Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass

Im Sommer denke ich oft, dass das heiße Wetter uns allen aufs Gemüt schlägt. Dann fahren alle total risikoreich, sind schnell gereizt, alle wollen nur noch weg. Woanders hin als da, wo sie gerade sind. Also ins Freibad zum Beispiel. Alles ist zu eng, zu dick, zu wärmend. Hitze macht uns wirr im Kopf. Chemische Reaktionen laufen ja bei höherer Temperatur auch schneller ab, erinnere ich aus grauer Chemievorzeit.
Im Sommer sind meine drei Schätze grundsätzlich gut drauf, aber das heimgehen zu Fuß an der gleißenden Straße ist oft eine Qual für uns alle. Und ich wäge ab, Ob ich das Auto für die 2 Kilometer nehmen soll, besonders, wenn es den ganzen Tag in der Hitze stand und ich die Klimaanlage gar nicht hoch genug einstellen könnte, ums kühl zu haben. Einmal, da waren die Zwillinge noch kein Jahr als, habe ich die armen Würmchen mitten in der Stadt bis auf die Bodies ausgezogen. Ich hatte sie einfach zu warm eingepackt und sie weinten nur noch. Ich ging den Restweg rückwärts, damit die Sonne die beiden nicht direkt in die Äuglein scheint. (Das riesige Zwillingsschiff hatte keine schwenkbare Schiebestange) Minilama und ich tranken bestimmt 1,5 Liter auf der Strecke. Daheim gabs erstmal ein Fußbad, warmen Minztee (besser als Eiskaltes) für uns alle. Was Ähnliches erlebe ich immer wieder, wenn es regnet. Bei mir und auch bei den anderen Mamas.
Jetzt im Herbst regnet es bei uns meistens nachts und am frühen Morgen. Ich bin schon ein paar Mal wieder umgekehrt, um doch das Auto für den Kitaweg zu nehmen. Nicht, dass wir aus Zucker wären, aber strammes Nieseln durchnässt komplett, wenn man 20 Minuten unterwegs ist. Und die Babylamas sind schon in dem Alter angekommen, wo ein Plastikregencover arg stört und ein bisschen Angst macht. Die beiden stecken immer ihre Köpfe raus. Auch das Verdeck mögen sie gar nicht. Wenn ich es mal bei Kälte über die klappen will, um den Wind etwas abzufedern, meckern sie. Sie mögen es nicht. Und wenn sie dann mit dem Regencover spielen, sind sie bei Nieselregen so richtig nass. Bei Minilama war es genau das gleiche. So unter einer Plastikhaut zu sitzen, ist aber auch eher unangenehm, ich kann es total verstehen. Minilama hat ab einem gewissen Alter selbst einen Schirm über sich gehalten. Aber mit zweien klappt das nicht so richtig. Eigentlich bräuchte mal da zwei Schirme, aber das verleitet zum ausgelassenen Spiel (also wieder Nässe) oder es tropft zwischen den Schirmen durch auf die Kinder.
Alles nicht so ideal. Außerdem regnet es ja auch immer schräg und ein Schirm hält nicht gut was ab. Regenkleidung haben wir keine, also diese Plastikhosen – auch weil ich bisher selbst noch nie Regekleidung hatte, in denen ich nicht mehr geschwitzt habe als sonst war. Mal abgesehen von der Ökosache und den Giftstoffen.
Wenn es regnet gebe ich zu, steigt mein Puls. Dann müssen wir erstmal runter ans Auto, dann alle 3 im Regen ins Auto schaffen, selbst nass werden. Da fängt es schon an. Ich bin ja total gern im Wasser, wenn es uns Schwimmen geht, aber im kalten nassgeregnet zu werden, macht mich total mürrisch.
Und dann habe ich ja zumindest 2 Kinder, die sich am liebsten in der Pfütze suhlen würden (die Kleinen) und einen Pechvogel, der irgendwie immer öfter an Regentagen in die Pfütze tritt oder fällt. Im Grunde wäre das doch kein Problem, aber ich werde nahezu verrückt beim Gedanken, dass die Kinder nass in der Kita ankommen könnten. Alles Wegatmen und Entspannungsversuche gelingen nicht. Ärgerlich eigentlich.
