann im Frühjahr den Schnitt. Zumal im Herbst die Musikschule beginnt. Drei Sachen, so wichtig sie mir auch sind, sind  wirklich zu viel, auch weil die Babies im Sommer auch mit dem Turnen beginnen.
Das Kinderturnen ist für mich nach wie vor (mal mehr mal weniger) eine riesige Anstrengung. Weil Minilama nach wie vor vieles nicht mitmacht. Ich rede nicht von akrobatischen Übungen, vor denen es Angst haben könnte (die macht es auch nicht mit), aber von Dingen wie auf einem Bein stehen oder mit mir fangen spielen. Beides mag Minilama nicht. Es will beim Aufwärmen nach wie vor nur an der Hand laufen und wenn dann Kommandos wie auf einem Bein stehen kommen macht es entweder gar nicht oder erst kurz vor Schluss der Übung kurz mit. Da haben wir unseren Modus gefunden. Nur an der Hand und ich frage, ob es heute Übung x machen will. Wenn nicht, dann warten wir ab. Alleine dafür habe ich (schwerfällig wie ich bin) lange gebraucht. Ich habe lange gedacht, dass Minilama da doch mittun sollte. Zumal es keinen Leisutngsdruck, kein Vergleichen gibt (wie ich es noch aus eigener Erinnerung aus meiner Turnzeit kenne). Oft habe ich auf das Kind eingeplappert und versucht, es zu überzeugen. Oft war ich frustiert beim gescheiterten Versuch, das Aufwärmen mitzumachen und auch traurig. Ich wollte einfach, dass das Kind mitmacht und dabei ist, dass es was lernt für später. Aber ich sehe ein: Minilama will das nicht. Es mag einiges nicht mitmachen, warum ist mir unklar. Aber ich nehme es an.
Wenn wir auf dem Parcours turnen wird die Verweigerung oft stressiger, weil Minilama dann andere blockiert, weil es nicht weitermacht oder weil andere Kinder seine abgewandelten Übungen nachmachen. Was deren Eltern beides nicht gefällt und mir ehrlich gesagt auch nicht. Ich bin stark aufs Befolgen von Regeln getrimmt und würde weder andere ausbremsen noch wissentlich vom richtigen Tun ablenken. Minilama hat damit keinerlei Probleme, Gemecker nimmt es nicht wahr. Warum ich dann so lange ständig gemeckert habe weiß natürlich niemand. Warum ich manchmal gesagt habe, Minilama solle mal schauen wie die anderen (oft auch viel Jüngere) diese oder jene Übung machen, weiß ich auch nicht. Ich war einfach verzweifelt. Ich finde es selbst lächerlich, finde mich in die Situation lächerlich, aber offensichtlich bin ich eine von diesen Müttern, die ihre Kinder zur Leistung antreiben. Auch wenn ich das grundsätzlich ablehne und weiß, dass diese übertriebene Förderung nicht gut endet. Wobei – im Ernst hier wohne zwei Seelen in meiner Brust, denn eine sagt: so übertrieben ist die Förderung nicht, wenn ich will, dass ein Kind von 3,5 Jahren ohne Hand von einem Stepper runterspringt, während dieses die Halle zusammenbrüllt und erklärt, es könne das nicht.
Langer Rede kurzer Sinn: Minilama freut sich sehr aufs Turnen, aber von 5 Stationen im Parcours macht es bei 2 nicht mit, verändert weitere 2 und bei einer (meist Balancieren mit Hand) macht es ganz gut mit. Und Aufwärmen geht nur an Mamas Hand und 80 % der Übungen will es nicht machen.
Ich habe tatsächlich große Schwierigkeiten, das auszuhalten. Weil ich mich unwohl fühle, wenn wir so unvollständig mitmachen, weil ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, wenn Minilama so extrem (laut) bockt. Weil ich nicht verstehen kann, warum es die Parcours, die ich als Kind so gern gemacht hätte anstelle des Vorturnens vor allen (wobei ich immer als schlecht aufgefallen bin) nicht mitmachen will, oder warum es bewusst andere ausbremst.
Ich merke wieder: Das Problem habe ich. Minilama ist zufrieden da. Ich versuche wirklich mein Bestes, aber ich schaffe es nicht, die Stunden durchzuhalten ohne zu meckern. Spätestens wenn Minilama  in der Umkleidekabine seine Turnschläppchen in alle Richtungen wirft und mir seinen Fuß hinhält mit den Worten „Zieh mir jetzt die Schuhe an, ich kann das nicht“ bin ich kurz vorm Implodieren.
Trotzphase – was habe ich dich unterschätzt.
Beim Schwimmen machen wir Fortschritte. Minilama lässt sich besser duschen, fönt sogar ein bisschen selbst die Haare. Ich kann mich auch duschen mittlerweile. Hier sehe ich von Woche zu Woche riesige Fortschritte. Die Abläufe des Kurses verinnerlichen sich mehr, Minilama entspannt sich, das merke ich. Das Schwimmen selbst klappt fürs Alter sehr gut, ich oft erstaunt, was Minilama schon drauf hat. Wir waren ja immer viel im Schwimmbad mit ihm, das merkt man schon. Es fällt kaum auf, dass Minilama mit Abstand das jüngste Kind im Kurs ist. Das wollen wir weitermachen bis Minilama das Seepferdchen in der Tasche hat.
Soweit mein Alltag als Working Mum aktuell.