Zweieiige Zwillinge in der Kita getrennt oder in der selben Gruppe?

In nahezu jedem Zwillingsblog, auf dem ich bisher gestöbert habe, kommt irgendwann das Thema trennen oder zusammen belassen auf. Ob in Krippe, Kita, Schule oder Hobby – diese Frage ist irgendwann „dran“. Bei uns aktuell auch (wieder), da der Wechsel von der Krippe (U3) zur Kindergartengruppe ansteht.
Wir haben zweieiige, gleichgeschlechtliche Zwillinge, die seit sie 14 Monate alt sind, gemeinsam eine Krippengruppe mit 8-10 Kindern besuchen. Fast ein Jahr lang waren bei dieser überschaubaren Gruppe noch zwei andere zweieiige Zwillinge. Ich habe damals eine innere Präferenz fürs Trennen gehabt, weil ich dachte, die beiden sollen lernen, sich alleine „durchzubeißen“. Wenn ich darauf bestanden hätte, wäre die Kita sicher mitgegangen, allerdings hätte das bedeutet, dass die Kinder in zwei unterschiedlichen Gebäuden gewesen wären. Das war mir eine Spur zu hart für Kinder, die 14 Monate lang immer zusammen waren außer einigen Tagen an denen Zwilling 1 in der Klinik war. Ideal wäre es sicher gewesen, wenn die Kinder im Nebengebäude, das ein etwas abgeschlossener Bereich mit zwei Gruppen ist, in Nachbargruppen gewesen wären. Dann hätten sie sich immer sehen können, aber es hätte auch gruppeninterne Dinge gegeben, bei denen jeder für sich gewesen wäre. Das war aber aus organisatorischen Gründen nicht möglich und ich habe die gute Idee auch nicht weiter verfolgt. Wir waren einfach froh, zwei Ganztagesplätze angeboten zu bekommen und das nur 8 Wochen nach dem gewünschten Termin.
Die Zwillinge gehen gerne in die Kita, mit seltenen Tagen, an denen sie sich nicht von mir oder Alphalama trennen wollen. Sie fügen sich auch in größere Gruppen bei den Randzeiten gut ein, haben Bekanntschaften gemacht und erste Freundschaften geschlossen. Wobei die Auswahl bei 8-10 Kindern zwischen 10 Monaten und 3 Jahren gering ist und die beiden sich mit dem einen Altersgenossen ihres Geschlechts eher schlecht verstehen. Man könnte fast meinen, es gäbe eine Fehde zwischen den Dreien, wenn man sie reden hört. Das nächste Kind des gleichen Geschlechtes ist 1 Jahr jünger, dann gibt es noch zwei andersgeschlechtliche Kinder, ungefähr im gleichen Alter. Die finden meine Zwillinge interessant, verehren sie auch regelrecht, aber die Interessen kommen nicht zueinander. Die Folge: die beiden spielen in der Gruppe viel miteinander. Und da die Krippengruppe ohnehin eher für sich ist, verbringen sie dort auch die meiste Zeit. Die Zwillingslamas haben im Grunde nur mal Pause voneinander, wenn sie schlafen oder wenn einer der beiden krank zu Hause ist. Das ist eine wichtige Feststellung, die auch erklärt, warum die beiden manchmal extrem genervt von der Anwesenheit des anderen sind. Und da die verbale Ausdrucksfähigkeit nach wie vor nicht sehr hoch ist und auch nicht davon ausgegangen werden kann, dass das Geschwister auf die Bitte nach Ruhe überhaupt reagiert, geht es körperlich immer wieder mal hoch her. Das bringt der gesamten Familie ein erhöhtes Stresspotential und die Kinder können nur selten mal ein Puzzle ungestört legen oder ein Buch in Ruhe schauen. Wir Eltern schauen sehr bewusst darauf, die Kinder zu eigenen Tätigkeiten anzuleiten und den Raum dafür zu bereiten, dass diese auch in Ruhe ausgeführt werden können. Wir bauen in den Alltag noch mehr als ohnehin schon Phasen der freien Bewegung und des Austobenkönnens ein. (so geht jedes Kind eine Wegstrecke zur Kita bzw. von der Kita am Tag zu Fuß) und nutzen jeden Besucher dazu, den Kindern exklusive Ausmerksamkeitszeiten mit einem Erwachsenen anzubieten.