Aber wenn ich das in den Griff bekommen wollte bräuchte ich einen kompletten Ersatzsatz Kleidung für 3. Habe ich für die Kleinen in der Kita, das geht also. (An Minilamas Sachen kommt man vor 8 nicht dran, weil da noch abgesperrt ist) Ausnahme sind Schuhe und Winterjacken. Natürlich haben wir von allem mehr als genug, aber irgendwie dann doch nicht. Dann ist mal was ihn der Wäsche oder wie aktuell: alles ist durch den Rohrschaden in einem chaotischen Partyraum verteilt.
Ich denke mir manchmal, ich sollte noch mehr Ersatzzeugs und Notfallequipment haben. Das würde mich doch entspannen. Aber auch total belasten, dass weiß ich auch. Wo sollte denn das alles hintun und wie oft würde ich es realistisch brauchen? Also wie oft sind die Kinderschuhe wirklich in der Kita morgens so nass, dass ich andere brauche? Oder die Winterjacke so durchnässt, dass ich sie wieder mit heim nehmen muss? Aber wenn es dann so schüttet und die Baustellenwege vor der Kita mit Aquaplaning und Schlamm verschmutzt sind, dann wird mir anders. Ob ich alle 3 hintereinander von der Straße an die Kita bringen soll denke ich mir dann. Aber die Aufsichtspflicht lässt mich das dann sein lassen. Und einfach das Nasssein ignorieren und abgeben, geht auch nach hinten los. Unsere Erzieherinnen können nämlich total gut Dinge sein lassen. Sie wickeln frühestens um 8.10, wenn alle in den Gruppen sind z.B. oder wechseln wenn überhaupt erst dann die Kleidung. Es ist ja auch viel los in der Gemeinschaftseinrichtung. Und die „Dreistigkeit“ zu sagen: Guten Morgen, da sind wir. Mein Kind hat die Hose voll, bitte wickeln.“ „Oder mein Kind ist nass, bitte umziehen. Tschüss bis um 5.“ Hab ich einfach nicht. Ob das ein Makel ist, weiß ich nicht. Zumindest kann ich nicht guten Gewissens gehen, wenn einer nass ist und ich das genau weiß. Ich wäre ja auch gerne trocken – und zwar jetzt und nicht in 40 Minuten -, egal wie sehr ich nicht gehört habe als es hieß, ich soll kein Pfützenbad nehmen. Das war ja eben und jetzt ist alles nass und kalt.
Und so habe ich heute allen dreien ihre Rucksäcke gegeben und mir selbst die Windel-Wechselwäschetasche umgeschlungen. Und Minilama und ich haben je 1 Zwilling an der Hand über die Baustellenstraße zur anderen Baustellenstraße geführt (wird grade viel gebaut an der Kita). Da gingen die Schleusen so richtig auf von oben. Zwilling 1 wollte balancieren. Nur leider war der an Minilamas Hand und ein kleines Kind beim Balancieren absichern kann Minilama, so toll es auch ist, natürlich nur dann, wenn es nichts abzusichern gibt. Aber da es rutschig und dunkel war und außerdem coole Baumaschinen unterwegs waren, ist Zwilling 1 nicht gerade gegangen und entsprechend in die Pfütze neben dem Mäuerchen geplumpst. Keine Verletzungen zum Glück, aber nass war er natürlich schon. Wie sehr war nicht zu erkennen. Dann habe ich Minilama aus der Pflicht entlassen, zumal wir ja die Straße schon überquert hatten und ich gut alle beide nehmen könnte. Das arme Kind war schon deprimiert, dass der Balancierversuch so ins Wasser gefallen war. Beim Übergeben ist Zwilling 1 dann irgendwie auf die Knie gefallen/gerutscht. Das ging zu schnell, ums genau zu erklären. Eine Mischung aus Unwillen und Nichtgutsehen in der Dunkelheit um 7.30 wird es gewesen sein. Just in dem Moment höre ich eine andere Mama die Straße wecken, da ihr Kind (Minilamas Kumpel) nicht willens zu sein scheint, vom Auto den Weg in die Kita zügig zu nehmen. Und da Unstimmigkeiten gern mal der genaueren Überlegung bedürfen, erwägt das Kind, sich auf die Straße zu setzen. Ich betone: Um uns herum Baustellenverkehr und mittlerweile richtiger Regen. Die arme Mama hat gut gemeckert und gebrüllt. Ob das angemessen war, kann ich nicht sagen. Ist ja nur ein Kind. Aber ich war mit Minilama auch überforderter als mit allen dreien jetzt. Von daher, man weiß es nicht. Das Doofe an der Sache: Freezing bei Minilama. Beobachten geht am besten ohne Bewegung. Stop and stare – eine Haltung, die auch ich als Kind gern eingenommen habe, manchmal auch noch heute, wenn ich alleine unterwegs bin. Nur leider hat es doll geregnet und der Wind pustete uns die Kapuzen von den Köpfen. Also auch von meiner Seite eine deutliche Verhaltensanweisung ans Kind. Und ich dachte direkt, hoffentlich ist das Kind jetzt nicht irritiert und tritt in eine Pfütze – auch sowas, das ich gern mache. Verwundert aufschrecken aus der Bewegungslosigkeit, einen Schritt tun und mitten in einer Pfütze stehen. Aber Minilama ist ja zum Glück sehr fix und kennt sich aus. Das Pfützentreten blieb heute komplett aus. Die Zwillinge haben auch keine Lust mehr gehabt in der nassen Kälte rumzustehen und fanden wohl auch keine ansprechende Pfütze zum rein hopsen. Außerdem bündelte das andere Mama-Schauspiel das Interesse dermaßen gut, das ich meine kleine Herde bis auf die eine Ausnahme trocken ins Gebäude bekam.
