Wochenbett Nummer 3: Auf die Beine kommen nach sekundärem Kaiserschnitt

Aktuell erlebe ich mein drittes Wochenbett. (Minilamas Wochenbett, Zwillingslamas Wochenbett) Die ersten zehn Tage, also das engere Wochenbett sind schon vorüber und durch den längeren Klinikaufenthalt (7 Tage, davon 6 mit Baby) auch rasend schnell vorbei gegangen. Bei Minilama war ich von Mittwochnacht bis Sonntagabend im Krankenhaus gewesen, bei den Zwillingen von Montag bis freitags (mit Kindern ab Dienstagabend). Ich habe jedes Mal nach Bedarf entschieden, heimzugehen. Immer, wenn ich mich einen Tag im Krankenhaus gelangweilt und auf daheim gefreut habe, bin ich am kommenden Tag nach Hause gegangen. Dieses Mal durch die OP bedingt und dadurch, dass Babylama schon bei 37+5 zur Welt gekommen war (Minilama: 39+2, Zwillingslamas: 38+1), habe ich mich im Krankenhaus lange sehr gut aufgehoben gefühlt. Als die Ärztin freitags sagte, ich könne nach Hause, wenn ich wollte (was scheinbar viele Mehrfachmamas auch rasch wollen), habe ich fast geweint und sie gebeten, dass ich noch bleiben darf. Wochenbett zuhause mit diesen starken Schmerzen (nicht zu vergessen die Nachwehen, die wirklich bei jedem Kind schlimmer werden) und einem Baby, dessen Bilirubinwerte noch kontrollpflichtig waren bei der restlichen Herde, die einfach sehr wild und laut ist, konnte ich mir nicht gut vorstellen. Außerdem bin ich nach der Geburt (wie nach allen) rasch in den Selbsterhaltungsmodus gekommen und wollte nach mir sehen, meinen Körper in Ruhe eincremen, meine blauen Flecken, meine Einstichstellen, meine Narben pflegen, mich wieder neu kennenlernen, meine Rippenprellung (schmerzhaft auch noch nach 2 Wochen) und Verspannungen mit Salbe einreiben und meine trockenen Lippen einreiben, mich in Ruhe duschen und nach dem Wochenfluss gucken. Das alles geht zuhause eher schlecht, wenn man noch im Schneckentempo unterwegs ist. Ich blieb freiwillig und gerne bis Montagmorgen. Die Kinder kamen mittwochs, samstags und sonntags zu Besuch in die Klinik. Samstags machten wir die Baby- und Familienfotos. Gerade für die Zwillinge war die neue Situation hart, besonders für den jüngeren, den Nähe bedürftigen Krawallbruder/schwester. Sehr mamabezogen wollte das Kind am liebsten, dass die Mama schon am Mittwoch mit nach Hause kommt, auch wenn Babylama dann allein im Krankenhaus bleiben muss. Diese Trennung von den Kindern tut immer weh, aber ich weiß aus der Kita, dass die Kinder sich schnell an neue Situationen gewöhnen und dann das Programm mit der Oma oder dem Papa genießen können.
Im Krankenhaus ging es im Grunde täglich ein bisschen besser. Schon am Abend der OP bewegte ich meine Füße, um keine Thrombose zu bekommen, bekam den Blasenkatheter gezogen (wirklich keine große Sache, kann man gut aushalten und ist total schnell wieder vorüber) und durfte zur Toilette. Das Aufstehen tat richtig weh, wegen der frischen Narbe, aber wenn ich mal stand, ging es auch gut Mein Kreislauf war gut und ich konnte in Ruhe zur Toilette, Hände waschen und wieder zurück. Das Aufstehen über die Seite fiel mir schwer, ich glaube aber, dass es dran lag, dass das Zimmer für Rechtshänder gestellt war und ich normalerweise immer über links aufstehe. Bis ich auf die Idee kam, war es auch über rechts einigermaßen machbar. Ich habe mich öfters über mich geärgert, dass ich wie der erste Mensch versuche, aus dem Liegen (oder Halbsitz) hochzukommen, zumal ich gar nicht mehr so starke Schmerzen dabei hatte. Meine Bettnachbarin, die einen Tag weiter war, kam mir da viel flinker vor, was Alphalama und meine Mutter aber bestreiten.
