Schon 2 Jahre Babylamas – Alltag bei den 5 kleinen Lamas

Seit einigen Wochen sind die Babylamas zwei Jahre alt. Sie haben bereits drei Mal das Meer und zwei Mal die Lamas auf ihrem Hof gesehen. Sie sind seit fast einem Jahr Krippenkinder und haben bereits innige Freundschaften mit den Gruppenkindern geschlossen. Nach den Sommerferien sind sie zum ersten Mal ins Eltern-Kind-Turnen  gegangen und erwartungsgemäß ist das genau ihr Ding. Die Babylamas haben richtig Spaß an dem Turnen und sind richtig fit und freudig dabei. Da lacht mein Mamaherz jedes Mal.
Die beiden sind sprachlich auf der Überholspur. Längere Zeit war die motorische Komponente zentral, seit einiger Zeit interessieren sie sich zunehmend für Bücher und das Sprechen. Ein Grund dafür ist sicher, dass ich das Spielzeugangebot nochmals drastisch reduziert habe. Die Kinder haben oft nur umhergeworfen und sich kaum mit einer Sache beschäftigt. Jetzt steht die Murmelbahn, Puzzles, Bücher en masse und das Geburtstagsgeschenk im Wohnzimmer zum Spielen bereit. Ich achte immer stärker auf Ordnung und darauf, dass alles grob seinen Platz hat. Die äußere Ordnung tut den Kindern sichtlich gut und sie sind viel ausgeglichener.
Das überträgt sich auch auf den Rest der Familie. Dennoch sind die Phasen des Trubels hier nach wie vor heftig. Beim Zähneputzen macht sich einer komplett nass, während der andere den Windeleimer inspiziert oder mit dem WC-Stein spielt. Ein fertig angezogenes Kind zieht Schuhe, Mütze und Loop aus, ich merke es beim Ausziehen der Strümpfe, weil ich mich kurz vom anderen Kind, das ich anziehe, abwende. Die Morgenroutine an der Garderobe war schon immer kräftezehrend, aber seit Zwilling 1 die Gurte vom Buggy selbst lösen kann, aussteigt und auf Entdeckertour geht, ist mein Stresslevel deutlich erhöht. Es gelingt mir auch nicht, den Raum uninteressant zu machen.
Die Kinder klettern selbst in ihre Reboarder (die ich und das betone ich ausdrücklich NIE wieder anschaffen würde. Sie sind viel zu teuer und die Kinder können sich schon länger die Armgurte runterreißen, auch auf engster Stufe. Das war schon bei Minilama der Fall. Außerdem werden auch diese Kinder noch vor ihrem 3. Geburtstag einen anderen Sitz benötigen, weil sie dann herausgewachsen sind. Ich bin, anders als Alphalama absolut unzufrieden mit den Sitzen. Sie sind klobig, brauchen extrem viel Platz unpraktisch, man kann sie nicht mal eben tauschen, und ist damit total unflexibel, weil kein anderer die Kinder abholen kann. Und die Kinder müssen entweder gelenkig und willig sein, wenn es ums reinsetzen geht oder die Mama verrenkt sich das Kreuz an zwei 14 Kilokindern – an doofen Tagen vier Mal am Tag. Ich bin froh, dass Minilama mittlerweile einen normalen Sitz hat.)
Beide sind schon mehrmals die Strecke in die Kita gelaufen (nicht gegangen, das machen sie nicht). 1,7 Kilometer stellen keine Herausforderung für sie dar. Für mich ist das natürlich extrem anstrengend, wegen des Verkehrs. Aber seit die Kinder in ihren Buggies nicht sicher verstaut sind, muss ich sehen, wie ich mich arrangiere. Ein Trick ist es schon einmal NIE stehen zu bleiben. Bleibe ich stehen, wird ausgestiegen.
Die Zwillinge sind freundlich und offen. Manchmal ist es mir etwas zu viel Offenheit, wenn sie andere Mamas umarmen oder von fremden Opas vorgelesen haben wollen. Aber ich finde es auch gut zu wissen, dass die Kinder auch ohne mich zurecht kommen, wissen, was sie brauchen und für sich sorgen. Wenngleich ich natürlich zeitgleich alles versuche, keines meiner Kinder aus den Augen zu lassen. Nur weil es viele sind, sind sie kein leichtes Opfer. Ganz im Gegenteil.

Die Beziehung der Zwillinge untereinander basiert auf der Selbstverständlichkeit, dass es den anderen gibt. Das finden die beiden sehr gut und haben das stumme Einvernehmen, dass sie sich unheimlich gern haben. Immer wieder kann man was davon erspähen, wenn sie vorm Einschlafen miteinander sprechen, sich gegenseitig trösten, Heruntergefallenes geben, Essen teilen, etwas für den anderen erbitten oder sich innig umarmen und abküssen. Genauso oft geht es aber auch hoch her. Das wird konkurriert, gekämpft, immer wieder auch gehauen und gebissen, geschubst und gekreischt. Minilama hat eigene Allianzen mit den Geschwistern, aber nach wie vor eine klare Präferenz für Zwilling 2. Dieser ist ihm auch sehr ähnlich, innerlich wie äußerlich. Die beiden sind von Anfang an sehr eng miteinander gewesen. Zwilling 1 bekommt das öfters zu spüren: Minilama ruft den einen zum Spielen, dem anderen knallt es die Tür vor der Nase zu. Und trotzdem gibt es auch ein Band mit Zwilling 1, besonders dann, wenn Minilama Wissen vermitteln will und Bücher vorliest und Bilder erklärt. Da sollte nach Möglichkeit immer Zwilling 1 mitmachen.