Was das Ausziehen in der Kita selbst angeht, bin ich mittlerweile verwöhnt. Minilama macht alles komplett alleine, hilft den Erzieherinnen auch noch beim Tisch decken und allem, was sonst anfällt, bringt mir die Warnweste (ich sage ja: Baustellen ohne Ende an der Kita, wir tragen jetzt alle Warnwesten für die 150 Meter) und wenn nötig auch die Handschuhe an den Wagen und läuft fröhlich in die Auffanggruppe.
Zwilling 2 zieht sich meist schneller aus, und ist direkt hinter Minilama in der Gruppe. Mittlerweile setzen die Kleinen sich auf die Bank im Flur und fangen mit den Mützen an, sodass ich die Rucksäcke und den anderen Kram (und das ist immer einiges) in die Gruppe bringen kann. Echt klasse.
Ich verstaue dann immer die ganzen Sachen einigermaßen ordentlich. Und da Zwilling 1 nicht so nass war wie befürchtet, aber auch nicht trocken genug, entschieden wir uns im Dialog für eine andere Hose. Dieses im Dialog sein klappt auch immer öfter mit den Zwillingen. Die Kinder lassen sich öfters auch auf Deals wie „erst putzt du deine Zähne, dann ich“ oder „Soll ich deine Schläppchen anziehen oder willst du, dass eine Erzieherin hilft?“ ein – und das Abgeben endet nicht mehr so oft in einem bockenden trotzigen Kind, das tretend der Erzieherin übergeben werden muss.
Trotzphase 0: Mama 1. Tolle Tage sind das. (Die anderen blende ich mal galant aus).
Morgen bitte keinen Regen, ok? Dann können wir relaxed zu Fuß gehen, müssen keine 25 Minuten vor der Kita warten (waren ja so fertig, dass wir hätten gemütlich zu Fuß gehen können und angezogene Kinder entkleidet man nicht nochmal, um später los zu gehen), nicht noch am Auto rum werkeln müssen und alles mit Bedacht in die Kita bringen können.
Und morgen gibt es dann fürs arme Minilama auch die neuen Schläppchen. Die alten sind zu klein, übergangsweise gab es heute Rutschsocken. Aber morgen dann die neuen, schönen in 31/32. Pololos fallen ja auch klein aus oder so.

Working Mom: mal wieder ein genauerer Blick

Ich bin eine berufstätige Mutter. Und meine Kinder, 4, 2 und 2 werden in einer Kindertageseinrichtung betreut seit sie 12 bzw. 14 Monate alt sind. Ich habe nach beiden Geburten 12 Monate Elternzeit genommen, Alphalama ein Mal 6 vollzeit und ein Mal 12 Monate teilzeit. Seit 15 Monaten arbeite ich wieder vollzeit. Bis Oktober hatte ich täglich 70 km zum Büro zurückzulegen, war im Schnitt 90 Minuten auf der Straße um zum Büro zu kommen, entsprechend länger, wenn ich Außentermine hatte. Meine Arbeit, für die ich 5 Jahre studiert und danach noch mutig 31 Monate eine Fachausbildung auf mich genommen habe, bietet viele Vorteile. Eigenverantwortliches Arbeiten beispielsweise, viele planerische Freiheiten, keine Kernzeiten. Aber ich habe auch eine 6 Tage Woche und viel mit Menschen und dadurch  mit hohem Organisationsaufwand zu tun. In meiner bisherigen Tätigkeit war ich im Bereich Jugend und Schule unterwegs und hatte damit die besondere Herausforderung morgens in den Schulen präsent zu sein und abends freie Jugendarbeit zu machen. Schon als kinderlose Frau fand ich die langen Tage mit dem Loch in der Mitte anstrengend. Durch die nicht ideale Lage meines Wohnturms, gemessen an der Stelle war alles mit viel Planerei verbunden, was mal besser und mal schlechter gelang.
