Hier so: Wackelzahnpubertät, Trotzphase mal zwei und Zahnungsschmerzen

Üblicherweise pflege ich zu sagen, dass ich hart im Nehmen bin, weil ich die Zwillinge ohne Schmerzmittel spontan zur Welt gebracht habe oder weil mein erstes Kind ein Schreibaby war. Und ich gebe auch zu verstehen, dass ich der Meinung bin, dass die Zwillinge nur weil sie zu zweit sind auf Nichts verzichten müssen, was ein Einling so bekommt (Ausnahme ist leider der Musikkurs) und laufe deshalb manchmal auch drei mal am Tag in die Kita und zurück, wenn nötig. Ich gehe auch mit allen vier Kindern zu Fuß zur Kita, weil ich es einem Einzelkind auch gönnen würde. Minilama istein sehr wissbegieriges Kind und wird von uns umfassend gefördert. Die Folge: Das Kind hat mehr Hobbies als Einzelkinder in seinem Alter, zu denen ich es jedes Mal zu Fuß bringe und abhole, trotz Vollzeitstelle bzw. Elternzeit mit Baby. Die Zwillinge gehen zum Kinderturnen mit Eltern, wohin wir Eltern sie jede Woche begleiten. Wenn es nicht anders geht, gehe ich aber auch alleine hin und turne mit ihnen – mit dem Baby in der Trage. Wie gesagt: Ich bin hart im Nehmen. Ich wickele die Kinder im Stehen am Wegesrand, ich putze das komplette Bad, weil ein Stinkerunfall passiert ist, ich habe das Fieberthermometer immer in der Handtasche, ich schiebe mit einer Hand den Kinderwagen, gebe mit der anderen Hand den Zwillingen die Hand. Meine Kinder werden auch unterwegs mit Sonnenmilch nachgecremt und wir leeren zur Not auch drei Mal auf dem Heimweg die Schuhe aus, weil Steine drinnen sind. Wir fahren ein Mal in der Woche mit allen ins Hallenbad, wir backen viel, ich koche täglich frisches, warmes Essen, wir sind immer draußen unterwegs. Die Kinder stehen spätestens um 6 Uhr morgens auf, schlafen aber schlecht und spät ein. Wie gesagt: Man muss mich nicht bemitleiden, ist schon ok wie es ist.

Aber im Moment muss ich echt sagen, sind die Grenzen etwas verschoben. Minilama ist fast Vorschulkind und entsprechend gestimmt. Es ist unheimlich selbstbewusst, sehr willensstark und oft in Meckerlaune. Außerdem will es dies und das nicht und aufs Tischdecken oder Gläser holen hat es keine Lust. Und das letzte Wort will es auch immer haben. Aber es zieht sich selbst an und aus, fönt, kämmt die Haare, macht sich ein Brot, beschäftigt sich selbst, kommt unheimlich oft ohne besonderen Grund zum Schmusen zu uns Eltern.
Die Zwillinge sind in der Trotzphase angekommen, so richtig. Mit auf den Boden werfen und schreien, mit Brüllen und Trampeln, vor allem mit Herumschreien. Und mit nein brüllen. Und mit nicht Einschlafen wollen, anstelle dessen dauernd aufstehen und durchs Haus düsen. Mit nachts ins Elternbett kommen, um dort zu rotieren und der Mama in den Rücken treten. Mit Weglaufen an der Straße und mit Kunstschwalben machen. Mit Tee verkippen und mit den Händen reinschlagen, dass es bis ans Fenster spritzt. Mit Schubsen, beißen und hauen und vor allem mit Brüllen und Schreien. Das vor allen. Das bringt mich an die Grenze, diese ständige Rumheulen und ich weiß auch oft nicht, ob wirklich was ist (Krankheit, Verletzung) oder ob es „nur“ die Unzufriedenheit ist, weil etwas nicht geklappt hat wie es soll. Die Zwillinge zeigen Reifenanzeichen fürs Sauberwerden, wollen vieles selbst machen, ziehen sich auch immer mehr selbst an, finden Orte für sich und beschäftigen sich immer länger selbst. Bis das ganze implodiert und sie eine ganze Rolle Klopapier in die Toilette werfen und abspülen wollen. Manchmal waschen sie aber auch aus freien Stücken ganz liebe die Hände. Man weiß es vorher nicht.

Babylama ist ein top Baby. So süß und so niedlich, dass wir alle ganz vernarrt sind. Freundlich und geduldig. Ist ja auch nötig als viertes Kind, dankbar und leicht zu handeln. Außer natürlich, wenn das Näschen verstopft ist (absolutes Chaos) oder wenn die Zähne zur Qual werden. Dann zeigt das Kind, was in ihm steckt. Und da wirds auch brenzlig für die Mama.
Aktuell haben alle vier längere Phasen von Wackelzahnpubertät (besonders ätzend ist das Rechthaberische in dieser Zeit – ich will doch das letzte Wort haben…), Trotzphase („Mama Hand““, Papa Arm“, „nein“, „ich will“, „Papa zudecken“ „nicht schlafen“ „selba“ und „wäääääähhhhh“) und Zahnweh („ich bin nur noch Schmerz und keiner kümmert sich“ „ihr macht das ganz falsch, ganz falsch“- wääähhhh), gerne alles zur gleichen Zeit: Da fährt Minilama mit dem Rad vor, da läuft Zwilling 1 hinterher, da hat Zwilling 2 Steine im Schuh, will aber nicht die Schuhe slbst ausziehen („Mama, du“), Babylama hat Hunger („Eben wollte ich nichts, aber jetzt WILL ich SOFORT“. Aber nicht so, anders. wäähh“), die Hose voll („Die Welt geht unter, die Welt geht unter, alles ist am Ende, wääähhh“) und Lamasus will 1. dass Minilama bitte an dem Zebrastreifen wartet, 2. dass Zwilling 1 stehen bleibt, und zwar sofort, verdammt noch mal, denn da kommt ein Auto durch die 30er Zone geflogen, 3. dass Zwilling 2 seine Schuhe selbst an und auszieht, wenigstens einen und 4. Ruhe haben, um das Baby adäquat auf den Arm nehmen und füttern zu können. Nur leider geht das grade nicht. Schön wäre es daher,wenn das Baby sich kurz ablenken ließe, vor allem da es doch vor weniger als 5 Minuten in Ruhe die Flaschen angeboten bekam, als wir noch zuhause waren und der Durst doch nicht soo lebensbedrohlich sein kann.
Anstelle dessen plagen mich diffuse Blasenschmerzen (reiner Stressschmerz), Kopfschmerz (da ich nichts  getrunken habe,wird es am Schlafmangel liegen) und Druckkopfschmerz (Lautstärkepegel) und leichte Herzschmerzen, weil ich echt Angst um Zwilling 1 und eine große Wut auf „mir kann nichts was anhaben und ich muss daher auf Mamas Geschwätz gar nichts geben“ Minilama“ habe.
Ich denke oft, dass ich wirklich nicht mehr kann. Ich will dann auch schon was länger nicht mehr. Meckere doll rum, drohe irgend einen Mist an. Nicht die Mama, die ich sein will für Kinder, die auch nicht wirklich sind, wie sie sich grade geben. Geballte Ladung so kurz vor den Ferien.

