Alltagästhetik: Küchenzauber Fastnachtsedition

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

Es ist Fastnacht. Die Kinder sind von den St. Martinsliedern übergangslos zu den Gassenhauern geswitcht. Und sie lieben Fastnacht. Anders als ihre Eltern, die gern am Strand herumlungern würden an den Tagen. Aber das könnten wir echt nicht machen, denn Fastnacht ist das Event der Frühjahrs.
Sie lieben es alle drei. Fast vier Stunden Kinderkarneval? Kein Problem. Da stehen die bis zum bitteren Ende auf den Tischen und klatschen, essen Gummibärchen und füttern sich mit Pommes.
Und da es neben dem Besuch der örtlichen Hoheiten mit Tanz und Gesang in der Kita auch was zu Essen geben soll, habe ich Baguette für die Kleinen gebacken und ein schon mal die schokolierten Teile vom Apfelmandala für Minilama vorbereitet. Obstteller deluxe quasi.

Fruchtbarkeit, die irritiert: Mehrlinge und ihre Geschwister in der Öffentlichkeit – Pannentalk

Vom Schicksal, superfruchtbar zu sein, habe ich ja schon berichtet, aber diese beiden Kanadier setzen im wahrsten Sinne des Wortes noch eines drauf.

Habt ihr sicher schon gesehen, oder? Wie diese lieb aussehende Mutter drei Babies und ein Kleinkind in den Pyjama steckt – während diese versuchen vom Bett runterzukrabbeln. Wie es nahezu episch aussieht, was sie da zu tun hat, so wie Don Quichote mit der Windmühle. Ständig krabbelt eins weg und sie muss aufhören das andere anzuziehen, um das jeweils andere wieder einzufangen. Wer es noch nicht kennt, sollte es unbedingt anschauen. Und sich so wie Minilama, Alphalama, Baby 2 und ich gepflegt kaputtlachen über diesen Slapstick.
Manche der Kommentare dazu tun ihr übriges, um mich zum lauten Lachen zu bringen. Mancheiner schreibt „Oh, Gott, ich will nie wieder Sex haben.“  Oder „Ich hoffe, ich bin unfruchtbar.“
Natürlich, wer Sex hat, kann durchaus unwillentlich Drillinge zeugen (jede 1024. Schwangerschaft sind gleich drei kleine Wunder)- und das ist natürlich grade wenn es eine einmalige und ungebundene Sache war, ein regelrechter Schlag ins Gesicht. Und dient der Umwelt sicherlich zur Erheiterung.
Wenn ich meinen Schülern etwas über verantwortete Elternschaft sage, kommt neben dem Thema „Vertrauen und feste Beziehung“ immer auch die Rede auf die Kinder, die dabei entstehen können und die wenngleich Geschenk und  großes Glück sind, doch zu Schulzeiten noch etwas verfrüht sein dürften. Wenn ich mit meinem Drei-Kind-Geschoss an den örtlichen Schulen vorbeirausche und die dreifache Sirene ertönt (Minilama will einen Joghurt, aber den aus dem Geschäft und nicht exakt gleichen aus dem Kühlschrank daheim, Baby 1 hat sich erschrocken weil Minilama so schrill heult und Baby 2 hat ein kleines bisschen Durst und schreit solidarisch mit den anderen beiden mit), dann gucken die jungen Pärchen öfters mal ein bisschen verstört. Und ich würde gern rufen „Das kommt dabei raus, ihr Kinder!“ und dabei irre lachen. Mache ich natürlich nicht. Ich grinse nur ein bisschen in mich hinein.
Aber mal im Ernst: Wer Kinder hat, braucht Humor. Sehr viel davon. Ambiguitätstoleranz, Organisationstalent, ein Elefantengedächtnis und schnelle Reflexe. Und sollte stark und unerschrocken sein und sich für sein Erscheinungsbild auf andere Menschen nicht interessieren.
So wie ich letzte Woche als mein Zwillingswagen plötzlich hinten links platt war, aber so platt wie noch nie. Der Schlauch kam mir fast entgegen und ich befürchtete gleich auf der Felge weiterfahren zu müssen. Die Zeit drängte, das Mini in seinem 1a Eulengewand wollte von der Kitaparty zur heimischen Afterparty (samt Babylama Patentantenbesuch) wechseln und brauchte seine Mama samt Buggyboard zum 1,7 Kilometer Heimtransport. Und wir waren schon knapp 1/3 gegangen. Was macht die Herdenmama dann? Ganz klar: Weinen und sich auf den Bürgersteig setzen. Nun ja, das hätte vielleicht die Einlingsmama noch gemacht. Aber Mehrlingsmütter sind ja Supermoms (und besonders diese Kanadierin auf dem Video, das ich euch eben empfohlen habe.)
Nein, geweint wurde natürlich nicht. Sondern: Die Regenhose angezogen (ach ja, geregnet hat es auch noch) und kräftig nach vorne geschoben. Allerdings an allen Bürgersteigkanten mit sehr viel Gefühl und mit hochgehobenen Hinterrädern. Und so endete die Geschichte ganz entspannt – außer leider für meine Bauchmuskeln. Das neue Rad wurde daheim geordert, der gezerrte Bauch (55 Kilo Wagen mit Kindern ein paar Mal heben  sind für mich trotz nahezu übermenschlicher Kräfte dann doch kein Pappenstiel) versorgt und das Mini konnte schön den Tag ausklingen lassen. Und eine packende Story für die Kita hat es auch im Gepäck. Da wir Eltern vorausschauend sind und das 2015er Modell des Buggy schon länger im Keller (wichtigstes Stockwerk im Haus gleich nach dem Speicher) stehen hatten, war auch die kommende Zeit kein Problem. Trotzdem sind wir alle sehr, sehr froh, dass der Lastenwagen seit heute morgen wieder funktionstüchtig ist – der Buggy bietet uns vier einfach nicht genug Stauraum für die Regenhose, Minilamas Schirm, Babylamas Fläschchen, den Einkaufsbeutel, (Mützen, Schals, Wasser…) Minilamas Schaukelhose, Minilamas Sandspielzeug und Malkreide und seine erlesene Steine- und Blättersammlung und auch nicht für Mamas eilende Füße, wenn noch das Buggyboard montiert wird. Und seinen Rucksack musste das Mini heute morgen auch selbst tragen. Zum Glück ist der Große wieder fahrbereit und wir alle atmen erlöst auf.