Meine Arbeit ist eine meiner Passionen. Ich brenne für die Sache, liebe das Organisieren und das Finden neuer Wege, habe gern mit Menschen und deren Lebensgeschichten zu tun. Seit ich Mutter bin, ist auch mein Arbeiten viel besser, viel authentischer, viel geschmeidiger geworden. Wo ich früher sehr Akademikerin war, bin ich heute Mensch unter Menschen und kann mein fachliches Repertoire ohne große Anstrengung abrufen. Berufserfahrung ist so was Tolles und Lebenserfahrung sowieso.
Arbeiten ist natürlich nicht nur Spaß und so ungefähr einmal im Monat ärgere ich mich über Umstände, Ideen, Personen oder das System. Ich finde es noch im Rahmen und bin eine sehr zufriedene Arbeitnehmerin. Ich gehe gerne und habe Freude an meinem Tun.
Solange Alphalama tageweise zuhause war ging das mit der weiten Fahrt und den Kitazeiten meist ganz gut hin. An Tagen mit ausladenderen Arbeitszeiten könnte Alphalama den Hol- und Bringdienst übernehmen und ich mich auf die Arbeit konzentrieren. Einige Monate lang habe ich erfolgreich ignoriert, dass sich das ja wieder ändern würde und meine Taktik, an Alphalamas Zuhausetagen 12 Stunden zu arbeiten, um dann an den anderen Tagen die Kinder zu Fuß zu bringen und spätestens um 15.30 Uhr abzuholen ging super auf.
Seit Oktober ist das ja nun anders und ich habe immer wieder überlegt, ob und wie viel ich reduzieren soll. Alphalamas Firma bietet leider keine Teilzeitbeschäftigung an. Meinen Überlegungen kamen zwei Dinge quer: die interne Bewerbung zu einer Dienststelle im Heimatort und das große Geschenk, dass wir noch einmal Eltern werden dürfen.
Aus Überlegungen, die Höhe meines Elterngeldes betreffend, habe ich mich dagegen entschieden, meinen Stundenumfang zu reduzieren und auch da ich mich für die neue Stelle in Vollzeit beworben habe, machte ein Reduzieren eher schwierig. Als ich unerwartet und sehr knapp die Zusage für die neue Stelle erhielt, war ich schon längst schwanger und wechselte zusammen mit Alphalamas Wiedereintritt zur Vollzeitstelle meine Stelle. Ich muss nun nur noch über die Straße gehen, um ins Büro zu kommen. Ich kann zwischendurch nach Hause gehen für die Waschmaschine, für einen Snack oder, um Handwerker einzulassen.
Die Kinder werden nun immer zu Fuß geholt und gebracht und auch Minilamas neustes Hobby, die Musikschule, bringt mich nicht in größere Probleme.
Ein Stellenwechsel, wenn man schwanger ist, ist natürlich nicht ideal. Aber da ich nur die Dienststelle gewechselt habe, ist es  weniger „unfair“ (oder wie man das nennen soll) wie ein kompletter Neueinstieg in einer neuen Firma. Das Ganze habe ich mir mal wieder nicht leicht gemacht und lange überlegt, ob ich meine Stelle überhaupt antreten soll. Aber da ich mich überwiegend aus familiären Gründen auf die neue Stelle beworben habe, machte es auch nur Sinn, die Stelle anzutreten.  Wenn auch nur für eine überschaubare Zeitspanne. Weil dann kann ich hier wieder einsteigen. Mit vier Kindern kann ich nicht mehr eine so weite Strecke fahren wie in denn letzten vier Jahren- bei derart flexiblen (vor allem nach hinten flexiblen) Arbeitszeiten, das ist mir klar.
