Mal näher hingeschaut: Schlaf

Schlaf ist ja so ein Thema bei Eltern. In den letzten Wochen der Schwangerschaft und bis die Kleinen mit ungefähr einem Jahr durchschlafen. Da reden Eltern viel übers Schlafen. Oft sind sie auch sichtlich im Zombiemodus unterwegs, wenn der Nachwuchs nachts nicht gut zur Ruhe kam. Aber das legt sich bei den meisten irgendwann.
Bei uns legt sich das Thema nicht. So einfach ist das. Alphalama sagte vor einigen Tagen, er habe gefühlt seit vier Jahren nicht mehr durchgeschlafen. So lange ist Minilama nun bei uns. Dass Minilama einige schlimme Schlafphasen hatte, habe ich schon öfters hier beschrieben. Dass es hart für uns war, auch und man kann es sich ja auch vorstellen. Härter noch als der eigene Schlafmangel war jedoch was anderes für mich: Der Vergleich mit anderen Kindern. In der Krabbelgruppe, die ich mit Minilama besuchte, war das Schlafen ein Thema, und auch vorher in der Rückbildung. Und da gab es richtige Schlafmützchen unter den Kleinen. Manche, die 6 Stunden am Stück schliefen, wach wurden, um an der Brust zu trinken und weiterdösten. Minilama lag immer hellwach dabei, andere pennten in der Babyschale. Aber so richtig glauben konnte ich die Geschichten vom durchschlafenden Kind nicht. Dass Babies keinen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus haben, war mir klar und auch, dass es mit der Zeit kommen wird. Und trotzdem habe ich Minilama nachts eine Zeitlang 1er Milch gegeben, weil ich dachte, es würde dauernd wach, weil es Hunger hatte. Die Folge: Das Kind trank nachts 5 Fläschchen und brüllte wie immer. Experiment gescheitert. Dann kam die schlimme Phase, in der Minilama nächtlich mehrere Stunden untröstlich brüllte.
Was uns Eltern zusätzlich echt fertig machte war zu sehen, dass das Thema Schlaf sich bei den meisten einpendelte nur bei uns nicht. Wir waren (und sind) an Wochenenden spätestens um 8 Uhr alle unterwegs im Dorf. Zum Einkauf oder Spazieren gehen.
Warum? Weil wir seit halb 6 alle wach sind und der erste Lagerkoller schon über uns gekommen ist. Und wenn man dann an Häusern von Freunden und Bekannten vorbeikommt, wo auf dem Rückweg (!) vom ausgedehnten Einkauf noch alle (!) Rollläden unten sind, dann wird man schon skeptisch, ob es normal ist, was in der eigenen Familie gerade los ist. Dazu dann noch Aussagen wie: „Unsere Kinder sind schlechte Schläfer. Länger als 8 Uhr lassen sie uns nur selten schlafen.“ Da war ich vor 3 Jahren irritiert und heute, wenn dieses Thema aufkommt bin ich manchmal einfach nur sehr, sehr wütend.
Weil: Wir haben seit 4 Jahren nicht mehr länger als 2 Nächte am Stück durchgeschlafen. Das ist denke ich, eine realistische Einschätzung der Dinge.
Minilama schläft ja länger schon relativ gut, kommt aber abends bis 22 Uhr regelmäßig noch mal zu uns ins Wohnzimmer. Und wacht nachts sehr oft mit Alpträumen auf, muss beruhigt und zurück ins Bett gebracht werden. Das ist auch völlig ok – im magischen Alter kommt das eben vor. Ich erinnere mich noch daran wie ich als Kind nachts zu den Eltern gelaufen bin, hellwach, und was besprechen wollte, oder kuscheln oder was trinken. Völlig ok.
Unsere Kinder sind im Ganzen gesehen tatsächlich schlechte Schläfer. Länger als 6 Uhr gab es noch nie. Nie.
Es gibt Abstufungen zwischen den Zwillingen. Zwilling 1 hat ein höheres Schlafbedürfnis als Zwilling 2. Der ist oft ab 4 Uhr putzmunter – gefolgt von Minilama, das wegen einer spannenden CD spätestens um 5 Uhr den Player (selbstständig allerdings) anwirft.
Die Zwillinge haben als Babies besser geschlafen als Minilama. Sie waren zwar oft wach, fanden aber rasch wieder in den Schlaf. Sie nehmen aber auch beide den Schnuller. Das wollte Minilama nicht. Zwilling 2 ist ein richtiges Schnullerkind und Zwilling 1 will dann auch was haben. Jetzt nehmen also beide nachts den Schnuller und wir überlegen schon, wie wir den abgewöhnen. Leider sind die Stoppisauger, die wir vom Kieferorthopäden haben, erst ab 2 und passen gerade auch noch nicht, weil Backenzähne zum Halten der Einlage fehlen. Seit die beiden etwas über ein Jahr alt sind, läuft das Schlafen wieder schlechter. Wir schieben es mal aufs Zahnweh, mal auf den Stress des Tages oder einen kommenden Infekt. Aber: Wir sind in der Regel nach wie vor 5-7-mal nachts unterwegs in Zwillingszimmer. Manche Phasen sind so, dass wir Zwilling 2 gegen 3 Uhr nachts zu uns holen, weil er sich nicht mehr beruhigt – und das, obwohl wir alle keine Fans vom Familienbett sind, auch die Kinder nicht. Zwilling 2 ruht dann wenigstens etwas und kann rascher getröstet werden, wenn was ist.
