Aus Babies werden Kleinkinder – und das im Doppelpack

Unsere Zwillinge sind ja schon länger keine Babies mehr. Sie sind schon mehrere Monate lang Krippenkinder. Sie laufen gefühlt schon ewig umher, haben schon das dritte Paar feste Schuhe, denn sie  tragen schon Schuhgröße 23. Sie trinken aus normalen Tassen und Bechern, sie essen von Tellern, benutzen sagenhaft gut Besteck (das kommt aus der Kita, da sitzen wir nur staunend daneben), rasen wie irre mit den Bobby Cars durch Küche und Wohnzimmer (wir haben jetzt drei davon, die haben alle so eine Gaudi mit den Fahrzeugen, dass wir nicht lange gefackelt haben), klettern wie die Äffchen auf die Couch oder auf Stühle und reden uns ein Ohr ab. Die Sprachentwicklung explodiert gerade und da bei uns allgemein ja sehr viel geredet wird, befeuert das das Sprechen ungemein.
Die Zwillinge spielen viel mit Lego, wobei sie lieber auseinanderbauen als zusammensetzen, schauen immer häufiger in ihre Bücher, und sie lieben alle Arten von Figuren – Legomännlein von Minilama, Duplotiere, Schleichtiere, Biegepüppchen und so was. Da sind sie sehr geduldig und auch vorsichtig mit kleinen Teilen. Sie werfen auch gern mit allem Möglichen umher mögen Bälle und Kugeln. Wenn Minilama malt, dann malen sie mit und bringen auch öfters einen Stift ins Wohnzimmer, um anzusagen, dass sie selbst jetzt die Idee zum Malen hatten.
Die Zwillinge laufen sehr sicher die vielen Treppenstufen im Wohnturm an der Hand hoch und runter. Das schont meinen Rücken enorm, denn unsere Kinder sind ja alle groß und Kostverächter sind sie auch nicht.
Wickeln mögen sie nicht so sehr und auch das Zähneputzen mag zumindest Zwilling 2 gar nicht leiden. Der mag auch kein Wasser, weder im heimischen Bad noch im Schwimmbad. Zwilling 2 und Minilama sind sich nach wie vor sehr ähnlich – äußerlich und vom Wesen her. Zwilling 1 ist da eher der Gemütsmensch.  Charaktereigenschaften der beiden kristallisieren sich immer deutlicher heraus. Wobei ich mich in der Definition der Eigenschaften stark bremse – man guckt ja gern auf die Unterschiede und im Endeffekt legt man damit auch einen Menschen fest. Gerade bei Zwillingen finde ich es wichtig, keine Rollen zuzuschreiben.
Was mir auffällt, ist dass die beiden ziemlich gut ohne einander sein können. Wenn einer krank ist, ist das für den anderen, der in die Kita geht, kein größeres Problem. Sie spielen auch nicht immer nur zusammen, sondern suchen sich bewusst Orte, wo sie in Ruhe sein können oder wo andere Kinder sind. Sie haben aber auch einen sehr innigen Umgang miteinander, halten sich im Buggy an den Händen, oder umarmen sich und küssen sich liebevoll vorm Schlafengehen. genauso hoch her geht es hier manchmal. Was körperliche Lösungen von Konflikten angeht, sind die beiden deutlich schneller mit von der Partie als Minilama, das ja 28 Monate lang alleine unsere volle Aufmerksamkeit hatte. Das beißen hat zum Glück etwas nachgelassen, dafür wird jetzt hier geschubst und gehauen. Ich denken, es wird besser, wenn das Sprachvermögen weiter ausgebildet ist.  Ich kann es in gewisser Weise auch nachvollziehen, denn die Kinder haben so gut wie keine Phase am Tag, in der sie richtig Ruhe voreinander haben. Schlimmer ist es an Tagen, an denen in der Kita nicht raus gegangen wird. Dann berichten die Erzieherinnen öfter von Attacken als an Tagen, an denen die Beiden ausgelastet sind. Zuhause ist es tendenziell auch besser, da wir sehr viel raus gehen und die Kinder sich bewegen können. Nur wenn abends die Müdigkeit kommt, wird es wieder enger.