Ich frage mich, ob ich nicht einfach überfordert bin, mehr Kinder habe als ich stemmen kann, ob es nicht alles ganz falsch war mit meinem Lebenswunsch. Ob ich nicht einfach besser jetzt schon Dr. habil. wäre und irgendwo mit Alphalama herumjetten sollte. Dieser scheiß Gedanke, dass man überfordert ist und es nicht hinbekommt, nicht allen gerecht wird. Zu viel meckert, zu wenig zugewandt, zu wenig bedürfnisorientiert erzieht (und dann auch noch nicht gestillt hat – ja das kommt dann auch gerne noch dazu)zu wenig auf die Kinder eingeht, also auf ihr Wesen und zu viel Feuerwehr sein muss, weil die Kinder nicht gut erzogen sind. Wobei: Beziehung ist doch besser als Erziehung (oder wie war das?) – nur leider klappt das auch nicht, wenn die Kinder in ihrer Phase gefangen sind.
Und dann ruft die Kita während der Rückbildung an, weil Zwilling 1 einen doofen Kitaunfall hatte und sie befürchten, dass die Beule am Auge noch aufgeht, weil sie übel, übel geschwollen ist.  Und ich? Brauche 7 Minuten von der Rückbildung (wo wir uns komplett eingerichtet hatten) bis in die Kita mit Babylama auf dem Arm, Arzttermin war schon gemacht als ich in der Kita ankam, alles läuft wie vom Band. So schlecht kann ich dann doch nicht sein, denk ich mir, wenn es mal grade kurz ruhig ist. Aber es ist grade echt richtig hart, richtig, richtig hart. Noch zwei Wochen bis zu den Ferien. Und die Zwillingslamas werden umgewöhnt.

Trugbilder

Ich bin nun schon seit mehr als fünf Jahren Mama und ich merke dennoch immer wieder, wie ich auf diese Trugbilder reinfalle. Früher waren es die gut gelaunten Mamas mit ihren Babies, die durchschliefen oder die wie nebenher stillten und scheinbar immer saubere, neue Sachen für ihre niedlichen Babys hatten. Dass ich mir einfach jede Woche eine andere Mama aussuchte, die das dieses Mal gut geregelt bekam, fiel mir lange gar nicht auf. In jedem Fall war ich hinter immer richtig fertig mit der Welt, weil ich mich so minderwertig als Mama fühlte. Denn, wenn wir ehrlich sind, ist es ganz und gar nicht entspannt, mit einem Baby (oder jetzt mit Kleinkindern) das Haus zu verlassen. Immer wieder frage ich mich mitten im Anziehchaos, wenn aber noch Sonnenmilch gebraucht wird, einer noch die Hose voll hat, ein anderer schon wieder alles ausgezogen hat, was man eben noch mühsam angekämpft hat (der Sommer mildert übrigens nur ab), ein Kind in Tränen ausbricht wegen einen großen Ungerechtigkeit von meiner Seite und der vierte Rotz und Wasser weint, weil er nur auf Mamis Arm so richtig glücklich ist, warum ich das überhaupt will, dieses Rausgehen. Und dann fängt es draußen auch noch zu regnen an. Mein persönliches Kryptonit mit vier Kindern und 2 Kilometern Wegstrecke vor mir.

