Alltagästhetik: Küchenzauber Fastnachtsedition

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

Es ist Fastnacht. Die Kinder sind von den St. Martinsliedern übergangslos zu den Gassenhauern geswitcht. Und sie lieben Fastnacht. Anders als ihre Eltern, die gern am Strand herumlungern würden an den Tagen. Aber das könnten wir echt nicht machen, denn Fastnacht ist das Event der Frühjahrs.
Sie lieben es alle drei. Fast vier Stunden Kinderkarneval? Kein Problem. Da stehen die bis zum bitteren Ende auf den Tischen und klatschen, essen Gummibärchen und füttern sich mit Pommes.
Und da es neben dem Besuch der örtlichen Hoheiten mit Tanz und Gesang in der Kita auch was zu Essen geben soll, habe ich Baguette für die Kleinen gebacken und ein schon mal die schokolierten Teile vom Apfelmandala für Minilama vorbereitet. Obstteller deluxe quasi.

Frohe Weihnachten

Wir wünschen allen Bloglesern fröhliche Weihnachten und gesegnete Festtage.
Habt es so schön und gemütlich wie wir.

 


   

 

 

 Vier Kerzen im Advent

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. Es war ganz still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte:
Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht.“
Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte:
Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinnmehr, dass ich brenne.“
Ein Luftzug wehte durch den Raum und die zweite Kerze war aus.

Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort.
„Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen.
Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: „Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!“ Und es fing an zu weinen.

Doch da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte:
„Hab keine Angst, den ich heiße Hoffnung. So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden!“

Voller Freude nahm das Kind von der Kerze „Hoffnung“ und zündete die anderen Kerzen wieder an.

Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass

Im Sommer denke ich oft, dass das heiße Wetter uns allen aufs Gemüt schlägt. Dann fahren alle total risikoreich, sind schnell gereizt, alle wollen nur noch weg. Woanders hin als da, wo sie gerade sind. Also ins Freibad zum Beispiel. Alles ist zu eng, zu dick, zu wärmend. Hitze macht uns wirr im Kopf. Chemische Reaktionen laufen ja bei höherer Temperatur auch schneller ab, erinnere ich aus grauer Chemievorzeit.
Im Sommer sind meine drei Schätze grundsätzlich gut drauf, aber das heimgehen zu Fuß an der gleißenden Straße ist oft eine Qual für uns alle. Und ich wäge ab, Ob ich das Auto für die 2 Kilometer nehmen soll, besonders, wenn es den ganzen Tag in der Hitze stand und ich die Klimaanlage gar nicht hoch genug einstellen könnte, ums kühl zu haben. Einmal, da waren die Zwillinge noch kein Jahr als, habe ich die armen Würmchen mitten in der Stadt bis auf die Bodies ausgezogen. Ich hatte sie einfach zu warm eingepackt und sie weinten nur noch. Ich ging den Restweg rückwärts, damit die Sonne die beiden nicht direkt in die Äuglein scheint. (Das riesige Zwillingsschiff hatte keine schwenkbare Schiebestange) Minilama und ich tranken bestimmt 1,5 Liter auf der Strecke. Daheim gabs erstmal ein Fußbad, warmen Minztee (besser als Eiskaltes) für uns alle. Was Ähnliches erlebe ich immer wieder, wenn es regnet. Bei mir und auch bei den anderen Mamas.
Jetzt im Herbst regnet es bei uns meistens nachts und am frühen Morgen. Ich bin schon ein paar Mal wieder umgekehrt, um doch das Auto für den Kitaweg zu nehmen. Nicht, dass wir aus Zucker wären, aber strammes Nieseln durchnässt komplett, wenn man 20 Minuten unterwegs ist. Und die Babylamas sind schon in dem Alter angekommen, wo ein Plastikregencover arg stört und ein bisschen Angst macht. Die beiden stecken immer ihre Köpfe raus. Auch das Verdeck mögen sie gar nicht. Wenn ich es mal bei Kälte über die klappen will, um den Wind etwas abzufedern, meckern sie. Sie mögen es nicht. Und wenn sie dann mit dem Regencover spielen, sind sie bei Nieselregen so richtig nass. Bei Minilama war es genau das gleiche. So unter einer Plastikhaut zu sitzen, ist aber auch eher unangenehm, ich kann es total verstehen. Minilama hat ab einem gewissen Alter selbst einen Schirm über sich gehalten. Aber mit zweien klappt das nicht so richtig. Eigentlich bräuchte mal da zwei Schirme, aber das verleitet zum ausgelassenen Spiel (also wieder Nässe) oder es tropft zwischen den Schirmen durch auf die Kinder.
Alles nicht so ideal. Außerdem regnet es ja auch immer schräg und ein Schirm hält nicht gut was ab. Regenkleidung haben wir keine, also diese Plastikhosen – auch weil ich bisher selbst noch nie Regekleidung hatte, in denen ich nicht mehr geschwitzt habe als sonst war. Mal abgesehen von der Ökosache und den Giftstoffen.
Wenn es regnet gebe ich zu, steigt mein Puls. Dann müssen wir erstmal runter ans Auto, dann alle 3 im Regen ins Auto schaffen, selbst nass werden. Da fängt es schon an. Ich bin ja total gern im Wasser, wenn es uns Schwimmen geht, aber im kalten nassgeregnet zu werden, macht mich total mürrisch.
Und dann habe ich ja zumindest 2 Kinder, die sich am liebsten in der Pfütze suhlen würden (die Kleinen) und einen Pechvogel, der irgendwie immer öfter an Regentagen in die Pfütze tritt oder fällt. Im Grunde wäre das doch kein Problem, aber ich werde nahezu verrückt beim Gedanken, dass die Kinder nass in der Kita ankommen könnten. Alles Wegatmen und Entspannungsversuche gelingen nicht. Ärgerlich eigentlich.
Aber wenn ich das in den Griff bekommen wollte bräuchte ich einen kompletten Ersatzsatz Kleidung für 3. Habe ich für die Kleinen in der Kita, das geht also. (An Minilamas Sachen kommt man vor 8 nicht dran, weil da noch abgesperrt ist) Ausnahme sind Schuhe und Winterjacken. Natürlich haben wir von allem mehr als genug, aber irgendwie dann doch nicht. Dann ist mal was ihn der Wäsche oder wie aktuell: alles ist durch den Rohrschaden in einem chaotischen Partyraum verteilt.
Ich denke mir manchmal, ich sollte noch mehr Ersatzzeugs und Notfallequipment haben. Das würde mich doch entspannen. Aber auch total belasten, dass weiß ich auch. Wo sollte denn das alles hintun und wie oft würde ich es realistisch brauchen? Also wie oft sind die Kinderschuhe wirklich in der Kita morgens so nass, dass ich andere brauche? Oder die Winterjacke so durchnässt, dass ich sie wieder mit heim nehmen muss? Aber wenn es dann so schüttet und die Baustellenwege vor der Kita mit Aquaplaning und Schlamm verschmutzt sind, dann wird mir anders. Ob ich alle 3 hintereinander von der Straße an die Kita bringen soll denke ich mir dann. Aber die Aufsichtspflicht lässt mich das dann sein lassen. Und einfach das Nasssein ignorieren und abgeben, geht auch nach hinten los. Unsere Erzieherinnen können nämlich total gut Dinge sein lassen. Sie wickeln frühestens um 8.10, wenn alle in den Gruppen sind z.B. oder wechseln wenn überhaupt erst dann die Kleidung. Es ist ja auch viel los in der Gemeinschaftseinrichtung. Und die „Dreistigkeit“ zu sagen: Guten Morgen, da sind wir. Mein Kind hat die Hose voll, bitte wickeln.“ „Oder mein Kind ist nass, bitte umziehen. Tschüss bis um 5.“ Hab ich einfach nicht. Ob das ein Makel ist, weiß ich nicht. Zumindest kann ich nicht guten Gewissens gehen, wenn einer nass ist und ich das genau weiß. Ich wäre ja auch gerne trocken – und zwar jetzt und nicht in 40 Minuten -, egal wie sehr ich nicht gehört habe als es hieß, ich soll kein Pfützenbad nehmen. Das war ja eben und jetzt ist alles nass und kalt.
Und so habe ich heute allen dreien ihre Rucksäcke gegeben und mir selbst die Windel-Wechselwäschetasche umgeschlungen. Und Minilama und ich haben je 1 Zwilling an der Hand über die Baustellenstraße zur anderen Baustellenstraße geführt (wird grade viel gebaut an der Kita). Da gingen die Schleusen so richtig auf von oben. Zwilling 1 wollte balancieren. Nur leider war der an Minilamas Hand und ein kleines Kind beim Balancieren absichern kann Minilama, so toll es auch ist, natürlich nur dann, wenn es nichts abzusichern gibt. Aber da es rutschig und dunkel war und außerdem coole Baumaschinen unterwegs waren, ist Zwilling 1 nicht gerade gegangen und entsprechend in die Pfütze neben dem Mäuerchen geplumpst. Keine Verletzungen zum Glück, aber nass war er natürlich schon. Wie sehr war nicht zu erkennen. Dann habe ich Minilama aus der Pflicht entlassen, zumal wir ja die Straße schon überquert hatten und ich gut alle beide nehmen könnte. Das arme Kind war schon deprimiert, dass der Balancierversuch so ins Wasser gefallen war. Beim Übergeben ist Zwilling 1 dann irgendwie auf die Knie gefallen/gerutscht. Das ging zu schnell, ums genau zu erklären. Eine Mischung aus Unwillen und Nichtgutsehen in der Dunkelheit um 7.30 wird es gewesen sein. Just in dem Moment höre ich eine andere Mama die Straße wecken, da ihr Kind (Minilamas Kumpel) nicht willens zu sein scheint, vom Auto den Weg in die Kita zügig zu nehmen. Und da Unstimmigkeiten gern mal der genaueren Überlegung bedürfen, erwägt das Kind, sich auf die Straße zu setzen. Ich betone: Um uns herum Baustellenverkehr und mittlerweile richtiger Regen. Die arme Mama hat gut gemeckert und gebrüllt. Ob das angemessen war, kann ich nicht sagen. Ist ja nur ein Kind. Aber ich war mit Minilama auch überforderter als mit allen dreien jetzt. Von daher, man weiß es nicht. Das Doofe an der Sache: Freezing bei Minilama. Beobachten geht am besten ohne Bewegung. Stop and stare – eine Haltung, die auch ich als Kind gern eingenommen habe, manchmal auch noch heute, wenn ich alleine unterwegs bin. Nur leider hat es doll geregnet und der Wind pustete uns die Kapuzen von den Köpfen. Also auch von meiner Seite eine deutliche Verhaltensanweisung ans Kind. Und ich dachte direkt, hoffentlich ist das Kind jetzt nicht irritiert und tritt in eine Pfütze – auch sowas, das ich gern mache. Verwundert aufschrecken aus der Bewegungslosigkeit, einen Schritt tun und mitten in einer Pfütze stehen. Aber Minilama ist ja zum Glück sehr fix und kennt sich aus. Das Pfützentreten blieb heute komplett aus. Die Zwillinge haben auch keine Lust mehr gehabt in der nassen Kälte rumzustehen und fanden wohl auch keine ansprechende Pfütze zum rein hopsen. Außerdem bündelte das andere Mama-Schauspiel das Interesse dermaßen gut, das ich meine kleine Herde bis auf die eine Ausnahme trocken ins Gebäude bekam.
Was das Ausziehen in der Kita selbst angeht, bin ich mittlerweile verwöhnt. Minilama macht alles komplett alleine, hilft den Erzieherinnen auch noch beim Tisch decken und allem, was sonst anfällt, bringt mir die Warnweste (ich sage ja: Baustellen ohne Ende an der Kita, wir tragen jetzt alle Warnwesten für die 150 Meter) und wenn nötig auch die Handschuhe an den Wagen und läuft fröhlich in die Auffanggruppe.
Zwilling 2 zieht sich meist schneller aus, und ist direkt hinter Minilama in der Gruppe. Mittlerweile setzen die Kleinen sich auf die Bank im Flur und fangen mit den Mützen an, sodass ich die Rucksäcke und den anderen Kram (und das ist immer einiges) in die Gruppe bringen kann. Echt klasse.
Ich verstaue dann immer die ganzen Sachen einigermaßen ordentlich. Und da Zwilling 1 nicht so nass war wie befürchtet, aber auch nicht trocken genug, entschieden wir uns im Dialog für eine andere Hose. Dieses im Dialog sein klappt auch immer öfter mit den Zwillingen. Die Kinder lassen sich öfters auch auf Deals wie „erst putzt du deine Zähne, dann ich“ oder „Soll ich deine Schläppchen anziehen oder willst du, dass eine Erzieherin hilft?“ ein – und das Abgeben endet nicht mehr so oft in einem bockenden trotzigen Kind, das tretend der Erzieherin übergeben werden muss.
Trotzphase 0: Mama 1. Tolle Tage sind das. (Die anderen blende ich mal galant aus).
Morgen bitte keinen Regen, ok? Dann können wir relaxed zu Fuß gehen, müssen keine 25 Minuten vor der Kita warten (waren ja so fertig, dass wir hätten gemütlich zu Fuß gehen können und angezogene Kinder entkleidet man nicht nochmal, um später los zu gehen), nicht noch am Auto rum werkeln müssen und alles mit Bedacht in die Kita bringen können.
Und morgen gibt es dann fürs arme Minilama auch die neuen Schläppchen. Die alten sind zu klein, übergangsweise gab es heute Rutschsocken. Aber morgen dann die neuen, schönen in 31/32. Pololos fallen ja auch klein aus oder so.