1000 Fragen an mich selbst – #29

Seit ich bei bei Frau Frische Brise die Reihe „1000 Fragen an mich selbst“gesehen habe, überlege ich, ob ich nicht mitmachen soll. Und ja, ich habe Lust. Daher steige ich jetzt etwas verspätet ein. Wer sich für die Hintergründe usw. interessiert, hier entlang.
561. Bedauerst du etwas?
Dass ich mich oft zu klein mache.
562. Welchen Zeichentrickfilm magst du am liebsten?
Duck Tales
563. Was würdest du deinem Kind gern fürs Leben mitgeben?
Wurzeln und Flügel
564. Welches Buch hast du in letzter Zeit mit einem tiefen Seufzer zugeklappt?
PS Ich liebe dich
565. Würdest du gern wieder in einer Zeit ohne Internet leben?
Nein. Das war keine schöne Zeit.
566. Wann hast du zuletzt ein Bild ausgemalt?
Letzte Woche mit den Kindern.
567. Wer war deine Jugendliebe?
Wir hier nicht verraten :)
568. Für wen hast du zuletzt Luftballons aufgeblasen?
Für Minilama
569. Wie würden andere Personen deine Wohnung beschreiben?
Familienwohnung
570. Mit wem stöberst du am liebsten in Erinnerungen?
Mit mir selbst
571. Wie viele Stunden am Tag verbringst du vor dem Computer?
1-2
572. Verschweigst du deinem Partner manchmal Sachen, die du gekauft hast?
Nein. Ich hätte aber auch nichts zu beichten, denn ich bezahle meine Dinge von meinem eigenen Geld.
573. Wen oder was benutzt du als Ausrede, um etwas nicht machen zu müssen?
Die Kinder, auch wenn die super lieb sind
574. Gehst du gern ins Kino?
Ja, sehr gerne.
575. Wie grosszügig bist du?
So mittel. Von nichts kommt aber auch nichts.
576. Was versucht du zu vermeiden, weil du Angst hast?
Ich versuche mich meinen Ängsten immer zu stellen.
577. Was ist deine neueste harmlose Leidenschaft?
Den Spiegel lesen
578. Was würdest du auf dem roten Teppich tragen?
Ein maßgeschneidertes Abendkleid.
579. Wie geht es dir wirklich?
Das halte ich zwischen meinem Gott und mir.
580. Worauf hast du zuletzt schweren Herzens mit Nein geantwortet?
Auf die Frage, ob meine Promotion fertig ist.

Hier so: Wackelzahnpubertät, Trotzphase mal zwei und Zahnungsschmerzen

Üblicherweise pflege ich zu sagen, dass ich hart im Nehmen bin, weil ich die Zwillinge ohne Schmerzmittel spontan zur Welt gebracht habe oder weil mein erstes Kind ein Schreibaby war. Und ich gebe auch zu verstehen, dass ich der Meinung bin, dass die Zwillinge nur weil sie zu zweit sind auf Nichts verzichten müssen, was ein Einling so bekommt (Ausnahme ist leider der Musikkurs) und laufe deshalb manchmal auch drei mal am Tag in die Kita und zurück, wenn nötig. Ich gehe auch mit allen vier Kindern zu Fuß zur Kita, weil ich es einem Einzelkind auch gönnen würde. Minilama istein sehr wissbegieriges Kind und wird von uns umfassend gefördert. Die Folge: Das Kind hat mehr Hobbies als Einzelkinder in seinem Alter, zu denen ich es jedes Mal zu Fuß bringe und abhole, trotz Vollzeitstelle bzw. Elternzeit mit Baby. Die Zwillinge gehen zum Kinderturnen mit Eltern, wohin wir Eltern sie jede Woche begleiten. Wenn es nicht anders geht, gehe ich aber auch alleine hin und turne mit ihnen – mit dem Baby in der Trage. Wie gesagt: Ich bin hart im Nehmen. Ich wickele die Kinder im Stehen am Wegesrand, ich putze das komplette Bad, weil ein Stinkerunfall passiert ist, ich habe das Fieberthermometer immer in der Handtasche, ich schiebe mit einer Hand den Kinderwagen, gebe mit der anderen Hand den Zwillingen die Hand. Meine Kinder werden auch unterwegs mit Sonnenmilch nachgecremt und wir leeren zur Not auch drei Mal auf dem Heimweg die Schuhe aus, weil Steine drinnen sind. Wir fahren ein Mal in der Woche mit allen ins Hallenbad, wir backen viel, ich koche täglich frisches, warmes Essen, wir sind immer draußen unterwegs. Die Kinder stehen spätestens um 6 Uhr morgens auf, schlafen aber schlecht und spät ein. Wie gesagt: Man muss mich nicht bemitleiden, ist schon ok wie es ist.

