Das Gegenteil von gut …

Gestern war einer dieser Tage, an denen ich es richtig gut gemeint habe. Und an denen es einfach nicht so gut klappt, wie man es sich wünscht.
Die Kinder brachte ich mit dem Buggy und dem Roller zur Kita, weil sie die Bewegung und die frische Luft einfach mögen. Nur leider hatte Minilama keine Lust, sich anzuziehen und auf die Kita auch nicht und es gab schon Tränen vor 7 Uhr.
In der Kita angekommen hatte es dann keine Lust, sich wieder auszuziehen und war außerdem vor der Kita auf die Hand gefallen und hatte sich einen Splitter gezogen. Schon wieder Tränen. Zwilling 2, der der in der Klinik war, ist gerade ohnehin so anhänglich und nahebedürftig wie schon lange nicht mehr. Da fällt die Trennung morgens öfters mal schwer. Also flossen die Tränen bei der Übergabe.
Für den nachmittag überlegte ich mir, die Kinder früher abzuholen, um gemeinsam mit ihnen zum Spielplatz zu gehen. Das Wetter war nett, die drei sind gern draußen unterwegs.
Ich musste noch ein Geschenk für eine Kollegin besorgen und ging in die Buchhandlung. Dann arbeitete ich die Tagesliste ab und wollte aufbrechen. Als mir auffiel, dass ich meinen Geldbeutel nicht fand. Weder in der Jackentasche noch im Rucksack noch an sonstigen Orten, wo er schonmal ist, lag er.
Ich hatte natürlich alle möglichen Ideen, wo ich ihn verloren haben könnte. Ich ging alle Wege, die ich gemacht hatte ab, gucke nochmal in Ruhe alle Taschen durch, ging ans Auto, um dort nachzusehen, fragte bei der Verwaltung vor Ort nach, überlegte die Karten zu sperren, hatte aber nicht genug Guthaben auf dem Handy usw.
Ich mache es kurz: Ich fand ihn wieder, alles kein Problem. Nur verlegt.
Alles in allem dauerte es eine geraume Zeit und einiges an Herumgelaufe bis ich ihn dann letztlich wieder fand.
Ich kam also später als gedacht los, brauchte erwartungsgemäß 35 Minuten für den Heimweg. Dann traf ich noch einen Handwerker, der mal vorbeikommen sollte – und eben jetzt Zeit hatte. Ich nahm Essen, Trinken, Becher, Ersthilfebox, Regenzeugs, Roller, Helm und noch Sandspielzeug, den Ball und Seifenblasen mit dem Buggy mit in die Kita. Die Stimmung war eher gut, die Kinder hatten auch Lust auf den Spielplatz.
Angekommen durfte Zwilling 1 als erstes los und Minilama erzählte schon, was es jetzt machen will. Dann sah ich, dass Zwilling 1 zum dritten Mal für den Tag ausgelaufen war und entsprechend nass war. Wir packten alles wieder ein und gingen nach hause zum Wickeln und Umziehen. Der Heimweg ist super steil, der Wagen war so voll, dass eine bekannte Mama angeboten hatte, was mit dem Auto mitzunehmen (ich wusste aber nicht, was genau, daher habe ich alles dran gelassen). Ich war tatsächlich kräftemäßig an der Grenze. Die Kinder hatten aber alle drei noch Lust auf den Spielplatz und ich wollte es ihnen nicht verwehren, weil sie ja nichts dafür konnten, dass wir wieder heim gemusst hatten. Zwilling 1 hatte keine Lust aufs Umziehen, es gab Tränen. Also hatten alle mal geweint an dem Tag.
Die Kitasachen ließen wir daheim, Essen, Trinken, Becher, Ersthilfeset, Sandspielzeug und Rollerausrüstung ging wieder mit.
Auf dem Spielplatz war es dann sehr schön, die drei hatten Spaß und wir konnten da wir ein bisschen die Zeit vergessen hatten  Alphalama an der Garage abholen. Ein kluger Schachzug, da wir nun zusammen die Kinder ausziehen konnten und Hände waschen und Abendessen machen und nasse Kitakleidung und Windeln wegschaffen und Brotdosen füllen und was sonst noch so anfällt. Die drei fielen müde und froh in die Betten.

