1000 Fragen an mich selbst #20

Seit ich bei bei Frau Frische Brise die Reihe „1000 Fragen an mich selbst“ gesehen habe, überlege ich, ob ich nicht mitmachen soll. Und ja, ich habe Lust. Daher steige ich jetzt etwas verspätet ein. Wer sich für die Hintergründe usw. interessiert, hier entlang.

381. Wen hast du zu Unrecht kritisiert?
Das sind so viel Leute, dass ich es sicher nicht alles erinnere. Die Kurzfassung ist wohl: Manchmal sehe ich nicht das Ganze und kritisiere dann Teile davon. Und wenn ich einen besseren Überblick bekomme, erkenne ich dann gerne, dass die Leute es doch nur gut gemeint haben. Und wenn jemand es gut meint, dann kritisiere ich das Ergebnis nicht – sondern muss beschämt meine Bosheit eingestehen.
382. Machst du manchmal Spässe, die du von anderen abgeschaut hast?
Eher nicht. Ich bin nicht für meine Spaßseite bekannt.
383. Bestellst du im Restaurant immer das Gleiche?
Zunächst einmal: Ich bin super selten in Restaurants. Das liegt daran, dass ich Kinder habe und im Grunde meine selbst gekochten Mahlzeiten besser und deutlich billiger sind. Außerdem weiß ich zuhause besser, wo die Lappen sind, um Verschüttetes aufzuwischen.
Falls ich doch mal außer Haus esse, vielleicht zu Weihnachtsfeiern mit dem Büro, dann ist es Immer sehr ähnlich. Das liegt nicht nur an meinem ausgesucht feinen Geschmack, sondern auch daran, dass ich seit Minilamas Geburt kein Fleisch mehr esse. Und auch keinen Fisch und nur ungern Ei. (In der Schwangerschaft war das der Knaller, da auch Salat und die meisten frischen Sachen eher schwierig sind außer Haus) Will heißen: ich bestelle das einzige auf der Karte, das dem einigermaßen entspricht. Alphalama und ich wollen schon länger mal in ein explizit vegetarisches Restaurant gehen, aber aktuell haben wir andere Prioritäten.
384. Gibt es etwas, du insgeheim anstrebst?
Es gibt etwas, das ich ziemlich offensichtlich anstrebe: Einen Doktortitel. Ich bin auf dem Weg, aber muss mein Tempo dem Lebensumständen anpassen.
385. Wie würdest du deine Zeit verbringen, wenn du alles tun dürftest, was du willst?
Im Grunde so wie jetzt. Ich habs gut.
386. Was begeistert dich immer wieder?
Meine Kinder. Die sind cool.
387. Welche Sachen kannst du geniessen?
Die Natur, die Stille, einen guten Film und ein leeres Schwimmbad.
388. Findest du es schön, etwas Neues zu tun?

Ja, wenn ich nicht nur Neues machen muss, sondern auch vieles um mich herum bekannt bleibt.

389. Stellst du lieber Fragen oder erzählst du lieber?
Das zweite.
390. Was war dein letzter kreativer Gedankenblitz?
Die Einhörner für Minilamas Party und die Planung für die Babylama Taufe.
391. Bei welchem Song drehst du im Auto das Radio lauter?
Eye of the tiger und Lords of the boards
392. Wann hast du zuletzt enorm viel Spass gehabt?
Enorm viel? Das ist lange her und mir fällt gerade nichts ein. Aktuell führe ich eher eine Proexistenz für die Kinder. Ich freue mich sehr, wenn sie viel Spaß haben, beim Karneval zum Beispiel oder wenn sie zu einem Kindergeburtstag eingeladen sind oder wenn sie beim Lauf eine Medaille gewinnen.
Es wäre also nochmal Zeit dafür.
393. Ist dein Partner auch dein bester Freund oder deine beste Freundin?
Ja. Sonst wären wir gar nicht zusammen. Das gehört für mich zusammen.
394. Welchen Akzent findest du charmant?
Den französischen. Ich kenne aber auch sonst kaum welche aus eigener Erfahrung, wenn ich ehrlich bin.
395. In welchen Momenten des Lebens scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen?
Eigentlich nie.396. Wann hast du zuletzt deine Frisur geändert?
Als ich in der Grundschule war. Und das nicht freiwillig. Meine Mama hat ihre Haare abgeschnitten und ich bekam auf eine fesche Kurzhaarfrisur. Ich sah doof aus und habe mich auch irgendwie unattraktiv gefühlt. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass Mädchen mit langen Haaren höher im Kurs standen. Seither sind meine Haare immer lang, mal brustlang, mal kinnlang, im Sommer dann etwas kürzer wegen der Läuse. Aber grundsätzlich immer lang und seit der Oberstufe habe ich auch immer einen Seitenscheitel. Mal streng gezogen, mal locker, aber immer das gleiche Prinzip. Warum das Gute verändern?
397. Ist an der Redensart „Aus den Augen, aus dem Sinn“ etwas dran?

