Rückbildungsgymnastik – eine Nachwehe der Entbindung

Ich bin aktuell mitten in der dritten Rückbildungsgymnastikphase. Ich mache bei den Kursen mit und stelle sie nicht grundsätzlich in Frage, wie man ja im Grunde alles was mit der Reproduktion in Zusammenhang steht in Frage stellen kann (natürliche Geburt, Stillen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Screenings, Fluorgabe usw. usw.)
Da die Kassen es flächendeckend zahlen, wird es sich für sie schon lohnen und insofern einen Sinn haben, denke ich mir. Und außerdem habe ich einfach keine Lust mehr, alles zu überdenken, alles in Frage zu stellen. Das macht junge Mütter total wahnsinnig. Wenn sie dann nach natürlicher Geburt stillend und impfverweigernd daheim sitzen und dem Kind ständig Globuli einwerfen, also so richtig auf Linie sind, dann kommen schon die neuen Sachen, wie die Frage, ob das Kind motorisch auch auf dem Laufenden ist und ob man nicht noch mal zum Osteopathen sollte oder sonstwas. Ich habe den Scheiß (sorry) so weit ich konnte und bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe (außer den Globulikram, da mache ich grundsätzlich nicht mit) beim ersten Kind mitgemacht und bin seither kuriert. Ich nehme die Sache wie sie ein Mann nehmen würde und weiß: Mein Kind /Kinder ist OK wie es ist, es entwickelt sich normal und wenn nicht, wird das auffallen und von einem Arzt entsprechend weiter behandelt. Aber die Grundannahme ist erstmal die, das alles OK ist und ich nicht aufwändig eingreifen muss. Das entspannt sehr.
Ich mache also Rückbildungsgymnastik und das auch nach dem Kaiserschnitt, wenngleich die Mär geht, dass ein Kaiserschnitt die Beckenbodenmuskulatur gar nicht belastet.
Es ist kein Wunderprogramm, das schlaffe Bäuche und Busen wieder schlagartig schön aussehen lässt, sondern ein funktionales Training für einen normalerweise unberücksichtigten Muskel. Alles andere muss man natürlich in seiner Freizeit selbst  machen. Das darf man nicht vergessen, wenn man seine Erwartungen an die Veranstaltung formuliert. Traumfigur und nette Mamis treffen ist defintiv nicht im Rahmen des Erwartbaren. Auch ein gemütliches „Hebi“-Feeling stellt sich nicht ein (wobei ich das auch noch nie hatte, wahrscheinlich, weil ich Globuli und Naturgedöns nichts abgewinnen kann und außerdem ja nicht stille.)
Und je mehr Kinder man hat, fällt auch der Effekt der Abwechslung im Babyalltag flach. Ich empfinde es als eine Pflicht für meine Gesundheit, ich trainiere darüber hinaus aber noch täglich 20 Minuten zuhause den Beckenboden. Durch den Hebammenmangel sind zunehmend mehr Frauen in den Kursen, letzte Woche waren es 25, teils mit Säugling in einem kleinen Raum, der so für 10 Leute ausgelegt ist. Da wird nicht nach dem Einzelnen geschaut und die Mamas kennen sich entweder schon vorher oder eben nicht. Ich bleibe beim zweiten und habe öfters auch einen Spiegel zum Lesen dabei. Besonders, da von 60 veranschlagten Minuten 5 mit Warten auf die Kursleiterin, 5 mit Aufbauen, 10 mit Warten bis alle eingetragen sind und 5 mit dem Erfassen neuer Mamas verplant sind. „Dann turnen wir heute schneller“ so die Hebamme.

Beim ersten und jetzigen Kurs war ich in einer Gruppe, die vormittags mit Kind angeboten wurde, bei den Zwillingen ging ich nachmittags ohne Kind, da meine Mama kam und mich unterstützt hat. Der Nachmittagskurs war ein geschlossener Kurs, die anderen beiden offene Kurse.