Aber im Moment muss ich echt sagen, sind die Grenzen etwas verschoben. Minilama ist fast Vorschulkind und entsprechend gestimmt. Es ist unheimlich selbstbewusst, sehr willensstark und oft in Meckerlaune. Außerdem will es dies und das nicht und aufs Tischdecken oder Gläser holen hat es keine Lust. Und das letzte Wort will es auch immer haben. Aber es zieht sich selbst an und aus, fönt, kämmt die Haare, macht sich ein Brot, beschäftigt sich selbst, kommt unheimlich oft ohne besonderen Grund zum Schmusen zu uns Eltern.
Die Zwillinge sind in der Trotzphase angekommen, so richtig. Mit auf den Boden werfen und schreien, mit Brüllen und Trampeln, vor allem mit Herumschreien. Und mit nein brüllen. Und mit nicht Einschlafen wollen, anstelle dessen dauernd aufstehen und durchs Haus düsen. Mit nachts ins Elternbett kommen, um dort zu rotieren und der Mama in den Rücken treten. Mit Weglaufen an der Straße und mit Kunstschwalben machen. Mit Tee verkippen und mit den Händen reinschlagen, dass es bis ans Fenster spritzt. Mit Schubsen, beißen und hauen und vor allem mit Brüllen und Schreien. Das vor allen. Das bringt mich an die Grenze, diese ständige Rumheulen und ich weiß auch oft nicht, ob wirklich was ist (Krankheit, Verletzung) oder ob es „nur“ die Unzufriedenheit ist, weil etwas nicht geklappt hat wie es soll. Die Zwillinge zeigen Reifenanzeichen fürs Sauberwerden, wollen vieles selbst machen, ziehen sich auch immer mehr selbst an, finden Orte für sich und beschäftigen sich immer länger selbst. Bis das ganze implodiert und sie eine ganze Rolle Klopapier in die Toilette werfen und abspülen wollen. Manchmal waschen sie aber auch aus freien Stücken ganz liebe die Hände. Man weiß es vorher nicht.

Babylama ist ein top Baby. So süß und so niedlich, dass wir alle ganz vernarrt sind. Freundlich und geduldig. Ist ja auch nötig als viertes Kind, dankbar und leicht zu handeln. Außer natürlich, wenn das Näschen verstopft ist (absolutes Chaos) oder wenn die Zähne zur Qual werden. Dann zeigt das Kind, was in ihm steckt. Und da wirds auch brenzlig für die Mama.
Aktuell haben alle vier längere Phasen von Wackelzahnpubertät (besonders ätzend ist das Rechthaberische in dieser Zeit – ich will doch das letzte Wort haben…), Trotzphase („Mama Hand““, Papa Arm“, „nein“, „ich will“, „Papa zudecken“ „nicht schlafen“ „selba“ und „wäääääähhhhh“) und Zahnweh („ich bin nur noch Schmerz und keiner kümmert sich“ „ihr macht das ganz falsch, ganz falsch“- wääähhhh), gerne alles zur gleichen Zeit: Da fährt Minilama mit dem Rad vor, da läuft Zwilling 1 hinterher, da hat Zwilling 2 Steine im Schuh, will aber nicht die Schuhe slbst ausziehen („Mama, du“), Babylama hat Hunger („Eben wollte ich nichts, aber jetzt WILL ich SOFORT“. Aber nicht so, anders. wäähh“), die Hose voll („Die Welt geht unter, die Welt geht unter, alles ist am Ende, wääähhh“) und Lamasus will 1. dass Minilama bitte an dem Zebrastreifen wartet, 2. dass Zwilling 1 stehen bleibt, und zwar sofort, verdammt noch mal, denn da kommt ein Auto durch die 30er Zone geflogen, 3. dass Zwilling 2 seine Schuhe selbst an und auszieht, wenigstens einen und 4. Ruhe haben, um das Baby adäquat auf den Arm nehmen und füttern zu können. Nur leider geht das grade nicht. Schön wäre es daher,wenn das Baby sich kurz ablenken ließe, vor allem da es doch vor weniger als 5 Minuten in Ruhe die Flaschen angeboten bekam, als wir noch zuhause waren und der Durst doch nicht soo lebensbedrohlich sein kann.
Anstelle dessen plagen mich diffuse Blasenschmerzen (reiner Stressschmerz), Kopfschmerz (da ich nichts  getrunken habe,wird es am Schlafmangel liegen) und Druckkopfschmerz (Lautstärkepegel) und leichte Herzschmerzen, weil ich echt Angst um Zwilling 1 und eine große Wut auf „mir kann nichts was anhaben und ich muss daher auf Mamas Geschwätz gar nichts geben“ Minilama“ habe.
Ich denke oft, dass ich wirklich nicht mehr kann. Ich will dann auch schon was länger nicht mehr. Meckere doll rum, drohe irgend einen Mist an. Nicht die Mama, die ich sein will für Kinder, die auch nicht wirklich sind, wie sie sich grade geben. Geballte Ladung so kurz vor den Ferien.