Ich habe die Erzieherinnen nach ihrer Einschätzung gefragt, was die Zukunft in den neuen Gruppen angeht. Sie sind (auch) für das Trennen. Bisher kenne ich bei uns nur Zwillinge, die zusammen geblieben sind (mindestens 6 Familien). Aber auf unsere Zwillinge passt das glaube ich nicht so gut. Mein Bauch sagt, dass das Trennen, wenigstens für die kommenden drei Kitajahre gut sein könnte. Dass die Kinder sich dann nicht auf den anderen stützen, sondern sich selbst behaupten müssen, dass sie ihre Talente entdecken können, dass sie nicht „die Zwillinge“ sondern Individuen sind. Die beiden sind ziemlich unterschiedlich im Temperament und zeigen auch leicht unterschiedliche Interessen. Dennoch sind sie natürlich gleichaltrige, gleichgeschlechtliche Kinder der selben Familie. Allein daher sind sie in vielen Dingen natürlich ähnlich unterwegs. Und dennoch: Ich erkenne immer wieder Funken vom Eigenen, erlebe auch deutlich, wie die Kinder zu Minilama, Alphalama, Babylama, den Großeltern und mir ganz unterschiedliche Beziehungen pflegen, wie sie unterschiedlich auf Fremde zugehen, wie sie sich für leicht abgewandelte Themen interessieren. Noch sehen sie sich sehr ähnlich, vor allem, denke ich, weil die Haarfarbe noch exakt die gleiche ist. Im Gesicht differenziert es sich schon aus – andere erkennen das noch nicht so gut. (Ich unterscheide aber auch nur meine eigenen Zwillinge korrekt und irre mich doch, wenn ich sie von hinten sehe, vor allem, wenn sie die gleiche Jacke tragen. Aber auch sonst mal so. Und dann schimpfe ich, weil der Gerufene nicht gehört hat. Und dann schäme ich mich ein bisschen.)
Wir trennen sie also ab dem Sommer. Auf einer Etage können sie nicht sein, denn dann wäre einer von ihnen bei Minilama. Und davon rät die Kita ab, ich will es auch nicht. Minilama braucht defintiv seinen eigenen Bereich, gerade im Vorschuljahr. Und genau das gestehe ich den Zwillingslamas auch zu. Den eigenen Bereich. Einer wird oben bei Minilama sein (und zwar der Zwilling, der die nicht so innige Bindung an Minilama hat) und der andere neben der Krippengruppe, wo auch die morgendliche Auffanggruppe ist. Wir probieren es aus. Ich bin gespannt.

Alltagästhetik: Küchenzauber Fastnachtsedition

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

Es ist Fastnacht. Die Kinder sind von den St. Martinsliedern übergangslos zu den Gassenhauern geswitcht. Und sie lieben Fastnacht. Anders als ihre Eltern, die gern am Strand herumlungern würden an den Tagen. Aber das könnten wir echt nicht machen, denn Fastnacht ist das Event der Frühjahrs.
Sie lieben es alle drei. Fast vier Stunden Kinderkarneval? Kein Problem. Da stehen die bis zum bitteren Ende auf den Tischen und klatschen, essen Gummibärchen und füttern sich mit Pommes.
Und da es neben dem Besuch der örtlichen Hoheiten mit Tanz und Gesang in der Kita auch was zu Essen geben soll, habe ich Baguette für die Kleinen gebacken und ein schon mal die schokolierten Teile vom Apfelmandala für Minilama vorbereitet. Obstteller deluxe quasi.

Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass

Im Sommer denke ich oft, dass das heiße Wetter uns allen aufs Gemüt schlägt. Dann fahren alle total risikoreich, sind schnell gereizt, alle wollen nur noch weg. Woanders hin als da, wo sie gerade sind. Also ins Freibad zum Beispiel. Alles ist zu eng, zu dick, zu wärmend. Hitze macht uns wirr im Kopf. Chemische Reaktionen laufen ja bei höherer Temperatur auch schneller ab, erinnere ich aus grauer Chemievorzeit.