Die Zwillinge sind nach wie vor sehr impulsiv und entdeckerfreudig. Nach wie vor sind Dinge wie die Klobürste, Elektrogeräte, Blumen… unter Verschluss, die Türen sind immer geschlossen (obwohl ich das eigentlich gar nicht mag), die Treppenschutzgitter sind auch noch im aktiven Einsatz. Die Kinder gehen mittlerweile sicher die vielen Stufen im Haus, aber ich brauche nach wie vor die Hilfsmittel als Unterstützungsmechanismus für die Aufsicht. Minilama hat immer, soweit zumindest meine Erinnerung, da gespielt, wo ich grade war und daher hatte ich es immer top im Auge. Aber mit mehr Kindern ist einfach mehr Bewegung drin. Einer muss zur Toilette, dem anderen ist ein Glas umgekippt. Das bindet meine Aufmerksamkeit dermaßen, dass ich Kind 3 nicht mehr im Blick habe. Daher muss ich den Aufenthaltsraum begrenzen. Ich lasse immer öfter mehr Freiräume und erlebe, dass die Kinder, wenn sie nicht grade sehr müde sind, gut damit klar kommen. Dennoch: Das Badezimmer kann aktuell nie zugänglich sein. Auch in der Küche muss ich gut Acht geben, da die beiden Herd und Ofen anstellen – manchmal längere Zeit nicht, dann wieder wie getrieben. Auch laufen sie schnell umher und heiße Töpfe und Kessel sind eine große potentielle Gefahr. Die Küche ist daher stark abgesichert und oft klappt das auch gut. Ich habe aktuell, was das Öffnen von Schubladen und Türen in der Küche angeht eine strikte Nulltoleranzhaltung. Vor einigen Monaten habe ich die ohnehin nur locker gefüllte Hauptküche erneut geprüft und weniger Genutztes in die Einliegerwohnung gebracht. Auch die Mülleimer hatte ich ins Bad ausgelagert und wenn ich alleine war im Wohnzimmer gewickelt und Zähne geputzt, um das Bad nicht unbeaufsichtigt zu haben. Davon bin ich abgerückt, weil mir immer klarer wurde, wie sehr das mein Wohlbefinden belastet. Wenn die Klobürste immer auf einem hohen Regal steht und das Klopapier daneben, ist es durchaus noch OK für mich. Aber jeden Apfelkern in einen anderen Raum bringen zu müssen und jede Schublade mit einem Tuch verschließen zu müssen (Türschlösser tun hier nicht ihren Zweck, sondern sind eine Einladung zum erfolgreichen Knobeln), hat mich mit der Zeit wirklich gestört. Nach und nach habe ich zurück geräumt und bis auf kurze Interessensattacken für den Mülleimer oder eine Schublade, die ich umgehend abbreche und bei Wiederholung das Kind aus der Küche verbanne, habe ich wieder eine einigermaßen normale Küche,  – zumindest wie sie Eltern von Einlingen auch haben.
Die Doppelbelastung mit zwei Kleinkindern im selben Alter ist definitiv nicht zu unterschätzen. Daher bin ich, so mein Eindruck, auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten sehr konsequent. Die Klospülung darf nicht einfach so betätigt werden, der Lichtschalter nicht zum Discospielen missbraucht werden, mit Essen in der Hand wird nicht am Boden gespielt. Ich hatte schon Phasen, in denen ich da lockerer war, aber ich habe gemerkt, dass dieses locker sein im Grunde nur stumme Resignation war und die Kinder sich immer weitere Räume erschlossen. Bei der letzten U hat mich der Kinderarzt dann angesprochen und gefragt, ob ich dieses extreme Entdeckertum der Kinder gut verkraften würde, ob die beiden immer so seien wie in der Praxis (wo sie ALLES angefasst, den Rechner mehrmals ausgemacht hatten und auf alles geklettert sind). Da ist mir klar geworden, dass Zwillinge zu haben nicht die Ausrede dafür sein kann, dass die Kinder absolut unreguliert handeln. Und ich habe mir sehr an die eigene Nase gegriffen, dass ich solange den Ausnahmezustand als Normalzustand hingenommen habe. Das ist nicht gut für die Kinder und auch nicht für uns als Eltern.