Ich frage mich, ob ich nicht einfach überfordert bin, mehr Kinder habe als ich stemmen kann, ob es nicht alles ganz falsch war mit meinem Lebenswunsch. Ob ich nicht einfach besser jetzt schon Dr. habil. wäre und irgendwo mit Alphalama herumjetten sollte. Dieser scheiß Gedanke, dass man überfordert ist und es nicht hinbekommt, nicht allen gerecht wird. Zu viel meckert, zu wenig zugewandt, zu wenig bedürfnisorientiert erzieht (und dann auch noch nicht gestillt hat – ja das kommt dann auch gerne noch dazu)zu wenig auf die Kinder eingeht, also auf ihr Wesen und zu viel Feuerwehr sein muss, weil die Kinder nicht gut erzogen sind. Wobei: Beziehung ist doch besser als Erziehung (oder wie war das?) – nur leider klappt das auch nicht, wenn die Kinder in ihrer Phase gefangen sind.
Und dann ruft die Kita während der Rückbildung an, weil Zwilling 1 einen doofen Kitaunfall hatte und sie befürchten, dass die Beule am Auge noch aufgeht, weil sie übel, übel geschwollen ist.  Und ich? Brauche 7 Minuten von der Rückbildung (wo wir uns komplett eingerichtet hatten) bis in die Kita mit Babylama auf dem Arm, Arzttermin war schon gemacht als ich in der Kita ankam, alles läuft wie vom Band. So schlecht kann ich dann doch nicht sein, denk ich mir, wenn es mal grade kurz ruhig ist. Aber es ist grade echt richtig hart, richtig, richtig hart. Noch zwei Wochen bis zu den Ferien. Und die Zwillingslamas werden umgewöhnt.

