Alltagsästhetik: Einfach nur schön (auch wenn manche mich für irre halten werden)

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

Ja, ich weiß. Schön ist anders. Aber ich kann nicht umhin diesen Anblick verzückt zu genießen. Seit wir hier leben, machten die Rohre in dieser nun aufgestemmten Wand Probleme. Und das gern, wenn anders dran war. Wie Alphalama im Krankenhaus und Schneetreiben in Flussnähe.
Und dass ich meine Spülmaschine sehr, sehr liebe – ein bisschen weniger als meine Waschmaschine schon, aber dann kommt sie auch schon fast – ist mit 5 Leuten klar. Eigentlich bin ich eher Asketin des Lebens, brauche nichts, will nichts – aber ich will dreckiges Geschirr in eine Maschine stopfen und zwar ungeordnet und nicht vorgespült und dann will ich ein Knöpfchen drücken und weggehen, um was anderes zu machen. Unter meinem nicht sehr hausfraulichen Regiment  kommen auch Töpfe (keine Pfannen) und Pfannenwender in die Spülmaschine, auch Weingläser und so alles, wovon uns gute Hausfrauen dringend abraten. Und ich bin sowas von glücklich dabei.
Seit einiger Zeit hat das Rohr wieder Probleme gemacht, das Wasser stand teils in der unteren Küche, stank, verschmutzte das Becken. Und irgendwann ging es nicht mehr weiter. Ich habe Handwerker bestellt und die haben meine schlimmste Befürchtung Schritt für Schritt bestätigt: Das Rohr ist absolut dicht, das Rohr ist schon beim Hausbau fehlerhaft eingebaut worden, es ist ein Wunder, dass so lange was durch ging und kein noch größerer Wasserschaden entstanden ist. (Und das Beste ist: mein Spülverhalten hat, und das sollte man sich gut klar machen: absolut keinen Einfluss auf den Schaden!)
Es muss gestemmt werden und wahrscheinlich so weit wie das Rohr geht (also vom Keller bis in die 1. Etage).
Wir haben geräumt, Chaos gemacht, Chaos erduldet, Staub (noch immer) im ganzen Haus, wochenlang mit der Hand gespült. Ich war wirklich fertig mit den Nerven und habe gemerkt, dass dieses Neue „on top“ zu neuer (und so viel besserer) Stelle, drei Kindern, Schwangerschaft und dem Alltagsgedöns das Maß voll macht.
An irgendwas muss sich das ja entzünden.
Daher habe ich entschieden, dass dieses Rohr zum letzten Mal auf meinen Nerven rumtrampelt und ich wissen will, dass dies kein Thema mehr in meinem Altbau ist. So wie die Heizung oder die Haustüren. Wir haben es einfach komplett erneuern lassen. Fliesenspiegel hin oder her, Bauschutt und sontwas auch egal. Und hoffen, dass die Versicherung was zuschießt. Aber es geht auch ohne. Wir sind ja verantwortungsvolle Erwachsene und haben immer ein Püfferchen für Notfälle. Wobei das hier jetzt bitte der letzte Notfall für dies nächste Zeit war, denn wir wollen im kommenden Jahr sehr gern mit nur einem Auto ins Schwimmbad oder in den Wald fahren und dieses sollte nach Möglichkeit keines aus der Kategorie „für Bastler“ aus dem Jahr 1998 sein.
Und nun zum schönen Part: Die Leitung ist fertig, es fließt Wasser, unten kommt alles im Abwasser an, die Spülmaschine spült, ich kann Teewasser in der Küche holen, habe wieder die Mülleimer hier. Noch ist alles nicht an seinem Platz, aber das habe ich nach 2 vollen und einer halben Schwangerschaft kapiert: Das muss es auch nicht. Da soll doch 3 Wochen ein Regal vor meinem Regal stehen (so gewesen 8/17 in meinem alten Büro) oder 4 Wochen ein Umzugskarton voller Papiermüll im Büro stehen, unverrückbar doof vor der zweiten Tür (so im neuen Büro 10-11/17), sehr viel saubere Wäsche im ungeputzten alten Babyzimmer auf dem Lattenrost (verstaubt natürlich) liegen oder Kügelchen aus dem neuen Stillkissen (ich bin einfach ein hoffnungsvoller Mensch) unser neues Schlafzimmer verschönern (ja, wir haben zwischenzeitlich auch eine größere Zimmertauschaktion vorgenommen, online und im Nachbardorf  Möbel gekauft, sind im Haus größer umgezogen. Alles die Arbeit von Alphalama vor oder nach dem Spülen von Unmengen versifften Geschirr) – ich kann das mittlerweile mehr als gut sein lassen. Und mich mit einem Biojoghurt mit einem halben Bioapfel drinnen (hätte ich mir früher auch nie gegönnt, kaufe ich heute selbstverständlich. Wozu gehe ich denn arbeiten? Rabenmutter zu sein muss sich doch auch mal auszahlen – und zwar für uns alle) auf die Couch legen, auf die linke Seite wälzen und Yonderland oder sonst was Nettes genießen. Das hoch dosierte Magnesium immer in der Tasche natürlich, Prinzipien müssen trotz allem sein.
Ich bin so froh wie die Zwillinge seit jeder seinen Duplobagger hat und ihn jede Nacht mit ins Bett nehmen kann (nicht mehr abwechselnd) oder Minilama seit es ein Ninjagoheft mit seltenem Ninja dabei sein eigen nennen kann – und es die Zwillinge nicht länger in seinem Zimmer besuchen und alles auseinandernehmen, sondern es nun das gleiche im Zwillingszimmer (früher ausladend großen Elternschlafzimmer, nun bombiges Kinderzimmer) besuchen kann und mal ordentlich loslegen kann mit Unordnung ohne Konsequenzen.
Schön, schön, dieses neue Rohr. Und so teuer war der Spaß auch gar nicht. Nicht billig zwar, nichts, was ich regelmäßig tun will, aber ich habe das Doppelte befürchtet. Von daher: Alle Daumen sind oben und ich genieße das Surren meiner Spülmaschine während ich leckere Actyfrykartoffeln aufgabele.
Minilamas Schuh, sozusagen das pars pro toto für meine Aufgabe gegen die Welt und ihre Anforderungen an mich,  wird auch morgen geflickt. Meine Mama hat das altertümliche Nähset aus 2 dicken Nadeln gefunden und meine Oma ihr Wissen weitergegeben und Kordel bereitgelegt. Wir machen das auf die klassische Art. Die wo hinterher alles besser als als vorher. Die mag ich. Morgen wird also dieses Loch im Pololo Geschichte sein.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: