Mit Lamasus im Dorf unterwegs „halten Sie das Kind fest“ und „passen Sie auf“

 

In meiner Kleinstadt sieht es aktuell an vielen Stellen so aus wie auf diesem unscharfen Bild zu erkennen. Baustellen an vielen Orten wegen des Internetausbaus. Da die Welt ja behindertengerecht ist, kommt man auch mit einem Kinderwagen für Mehrlinge gut durch. Leider ist die Welt nicht so wie sie sein sollte und daher ist es oftmals eng und manchmal schlichtweg nicht machbar. Da die Kinder gut im Lauftraining sind, haben wir diese Woche den Wagen getauscht und ich fahre mit dem Einlingswagen mit Trittbrett und nehme den anderen Zwilling an die Hand. Wir haben ein System, das klärt, wer wann gehen darf. (Die Kinder gehen gern). Die nächste Herausforderung wird sein, dass beide gehen dürfen. Das traue ich uns aber aktuell noch nicht zu. In jedem Fall haben wir es jetzt bei den Baustellen viel leichter, da der Einlingswagen schmäler ist und so super wendig, dass ich ihn auf bergauf mit 6 Kilobaby und 15 Kilozwilling ohne größere Anstrengung einhändig schieben kann. (Ich würde ja Werbung dafür machen, aber das traue ich mich nicht mehr…)
Allerdings hatte ich in den letzten Wochen zwei derart verbal übergriffige Kontakte mit den Hoch- und Tiefbauarbeitern, dass ich mich heute entschlossen habe, deren Büro darüber zu informieren. Ich dachte mir, dass es falsch ist, wenn ich mich klein und scheiße fühle, weil andere davon gestesst (oder was auch immer) sind, dass ich an der Baustelle vorbei muss.
Aber alles der Reihe nach: Dass zahllose Baustellen im Dorf sind, habe ich ja schon gesagt. Dass es meistens machbar ist für mich, die Kinder dennoch sicher in die Kindertagesstätte und zurück zu bewegen auch. Dass ich die  Wege am Wochenende vorab abgegangen bin, um sicherzustellen, dass ich ohne weiteren Erwachsenen, der mir helfen kann, mit allen vier Kindern den Weg meistern kann, erwähne ich noch dazu. Dass ich den Kinderwagen gewechselt und meine Breite damit halbiert habe, ist auch schon gesagt worden. Ich betone all das, um schon vorab den Beleg dafür zu erbringen, dass ich wunderbar alleine klar komme, so in Leben und Alltag – auch unter erschwerten Bedingungen.

Mittags kam ich zu der oben gezeigten Baustelle mit allen Vieren. Zwilling 2 ging lieb und gesittet an der Hand, Minilama fragte, wie es am besten fahren soll. Die anderen beiden waren im/ auf dem Kinderwagen. Die Baustelle hatte sich etwas verändert und war unpassierbar geworden. Ich bat einen Bauarbeiter, den Bauzaun einige Zentimeter zu verschieben. Und ich betone: Ich habe wirklich nett gefragt. Aber der Mann hat mich nicht ausreden lassen, sondern unvermittelt angeblafft, ich solle „das Kind“ festhalten, da an der Böschung ein Gitter fehlte, dass Arbeiten an der Böschung absicherte. Ich war von 0 auf 100. Wegen der Art, des Tonfalls und dem Subtext, der sich mir aufdrängte. Ich habe es runtergeschluckt und erneut um Verbreiterung des Fußweges gebeten. Der Bordstein ist dort 15 cm hoch, das packt man nicht schnell mit den Kindern und dem Verkehr an der Stelle. Auf der Straße gehen ist absolut keine Option. Aber der Mann war nur an der Gefahrenstelle an der Böschung interessiert, die er ja geschaffen und nicht abgesichert hatte und unterstellte mir ein klein wenig, dass ich nicht in der Lage sei, das einzuschätzen und zudem „das Kind“ nicht im Griff habe. Und das vor meinen Kindern. Absolutes No-Go. Ich kann diese Art von  Männerverhalten nicht leiden. Noch mehr: es macht mich zunehmend wütend. Da das zu zeigen aber „hysterisch“ und daher abzulehnen ist, schweige ich meistens. Aber: Ich bin durchaus auch ohne dumme Kommentare lebensfähig. Der Beweis ist ja mit meiner bloßen Existenz erbracht.

Ich habe den Kloß im Hals unterdrückt. Als dann heute wieder so was ähnliches passiert ist, dieses Mal direkt an der Kita, habe ich beschlossen, dass es reicht. Bauarbeiter haben nicht das Recht, mich vor meinen Kindern anzublaffen, wenn sie ihre Baustellen im laufenden Verkehr nicht absichern und deshalb nervös werden. Sie haben nicht das recht, einen Bagger unter voller Motorauslastung anzumachen, wenn ich mit meinen Kindern daran vorbeigehe und mich vorher mit Wort und Geste angekündigt habe und mir kein Signal gegeben wurde, dass ich jetzt warten muss. Wohl aber war klar, dass ich wahrgenommen wurde. Ich versuche es ja – ich grüße, ich frage, ich mache mich bemerkbar.
Aber – und das brachte heute das Fass zum Überlaufen:  Ich weiß selbst, dass ich auf Schotter mit einem Kinderwagen vorsichtig fahren muss und ich kann es nicht leiden, wann 5 Männer daneben stehen und sich angucken, ob ich das auch hinkriege. Kriege ich. Auch ohne Regieanweisung. Auch mit einer Hand, auch mit einem weinenden Großkind und einem weinenden Baby. Ja, ich kann das. Aber es ist schade, dass ich das muss, weil den Bauarbeitern offensichtlich nichts daran liegt, den normalen Betrieb in der Stadt und vor einer Kita einigermaßen am Laufen zu halten.
Und damit ich nicht meine gute Kinderstube vor meinen Kindern vergessen muss, um klar zu machen, dass ich mir diese verbalen Übergriffe nicht gefallen lassen werde, habe ich neben der deutlichen und sachlichen Verneinung der männlichen Regienanweisungen eben auch deren Büro angerufen. Welches mir versichert hat, dass das nicht die Fimenpolitik sei und es ihnen echt leid tue.
Und Schulterklopfer an mich: ich lasse mich nicht mehr klein machen. Ich kann mein Leben eigenständig gestalten. Auch wenn ich nur eine Frau bin und daher per se ständig meine Tage habe und immer emotional instabil bin  – oder was Frauen auch sonst immer unterstellt wird.  Ich brauche weder einen Papaersatz noch einen Souffleur oder Regienanweisungen. Ich kann selbst denken und handeln.

 

Schreibe einen Kommentar