Rückbildungsgymnastik – eine Nachwehe der Entbindung

Ich bin aktuell mitten in der dritten Rückbildungsgymnastikphase. Ich mache bei den Kursen mit und stelle sie nicht grundsätzlich in Frage, wie man ja im Grunde alles was mit der Reproduktion in Zusammenhang steht in Frage stellen kann (natürliche Geburt, Stillen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Screenings, Fluorgabe usw. usw.)
Da die Kassen es flächendeckend zahlen, wird es sich für sie schon lohnen und insofern einen Sinn haben, denke ich mir. Und außerdem habe ich einfach keine Lust mehr, alles zu überdenken, alles in Frage zu stellen. Das macht junge Mütter total wahnsinnig. Wenn sie dann nach natürlicher Geburt stillend und impfverweigernd daheim sitzen und dem Kind ständig Globuli einwerfen, also so richtig auf Linie sind, dann kommen schon die neuen Sachen, wie die Frage, ob das Kind motorisch auch auf dem Laufenden ist und ob man nicht noch mal zum Osteopathen sollte oder sonstwas. Ich habe den Scheiß (sorry) so weit ich konnte und bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe (außer den Globulikram, da mache ich grundsätzlich nicht mit) beim ersten Kind mitgemacht und bin seither kuriert. Ich nehme die Sache wie sie ein Mann nehmen würde und weiß: Mein Kind /Kinder ist OK wie es ist, es entwickelt sich normal und wenn nicht, wird das auffallen und von einem Arzt entsprechend weiter behandelt. Aber die Grundannahme ist erstmal die, das alles OK ist und ich nicht aufwändig eingreifen muss. Das entspannt sehr.
Ich mache also Rückbildungsgymnastik und das auch nach dem Kaiserschnitt, wenngleich die Mär geht, dass ein Kaiserschnitt die Beckenbodenmuskulatur gar nicht belastet.
Es ist kein Wunderprogramm, das schlaffe Bäuche und Busen wieder schlagartig schön aussehen lässt, sondern ein funktionales Training für einen normalerweise unberücksichtigten Muskel. Alles andere muss man natürlich in seiner Freizeit selbst  machen. Das darf man nicht vergessen, wenn man seine Erwartungen an die Veranstaltung formuliert. Traumfigur und nette Mamis treffen ist defintiv nicht im Rahmen des Erwartbaren. Auch ein gemütliches „Hebi“-Feeling stellt sich nicht ein (wobei ich das auch noch nie hatte, wahrscheinlich, weil ich Globuli und Naturgedöns nichts abgewinnen kann und außerdem ja nicht stille.)
Und je mehr Kinder man hat, fällt auch der Effekt der Abwechslung im Babyalltag flach. Ich empfinde es als eine Pflicht für meine Gesundheit, ich trainiere darüber hinaus aber noch täglich 20 Minuten zuhause den Beckenboden. Durch den Hebammenmangel sind zunehmend mehr Frauen in den Kursen, letzte Woche waren es 25, teils mit Säugling in einem kleinen Raum, der so für 10 Leute ausgelegt ist. Da wird nicht nach dem Einzelnen geschaut und die Mamas kennen sich entweder schon vorher oder eben nicht. Ich bleibe beim zweiten und habe öfters auch einen Spiegel zum Lesen dabei. Besonders, da von 60 veranschlagten Minuten 5 mit Warten auf die Kursleiterin, 5 mit Aufbauen, 10 mit Warten bis alle eingetragen sind und 5 mit dem Erfassen neuer Mamas verplant sind. „Dann turnen wir heute schneller“ so die Hebamme.

Beim ersten und jetzigen Kurs war ich in einer Gruppe, die vormittags mit Kind angeboten wurde, bei den Zwillingen ging ich nachmittags ohne Kind, da meine Mama kam und mich unterstützt hat. Der Nachmittagskurs war ein geschlossener Kurs, die anderen beiden offene Kurse.

Mit Minilama war es meine einzige Unternehmung in der Woche, jetzt ist es einer von vielen Terminen. Ich muss in den Nachbarort fahren, in ein Nebengebäude der Klinik, in der Minilama aus mir rausgeprügelt wurde. Seit ich einen Schleichweg gefunden habe, der mich die Klinik umfahren lässt, klappt es besser für mich. Die Berichte anderer Mamas deren Kinder dort zur Welt kamen bestärken mich leider in meiner Beurteilung der medizinischen Kompetenz in dem Haus. Schade, dass ich das vor 5 Jahren nicht wusste.
Mit den anderen Kindern bin ich so gut wie nie (Minilama, vielleicht 5 Mal) und noch seltener (insgesamt gesichert 3 Mal, jedes Mal weil Minilama krank war oder ich zu Alphalama ins Krankenhaus musste) im ersten Lebensjahr alleine mit dem Auto  gefahren. Mit Babylama fahre ich 3 mal in der Woche zu Terminen. Aber gerne mache ich es nicht. Ich finde es auch total umständlich mit der Babyschale und der Umpackerei ins und aus dem Auto. Und da ich es ja nie mache wie alle anderen, ist auch das wieder kompliziert. Ich trage nämlich nie ein Baby in der Babyschale. Ich fahre mit dem Kinderwagen ans Auto, und trage dann mit der Babytrage in den Ort des Geschehens. Eine Wickeltasche nehme ich keine mit, sondern meinen Arbeitsrucksack. Und da ich nicht stille muss ich zur „Strafe“ einiges an Zeugs mitnehmen. Und da ich keine Pampers nutze und auch keine Feuchttücher und sonst nichts, was für den Mülleimer ist, habe ich auch hier einiges zu tragen.

