Schattenseiten

Vor einigen Wochen begann in unserem Haus eine echte Krankheitswelle: Fieber, Bindehautentzündung, Zahnweh, Bronchitis. Und das alles immer wenigstens mal 2. Gern zeitversetzt, also Zwilling 1 ab der Nacht von Sonntag auf Montag bis Dienstag und Zwilling 2 ab Mittwoch abend. Ergebnis: Ich konnte am Ende der Woche kaum arbeiten, schob immer alles so, dass ich bis Mittwoch alle Termine geschafft hatte und den Rest der Woche von zuhause arbeiten konnte, abends, morgens sehr früh.
Diese Wochen haben ihr Tribut gefordert. Ich bin seit einiger Zeit erschreckend regelmäßig beim Arzt. Gleichzeitig war Schonung einfach nicht möglich. Minilama drehte schrecklich auf, ließ mich nicht zur Ruhe kommen, forderte ständig aufs Neue Aufmerksamkeit. Zwischenzeitlich trank ich nur noch heimlich im Bad, weil jedes Trinken ein Gebrüll aller drei Kinder hervorrief, die auch wollten. (Oder eben auf der Arbeit) Egal, ob sie gerade eben getrunken hatten oder ob sie eben frisch umgezogen waren nach dem Verkippen von ungewolltem Trinken. Wenn immer ich etwas wollte, ging es wieder von vorne los: Sie wollten, Minilama nervte bis zum Exzess. Wir waren wieder ganz am Anfang: Der Milchneid war wieder da. Minilama hat das gesamte erste Lebensjahr der Zwillinge hindurch an deren Fläschchen getrunken,  heimlich, dabei schelmisch guckend. Besonders gern dann, wenn alle benutzt waren. Man hätte meinen können, dass es mit Vorsatz geschah. Es endete, als die Zwillinge weg von den Fläschchen waren. Es begann als ich diese schlimmen Nachwehen hatte drei Tage nach der Entbindung, von denen sogar die Hebamme irritiert war. Da trank es zum ersten Mal trotz Verbot aus den Fläschchen der Zwillinge. Obwohl es ein eigenes hatte usw. Ich hatte alles durch, was Erziehungswissenschaftler sagen. Hat aber nichts gebracht.
Die neue Spielart ist nun das Milch verlangen, wenn die Zwillinge morgens eine Tasse davon bekommen oder abends. Minilama bekommt natürlich auch etwas Milch. Es will aber mindestens 600 Milliliter. Und zwar während ich Abendessen mache – also  6 Mal während des Kochens. Auch wenn man nachgibt, hat man maximal 15 Sekunden seine Ruhe. Meine Nerven lagen absolut blank. Das Wort „Milch“ wird hier nicht mehr in den Mund genommen. Wenn Besuch Milch im Kaffee will, dann ist natürlich wieder alles da, aber normalerweise geht es einigermaßen.
Minilama klagte eines morgens über Bauchweh, ging vor Schmerzen in die Knie. In der Kita war alles ok, sodass es blieb und ich auf Abruf war. Die Folge: Minilama konnte bei den Kitafotos dabei sein, was ich gut fand.  Abends beim Arzt (die Schmerzen kamen wieder als ich kam und das Kind ging noch schlimmer in die Knie als morgens) war nichts zu erkennen.
Am Wochenende drauf (2 Tage später) ging es in der Nacht dann mit Brechdurchfall los. Und obwohl ich sehr genau desinfiziere könnte ich mir den Aufwand im Grunde auch sparen, denn wir bekommen es ohnehin alle.
Zwilling 1 montags, der ging dann gesund am Donnerstag wieder zur Kita, nur um dort erneut Durchfall zu haben. Zwilling 2 bekam es mittwochs abends direkt hinter unserer Schwelle, Alphalama bekam es dienstags oder mittwochs, ich bekam es mittwochs mittags.
Die Zwillinge waren zwischendurch extrem schlapp, ich habe mehrmals mit dem Kinderarzt und der Notfallambulanz der Kinderklinik Rücksprache gehalten. Eine erneute Woche ohne richtige Entlastung durch die Kita. Alphalama und ich saßen am Donnerstag morgen zitternd beim Hausarzt, Baby 2 war bei uns, anhänglich wie ein Neugeborenes. Nach 2 Stunden Wartezeit dann Krankschreibung – die ich bitter nötig hatte, da ich eigentlich mehr als wichtige (Abend)Termine hatte, aber beim besten Willen nicht arbeitsfähig war. Alphalamas Puls war besorgniserregend niedrig, ich befürchtete auch bei ihm eine eventuelle Einweisung in die Klinik. Mein Knubbel unter der Achsel, die neuste Erkrankung, war für den Hausarzt dringend abklärungsbedürftig, sodass ich während Baby 2 schlief und Alphalama vor sich hin vegetierte alle Kraft zusammen nahm und zum Gynäkologen fuhr. Zum Glück Entwarnung.
Zuhause gings dann munter weiter, die anderen Kinder abholen, Zwilling 1 hatte ja die Durchwindeln im Gepäck.
Minilama und die Kinder sind ganz genesen und konnte am Freitag zum Schwimmen mit der Oma und ich konnte für den Geburtstag am Montag Einkäufe machen. Minilama feierte  am Montag. Sprudelkuchenelefanten mit blauer Glasur backen, Waffelbecher füllen, ab in die Kita damit und dann zu einer Sitzung fahren und weiter in die Stadt was abholen für Dienstag.
Leider musste Zwilling 2 dann montags doch noch in die Klinik, brauchte einige Infusionen, um wieder stark zu werden. Wer schon einmal mit Kleinkind in der Klinik war, weiß, wie schrecklich das sein kann. Das Isolierzimmer war dann eine neue Dimension. Sorgen, keine Privatsphäre mehr, kein Schlaf, dafür viele Infos von Fremden, die nach 20.00 Uhr noch Besuch bekommen, nicht jede Schwester ist das, was ich unter professionell verstehe. Zum Glück waren es nur 2,5 Tage, dann ging es dem Kind wieder gut und wir durften nach Hause. Ein gutes Ende von 2 Wochen Magendarm. Weiter geht es aktuell mit Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis. Öfters  mal was Neues.