Zum Glück haben die meisten Kollegen und vor allem der Chef top reagiert. Der eine Ausreißer, der mein spätes Ansagen unkollegial fand/findet ist mittlerweile einigermaßen verdaut. Aber wer so viele Kinder will, braucht ein dickes Fell, glaube ich. Ich bin nach wie vor zurückhaltend mit der Botschaft, ich habe Angst vor Kommentaren wie „asozial“ oder „sonst keine Hobbies“ oder wie auch schon hier im Blog „jetzt schon überfordert und dann noch eins mehr“. Gebe ich ehrlich zu. Ich stehe zu meinen Entscheidungen, ich möchte noch ein Kind und finde große Familien toll. Aber ich bin auch eine sehr sensible Person (schwanger noch umso mehr) und mag es gar nicht, wenn Leute mich ablehnen und ich mich schlecht fühlen muss. Das mit dem Schlechtfühlen wegen allem und jedem kann ich auch gut ohne äußere Einflüsse. Scheint ein Mamaproblem zu sein. Richtig macht man es ja nie.
Meine neue Arbeit ist erwartungsgemäß schön. Schon am ersten Tag dachte ich, dass die Entscheidung die richtige war. Denke ich noch immer. Auch wenn jetzt Umstrukturierungen anstehen, die im schlimmsten Fall eine Wiederherstellung weiter Fahrstrecken bedeuten, allerdings für 2020. Eine Kollegin sagte dazu treffend „geschmeidig bleiben“. Wohl wahr.
Aber auch ohne Fahrzeiten sind die 39 Stunden schon eine Nummer für sich. Ich sitze mehr als vorher abends und am Wochenende am Schreibtisch. Ich bin mal gespannt, was ich mache, wenn die nächste Elternzeit vorbei ist. Ich weiß es nicht. Mal sehen.

Alltagsästhetik: Einfach nur schön (auch wenn manche mich für irre halten werden)

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

Ja, ich weiß. Schön ist anders. Aber ich kann nicht umhin diesen Anblick verzückt zu genießen. Seit wir hier leben, machten die Rohre in dieser nun aufgestemmten Wand Probleme. Und das gern, wenn anders dran war. Wie Alphalama im Krankenhaus und Schneetreiben in Flussnähe.
Und dass ich meine Spülmaschine sehr, sehr liebe – ein bisschen weniger als meine Waschmaschine schon, aber dann kommt sie auch schon fast – ist mit 5 Leuten klar. Eigentlich bin ich eher Asketin des Lebens, brauche nichts, will nichts – aber ich will dreckiges Geschirr in eine Maschine stopfen und zwar ungeordnet und nicht vorgespült und dann will ich ein Knöpfchen drücken und weggehen, um was anderes zu machen. Unter meinem nicht sehr hausfraulichen Regiment  kommen auch Töpfe (keine Pfannen) und Pfannenwender in die Spülmaschine, auch Weingläser und so alles, wovon uns gute Hausfrauen dringend abraten. Und ich bin sowas von glücklich dabei.
Seit einiger Zeit hat das Rohr wieder Probleme gemacht, das Wasser stand teils in der unteren Küche, stank, verschmutzte das Becken. Und irgendwann ging es nicht mehr weiter. Ich habe Handwerker bestellt und die haben meine schlimmste Befürchtung Schritt für Schritt bestätigt: Das Rohr ist absolut dicht, das Rohr ist schon beim Hausbau fehlerhaft eingebaut worden, es ist ein Wunder, dass so lange was durch ging und kein noch größerer Wasserschaden entstanden ist. (Und das Beste ist: mein Spülverhalten hat, und das sollte man sich gut klar machen: absolut keinen Einfluss auf den Schaden!)
Es muss gestemmt werden und wahrscheinlich so weit wie das Rohr geht (also vom Keller bis in die 1. Etage).
Wir haben geräumt, Chaos gemacht, Chaos erduldet, Staub (noch immer) im ganzen Haus, wochenlang mit der Hand gespült. Ich war wirklich fertig mit den Nerven und habe gemerkt, dass dieses Neue „on top“ zu neuer (und so viel besserer) Stelle, drei Kindern, Schwangerschaft und dem Alltagsgedöns das Maß voll macht.
An irgendwas muss sich das ja entzünden.