Aus Babies werden Kleinkinder – und das im Doppelpack

Unsere Zwillinge sind ja schon länger keine Babies mehr. Sie sind schon mehrere Monate lang Krippenkinder. Sie laufen gefühlt schon ewig umher, haben schon das dritte Paar feste Schuhe, denn sie  tragen schon Schuhgröße 23. Sie trinken aus normalen Tassen und Bechern, sie essen von Tellern, benutzen sagenhaft gut Besteck (das kommt aus der Kita, da sitzen wir nur staunend daneben), rasen wie irre mit den Bobby Cars durch Küche und Wohnzimmer (wir haben jetzt drei davon, die haben alle so eine Gaudi mit den Fahrzeugen, dass wir nicht lange gefackelt haben), klettern wie die Äffchen auf die Couch oder auf Stühle und reden uns ein Ohr ab. Die Sprachentwicklung explodiert gerade und da bei uns allgemein ja sehr viel geredet wird, befeuert das das Sprechen ungemein.
Die Zwillinge spielen viel mit Lego, wobei sie lieber auseinanderbauen als zusammensetzen, schauen immer häufiger in ihre Bücher, und sie lieben alle Arten von Figuren – Legomännlein von Minilama, Duplotiere, Schleichtiere, Biegepüppchen und so was. Da sind sie sehr geduldig und auch vorsichtig mit kleinen Teilen. Sie werfen auch gern mit allem Möglichen umher mögen Bälle und Kugeln. Wenn Minilama malt, dann malen sie mit und bringen auch öfters einen Stift ins Wohnzimmer, um anzusagen, dass sie selbst jetzt die Idee zum Malen hatten.
Die Zwillinge laufen sehr sicher die vielen Treppenstufen im Wohnturm an der Hand hoch und runter. Das schont meinen Rücken enorm, denn unsere Kinder sind ja alle groß und Kostverächter sind sie auch nicht.
Wickeln mögen sie nicht so sehr und auch das Zähneputzen mag zumindest Zwilling 2 gar nicht leiden. Der mag auch kein Wasser, weder im heimischen Bad noch im Schwimmbad. Zwilling 2 und Minilama sind sich nach wie vor sehr ähnlich – äußerlich und vom Wesen her. Zwilling 1 ist da eher der Gemütsmensch.  Charaktereigenschaften der beiden kristallisieren sich immer deutlicher heraus. Wobei ich mich in der Definition der Eigenschaften stark bremse – man guckt ja gern auf die Unterschiede und im Endeffekt legt man damit auch einen Menschen fest. Gerade bei Zwillingen finde ich es wichtig, keine Rollen zuzuschreiben.
Was mir auffällt, ist dass die beiden ziemlich gut ohne einander sein können. Wenn einer krank ist, ist das für den anderen, der in die Kita geht, kein größeres Problem. Sie spielen auch nicht immer nur zusammen, sondern suchen sich bewusst Orte, wo sie in Ruhe sein können oder wo andere Kinder sind. Sie haben aber auch einen sehr innigen Umgang miteinander, halten sich im Buggy an den Händen, oder umarmen sich und küssen sich liebevoll vorm Schlafengehen. genauso hoch her geht es hier manchmal. Was körperliche Lösungen von Konflikten angeht, sind die beiden deutlich schneller mit von der Partie als Minilama, das ja 28 Monate lang alleine unsere volle Aufmerksamkeit hatte. Das beißen hat zum Glück etwas nachgelassen, dafür wird jetzt hier geschubst und gehauen. Ich denken, es wird besser, wenn das Sprachvermögen weiter ausgebildet ist.  Ich kann es in gewisser Weise auch nachvollziehen, denn die Kinder haben so gut wie keine Phase am Tag, in der sie richtig Ruhe voreinander haben. Schlimmer ist es an Tagen, an denen in der Kita nicht raus gegangen wird. Dann berichten die Erzieherinnen öfter von Attacken als an Tagen, an denen die Beiden ausgelastet sind. Zuhause ist es tendenziell auch besser, da wir sehr viel raus gehen und die Kinder sich bewegen können. Nur wenn abends die Müdigkeit kommt, wird es wieder enger.

Immer kommt wer und klaut das Rutscherauto oder das Duplotier, will mit im Buch blättern oder was abhaben vom Käsebrot. Da sind wir als Eltern auch nicht immer schnell genug zur Stelle oder meckern jemanden an, der eigentlich nicht der Verursacher war. Ein Grund mehr, warum ich immer weniger wertend in Geschwisterkämpfe eingreife.
