Elternschaft advanced: drei unter vier und dann noch so agil und interessiert

Vor einiger Zeit schrieb ich über ein Thema, das mich lange beschäftigt und in der Bewertung meiner eigenen Leistung als Mutter stark verunsichert hat: Die Schlafprobleme meines ersten Kindes.
Das gepaart mit der für mich individuell traumatisch erfahrenden Entbindung und anschließenden massiven Still- und Wundheilungsproblemen haben, so meine heutige Einsicht, die Gewöhnung an mein so sehr ersehntes Erstgeborenes sehr erschwert. So richtig in den Mamamodus, in diese Phase des seligen Anschmachtens des kleinen Wunders, das nun bei einem zuhause weilt, bin ich gar nicht richtig gekommen. Vieles war eher funktional geprägt, vom Versorgungsaspekt her. Auch unter der Geburt war ich nur mit der Angst und Not beschäftigt, dass ich (so schräg es klingt) regelrecht aus dem Blick verlor, dass das Baby grade kommt. Und da ich die starke atone Nachblutung hatte war ich auch nach der Geburt sehr, sehr mit mir beschäftigt.
Ich erinnere mich noch gut an eine Begebenheit im Krankenhaus als man mir Minilama zum Stillen brachte und ich eigentlich den Eindruck hatte, dass alles ein Selbstläufer ist (das muss wirklich sehr kurz nach der Entbindung gewesen sein). Die Schwester erläuterte mir, dass es 3 Stillhaltungen gebe, die ich hier in der Klinik nun erlernen würde. Und ich weiß noch genau, wie müde und kraftlos mich die Aussicht darauf, jetzt etwas zu erlernen gemacht hat und wie sehr ich gleichzeitig gestresst davon war: Erschöpfung, Eisenmangel, Schlafmangel, noch nachklingende Todesangst auf der einen Seite und die Sorge die Verantwortung, nun etwas Essentielles in Bezug aufs Kind zu erlernen (was sicher nur dort lernbar war) auf der anderen machten mich absolut fertig.
In jedem Fall war Minilama kein Anfängerkind und ich hatte so große Anpassungsschwierigkeiten. Es fiel mir schwer, mich komplett aufs Kind umzustellen. Mag sein, dass es dran liegt, dass ich Einzelkind bin oder daran, dass ich schlicht und ergreifend ein Egoist bin, der seine Bedürfnisse sehr klar hat. Es war schwer, eine gute Mama für mein Kind zu werden. Insbesondere weil ich immer den Eindruck hatte, dass das Kind sich in der Umgebung anderer Menschen wohler fühlt, dass es dort glockenhell lacht während es bei mir nur meckert, dass es kuschelt wo es sich bei mir nur wegdrückt.
Insofern hätte mir nichts Besseres passieren können als erneut Mutter zu werden, um die wirklich schlimmen Erfahrungen, die ich gemacht hatte, in ein neues Licht rücken zu können, um merken zu dürfen, dass auch ich das Mamasein von Anfang an intuitiv gut hinbekommen kann, zu spüren, dass ich in der Lage bin selbstbestimmt zu gebären und selbstbestimmt das Leben mit meinen Kindern zu gestalten. Da hat es mir so gut getan, die Unterstützung, die ich dieses Mal im Krankenhaus und von den Hebammen zuhause hatte als wirkliche und gut gemeinte Unterstützung wahrnehmen zu können und nicht wie es mir bei Minilama stets vorkam (und durch die Stillprobleme natürlich forciert) als Einmischung und den Versuch, unser Familienleben von außen zu kontrollieren. So sehr mich auch beim zweiten Mal die Hebammenbesuche gesresst haben und mir quer in den Tagesablauf kamen (meist so 2 Wochen nach der Geburt) so sehr habe ich mir immer wieder gesagt, dass es nur episodische Momente sein werden in denen ir eine öffentliche Familie sind und dass es sich wieder ändern wird.
Der Gewinn ist groß für uns alle. Minilama ist kein Einzelkind mehr, zum Glück. Daran hätte ich lange zu knabbern gehabt. Die Kinderwunchzeit bis zur zweiten Schwangerschaft war für meine Wahrnehmung elendiglich lange.
Aber zum Glück sind wir ein zweites Mal beschenkt worden und Minilama ist großes Geschwister geworden. Es hat Geschwister, die es seit ihrem ersten Tag lieben. Es hat sie gefüttert, bewahrt sie vor Gefahren, hat sie manches Mal auch schon in Gefahren gebracht, heckt Unsinn mit ihnen aus, knuddelt sie und meckert sie an. Begleitet sie in den Schlaf, beschützt sie vor allzu wilden Knuddelattacken in der Kita, vor Hunden und Katzen, die mal eben hallo sagen wollen (was Minilama nicht leiden kann), tröstet und spielt viel mit ihnen. Geschwister eben. Nur Eifersucht kennt Minilama nicht. Dafür ist sein kleines Herzchen einfach zu weit.
Ich als Mutter bin überglücklich mit den dreien und wenn ich an sie denke, platze ich vor Freude und Dankbarkeit nahezu. Nur leider verliere ich den Kontakt zu diesen süßlich-debilen Gefühlen schnell, wenn ich die drei zu bändigen habe. Ich verstehe es auch nicht – oder vielleicht doch ein bisschen. Wenn ich die drei aus der Kita abhole (so gegen 16 Uhr) habe ich einen Arbeitstag hinter mir und etwas mehr als 1 Stunde Autofahrt (im Schnitt). Geschlafen habe ich nachts zwischen 4 und 6 Stunden, je nach Qualität der Nacht. Die Kinder ihrerseits haben einen Arbeitstag hinter sich und sich aufgeputscht von den schrillen und lauten Eindrücken ihrer Kita. Schon auf dem heimweg (nach der Arbeit leider meist mit dem Auto, da ich sie sonst noch später holen müsste)