Im Sommer sind meine drei Schätze grundsätzlich gut drauf, aber das heimgehen zu Fuß an der gleißenden Straße ist oft eine Qual für uns alle. Und ich wäge ab, Ob ich das Auto für die 2 Kilometer nehmen soll, besonders, wenn es den ganzen Tag in der Hitze stand und ich die Klimaanlage gar nicht hoch genug einstellen könnte, ums kühl zu haben. Einmal, da waren die Zwillinge noch kein Jahr als, habe ich die armen Würmchen mitten in der Stadt bis auf die Bodies ausgezogen. Ich hatte sie einfach zu warm eingepackt und sie weinten nur noch. Ich ging den Restweg rückwärts, damit die Sonne die beiden nicht direkt in die Äuglein scheint. (Das riesige Zwillingsschiff hatte keine schwenkbare Schiebestange) Minilama und ich tranken bestimmt 1,5 Liter auf der Strecke. Daheim gabs erstmal ein Fußbad, warmen Minztee (besser als Eiskaltes) für uns alle. Was Ähnliches erlebe ich immer wieder, wenn es regnet. Bei mir und auch bei den anderen Mamas.
Jetzt im Herbst regnet es bei uns meistens nachts und am frühen Morgen. Ich bin schon ein paar Mal wieder umgekehrt, um doch das Auto für den Kitaweg zu nehmen. Nicht, dass wir aus Zucker wären, aber strammes Nieseln durchnässt komplett, wenn man 20 Minuten unterwegs ist. Und die Babylamas sind schon in dem Alter angekommen, wo ein Plastikregencover arg stört und ein bisschen Angst macht. Die beiden stecken immer ihre Köpfe raus. Auch das Verdeck mögen sie gar nicht. Wenn ich es mal bei Kälte über die klappen will, um den Wind etwas abzufedern, meckern sie. Sie mögen es nicht. Und wenn sie dann mit dem Regencover spielen, sind sie bei Nieselregen so richtig nass. Bei Minilama war es genau das gleiche. So unter einer Plastikhaut zu sitzen, ist aber auch eher unangenehm, ich kann es total verstehen. Minilama hat ab einem gewissen Alter selbst einen Schirm über sich gehalten. Aber mit zweien klappt das nicht so richtig. Eigentlich bräuchte mal da zwei Schirme, aber das verleitet zum ausgelassenen Spiel (also wieder Nässe) oder es tropft zwischen den Schirmen durch auf die Kinder.
Alles nicht so ideal. Außerdem regnet es ja auch immer schräg und ein Schirm hält nicht gut was ab. Regenkleidung haben wir keine, also diese Plastikhosen – auch weil ich bisher selbst noch nie Regekleidung hatte, in denen ich nicht mehr geschwitzt habe als sonst war. Mal abgesehen von der Ökosache und den Giftstoffen.
Wenn es regnet gebe ich zu, steigt mein Puls. Dann müssen wir erstmal runter ans Auto, dann alle 3 im Regen ins Auto schaffen, selbst nass werden. Da fängt es schon an. Ich bin ja total gern im Wasser, wenn es uns Schwimmen geht, aber im kalten nassgeregnet zu werden, macht mich total mürrisch.
Und dann habe ich ja zumindest 2 Kinder, die sich am liebsten in der Pfütze suhlen würden (die Kleinen) und einen Pechvogel, der irgendwie immer öfter an Regentagen in die Pfütze tritt oder fällt. Im Grunde wäre das doch kein Problem, aber ich werde nahezu verrückt beim Gedanken, dass die Kinder nass in der Kita ankommen könnten. Alles Wegatmen und Entspannungsversuche gelingen nicht. Ärgerlich eigentlich.
Aber wenn ich das in den Griff bekommen wollte bräuchte ich einen kompletten Ersatzsatz Kleidung für 3. Habe ich für die Kleinen in der Kita, das geht also. (An Minilamas Sachen kommt man vor 8 nicht dran, weil da noch abgesperrt ist) Ausnahme sind Schuhe und Winterjacken. Natürlich haben wir von allem mehr als genug, aber irgendwie dann doch nicht. Dann ist mal was ihn der Wäsche oder wie aktuell: alles ist durch den Rohrschaden in einem chaotischen Partyraum verteilt.