Die Zwillinge sind motorisch – und das ist auch ein großer Unterschied zu Minilama – extrem ambitioniert. Sie klettern und balancieren so sicher, dass ich manchmal den Eindruck habe, sie wären fixer als Minilama noch vor einem Jahr. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Minilama ist eben sehr zögerlich, was das Springen von Stufen oder anderen Höhen angeht und lernt es gerade erst routiniert und selbstständig ohne Hand zu tun. Die Zwillinge springen sobald sie eine Hand haben ohne größere Aufforderung. Sie klettern auch auf vieles drauf, wenn sie etwas Interessantes vermuten. Das stellt uns vor größere Sicherheitsprobleme als Eltern. Erstmals haben wir die Türgriffe hochstellt, haben wirklich feste Treppenschutzgitter anbringen lassen, haben einen Schutz für den Herd angeschafft, verschließen unsere Küchenschubladen mit fest verknoteten Tüchern (weil die beiden die Sicherheitsschlösser locker mit links öffnen können), kochen Tee nur noch im Waschbecken, damit sich keiner verbrüht, haben Schlösser für die Fenster anbringen lassen usw. Unser Wohnzimmer und die Küche sind eine Art großer Laufstall. Und auch dort finden die beiden immer wieder neue Gefahrenstellen – oder reißen die Tapete von den Wänden, je nach Lust und Laune,
Ihr Bewegungsdrang ist groß. Wobei uns das entgegen kommt, da wir alle viel unterwegs sind. Muss man andere Kinder zum Laufen zwingen, ist es bei uns umgekehrt: Ich habe eine interne Liste, wer gestern zum Auto gehen durfte und wer heute dann gehen darf. Und es ist wirklich ein „dürfen“.
Ich denke manchmal, wir haben Minilama früher ans freie Laufen herangeführt als die Zwillinge und dann ersinne ich eben diese Art von Zwischenlösungen. Zwei Kindern sind nun mal schwieriger einzufangen, wenn sie sich in Gefahr begeben als eines. Ich lasse normalerweise diese Ausrede nicht gelten, weil ich finde, dass Zwillinge nicht benachteiligt werden sollen, nur weil sie Zwillinge sind, aber wenn es um den Straßenverkehr geht, muss ich einfach die Grenze ziehen, weil ich vor mir selbst nicht sagen kann, dass ich die Kinder ständig und jederzeit im „Griff“ habe. Dennoch bin ich grundsätzlich sehr zufrieden mit dem, was ich mit den dreien unternehmen kann und unternehme. Wir haben uns im letzten halben Jahr viel Bewegungsspielraum erobert und  er wächst nahezu täglich. Seit einiger Zeit bringe ich die Kinder, wenn ich mit dem Auto fahre, mit dem Einlingsbuggy in die Kita. Den brauche ich auch, weil ich viele Dinge mitnehme, wie Rucksäcke, Windeln, Wechselwäsche. Da ist es gut, das alles irgendwo hin hängen zu können und die Hände frei zu haben. Mit dem schmalen Buggy sind wir um so vieles wendiger als mit dem doppelten. Wir blockieren nicht mehr alles, kommen gut durch Türen, auch wenn der Sitzende Arme und Beine weit von sich streckt, alles geht einfacher.
Auch ins Auto kriege ich den schmalen Buggy natürlich deutlich besser als den anderen und ohne Rückenschmerzen zu empfinden. Das Ganze wird zunehmend entspannter für mich und das ist wirklich erfreulich.
Ich bin sehr froh, dass es in unserem Ort viele Zwillinge gibt. Ich kenne bestimmt 8 Familien mit Zwillingen mehr oder weniger persönlich im Ort. Warum ich das gut finde? Weil es für die Kinder, die mit den Babylamas zu tun haben nichts Besonderes und super Außergewöhnliches ist, Zwillinge zu sehen oder für die Babylamas selbst, Zwillinge zu sein. Wir werden zwar noch angesprochen, klar. Aber für die Kleinen selbst gibt es so viele Räume, in denen sie  ihr Zwillingssein einfach sein lassen können.
In unserem nahen Umfeld erleben sie  es als normal, Zwilling zu sein. Ich erhoffe mir davon, dass sie es weniger schwer haben, sich als eigenständige Persönlichkeiten zu etablieren. Sie sind ja wahrscheinlich zweieiig, sehen sich aber aktuell wieder sehr ähnlich. Ich bin gespannt, wie es in einigen Jahren sein wird und hoffe für die beiden, dass sie sich auch äußerlich zunehmend unterscheiden werden, vielleicht in der Haarfarbe oder den Gesichtszügen. Das macht es leicht „ich“ zu sein, denke ich.