Es ist natürlich nicht jeden Tag so intensiv hier, aber entspannt war es im Grunde genommen seit Jahren auch nicht mehr. Immer wachsam bleiben, dass die Türen abgeschlossen sind (neuerdings auch, dass die Schlüssel außer Reichweite sind, denn meine Kinder sind sehr intelligent und da sie zu mehreren sind auch richtig erfindungsreich), dass keine Sonnenmilch in Reichweite ist, dass meine Arbeitskleidung (die saubere, ohne Löcher) nicht herumliegt, dass auch sonst nichts da ist, was die Kinder anziehen könnte (ob es was zu essen für mich ist, ein Stein oder Deko) oder oder. Parallel dazu muss an 1000 Sachen gedacht werden von der Wechselwindel für die Zwillingslamas und eine andere fürs Babylama, Helm, Fahrradhandschuhe und Fahrradschloss für Minilama, Sonnenschutz für alle, was zu trinken für alle und Regenschutz, Kitarucksäcke mit allem möglichen Krams, Wechselkleidung (nahezu täglich, da die Zwillinge in der Kita ungelogen 3-4 mal in der Woche auslaufen) und Sachen für die Freizeitgestaltung, Und was zu essen ja auch immer. Und Warnwesten. Und wehe es fehlt was. Da sind die Kinder gnadenlos. Vor allem, wenn andere dabei sind, ist das immer das erste, was berichtet wird. Wobei mir das schon längst irgendwo vorbei geht. Ehrlich. Der Vorwurf, die Sachen wären irgendwie kaputt hingegen, der ist jetzt ja neu und da lerne ich noch den coolen Umgang. Der Lernprozess hat mich schon ein bisschen Geld gekostet bisher, da ich dem Kind dann umgehend mal was Ordentliches gekauft habe. Aber nur was kostet, bringt auch was, oder wie war das?
Als ich nur Minilamas Mama war war klar für mich: Wenn man grade mal eine Stunde außer Haus ist, braucht man im Grunde nichts außer wetterangepasster Kleidung. Man verhungert und verdurstet nicht so schnell. Fertig aus. Auch Wechselkleidung hatte ich keine dabei, meist auch keine extra Windel. Ging super. Aber die anderen hatten das alles dabei, in schweren Säcken schleppten sie den Hausstand mit umher. Und so kam es, dass ich in der Krabbelgruppe auch ein Fläschchen mit Wasser dabei hatte. Ich denke damit hat alles angefangen. Die dauerte 45 Minuten und ist mal eben über die Straße. Unwillig zwar, aber Minilama hat schon geguckt, was die anderen hatten. Daher hat Minilama ja auch immer neben dem Kitabrot noch was Leckeres dabei. (Und ja, das empfinde ich als anstrengend, mir jeden Tag was neues Nettes auszudenken) Weil es eben guckt, so die Erzieherinnen. Oder: Weil es dem Kumpel mal in die Hand gebissen hat, weil der eine Milchschnitte dabei hatte. Ich hasse es nach wie vor, wie sehr ich mich durch das Verhalten anderer beeinflussen lassen muss, weil meine Kinder es eben mitbekommen und das auch wollen. Ganz im Ernst: Man verhungert und verdurstet nicht, wenn man eine Stunde ohne unterwegs ist. Man kann auch Musikunterricht haben ohne Essen und Trinken zu müssen. Was ich übrigens konsequent umsetze. Und auch stolz drauf bin.
Mit den Jahren ist es aber trotzdem immer mehr geworden. Da die Zwillinge so gut trinken, müssen sie dauernd gewickelt werden, Mit den sch*** Plastikwindeln sogar noch öfter. Überall wickele ich. In der Kita, auf dem Spielplatz, am Brunnen, vor der Turnhalle, auf dem Sportplatz.
Dabei ist immer mehr Zeugs. Die Kinder haben über die Woche verteilt mehrere Hobbies, Wechselkleidung, Essen, Trinken, andere Schuhe – alles packe ich noch dazu. Und öfters ist irgendwas kaputt, zu klein oder sonst was, dass wir dann direkt noch im Laden was Neues kaufen (müssen.) Der Wagen ist total voll und ich fühle mich wie eine Krake, wenn ich daraus alles ausgebe. Und ich hole dann aus der Kita ab und bringe hin und hole nach einer Stunde wieder ab. Meist mit allen Kindern im Schlepptau.
Die Kinder zu Holen und zu Bringen ist echte Arbeit. Der Wagen ist schwer, die Kinder lebhaft. Insbesondere seit Babylama seine Schreiphasen mit dem Abholen und manchmal auch mit dem Bringen synchronisiert hat und ich einfach nicht genug Arme habe, um alles zu bewerkstelligen. Aber von anderen helfen lassen will ich mir auch nicht. Denn das wertet mich in meine Leistung als Mutter zu sehr ab. Ich kann nicht über meinen Schatten springen. Der Leidensdruck ist wohl noch nicht groß genug.
Wenn wir zum Sportplatz gehen, alle fünf nachmittags, ist das ein Kraftakt. Das muss ich mal so sagen. Es ist echt anstrengend. Obwohl ich schon alles reduziert habe, was ging und dauernd überlege, wie ich die Dinge vereinfachen kann. Aber die Umgebung macht es eben nicht immer leicht.
Da ist der Schotterweg, auf dem der Kinderwagen sich so schwer drücken lässt, zumal wenn Zwilling 2 nicht mal eben vom Board absteigen will, der Ausraster von Zwilling 1, der sitzen muss, das Steinewerfen von Zwilling 2, die Heulattacke vom Baby (frisch gewickelt, frisch gefüttert, den kompletten Heimweg bis hierher auf dem Arm getragen – nur dass es nicht heißt, dass Baby habe Hunger…) usw. Es nieselt, Minilama soll sich noch umziehen, beobachtet aber die frisch manikürten Einzelkindmädelsmamas in den sauberen Stoffhosen mit den glänzenden SUVs, die ihre kleinen Zicken grade vom Tanzen abholen und sich über deren Tonfall austauschen und trödelt so sehr, dass alle anderen schon auf dem Sportplatz sind und wir nachrennen müssen – obwohl wir mit als erste da waren. Nicht nur ich kann das nicht leiden. Minilama auch nicht. Absolut nicht. Und schon geht das Gemecker los, bei mir stumm, bei Minilama so wortreich wie in meinem Kopf. Währenddessen klägliches Babygeschrei und schwere Aggressionsattacken gegen den altersschwachen Doppelwagen von Zwilling 1, der raus will, nur raus. Wir sind schließlich auf dem Sportplatz und da wird gelaufen und mit dem Rechen die Sprunggrube gerecht (nur 1 Mal, weil ich nicht gecheckt habe, mit welcher Mordwaffe da hantiert wird, aber egal). Zwilling 2 ist kurzzeitig verloren gegangen, fällt aber durch die auffällige Jacke dann doch wieder auf, die meine Schwiegermutter uns genäht hat). Ich muss nur ein bisschen laufen, um zur Gruppe aufzuschließen. Kein Problem, da ich eben über die Brücke schon den Aufwärmsprint gemacht habe, als das Zwilling 2 mit ungelogen voll Stoff die Brücke runter gerannt ist und ich es schon mit dem Kopf auf der Fahrbahn habe liegen sehen. Und dieses Kind ist dermaßen schnell – ich kann kaum glauben, dass es erst 2 ist. Zum Glück ist Minilama die letzten Meter jetzt zu Fuß unterwegs, das Rad ist abgesperrt am Fahrradständer vorm Stadion. Minilama hat sich auf dem Heimweg verhört gehabt und war losgefahren als ich Stopp gesagt hatte. Zum Glück war die Autofahrerin aufmerksam. Von daher bin ich froh, dass aktuell eine Gefahrenquelle ausgeschlossen ist.
Als es dann geregnet hatte und alle mich angeblafft haben (bis aufs Baby, das hat geblafft, weil ich es wieder abgelegt hatte, damit es nicht nass wird), dass es jetzt regnet (Minilama wegen des getrübten Sichtfeldes, Zwilling 2, weil ich beim Schirm halten helfen wollte und Zwilling 1, weil ich das Beißen ins Regencover untersagt habe), habe ich kurz gedacht, ich kann nicht mehr – aber was solls? Es geht immer weiter. Ich habs ja nicht anders gewollt. Und will es im Grunde auch nicht anders. Ich denk mir immer wer A sagt muss auch B sagen. Wer Kinder will darf meiner Ansicht nach ruhig eine frühe Fremdbetreuung wählen (da hatte ich mal ein Streitgespräch mit anderen Mamas, die meinen dafür bekäme man ja keine Kinder und dass 2 Jahre daheim nötig seien. Sehe ich anders, denn ich hab nicht 5 Jahre studiert und 2,5 Jahre Ausbildung hinter mir, um mir dann ein Haushaltsgeld überweisen zu lassen. Außerdem kenne ich die Unterhaltsgesetze und die Rententhematik), aber man soll schon nach Kräften die Kinder in ihren Stärken fördern.
Und wenn ich dann andere Mamas (jede Woche andere natürlich) sehe, wie sie leichtfüßig aus dem Auto steigen, dem Kind noch nachwinken und nach einem kurzen Plausch heim düsen, dann habe ich wieder dieses Trugbild vor Augen. Dass es leicht wäre, was für nebenher. Dass es normal und selbstverständlich ist, dass die Kinder sauber angezogen und fröhlich loslaufen können und in der Pause eine frische Banane mümmeln können. Dass die das vollständige Arbeitsmaterial dabei haben. Dass sie pünktlich da sind, dass sie zeitig abgeholt werden und der Tisch mit frischer Rohkost und Bäckerbrot gedeckt ist, dass Brotdosen für den nächsten Tag gefüllt sind.
Bei meiner Mama sah es immer total leicht aus so als ob sie es nebenher machen würde. Sie war auch immer deutlich cooler als ich, zumindest hat es auf mich so gewirkt.
Ich bin da eher anders. Ich finde es echt anstrengend, immer treu da zu sein bei den Terminen der Kinder, immer noch dafür extra zu versorgen mit besonderem Essen und Trinken, mit frischen Kleidern, mit passenden Schuhen und dabei immer alle Kinder mit im Schlepptau zu haben. Was regt es mich z.B. jeden Dienstag auf, dass die Förderschule an der zentralen Stelle nicht behingertengerecht ist und ich mit dem Doppelwagen nicht bis zu Umkleide komme, dass ich immer einige Kinder vorne stehen lassen muss (oder auch nicht, dann muss ich einigen Kindern nachrennen während ich Minilama beim Umziehen helfe) oder dass die Baustelle an der Steigung zu eng für den Wagen ist und ich auf die Straße ausweichen muss bzw. mit dem Handwerker um 5 weitere cm Straßenbreite verhandeln muss. Erfolgreich allerdings.
Aber bei anderen scheint es doch so smooth zu laufen. Oder doch nicht?