Frohe Ostern

Nach einer ewig langen Krankheitsphase erleben wir ein halbes Wochenende ohne größere Einschränkungen (am Freitag wurde wieder gebrochen) und genießen es, gemütlich draußen unterwegs zu sein, auf dem Spielplatz Rast zu machen, Lego und Duplo zu spielen.
Die Ostertage schenken uns neue Hoffnung, dass es wieder aufwärts gehen wird.

Unsere Osternester sind prall gefüllt, mit Sommergarderobe, süßen Genüssen und Lego.
Und die schönen Osterlämmer, die ich den Kindern jedes Jahr backen will haben sind nicht aus der Form lösen lassen. Daher gibt es Kuchen, der seinesgleichen sucht. Dafür aber liebevollst verziert. Aber vielleicht ist auch das eine Lektion, das Leben entspannter anzugehen. Die sage ich mir im Moment täglich selbst.

Auch der Kuchen sieht nicht so perfekt aus, wie ich das von mir gewöhnt bin. Aber mit Smarties und einem ganzen Päckchen Schokolade ist er doch mehr als annehmbar. Die Kinder freuen sich, finden es toll. Die Erwartungen sind gar nicht so hoch, das freut mich.

Dank meiner Mama sind wir aber nicht ganz ohne Osterlamm. Zum Glück ist dieses ohne Stress gebacken. :)

Und mein Minilama setzt alleine in 2 Tagen diesen super Pizzawagen zusammen und braucht dabei absolut keine elterliche Hilfe. Schade, wir finden das Modell doch auch so genial.

Was haben wir es gerade gut. So soll es bleiben.
Frohe Ostern allen und viel Gesundheit.

 

Alltagsästhetik: Die erste Medaille

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

 

Letzte Woche hat Minilama seine erste Medaille errungen. Beim Volkslauf. 400 Meter ohne Zeitnahme. Wer ins Ziel kam, bekam die Medaille. Alle Großeltern waren angereist, um anzufeuern. Minilama, dem die Strecke nichts ausmacht, da es ja ganz andere Entfernungen täglich zurücklegt, teils auch laufend, war aber trotzdem sehr aufgeregt. Das Stadion war voll – zumal kurz drauf die beiden Hauptläufe starteten. Minilama hat sich aber nicht abbringen lassen. Am Ende ein strahlendes Kind, das sich gar nicht mehr erklären konnte, warum es im Vorfeld einen Tag mitmachen wollte und am nächsten keine Lust mehr hatte. „Mama, ich wusste ja gar nicht was eine Medaille ist. Wenn ich das gewusst hätte…“Minilama geht medaillentechnisch gegen mich mit 1:0 in Führung und will den Vorsprung im kommenden Jahr auf jeden Fall vergrößern.
Und die Mama hat sich fast die Hände blutig geklatscht als das Kind durchs Ziel lief. Wunderbar wars.