Die Kleinen schlafen aktuell wieder ganz gut. Zwilling 1 hat ein gutes Schlafverhalten allgemein, Zwilling 2 hatte einen Hänger besonders nach dem Klinikaufenthalt und war einige Wochen ab 22 Uhr nachts bei uns. Aktuell ist das aber wieder vergessen und auch abends schlafen sie ohne größere Einschlafbegleitung ein, plaudern aber noch länger miteinander und tauschen Sauger aus, ein hier sehr beliebtes Spielchen, in das wir nur einbezogen sind, wenn ein Sauger aus dem Bett fällt. Das weckt uns alle dann aber auch nachts öfter mal.
So richtig infektanfällig sind die beiden nicht. Dass wir in diesem Winter öfters mal alle flach gelegen haben, lag nicht unbedingt daran, dass es Zwillinge in unserem Haus gibt. Alle waren viel krank, die wir so kennen. Der Winter war lang und wenn Bindehautentzündung in der Einrichtung und sogar in der eigenen Gruppe ist, dann kriegen es so gesehen alle. Ich bin in dieser Hinsicht also entspannt.
Wie ist es also mit Kleinkind-Zwillingen? Wunderschön und super. Das mal als allererstes. Ich bin nach wie vor absolut begeistert davon, dass wir Zwillinge haben. Und wenn ich von einer Zwillingsschwangerschaft erfahre, dann freue ich mich ehrlich. Manchmal ist es schon stressig, wenn alle 3 Kinder ihre irren 5 Minuten haben. Aber das wäre mit drei Einlingen genauso. Drei Kinder mit dickem Kopf sind nunmal stressig. Auf was ich verzichten könnte wäre diese Affinität zum Klettern und das Zerstören von Dingen. Und diese Neigung ist bei zweien einfach schlechter zu unterbinden. Einen schnappt man sich und setzt ihn auf den Hochstuhl, der andere fällt im schlimmsten Fall in genau der Zeit vom Sofa runter. Ich habe gelernt in kürzester Zeit zwei Gefahren gegeneinander abzuwägen und rette erst den, der in größerer Gefahr schwebt. Das bringt Unruhe ins Haus, die uns allen auf den Keks geht. Minilama kann beispielsweise kaum mal in Ruhe was malen oder puzzeln. Das tut mir richtig leid. Dafür haben wir ihm im Gästebad einen extra Tisch hingestellt. Wenn es aber bei uns sein will bei seinem Tun, dann ist die gute Idee natürlich dahin. Individuelle Förderung wie z.B. mal in Ruhe ein Buch angucken geht auch nur selten, weil immer das andere Kind mitmischen will und sich rasch ein Streit entspinnt. Ist aber auch einallgemeines Geschwisterthema, denke ich.
Was ich seit den Zwillingen absolut schrecklich finde ist es, selbst krank zu sein. Das ist mit 2 so kleinen Kindern natürlich unvorstellbar dicht und maximal anstrengend. Schon gesund bin ich nach Tag und knapp 20.000 Schritten zu Fuß körperlich müde. Krank bin ich natürlich dann am Ende.

Aber im Kern sind wir nach wie vor total glücklich mit unserer Herde. Ein Leben mit Zwillingen ist einfach super.

 

Mal näher hingeschaut: Schlaf

Schlaf ist ja so ein Thema bei Eltern. In den letzten Wochen der Schwangerschaft und bis die Kleinen mit ungefähr einem Jahr durchschlafen. Da reden Eltern viel übers Schlafen. Oft sind sie auch sichtlich im Zombiemodus unterwegs, wenn der Nachwuchs nachts nicht gut zur Ruhe kam. Aber das legt sich bei den meisten irgendwann.
Bei uns legt sich das Thema nicht. So einfach ist das. Alphalama sagte vor einigen Tagen, er habe gefühlt seit vier Jahren nicht mehr durchgeschlafen. So lange ist Minilama nun bei uns. Dass Minilama einige schlimme Schlafphasen hatte, habe ich schon öfters hier beschrieben. Dass es hart für uns war, auch und man kann es sich ja auch vorstellen. Härter noch als der eigene Schlafmangel war jedoch was anderes für mich: Der Vergleich mit anderen Kindern. In der Krabbelgruppe, die ich mit Minilama besuchte, war das Schlafen ein Thema, und auch vorher in der Rückbildung. Und da gab es richtige Schlafmützchen unter den Kleinen. Manche, die 6 Stunden am Stück schliefen, wach wurden, um an der Brust zu trinken und weiterdösten. Minilama lag immer hellwach dabei, andere pennten in der Babyschale. Aber so richtig glauben konnte ich die Geschichten vom durchschlafenden Kind nicht. Dass Babies keinen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus haben, war mir klar und auch, dass es mit der Zeit kommen wird. Und trotzdem habe ich Minilama nachts eine Zeitlang 1er Milch gegeben, weil ich dachte, es würde dauernd wach, weil es Hunger hatte. Die Folge: Das Kind trank nachts 5 Fläschchen und brüllte wie immer. Experiment gescheitert. Dann kam die schlimme Phase, in der Minilama nächtlich mehrere Stunden untröstlich brüllte.