Ich denke mir manchmal, ich sollte noch mehr Ersatzzeugs und Notfallequipment haben. Das würde mich doch entspannen. Aber auch total belasten, dass weiß ich auch. Wo sollte denn das alles hintun und wie oft würde ich es realistisch brauchen? Also wie oft sind die Kinderschuhe wirklich in der Kita morgens so nass, dass ich andere brauche? Oder die Winterjacke so durchnässt, dass ich sie wieder mit heim nehmen muss? Aber wenn es dann so schüttet und die Baustellenwege vor der Kita mit Aquaplaning und Schlamm verschmutzt sind, dann wird mir anders. Ob ich alle 3 hintereinander von der Straße an die Kita bringen soll denke ich mir dann. Aber die Aufsichtspflicht lässt mich das dann sein lassen. Und einfach das Nasssein ignorieren und abgeben, geht auch nach hinten los. Unsere Erzieherinnen können nämlich total gut Dinge sein lassen. Sie wickeln frühestens um 8.10, wenn alle in den Gruppen sind z.B. oder wechseln wenn überhaupt erst dann die Kleidung. Es ist ja auch viel los in der Gemeinschaftseinrichtung. Und die „Dreistigkeit“ zu sagen: Guten Morgen, da sind wir. Mein Kind hat die Hose voll, bitte wickeln.“ „Oder mein Kind ist nass, bitte umziehen. Tschüss bis um 5.“ Hab ich einfach nicht. Ob das ein Makel ist, weiß ich nicht. Zumindest kann ich nicht guten Gewissens gehen, wenn einer nass ist und ich das genau weiß. Ich wäre ja auch gerne trocken – und zwar jetzt und nicht in 40 Minuten -, egal wie sehr ich nicht gehört habe als es hieß, ich soll kein Pfützenbad nehmen. Das war ja eben und jetzt ist alles nass und kalt.
Und so habe ich heute allen dreien ihre Rucksäcke gegeben und mir selbst die Windel-Wechselwäschetasche umgeschlungen. Und Minilama und ich haben je 1 Zwilling an der Hand über die Baustellenstraße zur anderen Baustellenstraße geführt (wird grade viel gebaut an der Kita). Da gingen die Schleusen so richtig auf von oben. Zwilling 1 wollte balancieren. Nur leider war der an Minilamas Hand und ein kleines Kind beim Balancieren absichern kann Minilama, so toll es auch ist, natürlich nur dann, wenn es nichts abzusichern gibt. Aber da es rutschig und dunkel war und außerdem coole Baumaschinen unterwegs waren, ist Zwilling 1 nicht gerade gegangen und entsprechend in die Pfütze neben dem Mäuerchen geplumpst. Keine Verletzungen zum Glück, aber nass war er natürlich schon. Wie sehr war nicht zu erkennen. Dann habe ich Minilama aus der Pflicht entlassen, zumal wir ja die Straße schon überquert hatten und ich gut alle beide nehmen könnte. Das arme Kind war schon deprimiert, dass der Balancierversuch so ins Wasser gefallen war. Beim Übergeben ist Zwilling 1 dann irgendwie auf die Knie gefallen/gerutscht. Das ging zu schnell, ums genau zu erklären. Eine Mischung aus Unwillen und Nichtgutsehen in der Dunkelheit um 7.30 wird es gewesen sein. Just in dem Moment höre ich eine andere Mama die Straße wecken, da ihr Kind (Minilamas Kumpel) nicht willens zu sein scheint, vom Auto den Weg in die Kita zügig zu nehmen. Und da Unstimmigkeiten gern mal der genaueren Überlegung bedürfen, erwägt das Kind, sich auf die Straße zu setzen. Ich betone: Um uns herum Baustellenverkehr und mittlerweile richtiger Regen. Die arme Mama hat gut gemeckert und gebrüllt. Ob das angemessen war, kann ich nicht sagen. Ist ja nur ein Kind. Aber ich war mit Minilama auch überforderter als mit allen dreien jetzt. Von daher, man weiß es nicht. Das Doofe an der Sache: Freezing bei Minilama. Beobachten geht am besten ohne Bewegung. Stop and stare – eine Haltung, die auch ich als Kind gern eingenommen habe, manchmal auch noch heute, wenn ich alleine unterwegs bin. Nur leider hat es doll geregnet und der Wind pustete uns die Kapuzen von den Köpfen. Also auch von meiner Seite eine deutliche Verhaltensanweisung ans Kind. Und ich dachte direkt, hoffentlich ist das Kind jetzt nicht irritiert und tritt in eine Pfütze – auch sowas, das ich gern mache. Verwundert aufschrecken aus der Bewegungslosigkeit, einen Schritt tun und mitten in einer Pfütze stehen. Aber Minilama ist ja zum Glück sehr fix und kennt sich aus. Das Pfützentreten blieb heute komplett aus. Die Zwillinge haben auch keine Lust mehr gehabt in der nassen Kälte rumzustehen und fanden wohl auch keine ansprechende Pfütze zum rein hopsen. Außerdem bündelte das andere Mama-Schauspiel das Interesse dermaßen gut, das ich meine kleine Herde bis auf die eine Ausnahme trocken ins Gebäude bekam.