Ja, oft schon. Aber es gibt immer wieder Personen oder Dinge, die mir sehr präsent sind trotz Abwesenheit.

398. Wie nimmst du Tempo aus deinem Alltag?
Wieso sollte ich das tun? Ich mag es lebendig.
399. Machst du jeden Tag etwas Neues?
Bei Weitem nicht. Aber ich probiere immer wieder mal was Neues aus, wenn mich etwas inspiriert.
400. Bei welchen Gelegenheiten stellst du dich taub?
Manchmal, wenn die Kinder so laut nach mir brüllen und ich davon ausgehe, dass sie eigentlich doch nur ein Gummibärchen wollen. Dann mache ich mich im Bad noch fertig und verweigere es eben 40 Sekunden später.

1000 Fragen an mich selbst # 19

Seit ich bei bei Frau Frische Brise die Reihe „1000 Fragen an mich selbst“ gesehen habe, überlege ich, ob ich nicht mitmachen soll. Und ja, ich habe Lust. Daher steige ich jetzt etwas verspätet ein. Wer sich für die Hintergründe usw. interessiert, hier entlang.

361. Was war deine schlimmste Lüge?
Ich weiß es nicht mehr. Eine echt schlimme Sache war, dass ich einmal in ein Vogelnestchen rein gucken wollte und es dabei berührt habe. Es ist runtergefallen und die Vogelmama hat die Küken nicht mehr angenommen. Das ist so mit die schlimmste Erinnerung, die ich an kindliche Missetaten habe, inwieweit ich mich da rauszureden versucht habe, weiß ich nicht mehr.
362. Erweiterst du deine eigenen Grenzen?
Schon. Wobei meine Grenzen sehr eng sind. Ich fahre beispielsweise ungern Auto und stelle es eigentlich am liebsten so ab, dass ich auch wieder gut weg komme. Die Folge sind längere Fußwege. Das habe ich durch meine letzte Stelle ganz gut in den Griff bekommen und fahre jetzt auch ohne Angst in die Stadt rein. Aber im Grunde sind viele Sachen für mich problematisch, die für andere keinen Gedanken wert sind. Das ist anstrengend, wenn man noch einige kleine Kinder dabei hat.
363. Kannst du gut Witze erzählen?

Das weiß ich gar nicht. Ich bin nicht der Witzetyp. Ich bin also sehr ungeübt.

364. Welches Lied handelt von dir?
Here comes the sun von den Beatles. Das war mein Abilied und es passt auch ganz gut zu mir.
365. Welche kleinen Dinge kannst du geniessen?
Einen klaren, sonnigen Tag, Blumen am Wegesrand und einige Meter unter den Füßen.
366. Wofür darf man dich nachts wecken?
Außer für die Kinder für nichts. Ich neige dazu, nachts zu schlafen und tagsüber meine Dinge zu tun.
367. Was würdest du gern an deinem Äusseren ändern?
Tatsächlich nichts. Ich habe mich angefreundet mit mir und bin ehrlich und wirklich zufrieden mit dem, was ich im Spiegel sehe. Alles ok.
368. Was soll bei deiner Beerdigung mal über dich gesagt werden?
Dass ich immer versucht habe, für die Menschen, die ich liebe, da zu sein und ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden habe.
369. Lässt du dich leicht zum Narren halten?
Ja. Ich habe etwas sehr Wunderliches an mir.
370. Was würdest du gerne einmal tun, vorausgesetzt dass es keinesfalls schiefgehen könnte?

