Alltagsästhetik: Handgewebt

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

 

Minilama macht schon seit einiger Zeit das Vorschulprogramm mit. Obwohl es erst nach den Sommerferien Vorschulkind wird. Name sticken, weben, Arbeitsblätter ausfüllen, fortgeschrittene Werkstücke basteln – mit diesen Dingen überrascht mich das Kind. Weil es ihm so Freude macht und weil es kreativ sein mag.
Zuhause wird auch schon seit längerem genäht und gestickt. Minilama schneidet schön, malt schnell und schreibt schon gut.
Heute kam es mal eben mit einer selbst gewebten Tasche nach Hause. Was drinnen transportiert wird? Ein roter Lego- Pterodaktylus namens Lili. Was denn auch sonst?

 

1000 Fragen an mich selbst #21

Seit ich bei bei Frau Frische Brise die Reihe „1000 Fragen an mich selbst“gesehen habe, überlege ich, ob ich nicht mitmachen soll. Und ja, ich habe Lust. Daher steige ich jetzt etwas verspätet ein. Wer sich für die Hintergründe usw. interessiert, hier entlang.
401. Was isst du am liebsten, wenn du frustriert bist?
Viel. Am liebsten süß, dann Chips, dann wieder süß. Je nachdem, was da ist. Manchmal backe ich mir (uns) dann auch Cookies. Die machen das Leben schöner und haben mir Alphalama beschert.
402. Hast du mal etwas Übernatürliches oder Unerklärliches erlebt?
Ja, Gott sei Dank ja. Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich nicht deutlich gespürt hätte, dass es noch mehr als das Übliche gibt und dass ich es wagen darf, auch unbekannte Wege zu gehen.
403. Welche Herausforderung musst du noch bestehen?
Aktuell steht jetzt nichts Größeres an. Den Alltag muss ich täglich meistern mit den vielen Unbekannten, die Kinder bringen.
404. Wer hat dich in deinem Leben am meisten beeinflusst?

Mich haben immer wieder episodisch Menschen begleitet und viel gegeben. Mit den meisten davon habe ich nur noch, wenn überhaupt lockeren Kontakt. Es gibt viele Menschen in meinem Umfeld, die mich inspirieren und antreiben, bestimmte Bereiche meines Lebens näher anzuschauen.

405. Was ist kleines Glück für dich?
Ein warmer, trockener Tag, draußen unterwegs sein, ins Freibad hüpfen, in den Himmel schauen, an der Mosel sitzen, ein feuchter Kinderkuss, ein geflüstertes “ ich hab dich lieb, Mama“, einen Schluck Wasser nach einem langen Spaziergang trinken, der Duft von Sonnenmilch, Sport, Stille.
406. Tust du manchmal etwas aus Mitleid?
Klar. Wann immer die Kinder traurig oder krank sind, werden sie gnadenlos verwöhnt.
Wenn es jemandem schlecht geht, versuche ich zu helfen.
407. Wann hast du zuletzt einen Abend lang nur gespielt?
Einen Kinderabend lang, spiele ich oft. Sagaland oder das verrückte Labyrinth, Memory oder das Eulenspiel, Uno oder Lego. Sehr regelmäßig und mit großer Freude,
408. Bist du gut in deinem Beruf?
Das entscheiden andere. Ich mache das Leistungsspiel nicht mehr mit, denn es macht mich unzufrieden und ich verliere den Blick fürs Wesentliche. Was ich sagen kann ist, dass ich richtig bin in diesem Beruf und dass ich täglich aufs Neue spüre, warum ich damals zu dieser Ausbildung zugelassen wurde.
409. Wen bewunderst du?
Unzählige Menschen für viele kleine Dinge. Aber in jedem Fall Alleinerziehende und Eltern mit kranken Kindern. Davor ziehe ich hochachtungsvoll des Hut.
410. Hast du eine gute Gewohnheit, die du jedem empfehlen würdest?
Ich gehe wann immer sich die Gelegenheit bietet zu Fuß und verzichte aufs Auto.
411. Was überspringst du in der Zeitung?
Den Kulturteil
412. Was machst du, wenn du graue Haare bekommst?

Nichts. ich stehe zu meinen grauen Haaren. Und ich freue mich schon auf eine graue Mähne.

413. Was war auf deinem letzten Instagram-Foto zu sehen?

Ich bin nicht bei Instagram.

