Zwischen den Jahren

Die Zeit zwischen den Jahren ist für mich immer so ein bisschen wie Niemansland. Richtig was machen kann man nicht bzw. ich selbst bin in einer derart lahmen Stimmung, dass mir die Kraft fehlt, eine Unternehmung anzugehen – außer schwimmen gehen oder aufräumen oder Akten sortieren, Steuerdokumente ordnen, Kleiderschrank ausmisten usw.
Das sind so grob die Dinge, ich ich vor der Elternschaft gemacht habe zwischen den Jahren. Wobei ich traditionell bis zum letzt möglichen Termin arbeiten gehe, letztes Jahr also bis zum 23.12. Die Kita hat mitgemacht, Alphalama und ich waren bis zum Schluss arbeiten. Warum? Weil es so ruhig und surreal entspannt auf der Arbeit ist, weil man in Ruhe im Büro für Ordnung sorgen kann, neue Projekte andenken, sich die ersten Schritte dazu überlegen kann. Und in Ruhe einen warmen Tee genießen. Bevor das Weihnachtschaos losgeht.
Ich bin kein Weihnachtsmensch. Schon als Kind habe ich das Fest nicht so gemocht. Die wesentlichen Personen meiner Familie auch nicht, sodass es oft eher gedämpft und pflichtbewusst-nett zuging. Geschenkefluten und leuchtende Kinderaugen kenne ich nicht. Das kam erst als 10 Jahre nach mir meine Cousinen zur Welt kamen. Und da war ich schon kuriert vom Zauber der Weihnacht.  Auch keine nette Familienzeit, bei der sich die Großen mit den Kleinen in besonderer Weise beschäftigt haben. Dafür war im Zuhause meiner Kindheit immer viel zu viel zu tun. Kochen, aufräumen, spülen, Weihnachtsputz, Plätzchenschalen füllen, alle Mann duschen und nett anziehen, zur Kirche gehen, allen Anwesenden „Frohe Weihnachten“ wünschen usw.
Ich bin traditionell an Heiligabend spätestens um 18 Uhr absolut bettfertig, als ob ich da eine innere Uhr hätte. Weihnachtliche Blockbuster sind schon immer an mir vorbeigegangen, ich habe immer darum gebeten, jetzt ins Bett zu dürfen.
Alphalama kommt aus einem weihnachtsbegeisterten Haushalt, in dem das Wohnzimmer zum Weihnachtswunderland umfunktioniert wird und alle Anwesenden mit nett verpackten Kleinigkeiten erfreut werden (und sich auch damit erfreuen lassen, ganz wichtig), wo zufrieden zusammen gegessen wird und eine richtige Weihnachtsstimmung aufkommt. Darauf freue ich mich immer sehr. Allerdings ist das ja im letzten Jahr unter zwei Schwällen Kleinkinderbrochenem begraben worden. Wir haben das Fest im neuen Jahr nachgeholt, feiern also in 2017 zwei Mal Weihnachten. Auch schön.
Unsere Weihnachtstage waren stark vom Kranksein geprägt und die darauf folgende Woche auch. Am Donnerstag waren wir Eltern wieder soweit auf dem Damm, dass wir den Kindern und uns das bieten konnten, was wir alle verdient haben. Voher war bei uns Chaos. Unsere drei Kinder sind ja sehr agil und interessiert, klettern auf allem herum, Baby 1 sprang sogar ständig von der Couch in der (Plastik-)Baum. Am 2. Weihnachtstag baute ich dann alles ab, während Alphalama sich vor Bauchkrämpfen wand und ich noch versuchte stark zu sein. Wenigstens gelang es uns, zeitlich versetzt auszufallen. Was gewesen wäre, wenn wir beide gleichzeitg akut krank gewesen wären, kann ich nicht sagen. In jedem Fall hätten die Babies währenddessen dauerhaft gebrüllt. Sie hatten ja Zahnweh – jedes hat 2 Backenzähne in der Woche bekommen – und ein sehr großes Nähebedürfnis gepaart mit den massivsten Schlafschwierigkeiten seit sie auf der Welt sind, noch schlimmer als zu der Zeit als Alphalama für 10 Tage im Krankenhaus lag und ich alle drei alleine hatte.