Daher habe ich entschieden, dass dieses Rohr zum letzten Mal auf meinen Nerven rumtrampelt und ich wissen will, dass dies kein Thema mehr in meinem Altbau ist. So wie die Heizung oder die Haustüren. Wir haben es einfach komplett erneuern lassen. Fliesenspiegel hin oder her, Bauschutt und sontwas auch egal. Und hoffen, dass die Versicherung was zuschießt. Aber es geht auch ohne. Wir sind ja verantwortungsvolle Erwachsene und haben immer ein Püfferchen für Notfälle. Wobei das hier jetzt bitte der letzte Notfall für dies nächste Zeit war, denn wir wollen im kommenden Jahr sehr gern mit nur einem Auto ins Schwimmbad oder in den Wald fahren und dieses sollte nach Möglichkeit keines aus der Kategorie „für Bastler“ aus dem Jahr 1998 sein.
Und nun zum schönen Part: Die Leitung ist fertig, es fließt Wasser, unten kommt alles im Abwasser an, die Spülmaschine spült, ich kann Teewasser in der Küche holen, habe wieder die Mülleimer hier. Noch ist alles nicht an seinem Platz, aber das habe ich nach 2 vollen und einer halben Schwangerschaft kapiert: Das muss es auch nicht. Da soll doch 3 Wochen ein Regal vor meinem Regal stehen (so gewesen 8/17 in meinem alten Büro) oder 4 Wochen ein Umzugskarton voller Papiermüll im Büro stehen, unverrückbar doof vor der zweiten Tür (so im neuen Büro 10-11/17), sehr viel saubere Wäsche im ungeputzten alten Babyzimmer auf dem Lattenrost (verstaubt natürlich) liegen oder Kügelchen aus dem neuen Stillkissen (ich bin einfach ein hoffnungsvoller Mensch) unser neues Schlafzimmer verschönern (ja, wir haben zwischenzeitlich auch eine größere Zimmertauschaktion vorgenommen, online und im Nachbardorf  Möbel gekauft, sind im Haus größer umgezogen. Alles die Arbeit von Alphalama vor oder nach dem Spülen von Unmengen versifften Geschirr) – ich kann das mittlerweile mehr als gut sein lassen. Und mich mit einem Biojoghurt mit einem halben Bioapfel drinnen (hätte ich mir früher auch nie gegönnt, kaufe ich heute selbstverständlich. Wozu gehe ich denn arbeiten? Rabenmutter zu sein muss sich doch auch mal auszahlen – und zwar für uns alle) auf die Couch legen, auf die linke Seite wälzen und Yonderland oder sonst was Nettes genießen. Das hoch dosierte Magnesium immer in der Tasche natürlich, Prinzipien müssen trotz allem sein.
Ich bin so froh wie die Zwillinge seit jeder seinen Duplobagger hat und ihn jede Nacht mit ins Bett nehmen kann (nicht mehr abwechselnd) oder Minilama seit es ein Ninjagoheft mit seltenem Ninja dabei sein eigen nennen kann – und es die Zwillinge nicht länger in seinem Zimmer besuchen und alles auseinandernehmen, sondern es nun das gleiche im Zwillingszimmer (früher ausladend großen Elternschlafzimmer, nun bombiges Kinderzimmer) besuchen kann und mal ordentlich loslegen kann mit Unordnung ohne Konsequenzen.
Schön, schön, dieses neue Rohr. Und so teuer war der Spaß auch gar nicht. Nicht billig zwar, nichts, was ich regelmäßig tun will, aber ich habe das Doppelte befürchtet. Von daher: Alle Daumen sind oben und ich genieße das Surren meiner Spülmaschine während ich leckere Actyfrykartoffeln aufgabele.
Minilamas Schuh, sozusagen das pars pro toto für meine Aufgabe gegen die Welt und ihre Anforderungen an mich,  wird auch morgen geflickt. Meine Mama hat das altertümliche Nähset aus 2 dicken Nadeln gefunden und meine Oma ihr Wissen weitergegeben und Kordel bereitgelegt. Wir machen das auf die klassische Art. Die wo hinterher alles besser als als vorher. Die mag ich. Morgen wird also dieses Loch im Pololo Geschichte sein.

Hier gerade so

Nach einem turbulenten Sommer und unangenehmer Läuseplage starten wir in den Herbst mit einem größeren Dachschaden. Das Fallrohr, das leider unter Putz liegt ist irgendwo verstopft und auch die Kanalfirma rät zum Neumachen. Wir haben ein Gerüst am Haus, das Fallrohr wird zur anderen Hausseite verlegt, über Putz am Haus entlang geführt und im Keller angeschlossen. Wo wir schon mal das Gerüst genehmigt bekommen haben, entscheiden wir uns zum Hausanstrich. Leider versagt uns die Versicherung einen Beitrag – finde ich auch nachvollziehbar, denn letztes Jahr als Alphalama auf Intensiv lag hatten wir schon einem großen Wasserschaden im Keller und die Versicherung hat uns dort neue Rohre spendiert.