414. Stehst du lieber im Vordergrund oder im Hintergrund?
Mal so, mal so. Ich kann beides.
415. Wie oft lackierst du dir die Nägel?
1 mal im Halbjahr vielleicht.
416. Bei welchen Nachrichten hörst du weg?

Kriegsverbrechen und Gewalt gegen Frauen und Kinder.

417. Bei welcher TV-Sendung würdest du gern mitwirken?

Keine Ahnung, da ich sei Jahren kein Fernsehen mehr geschaut habe.

418. Womit belegst du dein Brot am liebsten?
Mit Käse
419. Was ist deine grösste Schwäche?
Ich bin zu leistungsorientiert.
420. Wie kumpelhaft bist du?
Sehr.

Mit Lamasus im Dorf unterwegs „halten Sie das Kind fest“ und „passen Sie auf“

 

In meiner Kleinstadt sieht es aktuell an vielen Stellen so aus wie auf diesem unscharfen Bild zu erkennen. Baustellen an vielen Orten wegen des Internetausbaus. Da die Welt ja behindertengerecht ist, kommt man auch mit einem Kinderwagen für Mehrlinge gut durch. Leider ist die Welt nicht so wie sie sein sollte und daher ist es oftmals eng und manchmal schlichtweg nicht machbar. Da die Kinder gut im Lauftraining sind, haben wir diese Woche den Wagen getauscht und ich fahre mit dem Einlingswagen mit Trittbrett und nehme den anderen Zwilling an die Hand. Wir haben ein System, das klärt, wer wann gehen darf. (Die Kinder gehen gern). Die nächste Herausforderung wird sein, dass beide gehen dürfen. Das traue ich uns aber aktuell noch nicht zu. In jedem Fall haben wir es jetzt bei den Baustellen viel leichter, da der Einlingswagen schmäler ist und so super wendig, dass ich ihn auf bergauf mit 6 Kilobaby und 15 Kilozwilling ohne größere Anstrengung einhändig schieben kann. (Ich würde ja Werbung dafür machen, aber das traue ich mich nicht mehr…)
Allerdings hatte ich in den letzten Wochen zwei derart verbal übergriffige Kontakte mit den Hoch- und Tiefbauarbeitern, dass ich mich heute entschlossen habe, deren Büro darüber zu informieren. Ich dachte mir, dass es falsch ist, wenn ich mich klein und scheiße fühle, weil andere davon gestesst (oder was auch immer) sind, dass ich an der Baustelle vorbei muss.
Aber alles der Reihe nach: Dass zahllose Baustellen im Dorf sind, habe ich ja schon gesagt. Dass es meistens machbar ist für mich, die Kinder dennoch sicher in die Kindertagesstätte und zurück zu bewegen auch. Dass ich die  Wege am Wochenende vorab abgegangen bin, um sicherzustellen, dass ich ohne weiteren Erwachsenen, der mir helfen kann, mit allen vier Kindern den Weg meistern kann, erwähne ich noch dazu. Dass ich den Kinderwagen gewechselt und meine Breite damit halbiert habe, ist auch schon gesagt worden. Ich betone all das, um schon vorab den Beleg dafür zu erbringen, dass ich wunderbar alleine klar komme, so in Leben und Alltag – auch unter erschwerten Bedingungen.

Mittags kam ich zu der oben gezeigten Baustelle mit allen Vieren. Zwilling 2 ging lieb und gesittet an der Hand, Minilama fragte, wie es am besten fahren soll. Die anderen beiden waren im/ auf dem Kinderwagen. Die Baustelle hatte sich etwas verändert und war unpassierbar geworden. Ich bat einen Bauarbeiter, den Bauzaun einige Zentimeter zu verschieben. Und ich betone: Ich habe wirklich nett gefragt. Aber der Mann hat mich nicht ausreden lassen, sondern unvermittelt angeblafft, ich solle „das Kind“ festhalten, da an der Böschung ein Gitter fehlte, dass Arbeiten an der Böschung absicherte. Ich war von 0 auf 100. Wegen der Art, des Tonfalls und dem Subtext, der sich mir aufdrängte. Ich habe es runtergeschluckt und erneut um Verbreiterung des Fußweges gebeten. Der Bordstein ist dort 15 cm hoch, das packt man nicht schnell mit den Kindern und dem Verkehr an der Stelle. Auf der Straße gehen ist absolut keine Option. Aber der Mann war nur an der Gefahrenstelle an der Böschung interessiert, die er ja geschaffen und nicht abgesichert hatte und unterstellte mir ein klein wenig, dass ich nicht in der Lage sei, das einzuschätzen und zudem „das Kind“ nicht im Griff habe. Und das vor meinen Kindern. Absolutes No-Go. Ich kann diese Art von  Männerverhalten nicht leiden. Noch mehr: es macht mich zunehmend wütend. Da das zu zeigen aber „hysterisch“ und daher abzulehnen ist, schweige ich meistens. Aber: Ich bin durchaus auch ohne dumme Kommentare lebensfähig. Der Beweis ist ja mit meiner bloßen Existenz erbracht.