Am Donnerstag wurde das Pflaster entfernt und ich durfte zum ersten Mal duschen. Das ging ähnlich gut wie nach der Zwillingsgeburt.
Ich bin stolz darauf, dass Babylama immer bei mir im Zimmer war und ich morgens immer mit zum Waschen und Wiegen und der Morgenuntersuchung mit ins Schwesternzimmer gegangen bin bzw. am Mittwoch Alphalama. Auch nachts war das Kleine immer bei mir, wenn ich mir auch den Luxus gegönnt habe, mir Fläschchen ans Bett bringen zu lassen. Ab Freitag hatte ich Internet im Zimmer und konnte mich so z.B. über die Werte bei der Bilirubinuntersuchung informieren oder noch eine warme Hose und Hemdchen für das Baby bestellen. Denn hier war und ist es so kalt wie eigentlich nie. Einen Overall hatten wir schon vorher angeschafft und den Schaffellfußsack aus meiner Kindheit lag schon bereit.
Ich habe ab Donnerstag täglich 20 Minuten Physiotherapie auf dem Zimmer. Ich mache gerne mit, übe auch im Bett. Auf Inkontinenz oder Organsenkungen habe ich keine Lust. Die Gebärmutter rauscht nach unten, nach zwei Wochen sieht der Bauch auch wie vorher, wenn auch etwas weicher, auch dieses Mal keine Diastase am Bauch. Ich übe täglich ein bisschen und überlege schon, wann ich mit der Rückbildung anfangen will. Nach Ostern, Entweder nach 8+2 Wochen wie bei den Zwillingslamas oder nach 9+2 wie bei Minilama peile ich an, je nachdem, was bei der Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt herauskommt.
Gewichtsmäßig bin ich leicht unzufrieden, aber in dieser Schwangerschaft hatte ich mich auch weniger im Griff als vorher. Einstiegsgewicht 55 Kilo, Maximalgewicht 67 Kilo. 6 Tage nach der Geburt auf der heimischen Waage noch 63,4 Kilo. Ein Schlag ins Gesicht für mich.
Bei den Zwillingen und Minilama hatte ich die gleiche Gewichtsentwicklung. Bei den Zwillingen war nach der Geburt alles wieder weg, bei Minilama kam ich 8 Tage nach der Geburt schon unter das Ausgangsgewicht, wegen der Anstrengungen vom (erfolglosen) Stillen. Das Gewicht geht auch hier runter, am Wochenende war es bei 61 Kilo, heute bei 60, aber ich hatte ja schon beim Heimkommen eine 5 vorne erwartet. Es mag auch an den Medikamenten liegen, klar. In der Klinik habe ich wirklich nicht geschlemmt, das Essen dort ist eher mäßig, auch Zuhause achte ich jetzt besonders aufs Essen und darauf, so wenig wie möglich zu naschen. Sport ist ja nicht möglich, Bewegung auch kaum, mit 2000 Schritten am Tag habe ich keine Grundlage.

Am Donnerstag und Freitag bekomme ich Besuch von einer befreundeten Kollegin, die in dem Krankenhaus als Seelsorgerin tätig ist. Wir plaudern im wahrsten Sinne über Gott und die Welt und mir tut das richtig gut. Am Freitag segnet sie zum Abschied unser jüngstes Kind, wie auch schon die Zwillingslamas. Ansonsten laufen die Tage so dahin. Wir ergeben uns der Klinikroutine mit Babywaschen und Visite morgens, Blutdruckmessen und Heparinspritze, frühem Mittagessen und ausgiebiger Nachmittagspause. Alphalama bringt Post mit, wir machen die Anträge für Kindergeld, Elterngeld, Mutterschaftsgeld, Familienversicherung und Haushaltshilfe fertig und er versendet. Parallel dazu laufen die Freizeitaktivitäten der Kinder weiter, Alphalama holt und bringt und reicht Müsliriegel.