Was bedeutet das denn nun für uns? Wir leben ja seit Jahren mit unterbrochenen Nächten, wir erleben auch, dass andere Kinder ohne größere Einschlafbegleitung abends einschlafen und morgens gegen 8 geweckt werden. Zuverlässig. Dass die Eltern nach dem Bettfertigmachen der Kinder noch was gemeinsam essen können, dass sie einen Abend auswärts machen können während ein Babysitter anwesend ist. Dass sie dann gegen 1 Uhr einfach ins Bett gehen, schlafen bis morgens.
Das ist hier unmöglich und das bringt ein großes Stresspotential mit sich.
Ich beispielsweise schlafe gern. In Schulzeiten ging ich oft früh ins Bett, las noch, schlief gegen 8 Uhr ein. Dann  war ich frisch für den Schultag. Gerade in der Oberstufe im Winter war das bei mir völlig normal, früh uns Bett zu gehen. Ich kann gut früh aufstehen, werde automatisch gegen 6.15 wach, bin dann auch fit. Nur etwas morgenmuffelig und brauche meine Ruhe, kann aber aufräumen und Frühstück machen.
Mittagsschlaf oder Zwischenschlaf brauche ich nicht, tun mir auch nicht gut. Ich habe also auch mit Babies am Tag nie geschlafen, eher mal auf der Couch ausgeruht mit Buch oder Film. Wenn ich machen kann, wie ich will, gehe ich gegen 22 Uhr ins Bett, im Winter vielleicht etwas früher. Dann schlafe ich bis morgens um 6 und alles ist ok. Ab 3 Uhr nachts kann man mich gut wecken, dann kann ich alles gut machen, wie trösten oder Windeln waschen. Schlimm ist es aber, wenn um halb 11 das erste Gebrüll losgeht, denn da bin ich mitten in der ersten Tiefschlafphase und total neben mir. Oft wache ich dermaßen bleiern auf, dass ich kaum aufstehen kann und einfach nur hoffe, dass es wieder ruhig wird. Wird es aber meistens nicht. Zum Glück ist Alphalama da und übernimmt effektiv auch die meisten nächtlichen Gänge zu den Zwillingen. Bei Minilama bin ich oft die Ansprechpartnerin, auch weil meine Bettseite näher an der Tür ist und ich einen leichteren Schlaf bei direkter Ansprache habe.
Wenn wir abends den Tag mit den Kindern ausklingen lassen, macht die Tatsache, dass die Kinder eher kurz schlafen und vor allem, dass eine gewisse Einschlafbegleitung nötig ist, einen großen Druck. Besonders wenn wir selbst erst kurz von der Arbeit zuhause und direkt in die Kita gefahren/gegangen sind. Dann liegt ja noch alles brach. Brote für den nächsten Tag, Mittagessen für uns Eltern für den nächsten Tag, ein leckeres Abendessen für 5 – wobei die Kinder relativ unterschiedliche Geschmäcker haben – Windeln wegräumen, die aus der Kita kommen, eventuell nasse Wechselkleidung aufhängen, neue Kleidung auslegen, Überhosen bereitlegen, eventuell anderes fehlendes zusammentragen. Das mache ich grundsätzlich alles gern, wenn die Kinder schlafen. Nur wenn sie bis halb 8 noch unruhig sind und mindestens einer von uns Eltern am Bett sitzen muss wird mir das einfach zu spät. Weil ich abends noch Sport machen will. Und ja: ich habe sogar wegen der 40 Minuten turnen im Wohnzimmer abends und darauffolgendes Duschen (dann muss ich es morgens nicht machen und spare Zeit) ein schlechtes Gewissen. Muttersein und schlechtes Gewissen – eine richtig doofe Sache. Egal, was man macht, es gibt immer einen Grund, sich schlecht zu fühlen.