Ich habe den Kloß im Hals unterdrückt. Als dann heute wieder so was ähnliches passiert ist, dieses Mal direkt an der Kita, habe ich beschlossen, dass es reicht. Bauarbeiter haben nicht das Recht, mich vor meinen Kindern anzublaffen, wenn sie ihre Baustellen im laufenden Verkehr nicht absichern und deshalb nervös werden. Sie haben nicht das recht, einen Bagger unter voller Motorauslastung anzumachen, wenn ich mit meinen Kindern daran vorbeigehe und mich vorher mit Wort und Geste angekündigt habe und mir kein Signal gegeben wurde, dass ich jetzt warten muss. Wohl aber war klar, dass ich wahrgenommen wurde. Ich versuche es ja – ich grüße, ich frage, ich mache mich bemerkbar.
Aber – und das brachte heute das Fass zum Überlaufen:  Ich weiß selbst, dass ich auf Schotter mit einem Kinderwagen vorsichtig fahren muss und ich kann es nicht leiden, wann 5 Männer daneben stehen und sich angucken, ob ich das auch hinkriege. Kriege ich. Auch ohne Regieanweisung. Auch mit einer Hand, auch mit einem weinenden Großkind und einem weinenden Baby. Ja, ich kann das. Aber es ist schade, dass ich das muss, weil den Bauarbeitern offensichtlich nichts daran liegt, den normalen Betrieb in der Stadt und vor einer Kita einigermaßen am Laufen zu halten.
Und damit ich nicht meine gute Kinderstube vor meinen Kindern vergessen muss, um klar zu machen, dass ich mir diese verbalen Übergriffe nicht gefallen lassen werde, habe ich neben der deutlichen und sachlichen Verneinung der männlichen Regienanweisungen eben auch deren Büro angerufen. Welches mir versichert hat, dass das nicht die Fimenpolitik sei und es ihnen echt leid tue.
Und Schulterklopfer an mich: ich lasse mich nicht mehr klein machen. Ich kann mein Leben eigenständig gestalten. Auch wenn ich nur eine Frau bin und daher per se ständig meine Tage habe und immer emotional instabil bin  – oder was Frauen auch sonst immer unterstellt wird.  Ich brauche weder einen Papaersatz noch einen Souffleur oder Regienanweisungen. Ich kann selbst denken und handeln.

 

1000 Fragen an mich selbst #20

Seit ich bei bei Frau Frische Brise die Reihe „1000 Fragen an mich selbst“ gesehen habe, überlege ich, ob ich nicht mitmachen soll. Und ja, ich habe Lust. Daher steige ich jetzt etwas verspätet ein. Wer sich für die Hintergründe usw. interessiert, hier entlang.