In einem Heißluftballon fahren. Das ist sicher total schön.

371. Muss man immer alles sagen dürfen?
Nein. Es gibt Grenzen und zwar die Grenze des anderen. Manches behält man besser für sich.
372. Wem solltest du mehr Aufmerksamkeit schenken?
Alphalama. Der kommt oft zu kurz hier.
373. Kannst du gut loslassen?
So mittel. An manchen Sachen knabbere ich noch Jahre später, anderes ist direkt wieder vergessen. Ich kann sehr nachtragend sein.
374. Wofür bist du dankbar?
Für mein Leben.
375. Sind Komplimente von Leuten, die du nicht gut kennst, wichtig für dich?
Sie sind nett und streicheln das Ego. So hier und da mag ich das schon, aber ich suche diese Situationen nicht bewusst.
376. Vor welchem Tier hast du Angst?
Vor Krebsen und vor Seeschlangen.
377. Weswegen warst du zuletzt vollkommen verwirrt?
Im Wochenbett war ich von vielem vollkommen verwirrt, ich denke, das liegt an den Hormonen. Normalerweise behalte ich gut den Überblick.
378. Was hast du immer im Kühlschrank?
Coolpaks. Die brauchen wir auch nötig bei zwei Rabauken (Zwillingslamas) und zwei Pechvögeln (Alphalama und Minilama)
379. Genierst du dich dafür, dass du bestimmte TV-Sendungen schaust?
Sagen wir es mal so: meine YouTube Watchlist wird nicht zum Gesprächsthema gemacht und dann lautet die Antwort nein.
380. Wann hattest du die beste Zeit deines Leben?
Im dritten und vierten Semester. Das war 2006. Obwohl ich total viel lernen musste für mein Vordiplom, war das eine sehr bewegte Zeit. Im Studium war ich sehr engagiert, habe noch einen zweiten HiWijob ergattert, die guten Noten sind ins Haus getrudelt. Ich war in Amerika und in Irland, habe mir Gedanken darüber gemacht, wo ich ins Außenstudium hingehe (dass ich dann doch in der ältesten Stadt Deutschlands geblieben bin, ist ja was anderes), war viel in Deutschland unterwegs, auf einigen sehr ausgefallenen Parties zu Gast, habe einige Zeit in einem Verbindungshaus gewohnt, habe „richtige“ Studentenstädte kennengelernt und kam mir sehr häufig wie eine Prinzessin vor, die auf Händen getragen wird. Wenn ich diese Zeit isoliert betrachte, war das wirklich bombastisch. Danach wurde es erst ziemlich traurig, dann kurzzeitig wieder gut und dann gab es eine längere Phase, in der ich besser eine andere Beziehungsentscheidung getroffen hätte. Aber diese Monate waren mein Sommermärchen.