Von Lausbuben und Wildfängen *

Minilama ist ein eher ruhiges Kind. Es malt und bastelt gern, mag Puzzles für große Kinder (im Moment 100 Teile ohne Hilfe), liest sehr gern und liebt Lego. Sein perfekter Tag ist eine Mischung aus all diesen Dingen und eine große Runde auf dem Roller durchs Dorf mit einem längeren Zwischenstopp auf dem Spielplatz.
Wenn wir irgendwo zu Besuch sind, checkt das Kind zuerst die Bücherbestände und guckt sich in Ruhe an, was es dort gibt. Und wenn dabei eine wilde Meute um es herumtobt und Nexo Knights spielt, interessiert das erstmal weniger. Minilama ist auch zurückhaltend in der Öffentlichkeit und guckt sich über den Buchrand versteht sich, alles in Ruhe an bevor es seine Wünsche formuliert. Dann kommt auch gern ein Satz wie „Hast du ein Eis?“ oder „Ich mag mehr Gummibärchen!“ gerichtet an die Mütter der Freunde. Der Erfolg gibt dme Kind recht.
Minilama, das fast vier Jahre alt ist, bleibt immer öfter für eine Stunde alleine bei Freunden und bekommt großes Lob von den anderen Eltern – darf also gern wiederkommen und ohne Mama zu Besuch bleiben. Diese Anerkennung als großes Kind genießt es sehr. Ohnehin weiß Minilama sehr genau, welches Register es wo ziehen kann, weiß, wo Zurückhaltung angebracht ist und wo eher die forsche Gangart nötig ist. Das ist keine Errungenschaft des Alters, sondern etwas, das Minilama schon als Krippenkind sehr zielsicher einsetzen konnte.
In dieser Hinsicht bin ich also sehr verwöhnt, das sehe ich immer wieder.
Die Zwillinge sind da etwas anders. Natürlich sind sie aufgrund ihres Alters etwas weniger selbstreguliert als Minilama, aber auch ein altersgenauer Vergleich offenbart deutliche Unterschiede zwischen den dreien. Die Zwillinge sind motorisch extrem ambitioniert. Sie klettern auf alles drauf,  hantieren schokierend erfolgsversprechend an hoch gestellten Türklinken herum, öffnen und schließen Schrankschlösser in der Küche, schalten den Herd ein, schieben Stühle durch den Raum, um an höher liegende Dinge zu kommen. Mehr als einmal ist mir fast das Herz stehen geblieben. Neulich erst als Zwilling 2 den Herd in der Einliegerwohnung angemacht hatte und ich es nicht bemerkt hatte, weil ich Zwilling 1 die Schuhe anzog. Minilama hatte es zum Glück gesehen. Abends nahm ich die Sicherung für diesen wenig genutzten Herd raus.