381. Wen hast du zu Unrecht kritisiert?
Das sind so viel Leute, dass ich es sicher nicht alles erinnere. Die Kurzfassung ist wohl: Manchmal sehe ich nicht das Ganze und kritisiere dann Teile davon. Und wenn ich einen besseren Überblick bekomme, erkenne ich dann gerne, dass die Leute es doch nur gut gemeint haben. Und wenn jemand es gut meint, dann kritisiere ich das Ergebnis nicht – sondern muss beschämt meine Bosheit eingestehen.
382. Machst du manchmal Spässe, die du von anderen abgeschaut hast?
Eher nicht. Ich bin nicht für meine Spaßseite bekannt.
383. Bestellst du im Restaurant immer das Gleiche?
Zunächst einmal: Ich bin super selten in Restaurants. Das liegt daran, dass ich Kinder habe und im Grunde meine selbst gekochten Mahlzeiten besser und deutlich billiger sind. Außerdem weiß ich zuhause besser, wo die Lappen sind, um Verschüttetes aufzuwischen.
Falls ich doch mal außer Haus esse, vielleicht zu Weihnachtsfeiern mit dem Büro, dann ist es Immer sehr ähnlich. Das liegt nicht nur an meinem ausgesucht feinen Geschmack, sondern auch daran, dass ich seit Minilamas Geburt kein Fleisch mehr esse. Und auch keinen Fisch und nur ungern Ei. (In der Schwangerschaft war das der Knaller, da auch Salat und die meisten frischen Sachen eher schwierig sind außer Haus) Will heißen: ich bestelle das einzige auf der Karte, das dem einigermaßen entspricht. Alphalama und ich wollen schon länger mal in ein explizit vegetarisches Restaurant gehen, aber aktuell haben wir andere Prioritäten.
384. Gibt es etwas, du insgeheim anstrebst?
Es gibt etwas, das ich ziemlich offensichtlich anstrebe: Einen Doktortitel. Ich bin auf dem Weg, aber muss mein Tempo dem Lebensumständen anpassen.
385. Wie würdest du deine Zeit verbringen, wenn du alles tun dürftest, was du willst?
Im Grunde so wie jetzt. Ich habs gut.
386. Was begeistert dich immer wieder?
Meine Kinder. Die sind cool.
387. Welche Sachen kannst du geniessen?
Die Natur, die Stille, einen guten Film und ein leeres Schwimmbad.
388. Findest du es schön, etwas Neues zu tun?

Ja, wenn ich nicht nur Neues machen muss, sondern auch vieles um mich herum bekannt bleibt.

389. Stellst du lieber Fragen oder erzählst du lieber?
Das zweite.
390. Was war dein letzter kreativer Gedankenblitz?
Die Einhörner für Minilamas Party und die Planung für die Babylama Taufe.
391. Bei welchem Song drehst du im Auto das Radio lauter?
Eye of the tiger und Lords of the boards
392. Wann hast du zuletzt enorm viel Spass gehabt?
Enorm viel? Das ist lange her und mir fällt gerade nichts ein. Aktuell führe ich eher eine Proexistenz für die Kinder. Ich freue mich sehr, wenn sie viel Spaß haben, beim Karneval zum Beispiel oder wenn sie zu einem Kindergeburtstag eingeladen sind oder wenn sie beim Lauf eine Medaille gewinnen.
Es wäre also nochmal Zeit dafür.
393. Ist dein Partner auch dein bester Freund oder deine beste Freundin?
Ja. Sonst wären wir gar nicht zusammen. Das gehört für mich zusammen.
394. Welchen Akzent findest du charmant?
Den französischen. Ich kenne aber auch sonst kaum welche aus eigener Erfahrung, wenn ich ehrlich bin.
395. In welchen Momenten des Lebens scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen?
Eigentlich nie.396. Wann hast du zuletzt deine Frisur geändert?
Als ich in der Grundschule war. Und das nicht freiwillig. Meine Mama hat ihre Haare abgeschnitten und ich bekam auf eine fesche Kurzhaarfrisur. Ich sah doof aus und habe mich auch irgendwie unattraktiv gefühlt. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass Mädchen mit langen Haaren höher im Kurs standen. Seither sind meine Haare immer lang, mal brustlang, mal kinnlang, im Sommer dann etwas kürzer wegen der Läuse. Aber grundsätzlich immer lang und seit der Oberstufe habe ich auch immer einen Seitenscheitel. Mal streng gezogen, mal locker, aber immer das gleiche Prinzip. Warum das Gute verändern?
397. Ist an der Redensart „Aus den Augen, aus dem Sinn“ etwas dran?

Ja, oft schon. Aber es gibt immer wieder Personen oder Dinge, die mir sehr präsent sind trotz Abwesenheit.

398. Wie nimmst du Tempo aus deinem Alltag?
Wieso sollte ich das tun? Ich mag es lebendig.
399. Machst du jeden Tag etwas Neues?
Bei Weitem nicht. Aber ich probiere immer wieder mal was Neues aus, wenn mich etwas inspiriert.
400. Bei welchen Gelegenheiten stellst du dich taub?
Manchmal, wenn die Kinder so laut nach mir brüllen und ich davon ausgehe, dass sie eigentlich doch nur ein Gummibärchen wollen. Dann mache ich mich im Bad noch fertig und verweigere es eben 40 Sekunden später.