Was uns Eltern zusätzlich echt fertig machte war zu sehen, dass das Thema Schlaf sich bei den meisten einpendelte nur bei uns nicht. Wir waren (und sind) an Wochenenden spätestens um 8 Uhr alle unterwegs im Dorf. Zum Einkauf oder Spazieren gehen.
Warum? Weil wir seit halb 6 alle wach sind und der erste Lagerkoller schon über uns gekommen ist. Und wenn man dann an Häusern von Freunden und Bekannten vorbeikommt, wo auf dem Rückweg (!) vom ausgedehnten Einkauf noch alle (!) Rollläden unten sind, dann wird man schon skeptisch, ob es normal ist, was in der eigenen Familie gerade los ist. Dazu dann noch Aussagen wie: „Unsere Kinder sind schlechte Schläfer. Länger als 8 Uhr lassen sie uns nur selten schlafen.“ Da war ich vor 3 Jahren irritiert und heute, wenn dieses Thema aufkommt bin ich manchmal einfach nur sehr, sehr wütend.
Weil: Wir haben seit 4 Jahren nicht mehr länger als 2 Nächte am Stück durchgeschlafen. Das ist denke ich, eine realistische Einschätzung der Dinge.
Minilama schläft ja länger schon relativ gut, kommt aber abends bis 22 Uhr regelmäßig noch mal zu uns ins Wohnzimmer. Und wacht nachts sehr oft mit Alpträumen auf, muss beruhigt und zurück ins Bett gebracht werden. Das ist auch völlig ok – im magischen Alter kommt das eben vor. Ich erinnere mich noch daran wie ich als Kind nachts zu den Eltern gelaufen bin, hellwach, und was besprechen wollte, oder kuscheln oder was trinken. Völlig ok.
Unsere Kinder sind im Ganzen gesehen tatsächlich schlechte Schläfer. Länger als 6 Uhr gab es noch nie. Nie.
Es gibt Abstufungen zwischen den Zwillingen. Zwilling 1 hat ein höheres Schlafbedürfnis als Zwilling 2. Der ist oft ab 4 Uhr putzmunter – gefolgt von Minilama, das wegen einer spannenden CD spätestens um 5 Uhr den Player (selbstständig allerdings) anwirft.
Die Zwillinge haben als Babies besser geschlafen als Minilama. Sie waren zwar oft wach, fanden aber rasch wieder in den Schlaf. Sie nehmen aber auch beide den Schnuller. Das wollte Minilama nicht. Zwilling 2 ist ein richtiges Schnullerkind und Zwilling 1 will dann auch was haben. Jetzt nehmen also beide nachts den Schnuller und wir überlegen schon, wie wir den abgewöhnen. Leider sind die Stoppisauger, die wir vom Kieferorthopäden haben, erst ab 2 und passen gerade auch noch nicht, weil Backenzähne zum Halten der Einlage fehlen. Seit die beiden etwas über ein Jahr alt sind, läuft das Schlafen wieder schlechter. Wir schieben es mal aufs Zahnweh, mal auf den Stress des Tages oder einen kommenden Infekt. Aber: Wir sind in der Regel nach wie vor 5-7-mal nachts unterwegs in Zwillingszimmer. Manche Phasen sind so, dass wir Zwilling 2 gegen 3 Uhr nachts zu uns holen, weil er sich nicht mehr beruhigt – und das, obwohl wir alle keine Fans vom Familienbett sind, auch die Kinder nicht. Zwilling 2 ruht dann wenigstens etwas und kann rascher getröstet werden, wenn was ist.
Was bedeutet das denn nun für uns? Wir leben ja seit Jahren mit unterbrochenen Nächten, wir erleben auch, dass andere Kinder ohne größere Einschlafbegleitung abends einschlafen und morgens gegen 8 geweckt werden. Zuverlässig. Dass die Eltern nach dem Bettfertigmachen der Kinder noch was gemeinsam essen können, dass sie einen Abend auswärts machen können während ein Babysitter anwesend ist. Dass sie dann gegen 1 Uhr einfach ins Bett gehen, schlafen bis morgens.