Minilama quälte sich bis Mitte der Woche mit Appetitlosigkeit herum. Nicht mal Zuckerdonut oder Kinderschokolade konnten den Teufelskreis durchbrechen. Das Kind wollte einfach nichts. Alphalama klagte über Ähnliches, hinzu kamen wellenartige neue Anfälle von nahezu maximalen Bauchschmerzen und Übelkeit, bei denen nur Ablenkung und Couchsitzen etwas Linderung verschafften. Normalerweise geht es mir am schlechtesten bei diesen Geschichten; wenngleich ich mich immer nur so kurz wie möglich ausklinke (obwohl: es ist schon verlockend, im Bad auf der Turnmatte zu liegen, alles ist schön warm, man hat ein Tablet dabei und niemand stört einen. Aber diesen Gedanken verscheuche ich mal ganz schnell. Das kann ich Alphalama nicht antun.)
Dieses Mal war es ok und ich war tags drauf wieder im Einsatz für die anderen Lamas der Herde.
Unsere tolle Wochenplanung – die ich in weiser Voraussicht weit vorgeplant hatte, um nicht in dieses Loch der Untätigkeit und gähnenden Langeweile zu fallen, während die Kinder aufdrehen und das Mobiliar zu Schrott klopfen, zu fallen – musste dann gekürzt werden. Der Indoorspielplatz entfiel weil die befreundete Familie stark erkältet war und Alphalama aufatmend eingestand, dass es ihm auch zu anstrengend wäre, mit Minilama durch die hohen Rohre zu krabbeln.
Also Alternativprogramm. Und das war schnell gemacht. Donnerstags morgens um 4 Uhr, zur nicht mehr aufschiebbaren Wachzeit der Kinder kündigte ich an, das ich an diesem Tag was machen will, auf das ich Lust habe. Also weder Indoorspielplatz, noch Tiergehege oder Waldelebnispfad und auch keinen Spielemarathon oder Legosession (beides kann man mit Minilama ohne Probleme machen), sondern was, auf das ich Lust habe. Schließlich, so referierte ich leidenschaftlich während Alphalama neben mir im Delirium lag, habe auch ich frei und mir durch meine harte Arbeit was Schönes verdient. Oder so. Zumindest wollte ich in die Stadt. Zum bummeln. Und das obwohl die Kinder das nicht soo toll finden. Außerdem wollte ich noch irgendwo essen gehen und fing gleich an nach vegetarischen Restaurants in der Provinzstadt zu suchen, in die Alphalama und ich derart verliebt sind, dass wir nach dem Studium nicht weiter als 12 Kilometer davon entfernt leben wollen (unterbrochen durch einige Jahre des Exils für meine Ausbildung – wobei ich es dort dann auch so schön fand, dass ich regelmäßg auch Touren ins Saarland vorschlage).
Letzlich aßen wir dann doch nicht dort, weil es zu weit außerhalb war, aber ein leckeres chinesisches Schnellgericht erweckte auch den Hunger in Minilama wieder. Wir bummelten wirklich gemütlich durch die Stadt, sahen uns Spielzeugläden an, naschten Gummibärchen und genossen die Zeit. Der Lagerkoller war wohl auch bei den anderen größer gewesen als gedacht. Mit einigen netten Kleinigkeiten im Gepäck machten wir uns auf den Heimweg und Minilama und ich besuchten Minilamas liebsten Freund, der Geburtstag feierte. Und da merkt man doch, wie groß die Kinder schon sind. So schön haben die Kinder selten zusammen gespielt, regelrecht erholsam für die Mamas. Ich muss aber auch zugeben, dass ich die Babylamas zuhause gelassen habe, um den Weihnachtsbaum und die Kugeln zu schützen. Mit nur einem Kind ist es doch sehr, sehr entspannend.
Den Freitag nutzten wir ebenso gut und sahen uns an, wie die Milch ins Tetrapak kommt. Und da wir uns verfahren hatten, fanden wir auch noch ein Einkaufszentrum mit Hema. Ein Fest für mich!
Und es gab noch Pizza für alle. Wenn ich sage, dass das gut lief, lüge ich. Aber wir haben am Tisch gesessen, sind bis zum Schluss geblieben, sind satt geworden. Mehr als zuhause möglich ist. Es wird, es geht aufwärts.
Mit einem Weihnachtssonntag bei Alphalamas Eltern läuteten wir das neue Jahr ein (welches wir mehr wach als ruhend begrüßt hatten. Mit Ausnahme der Zeit von 23.30 bis 1 Uhr waren mindestens 2 Kinder gleichzeitig wach.) und hoffen, dass es gesund und segensreich sein wird.

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