Trugbilder

Ich bin nun schon seit mehr als fünf Jahren Mama und ich merke dennoch immer wieder, wie ich auf diese Trugbilder reinfalle. Früher waren es die gut gelaunten Mamas mit ihren Babies, die durchschliefen oder die wie nebenher stillten und scheinbar immer saubere, neue Sachen für ihre niedlichen Babys hatten. Dass ich mir einfach jede Woche eine andere Mama aussuchte, die das dieses Mal gut geregelt bekam, fiel mir lange gar nicht auf. In jedem Fall war ich hinter immer richtig fertig mit der Welt, weil ich mich so minderwertig als Mama fühlte. Denn, wenn wir ehrlich sind, ist es ganz und gar nicht entspannt, mit einem Baby (oder jetzt mit Kleinkindern) das Haus zu verlassen. Immer wieder frage ich mich mitten im Anziehchaos, wenn aber noch Sonnenmilch gebraucht wird, einer noch die Hose voll hat, ein anderer schon wieder alles ausgezogen hat, was man eben noch mühsam angekämpft hat (der Sommer mildert übrigens nur ab), ein Kind in Tränen ausbricht wegen einen großen Ungerechtigkeit von meiner Seite und der vierte Rotz und Wasser weint, weil er nur auf Mamis Arm so richtig glücklich ist, warum ich das überhaupt will, dieses Rausgehen. Und dann fängt es draußen auch noch zu regnen an. Mein persönliches Kryptonit mit vier Kindern und 2 Kilometern Wegstrecke vor mir.