Was das Ausziehen in der Kita selbst angeht, bin ich mittlerweile verwöhnt. Minilama macht alles komplett alleine, hilft den Erzieherinnen auch noch beim Tisch decken und allem, was sonst anfällt, bringt mir die Warnweste (ich sage ja: Baustellen ohne Ende an der Kita, wir tragen jetzt alle Warnwesten für die 150 Meter) und wenn nötig auch die Handschuhe an den Wagen und läuft fröhlich in die Auffanggruppe.
Zwilling 2 zieht sich meist schneller aus, und ist direkt hinter Minilama in der Gruppe. Mittlerweile setzen die Kleinen sich auf die Bank im Flur und fangen mit den Mützen an, sodass ich die Rucksäcke und den anderen Kram (und das ist immer einiges) in die Gruppe bringen kann. Echt klasse.
Ich verstaue dann immer die ganzen Sachen einigermaßen ordentlich. Und da Zwilling 1 nicht so nass war wie befürchtet, aber auch nicht trocken genug, entschieden wir uns im Dialog für eine andere Hose. Dieses im Dialog sein klappt auch immer öfter mit den Zwillingen. Die Kinder lassen sich öfters auch auf Deals wie „erst putzt du deine Zähne, dann ich“ oder „Soll ich deine Schläppchen anziehen oder willst du, dass eine Erzieherin hilft?“ ein – und das Abgeben endet nicht mehr so oft in einem bockenden trotzigen Kind, das tretend der Erzieherin übergeben werden muss.
Trotzphase 0: Mama 1. Tolle Tage sind das. (Die anderen blende ich mal galant aus).
Morgen bitte keinen Regen, ok? Dann können wir relaxed zu Fuß gehen, müssen keine 25 Minuten vor der Kita warten (waren ja so fertig, dass wir hätten gemütlich zu Fuß gehen können und angezogene Kinder entkleidet man nicht nochmal, um später los zu gehen), nicht noch am Auto rum werkeln müssen und alles mit Bedacht in die Kita bringen können.
Und morgen gibt es dann fürs arme Minilama auch die neuen Schläppchen. Die alten sind zu klein, übergangsweise gab es heute Rutschsocken. Aber morgen dann die neuen, schönen in 31/32. Pololos fallen ja auch klein aus oder so.

Elternschaft advanced: drei unter vier und dann noch so agil und interessiert

Vor einiger Zeit schrieb ich über ein Thema, das mich lange beschäftigt und in der Bewertung meiner eigenen Leistung als Mutter stark verunsichert hat: Die Schlafprobleme meines ersten Kindes.
Das gepaart mit der für mich individuell traumatisch erfahrenden Entbindung und anschließenden massiven Still- und Wundheilungsproblemen haben, so meine heutige Einsicht, die Gewöhnung an mein so sehr ersehntes Erstgeborenes sehr erschwert. So richtig in den Mamamodus, in diese Phase des seligen Anschmachtens des kleinen Wunders, das nun bei einem zuhause weilt, bin ich gar nicht richtig gekommen. Vieles war eher funktional geprägt, vom Versorgungsaspekt her. Auch unter der Geburt war ich nur mit der Angst und Not beschäftigt, dass ich (so schräg es klingt) regelrecht aus dem Blick verlor, dass das Baby grade kommt. Und da ich die starke atone Nachblutung hatte war ich auch nach der Geburt sehr, sehr mit mir beschäftigt.