Alltag in der Großfamilie – Freitagsedition

Irgendwann gegen 2 Uhr nachts werde ich wach. Babylama hat Durst. ich stehe auf und mache das Fläschchen zurecht. Alphalama ist auch wach. Er übernimmt die Fütterung, ich lüfte nochmal durch, damit Babylama frische Luft bekommt und gehe kurz aufs Örtchen.

Gegen drei höre ich im Halbschlaf kleine schnelle Schritte. Zwilling 2 kommt zu uns gekrabbelt. Ich mummele ihn ein meine Decke ein, wir dösen ein.

Gegen vier hat Babylama wieder Hunger, ich füttere im Halbschlaf.

Um kurz vor 6 werde ich von Alphalamas Aufstehgeräuschen wach. Er hat verschlafen und damit wir alle. Zwilling 2 wälzt sich fröhlich in unserem Bett. Wir tragen die gebrauchten Fläschchen, das Lagerungskissen und unsere Kleidung für den Tag eine Etage tiefer. Alphalama weckt die verbliebenen zwei Kinder und legt Babylama in sein Zimmer. Es döst noch ein bisschen. Alphalama beginnt Zwilling 2 anzuziehen. Ich dusche rasch, mit schlechtem Gewissen, weil wir so spät dran sind. Aber da wir einen Kinderarzttermin haben, kann das Waschen nicht ausfallen. Zwilling 1 will sich lieber vom Papa anziehen lassen, Minilama zieht sich zügig an. Ich gehe schon runter, um Fläschchen zu spülen, Wasser zu kochen und das Frühstück zu machen. Zwischendurch hole ich Zwilling 2 oben ab, die anderen trudeln nach und nach ein, essen und trinken. Babylama mag nichts trinken, wird aber gewickelt und tagfrisch angezogen. Ich bereite die Tasche  für den Kinderarzt vor, putze mir und einigen Kindern die Zähne und helfe beim Anziehen. 2 Kinder brauchen Warnwesten. Die Zwillinge brauchen neue Windeln. Um 7 Uhr klingelt die Abiturientin, die mir manchmal beim Gang in die Kita hilft. Zwilling 1 darf morgens laufen. Außer ein, zwei Ermahnungen (keine Steine werfen, nicht in den Brunnen greifen) klappt alles reibungslos. Minilama stellt den Roller ab, gibt mir Helm und Warnweste und zieht sich die Jacke in der Kita aus. Zwilling 1 wird ausgezogen/zieht sich aus und läuft fröhlich in die Gruppe zu Minilama. Ich packe Wechselkleidung in die Schubladen, lege die neue Windelpackung an ihren Platz, erkläre den Erzieherinnen kurz den Tagesablauf.

Zwilling 2 und Babylama nehmen wir wieder mit zurück. Zwilling 2 hilft beim kurzen morgendlichen Aufräumen und beim Vorbereiten der Fläschchen für den Kinderarzt. Wir gehen um 8.25 Uhr in die Praxis. Nach 65 Minuten Wartezeit, die wir meist lesend (Zwilling 2 und ich) und essend und meckernd (Babylama und ich) verbracht haben und gegen Ende mit ein paar Ermahnungen (nicht auf die Liege spucken, nicht zu der stillenden Mama im Nebenzimmer laufen, nicht mit dem Ball gegen die Schränke werfen), finden die Untersuchungen statt. Vorher ist mir leider ein bisschen Wasser aus der Thermoskanne ausgelaufen. Der Loop ist nass, ein paar Babysachen fallen uns auf den Boden. ich trinke aus der Thermoskanne einen Schluck und nehme noch was aus dem Hahn. Zwilling 2 lässt sich tapferst Blut entnehmen, Babylama hat gegen Ende keine Lust mehr. Die Ärztin fragt „haben Sie noch eine Flasche dabei?“. Ich verneine und schäme mich ein bisschen, dass ich das Restwasser genommen habe.
Zuhause gegen 10.20 bekommt Babylama eine frische Windel und Zwilling 2 darf die hart erarbeiteten Gummibärchen essen und was trinken. Ich bringe die nassen Sachen und die Sachen, die in der Praxis auf den Boden gefallen sind (und noch das Spucktuch und zahllose andere Sachen) in die Wäsche, rufe in der Kita an und sage, dass wir gegen 11 Uhr da sein werden. Die Gruppe will spazieren gehen, die Erzieherin sagt in der Nachbargruppe Bescheid. Zwilling 2 will gehen und will kein Buggyboard. Wir gehen also mit dem Einlingswagen zu Fuß in die Kita. Zwilling 2 Meist an der Hand, es klappt gut. die 10.000 Schritte Marke fällt.

Zwilling 2 bleibt fast problemlos bei der Erzieherin der Nachbargruppe, die hoch interessiert am Kinderpflaster ist. Noch in der Kita beginnt Babylama zu weinen. Ich füttere die aufgelöste Vitamin D Tablette, die ich eingepackt hatte. Es reicht nicht, ich trage das Baby knapp die halbe Strecke auf dem Arm, den Berg hoch schiebe ich. Babylama döst ein, wir gehen schnell zur Post. Ich habe Schuhe verkauft, die auf den Weg gebracht werden müssen und soll eine Warensendung mit Oberteilen für die Zwillinge abholen. Das Stehen gefällt Babylama nicht, es weint wieder auf. Die beiden anderen Kunden lassen mich vor, ich sage „dich nehme ich öfters mit“ und wetze mit dem Kleinsten nach Hause.
Dort gibt es eine frische Windel und ich mache schnell ein Fläschchen. Parallel dazu trinke ich einen schnellen Schluck aus der Teekanne. Als das Fläschchen geleert ist, klingelt es. Meine Mama und meine Oma kommen. Wir laden einige Leckereien aus und machen uns Pizza. Es gibt auch noch Kartoffelsuppe. Wir bügeln, nähen ein Loch zu, trösten das Baby, verpacken noch Minilamas Geburtstagsgeschenk und die Geschwistergeschenke und plaudern.