Es ist natürlich nicht jeden Tag so intensiv hier, aber entspannt war es im Grunde genommen seit Jahren auch nicht mehr. Immer wachsam bleiben, dass die Türen abgeschlossen sind (neuerdings auch, dass die Schlüssel außer Reichweite sind, denn meine Kinder sind sehr intelligent und da sie zu mehreren sind auch richtig erfindungsreich), dass keine Sonnenmilch in Reichweite ist, dass meine Arbeitskleidung (die saubere, ohne Löcher) nicht herumliegt, dass auch sonst nichts da ist, was die Kinder anziehen könnte (ob es was zu essen für mich ist, ein Stein oder Deko) oder oder. Parallel dazu muss an 1000 Sachen gedacht werden von der Wechselwindel für die Zwillingslamas und eine andere fürs Babylama, Helm, Fahrradhandschuhe und Fahrradschloss für Minilama, Sonnenschutz für alle, was zu trinken für alle und Regenschutz, Kitarucksäcke mit allem möglichen Krams, Wechselkleidung (nahezu täglich, da die Zwillinge in der Kita ungelogen 3-4 mal in der Woche auslaufen) und Sachen für die Freizeitgestaltung, Und was zu essen ja auch immer. Und Warnwesten. Und wehe es fehlt was. Da sind die Kinder gnadenlos. Vor allem, wenn andere dabei sind, ist das immer das erste, was berichtet wird. Wobei mir das schon längst irgendwo vorbei geht. Ehrlich. Der Vorwurf, die Sachen wären irgendwie kaputt hingegen, der ist jetzt ja neu und da lerne ich noch den coolen Umgang. Der Lernprozess hat mich schon ein bisschen Geld gekostet bisher, da ich dem Kind dann umgehend mal was Ordentliches gekauft habe. Aber nur was kostet, bringt auch was, oder wie war das?
Als ich nur Minilamas Mama war war klar für mich: Wenn man grade mal eine Stunde außer Haus ist, braucht man im Grunde nichts außer wetterangepasster Kleidung. Man verhungert und verdurstet nicht so schnell. Fertig aus. Auch Wechselkleidung hatte ich keine dabei, meist auch keine extra Windel. Ging super. Aber die anderen hatten das alles dabei, in schweren Säcken schleppten sie den Hausstand mit umher. Und so kam es, dass ich in der Krabbelgruppe auch ein Fläschchen mit Wasser dabei hatte. Ich denke damit hat alles angefangen. Die dauerte 45 Minuten und ist mal eben über die Straße. Unwillig zwar, aber Minilama hat schon geguckt, was die anderen hatten. Daher hat Minilama ja auch immer neben dem Kitabrot noch was Leckeres dabei. (Und ja, das empfinde ich als anstrengend, mir jeden Tag was neues Nettes auszudenken) Weil es eben guckt, so die Erzieherinnen. Oder: Weil es dem Kumpel mal in die Hand gebissen hat, weil der eine Milchschnitte dabei hatte. Ich hasse es nach wie vor, wie sehr ich mich durch das Verhalten anderer beeinflussen lassen muss, weil meine Kinder es eben mitbekommen und das auch wollen. Ganz im Ernst: Man verhungert und verdurstet nicht, wenn man eine Stunde ohne unterwegs ist. Man kann auch Musikunterricht haben ohne Essen und Trinken zu müssen. Was ich übrigens konsequent umsetze. Und auch stolz drauf bin.
Mit den Jahren ist es aber trotzdem immer mehr geworden. Da die Zwillinge so gut trinken, müssen sie dauernd gewickelt werden, Mit den sch*** Plastikwindeln sogar noch öfter. Überall wickele ich. In der Kita, auf dem Spielplatz, am Brunnen, vor der Turnhalle, auf dem Sportplatz.
Dabei ist immer mehr Zeugs. Die Kinder haben über die Woche verteilt mehrere Hobbies, Wechselkleidung, Essen, Trinken, andere Schuhe – alles packe ich noch dazu. Und öfters ist irgendwas kaputt, zu klein oder sonst was, dass wir dann direkt noch im Laden was Neues kaufen (müssen.) Der Wagen ist total voll und ich fühle mich wie eine Krake, wenn ich daraus alles ausgebe. Und ich hole dann aus der Kita ab und bringe hin und hole nach einer Stunde wieder ab. Meist mit allen Kindern im Schlepptau.
Die Kinder zu Holen und zu Bringen ist echte Arbeit. Der Wagen ist schwer, die Kinder lebhaft. Insbesondere seit Babylama seine Schreiphasen mit dem Abholen und manchmal auch mit dem Bringen synchronisiert hat und ich einfach nicht genug Arme habe, um alles zu bewerkstelligen. Aber von anderen helfen lassen will ich mir auch nicht. Denn das wertet mich in meine Leistung als Mutter zu sehr ab. Ich kann nicht über meinen Schatten springen. Der Leidensdruck ist wohl noch nicht groß genug.
Wenn wir zum Sportplatz gehen, alle fünf nachmittags, ist das ein Kraftakt. Das muss ich mal so sagen. Es ist echt anstrengend. Obwohl ich schon alles reduziert habe, was ging und dauernd überlege, wie ich die Dinge vereinfachen kann. Aber die Umgebung macht es eben nicht immer leicht.