„Das ist nicht gut“ -Lamasus auf dem Heimweg

Gestern war ich mit dem Kinderwagen unterwegs. Auf dem Rückweg, 800 m von zu Hause entfernt begann Babylama zu weinen. Ich legte den Turbo ein, um rasch nach Hause zu kommen, und dort genauer nachzuforschen. Eine Frau verlässt ihr Haus und sieht abschätzig zu mir herüber. Sie murmelt etwas vor sich hin, schüttelt den Kopf, murmelt lauter. Ich frage nach, was los ist. Sie antwortet, dass es nicht gut sei, dass das Baby weint und erklärt mir auf Nachfrage, das Baby habe Hunger und brauche Essen. Die Erklärung, das ich nach Hause unterwegs sei, um falls das der Fall wäre, Essen zu geben, lässt sie nicht gelten. Das Schreien sei nicht gut, ein Schnuller sei nötig.  Mit diesen Worten biegt sie in die örtliche Förderschule ein.
Ich gehe nach Hause, verschämt das Baby auf dem Arm und breche zuhause in Tränen aus.
Die Belehrung der Unbekannten gibt mir den Rest, da es mir ohnehin sehr schlecht geht und ich mir selbst darüber im Klaren bin, dass Babyschreien nicht sein soll. Wir hatten am vorhergehenden Tag Kindtaufe im Haus. 16 Personen im Haus, ab 12.30 Uhr Essen, Kaffee, Kuchen, Abendbrot. Seit Freitagabend war die Patin des Babys zu Besuch, da sie von weiter her kommt. Wir hatten sie nach dem Kitagang und einem Fütter- und Wickelumweg nach Hause eben zum Zug gebracht. Ihr geht es aktuell nicht sehr gut, die Abende waren daher neben Haushalt und Taufvorbereitung von Gesprächen darüber bestimmt gewesen. Meine ohnehin für mein Bedürfnis zu geringe Schlafenszeit wurde noch geringer, auch die Schlafqualität hat weiter abgenommen. Das Vorbereiten, Putzen, Abstauben, Geschirr umhertragen usw. plus der Großeinkauf am Vortag, haben mich sehr geschlaucht. Parallel dazu Alltag und Haushalt, Wäsche, Bügeln… Meine Nerven sind sehr dünn. Minilama hat sich am Tauftag innerhalb von 10 Minuten gleich zwei Mal verletzt, einmal ist es sogar mit dem Kopf gegen den Heizkörper gefallen. Zum Glück bleib nur der Schreck. Die ersten Gäste kamen als ich Zwilling  gerade komplett entkleidet hatte, um Anzug/ Festkleid anzuziehen. Nudeln wurden parallel zum Sektempfang gekocht, ich bin sehr nervös geworden. In solchen Situationen tun meine Hände nicht, was sie sollen, ich schlage Butter statt Sahne (bei der Hochzeit vor einigen Jahren. Dabei war dann zu allem Überfluss auch so ein Triggermoment), ich werfe Kuchenstücke um (immer), ich lasse was überkochen oder anbrennen. Und die Menschen, die neben mir stehen, wissen im Nachhinein immer, immer viel besser, wie man das machen sollte. Ein Grund, warum ich so allgemein nicht gut drauf war, was, weil mich ein unerwartetes Ereignis so unvorbereitet getroffen hat, dass ich maximal davon getriggert wurde – und wieder mal zum 10 jährigen Mädchen  wurde – im Erwachsenenkörper mit der Verantwortung für eine Familie natürlich. Es ist mir nur mit maximaler Anstrengung gelungen, den Festtag einigermaßen gut über die Bühne zu bringen. Als die Zwillinge dann fast die Taufkerzen auf das Bodentuch geworfen hätten und wie die Irren mit dem Schellen schellen wollten, kam es mir so vor als wäre ich völlig kraftlos. Als wir Bilder machten und es nur noch war wie im schlechten Film (mit motzigem Minilama, das wütend auf den Stufen vor uns sitzt und  das Akku der neuen Kamera meiner Schwiegermama leer war und wir Handyfoto machten – während meine Mama Teile der Taufgesellschaft wieder in die Kirchen hinein bat und der Opa versucht beide Zwillinge auf dem Arm zu balancieren, weil die nur, nur nur, mit Gong und Schelle spielen wollen. Zur Not würden sie aber auch das Taufbecken leer trinken), lächelte ich nur grenzdebil. Vor der Tür dann noch ein weiteres Erlebnis, das gut mit meiner aktuellen Stimmung passte und ich war völlig daneben. Dann gab es Kuchen. Ich habe an dem Tag so gut wie nichts gegessen, kaum getrunken. Mein Kreislauf spielte total verrückt und die Hitze tat ihr Übriges.
