Übungsphase

Aktuell übe ich mit den Zwillingen, wie man „selba“ im Dorf unterwegs sein kann. Die Kleinen sind in dieser „selba“ Phase und knatschen ordentlich los, wenn man vor lauter Geräuschkulisse und Seitengespräch überhört, dass das magische Wort gefallen ist. Ich liebe diese Autonomiephase sehr, denn unterstütze es, dass die Kinder so viel sie selbst können, auch selbst machen. Ich empfinde es als riesige Erleichterung, Kinder zu haben, die sich selbst die Jacke anziehen und ausziehe, die Loop und Mütze anziehen und die Interesse am Schuhe an- und ausziehen haben. Ich muss dazu sagen, dass meine Kinder dabei auch gleichermaßen ambitioniert wie begabt sind und mit minimalen Handgriffen der Unterstützung richtig gute Ergebnisse erzielen. Es macht auch Spaß, sie selbst machen zu lassen und ja, man spart richtig Zeit dabei, wenn das ständige Hinterherrennen und dompteurhafte Bändigen eines motzigen Kindes beim Ankleiden entfällt. Außerdem ziehen die beiden sich dann auch nicht mehr alles aus, was man ihnen zuvor angezogen hat.

Ich bin also voll dafür und finde es auch toll, dass man zunehmend mit ihnen reden kann. Wenn beide Eltern da sind, lassen wir ihnen oft die Wahl, wer die Windel wechseln soll oder wer die Zähnen nachputzt. Ja, sie putzen sich tatsächlich auch schon die Zähne selbst. Also spielen im Mund herum mit der Bürste. Aber sie lassen uns hinterher auch „nachputzen“, also sauber putzen ohne groß zu brüllen und spülen auch schön mit Wasser aus (ohne alles leer zu trinken). Wenn nur ein Elter da ist, ist wenn  Minilama Lust dazu hat, auch Minilamas Hilfe eine Auswahlmöglichkeit. Wir haben einen guten Zeitpuffer morgens und auch abends eingebaut, dann klappt dieses Vorgehen auch richtig gut. Und wir sind total konsequent, wenn Unsinn gemacht wird. Wer wegläuft und Unfug macht (in der Chaos-Einliegerwohnung aktuell ja auch gefährlich, weil vieles auf den umgekehrten Stühlen herumliegt. Wir arbeiten aber stetig dran.), wird in den Buggy gesetzt (also in den Buggy, den ich extra dafür gekauft habe. Das ist ein absolutes Billigding, nicht so recht straßentauglich, aber die Kinder kriegen den Verschluss am Sitz nicht auf, und zwar alle 3. Ein derart tolles Billigding gibt es echt selten.) und muss warten. In der Kita haben sie dafür Stühle und wohl etwas mehr Autorität, denn da stehen die Minis nicht mehr auf, wenn sie einmal drinnen sitzen. Mit uns wollen sie gern zanken und das geht leider nicht, wenn Gefahr im Verzug ist und/oder die Mama merkt, dass ihr gerade alles zu viel wir und sie geneigt ist, loszumeckern. Das soll ja nicht die letzten Momente vorm Kitatag bestimmen und daher helfen wir uns aktuell zur Not so aus. Parallel dazu äußern die beiden schon seit dem Sommer immer wieder den Wunsch, nicht im Buggy zu fahren, sondern selbst zu laufen. Auch hier rennen die Kinder offene Türen ein. ich merke, dass das Doppelbuggyschieben mich echt anstrengt, mit Baby. Außerdem sind unsere Kinder ja sehr  groß und entsprechend schwer. 14 Kilo wird jeder Zwilling sicher haben. Und obwohl wir einen guten Buggy haben und den auch neu gekauft haben. muss ich sagen: Das Ding ist echt am Ende. Ich würde das Modell trotzdem immer empfehlen, aber man muss einfach sehen, das wir im Schnitt 7 Kilometer am Tag mit dem Buggy fahren und das seit die Kinder 9 Monate alt sind (also seit sie sicher sitzen können), weil der Kinderwagen, den wir gebraucht vorher hatten, ein echtes Monster war und ich so froh war als ich das leichtere Modell nehmen konnte. Wir kaufen damit auch ein, also hängen kiloweise Einkäufe noch zusätzlich dran, Windeln und sonstiger Kitakram sowie Sportbeutel sowieso. Einige Male  war auch das Buggyboard mal angebracht und wenn es eng wird, mache ich auch die Hundeleine vom liebsten Leihhund am Griff fest. Der Buggy leistet Schwerstarbeit und auch die viel zu engen Straßen im Dorf belasten ihn zusätzlich. Wie heißen: Bekämen wir nochmal Zwillinge, wäre ein Neukauf über Kurz oder Lang angeraten. Das wir aber einen Einling erwarten, war ohnehin ein Anderskauf