Ich erinnere mich noch gut an eine Begebenheit im Krankenhaus als man mir Minilama zum Stillen brachte und ich eigentlich den Eindruck hatte, dass alles ein Selbstläufer ist (das muss wirklich sehr kurz nach der Entbindung gewesen sein). Die Schwester erläuterte mir, dass es 3 Stillhaltungen gebe, die ich hier in der Klinik nun erlernen würde. Und ich weiß noch genau, wie müde und kraftlos mich die Aussicht darauf, jetzt etwas zu erlernen gemacht hat und wie sehr ich gleichzeitig gestresst davon war: Erschöpfung, Eisenmangel, Schlafmangel, noch nachklingende Todesangst auf der einen Seite und die Sorge die Verantwortung, nun etwas Essentielles in Bezug aufs Kind zu erlernen (was sicher nur dort lernbar war) auf der anderen machten mich absolut fertig.
In jedem Fall war Minilama kein Anfängerkind und ich hatte so große Anpassungsschwierigkeiten. Es fiel mir schwer, mich komplett aufs Kind umzustellen. Mag sein, dass es dran liegt, dass ich Einzelkind bin oder daran, dass ich schlicht und ergreifend ein Egoist bin, der seine Bedürfnisse sehr klar hat. Es war schwer, eine gute Mama für mein Kind zu werden. Insbesondere weil ich immer den Eindruck hatte, dass das Kind sich in der Umgebung anderer Menschen wohler fühlt, dass es dort glockenhell lacht während es bei mir nur meckert, dass es kuschelt wo es sich bei mir nur wegdrückt.
Insofern hätte mir nichts Besseres passieren können als erneut Mutter zu werden, um die wirklich schlimmen Erfahrungen, die ich gemacht hatte, in ein neues Licht rücken zu können, um merken zu dürfen, dass auch ich das Mamasein von Anfang an intuitiv gut hinbekommen kann, zu spüren, dass ich in der Lage bin selbstbestimmt zu gebären und selbstbestimmt das Leben mit meinen Kindern zu gestalten. Da hat es mir so gut getan, die Unterstützung, die ich dieses Mal im Krankenhaus und von den Hebammen zuhause hatte als wirkliche und gut gemeinte Unterstützung wahrnehmen zu können und nicht wie es mir bei Minilama stets vorkam (und durch die Stillprobleme natürlich forciert) als Einmischung und den Versuch, unser Familienleben von außen zu kontrollieren. So sehr mich auch beim zweiten Mal die Hebammenbesuche gesresst haben und mir quer in den Tagesablauf kamen (meist so 2 Wochen nach der Geburt) so sehr habe ich mir immer wieder gesagt, dass es nur episodische Momente sein werden in denen ir eine öffentliche Familie sind und dass es sich wieder ändern wird.
Der Gewinn ist groß für uns alle. Minilama ist kein Einzelkind mehr, zum Glück. Daran hätte ich lange zu knabbern gehabt. Die Kinderwunchzeit bis zur zweiten Schwangerschaft war für meine Wahrnehmung elendiglich lange.
Aber zum Glück sind wir ein zweites Mal beschenkt worden und Minilama ist großes Geschwister geworden. Es hat Geschwister, die es seit ihrem ersten Tag lieben. Es hat sie gefüttert, bewahrt sie vor Gefahren, hat sie manches Mal auch schon in Gefahren gebracht, heckt Unsinn mit ihnen aus, knuddelt sie und meckert sie an. Begleitet sie in den Schlaf, beschützt sie vor allzu wilden Knuddelattacken in der Kita, vor Hunden und Katzen, die mal eben hallo sagen wollen (was Minilama nicht leiden kann), tröstet und spielt viel mit ihnen. Geschwister eben. Nur Eifersucht kennt Minilama nicht. Dafür ist sein kleines Herzchen einfach zu weit.