Kleinere und größere Sorgen wie Gewebeflüssigkeit über der Narbe oder der Biliwert kommen auf und werden besprochen. Aus meiner Sprachlosigkeit nach Minilamas Geburt habe ich gelernt. ich frage, ich hake nach, ich sage, was ich brauche. Auch wenn es mir manchmal zu doof ist, zum vierten Mal nach Abstilltee zu fragen, frage ich trotzdem. Weil ich nicht mehr will, dass es mir so schlecht geht wie nach der Geburt von Minilama.
Meine Bettnachbarin, die einen Wunschkaiserschnitt hatte, stillt. Ich erlebe ihr versuchen mit, höre wie das Baby hysterisch die Brust anbrüllt, wie sie vor Erschöpfung selbst weint, zufüttert, wie die eines Nachts im Stillzimmer stillen soll, wie die Rede von Wiegeprobe und Abpumpen ist. Ich mache oft die Trennwand zwischen uns, sage ihr, dass ich sie nicht beim Stillen stören will. Wir unterhalten uns total viel und angeregt, aber ihr Weg triggert mich total, das gebe ich zu. Bei ihr ist der Spuk nach drei Tagen rum, die Milch fließt sichtbar. Ich freue mich für sie. Die Anstrengung hat sich gelohnt, das Kind trinkt aus der Brust.
Sie geht samstags abends nach Hause nachdem es mit den Untersuchungen für sie und das Baby ewige Wartezeiten gegeben hatte. Das erinnert mich ziemlich an Minilamas Entlassung, ich kann gut verstehen, dass sie gestresst ist. Sonntagmorgen müssen sie wiederkommen, wegen Bilikontrolle.
Bis zu meiner Entlassung habe ich ein zuzahlungsfreies Einzelzimmer, was ich sehr genieße. Besonders am Sonntagnachmittag, als die ganze Herde zum Kuchenessen zu Besuch kommt, ist das halbleere Zimmer natürlich ein Segen und wir können uns als Familie richtig schön beschnuppern.
Babylama muss am Montagmorgen erneut auf Neugeborenengelbsucht kontrolliert werden, der Wert sinkt aber signifikant, sodass wir keine weitere Klinikfahrt auf uns nehmen müssen. Kurz vorm Einschlafen sonntags, als ich gerade mit Alphalama schreibe und wir überlegen, was zuhause für die Ankunft des Babies noch gerichtet werden sollte, fällt mir plötzlich auf, dass mit der Brust etwas nicht stimmt. Was, ist schnell erfühlt. Trotz Abstilltabletten am Tag der Entbindung wieder mal ein sekundärer Milcheinschuss. Wie immer ohne Milch, einfach noch eine massive Schwellung der Milchdrüsen (auch der auxiliären in den Achseln, mit denen ich ja auch gestraft bin), die Brust ist fest, schmerzempfindlich und leicht warm. Mir wird auch leicht warm und ich werde auch sauer. Sauer, weil ich seit der Geburt meinen kompletten Flüssigkeitshaushalt mit Salbei- und Pfefferminztee stille, weil ich Tag und Nacht einen engen BH trage, die Brust immer kühl abdusche und auch sonst alles mache, was man tun muss, um einen Milcheinschuss zu verhindern. Ich klingele direkt die Schwester herbei, die fragt, ob ich nicht anlegen will. Will ich ja, aber es bringt ja nichts, das habe ich schon alles durch. Sie fragt, was wir letztes Mal gemacht haben. Ich sage, dass ich nochmal Abstilltabletten nehmen musste. So bekomme ich wieder welche, diese Parkinsonmedikamente, die die Impulskontrolle hemmen. (Warum lese ich mir auch den Beipackzettel durch?) Ich nehme drei halbe innerhalb eines Tages, habe also zuhause noch eine übrig. Bis ich mein AA-Körbchen wieder habe, vergeht eine weitere Woche. Ich trinke mehr als vorher, nur Salbeitee, esse Salbeibonbons tütenweise, trage mein Sportbustier Tag und Nacht und kühle morgens und abends mit Gelpacks und zwischendurch mit Kohlblättern. Meine Temperatur kontrolliere ich mindestens 5-mal am Tag. Auch die Hebamme ist mit wütend. Schmerzen ohne Sinn, sagt sie. ich stimme ihr zu und weine immer wieder darüber. Doofe Hormone.