nötig, denn ihr könnt euch denken, wie Minilamas Kinderwagen ausgesehen hat als wir mit dem fertig waren. Da war ein Laufpensum noch höher, da das Kind nur im Wagen gut schlief und ich den Wagen nicht  in die Wohnung kriegen konnte. Den Wagen haben wir für 50 Euro als Zweitwagen verkauft und jetzt endlich mal was Solides angeschafft. Auch wieder gebraucht und auch wieder unter der Maßgabe weniger als 200 Euro. Mehr gebe ich nicht aus, bringt ja nichts. Ich bin mal gespannt, ob dieses Markenprodukt überzeugt. Einzelbuggies haben wir ja auch 2 Stück. Das Billigding und Minilamas Zweitwagen. Der erste Einzelbuggy verlor eines Tages nach zahllosen Kilometern ein Rad. Da haben wir umgehend einen Ersatzwagen gekauft, damals noch unter der Hinsicht, dass ein krankes Minilama oft so schwach war, das es dann gar nicht laufen konnte. Und zur Apotheke oder Kinderarzt oder einfach zum Lufttanken wollte ich unbedingt was Wendiges haben. Hat sich auch für einen kranken Zwilling schon bewährt und ich nutze den Wagen, der immer im Auto herumliegt aktuell gern zum Transport meines Einkaufs vom Parkplatz nach Hause (wir können ja schlecht am Haus halten und da wir eine Bank gegenüber haben, tun das Wildfremde gern und wir Anwohner haben dann das Nachsehen und müssen manchmal sogar warten und „bitte“ sagen, damit wir mit dem Kinderwagen ins Haus können/dürfen.) Am Anfang hatte ich immer den Doppelbuggy im Auto und habe die Kinder so in die Kita gebracht, wenn wir nicht ohnehin zu Fuß unterwegs waren. Bei Regen und Sturm habe ich erstmal den schweren Buggy aus dem Kofferraum geholt, aufgestellt und die Kinder reingehoben. Da war ich und auch der Buggy oft schon durchnässt bevor es richtig losging. Die Taschen konnten dann auch gut dran. Mit der Zeit habe ich mich – auch schwangerschaftsbedingt – dazu entschieden, es mit dem deutlich leichtern Einzelbuggy zu probieren. Der liegt im Auto, i ich fragt ab, wer heute will, dort rein, der andere läuft entweder an der Hand (ging oft super schlecht, auch weil der Wagen mit einer Hand so schlecht zu lenken war und ich keine Zeit hatte, Räder festzustellen) oder einer stieg hinten in den Korb (ist nicht erlaubt, da das Kind zu schwer ist, weiß ich, habe ich aber trotzdem gemacht und für die 100 Meter zur Kita ging es gut, da die Kinder so klug sind, sich aufs Metall unter dem Korb zu stellen.) Mittlerweile gehen wir eigentlich nur noch ohne den Buggy in die Kita, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind. Jedes Kind bekommt seinen Rucksack auf den Rücken, ich schnappe mir rechts und links einen Zwerg und wir überqueren die Straße. Die Kinder sind erstaunlich fit darin und laufen auch kaum noch weg. Hier sehe ich eine große Weiterentwicklung bei den Kleinen. Minilama kann das alles ja schon länger, Minilama fährt ja auch mit dem Rad oder Roller in die Kita ohne dass ich eine einzige Verkehrsinfo mehr geben muss. Wenn wir nur einen Einling als zweites Kind hätten, wäre ich sicher auch schon deutlich weiter. Aber auch die Herausforderung mit zwei Wuseln umzugehen während mehrere Baustellen vor, an und neben der Kita sind und ein echtes Verkehrschaos in der sonst ruhigen Nebenstraße herrscht, nehme ich an und spüre, wie ich täglich besser damit umgehen kann. Das ist ja im Grunde das Wesentliche: Die Kinder haben keine Probleme mit Situationen. Sie wollen die Welt entdecken. Das Problem sind die Eltern, die überfordert sind und selbst nicht wissen, was zu tun ist. Zumindest ist das bei uns so. Sobald ich akzeptiere, wie es ist und mir wirklich Gedanken mache, was die Kinder brauchen, was ihre Bedürfnisse sind und mich komplett darauf einstelle, wird es einfacher. Parallel dazu weiß ich und wissen die Kinder jederzeit, was geschieht, wenn sie die Grenzen übertreten. Denn da kann ich mit 3 Kindern und im Schwangeren Zustand keine Kompromisse machen. Wenn es gefährlich wird, müssen alle drei sofort auf mich hören, auch wenn ich nicht gleich eingreifen kann. Wer warum auch immer dazu gerade nicht in der Lage ist, verliert sein Laufprivileg.