Das ist hier unmöglich und das bringt ein großes Stresspotential mit sich.
Ich beispielsweise schlafe gern. In Schulzeiten ging ich oft früh ins Bett, las noch, schlief gegen 8 Uhr ein. Dann  war ich frisch für den Schultag. Gerade in der Oberstufe im Winter war das bei mir völlig normal, früh uns Bett zu gehen. Ich kann gut früh aufstehen, werde automatisch gegen 6.15 wach, bin dann auch fit. Nur etwas morgenmuffelig und brauche meine Ruhe, kann aber aufräumen und Frühstück machen.
Mittagsschlaf oder Zwischenschlaf brauche ich nicht, tun mir auch nicht gut. Ich habe also auch mit Babies am Tag nie geschlafen, eher mal auf der Couch ausgeruht mit Buch oder Film. Wenn ich machen kann, wie ich will, gehe ich gegen 22 Uhr ins Bett, im Winter vielleicht etwas früher. Dann schlafe ich bis morgens um 6 und alles ist ok. Ab 3 Uhr nachts kann man mich gut wecken, dann kann ich alles gut machen, wie trösten oder Windeln waschen. Schlimm ist es aber, wenn um halb 11 das erste Gebrüll losgeht, denn da bin ich mitten in der ersten Tiefschlafphase und total neben mir. Oft wache ich dermaßen bleiern auf, dass ich kaum aufstehen kann und einfach nur hoffe, dass es wieder ruhig wird. Wird es aber meistens nicht. Zum Glück ist Alphalama da und übernimmt effektiv auch die meisten nächtlichen Gänge zu den Zwillingen. Bei Minilama bin ich oft die Ansprechpartnerin, auch weil meine Bettseite näher an der Tür ist und ich einen leichteren Schlaf bei direkter Ansprache habe.
Wenn wir abends den Tag mit den Kindern ausklingen lassen, macht die Tatsache, dass die Kinder eher kurz schlafen und vor allem, dass eine gewisse Einschlafbegleitung nötig ist, einen großen Druck. Besonders wenn wir selbst erst kurz von der Arbeit zuhause und direkt in die Kita gefahren/gegangen sind. Dann liegt ja noch alles brach. Brote für den nächsten Tag, Mittagessen für uns Eltern für den nächsten Tag, ein leckeres Abendessen für 5 – wobei die Kinder relativ unterschiedliche Geschmäcker haben – Windeln wegräumen, die aus der Kita kommen, eventuell nasse Wechselkleidung aufhängen, neue Kleidung auslegen, Überhosen bereitlegen, eventuell anderes fehlendes zusammentragen. Das mache ich grundsätzlich alles gern, wenn die Kinder schlafen. Nur wenn sie bis halb 8 noch unruhig sind und mindestens einer von uns Eltern am Bett sitzen muss wird mir das einfach zu spät. Weil ich abends noch Sport machen will. Und ja: ich habe sogar wegen der 40 Minuten turnen im Wohnzimmer abends und darauffolgendes Duschen (dann muss ich es morgens nicht machen und spare Zeit) ein schlechtes Gewissen. Muttersein und schlechtes Gewissen – eine richtig doofe Sache. Egal, was man macht, es gibt immer einen Grund, sich schlecht zu fühlen.
Minilama wurde bis vor einigen Monaten auch noch bis zum Einschlafen begleitet. Das ging teils bis 21 Uhr und Alphalama, der das meist gemacht hat, ging von Minilamas Bett nahezu direkt in sein eigenes. Wir Eltern haben in einem längeren Prozess herausgearbeitet, dass wir diese Form der Zuwendung nicht länger geben können und im Gespräch mit dem Kinderarzt auch die Bestärkung darin erhalten, dass es ok ist, damit aufzuhören (Die Geschichte war etwas länger, aber hier nur in aller Kürze). Von heute auf morgen habe ich Minilama entwöhnt. Das war wohl die einzige Art, es zu machen. Abendroutine, gemeinsames Lesen, dann wird eine Kassette eingeschaltet und Minilama kann sich die anhören. Wenn was ist, sind wir unten zu finden und Minilama kommt öfters noch mal, um eine andere CD zu erbitten oder so. Wir halten die Kontakte dann bewusst sehr kurz, lassen uns nicht festquatschen. Für Minilama von Anfang an ok. Seitdem haben wir Eltern endlich wieder etwas Zeit für uns. ich genieße das auf eine Art, die sich keiner vorstellen kann. Die Zwillinge brauchen nicht die intensive Begleitung, wie Minilama, Zwilling 2 schläft aber im Moment nicht so gut ein und meckert dann öfters. Manchmal reicht es, uns zu sehen, wie wir mit Wäsche oder Zeugs an der Tür vorbeigehen, manchmal nicht. Das geht dann phasenweise in einem 30 Minuten Rhythmus, bis Zwilling 2 dann in den Schlaf findet. Ab 22.30 Uhr wird er dann oft wieder in 2 Stunden Rhythmus wach. In der Zwischenzeit regeln wir Eltern dann die anstehenden Dinge, versuchen aber zunehmend vieles vor die Bettgehzeit zu verlagern. Ich koche oft schon mal die Nudeln vor, oder schmiere Brote am Tisch für die Brotdosen.