Mit Minilama war es meine einzige Unternehmung in der Woche, jetzt ist es einer von vielen Terminen. Ich muss in den Nachbarort fahren, in ein Nebengebäude der Klinik, in der Minilama aus mir rausgeprügelt wurde. Seit ich einen Schleichweg gefunden habe, der mich die Klinik umfahren lässt, klappt es besser für mich. Die Berichte anderer Mamas deren Kinder dort zur Welt kamen bestärken mich leider in meiner Beurteilung der medizinischen Kompetenz in dem Haus. Schade, dass ich das vor 5 Jahren nicht wusste.
Mit den anderen Kindern bin ich so gut wie nie (Minilama, vielleicht 5 Mal) und noch seltener (insgesamt gesichert 3 Mal, jedes Mal weil Minilama krank war oder ich zu Alphalama ins Krankenhaus musste) im ersten Lebensjahr alleine mit dem Auto  gefahren. Mit Babylama fahre ich 3 mal in der Woche zu Terminen. Aber gerne mache ich es nicht. Ich finde es auch total umständlich mit der Babyschale und der Umpackerei ins und aus dem Auto. Und da ich es ja nie mache wie alle anderen, ist auch das wieder kompliziert. Ich trage nämlich nie ein Baby in der Babyschale. Ich fahre mit dem Kinderwagen ans Auto, und trage dann mit der Babytrage in den Ort des Geschehens. Eine Wickeltasche nehme ich keine mit, sondern meinen Arbeitsrucksack. Und da ich nicht stille muss ich zur „Strafe“ einiges an Zeugs mitnehmen. Und da ich keine Pampers nutze und auch keine Feuchttücher und sonst nichts, was für den Mülleimer ist, habe ich auch hier einiges zu tragen.

Was man braucht fürs Baby

  • Wechselkleidung
  • Windeln
  • Feuchttücher oder Äquivalent
  • Müllbeutel / Windelbeutel (in diesen Kursstätten darf man oft seine Windeln nicht wegwerfen)
  • eine Decke, auf die man das Baby legen kann
  • Nahrung, Fläschchen und Wasser fürs Baby
  • ein Spucktuch
  • eine Wickelunterlage
  • viele haben noch was zum Spielen dabei, ich bin da aber kein Fan von, weil man dann noch was zusätzlich dabei hat, was man auch noch waschen muss.

Was im Kurs war, wasche ich hinterher

Was ich für mich brauche

  • Sportkleidung, am besten mit langen Beinen und mit Armen, sodass man auch schlecht rasiert nicht auffällt. Ich trage eine weite Jogginghose (bzw. die Jogginghose, die ich schon in der Schule hatte und ein Kurzarmshirt aus diesem Synthetikstoff, in dem man nicht so schwitzt). Das sieht sportlich aus und fällt alles leger. Finde ich besonders in Zeiten, wo man den Körper nicht so ideal findet, eine gute Idee.
  • zueinander passende, intakte Socken, am besten etwas höher, sodass schlecht rasierte Beine nicht auffallen. (Ja, das ist für mich als dunkler Typ, der nicht mehr als 2 Minuten unter der Dusche Zeit hat, ein großes Thema) ich habe mir 5 Paar neu gekauft und im Rucksack gelagert, da es mich nervt in der Öffentlichkeit kaputte Socken zu tragen
  • Handtuch
  • Was zu trinken
  • Haargummi (besonders ab dem 4. Monat nach der Geburt, wenn der Haarausfall so richtig losgeht.

Ich bin dazu übergegangen, meine Tasche vorzupacken, dann geht es einfacher.

Es machen zwei Hebammen im Wechsel, beide spulen aufs Wort genau ihr Programm immer und immer wieder ab. Es macht Sinn, sie mal abzugrätschen (wobei die eine nicht ansprechbar ist), um nach der Rektusdiastase zu sehen, damit man weiß, welche Übungen man machen darf. Aber ich erlebe das oft als Mainstreamprogramm für junge Erstlingsmamas, die keine Probleme haben. Wer einen schwachen Beckenboden hat, wird über diesen Mumpitz hinaus noch weitere Hilfen brauchen, da bin ich mir sicher.
Außerdem muss man selbst schauen, dass man keine Übungen macht, bei denen Zug auf die Bauchmuskeln kommt, denn es gibt auch Hebammen, die das eine sagen und dann krasse Bauchmuskelübungen machen.
Man darf die Rückbildungsneigung des Körpers nicht unterschätzen. Er will wieder zurück in Form kommen, da darf man 10 oder 20 Wochen nach der Geburt getrost den Bauch etwas schonen. Ich habe mit wirklich lockerer Gymnastik und einem leichten Kaloriendefizit plus viel, aber langsamer Bewegung mit Kinderwagen an der frischen Luft schon wenige Monate nach der Geburt die lästigen überschüssigen Kilos wieder los gehabt und das Becken hat sich auch wieder zusammengeschoben, sodass die Jeans wieder zugehen. Wenngleich die Narbe noch immer zwickt bei Hosen.
Wichtig ist es ohnehin täglich was für den Beckenboden zu machen, an der Ampel, im Auto, beim Kochen oder wann auch immer. Und zu hoffen, dass das reicht und man in den Wechseljahren nicht noch zu allem Elend noch inkontinent ist…