Dieser Lernprozess läuft ungefähr seit Sommer, seit die Zwillinge zwei Jahre alt sind. Verstärkt ist meine Ambition, die Kinder hier vorrangig zu fördern dadurch, dass wir bald ein weiteres Familienmitglied haben, das definitiv im Einzelwagen gefahren werden wird und es auf dem Buggyboard maximal Platz für ein weiteres Kind gibt. Wenn möglich aber zumindest streckenweise für gar keines, denn der Weg zur Kita hat einige fiese Steigungen und meinem Beckenboden zuliebe wäre ich gern in der Lage, die Laufskills der Zwillinge genau dann abzufragen, wenn es Bergauf oder steiler begab geht. Zwilling 1 hat mehr Lust am Laufen und kann sich selbst aus dem Buggy lösen. Dieses Kind läuft also tendenziell öfters und ist deutlich weiter in der Verkehrssicherheit als Zwilling 2. Am Anfang haben beide alles angefasst, jede Hauswand befingert, jede Treppe in fremden Hauseingängen erklommen, jede erreichbare Klingel gedrückt jede erreichbare Hecke abgerupft, jeden Stock aufgelesen, auf alles damit geklopft, jeden Stein aufgesammelt, sind überall drauf geklettert. Das habe ich vielleicht 300 Meter ausgehalten bevor ich ein völliges nervliches Wrack war. Denn parallel dazu ist ja noch Verkehr auf der sehr engen Straßen und das nicht zu knapp un dich stelle mir andauernd die Frage, wie weit ich das Tun der Kinder laufen lassen kann ohne dass ihr Verhalten sozial unkonform wird. Unsere Kinderärztin hat uns mal so gesehen als sie mit dem Rad unterwegs war. Wir haben beim  nächsten Arztbesucht auch darüber gesprochen. Sie hat es von sich aus angesprochen, fand ich super. Sie hat mich bestärkt und in manchem auch entlastet, das fand ich sogar noch besser. Wenn man ständig die hysterische Irre  gibt, zumindest den Eindruck hat, dass man dauernd nur lautstark herummeckert und durch die Gegend blökt, tut es total gut, wenn man auch Bestärkung erfährt. (Letztens nannte mich eine andere Mutter sogar „gelassen“ angesichts all dessen, was um mich herum so los ist. Toll, aber leider unwahr.)