Da ist der Schotterweg, auf dem der Kinderwagen sich so schwer drücken lässt, zumal wenn Zwilling 2 nicht mal eben vom Board absteigen will, der Ausraster von Zwilling 1, der sitzen muss, das Steinewerfen von Zwilling 2, die Heulattacke vom Baby (frisch gewickelt, frisch gefüttert, den kompletten Heimweg bis hierher auf dem Arm getragen – nur dass es nicht heißt, dass Baby habe Hunger…) usw. Es nieselt, Minilama soll sich noch umziehen, beobachtet aber die frisch manikürten Einzelkindmädelsmamas in den sauberen Stoffhosen mit den glänzenden SUVs, die ihre kleinen Zicken grade vom Tanzen abholen und sich über deren Tonfall austauschen und trödelt so sehr, dass alle anderen schon auf dem Sportplatz sind und wir nachrennen müssen – obwohl wir mit als erste da waren. Nicht nur ich kann das nicht leiden. Minilama auch nicht. Absolut nicht. Und schon geht das Gemecker los, bei mir stumm, bei Minilama so wortreich wie in meinem Kopf. Währenddessen klägliches Babygeschrei und schwere Aggressionsattacken gegen den altersschwachen Doppelwagen von Zwilling 1, der raus will, nur raus. Wir sind schließlich auf dem Sportplatz und da wird gelaufen und mit dem Rechen die Sprunggrube gerecht (nur 1 Mal, weil ich nicht gecheckt habe, mit welcher Mordwaffe da hantiert wird, aber egal). Zwilling 2 ist kurzzeitig verloren gegangen, fällt aber durch die auffällige Jacke dann doch wieder auf, die meine Schwiegermutter uns genäht hat). Ich muss nur ein bisschen laufen, um zur Gruppe aufzuschließen. Kein Problem, da ich eben über die Brücke schon den Aufwärmsprint gemacht habe, als das Zwilling 2 mit ungelogen voll Stoff die Brücke runter gerannt ist und ich es schon mit dem Kopf auf der Fahrbahn habe liegen sehen. Und dieses Kind ist dermaßen schnell – ich kann kaum glauben, dass es erst 2 ist. Zum Glück ist Minilama die letzten Meter jetzt zu Fuß unterwegs, das Rad ist abgesperrt am Fahrradständer vorm Stadion. Minilama hat sich auf dem Heimweg verhört gehabt und war losgefahren als ich Stopp gesagt hatte. Zum Glück war die Autofahrerin aufmerksam. Von daher bin ich froh, dass aktuell eine Gefahrenquelle ausgeschlossen ist.
Als es dann geregnet hatte und alle mich angeblafft haben (bis aufs Baby, das hat geblafft, weil ich es wieder abgelegt hatte, damit es nicht nass wird), dass es jetzt regnet (Minilama wegen des getrübten Sichtfeldes, Zwilling 2, weil ich beim Schirm halten helfen wollte und Zwilling 1, weil ich das Beißen ins Regencover untersagt habe), habe ich kurz gedacht, ich kann nicht mehr – aber was solls? Es geht immer weiter. Ich habs ja nicht anders gewollt. Und will es im Grunde auch nicht anders. Ich denk mir immer wer A sagt muss auch B sagen. Wer Kinder will darf meiner Ansicht nach ruhig eine frühe Fremdbetreuung wählen (da hatte ich mal ein Streitgespräch mit anderen Mamas, die meinen dafür bekäme man ja keine Kinder und dass 2 Jahre daheim nötig seien. Sehe ich anders, denn ich hab nicht 5 Jahre studiert und 2,5 Jahre Ausbildung hinter mir, um mir dann ein Haushaltsgeld überweisen zu lassen. Außerdem kenne ich die Unterhaltsgesetze und die Rententhematik), aber man soll schon nach Kräften die Kinder in ihren Stärken fördern.
Und wenn ich dann andere Mamas (jede Woche andere natürlich) sehe, wie sie leichtfüßig aus dem Auto steigen, dem Kind noch nachwinken und nach einem kurzen Plausch heim düsen, dann habe ich wieder dieses Trugbild vor Augen. Dass es leicht wäre, was für nebenher. Dass es normal und selbstverständlich ist, dass die Kinder sauber angezogen und fröhlich loslaufen können und in der Pause eine frische Banane mümmeln können. Dass die das vollständige Arbeitsmaterial dabei haben. Dass sie pünktlich da sind, dass sie zeitig abgeholt werden und der Tisch mit frischer Rohkost und Bäckerbrot gedeckt ist, dass Brotdosen für den nächsten Tag gefüllt sind.
Bei meiner Mama sah es immer total leicht aus so als ob sie es nebenher machen würde. Sie war auch immer deutlich cooler als ich, zumindest hat es auf mich so gewirkt.
Ich bin da eher anders. Ich finde es echt anstrengend, immer treu da zu sein bei den Terminen der Kinder, immer noch dafür extra zu versorgen mit besonderem Essen und Trinken, mit frischen Kleidern, mit passenden Schuhen und dabei immer alle Kinder mit im Schlepptau zu haben. Was regt es mich z.B. jeden Dienstag auf, dass die Förderschule an der zentralen Stelle nicht behingertengerecht ist und ich mit dem Doppelwagen nicht bis zu Umkleide komme, dass ich immer einige Kinder vorne stehen lassen muss (oder auch nicht, dann muss ich einigen Kindern nachrennen während ich Minilama beim Umziehen helfe) oder dass die Baustelle an der Steigung zu eng für den Wagen ist und ich auf die Straße ausweichen muss bzw. mit dem Handwerker um 5 weitere cm Straßenbreite verhandeln muss. Erfolgreich allerdings.
Aber bei anderen scheint es doch so smooth zu laufen. Oder doch nicht?