Ich als Mutter bin überglücklich mit den dreien und wenn ich an sie denke, platze ich vor Freude und Dankbarkeit nahezu. Nur leider verliere ich den Kontakt zu diesen süßlich-debilen Gefühlen schnell, wenn ich die drei zu bändigen habe. Ich verstehe es auch nicht – oder vielleicht doch ein bisschen. Wenn ich die drei aus der Kita abhole (so gegen 16 Uhr) habe ich einen Arbeitstag hinter mir und etwas mehr als 1 Stunde Autofahrt (im Schnitt). Geschlafen habe ich nachts zwischen 4 und 6 Stunden, je nach Qualität der Nacht. Die Kinder ihrerseits haben einen Arbeitstag hinter sich und sich aufgeputscht von den schrillen und lauten Eindrücken ihrer Kita. Schon auf dem heimweg (nach der Arbeit leider meist mit dem Auto, da ich sie sonst noch später holen müsste)

Unsere drei Kinder sind alle sehr intelligent, rege, agil, wach, interessiert und ihrem Alter in vielem weit voraus. Sie brauchen nur sehr wenig Schlaf, sie essen schnell, sie suchen stetig nach Abwechslung, sind manchmal unerschrocken und unabhängig und in anderen Situationen, die ich eher als gefahrlos einstufen würde wie die Kletten. Sie haben alle unterschiedliche Stärken (wobei es enge Parallelen zwischen dem – man kann es nicht anders sagen –  intellektuellen Minilama und Babylama 2 gibt), sind alle definitiv keine Anfängerkinder, keine Teilzeitkinder, keine Bettchenschläfer, keine Liegekinder, keine Wickelfreunde, keine Fans des gepflegten Waschens und Pflegens, keine Mitläufer. Bei uns ist noch kein Kind auch nur für einen Tag „mitgelaufen“. Und keines hat jemals länger als bis 6.30 Uhr geschlafen.
Und sie reden ohne Pause (bzw. brabbeln), reden lauter, wenn ich was anderes mache. Sie verstehen es trefflich, sich im Babyspielen zu übertrumpfen. Minilamas bizarre Interpretation vom Babysein (Jan Delay Stimme und lautes Gebrüll, alles in den Mund stecken und literweise Milch trinken), die es seit der Geburt der Babylamas perfektioniert (und die mir manchmal sehr auf den Nerv geht)  beeinflusst wiederum seine Geschwister und umgekehrt. Babyhaft werden im Dauerloop sozusagen.
Ich habe Bekannte, deren Kinder bis 9 Uhr schlafen. Die abends ohne Mama einschlafen. Andere, die mit der Zahnbürste gelaufen kommen, Kinder, die gekämmt werden möchten, Kinder, die den Vormittag vorm CD-Player verbringen. Kinder, die dabei stehen, wenn ihre Geschwister gewickelt werden. Kinder, die ihre Schuhe suchen laufen, wenn es heißt, dass es gleich raus geht. Kinder, die lieb mitturnen.
Klingt nett, habe ich teilweise auch schon mit eigenen Augen gesehen. Auch wie Mamas sonntags alleine joggen gehen, Papas mit dem Verein ein Wochenende unterwegs sind, wie Mamas ins Fitnessstudio gehen.
Gibt es bei uns nicht. Ohne Diskussion. Hier lässt keiner den anderen aus Spaß- und Freizeitgründen allein.
Wenn die Kinder zuhause sind, ist hier richtig was gebacken. Minilama will Unterstützung beim Basteln oder Lego setzen (ab 6 Jahre) oder Puzzeln (100 Teile) oder beim Zählen bis 20 – das Kind ist in keiner Hinsicht ein Schläfer, sondern stets hellwach, Baby 1 programmiert die Spülmaschine um, Baby 2 klettert auf den Hochstuhl und kippt ein Glas Milch um.  Es gibt zahllose Szenarien, die sich hier abspielen, bei denen einem das Herz fast stehenbleibt. Meist hat es mit Unsinn in der mittlerweile nahezu hermetisch abgesicherten Küche oder mit Klettern auf Tisch, Stühle oder Sofa zu tun. Gern in Kombination mit Klebstoff, Perlchen, Flüssigkeiten oder Wandbildern. Minilama wil zunehmend mit Lego spielen, auffädeln, Sticker kleben und schneiden – mit Kleinteilen umgehen eben. Seit die Küche offen ist und nicht mehr mit Hochstühlen versperrt ist, kann Minilama nicht mehr ungestört spielen und man muss ständig Dinge aus den Händen der Streitenden herauslösen. Parallel zu den Kindern ist sogesehen keine Aktivität  möglich, weil die Kleinen noch zu klein sind.
Da will man den anderen einfach nicht mit alleine lassen. Heute lache ich innerlich oft über meine Unsicherheit, was den Egoismus angeht. Ich bin froh, wenn ich was Gekauftes bei Ebay Kleinanzeigen zeitnah überweisen kann und mich dafür kurz rausziehen kann oder abends 30 Minuten lang Sport machen kann, wenn die Spülmaschine ausgeräumt wird und ich frisch geduscht bin.