Was man braucht fürs Baby

  • Wechselkleidung
  • Windeln
  • Feuchttücher oder Äquivalent
  • Müllbeutel / Windelbeutel (in diesen Kursstätten darf man oft seine Windeln nicht wegwerfen)
  • eine Decke, auf die man das Baby legen kann
  • Nahrung, Fläschchen und Wasser fürs Baby
  • ein Spucktuch
  • eine Wickelunterlage
  • viele haben noch was zum Spielen dabei, ich bin da aber kein Fan von, weil man dann noch was zusätzlich dabei hat, was man auch noch waschen muss.

Was im Kurs war, wasche ich hinterher

Was ich für mich brauche

  • Sportkleidung, am besten mit langen Beinen und mit Armen, sodass man auch schlecht rasiert nicht auffällt. Ich trage eine weite Jogginghose (bzw. die Jogginghose, die ich schon in der Schule hatte und ein Kurzarmshirt aus diesem Synthetikstoff, in dem man nicht so schwitzt). Das sieht sportlich aus und fällt alles leger. Finde ich besonders in Zeiten, wo man den Körper nicht so ideal findet, eine gute Idee.
  • zueinander passende, intakte Socken, am besten etwas höher, sodass schlecht rasierte Beine nicht auffallen. (Ja, das ist für mich als dunkler Typ, der nicht mehr als 2 Minuten unter der Dusche Zeit hat, ein großes Thema) ich habe mir 5 Paar neu gekauft und im Rucksack gelagert, da es mich nervt in der Öffentlichkeit kaputte Socken zu tragen
  • Handtuch
  • Was zu trinken
  • Haargummi (besonders ab dem 4. Monat nach der Geburt, wenn der Haarausfall so richtig losgeht.

Ich bin dazu übergegangen, meine Tasche vorzupacken, dann geht es einfacher.

Es machen zwei Hebammen im Wechsel, beide spulen aufs Wort genau ihr Programm immer und immer wieder ab. Es macht Sinn, sie mal abzugrätschen (wobei die eine nicht ansprechbar ist), um nach der Rektusdiastase zu sehen, damit man weiß, welche Übungen man machen darf. Aber ich erlebe das oft als Mainstreamprogramm für junge Erstlingsmamas, die keine Probleme haben. Wer einen schwachen Beckenboden hat, wird über diesen Mumpitz hinaus noch weitere Hilfen brauchen, da bin ich mir sicher.
Außerdem muss man selbst schauen, dass man keine Übungen macht, bei denen Zug auf die Bauchmuskeln kommt, denn es gibt auch Hebammen, die das eine sagen und dann krasse Bauchmuskelübungen machen.
Man darf die Rückbildungsneigung des Körpers nicht unterschätzen. Er will wieder zurück in Form kommen, da darf man 10 oder 20 Wochen nach der Geburt getrost den Bauch etwas schonen. Ich habe mit wirklich lockerer Gymnastik und einem leichten Kaloriendefizit plus viel, aber langsamer Bewegung mit Kinderwagen an der frischen Luft schon wenige Monate nach der Geburt die lästigen überschüssigen Kilos wieder los gehabt und das Becken hat sich auch wieder zusammengeschoben, sodass die Jeans wieder zugehen. Wenngleich die Narbe noch immer zwickt bei Hosen.
Wichtig ist es ohnehin täglich was für den Beckenboden zu machen, an der Ampel, im Auto, beim Kochen oder wann auch immer. Und zu hoffen, dass das reicht und man in den Wechseljahren nicht noch zu allem Elend noch inkontinent ist…