Immer kommt wer und klaut das Rutscherauto oder das Duplotier, will mit im Buch blättern oder was abhaben vom Käsebrot. Da sind wir als Eltern auch nicht immer schnell genug zur Stelle oder meckern jemanden an, der eigentlich nicht der Verursacher war. Ein Grund mehr, warum ich immer weniger wertend in Geschwisterkämpfe eingreife.
Die Zwillinge sind motorisch – und das ist auch ein großer Unterschied zu Minilama – extrem ambitioniert. Sie klettern und balancieren so sicher, dass ich manchmal den Eindruck habe, sie wären fixer als Minilama noch vor einem Jahr. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Minilama ist eben sehr zögerlich, was das Springen von Stufen oder anderen Höhen angeht und lernt es gerade erst routiniert und selbstständig ohne Hand zu tun. Die Zwillinge springen sobald sie eine Hand haben ohne größere Aufforderung. Sie klettern auch auf vieles drauf, wenn sie etwas Interessantes vermuten. Das stellt uns vor größere Sicherheitsprobleme als Eltern. Erstmals haben wir die Türgriffe hochstellt, haben wirklich feste Treppenschutzgitter anbringen lassen, haben einen Schutz für den Herd angeschafft, verschließen unsere Küchenschubladen mit fest verknoteten Tüchern (weil die beiden die Sicherheitsschlösser locker mit links öffnen können), kochen Tee nur noch im Waschbecken, damit sich keiner verbrüht, haben Schlösser für die Fenster anbringen lassen usw. Unser Wohnzimmer und die Küche sind eine Art großer Laufstall. Und auch dort finden die beiden immer wieder neue Gefahrenstellen – oder reißen die Tapete von den Wänden, je nach Lust und Laune,
Ihr Bewegungsdrang ist groß. Wobei uns das entgegen kommt, da wir alle viel unterwegs sind. Muss man andere Kinder zum Laufen zwingen, ist es bei uns umgekehrt: Ich habe eine interne Liste, wer gestern zum Auto gehen durfte und wer heute dann gehen darf. Und es ist wirklich ein „dürfen“.
Ich denke manchmal, wir haben Minilama früher ans freie Laufen herangeführt als die Zwillinge und dann ersinne ich eben diese Art von Zwischenlösungen. Zwei Kindern sind nun mal schwieriger einzufangen, wenn sie sich in Gefahr begeben als eines. Ich lasse normalerweise diese Ausrede nicht gelten, weil ich finde, dass Zwillinge nicht benachteiligt werden sollen, nur weil sie Zwillinge sind, aber wenn es um den Straßenverkehr geht, muss ich einfach die Grenze ziehen, weil ich vor mir selbst nicht sagen kann, dass ich die Kinder ständig und jederzeit im „Griff“ habe. Dennoch bin ich grundsätzlich sehr zufrieden mit dem, was ich mit den dreien unternehmen kann und unternehme. Wir haben uns im letzten halben Jahr viel Bewegungsspielraum erobert und  er wächst nahezu täglich. Seit einiger Zeit bringe ich die Kinder, wenn ich mit dem Auto fahre, mit dem Einlingsbuggy in die Kita. Den brauche ich auch, weil ich viele Dinge mitnehme, wie Rucksäcke, Windeln, Wechselwäsche. Da ist es gut, das alles irgendwo hin hängen zu können und die Hände frei zu haben. Mit dem schmalen Buggy sind wir um so vieles wendiger als mit dem doppelten. Wir blockieren nicht mehr alles, kommen gut durch Türen, auch wenn der Sitzende Arme und Beine weit von sich streckt, alles geht einfacher.
Auch ins Auto kriege ich den schmalen Buggy natürlich deutlich besser als den anderen und ohne Rückenschmerzen zu empfinden. Das Ganze wird zunehmend entspannter für mich und das ist wirklich erfreulich.
