Affenfalle mal anders

Vielleicht kennt ihr die Geschichte von der Affenfalle ja auch. Sie enthält derart viele lebenspraktische Weisheiten, dass ich regelmäßig daran denke, wenn ich den Eindruck habe, dass ich ganz außer mir bin.
In der Geschichte, so wie ich sie im Kopf habe, geht es etwa so: Ein Kind steht vor einem großen Glas gefüllt mit bunten Bonbons und bekommt große Lust, einige davon zu naschen. Es greift freudig in das Glas und umklammert mit seinem Fäustchen so viele der süßen Kugeln wie möglich. Leider ist nun die Hand zu dick, um wieder aus dem Bonbonglas herauszukommen. Das Kind hat zwar haufenweise Bonbons ergriffen, es gelingt ihm jedoch nicht an nur einen einzigen heranzukommen. Und so sitzt es frustiert vor dem bunten Glas und hat genauso wenig wie zuvor, vielleicht noch weniger, denn nun ich es ganz aufgeregt und will unbedingt an diese Bonbons.
Die Lösung ist so einfach wie schwierig: Die Faust öffnen, ein Bonbon nach dem anderen entnehmen.
Wenn immer ich im Alltag spüre, wie ich ganz verkrampfe, nur noch ein scheinbar sinnvolles Ziel im Blick habe und alles andere in Vergessenheit zu geraten droht, streiche ich mit einer Hand bewusst über die Innenfläche der anderen. Um die Faust ganz weit zu öffnen, um die Hand so weit wie möglich zu machen. Um zu entspannen und zu spüren, wie frei es macht, offen zu sein – und wie eng es macht, wenn man die Hand zu Faust ballt und sie damit zu einem unnützen Stummel verkommen lässt, der weder streicheln, noch helfen, noch aufheben noch trösten kann.
Und oft denke ich dabei an eine mir so liebe Stelle in der Bibel, wo es über das personifizierte Zion heißt „Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände, deine Mauern habe ich immer vor Augen“ (Jes 49,16). Und dann freue ich mich wie sehr ich von Gott geliebt bin, dass er einen Platz für mich in einer Hand übrig hat.

Schreibe einen Kommentar