Asozial ist man nicht, asozial verhält man sich

Seit wir vier Kinder haben, denke ich wieder öfters darüber nach, wer eigentlich dazu gehört, wer am Rand der Gesellschaft steht und wie und durch wen das festgelegt wird.
Dieses „am Rand stehen“ ist etwas, das ich leider sehr gut kenne. Meine Eltern haben sich Anfang der 90er Jahre getrennt und wenn ich darüber spreche, was ich nur äußerst selten tue, füge ich stets hinzu, dass dies in meiner Heimat damals eine Zeit was, in der es noch unüblich, anstößig und assi war, sich zu trennen.
In meinem Umfeld waren alle Eltern noch zusammen, nur meine nicht. Und ich weiß nicht, wieso, aber diese Leerstelle „Vater“ war nie zu schließen. Auch wenn die anderen Väter absolut nichts taten, was direkten Einfluss auf ihre Söhne und Töchter hatte (außer Geld verdienen) war ein Leben mit Vater so viel normaler, so viel geordneter, so viel sicherer und so viel was weiß ich nicht alles
Ganz im Ernst: Ich bin irgendwie froh, dass es heute schon normaler ist, ohne Vater aufzuwachsen als vor 25 Jahren. Nicht weil das so klasse ist, sondern weil es im Gegenteil so schwierig ist, dass man die  mitleidigen und gleichzeitig herablassenden Reaktionen anderer nicht noch zusätzlich braucht.
Eine meiner Stärken, die es mir im Leben schwerer macht als nötig ist, dass ich ein feines Gespür für unterschwellige Stimmungen habe, von denen die meisten gar nichts mitbekommen. Ich habe eine so feine Nase für Atmosphärisches, dass ich es an manchen Orten kaum aushalten kann, an denen aber objektiv keinem ein Leid geschieht.
So erinnere ich mich noch deutlich an die echte Stimmung die herrschte, als eine Klassenkameradin mich vor anderen in Schutz nahm mit den Worten „da kann sie ja nichts für“ – weil ich mit unrasierten Beinen beim Schulsport unterwegs war und so gar nicht wusste, dass man sich seine Beine rasieren muss. Da war aber gar nichts Nettes dabei, im Gegenteil. Es war bodyshaming vom Allerfeinsten. Als sehr dunkler Typ habe ich mit Körperbehaarung zu kämpfen. Und habe dafür schon so gut wie jede Häme abbekommen, die man sich vorstellen kann.
Ich erinnere mich auch noch daran, wie ein Mitschülerin in der Oberstufe zu mir kam und sagte, dass sie das Abschlussballvideo nochmal angeschaut habe. Und dass ich auch drauf gewesen wäre. Mehr war nicht nötig. Es hat schallend geknallt in meinem Kopf so als hätte ich die Ohrfeige meines Lebens bekommen. Beim Abschlussball waren nämlich die Väter nötig für einen Vater-Tochter Tanz. Im Nachhinein haben die Mädchen oft gar nicht mit ihren Vätern getanzt (wie schon gesagt, außer Anwesenheit haben die meisten Väter meiner Jugend nichts gemacht), weil die eben nicht tanzen, so grundsätzlich nicht. Ich allerdings bin total ausgeflippt als es hieß, wir bräuchten den Vater für den Abend. Meine Mutter hat einen meiner Onkel gefragt, ob er mitkommt. Meine Tante kam dann auch mit. Egal. Im Endeffekt stand ich beim Eröffnungstanz mitten auf der Tanzfläche und wir waren eine ungerade Anzahl an Tanzschülern. Was mir bis zu diesem Moment nicht klar gewesen war. Scheinbar gibt es davon allerdings ein Video. Auf dem meine entgleisenden Gesichtszüge zu sehen sind, meine Überforderung, meine Scham. Und dann zwei Jahre danach war es wieder Thema. Nachmittags im Lateinunterricht.
Ich habe als Jugendliche nie etwas getan, was wirklich falsch war, definitiv nicht. Ich habe niemandem etwas Unrechtes oder Böses angetan.
Mein Fehler war, dass ich ehrgeizig war und alles tat, um eines Tages diesen Ort verlassen zu können. Dafür habe ich viel Leiden erleben und viel verbale Gewalt einstecken müssen, bin geschubst worden, bekam täglich morgens im Bus ein Beinchen gestellt (bin auch öfters mal voll drüber gefallen), wurde für jede mittelmäßige Note mit Häme und Genugtuung überschüttet und im Sportunterricht, dem einzigen Fach, in dem ich schlechter als Note 2 war systematisch runtergemacht, sodass ich am Wochenanfang schon Angst vor den Sportstunden hatte. Wichtig oder wertvoll war ich für keinen. ich hatte natürlich auch Freunde, aber für die war ich eine unter vielen oder auch die, die im Fach xy weiterhalf.