Ständig machen wir das Haus noch sicherer. Und ständig sind die Kleinen uns einen Schritt voraus. Neue Verschlüssen für die Backofentür oder der Spülmaschine sind nur eine neue herausforderung. Schnell haben sie das Prinzip heraus und spielen fröhlich damit.
Oft ist das wirklich niedlich, dieses Entdecken, aber auch gefährlich und manchmal nervt es einfach nur. Wenn sie Surfen mit der Backblechschublade spielen und diese überlastet total knackt und ich die Kinder schon auf dem Hinterkopf liegen sehe. Auch das Spiel mit den Topfdeckeln nervt mich eher bzw. erfüllt mich mit Sorge, dass gleich Scherben auf den Fliesen sind  als dass ich die Musikalität der Kinder dabei bewundern kann.
Es ist nicht nur, dass es eben zwei sind und zwei einfach mehr sind als eins. Es ist auch, dass die beiden jedes für sich einfach sehr agil sind, viel klettern, viel erkunden. Die Spielzeugkisten werden ausgekippt und umgedreht, um drauf zu stiegen und von da aus auf die Armlehne der Couch zu kommen oder auf das Sideboard oder das Fensterbrett. Auch die Erzieherinnen sagen, dass es bei ihnen in der Einrichtung einzelne Ecken gibt, auf die bisher noch kein Kind geklettert ist. Meine beiden sind dort allerdings schon öfters johlend gesichtet worden. Und haben damit die Erzieherinnen erschreckt, die maximal 10 Sekunden woanders hin gesehen haben.
Und sie beißen auch gern mal, einander und andere. Ich denke, dass ist vor allem ein Versuch, sich andere vom Leib zu halten. Von wegen „ach wie süß“ – das mögen die kleinen Lamas nicht so gern. Zwilling 1 ist auch zudem etwas fehlgeprägt und spuckt ganz gern. Zwilling 2 schubst dafür umso lieber und haut, wenn ihm was nicht passt. Dann wird auch laut „nein“ gebrüllt.
Es wird deutlich körperlicher als wir es von Minilama her kennen. Bücher sind schon interessant, aber eher marginal. Zum Entspannen zwischen zwei Aktionen daheim blättern sie gern auf den Schoß gekuschelt im Lieblingsbuch. Da gibt es klare Präferenzen. So zwischen Sofaerklimmen und Puzzleteilweitwurf (und die zwei werfen erstaunlich weit und genau). Die Erziehrein meinte auf meine Frage, wann die beiden sich denn mal regenerieren, wann sei zur Ruhe kommen: „Wenn sie schlafen, mittags.“ Damit ist alles gesagt.
Die beiden trauen sich bewegungsmäßig schon jetzt mehr zu als Minilama. Balancieren, irgendwo runterspringen – das machen die beiden teils sicherer als Minilama. Man kann es kaum glauben, aber trotz 28 Monaten Altersunterschied balancieren die Kleinen tatsächlich sicherer und springen angstfreier, drücken weniger fest meine Hände zusammen. Die beiden werden ausflippen, wenn sie im Sommer ins Kindeturnen dürfen, das steht schon fest.
Ich lerne neuen Dimension vom Elternsein kennen, muss mich bremsen nicht immer gleich „nein“ zu rufen, wenn etwas Waghalsiges ansteht, sondern das Ausprobieren zulassen. Muss erst noch selbst herausfinden, wo ich die Grenzen ziehe. Was ist noch ok? Was schon zu gefährlich? Sind die beiden jetzt zu müde dafür? Oder packen sie das noch? Was ist absolut tabu? (Lichterdisco mit dem Lichtschalter z.B.- da wird sofort der Treppenstuhl in den Flut gestellt)
Und staunen, wie sehr diese kleinen Menschen über sich hinaus wachsen: Noch keine 20 Monate alt ist Zwilling 1 und kommt komplett ohne Hilfe die Metallleiter zum Klettergerüst hoch. Auch die etwas höhere erste Stufe macht keine Probleme mehr. Die Wackelbrücke da schon eher. Wenn es ans Rutschen geht ist das vergessen. Mit dem Gesicht voran geht hinab in den Sand. Zwilling 2 hingegen braucht noch Hilfe bei der Leiter, muss merken, dass da eine Hand hilft, rennt dann lachend über die wackelnde Brücke und setzt sich gemäßigt mit den Füßen zuerst auf die Rutsche. Wenn man dann sagt „komm“, geht’s ab. Da lachen die beiden fröhlich auf – ich hab manchmal noch ein bisschen Herzflattern von der Kletteraktion auf meiner Kopfhöhe vorher.

 

* Ich vermeide es ja bewusst, anzugeben, welches Geschlecht die kleinen Lamas haben. Weil es keinen Unterschied macht – weder für meine Erziehung noch für meinen Blick auf die Kinder. Sie werden alle soweit wie es möglich ist, gleich erzogen, kommen mit Literatur, mit der Natur, mit wissenschaftlichen Beobachtungen und allem, worüber man sich den Kopf zerbrechen kann, in Kontakt. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Ich bin selbst gebanntes Kind, hatte nur doofen Mädchenkram, aber nie Konstruktionssachen, so gut wie kein Lego, nichts zum Experimentieren. Das hätte ich als Kind aus heutiger Sicht aber unheimlich gern kennengelernt. Daher haben alle meine Kinder die Chance eine wahrscheinlich eher jungenhafte Erziehung zu genießen, bei der es um Bewegung und Erkunden und Begreifen der Welt geht.