Gegen halb 2 breche ich auf und hole Minilama mit dem Auto ab. Ich warte, bis es das Schiff fertig gefaltet hat, an dem es gerade werkelt. Wir fahren noch kurz Ersatzbürsten für seine Zahnbürste kaufen, die ich wochenlang nicht gefunden habe, Minilama aber auf den ersten Blick erspäht. Die Disneywerbung, die auf den Bürstchen abgebildet ist, spricht eben Kinder mehr an als mich Es gibt auch noch ein paar Kekse, da die Notfallkekse letzte Woche in Luxemburg geleert wurden. Wir warten noch kurz auf dem Parkplatz vor der Schule, in der der Schwimmkurs stattfindet, machen uns dann gemütlich fertig und schwimmen eine 3/4 Stunde. Ich bin nach fast 10 Wochen endlich wieder im Wasser. Minilama packt das Seepferchen locker und ich habe ein bisschen Pipi in den Augen als es da so ohne jede Angst einfach ins Wasser springt. Wir sind schon länger dabei, es war ein hartes Stück Arbeit. Den Kurs machen wir aber trotzdem bis zum Schluss weiter, daher gibt es auch heute keine Urkunde.
Nach dem Duschen und Fönen und Anziehen treffen wir vor der Schule meine Mama, meine Oma und Babylama. Sie gehen mit Minilama noch eine Karte kaufen und bummeln ein wenig. Ich fahre das Auto an die Garage und bringe die Schwimmtasche heim. Als alles aufgehängt ist, nehme ich mir den Einlingsbuggy und gehe die Zwillinge abholen. 15.000 Schritte. Zwilling 1 winkt mir mit einem Schuh zu, die Kinder sind draußen und sandig-fröhlich. Die Erzieherin kann nur Gutes berichten. Zwilling 1 krabbelt lieb in den Buggy, Zwilling 2 kommt auf mein Rufen auch wieder zurück. Wir sammeln die Rucksäcke ein und kontrollieren, ob die Sonnenhüte da sind. Einer fehlt. Die beiden wollen ihre Loops anziehen und dann gehen wir gemütlich nach Hause.
Zwilling 2 wünscht sich Donuts. Meine Mama hilft beim Ankommen und Händewaschen, die Zwillinge bekommen was zu essen und zu trinken, ich mache den Donutteig, räume die Rucksäcke aus und bereite das Abendessen vor. Die Kinder sind außer sich wegen der coolen Geschenke, meine Oma ist außer sich, weil eines der geschenkten Pferde wiehert und läuft. Dieses riesen Paket für 20 Euro hält Überraschungen für Groß und Klein bereit. Alphalama kommt heim, die Kinder freuen sich. Wir räumen den Tisch ab und decken ihn ein. Es gibt Donuts und Omas Pudding, Suppe, Rohkost, überbackene Brote und Fleischwurst. Die Kinder essen zufrieden, Minilama wird gegen halb 7 müde und geht schon vor zum Umziehen. Wir räumen den Tisch ab, die Spülmaschine ist voll. Die Zwillinge werden bettfertig gemacht. Alle bekommen eine Gute-Nacht-Geschichte. Alphalama macht noch was auf dem Speicher. Ich packe die Schwimmtasche und mache ein paar wichtige Schreibtischdinge, unterbrochen von Mama-Rufen. Alphalama sitzt mit Babylama bei den Zwillingslamas und begleitet sie beim Einschlafen. Gegen 8 geht unter nicht klar herleitbaren Umständen eine Glaskugel zu Bruch, alle sind wieder hellwach. Wir saugen Scherben auf, schauen nach, dass niemand Schnittverletzungen hat, trösten Minilama. 10 Minuten später wechsele ich die CD bei Minilama, gegen halb 9 kommt Alphalama runter mit dem weinenden Babylama. Ich beende diesen Artikel, um ein paar Rückbildungsübungen zu machen und parallel eine Folge The Goldbergs zu schauen. Ich mag die Sendung. 20.000 Schritte.