Ich kann mich an der neuen Hausfarbe nicht so recht freuen, denn das viele Geld tut mir unheimlich weh. War alles nötig, klar, aber trotzdem.
Ich suche nach einem neuen Auto, da wir demnächst mehr Platz brauchen werden. Große Autos gibt es tendenziell nur als Diesel. Da werde ich aber jetzt nicht drauf einsteigen. Daher suche ich aktuell ohne Erfolg. Wir werden, so wie es grade aussieht zur Not mit 2 Autos fahren.
Ich wechsele die Stelle und bin endlich heimatnah eingesetzt. Eine riesige Erleichterung für alle. Zumal ich den Handwerkern auch jetzt in der Pause Einlass gewähren kann:
Seit kurzem haben wir wieder Ärger mit dem Abwasserohr in der Küche. Es läuft in der Einliegerwohnung ins Waschbecken. Wir hören auf, die Spülmaschine zu nutzen und spülen auf der Hand. Das Wasser geben wir in die Toilette, die mir auch Angst macht, weil sie immer wieder nicht alles schafft.
Ich entscheide mich dagegen, wieder die Kanalfirma zu rufen. Deren Hilfe liegt 17 Monate zurück und es ist an derselben Stelle wieder dicht. Ich habe Angst, dass die alten Rohre bersten, wenn die wieder mit Hochdruck arbeiten. Der Installateur kommt nach 10 Tagen. Er kann nicht helfen, alles dicht. Er hilft mir, einen Handwerker zu finden, der die Wand aufstemmt. Alphalama baut unten die Küche ab. Abends nach 20 Uhr, zwischen den Wachphasen der Kinder. Wir decken ab, alles ist zugestaubt. Wir kommen nicht zum Säubern, die Kindern haben Mund-Hand-Fuß, ich arbeite lange am Tag auf der neuen  Stelle, bin durch die Schwangerschaft extrem geschwächt, kann nicht anpacken daheim.
Das Rohr ist so verstopft, dass auch der Handwerker erstaunt ist. Er muss auch bis in den 1. Stock aufstemmen. Es geht nicht anders. Alphalama hat kürzlich das Loch auf der Straße geflickt vom Anschluss der Fallrohre. Der Handwerker bietet an, die aufgestemmten Wände auch wieder zuzuputzen. Ich freue mich ehrlich. Die andere Küche muss auch raus. Abends nach 20 Uhr, die Kinder weinen, ich liege in ihrem Zimmer auf einer Matratze, Alphalama baut die Küche aus. Das 3. Mal in 4 Jahren. Ich bin traurig wegen des Fliesenspiegels unten und auch wegen des roten Staubs auf der Wand. Die Einliegerwohnung haben wir 2015 zur Taufe der Zwillinge komplett renoviert. Jetzt stehen der Inhalt einer Küche und die Küche im Partyraum. Nun ja – eigentlich ist es der Raum, in dem ich die Wäsche trockne, da der Keller so feucht ist, dass dort alles schimmelt. Den Keller haben wir schon 5 Mal wieder leer geräumt in den vier Jahren hier. Wegen des Tanks, wegen eines Wasserschadens, wegen des Heizungsneubaus.  Minilamas Lederhose ist komplett verschimmelt, habe ich gestern gesehen. Sie bleibt liegen, erst mal. Meine Mama kürzt mir eine Hose, meine Oma stopft meine Socken. Ich brauche grade jede Hand.
Das Nutzwasser in der Küche ist abgestellt, wir kaufen Sprudelwasser in der Mittagspause. Damit die kranken Kinder was trinken können. Die hat es gut erwischt, die Münder sind voller schmerzhafter Blasen. Das hatten wir bei den beiden Malen zuvor mit der Krankheit nicht so schlimm. Ich werfe mehr weg als die Kinder essen. Der Frauenarzt gibt Entwarnung: Für das Bauchbaby besteht keine Gefahr – ich soll aber immer desinfizieren, wenn ich mit den Kindern direkt zu tun hatte.
