Hier gerade so

Nach einem turbulenten Sommer und unangenehmer Läuseplage starten wir in den Herbst mit einem größeren Dachschaden. Das Fallrohr, das leider unter Putz liegt ist irgendwo verstopft und auch die Kanalfirma rät zum Neumachen. Wir haben ein Gerüst am Haus, das Fallrohr wird zur anderen Hausseite verlegt, über Putz am Haus entlang geführt und im Keller angeschlossen. Wo wir schon mal das Gerüst genehmigt bekommen haben, entscheiden wir uns zum Hausanstrich. Leider versagt uns die Versicherung einen Beitrag – finde ich auch nachvollziehbar, denn letztes Jahr als Alphalama auf Intensiv lag hatten wir schon einem großen Wasserschaden im Keller und die Versicherung hat uns dort neue Rohre spendiert.

Ich kann mich an der neuen Hausfarbe nicht so recht freuen, denn das viele Geld tut mir unheimlich weh. War alles nötig, klar, aber trotzdem.
Ich suche nach einem neuen Auto, da wir demnächst mehr Platz brauchen werden. Große Autos gibt es tendenziell nur als Diesel. Da werde ich aber jetzt nicht drauf einsteigen. Daher suche ich aktuell ohne Erfolg. Wir werden, so wie es grade aussieht zur Not mit 2 Autos fahren.
Ich wechsele die Stelle und bin endlich heimatnah eingesetzt. Eine riesige Erleichterung für alle. Zumal ich den Handwerkern auch jetzt in der Pause Einlass gewähren kann:
Seit kurzem haben wir wieder Ärger mit dem Abwasserohr in der Küche. Es läuft in der Einliegerwohnung ins Waschbecken. Wir hören auf, die Spülmaschine zu nutzen und spülen auf der Hand. Das Wasser geben wir in die Toilette, die mir auch Angst macht, weil sie immer wieder nicht alles schafft.
Ich entscheide mich dagegen, wieder die Kanalfirma zu rufen. Deren Hilfe liegt 17 Monate zurück und es ist an derselben Stelle wieder dicht. Ich habe Angst, dass die alten Rohre bersten, wenn die wieder mit Hochdruck arbeiten. Der Installateur kommt nach 10 Tagen. Er kann nicht helfen, alles dicht. Er hilft mir, einen Handwerker zu finden, der die Wand aufstemmt. Alphalama baut unten die Küche ab. Abends nach 20 Uhr, zwischen den Wachphasen der Kinder. Wir decken ab, alles ist zugestaubt. Wir kommen nicht zum Säubern, die Kindern haben Mund-Hand-Fuß, ich arbeite lange am Tag auf der neuen  Stelle, bin durch die Schwangerschaft extrem geschwächt, kann nicht anpacken daheim.
Das Rohr ist so verstopft, dass auch der Handwerker erstaunt ist. Er muss auch bis in den 1. Stock aufstemmen. Es geht nicht anders. Alphalama hat kürzlich das Loch auf der Straße geflickt vom Anschluss der Fallrohre. Der Handwerker bietet an, die aufgestemmten Wände auch wieder zuzuputzen. Ich freue mich ehrlich. Die andere Küche muss auch raus. Abends nach 20 Uhr, die Kinder weinen, ich liege in ihrem Zimmer auf einer Matratze, Alphalama baut die Küche aus. Das 3. Mal in 4 Jahren. Ich bin traurig wegen des Fliesenspiegels unten und auch wegen des roten Staubs auf der Wand. Die Einliegerwohnung haben wir 2015 zur Taufe der Zwillinge komplett renoviert. Jetzt stehen der Inhalt einer Küche und die Küche im Partyraum. Nun ja – eigentlich ist es der Raum, in dem ich die Wäsche trockne, da der Keller so feucht ist, dass dort alles schimmelt. Den Keller haben wir schon 5 Mal wieder leer geräumt in den vier Jahren hier. Wegen des Tanks, wegen eines Wasserschadens, wegen des Heizungsneubaus.  Minilamas Lederhose ist komplett verschimmelt, habe ich gestern gesehen. Sie bleibt liegen, erst mal. Meine Mama kürzt mir eine Hose, meine Oma stopft meine Socken. Ich brauche grade jede Hand.
Das Nutzwasser in der Küche ist abgestellt, wir kaufen Sprudelwasser in der Mittagspause. Damit die kranken Kinder was trinken können. Die hat es gut erwischt, die Münder sind voller schmerzhafter Blasen. Das hatten wir bei den beiden Malen zuvor mit der Krankheit nicht so schlimm. Ich werfe mehr weg als die Kinder essen. Der Frauenarzt gibt Entwarnung: Für das Bauchbaby besteht keine Gefahr – ich soll aber immer desinfizieren, wenn ich mit den Kindern direkt zu tun hatte.
