Working Mum und der Freizeitstress

Seit einigen Wochen bin ich wieder vollzeit berufstätig. Nach fast 18 Monaten Elternzeit und vorgelagertem Beschäftigungsverbot. In einer Übergangszeit war ich mit 60 Prozent dabei, bis die Babylamas in die Krippe eingewöhnt waren. Das lief abwechselnd mit Alphalama und ist erwartungsgemäß sehr problemlos verlaufen. Zwillinge allgemein und die zweiten einer Familie im Besonderen sind so die Kita häufig problemlos bei der Eingewöhnung. Wir haben es aber nicht übertrieben, weil die beiden sich so gut gemacht haben und trotzdem und 6 Wochen lang langsam eingewöhnt. Das haben wir Minilama auch gegönnt und der Erfolg gibt uns recht: Minilama geht gern in die Kita.
Auch die Babylamas sind fröhlich in der Kita, essen und schlafen dort gut, freuen sich sichtlich, wenn wir das Gebäude betreten und schließen erste Freundschaften. Sie machen auch richtige Sprünge, was ihre sprachliche und motorische wie soziale Entwicklung angeht. Das hatte ich auch bei Minilama schon beobachtet, wie gut die Kita meinen Kindern tut.
Seit 4 Wochen bin ich jetzt wieder vollzeit dabei. Alphalama ist an 2 Tagen in der Woche in Elternzeit, den Rest der Woche arbeitet er normal weiter. Das heißt, an Tagen an denen Alphalama daheim ist, bin ich spätestens um 7 Uhr auf der Arbeit. Wenn Alphalama arbeiten muss, verlässt auch er gegen 6.15 das Haus. Ich putze dann allen die Zähne, wickele die Babies noch mal, ziehe alle drei warm an, setze die Babies in den Buggy, packe Windeln, Wechselkleidung, Rucksäckchen mit Essen und Brei zusammen und hänge sie an den Buggy. Dann gehe ich zur Garage (500 meter vom Haus entfernt), setze die Kinder ins Auto, räume die Taschen dazu, lege den störrischen Buggy zusammen und verstaue ihn im Kofferraum. Das gleiche mache ich dann in umgekehrter Reihenfolge vor der Kita, verbringe dort alle Windeln, Kleider, Rucksäcke, ziehe alle aus, hänge alles auf, verabschiede mich und bin spätestens um 7.40 wieder im Auto. Manchmal mehr geschwitzt, manchmal dreckiger als an anderen Tagen, wenn der Buggy sich nicht zusammenklappen lässt.
Am Anfang habe ich gedacht, dass ich das nicht schaffen kann. Allein dieses ganze Geschleppe. Ich bin ja schon gestresst, wenn ich in die Garage rein fahren muss und nicht vor der Garage parken kann. Weil ich dann noch mal aussteigen muss und entsprechend heranfahren muss, dass weder andere Autos blockiert werden, während ich aufschließe noch das Garagentor ans Auto knallt und sich nicht öffnen lässt. Während die drei Kleinen meckern und weinen. Dinge, die normale Menschen einfach aus dem Ärmel schütteln sind für mich oft sehr anstrengend. Wie das Auto packen mit den drei Kindern dabei. Oder meckernde Kinder und nasses Schwimmzeug ins Haus bringen bei Regen und Schneematsch. Mag daran liegen, dass bei uns vieles nicht ganz optimal aufgeteilt ist (Um bei  Autothema zu bleiben: wir haben leider keinen elekrischen Garagentoröffner und sind ziemlich weit unterwegs vom Haus ans Auto, sodass ich nicht mal eben hin kann, wenn was fehlt. Außerdem brauchen sowohl die Kinder als auch ich selbst für die langen Tage außer Haus einiges an Zeugs. Essen, Wechselsachen, Windeln, manchmal auch Spielzeug, dann kommt Gewerktes mit nach Hause oder Gebasteltes und Geschenktes von anderen Kindern oder Minilama hat Schätze gefunden, die mit heim sollen. Ich habe regelmäßig Dinge wie einen Moderationskoffer dabei oder anderes sperriges Material, das das Ein- und Aussteigen der Kinder erschwert, da der Kofferraum voller Buggy ist und wenn das sperrige Ding einmal sicher dort liegt nicht mehr geöffnet werden sollte.) Es liegt aber sicherlich auch daran, dass ich oft so schwerfällig bin, etwas, das mich sehr stört, aber dem ich nicht entkommen kann. Und etwas, das meine Kinder eigentlich nicht erleben sollten. Ich arbeite aber sehr an mir und versuche nicht mehr zu thematisieren, wie schwer das alles für mich ist.
Richtig Autofahren habe ich beispielsweise erst vor 7 Jahren gelernt als es mit der Ausbildung nach dem Diplom anfing. Vorher habe ich mich vorm Fahren immer gedrückt, weil ich es nicht mag und auch immer Angst um mein Leben habe. In meinem Job fährt man aber knapp 1000 Kilometer dienstlich im Monat, zusätzlich zu den Fahrten zur Dienststelle. (Im Schnitt übers Jahr verteilt) Und daher muss ich ran. 2009 lernte ich dann, was andere schon längst ohne nachzudenken konnten im knietiefen Schnee auf kaum geräumten saarländischen Straßen. Mit viel Angst, aber irgendwie ging es ja zum Glück.
Um zurück zum Thema zu kommen: Gegen 7.40 kann ich dann die 40 Kilometer Strecke zum Büro beginnen.  Auf der Arbeit gebe ich vollgas, aber trotzdem passt es nicht allen, wie ich mich organisiere. Weil ich eben (außer Montag und Dienstag)  zwischen 16 und 18.30 nicht arbeiten kann und entsprechend manchmal Sitzungen vorzeitig verlasse. Weil ich um 5 spätestens an der Kita sein muss, weil ich eben an 3 Tagen die Kinder alleine abholen muss. Auf meine Stunden komme ich natürlich, wenn ich auch manchmal eine Abendschicht einlege, aber es gibt bei uns einige, die 50 Stunden Wochen normal finden. Und es zu straight finden, wenn ich sage, dass ich um halb 5 los muss, wenn ich 20 Minuten Wegstrecke vor mir habe. Und krass, dass ich dann noch eine 100 % Stelle habe bzw. so der Subtext mich dafür bezahlen lasse. Weil Mamas doch nicht vollzeit arbieten oder sowas.
Ich finde es doof, fand ich aber schon vor den Zwillingen doof. Kinderlose sind nunmal anders mit ihrem Job verbandelt als welche, die Kinder haben. Und wer erst um 10 Uhr mit dem Arbeiten beginnt, muss eben länger da bleiben. Dass ich im Schnitt um halb 8 dienstbereit bin wird gern mal übersehen.
Das Ganze ärgert mich so, weil ich selbst grade nicht richtig zufrieden mit der Situation bin. Die Zwillinge schlafen extrem schlecht, oft haben wir beide bei uns im Bett (Kardinalfehler, ich weiß), weil wir keine Kraft mehr haben beide alle 10 Minuten aufs Neue zu trösten und dazu aufzustehen und den Raum zu wechseln. Es sind die Zähne und die Überreizung des Tages, eine Kombination aus beidem, denke ich.
Minilama ist nach wie vor tief in der Trotzphase verwurzelt und orientiert sich in seinem Handeln an dem, was Babies können. Und da Babies sich weder an- noch ausziehen können, verweigert das Kind zuhause und wenn wir Eltern dabei sind konsequent die Mithilfe beim Anziehen. Das morgentliche aus dem Haus gehen ist auch aus diesem Grund so extrem kräftezehrend, weil Minilama wegläuft und bockt, wenn es die Zähne geputzt bekommen soll, weil es mit aller Kraft zu verhindern versucht, dass man es anzieht. Selbst tun ist ebenso nicht drin, falls jemand denkt, ich würde das Kind übergehen oder sowas.
Entsprechend dünn ist mein Nervenkostüm natürlich auch zwischendurch.