Diese Phase haben die Kinder (weitgehend) hinter sich gelassen und heben nur noch Kaugummis und Kippen auf, klettern an einigen erlaubten Stellen und springen nach wie vor mit Anlauf in jede Pfütze. Es bleibt also noch was zu tun.
Streckenmäßig sind beide top fit. Die 1,7 Kilometer sind konditionell kein Problem. Sie laufen die meiste Zeit, gehen ist nur zum kurzen Ausruhen vorm erneuten Laufen. Zwilling 1 geht deutlich besser am rechten Rand des Gehweges, Zwilling 2 kaspert für meine Begriffe allgemein noch zu viel, spielt Fangen, rennt zu nah  an die Straßenkante heran. Da fehlt es nicht nur an Übung, sondern auch an grundlegender Einsicht oder von mir aus auch an Gehorsam. Zwilling 2 geht daher nach wie vor meist nur den kürzeren Weg, kommt spätestens am Brunnen immer in den Buggy, weil er es irgendwie übertrieben hat, z.B. im trockenen Brunnen herumgematscht hat und Jacke, Hand und Gesicht völlig schwarz verdreckt sind – gern während ich Zwilling 1 die Windel wechsele, weil es einfach nötig ist grade.

Wir haben für alle Familienmitglieder gute Warnwesten angeschafft, damit wir auch im Halbdunkel gut gesehen werden und ich lasse die Zwillinge aktuell ungefähr auf halber Strecke aus dem Buggy raus, da ist ein relativ breiter Gehweg und die Kinder können den Rest des Wegs (bzw.-. eben bis zum Brunnen) schön bergab laufen. Zwilling 1 schafft regalmäßig die gesamte Reststrecke ohne mütterliches Meckern, muss nur am Weihnachtsbaum vom Schlagen gegen die Deko abgehalten werden und ist dann mit einer Klettermauer ablenkbar für weitere Schritte. Zwilling 2 braucht noch etwas mehr Beobachtung. Aber ich sehe gute Fortschritte und denke, die Kinder sind auf einem sehr guten Weg.

Heute war ein besonderer Morgen. An einer breiteren Straße hing Zwilling 1 schwer an meinem Buggy, Zwilling 2 lief vor und ich schaute mehr auf ihn als auf das Kind, das sicher und nah bei mir war. Plötzlich mitten auf der Straße Geruckel und Gebrüll von Zwilling 1. Da ich ungern mitten auf einer Straße stehenbleibe, sind wir erstmal an die Bushaltestelle gegangen, an die natürlich just in dem Moment ein Gelenkbus anfuhr. Und wie sich das gehört, mit ordentlich Geschwindigkeit und Kanten schneiden. Als ich die Kinder aus der Gefahrenzone bewegt hatte, wurde mir klar, dass Zwilling 1 seinen Schuh verloren hatte, mitten auf der Straße. Und ein Auto kam auf dieser Straße gefahren. Minilama befürchtete schon, dass es über den Schuh fährt. Ist zum Glück nicht passiert. Nass war die Strumpfhose natürlich trotzdem.
Später warf Zwilling 2 ein weihnachtliches Wichtelmännchen im Eingangsbereich der Kita vom Sockel, dessen Beinchen dann auf dem Boden zersprangen. Meine Bitte, das Männchen nicht anzurühren, hatte das Kind überhört. (Ich habe das natürlich in der Kita direkt gestanden, ist ja klar und drum gebeten, ein bisschen genauer die Handlungen dieses kleinen Wildlings zu beobachten. Dabei erfuhr ich noch die eine oder andere nette Überraschung in Bezug auf das, was meine Kinder gerade witzig finden.)
Zwilling 1 bekam dann noch eine frische Strumpfhose und Hose, Zwilling 2, wo ich doch schon dabei war, eine frische Windel (ich wollte nicht, dass er noch ewig drin rumsitzen muss, bis die Erzieherinnen ihre Wickelroutine gegen 8.30 Uhr beginnen) und beiden wurden noch sehr ausgiebig die Händchen gewaschen, die vom Fallen und Stolpern ganz dreckig waren. Am Waschbecken trafen wir dann noch eine andere Mama, die ihrem Kind beim Saubermachen half. Der Kleine war auf dem Weg vom Auto in die Kita in den Matsch gefallen…

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