Zweieiige Zwillinge in der Kita getrennt oder in der selben Gruppe?

In nahezu jedem Zwillingsblog, auf dem ich bisher gestöbert habe, kommt irgendwann das Thema trennen oder zusammen belassen auf. Ob in Krippe, Kita, Schule oder Hobby – diese Frage ist irgendwann „dran“. Bei uns aktuell auch (wieder), da der Wechsel von der Krippe (U3) zur Kindergartengruppe ansteht.
Wir haben zweieiige, gleichgeschlechtliche Zwillinge, die seit sie 14 Monate alt sind, gemeinsam eine Krippengruppe mit 8-10 Kindern besuchen. Fast ein Jahr lang waren bei dieser überschaubaren Gruppe noch zwei andere zweieiige Zwillinge. Ich habe damals eine innere Präferenz fürs Trennen gehabt, weil ich dachte, die beiden sollen lernen, sich alleine „durchzubeißen“. Wenn ich darauf bestanden hätte, wäre die Kita sicher mitgegangen, allerdings hätte das bedeutet, dass die Kinder in zwei unterschiedlichen Gebäuden gewesen wären. Das war mir eine Spur zu hart für Kinder, die 14 Monate lang immer zusammen waren außer einigen Tagen an denen Zwilling 1 in der Klinik war. Ideal wäre es sicher gewesen, wenn die Kinder im Nebengebäude, das ein etwas abgeschlossener Bereich mit zwei Gruppen ist, in Nachbargruppen gewesen wären. Dann hätten sie sich immer sehen können, aber es hätte auch gruppeninterne Dinge gegeben, bei denen jeder für sich gewesen wäre. Das war aber aus organisatorischen Gründen nicht möglich und ich habe die gute Idee auch nicht weiter verfolgt. Wir waren einfach froh, zwei Ganztagesplätze angeboten zu bekommen und das nur 8 Wochen nach dem gewünschten Termin.
Die Zwillinge gehen gerne in die Kita, mit seltenen Tagen, an denen sie sich nicht von mir oder Alphalama trennen wollen. Sie fügen sich auch in größere Gruppen bei den Randzeiten gut ein, haben Bekanntschaften gemacht und erste Freundschaften geschlossen. Wobei die Auswahl bei 8-10 Kindern zwischen 10 Monaten und 3 Jahren gering ist und die beiden sich mit dem einen Altersgenossen ihres Geschlechts eher schlecht verstehen. Man könnte fast meinen, es gäbe eine Fehde zwischen den Dreien, wenn man sie reden hört. Das nächste Kind des gleichen Geschlechtes ist 1 Jahr jünger, dann gibt es noch zwei andersgeschlechtliche Kinder, ungefähr im gleichen Alter. Die finden meine Zwillinge interessant, verehren sie auch regelrecht, aber die Interessen kommen nicht zueinander. Die Folge: die beiden spielen in der Gruppe viel miteinander. Und da die Krippengruppe ohnehin eher für sich ist, verbringen sie dort auch die meiste Zeit. Die Zwillingslamas haben im Grunde nur mal Pause voneinander, wenn sie schlafen oder wenn einer der beiden krank zu Hause ist. Das ist eine wichtige Feststellung, die auch erklärt, warum die beiden manchmal extrem genervt von der Anwesenheit des anderen sind. Und da die verbale Ausdrucksfähigkeit nach wie vor nicht sehr hoch ist und auch nicht davon ausgegangen werden kann, dass das Geschwister auf die Bitte nach Ruhe überhaupt reagiert, geht es körperlich immer wieder mal hoch her. Das bringt der gesamten Familie ein erhöhtes Stresspotential und die Kinder können nur selten mal ein Puzzle ungestört legen oder ein Buch in Ruhe schauen. Wir Eltern schauen sehr bewusst darauf, die Kinder zu eigenen Tätigkeiten anzuleiten und den Raum dafür zu bereiten, dass diese auch in Ruhe ausgeführt werden können. Wir bauen in den Alltag noch mehr als ohnehin schon Phasen der freien Bewegung und des Austobenkönnens ein. (so geht jedes Kind eine Wegstrecke zur Kita bzw. von der Kita am Tag zu Fuß) und nutzen jeden Besucher dazu, den Kindern exklusive Ausmerksamkeitszeiten mit einem Erwachsenen anzubieten.
Ich habe die Erzieherinnen nach ihrer Einschätzung gefragt, was die Zukunft in den neuen Gruppen angeht. Sie sind (auch) für das Trennen. Bisher kenne ich bei uns nur Zwillinge, die zusammen geblieben sind (mindestens 6 Familien). Aber auf unsere Zwillinge passt das glaube ich nicht so gut. Mein Bauch sagt, dass das Trennen, wenigstens für die kommenden drei Kitajahre gut sein könnte. Dass die Kinder sich dann nicht auf den anderen stützen, sondern sich selbst behaupten müssen, dass sie ihre Talente entdecken können, dass sie nicht „die Zwillinge“ sondern Individuen sind. Die beiden sind ziemlich unterschiedlich im Temperament und zeigen auch leicht unterschiedliche Interessen. Dennoch sind sie natürlich gleichaltrige, gleichgeschlechtliche Kinder der selben Familie. Allein daher sind sie in vielen Dingen natürlich ähnlich unterwegs. Und dennoch: Ich erkenne immer wieder Funken vom Eigenen, erlebe auch deutlich, wie die Kinder zu Minilama, Alphalama, Babylama, den Großeltern und mir ganz unterschiedliche Beziehungen pflegen, wie sie unterschiedlich auf Fremde zugehen, wie sie sich für leicht abgewandelte Themen interessieren. Noch sehen sie sich sehr ähnlich, vor allem, denke ich, weil die Haarfarbe noch exakt die gleiche ist. Im Gesicht differenziert es sich schon aus – andere erkennen das noch nicht so gut. (Ich unterscheide aber auch nur meine eigenen Zwillinge korrekt und irre mich doch, wenn ich sie von hinten sehe, vor allem, wenn sie die gleiche Jacke tragen. Aber auch sonst mal so. Und dann schimpfe ich, weil der Gerufene nicht gehört hat. Und dann schäme ich mich ein bisschen.)
Wir trennen sie also ab dem Sommer. Auf einer Etage können sie nicht sein, denn dann wäre einer von ihnen bei Minilama. Und davon rät die Kita ab, ich will es auch nicht. Minilama braucht defintiv seinen eigenen Bereich, gerade im Vorschuljahr. Und genau das gestehe ich den Zwillingslamas auch zu. Den eigenen Bereich. Einer wird oben bei Minilama sein (und zwar der Zwilling, der die nicht so innige Bindung an Minilama hat) und der andere neben der Krippengruppe, wo auch die morgendliche Auffanggruppe ist. Wir probieren es aus. Ich bin gespannt.

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