Meine Mutter hat ihr Bestes getan, um mir beizustehen, aber auch ihre Grenze gemerkt. Denn bei den Lehrern war im Grunde das zentrale Thema das Fehlen des Vaters. Daraus erklärte sich mein Ehrgeiz und meine fehlende soziale Einbindung. (Heute würde ich das victim blaming nennen und wenn ich es mitbekäme an einer Schule, an der ich unterwegs bin, den Aufstand des Jahrhunderts machen. Mein Beruf ermöglicht mir auch genau das zu tun.)
Irgendwann war es einfach zuende. Und zwischendrin habe ich Strategien entwickelt damit umzugehen. Habe im Turnunterricht die Leistung verweigert. Und so die gleiche Note bekommen, wie wenn ich mich vor der gesamten Klasse blamiert hätte. Habe mir meine Nische gesucht, immer mehr Kontakt zu mir selbst bekommen. Meine Defizite nicht benannt, das viele Gute wichtiger genommen und lange Turnhosen und lange Oberteile angezogen. Vom Nachhilfe- und Zeitungsgeld Markenkleidung gekauft und Schulmaterial. Und bin einen Tag nach dem Abi ins Ausland gegangen und nicht wieder wirklich nach Hause zurückgekehrt.
Was ist geblieben? Das Wissen, wie es ist, im Grunde nicht dazu zugehören. Die Angst, immer nur geduldet, nur toleriert zu sein. Die Sorge, dass andere mich erneut so offen ablehnen, wie früher ohne dass ich eine Chance habe, dass es besser wird.
Wer legt fest, wer draußen ist? In meiner Jugend war draußen, wer anders war. So einfach war das.
Im Studium kam ich dann an einen Ort, wo alle ein bisschen so waren wie ich. Und scheiße war das geil. Ich war tatsächlich die Vorsitzende in unserem AStA. Ich, die keine 30 Stimmen bei der Wahl zum Mittelstufensprecher bekommen hatte. (die sechs Jahrgangsstufen mit vier Klassen à 30 Leute umfasst) Die Unsicherheit kommt allerdings immer wieder. Wenn ich meine Blase verlasse. Muss manchmal auch sein, durch die Kinder vor allem. Und da gibt es so fiese Mamabullies. Irre. Welche, die mich nicht grüßen, wenn ich grüße. In einem vollen Raum natürlich. Damit es auffällt und zurückknallt wie eine Ohrfeige. Welche, die nur meine Kinder ansprechen, aber mich nicht.
Alphalama fürchtet meine Elternzeiten. Ich kann es auch verstehen. Ohne den Rückhalt, den ich durch meine dienstlichen und frei gewählten Kontakte habe, bin ich in diesen Zeiten total verwundbar. Dann bin ich für die Kinder in freien Gruppen unterwegs. Da bin ich wieder dieses arme Kind, das nur Breitseite bekommt und keine Anerkennung erfährt. Fühle ich mich oft so dermaßen am Rand. Nicht immer natürlich. Das wäre ja irgendwie krankhaft. Aber ich erlebe immer wieder Situationen, in denen Menschen komisch auf mich reagieren. Eine Mutter war immer irre arrogant zu mir beispielsweise. Bis sich in einem von mir angezettelten Gespräch beim Kinderturnen der Grund herausstellte: Diese Mutter ist unzufrieden mit ihrem Körper nach drei Kindern und konnte nicht aufhören darüber zu schwärmen, wie toll meiner sich wieder rückgebildet hat. Meine Mama hat es schon früher immer gesagt“ die sind dir alle neidisch“. Und da scheint was dran zu sein. Scheinbar finden viele mich so toll, dass sie mich dafür mit Ausgrenzung strafen. Perfide? Schon und doof, dass ich mich so triggern lasse.
Als letztens diese eine Mutter mir deutlich machte, dass sie so froh ist, dass ihre Kinder schon so groß sind (will heißen, dass sie keinen Säugling mehr hat nach ihren beiden, die ziemlich genauso alt sind wie Minilama und die Zwillinge) habe ich mir schon so meine Gedanken gemacht, was sie mir sagen will. Als sie wieder anfing, nur Minilama zu grüßen dachte ich erneut nach. Als sie  total ruppig ihre Tochter vom Umgang mit den Zwillingen abgehalten hat, (was auch Alphalama aufgefallen ist und damit objektiv feststellbares Verhalten ist), war es mir dann klarer: Den Umgang mit meinen Zwillingen findet sie für ihre Tochter nicht gut. Die Kinder wiederum mögen sich auf irre niedliche weise Minilama hingegen will sie ihrer anderen Tochter total anpreisen, da sie glaubt, dass Minilama ihr nutzen könnte. Minilama