Ich gehe jetzt kritischer und anders an Situationen heran, versuche mich nicht über die Kinder zu ärgern, wenn sie impulsiv und gefährlich handeln. Vielmehr stelle ich mir die Frage, was genau mich gerade daran überfordert und warum und was nötig wäre, damit ich den Kindern so weit wie möglich in ihren Bedürfnissen entgegenkommen kann. Oft bin nämlich ich überfordert und die Kinder haben gar kein Problem. Wenn beispielsweise die Kinder zu Fuß unterwegs sein wollen, ist das ihr gutes Recht. Die Tatsache, dass ich 2 kleine Kinder habe, muss sie nicht tangieren. Ihr Bedürfnis ist klar und richtig. ich muss dafür sorgen, dass die Kinder sich in einer sicheren Umgebung ausprobieren können. Meine Aufgabe ist es, diese zu schaffen und auf diese Weise meiner Aufsichtspflicht nachzukommen. Ich gebe den Kindern den Rahmen vor, in dem sie handeln können – und nenne gleich die Konsequenz, die eintreten wird, wenn sie nicht den Regeln folgen, die ich aufstelle, um ihre Sicherheit zu garantieren. Übertreten die Kinder beim freien Laufen an der Straße die Regeln, folgt die Konsequenz unmittelbar. Ich habe die Kinder stets genau im Blick; kann ich es nicht leisten, muss das Laufen abgebrochen werden. Auch wenn die Kinder das nicht verstehen und in der Öffentlichkeit ihre Wut darüber zeigen. Damit muss ich als Mutter klarkommen und über Kommentare anderer, die keine Ahnung von dem haben, was ich alles im Blick haben muss, hinwegsehen.
Damit fahre ich aktuell sehr gut. Denn: Ich habe die Zügel in der Hand, nicht die Kinder. Ich bin keine Mutter, die nur reagieren kann, sondern ich agiere von mir aus.
Und ich nehme mir das Recht heraus, mir das Leben etwas einfacher zu machen. Bei Beispiel:
Wir haben mittlerweile 2 Einlingsbuggies im Haus, von denen sie nicht die Gurte öffnen können. Wenn an einem Tag beim Heimkommen große Wallung herrscht, bette ich ein Kind dorthin um, begleite das andere bei der Ankommensroutine und schicke es mit Minilama zusammen nach oben zum Spielen. Dann erst widme ich mich dem anderen Kind. Das gibt natürlich Gemecker, aber ich muss meine Nerven wirklich schonen. Wenn hier nämlich Wallung ist, macht der eine mit der Handseife eine Schlacht, der andere klettert den Handtuchheizkörper hoch, spült 5-6 mal das Klo ab, sitzt auf den Plastikrohren – während ich noch nicht die Jacke abgelegt habe. Das klingt niedlich und süß – aber man darf nicht vergessen, dass die Kindheit meiner Kinder auch mein Leben ist. (Auch so wird ein Schuh draus. Ich lade echt dazu ein, nochmal kurz von den Eltern her zu denken.) Und dass ich auch nach mehr als 8 Stunden Berufstätigkeit und Besorgungen für die Familie erledigen nach Hause komme, dass mir die Füße weh tun und ich von der Lautstärke der Kinder latent Kopfweh habe. Dass ich Hunger habe, aufs Klo muss, meine Ruhe will oder was auch immer.
Die extrem hohe Schlagzahl der Kinder halte ich auf Dauer nicht durch ohne krank oder traurig zu werden und die Kinder nur noch an zu meckern. Das ist mir in der Rückschau auf unseren kräftezehrenden Sommer, wo auch die U stattfand, deutlich geworden. Daher muss ich diese Kompromisse machen und die Kinder müssen, obwohl es ihnen nicht gefällt, manchmal eine kurze Zeit warten. Das läuft für mich aktuell wirklich gut, da ich immer wieder kurze Inseln habe, in denen ich kurz entspannen kann, weil ich weiß, jetzt kann sich keiner wehtun oder Unsinn machen, denn ich habe ja alle gut im Blick.
Die größte Herausforderung an Zwillingen im Alltag ist aktuell für mich die Tatsache, dass ich körperlich nicht in der Lage bin, beide gleichzeitig für längere Zeit zu tragen. Wenigstens einer muss z.B. beim Abholen aus der Kita laufen, seit ich den 18 Kilo Doppelbuggy nicht mehr ins Auto heben will. Andere schnappen sich das Kind auf den Arm, haben die Kitatasche im anderen und haben flugs das Kind im Auto und weg. Das geht mit zweien – zumindest mit meinem Rücken – nicht und damit muss ich als Mehrlingsmutter immer noch zwei, drei andere Ideen im Kopf haben, wie ich wendig (also eben nicht mit dem großen Schlachtschiff von Kinderwagen und dem xxl-Familienvan) ans Ziel komme.
Aber auch nach zwei Jahren ist mein Fazit das gleiche: Wer Zwillinge haben darf, ist gleich doppelt gesegnet. Ich bin jeden Tag dankbar für diese Aufgabe und diese wunderbaren, perfekten, einzigartigen und absolut hinreißenden Kinder – und wachse nach wie vor täglich an meiner Aufgabe.