Am Montag transportierte ich zusätzlich zu den Kindern noch 50 Süßigkeitenbeutelchen und drei Gurken in die Kita. Der Kinderzucker ist eine Tauftradition hier und Obst oder Gemüse  muss jeden Montag sein, Da ich Unterstützung von der Patin hatte, gingen beide Zwillinge zu Fuß und die Süßigkeiten liegen im Kinderwagen neben dem Baby. Die Kinder waren wegen der neuen Situation aufgekratzt und gefährlich unterwegs. Einer lief schon aus der Tür während wir noch was anderes machten – ich hatte aus Nachlässigkeit nach dem Fahrrad holen für Minilama nicht abgeschlossen. Schon an der Schule, knapp 500 Meter vom Haus entfernt, konnte ich nur mit Mühe die Tränen zurückhalten, weil ich einfach völlig überfordert mit den wie Hunde spielenden Kindern war. In der Kita brauchte ich knapp 25 Minuten bis alle entkleidet, gecremt, gewickelt und verabschiedet waren und die Tütchen in die Gruppen drapiert waren. Minilama hatte sich unterdessen im Gebüsch versteckt und musste gesucht werden, weil ich mich richtig  verabschieden wollte. Auch hier verlor ich fast die Fassung. Fast den ganzen Hin- und Rückweg trug ich Babylama auf dem Arm, weil es laut schrie. Zuhause trank es dann ein Fläschchen und bekam eine frische Windel, ich setzte einen eine Maschine Wäsche an und trug die erste ins Erdgeschoss, brauche den Mülheimer hinters Haus und noch solche Dinge mehr
Wir gingen zum Bahnhof und die Patentante verabschiedete sich. Zeit seit dem großen Fläschchen 45 Minuten. Auf dem Rückweg vom Bahnhof sackte mir der Kreislauf völlig weg. Ich sah Doppelbilder und weiße Strukturen. Ich hatte mir was zu trinken mitgenommen, auch weil ich wieder Blasenentzündungsymptomatiken hatte. Das kommt bei mir vom Beckenschiefstand, verursacht aber starke Schmerzen. Und dieses Mal könnte es ja echt eine organische Sache sein, denke ich mir jedes Mal. Ist aber auch ein Stressding und tritt entsprechend  dann auf, wenn ich mich nur schlecht selbst regulieren kann.  Mein Kopf drehte sich, auch weil es gegen 10 Uhr war und ich nichts gegessen hatte. Und gestern ja auch nicht genug. Alles eher ungut und sollte nicht passieren.
Knapp 800 Meter von zuhause, um den Kreis nun zu schließen, beginnt das Baby abermals zu weinen. Und ja: Ich bin maximal gestört davon. Ich bin nicht (mehr) in der Lage, mich liebevoll zuzuwenden und das Baby auf dem Arm nach Hause zu tragen und das Kinderwagen in der anderen Hand zu schieben. Meine Regel daher: Das Baby wird jetzt nicht angefasst, ich bin zu aufgewühlt. ich kann es nicht beruhigen, das kenne ich schon und wenn ich es jetzt nehme, werde ich nur noch nervöser. Und das mit nur einer Hand und strampelndem schweren Baby ist mir zu heiß. Ich mag nicht, dass das Baby weint, das betone ich. Ich bin keine emotionslose Asi-Mutter, der das Kind egal ist. (Falls es so etwas überhaupt gibt) Im Gegenteil. Natürlich nervt das Weinen mich und macht mich auch aggressiv, aber noch mehr tut mir das Weinen leid. Und weil es mir gerade nicht gut geht, absolut nicht, macht das Weinen noch mehr mit mir: Es zeigt mir deutlich an, was ich für eine schlechte Mutter bin, wie minderwertig und schlecht ich bin. Dass ich falsche Prioritäten habe. Lieber ein Fest ausrichte als ganz fürs Baby da zu sein. Und auch dabei habe ich einen Fauxpas gemacht, weil ich nicht die Paten der Großen eingeladen habe. 14 Personen sind das mit Familien. (Dann wären wir bei 30 gewesen.) Das gehört sich normal so, aber ich konnte es nicht. Es war mir zu viel, ich konnte es nicht und habe daher die Reißleine gezogen und ich befürchte, dass ich einige davon damit verprellt habe. Ich hätte doch wenigstens zur Taufe selbst und zum Kuchen später laden können, denke ich ständig. Das wäre doch sicher gegangen. Ich überlege, wann wir ein reines Patenfest machen könnten und wie das aussehen sollte. So super teuer kann es aber nicht werden, da wir den Keller aufwändig sanieren müssen und ich durchs Elterngeld massive Einbußen habe, was mich derzeit immer wieder mal beschäftigt.
Gedanklich dreht sich alles und ich versuche, wirklich mit letzter Kraft, das Kind aus der unguten Lage, dass es draußen ist und weinen muss, weil es hier nicht über eine längere Zeit liebevoll gekuschelt werden kann, zu befreien. Meine Kinder lassen sich nicht durch 5 Minuten kuscheln und dann wieder in den Wagen legen beruhigen. Die werden richtig wütend, wenn man sie dann wieder ablegt und man ist wieder am Anfang angekommen, nur dass man total entkräftet vom Tragen ist und das Kind noch wilder weint. Insofern entschiede ich so kompetent es mir in dem Moment möglich ist, wie ich vorgehe. Ich gehe wirklich schnell, um heim zu kommen.
Dann wie schon berichtet, verärgert mein Verhalten eine Fremde. Sie wirft mir mehrere Dinge vor:

  • Ich kümmere mich nicht gut genug ums Kind – sonst würde es nicht weinen.
  • Ich weiß nicht, was das Kind braucht – sonst würde es nicht mehr weinen.
  • Ich bin derart unwissend und kenne mein Kind nicht, dass ich Hilfe von außen brauche – das Kind hat nämlich Hunger, eindeutig.
  • Ich gehe falsch mit dem Kind um-  es ist schlecht, dass das Kind weint und ich tue nichts, damit sich das ändert. (Was ja leider auch in großen Teilen stimmt, da ich ja wirklich zu sehr mit mir beschäftigt bin, um mich dem Kind gut zuzuwenden. Und da es mir schlecht geht, steige ich zumindest emotional auf die Kritik zu 100 % ein und denke gar nicht drüber nach, wie unpassend das grade ist)
  • Ich brauche daher Anleitung von außen – ich soll das Kind jetzt füttern. Aber – und das zeigt doch wie dämlich und böse ich bin: ich mache es einfach nicht.
  • Und da wird es persönlich: Entweder bin ich zu unorganisiert und zu nachlässig, dass ich nichts fürs Kind dabei habe oder, was eher deutlich wird: ich bin nicht in der Lage, das Kind jetzt und hier zu nähren. Da es der Frau egal war, dass ich nichts dabei hatte und deshalb nach Hause wollte (nicht vergessen: das Kind hatte keinen Hunger – auch 2 Stunden später hat es noch nicht wieder getrunken und es regt mich auf, dass viele Unbeteiligte  immer meinen, dass Kinder immer und ausschließlich Hunger haben, wenn sie schreien), ging ich davon aus, dass sie wollte, dass ich hier und jetzt meinen Hängebusen entrolle und das Kind so wie es im Wagen liegt, stille. Sie scheint, ihrer Körperspannung nach zu urteilen, mehr als bereit zu sein, das hier und jetzt zu übernehmen. Und das hat mich mehr als verletzt. Denn: Ich kann es leider nicht. Ich bin dazu nicht in der Lage. Was das angeht (und wie man ja sieht in vielen, vielen anderen Bereichen auch), bin ich eine absolute Versagerin. Ich bringe es nicht. Normalerweise kann ich mein Versagen und was das mit mir (noch immer) macht, gut verstecken. Aber wie gesagt, nicht die Erwachsene war unterwegs, sondern ich fühlte mich ohnehin gerade sehr, sehr klein. Und dann on top noch der dezente Hinweis darauf, dass ich doch nicht mal das Selbstverständlichste kann.
  •  Und am Ende, so als Raustreter: Ich bin absolut beschränkt und inkompetent: Wenn ich schon das Einfachste nicht hinbekomme, sollte ich doch wenigstens einen Schnuller dabei haben. Wenn das Kind weint, muss es einen Schnuller haben. Und noch nicht mal das kriege ich hin. Ich habe diese Frau sehr verärgert. Und jetzt muss sie in die Förderschule nach einem ihrer drei Kinder sehen. Sie hat nämlich Ahnung.