Abends hole ich die drei nach Möglichkeit spätestens um 16 Uhr ab. Das geht weil ich keine Mittagspause mache(n muss). Die Babies schlafen bis gegen 15 Uhr, werden dann gewickelt und mit Brei gefüttert und spielen ein bisschen. Wenn ich dann gegen 4 da bin sind die beiden sehr zufrieden. Früher abholen ist meist doof, weill dann die Windeln noch nass und die Bäuche leer sind und man sich höllisch beeilen muss, um das zuhause nachzuolen ohne dass einer ausläuft oder sich in Rage brüllt vor Hunger und unangenehmem Windelgefühl.
Minilama ist auch gegen 4 am besten abholbar, da es dann aureichend gespielt und gebastelt und und viele seiner Freunde auch um diese Zeit heim gehen. Früher meckert es oft, weil es nichts verpassen mag. Hole ich später ab, ist das Kind oft gestresst und weint auf dem kompletten Heimweg. (Diese Phase kenne ich ja, wir hatten das knapp 6 Monate lang regelmäßig, sodass ich oft mit drei weinenden Kindern unterwegs war, die sich gegenseitig angesteckt haben mit Weinen und Meckern. Sehr nervenzehrend, wenn man währenddessen durch die Stadt fährt und mittlerweile mehr als das eigene Körpergewicht schiebt, weil Minilama abends keinen Schritt mehr gehen kann, oft auch nicht, damit ich einen Bordstein hoch fahren kann. Ich übe mich im Annehmen, was anderes bringt nämlich nichts.)
Zuhause müssen wir dann die Windeln des Tages durchsehen (Details erspare ich euch jetzt) und wegräumen, nasse Kleider zum Trocknen aufhängen. die Brotdosen neu befüllen, neue Windeln und Wechselkleidung bereitlegen, Obst auftauen für den Brei, einen kleinen Snack reichen, weil Minilama seit der Kita im Dauerloop brüllt „ich habe Hunger“ „ich habe Durst“ (egal wie viel ich schon unterwegs gereicht habe, denn das Kind liebt Snacks) und dann erst kann ich mich umziehen (ich habe extra Arbeitskleider, die ich so gut es geht schone) und mit den Kindern spielen. Wenn alles einigermaßen gebrüllfrei läuft mache ich das Abendsessen und koche für den nächsten Tag (Alphalama und ich essen mittags warm), packe das Essen für uns Große ein und warte dann auch Alphalama.
Meist geht es dann auch schon in Richtung Bett. Parallel machen wir oft eine Waschmaschine an oder einer räumt wenn die Babies schlafen die Küche und das Wohnzimmer auf.
An zwei Tagen hat Minilama nach der Kita besondere Termine mit mir: Kinderturnen und schwimmen.  Eigentlich sind die zwei Termine in der Woche zu viel für ein 3jähriges Kind. Ich finde es auch nicht gut, aber es hat sich so entwickelt. Minilama freut sich auf beides sehr. Ich könnte also nicht einfach so was aufhören ohne zu bestrafen. Das Turnen wird sich aber ab dem 4. Geburtstag verändern, dann ist es ohne Eltern in einer anderen Halle. Ich denke, da mache ich dann im Frühjahr den Schnitt. Zumal im Herbst die Musikschule beginnt. Drei Sachen, so wichtig sie mir auch sind, sind  wirklich zu viel, auch weil die Babies im Sommer auch mit dem Turnen beginnen.
Das Kinderturnen ist für mich nach wie vor (mal mehr mal weniger) eine riesige Anstrengung. Weil Minilama nach wie vor vieles nicht mitmacht. Ich rede nicht von akrobatischen Übungen, vor denen es Angst haben könnte (die macht es auch nicht mit), aber von Dingen wie auf einem Bein stehen oder mit mir fangen spielen. Beides mag Minilama nicht. Es will beim Aufwärmen nach wie vor nur an der Hand laufen und wenn dann Kommandos wie auf einem Bein stehen kommen macht es entweder gar nicht oder erst kurz vor Schluss der Übung kurz mit. Da haben wir unseren Modus gefunden. Nur an der Hand und ich frage, ob es heute Übung x machen will. Wenn nicht, dann warten wir ab. Alleine dafür habe ich (schwerfällig wie ich bin) lange gebraucht. Ich habe lange gedacht, dass Minilama da doch mittun sollte. Zumal es keinen Leisutngsdruck, kein Vergleichen gibt (wie ich es noch aus eigener Erinnerung aus meiner Turnzeit kenne). Oft habe ich auf das Kind eingeplappert und versucht, es zu überzeugen. Oft war ich frustiert beim gescheiterten Versuch, das Aufwärmen mitzumachen und auch traurig. Ich wollte einfach, dass das Kind mitmacht und dabei ist, dass es was lernt für später. Aber ich sehe ein: Minilama will das nicht. Es mag einiges nicht mitmachen, warum ist mir unklar. Aber ich nehme es an.