Großfamilie – ein paar Gedanken

Seit knapp 2 Monaten sind wir offiziell eine Großfamilie und zählen zu den knapp 2 Prozent Familien mit mehr als drei Kindern in Deutschland.
Ich finde es immer noch gewöhnungsbedürftig, zu sagen, dass ich vier Kinder habe. Die Antwort „drei“ hat sich schon richtig gesetzt gehabt.
Die Umstellung finde ich nicht so krass, wie man es sich vielleicht denken würde, wenn man ein Kind (also kein Kind) hat. Auch ist dieser Sprung vom zweiten zum dritten Kind bei uns ja nicht vorhanden gewesen. Wir waren 28 Monate lang überforderte Einkindeltern und waren dann direkt kinderreich. Da blieb keine Zeit mehr, sich seine eigene Überforderung klar zu machen oder herumzujammern. Mit Zwillingen erwartet irgendwie (fast) jeder, dass man total fertig, überfordert und am Ende ist. Und da ich nicht gern das tue, was von mir erwartet wird, war dem auch nicht so. Abgesehen davon bin ich glaube ich so der Typ Zwillingsmama – ich mache es mir nicht gerne einfach, das ist nicht so mein Stil. Wir haben uns direkt maximal auf die Rabauken gefreut und von Anfang an akzeptiert, dass es jetzt zwei auf einmal sind. Ich bereue nicht, dass das Zwillingsmamasein mir manches unmöglich gemacht hat und fühle mich auch nicht um irgendwas betrogen, wie eine Bekannte von mir mal sagte. Die Zwillinge sind zum Glück reif geboren und hatten gesundheitlich bisher eine weitgehend beschwerdefreie Kindheit. Das macht sicher auch einen Unterschied und erspart viel Leid und seelischen Stress. Hier ist zum Glück nur der alltägliche Wahnsinn mit den auf Radau gebürsteten 2,5 jährigen Zwillingen zu bewältigen. Die keine Angst kennen, überall rauf klettern, überall runter springen, die Beißen und Hauen als Kommunikationsform nutzen, für die ein „nein“ großen Aufforderungscharakter hat und die immer Stärke und Trost aus der Nähe des anderen ziehen können. Eben noch mit Steinen nach dem anderen geworfen und nun sitzen beide einträchtig Händchen haltend im Buggy. Und auch hier gilt wieder einmal: Mama wächst an ihren Aufgaben. Ich versuche mir anzugewöhnen nur noch bei Gefahr laut zu werden und ansonsten „laufen“ zu lassen. In die Pfütze springt Zwilling 1 so und so, ob mit meiner akustischen Untermalung oder ohne. Gummistiefel gibt es hier aber keine. Insofern muss das Kind dann die Konsequenzen tragen (oder die Ersatzschuhe, die ich extra aus diesem Grund angeschafft habe).
Mit der Entscheidung für ein weiteres Kind haben wir noch einmal „ja“ gesagt zu den ganzen Unsicherheiten und Gefahren einer Schwangerschaft, begeben uns in ein erhöhtes Armutsrisiko (es steigt signifikant ab dem vierten Kind, da die Ausgleichszahlungen ab jetzt nicht mehr die Kosten und die Verdienstausfälle kompensieren können. Viele bekannte Eltern können uns nicht verstehen, sind absolut fertig mit dem Kinderkriegen und überhaupt. Finden das Baby süß, keine Frage, aber wollen keines mehr selbst haben. Manche würden wohl noch eines nehmen, aber bekommen wollen sie keines mehr. Ging mir im Grunde ja ähnlich, aber ich habe mich durchgebissen. Und eine Erinnerung an die ganze Sache gleich mit bekommen.
Babyerfahren sind wir mittlerweile und haben auch schon vor Jahren auf eigene Bedürfnisse komplett verzichtet. Daher ist die Umstellung nur minimal, der Schock, den man beim ersten Kind erlebt, ist völlig ausgeblieben.
Was ist anders als Großfamilie? Zwilling 2 schläft nach wie vor saumäßig schlecht, weint, wandert nachts umher, döst ein bisschen bei uns, döst ein bisschen mit Mama bei sich im Bett. Das ist gleich geblieben. Das Baby ist nachts auch wach und trinkt, meckert, schläft dann wieder. Die Schlafprobleme fangen hier später an, so mit dem ersten Zähnchen.
Das Auto musste gewechselt werden. Und nach wie vor mag ich es ungern nutzen, weil es so unpraktisch ist, alle Kinder rein zu schnallen. Gerade für kurze Wege. Das Prozedere fand ich schon mit Minilama nervig und bin daher immer zu Fuß unterwegs gewesen. Mit den Zwillingslamas wars unpraktisch, weil ich nicht beide zusammen tragen konnte, wenn ich dann angekommen war. Und jetzt würde es schon gehen, geht auch bei Regen, mit dem Tragetuch, ist aber umständlich und man braucht immer noch was, wo man das Baby drauflegen kann, wenn man sich um die Zwillingslamas kümmert. So einfach auf den Kitaboden legen finde ich dann doch zu nachlässig. Und die Kinder mal machen lassen mit Baby auf dem Arm, ein romantisches Stilleben mit Säugling – das ist ein schlechter Witz. Hier müssen noch die Kinder davon überzeugt werden, mit heim zu kommen und wehren sich aktiv gegen das Anziehen, laufen weg, matschen mit Wasser, spielen noch rasch etwas, ziehen sich Angezogenes wieder aus usw. Ein Schauspiel für Alt und Jung. Ich schnalle mir dann immer das Baby auf den Bauch und die Softtragetasche vom Kinderwagen auf den Rücken.
Am besten geht es nach wie vor zu Fuß. Die Zwillinge müssen jetzt das Gehen lernen. Die Kondition ist kein Problem, aber das Hören, wenn Gefahr droht, ist ausbaufähig. Und auch das Nichtanfassen von allem, was da so rumliegt, ob Wurm, Kippe, Schnecke, Müll, Kot oder Erbrochenes. Und das nicht Klingeln bei allen Nachbarn, das Nichtklettern auf jede Mauer. Das Nichtwerfen von Steinen aus Vorgärten. Ich bin aber der Meinung, dass ihnen dieser Lernprozess zugemutet werden kann, dass fast dreijährige Kinder mit gesunden Beinen nicht dauerhaft gefahren werden brauchen. Und so braust morgens um 7 Minilama mit dem Roller oder Rad voran und läuft ein Zwilling hinterher während ich den anderen Zwilling und Babylama mit Zwillingswagen schiebe. Und wenn eine gefährliche Ecke kommt, muss der entsprechende Zwilling dann aufs Buggyboard. Ja, bei uns ist das Laufendürfen die Belohnung und das Board oder der Wagen kommt als Bestrafung rüber. Und mittags das Ganze umgekehrt. Es ist ein hartes Stück Arbeit, aber es wird sich auszahlen, da bin ich sicher. Ich sehe es ja bei Minilama. Wie viele Kinder in seinem Alter nur mit Auto oder Buggy bewegt werden und keine Strecke zu Fuß bewältigen können. Auf Dauer keine gute Lösung für mich. Die Antworten sind immer die gleichen „ja, das sind Zwillinge“ und „nein, es ist nicht so viel Arbeit wie ihr schockiertes Gesicht ausdrückt“ und oft auch „Ich habe noch Zwillinge, daher der große Kinderwagen. Ja, die sind grade im Kindergarten. Nein, das ist doch nicht schlimm, ich finde es schön, mit den Kindern. Das Baby ist total gut aufgenommen im Kreis der drei Geschwister. Drei, ja. Minilama fährt übrigens mit dem Roller, der ist in der Kita stehen geblieben. Ja, es sind vier insgesamt. Sieht man mir nicht an, ich weiß. (was das auch immer heißen mag, da ist viel Spielraum möglich) Diese ganzen Kinder, find ich super, es ist ein großer Segen.“

Tipps für ein entspanntes Wochenbett – Großfamilienedition –

Mit jedem Kind bin ich etwas schlauer geworden, was nötig ist für das neue Leben mit Kind. Besonders die erste Zeit nach der Entbindung ist eine emotional extrem aufwühlende und körperlich wie seelisch anstrengende Zeit für die Mütter und fordert den Neugeborenen eine große Anpassungsleistung ab. Auch wenn die Menschen in der Umgebung es gut meinen, reagieren junge Mütter oft gestresst und unausgeglichen.
Meine Erfahrung ist, dass man selbst einiges dafür tun kann, dass die erste Zeit nach der Geburt, in der man anfällig und instabil ist, gut vorübergeht. Ich spreche bewusst nicht davon, dass man eine magische Zeit in der Wochenbetthöhle voller inniger Liebe mit dem Partner und dem Baby erleben kann, wenn man alles nur richtig vorbereitet.

Meine Erfahrung ist eine andere. Ich habe meine Geburten nicht als Manifestation weiblicher Urkräfte erlebt, das Wochenbett nicht als magischen archaischen Moment. Bei einer Hausgeburt wäre ich gestorben, ohne die Hilfe von Ärzten wären meine vier Kinder und ich heute nicht gesund und fröhlich. So sehr ich die Hilfe meiner Hebammen geschätzt habe, weiß ich dennoch, dass ich an vielen Ecken und Enden die Medizin und den Fortschritt unserer Zeit gebraucht habe.

Dass ich so abgeklärt schreibe, ist der Erfahrung von drei Schwangerschaften, Entbindungen und Wochenbetten geschuldet und ein realistischer Blick auf die Wirklichkeit, die mich umgibt. Besonders als ich Minilama bekommen habe, hatte ich mit vielen Enttäuschungen zu kämpfen, die mich fast die Freude an meinem ersten Kind gekostet hätten. Ich habe beispielsweise geglaubt, dass jeder, der nur will, auch stillen kann. Dass ich es nicht konnte traf mich wie ein Donnerschlag. Dass ich absolut nichts für den Fall, dass ich nicht stillen kann, vorbereitet hatte, stürzte Alphalama und mich, beide entkräftet und übernächtigt, überfordert und geschockt über die Erlebnisse der Geburt in eine echte Krise. Natürlich ist das für Menschen außerhalb dieser Situation absolut lächerlich, aber wenn man in der Situation steckt, ist es grenzwertig.