Die Kinder stehen mit Gehörschutz neben dem stemmenden Handwerker, schauen sich das Ganze interessiert an. Meine Mama kommt, sie kauft Pommes. Es staubt so sehr, dass man nicht guten Gewissens was warm machen kann. Man glaubt es kaum, aber die Pommes gehen gut rein. Die Kinder sind froh. Essen sogar noch Apfel hinterher.
Ich arbeite am Feiertag, damit ich meine Sachen gemacht bekomme, es läuft ganz gut.
Der Handwerker stellt fest, dass Oberflächenwasser quer ins Abflussrohr geleitet wird und auch, dass das Rohr mehrere Kurven nimmt. Ein Novum für ihn. Das hat er nicht nicht gesehen. Er nimmt die Rohre mit heim, die will er nochmal in Ruhe ansehen. Er spricht von versteckten Mängeln beim Hauskauf und befürchtet das gleiche Gefrickel bei den Toiletten. Meine Mutter und ich trösten uns: Im Erdgeschoß ist das WC an ein anderes Rohr angeschlossen. Wenn es also ernst wird, haben wir noch ein ExtraWC. Ich entspanne mich ein bisschen. Auch die Idee mit den Papptellern haben wir wieder verworfen. Es wird eventuell auch anders gehen. Im Dekoladen kann ich kaum sein mit meiner Mama. Warum was Nettes anschaffen, wenn ich es doch bald wieder wegräumen muss? So viel Platz ist nicht und wenn alles so mit Baustaub bedeckt ist, ist es auch nicht mehr schön. Und wer soll das wegmachen? Die letzte Putzfrau hat nach nur einem Mal aufgehört, aus privaten Gründen. Aber egal: Sie ist nicht mehr da. Bisher nur wirklich schräge Gestalten als Alternative gefunden.
Andere Leute haben die Waschmaschine nach 17 Jahren kaputt und rennen im Amok. Wissen nicht, wo sie eine neue herbekommen sollen. (Ich schon, da helfe ich gern) Und sorgen sich, weil das so teuer ist. Nun ja. Andere haben 3 Tage Mund-Hand-Fuß und regen sich auf. Ich muss es echt mal loswerden. Ja, wir können bei allem mitreden und auch jedes Mal die Extremvariante benennen: Minilama ist schon 6 Tage mit Mund-Hand-Fuß krank – zum zweiten Mal seit Juni – und ich weiß nicht, ob es kommende Woche außer Haus kann. Dem Kind geht es echt dreckig. Es hat Appetit, aber weint vorm vollen Teller, weil der Mund so wund ist. Die Kinder anderer Leute schlafen durch, die Zwillinge sind nach wie vor 4-6 Mal pro Nacht wach. Magendarm haben alle nur selten, und wenn nur die Kinder. Wir haben jedes Mal die Krankheit, wenn die Kita einen Hinweis raus hängt –  und zwar alle. Trotz aller empfohlener Maßnahmen zur Gesunderhaltung. Einmal wurde in die volle Kirche gebrochen, zwei Mal waren wir schon stationär, einmal ist hochschwanger mit den Zwillingen, das andere Mal der jüngere Zwilling. 4 Wochen waren alle im März krank, auch die Omas. Wir waren kaum in der Lage, die voll gespuckten Bettsachen noch zu reinigen. Alphalama saß apathisch auf der Couch, ich war völlig fertig. Und Minilama wurde 4. Wir waren beim Gesundheitsamt gemeldet, 6 Wochen war mein Kind nicht keimfrei. Wir hatten im Sommer 2 Mal Läuse innerhalb  3 Wochen, diesmal ohne die Omas. Und das trotz akribischer Behandlung, mehrmaliger Nachfrage in der Apotheke. Minilama und ich haben beim zweiten Mal einen Radikalschnitt machen lassen. Weil Minilama ohnehin die Haare wieder kurz wollte wegen dem ständigen Schwimmen und weil ich in der Frühschwangerschaft  war und kein Mittel auf die Haare gemacht habe. Wir haben dann klassisch ausgekämmt – ging ganz gut mit der neuen Frisur. Auch hier hat meine Mama wieder mit Hand angelegt. Obwohl es sie sicher total gejuckt hat. Ich bekomme immer wieder Komplimente wegen des neuen Schnitts. Ich finde ihn doof, Haare wachsen ja zum Glück wieder.

Auch mein Haus ist Totalschaden denke ich immer wieder. Und werde traurig. Das wollte ich meinen Kindern ersparen. Jetzt sind sie mittendrin. Und Minilamas Hausschuh hat ein Loch vorne.