Unsere drei Kinder sind alle sehr intelligent, rege, agil, wach, interessiert und ihrem Alter in vielem weit voraus. Sie brauchen nur sehr wenig Schlaf, sie essen schnell, sie suchen stetig nach Abwechslung, sind manchmal unerschrocken und unabhängig und in anderen Situationen, die ich eher als gefahrlos einstufen würde wie die Kletten. Sie haben alle unterschiedliche Stärken (wobei es enge Parallelen zwischen dem – man kann es nicht anders sagen –  intellektuellen Minilama und Babylama 2 gibt), sind alle definitiv keine Anfängerkinder, keine Teilzeitkinder, keine Bettchenschläfer, keine Liegekinder, keine Wickelfreunde, keine Fans des gepflegten Waschens und Pflegens, keine Mitläufer. Bei uns ist noch kein Kind auch nur für einen Tag „mitgelaufen“. Und keines hat jemals länger als bis 6.30 Uhr geschlafen.
Und sie reden ohne Pause (bzw. brabbeln), reden lauter, wenn ich was anderes mache. Sie verstehen es trefflich, sich im Babyspielen zu übertrumpfen. Minilamas bizarre Interpretation vom Babysein (Jan Delay Stimme und lautes Gebrüll, alles in den Mund stecken und literweise Milch trinken), die es seit der Geburt der Babylamas perfektioniert (und die mir manchmal sehr auf den Nerv geht)  beeinflusst wiederum seine Geschwister und umgekehrt. Babyhaft werden im Dauerloop sozusagen.
Ich habe Bekannte, deren Kinder bis 9 Uhr schlafen. Die abends ohne Mama einschlafen. Andere, die mit der Zahnbürste gelaufen kommen, Kinder, die gekämmt werden möchten, Kinder, die den Vormittag vorm CD-Player verbringen. Kinder, die dabei stehen, wenn ihre Geschwister gewickelt werden. Kinder, die ihre Schuhe suchen laufen, wenn es heißt, dass es gleich raus geht. Kinder, die lieb mitturnen.
Klingt nett, habe ich teilweise auch schon mit eigenen Augen gesehen. Auch wie Mamas sonntags alleine joggen gehen, Papas mit dem Verein ein Wochenende unterwegs sind, wie Mamas ins Fitnessstudio gehen.
Gibt es bei uns nicht. Ohne Diskussion. Hier lässt keiner den anderen aus Spaß- und Freizeitgründen allein.
Wenn die Kinder zuhause sind, ist hier richtig was gebacken. Minilama will Unterstützung beim Basteln oder Lego setzen (ab 6 Jahre) oder Puzzeln (100 Teile) oder beim Zählen bis 20 – das Kind ist in keiner Hinsicht ein Schläfer, sondern stets hellwach, Baby 1 programmiert die Spülmaschine um, Baby 2 klettert auf den Hochstuhl und kippt ein Glas Milch um.  Es gibt zahllose Szenarien, die sich hier abspielen, bei denen einem das Herz fast stehenbleibt. Meist hat es mit Unsinn in der mittlerweile nahezu hermetisch abgesicherten Küche oder mit Klettern auf Tisch, Stühle oder Sofa zu tun. Gern in Kombination mit Klebstoff, Perlchen, Flüssigkeiten oder Wandbildern. Minilama wil zunehmend mit Lego spielen, auffädeln, Sticker kleben und schneiden – mit Kleinteilen umgehen eben. Seit die Küche offen ist und nicht mehr mit Hochstühlen versperrt ist, kann Minilama nicht mehr ungestört spielen und man muss ständig Dinge aus den Händen der Streitenden herauslösen. Parallel zu den Kindern ist sogesehen keine Aktivität  möglich, weil die Kleinen noch zu klein sind.
Da will man den anderen einfach nicht mit alleine lassen. Heute lache ich innerlich oft über meine Unsicherheit, was den Egoismus angeht. Ich bin froh, wenn ich was Gekauftes bei Ebay Kleinanzeigen zeitnah überweisen kann und mich dafür kurz rausziehen kann oder abends 30 Minuten lang Sport machen kann, wenn die Spülmaschine ausgeräumt wird und ich frisch geduscht bin.

 

Schreibe einen Kommentar