Wenn wir auf dem Parcours turnen wird die Verweigerung oft stressiger, weil Minilama dann andere blockiert, weil es nicht weitermacht oder weil andere Kinder seine abgewandelten Übungen nachmachen. Was deren Eltern beides nicht gefällt und mir ehrlich gesagt auch nicht. Ich bin stark aufs Befolgen von Regeln getrimmt und würde weder andere ausbremsen noch wissentlich vom richtigen Tun ablenken. Minilama hat damit keinerlei Probleme, Gemecker nimmt es nicht wahr. Warum ich dann so lange ständig gemeckert habe weiß natürlich niemand. Warum ich manchmal gesagt habe, Minilama solle mal schauen wie die anderen (oft auch viel Jüngere) diese oder jene Übung machen, weiß ich auch nicht. Ich war einfach verzweifelt. Ich finde es selbst lächerlich, finde mich in die Situation lächerlich, aber offensichtlich bin ich eine von diesen Müttern, die ihre Kinder zur Leistung antreiben. Auch wenn ich das grundsätzlich ablehne und weiß, dass diese übertriebene Förderung nicht gut endet. Wobei – im Ernst hier wohne zwei Seelen in meiner Brust, denn eine sagt: so übertrieben ist die Förderung nicht, wenn ich will, dass ein Kind von 3,5 Jahren ohne Hand von einem Stepper runterspringt, während dieses die Halle zusammenbrüllt und erklärt, es könne das nicht.
Langer Rede kurzer Sinn: Minilama freut sich sehr aufs Turnen, aber von 5 Stationen im Parcours macht es bei 2 nicht mit, verändert weitere 2 und bei einer (meist Balancieren mit Hand) macht es ganz gut mit. Und Aufwärmen geht nur an Mamas Hand und 80 % der Übungen will es nicht machen.
Ich habe tatsächlich große Schwierigkeiten, das auszuhalten. Weil ich mich unwohl fühle, wenn wir so unvollständig mitmachen, weil ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, wenn Minilama so extrem (laut) bockt. Weil ich nicht verstehen kann, warum es die Parcours, die ich als Kind so gern gemacht hätte anstelle des Vorturnens vor allen (wobei ich immer als schlecht aufgefallen bin) nicht mitmachen will, oder warum es bewusst andere ausbremst.
Ich merke wieder: Das Problem habe ich. Minilama ist zufrieden da. Ich versuche wirklich mein Bestes, aber ich schaffe es nicht, die Stunden durchzuhalten ohne zu meckern. Spätestens wenn Minilama  in der Umkleidekabine seine Turnschläppchen in alle Richtungen wirft und mir seinen Fuß hinhält mit den Worten „Zieh mir jetzt die Schuhe an, ich kann das nicht“ bin ich kurz vorm Implodieren.
Trotzphase – was habe ich dich unterschätzt.
Beim Schwimmen machen wir Fortschritte. Minilama lässt sich besser duschen, fönt sogar ein bisschen selbst die Haare. Ich kann mich auch duschen mittlerweile. Hier sehe ich von Woche zu Woche riesige Fortschritte. Die Abläufe des Kurses verinnerlichen sich mehr, Minilama entspannt sich, das merke ich. Das Schwimmen selbst klappt fürs Alter sehr gut, ich oft erstaunt, was Minilama schon drauf hat. Wir waren ja immer viel im Schwimmbad mit ihm, das merkt man schon. Es fällt kaum auf, dass Minilama mit Abstand das jüngste Kind im Kurs ist. Das wollen wir weitermachen bis Minilama das Seepferdchen in der Tasche hat.
Soweit mein Alltag als Working Mum aktuell.