Nach dieser Erfahrung beschloss ich, dass mir das nicht wieder geschehen würde. Ich mag es, mein Leben selbst zu gestalten, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Und dabei verlasse ich mich gern auf mich selbst. Und dann kann ich auch locker damit umgehen, wenn die Hebamme keine Zeit mehr hat, um mir beim Anlegen zu helfen (so passiert bei Minilama), lieber die Fäden einer Geburtsverletzung nicht einkürzen mag, obwohl sie 3 cm rausstehen (auch bei Minilama passiert. Danke an Alphalama, der mir da aus der Not geholfen hat) oder bei einem sekundären Milcheinschuss, den ich morgens bemerkte, erst abends vorbeikommen kann (so passiert bei den Zwillingslamas). Abhängig zu sein und selbst nichts machen zu können, ist ein Ärgernis, in das man sich nicht offenen Auges bringen sollte. Daher habe ich vor allen Entbindungen gewisse Vorbereitungen getroffen, um die erste Zeit, in der ich nicht voll einsatzfähig bin, gut zu überbrücken. Aus meinen Erfahrungen wie dem sekundären Milcheinschuss habe ich gelernt und mich dann entsprechend vorbereitet. Also für den Fall Salbeitee und Pfefferminztee sowie Salbeibonbons gekauft und auch mit in die Klinik genommen. Zur Anregung eines trägen Darms nach der Entbindung habe ich z.B. Milchzucker und die Reste vom hochdosierten Magnesium eingepackt.
Oder für den Fall, dass ich Geburtsverletzungen habe, schon mal zuhause Kamillentee und Müllbeutel bereitgelegt für ein Sitzbad . Oder schon vor der Entbindung eine kleine Kanne neben das WC gestellt, um das Urinieren zu erleichtern nach einer Verletzung. Diese kleinen Dinge hatte ich in den letzten Schwangerschaften entweder vermisst oder mit viel Aufwand und unzähligen Bitten an andere hergerichtet. Besser finde ich es allerdings, die Sachen schon vorab da zu haben. Es gibt nämlich so viel Neues, das bewältigt werden muss, dass man froh ist um alles, was da und gemacht ist.

Schon vor dem offiziellen Mutterschutz rate ich dazu, jeden Tag eine Sache für’s Baby zu erledigen. Nicht alles davon ist so schön wie shoppen und Kleidung falten. Aber auch das muss unbedingt gemacht werden. Besonders, wenn man schon Kinder hat. Da hat der Papa nämlich wenig bis keine Zeit für die Wöchnerin, da er mit dem großen Nachwuchs beschäftigt ist. Und auch weder Lust noch Kraft was zu trinken anzureichen oder eine Decke zu bringen oder das Kissen richtig zu legen. Die Wirklichkeit sieht leider genau so aus. Nichts mit Wochenbetthöhle und 6 Wochen verwöhnt werden. Zumindest nicht in der Art, dass man behandelt wird wie eine Prinzessin, eher in der Art, dass die anderen Kinder zufrieden und fröhlich, satt und sauber sind.
Hier gilt also: selbst ist die Frau, die sich gut vorbereitet haben sollte und außerdem sollte man den Besuch direkt einspannen à la „bitte bring mir eine Trinkflasche voll mit Salbeitee, gut durchgezogen an die Couch auf der ich vor Schmerzen zusammengerollt lagere.“
Das habe ich mit jeder Entbindung besser hinbekommen.

Was empfehle ich also?

Vor der Entbindung

Grundsätzlich: Jeden Tag eine Sache erledigen, die man auf einer Liste notiert hat – wenn das Baby also unerwartet früher kommt oder man liegen muss, kann man von dieser Liste die Aufgaben delegieren.

Beispiele sind :
Alles fürs Baby vorbereiten wie Windeln kaufen gehen, Babykleidung kaufen bzw. waschen, Kinderzimmer einrichten, Bettchen beziehen, Wickelplatz herrichten, Pre-Nahrung kaufen, Fläschchen spülen, Sauger kaufen

Alles für die Geburt und die Zeit in der Klinik vorbereiten: Kliniktasche packen, dicke Binden einkaufen, große Unterhosen rauslegen, Kleidung, die eine Nummer zu groß ist, rauslegen, Kleidung für den Fotographentermin rauslegen, fürs Baby und die Geschwister, (wenn man das machen will) Geschwistergeschenke kaufen und einpacken.

Alles für die Versorgung zuhause und den reibungslosen Ablauf des Alltags vorbereiten: Großeinkauf machen, eventuell vorkochen und die Kühltruhe erst ausräumen, säubern, neu und sortiert einräumen, befüllen. Das bietet sich besonders dann an, wenn man mit dem Essen eher speziell ist und die guten Kohlrouladen der Schwiegermutter zwar der Familie gern erwärmt, aber selbst nicht mag. Zettel schreiben, die erklären, was wo in die Schränke kommt, was wohin geräumt wird, wann gespült wurde. So kann auch jemand Externes mal eben die Spülmaschine ausräumen ohne für jedes Glas fragen zu kommen oder absolutes Chaos zu hinterlassen. Beim Einkaufen an Dinge wie Klopapier, Tempos, Spüli, Waschmittel, Zahnpasta, Spülmaschinentabs usw. denken. Dieser Mist geht einem nämlich gern aus, wenn man völlig anämisch nach der Geburt zuhause herumhängt und sich beispielsweise einfach nur die Zähne putzen mag oder den Geruch vom Fruchtwasser aus seiner Bettwäsche spülen will. Hier macht es Sinn, sich über Bringservices zu informieren. Viele Geschäfte versenden mittlerweile und ermöglichen damit auch das Weiterführen des Haushaltes, wenn man nicht mehr gut tragen kann.

Alles für die Aufrechterhaltung der finanziellen Unabhängigkeit vorbereiten, sprich Anträge ausfüllen fürs Kindergeld, das Elterngeld, den Krippenplatz usw. Man kann 95 Prozent davon schon vor der Geburt fertig machen und dann nach der Geburt Name, Geburtsort und Geburtsdatum eintragen. Auf Briefe an den Dienstgeber kann man aber auch schreiben „wie Sie der Geburtsurkunde entnehmen können“ und muss später gar nichts mehr von den unbekannten Daten eintragen. Dann legt man frankierte und adressierte Umschläge dazu, damit der Mann sobald er die Geburtsurkunden abgeholt hat, schon 2 Tage nach der Entbindung alles auf die Post bringen kann. Vorteil: früher Poststempel = frühe Bearbeitung und eventuell eine Anschlusszahlung nach dem Mutterschaftsgeld.