Unser Zeitfenster ist einfach sehr klein durch die Schlafphasen der Kinder, das kann ich manchmal gut wegstecken, aber manchmal werde ich auch traurig. Wenn ich eben in Stress komme, weil ich noch Sport und ein Telefonat machen möchte. oder wenn andere erzählen, dass sie als Paar auf einem Konzert waren. Das gibt mir dann schon einen Stich, das gebe ich ehrlich zu. Bei Alphalama ist eine latente Müdigkeit zu spüren, da er ja nachts öfter auf muss als ich, die vom fernen Geschrei oft nicht geweckt wird oder nicht auf kann im Halbschlaf.
Ein Grund für die Dichte der Schlafschwierigkeiten ist sicher die absolute Anzahl der Kinder. Es sind nun mal drei und jeder kann ja mal eine schlechte Nacht haben. Hinzu kommt aber die grundsätzliche Bedürfnislage: Minilama und Zwilling 2 brauchen einfach wenig Schlaf. Minilama macht seit es 2 ist keinen Mittagsschlaf mehr, ruht sich nur noch mit einem Buch mittags aus, Zwilling 2 schläft daheim maximal 1 Stunde, in der Kita etwa 2 Stunden mittags und ist dann wieder fit bis abends. Zwilling 1 hat gerade einen guten Lauf, das kann sich aber zahnungsbedingt auch rasch wieder ändern oder auch, wenn die Nase wieder dicht ist. Grundsätzlich hat aber Zwilling 1 ein ähnliches Schlafbedürfnis wie ich, das synchronisiert sich ganz gut.
Aber die anderen beiden sind klassische Powernapper. Schläft Minilama oder Zwilling 2 im Auto 20 Minuten, weil man als Eltern nicht aufgepasst hat, reicht das, um abends 90 Minuten länger wach zu sein. Wir Eltern hingegen sind dann einfach platt und ja, diese 90 Minuten sind dann eine echte Qual. .
Und ich habe den Eindruck, was das Schlafen angeht, wächst man nur bedingt an seinen Aufgaben. Wir sind super oft selbst total müde.
Und gerade im Urlaub oder unterwegs wird das Ganze dann richtig anstrengend. Während andere Eltern erzählen, dass sie abends noch was leckeres Essen oder ein Glas Wein trinken, kann ich von den drei Urlauben, die wir schon mit allen dreien gemacht haben, anderes berichten. Beim ersten Urlaub war Minilama meistens länger wach als ich. ich bin abends gegen 9 komplett angezogen auf dem Bett eingeschlafen, Minilama war bis nach 12 wach und leider nicht still mit einem Buch beschäftigt. Da gehen maximal kurze Absprachen der Erwachsenen für den kommenden Tag und je nach Schnitt der Wohnung Vorbereitung fürs Essen am kommenden Tag. Eigene Erholung ist oft nicht möglich. Aber so gar nicht.
Das Schlafen ist definitiv eine der Schattenseiten der Elternschaft, die ich mir so nicht ausgemalt habe. Ich habe damit gerechnet, dass die Kinder im ersten Jahr eher schlecht schlafen, aber auch, dass es sich dann einpendelt. Klar, dass größere Kinder später mal kommen, weil sie schlecht geschlafen haben, das wusste ich auch. Aber dass wir so extreme Nachteulen und gleichzeitig Frühaufsteher bekommen würden, hätte ich nicht gedacht. Zumal wir Eltern ganz andere Schlafgewohnheiten haben.