Ich bin sehr froh, dass es in unserem Ort viele Zwillinge gibt. Ich kenne bestimmt 8 Familien mit Zwillingen mehr oder weniger persönlich im Ort. Warum ich das gut finde? Weil es für die Kinder, die mit den Babylamas zu tun haben nichts Besonderes und super Außergewöhnliches ist, Zwillinge zu sehen oder für die Babylamas selbst, Zwillinge zu sein. Wir werden zwar noch angesprochen, klar. Aber für die Kleinen selbst gibt es so viele Räume, in denen sie  ihr Zwillingssein einfach sein lassen können.
In unserem nahen Umfeld erleben sie  es als normal, Zwilling zu sein. Ich erhoffe mir davon, dass sie es weniger schwer haben, sich als eigenständige Persönlichkeiten zu etablieren. Sie sind ja wahrscheinlich zweieiig, sehen sich aber aktuell wieder sehr ähnlich. Ich bin gespannt, wie es in einigen Jahren sein wird und hoffe für die beiden, dass sie sich auch äußerlich zunehmend unterscheiden werden, vielleicht in der Haarfarbe oder den Gesichtszügen. Das macht es leicht „ich“ zu sein, denke ich.
Die Kleinen schlafen aktuell wieder ganz gut. Zwilling 1 hat ein gutes Schlafverhalten allgemein, Zwilling 2 hatte einen Hänger besonders nach dem Klinikaufenthalt und war einige Wochen ab 22 Uhr nachts bei uns. Aktuell ist das aber wieder vergessen und auch abends schlafen sie ohne größere Einschlafbegleitung ein, plaudern aber noch länger miteinander und tauschen Sauger aus, ein hier sehr beliebtes Spielchen, in das wir nur einbezogen sind, wenn ein Sauger aus dem Bett fällt. Das weckt uns alle dann aber auch nachts öfter mal.
So richtig infektanfällig sind die beiden nicht. Dass wir in diesem Winter öfters mal alle flach gelegen haben, lag nicht unbedingt daran, dass es Zwillinge in unserem Haus gibt. Alle waren viel krank, die wir so kennen. Der Winter war lang und wenn Bindehautentzündung in der Einrichtung und sogar in der eigenen Gruppe ist, dann kriegen es so gesehen alle. Ich bin in dieser Hinsicht also entspannt.
Wie ist es also mit Kleinkind-Zwillingen? Wunderschön und super. Das mal als allererstes. Ich bin nach wie vor absolut begeistert davon, dass wir Zwillinge haben. Und wenn ich von einer Zwillingsschwangerschaft erfahre, dann freue ich mich ehrlich. Manchmal ist es schon stressig, wenn alle 3 Kinder ihre irren 5 Minuten haben. Aber das wäre mit drei Einlingen genauso. Drei Kinder mit dickem Kopf sind nunmal stressig. Auf was ich verzichten könnte wäre diese Affinität zum Klettern und das Zerstören von Dingen. Und diese Neigung ist bei zweien einfach schlechter zu unterbinden. Einen schnappt man sich und setzt ihn auf den Hochstuhl, der andere fällt im schlimmsten Fall in genau der Zeit vom Sofa runter. Ich habe gelernt in kürzester Zeit zwei Gefahren gegeneinander abzuwägen und rette erst den, der in größerer Gefahr schwebt. Das bringt Unruhe ins Haus, die uns allen auf den Keks geht. Minilama kann beispielsweise kaum mal in Ruhe was malen oder puzzeln. Das tut mir richtig leid. Dafür haben wir ihm im Gästebad einen extra Tisch hingestellt. Wenn es aber bei uns sein will bei seinem Tun, dann ist die gute Idee natürlich dahin. Individuelle Förderung wie z.B. mal in Ruhe ein Buch angucken geht auch nur selten, weil immer das andere Kind mitmischen will und sich rasch ein Streit entspinnt. Ist aber auch einallgemeines Geschwisterthema, denke ich.
Was ich seit den Zwillingen absolut schrecklich finde ist es, selbst krank zu sein. Das ist mit 2 so kleinen Kindern natürlich unvorstellbar dicht und maximal anstrengend. Schon gesund bin ich nach Tag und knapp 20.000 Schritten zu Fuß körperlich müde. Krank bin ich natürlich dann am Ende.

Aber im Kern sind wir nach wie vor total glücklich mit unserer Herde. Ein Leben mit Zwillingen ist einfach super.

 

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