findet das Mädchen allerdings maximal uninteressant, nimmt es nicht einmal wahr. Minilama wird der Tochter explizit als Verhaltensvorbild gezeigt. Mit mir will die Mutter nichts zu tun haben. Zu mir steht sie aus einer Mischung aus Figurneid (kam mal in einem Seitengespräch) und dem guten Wissen, dass ich total assi bin und sie mir damit überlegen ist. Ich habe ja schließlich vier Kinder. Und kinderreiche sind doch assi, oder? Diese Frage ist durchaus ein Thema. Vor allem, weil hier manchmal hoch her geht und ich hart durchgreifen muss, verbal. Und da ich viele Niveaus beherrsche kann ich auch „dai mam“mäßig nach den Kindern brüllen, wenn ich um ihr Leben fürchte. Und das ist ja nicht nur asi, sondern auch ein Zeichen für Überforderung – das schlimmste, was einer Mutter widerfahren kann. Überforderung heißt: als Mutter versagt zu haben.
Ganz ehrlich denke ich manchmal auch so in Schubladen. Und ich schäme mich dafür, wenn ich mich dabei ertappe. Und zwar so richtig und immer heftiger, je mehr ich mich mit dem Thema Vorurteile beschäftige. Die Schubladen sind nämlich großer Mist. Wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott nicht zu sorgen. Das victim blaming folgt unmittelbar auf die schlechte Lebenssituation.
Asozial ist man nicht. So als Ist- Beschreibung und per se. Man findet sich manchmal in Lagen wieder, die nicht ideal sind: arbeitslos, obdachlos, arm, krank, alleine. Und dafür wird man in unserer Gesellschaft dann noch an den Rand gestellt und ausgegrenzt. So als wäre man dafür selbst verantwortlich, was geschehen ist und als ob das nun für immer so wäre. Am Rand steht man schnell und bleibt dort für lange Zeit. Und muss sich irre anstrengen, um wieder rein zu kommen. Ich habe Jahre und knapp 100 Kilometer Entfernung gebraucht.
Aber asozial bezeichnet keinen Zustand, sondern ein Verhaltensmuster. Und das, so  muss ich leider sagen, haben vermeintlich gesellschaftlich Etablierte ganz schön oft in ihrem Repertoire.  Es ist asozial Müll aus dem Auto zu werfen, in der Nähe von Kindern zu rauchen, das Kindergeld zu versaufen, zu verzocken oder zu verqualmen oder aus Faulheit keiner Arbeit nachgehen zu wollen. Es ist asozial, nicht nach den eigenen Möglichkeiten, der Allgemeinheit etwas vom Guten, das man erhält, zurückzugeben. So weit so gut. Seine Kinder vor anderen verbal bloß zu stellen, ist aber auch asoziales Verhalten. Genauso asozial wie sich etwas zu erschleichen, das einem nicht zusteht. Es ist auch ein zutiefst asoziales Handeln andere bewusst klein zu machen, zum Beispiel durch das obszöne Zurschaustellen der eigenen Wohlstandes, durch das Herabwürdigen der individuellen (vielleicht im Vergleich mit anderen geringeren) Leistungen einer Person oder das Fixieren des Anderen auf einen Lebensbereich, der nicht der Norm entspricht.
Um in der Lage zu sein, andere überlegt verurteilen zu können, muss man durchaus mehrmals hinschauen. Die Gleichung kinderreich= asozial, arbeitslos= asozial oder geschieden= asozial und laut=überfordert (oder was man auch sonst immer im Kopf hat) geht nicht immer auf. Je besser man hinschaut, desto seltener wird man anderen dieses Attribut zusprechen dürfen und sich im Gegenzug selbst häufiger schämen müssen, weil man so unreflektiert das Leben anderer bewertet hat. Wenn man tiefer blickt,  kann man nur noch sehr sehr wenig verurteilen.

Alltagsästhetik: Handgewebt

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

 

Minilama macht schon seit einiger Zeit das Vorschulprogramm mit. Obwohl es erst nach den Sommerferien Vorschulkind wird. Name sticken, weben, Arbeitsblätter ausfüllen, fortgeschrittene Werkstücke basteln – mit diesen Dingen überrascht mich das Kind. Weil es ihm so Freude macht und weil es kreativ sein mag.
Zuhause wird auch schon seit längerem genäht und gestickt. Minilama schneidet schön, malt schnell und schreibt schon gut.
Heute kam es mal eben mit einer selbst gewebten Tasche nach Hause. Was drinnen transportiert wird? Ein roter Lego- Pterodaktylus namens Lili. Was denn auch sonst?