Erziehungsziel erreicht

Gestern war ich in Minilamas Kita zum Entwicklungsgespräch eingeladen. In unserer Kita gibt es die gute Tradition, dass die Entwicklungespräche um den Geburtstag herum angesetzt sind und die Erzieherinnen uns Eltern auch drauf ansprechen, ob wir eines haben wollen. In diesem Jahr war mir das durch die ganze Krankheits- und Krankenhauswelle wirklich durchgegangen, zum Glück lag ein Zettel im Rucksack mit der Frage, ob ich Interesse habe und wann es mir passt.
Minilama ist schon seit 3 Jahren in der Kita und fühlt sich dort sehr zu Hause. Den Übergang von der Nestgruppe in die Regelgruppe hat es mit etwas weniger als 3,5 Jahren ohne ein einziges Problem bewältigt. Weil es an der Zeit war, weil die Freunde auch wechselten, weil es in der großen Gruppe tolle Dinge gibt, auf die es in der kleinen Gruppe eben wegen der Kleinen verzichten musste. Minilama ging mit viel Neugierde und Offenheit in die neue Gruppe. Dieses Verhalten kannte ich von mir selbst als Kindergartenkind gar nicht. Umso glücklicher war ich, sehen zu können, wie Minilama lässig und so liebevoll begleitet den neuen Weg einschlug. Da ich regelmäßig im Austausch mit den Erzieherinnen bin, weiß ich grundsätzlich gut Bescheid darüber, wie Minilama sich in der Kita gibt, wie sein Sozialverhalten und sein Umgang mit den anderen ist, freue mich darüber, wie toll es sich an kreativen Angeboten beteiligt und haben einen Überblick, was so abläuft. Das ist umso wichtiger, da Minilama wenig aus der Kita erzählt und wenn was kommt, altersgerecht darüber fabuliert und phantastische Geschichten und Flugreisen oder wilden Prügeleien zum besten gibt, die nur einen sehr, sehr kleinen Kern dessen enthalten, was sich realiter abgespielt hat. Ich finde es schön, wie phantasievoll unser Kind erzählen kann und höre auch gern zu, denn die Plots sind oft richtig humorvoll und pfiffig – aber manchmal mag ich dann doch wissen, was es damit auf sich hat.
Ich mache gute Erfahrungen damit regelmäßig mal in der Kita anzurufen und kurz nachzuhören, wie sich Minilama so macht. Das kann ich zwischen Tür und Angel eigentlich nicht tun, da Minilama dann riesen Ohren macht und auch gern mitredet. Und da Minilama mittlerweile sprachlich auf dem Niveau eines Grundschulkindes ist und entsprechend auch komplexere Zusammenhänge versteht (und sogar sein Verhalten entsprechend des Gehörten gestaltet), haben die Erzieherinnen und ich (schon vor längerer Zeit) entschieden, dass wir seine Entwicklung eben am Telefon kurz absprechen, wenn nötig. Ich finde es auch gut, dass Minilama sich in der Kita frei und selbstständig fühlen kann und gar nicht unbedingt weiß, welches Sicherungsnetz wir ihm im Hintergrund ausspannen.
Anfang des Jahres war eine dichte Phase, in der ich eng im Kontakt mit der Kita stand, gerade läuft es wieder sehr rund für und mit Minilama.
Da bin ich froh, dass die Erzieherinnen sehr kompetent und engagiert bei der Sache sind und die Kinder gut beobachten und mir klare Rückmeldungen geben.
Gestern war das Entwicklungsgespräch und ich habe mir erst die Einschätzungen der Erzieherinnen angehört, danach erst sind wir in den Austausch gegangen. Und was ich gehört habe, hat mir mehr als gefallen: Unser Erziehungsziel haben Alphalama und ich vollends erreicht. Minilama ist ein aufgewecktes, fröhliches, sozial kompetentes, unabhängiges, ausdauerndes, Gerechtigkeit liebendes, Gott suchendes und autonomes Kind, das seine Grenzen kennt und in keiner dem Alter entsprechenden motorischen Tätigkeit seinen Altersgenossen hinterherhinkt. Kognitiv und sprachlich ist es sehr weit vorne, was die Frustrationstoleranz angeht, tut sich in letzter Zeit massiv was und das Autonomiestreben und der Wunsch, selbst etwas auszuprobieren und zu lernen, sich selbst Wissen anzueignen werden immer deutlicher zu spüren.
Da bin ich als Mama sehr stolz auf mein Kind. Und als es dann den ganzen Heimweg (1,7 Kilometer) ohne eine einzige verkehrstechnische Ansage auf dem Roller nach Hause gefahren ist und im Anschluss daran fröhlich ins „große Turnen“ lief, wusste ich noch mal, warum ich es mir eben nicht leicht mache mit dem Kind.