Minilama wurde bis vor einigen Monaten auch noch bis zum Einschlafen begleitet. Das ging teils bis 21 Uhr und Alphalama, der das meist gemacht hat, ging von Minilamas Bett nahezu direkt in sein eigenes. Wir Eltern haben in einem längeren Prozess herausgearbeitet, dass wir diese Form der Zuwendung nicht länger geben können und im Gespräch mit dem Kinderarzt auch die Bestärkung darin erhalten, dass es ok ist, damit aufzuhören (Die Geschichte war etwas länger, aber hier nur in aller Kürze). Von heute auf morgen habe ich Minilama entwöhnt. Das war wohl die einzige Art, es zu machen. Abendroutine, gemeinsames Lesen, dann wird eine Kassette eingeschaltet und Minilama kann sich die anhören. Wenn was ist, sind wir unten zu finden und Minilama kommt öfters noch mal, um eine andere CD zu erbitten oder so. Wir halten die Kontakte dann bewusst sehr kurz, lassen uns nicht festquatschen. Für Minilama von Anfang an ok. Seitdem haben wir Eltern endlich wieder etwas Zeit für uns. ich genieße das auf eine Art, die sich keiner vorstellen kann. Die Zwillinge brauchen nicht die intensive Begleitung, wie Minilama, Zwilling 2 schläft aber im Moment nicht so gut ein und meckert dann öfters. Manchmal reicht es, uns zu sehen, wie wir mit Wäsche oder Zeugs an der Tür vorbeigehen, manchmal nicht. Das geht dann phasenweise in einem 30 Minuten Rhythmus, bis Zwilling 2 dann in den Schlaf findet. Ab 22.30 Uhr wird er dann oft wieder in 2 Stunden Rhythmus wach. In der Zwischenzeit regeln wir Eltern dann die anstehenden Dinge, versuchen aber zunehmend vieles vor die Bettgehzeit zu verlagern. Ich koche oft schon mal die Nudeln vor, oder schmiere Brote am Tisch für die Brotdosen.
Unser Zeitfenster ist einfach sehr klein durch die Schlafphasen der Kinder, das kann ich manchmal gut wegstecken, aber manchmal werde ich auch traurig. Wenn ich eben in Stress komme, weil ich noch Sport und ein Telefonat machen möchte. oder wenn andere erzählen, dass sie als Paar auf einem Konzert waren. Das gibt mir dann schon einen Stich, das gebe ich ehrlich zu. Bei Alphalama ist eine latente Müdigkeit zu spüren, da er ja nachts öfter auf muss als ich, die vom fernen Geschrei oft nicht geweckt wird oder nicht auf kann im Halbschlaf.
Ein Grund für die Dichte der Schlafschwierigkeiten ist sicher die absolute Anzahl der Kinder. Es sind nun mal drei und jeder kann ja mal eine schlechte Nacht haben. Hinzu kommt aber die grundsätzliche Bedürfnislage: Minilama und Zwilling 2 brauchen einfach wenig Schlaf. Minilama macht seit es 2 ist keinen Mittagsschlaf mehr, ruht sich nur noch mit einem Buch mittags aus, Zwilling 2 schläft daheim maximal 1 Stunde, in der Kita etwa 2 Stunden mittags und ist dann wieder fit bis abends. Zwilling 1 hat gerade einen guten Lauf, das kann sich aber zahnungsbedingt auch rasch wieder ändern oder auch, wenn die Nase wieder dicht ist. Grundsätzlich hat aber Zwilling 1 ein ähnliches Schlafbedürfnis wie ich, das synchronisiert sich ganz gut.
Aber die anderen beiden sind klassische Powernapper. Schläft Minilama oder Zwilling 2 im Auto 20 Minuten, weil man als Eltern nicht aufgepasst hat, reicht das, um abends 90 Minuten länger wach zu sein. Wir Eltern hingegen sind dann einfach platt und ja, diese 90 Minuten sind dann eine echte Qual. .
Und ich habe den Eindruck, was das Schlafen angeht, wächst man nur bedingt an seinen Aufgaben. Wir sind super oft selbst total müde.
Und gerade im Urlaub oder unterwegs wird das Ganze dann richtig anstrengend. Während andere Eltern erzählen, dass sie abends noch was leckeres Essen oder ein Glas Wein trinken, kann ich von den drei Urlauben, die wir schon mit allen dreien gemacht haben, anderes berichten. Beim ersten Urlaub war Minilama meistens länger wach als ich. ich bin abends gegen 9 komplett angezogen auf dem Bett eingeschlafen, Minilama war bis nach 12 wach und leider nicht still mit einem Buch beschäftigt. Da gehen maximal kurze Absprachen der Erwachsenen für den kommenden Tag und je nach Schnitt der Wohnung Vorbereitung fürs Essen am kommenden Tag. Eigene Erholung ist oft nicht möglich. Aber so gar nicht.
Das Schlafen ist definitiv eine der Schattenseiten der Elternschaft, die ich mir so nicht ausgemalt habe. Ich habe damit gerechnet, dass die Kinder im ersten Jahr eher schlecht schlafen, aber auch, dass es sich dann einpendelt. Klar, dass größere Kinder später mal kommen, weil sie schlecht geschlafen haben, das wusste ich auch. Aber dass wir so extreme Nachteulen und gleichzeitig Frühaufsteher bekommen würden, hätte ich nicht gedacht. Zumal wir Eltern ganz andere Schlafgewohnheiten haben.

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