Unplugged

Alphalama und ich haben keinen Fernseher im Wohnzimmer. Wir haben einen in der Einliegerwohnung. Der Hintergrund ist es, im Partyraum mal ein Video zu schauen, wenn freunde da sind oder Guitar Hero zu spielen. Aber so wie wir aktuell den Raum nutzen (als Kinderwagenparkplatz, Garderobe, Wäschetrockenraum  und solche Dinge mehr, gibt es keine Couch, die auf diesen mittlerweile alten Fernseher ausgerichtet ist. Und ich glaube auch, so ohne Weiteres bekäme man da auch keinen Sender rein. Wir hatten zwar eine Schüssel am Haus (mitgekauft), aber ich glaube, Alphalama hat die mal abmontiert. Ich weiß es aber nicht so richtig.
Auf dem Speicher haben wir einen Beamer und eine Leinwand. Mittlerweile auch nicht mehr das Neueste vom Neuen. Alphalama spielt da schon mal ein Konsolenspiel, wir haben auch schon mal ein Video dort oben gesehen. Da gibt es auch zwei Erb-Couches. Unsere Großeltern haben die aussortiert und wir haben sie dort hochgebracht. Wir sitzen nur extrem, extrem wenig dort. Ändert sich vielleicht mal.
Der Lebensmittelpunkt im Wohnturm ist aktuell (da die Kinder noch recht wenig in ihren Zimmern alleine spielen und am liebsten etwas zusammen und mit uns Eltern machen), das Wohn-Esszimmer, das offen in die Küche übergeht. Diesen Raum haben wir schon unzählige Male umgestellt, die Möbel aus anderen Etagen hereingebracht, wieder ausgedünnt, verändert. Aktuell ist ein Regal mit Spielzeug für uns alle (vom Legostein bis hin zum Kochbuch oder dem Akku für einen Controller), ein Sideboard mit Spielsachen, die wir nicht täglich brauchen, ein kleines Highboard mit Geschirr und ein Kinderregal mit Bastelsachen hier vorhanden. Alles an einer Stirnwand. Dann der Esstisch, den mal auf 3,60 m erweitern kann und ein Sofa. Der Raum ist üppig bemessen, wir haben richtig Platz zwischen den Möbeln. Eine Wohnwand haben wir keine, also auch keinen Platz für einen Fernseher.
Alphalama und ich schauen abends auf dem Laptop, über Tag eigentlich nicht. Einen klassischen Fernseher kennen die Kinder nicht, wohl aber Alphalamas Gadgets. Aber im Grunde kommen sie über das Anschauen eines Katzenvideos oder das einmalige Anhören eines Kinderliedes auf Französisch, das im Kindergarten gesungen wurde und dass wir nun auch nachsingen wollen, nicht hinaus. So richtig in der Hand haben die drei noch kein Smartphone gehabt, um damit zu spielen oder zu schauen.
Als Minilama vor einigen Jahren regelmäßig für knapp 10 Minuten inhalieren musste, gab der Kinderarzt den Tipp das Kind mit dem Fernseher abzulenken, denn das Inhalieren war wichtig und geht natürlich besser, wenn das Kind ruhig atmet und nicht gegen das Mundstück ankämpft. Da kam die alte Biene Maja oder Heidi zum Einsatz. Doch relativ schnell forderte Minilama den Film gar nicht mehr ein, sondern wollte lieber ein Buch gucken. Heute macht es das Ganze selbstständig während ich z.B. den Tisch abräume. Ich glaube nicht, dass wir insgesamt 10 ganze Folgen angesehen haben. Die Zwillinge haben schon als Säuglinge mit dem Inhalieren beginnen müssen, sodass ihnen das (relative) Stillsitzen auch ohne Ablenkung von Anfang  an kaum Probleme macht. Sie merken auch rasch, wie gut ihnen das Inhalieren tut und bleiben daher auch von sich aus dabei.
Als Minilama letztes Weihnachten einen Magendarmvirus hatte, durfte es auf einem alten Tablet Pippi Langstrumpf gucken, um es vom Bauchweh abzulenken und auch davon abzuhalten ständig ins Wohnzimmer zu laufen und dort die Geschwister anzustecken (hat aber nichts geholfen, da Minilama kaum länger als 10 Minuten wirklich damit ablenkbar ist).
Letzten Sommer haben wir Eltern an einem verregneten Tag in der Ferienwohnung wirklich entkräftet das Fernsehen dort angeschaltet. Wir dachten, damit könnten wir die Kinder etwas ablenken. Bei Minilama hat das auch geklappt, denn es fand den Beitrag über einen Zoo interessant, allerdings wollten die Zwillinge gern die Tiere im TV streicheln und dann auch den Fernseher bewegen. Nun ja, daher haben wir auch rasch abgebrochen, da wir Angst hatten, dass die Zwerge den Fernseher umwerfen. Unsere Kinder können dieses apathische Sitzen vor der Glotze anscheinend nicht. Liegt vielleicht am mangelnden Training.
Wenn wir morgens zu Fuß in die Kita gehen, kommen wir an mehr als einem Haus vorbei, in dem vor 7 Uhr schon das Kinderprogramm flimmert. Eine bekannte Grundschullehrerin rät den Eltern immer explizit, die Kinder vor der Schule nicht fern schauen zu lassen. Warum? Weil es wohl nötig ist. Minilama hat schon mal Freunde besucht, die gemeckert haben, weil durch den Besuch das fernschauen unterbrochen wurde.
Ich selbst bin total fernsehaffin aufgewachsen, habe mehrmals am Tag geschaut, meist während meine Eltern was am Haus gemacht haben oder Essen vorbereitet haben. Fernsehen als Entspannung ist entsprechend auch ein Thema für mich. Fernsehen als Medium, das die Stille einer einsamen Wohnung durchbricht, ist mir im Studium näher gekommen.
Alphalama ist eher der bewusste Seher, ich habe über den Laptop oft beim Kochen oder aufräumen eine DVD im Hintergrund laufen.
Wenn die Kinder da sind, ist das allerdings ausgeschaltet. Ich finde es gut, wenn die Kinder Langeweile haben. Weil sie dann auf neue Ideen kommen. Gerade Minilama mit seinen vier Jahren macht ganz tolle kreative Dinge mit Papier, Stoff, Nadel und Faden, mit Lego oder stöbert auf der Couch in einem Buch oder einem Comic. Die Zwillinge haben ohnehin immer was zu tun, was zu erklettern, was zu bauen oder sonstwie aktiv zu sein. Fernschauen macht ihnen keinen Spaß, da es zu schnell ist, sie noch was dazu sagen wollen, was sie eben gesehen haben und das Neue sie noch nicht tangiert, das auf dem Bildschirm erscheint.
Was das Fernsehen angeht, leben die kleinen Lamas wirklich unplugged. Ich finde es auch richtig gut so, denn ich mag es viel lieber, wenn sie selbst aktiv werden. Es ist natürlich auch manchmal anstrengender, die Kinder bei Laune zu halten ohne den ultimativen Babysitter zu bemühen, aber es ist bei mir ähnlich wie mit den Stoffwindeln: Es ist mehr Arbeit, aber ich bin damit zufriedener als mit dem einfachen Weg. So aufs große Ganze gesehen finde ich diese technikarme Kindheit doch ganz erstrebenswert.