Die Kinder stehen mit Gehörschutz neben dem stemmenden Handwerker, schauen sich das Ganze interessiert an. Meine Mama kommt, sie kauft Pommes. Es staubt so sehr, dass man nicht guten Gewissens was warm machen kann. Man glaubt es kaum, aber die Pommes gehen gut rein. Die Kinder sind froh. Essen sogar noch Apfel hinterher.
Ich arbeite am Feiertag, damit ich meine Sachen gemacht bekomme, es läuft ganz gut.
Der Handwerker stellt fest, dass Oberflächenwasser quer ins Abflussrohr geleitet wird und auch, dass das Rohr mehrere Kurven nimmt. Ein Novum für ihn. Das hat er nicht nicht gesehen. Er nimmt die Rohre mit heim, die will er nochmal in Ruhe ansehen. Er spricht von versteckten Mängeln beim Hauskauf und befürchtet das gleiche Gefrickel bei den Toiletten. Meine Mutter und ich trösten uns: Im Erdgeschoß ist das WC an ein anderes Rohr angeschlossen. Wenn es also ernst wird, haben wir noch ein ExtraWC. Ich entspanne mich ein bisschen. Auch die Idee mit den Papptellern haben wir wieder verworfen. Es wird eventuell auch anders gehen. Im Dekoladen kann ich kaum sein mit meiner Mama. Warum was Nettes anschaffen, wenn ich es doch bald wieder wegräumen muss? So viel Platz ist nicht und wenn alles so mit Baustaub bedeckt ist, ist es auch nicht mehr schön. Und wer soll das wegmachen? Die letzte Putzfrau hat nach nur einem Mal aufgehört, aus privaten Gründen. Aber egal: Sie ist nicht mehr da. Bisher nur wirklich schräge Gestalten als Alternative gefunden.
Andere Leute haben die Waschmaschine nach 17 Jahren kaputt und rennen im Amok. Wissen nicht, wo sie eine neue herbekommen sollen. (Ich schon, da helfe ich gern) Und sorgen sich, weil das so teuer ist. Nun ja. Andere haben 3 Tage Mund-Hand-Fuß und regen sich auf. Ich muss es echt mal loswerden. Ja, wir können bei allem mitreden und auch jedes Mal die Extremvariante benennen: Minilama ist schon 6 Tage mit Mund-Hand-Fuß krank – zum zweiten Mal seit Juni – und ich weiß nicht, ob es kommende Woche außer Haus kann. Dem Kind geht es echt dreckig. Es hat Appetit, aber weint vorm vollen Teller, weil der Mund so wund ist. Die Kinder anderer Leute schlafen durch, die Zwillinge sind nach wie vor 4-6 Mal pro Nacht wach. Magendarm haben alle nur selten, und wenn nur die Kinder. Wir haben jedes Mal die Krankheit, wenn die Kita einen Hinweis raus hängt –  und zwar alle. Trotz aller empfohlener Maßnahmen zur Gesunderhaltung. Einmal wurde in die volle Kirche gebrochen, zwei Mal waren wir schon stationär, einmal ist hochschwanger mit den Zwillingen, das andere Mal der jüngere Zwilling. 4 Wochen waren alle im März krank, auch die Omas. Wir waren kaum in der Lage, die voll gespuckten Bettsachen noch zu reinigen. Alphalama saß apathisch auf der Couch, ich war völlig fertig. Und Minilama wurde 4. Wir waren beim Gesundheitsamt gemeldet, 6 Wochen war mein Kind nicht keimfrei. Wir hatten im Sommer 2 Mal Läuse innerhalb  3 Wochen, diesmal ohne die Omas. Und das trotz akribischer Behandlung, mehrmaliger Nachfrage in der Apotheke. Minilama und ich haben beim zweiten Mal einen Radikalschnitt machen lassen. Weil Minilama ohnehin die Haare wieder kurz wollte wegen dem ständigen Schwimmen und weil ich in der Frühschwangerschaft  war und kein Mittel auf die Haare gemacht habe. Wir haben dann klassisch ausgekämmt – ging ganz gut mit der neuen Frisur. Auch hier hat meine Mama wieder mit Hand angelegt. Obwohl es sie sicher total gejuckt hat. Ich bekomme immer wieder Komplimente wegen des neuen Schnitts. Ich finde ihn doof, Haare wachsen ja zum Glück wieder.