Alles für die medizinische Versorgung des Kindes vorbereiten: Bei der Krankenkasse anrufen und Anträge auf Familienversicherung stellen, auch hier, alles vorbereiten und vormerken lassen. Lieber öfter anrufen, bis man alles auch richtig verstanden hat mit Mutterschaftsgeld, Krankenkarte usw.

Allgemeine Ordnung wahren: Schön wäre es auch, bis zum Schluss eine einigermaßen ordentliche Wohnung zu haben, also regelmäßig Wäsche zu waschen, zu bügeln, zu wischen. Nach allen Entbindungen war mir Sauberkeit und Ordnung extrem wichtig und gerade bei Minilama hatte ich da viel zu wenig getan – musste also nach der Geburt in eine Wohnung zurückkehren, wo sich die Wäsche getürmt hat und die Klos nicht sauber genug für meine (neu entstandenen) Ansprüche waren. Ist mir danach nicht wieder passiert.

Allgemein: Wünsche kommunizieren, breit streuen. Also nicht nur dem Papa sagen, dass es einem wichtig ist, wenn täglich der Bindeneimer geleert wird, sondern auch ruhig der Mutter oder Schwiegermutter dieses Bedürfnis mitteilen. Steigert die Wahrscheinlichkeit, dass man es nicht selbst machen wird.

Nach der Entbindung (engeres Wochenbett in der Klinik)
Neben dem Ausruhen und dem Kennenlernen des Babies sollte man schon am ersten Tag den Papa das Baby anmelden schicken und in einem Aufwasch alle Anträge mit Geburtsurkunden und Vorname sowie Geburtsdatum versehen lassen und ab zur Post.

In der Klinik macht es nach den ersten Tagen Ruhe und Ausruhen Sinn online das zu bestellen, was noch fehlt (ob es Windeln, Sauger, Kleidung oder Babynahrung bzw. Cremes sind oder auch Kleidung, die man trotz Kaiserschnittnarbe anziehen kann. Das habe ich dieses Mal besonders intensiv machen müssen, da Babylama 2,5 Wochen vor dem Termin unerwartet zur Welt kam und es zudem noch extrem kalt war. Ich hatte weder Kleidung, die sich mit der Narbe vertrug noch Babykleidung für die starken Minusgrade. Als ich nach Hause kam nach 6 Tagen war das meiste schon per Post eingetrudelt.

Nach der Geburt sollte man besonders gesund und ausgewogen essen, auch weil der Darm ohnehin sehr träge ist. Das Klinikessen ist meistens absolut ungeeignet dafür, oft kriegt man Blähendes angeboten, was ja für das Stillen nicht optimal ist. Das ist eine doofe Konstellation, man muss versuchen das Beste draus zu machen. Ich habe zudem versucht, nicht zu viel Kalorienreiches zu mümmeln und die Damen von der Essensbestellung nach Obsttellern oder einem extra Salat und nach Körnerbrot gefragt.

In den Kliniken, in denen ich entbunden habe, kam immer 1 Tag nach der Geburt ein Physiotherapeut ans Bett, um erste Rückbildungsübungen zu zeigen. Die habe ich im engeren Wochenbett sehr regelmäßig wiederholt und auch bis zum Beginn des Kurses nach 8 Wochen immer wieder gemacht. Auf Organsenkungen und Inkontinenz habe ich nämlich keine Lust und die Übungen sind keine Hexerei.

Alles notieren, was daheim noch gerichtet werden muss für die Ankunft des Babies und dem Papa durchgeben. Dann kann er abends noch das eine oder andere vorbereiten oder bestellen und die Couch sieht schon so aus, wie man es sich vorstellt.

Mein heißer Tipp: Mindestens einen Tag länger in der Klinik bleiben als man Lust dazu hat. Daheim ist man noch lange genug und so viel Ruhe wie im Krankenhaus hat man nie wieder. Außerdem hat man dann eventuell zuhause weniger Ärger. Wäre ich beispielsweise sonntags heim gegangen, wären wir montags zur Bilirubinwertnachkontrolle wieder in der Klinik erwartet worden und ich hätte selbst wieder hin gemusst wegen des sekundären Milcheinschusses. Montags bei der Entlassung war dann das Gelbsuchtthema erledigt und ich hatte meine Abstillmedikamente in der Tasche. Außerderm waren die Großen in der Kita und ich konnte in Ruhe zuhause ankommen. Das fand ich auch super.

Erweitertes Wochenbett

Dem Vitaminhaushalt und den Eisenspeichern mit Ergänzungsmitteln auf die Sprünge helfen.

Sich Hilfe im Haushalt organisieren. (Putzfrau, Verwandte, bei medizinischen Notsituationen: Haushaltshilfe über die Krankenkasse)

Alles, was möglich ist, per Kurier nach Hause liefern lassen. (Amazon, DM, Bioabokiste, Mittagessen im Glas usw.). Vereinbaren, dass man, wenn möglich, nur die Tür aufdrückt und die Boten alles ablegen. Außerdem – wenn nicht schon geschehen – einen Vorrat anlegen an Dingen, die man immer braucht (Ob es Spüli, Shampoo oder Tempos sind)

Mehrmals täglich mit dem Kind an die frische Luft gehen, um wieder auf die Beine zu kommen. Ohne Verpflichtung dabei. Wenn man mag und ein Ziel braucht: einen Minieinkauf erledigen, aber wirklich mini. Mit der Zeit das Tempo und die Streckenlänge steigern.

Langsam wieder in den Alltag einsteigen, Stück für Stück wieder den Haushalt erledigen. Die Mär, dass die Mama schlafen soll, wenn das Kind schläft, ist natürlich Unsinn mit mehreren Kindern. Der Haushalt ist ja einfach da. Die Familiendinge auch. Die Waldtage und Kindergeburtstage finden statt, Geld für Puppentheater und Läufe will gezahlt werden, Sport- und Musikkurse laufen weiter. Die Kinder wollen morgens ein Brot mit in die Kita nehmen, brauchen Wechselkleidung und Windeln. Daher ist es schon gut, wenn man noch externe Hilfe hat (siehe oben) und auch, wenn man den Haushalt allgemein straff organisiert, Ordnung hält, sich selbst nicht zu viel Arbeit macht (Beispiel Socken bügeln). Extern heißt für mich, dass der Papa damit nicht belastet wird. Der hat mit Arbeiten gehen und Kinder abholen und zu den Freizeitsachen bringen schon genug zu tun.

Sonst noch auf der Agenda:

Gesund essen

Rückbildungsübungen regelmäßig machen

Die Taufe vorbereiten: (Taufeinladungen drucken lassen, Taufdeko überlegen, Taufanmeldung machen)

Danksagungen drucken lassen

Sich um einen Rückbildungskurs kümmern

Anmeldungen fürs Babyschwimmen, Pekip, die Krabbelgruppe machen.

Je nach Wohnort: Kitaanmeldung!!!

Wer noch Ergänzungen hat: gerne her damit