Das war dann doch zu viel für mich.

 

 

1000 Fragen an mich selbst # 18

Seit ich bei bei Frau Frische Brise die Reihe „1000 Fragen an mich selbst“gesehen habe, überlege ich, ob ich nicht mitmachen soll. Und ja, ich habe Lust. Daher steige ich jetzt etwas verspätet ein. Wer sich für die Hintergründe usw. interessiert, hier entlang.
341. Worüber kannst du dich immer wieder aufregen?
Darüber, dass die Kinder alles in den Mund nehmen. Macht mich total kirre.
342. Kann jede Beziehung gerettet werden?
Ich denke, man kann vieles kitten. Die Frage ist, für wie lange und ob es es wert ist.
343. Mit welchem Körperteil bist du total zufrieden?
Mit meinem Bauch. Auch nach drei Schwangerschaften noch
344. Womit hältst du dein Leben spannend?
Mit regelmäßigen Stellenwechseln und mit ständig neuen Kindern. Ich muss mir jetzt was Neues  ausdenken, da ich stellen- und kindermäßig jetzt zufrieden bin. Die Promotion und ein paar Fortbildungen wären jetzt vielleicht nett. Und Reisen.
345. Kannst du unter Druck gute Leistungen erbringen?
Ich arbeite am besten unter Druck.
346. Welche Lebensphase hast du als besonders angenehm empfunden?
Die Studienjahre. Wenig echte Verantwortung, immer was Neues zum lernen, Reisen, Freunde, Sport , super Wohnheimzimmer und keine Geldsorgen durch spannende Jobs.
347. Findest du andere Menschen genauso wertvoll wie dich selbst?
Klar doch.
348. Hast du immer eine Wahl?
Ja, aber nicht immer sind die Wahlmöglichkeiten gleichwertig.
349. Welche Jahreszeit magst du am liebsten?
Den Sommer wegen Freibad, Sonne, Leichtigkeit.
350. Wie hättest du heissen wollen, wenn du deinen Namen selbst hättest aussuchen dürfen?
Ich bin froh, dass meine Eltern das für mich entschieden haben, denn ich habe keine bessere Idee als sie. Passt schon.
351. Wie eitel bist du?
Sehr, auch wenn man das bei meinem sportlichen Outfit, fehlender Schminke und ordentlich grauem Haar gar nicht denken würde.
352. Folgst du eher deinem Herzen oder deinem Verstand?
Ich weiß nicht, beidem ein bisschen.
353. Welches Risiko bist du zuletzt eingegangen?
Eine erneute Schwangerschaft trotz vorhergehenden Zervixrissen und atoner Nachblutung.
354. Übernimmst du häufig die Gesprächsführung?
Ja, ist mein Job.
355. Welchem fiktiven Charakter aus einer Fernsehserie ähnelst du?
Monica Gellar von friends. Innerlich wie äußerlich.
356. Was darf bei einem guten Fest nicht fehlen?
Gute Freunde.
357. Fällt es dir leicht, Komplimente anzunehmen?
Nein. Da muss immer noch ein „aber“ her.
358. Wie gut achtest du auf deine Gesundheit?
Extrem. Außer Süßkram hab ich kein Laster und ich bewege mich auch total viel.
359. Welchen Stellenwert nimmt Sex in deinem Leben ein?
Einen geringeren als die Kinderzahl glauben ließe.
360. Wie verbringst du am liebsten deinen Urlaub?
Am Meer mit viel Draußensein und viel schwimmen. Und sightseeing zwischendurch. Und die Unterkunft darf nicht eklig sein. Da bin ich kompliziert.

Alltagsästhetik: Seepferchen

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

Minilama kann schwimmen. So richtig, in tiefem Wasser ohne Angst und ohne Mamas Hilfe. Minilama schwimmt. Und das alles mit grade mal 5 Jahren. Da fangen die meisten Schwimmkurse doch erst an. Ich platze vor Mamastolz. Ein Wahnsinnsgefühl, wenn das eigene Kind einfach so ins Schwimmerbecken hopst und souverän 4 Bahnen schwimmt. Eine Woche vor dem Abzeichen wohlgemerkt. Das war ganz unspektakulär. Gekonnt ist gekonnt.
Ich bin so stolz, das glaubt mir keiner. Und Minilama so: Wann macht endlich das Freibad auf?
Jetzt übt das Kind Rückenschwimmen und Gleiten im Wasser. Der Kurs ist ja noch nicht rum. Nach den Herbstferien beginnt dann die richtige Sportschwimmerausbildung. Die ist ab 5,5 – vorher können die Kinder das noch nicht.