Die Schmerzen werden besser, ich stehe weitestgehend schmerzfrei auf. Dafür verkrampft sich mein starker Beckenboden immer wieder, was nicht nur auf der Toilette Probleme macht. Ich lerne eine Entlastungsübung, es wird besser.
Die Tage verbringe ich auf der Couch, helfe aber zu Stoßzeiten beim Essen machen und Kinder fertig machen mit. Ein Mal täglich gehe ich ab Mittwoch (8 Tage nach OP) an die frische Luft, knapp 10 Minuten, etwa 400 Meter. Die Strecke ist nicht groß steigerbar. Ich bin traurig darüber, dass ich nicht schneller fit werde, nehme es zwar nicht an, aber verhalte mich dennoch entsprechend.
Den Transport und das Abholen und die Kita werde ich über Wochen nicht machen können, auch mal in den Lidl gehen oder zum Auto gehen und die Strecke fahren, wird nicht drin sein. Ich bekomme die Bewilligung für die Haushaltshilfe (habe ja dieses Mal durch den Kaiserschnitt die Medizinisch stichhaltige Begründung, warum ich Hilfe brauche. Es ist nahezu unmöglich, jemanden zu finden. Meine Mutter unterstützt mich beim Betteln am Telefon, es klappt. Am Mittwoch, wenn Alphalama zum ersten Mal arbeitet ist, kommen die Hilfe und die Chefin zum ersten Mal ins Haus. Es fällt mir schwer, das alles zuzulassen, aber ich muss zum Wohl der Familie das Spiel mitspielen. Leider kann die Hilfe nicht Auto fahren, Kindertransport und Einkauf wird also eher schwierig. Die Omas und Alphalama erklären sich bereit, mit meinem Auto die Kinder zu holen und zu bringen und zu ihren Nachmittagsaktivitäten zu begleiten. Ich bestelle Essen vom Biobus, die liefern nach Hause.
Ich hoffe, die Haushaltshilfe macht die Wäsche, räumt sich richtig ein, bügelt, putzt, räumt auf. Vielleicht kann ich sie bitten, die Fenster zu reinigen, den Keller zu wischen und den Kühlschrank auszuwaschen, Das wäre schön. Mir wurden 15 h/Woche bewilligt. Ob der Träger die leisten kann, ist noch unklar. 3 Mal die Woche sind aber aktuell sichergestellt, die Stundenzahl müssen wir schauen. Ähnlich war es aber bei den Zwillingen, es ging da auch gut. Damals konnte ich aber schon wieder gehen, habe Minilama in die Kita gebracht und abgeholt. (Die Hilfe kam aber auch nach zähen, teils unverschämten Verhandlungen mit der Kasse viel zu spät in der vierten Woche nach der Entbindung, und drei Wochen nachdem ich zuhause offiziell alleine war. Meine Mutter kam aber regelmäßig zum Helfen).
Alphalama war 2 Wochen zu Hause, hat mich gut unterstützt, jetzt muss ich jeden Tag mehr in den Alltag zurückfinden, fitter werden. Ich hoffe, es läuft alles gut vorwärts.

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