Auch mein Haus ist Totalschaden denke ich immer wieder. Und werde traurig. Das wollte ich meinen Kindern ersparen. Jetzt sind sie mittendrin. Und Minilamas Hausschuh hat ein Loch vorne.

8 Gedanken zu “Hier gerade so

  1. Au weh –
    Eigentlich bin ich zufällig gestern Nacht in dein (ich hoffe es ist i.O. zu duzen) Archiv gestolpert und habe viel zu lange dort rumgeschmökert. Heute wollte ich noch kurz die Seite wiederfinden weil mir deine Art zu schreiben sehr gefallen hat.
    Auch wenn ich dich nicht kenne – nicht einmal virtuell länger mitlese. Ein paar aufmunternde (auch dieser Ausdruck ist grad der blanke Hohn, sorry) Worte und das Versprechen dir einfach durch positive Gedanken Kraft und Mut zu spenden wollte ich dir zukommen lassen. Das klingt jetzt evtl. leicht überdreht und esoterisch und so bin ich eigentlich gar nicht, aber ich selbst kenne nur zu gut die Momente wo einem alles über den Kopf wächst. Das was du hier gerade beschrieben hast (und Hut ab vor deiner Offenheit) möchte keiner in sein Bündel packen das man durch das Leben trägt. In manchen Situationen gibt es keinen Trost, nur Hoffnung dass es irgendwie besser wird und die Versicherung dass der Mensch stärker ist als man gemeinhin glaubt. Ich wünsche Dir und deinen Lieben Kraft, Humor und viele helfende Hände. Das wichtigste ist dein Mann und deine Familie! Und da wünsche ich euch allen Liebe so stark wie ein Schiffstau.
    Alles Liebe, Elisabeth

    • Hallo Elisabeth,

      genau sowas höre ich doch gern. Vielen Dank für das liebevolle Feedback. Ich habe letztens noch mit meiner Mutter drüber geredet: Aktuell brauche ich wirklich manchmal ein zustimmendes „Ist grade echt doof, da würde ich nicht tauschen wollen“. Das reicht mir dann auch schon, um munter weiter zu machen.
      Komm gern wieder auf meine Seite!
      Liebe Grüße,
      Lamasus

  2. Da musste ich erstmal ein wenig überlegen, ob ich kommentieren soll… ich denke aber, dass öffentliche Schreiben verlangt nach öffentlichem Feedback.
    Klar, „alles super“ ist wohl keinen Blogeintrag wert, aber hier lese ich so oft von Anstrengung und Mühen, selten von Bereicherung durch die Kinder. Dein Wunsch zur Großfamilie in allen Ehren, aber Dein Programm ist doch so schon kaum zu stemmen….
    Übrigens, ich bin ganz sicher, wenn Du Dir die Haare noch kürzer schneiden würdest, wird es toll aussehen:-)

    • Hallo,
      mein Blog ist mein Tagebuch und ich schreibe meine Gedanken darin auf. Und die sind nunmal ehrlich und von dem geprägt, was mich umgibt. Das muss nicht jeder mögen. Ich bin nicht auf der Suche nach Bewunderern.
      Wer in die Tiefe liest, wird sehen, wie oft ich außer mir vor Glück über meine Kinder bin, wie sehr ich es genieße den Alltag mit ihnen teilen zu dürfen. Und auch, dass ich ehrlich über die Wirklichkeit schreibe, wie sie mich umgibt. Und die ist weder rosarot noch instagram-weiß. Wer das sucht, wird sicher im WWW schnell fündig werden.

      Was private Entscheidungen wie die Kinderzahl angeht, da möchte ich sehr deutlich werden: Auch in einem öffentlichen Forum erwarte ich den Anstand, private Entscheidungen unkommentiert stehen zu lassen. Mein Leben, meine Entscheidungen.

      Liebe Grüße,
      Lamasus

  3. Glückwunsch zur Schwangerschaft!!! Und ja,ich lese so viel Alltagsrealismus und Lebenschaos gern!! So ist das Leben. Das Leben mit Kindern.
    Lamasus, viel Kraft dir, das ist hammerhart gerade, was du erlebst.
    Ich denke an dich.

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