Mit Lamasus im Dorf unterwegs – gemeinsam mit den mützenhassenden Tentakelbabies

An den Tagen, an denen ich zuhause bin, gehe ich zwischen 17000 und 20000 Schritten, so mein Schrittzähler. An Tagen, an denen ich eher sitzend unterwegs bin, merke ich den Bewegungs- und Sauerstoffmangel. Ich bin wirklich ein Bewegungsjunkie – und das obwohl ich im Schulsport stets das peinlichste Bild abgegeben habe, das ich so abgeben kann. Aber heute haben die Fußballerjungs ihren Bierbauch und ich züchte meinen Sixpack. Insofern relativiert sich doch alles ein wenig…
Schon zu Studienzeiten und noch mehr in der praktischen Ausbildung zog es mich nach draußen, an die Luft, um den Kopf frei zu bekommen und den Körper zu bewegen. Damals noch mit doofen Knieproblemen, die aber heute durch konsequentes Üben (und viel Glück) Vergangenheit sind. Seit Minilama auf der Welt ist, schätze ich das Draußen-Sein noch viel mehr. Minilama, ein unruhiges und lautes Baby, war im Kinderwagen oder auf dem Bauch am Fluss spazierend völlig zufrieden und glücklich, ruhte, lachte und war süß. Zuhause weinte es viel und war regelrecht untröstlich. So lief ich täglich fast 15 Kilometer, langsam, aber ausdauernd. Gehen gehört zu meinem Muttersein also integral dazu. Auch mit den Zwillingen bin ich viel draußen unterwegs. Die beiden Gänge zur Kita sind vorgegeben, da haben wir ein Ziel – anders als mit Minilama wo ich einfach „bis zur Staustufe“ oder „bis zur Saarmündung“ gegangen bin und dann umgedreht habe. Oft gehen wir noch einmal mitten am Tag, um etwas zu besorgen oder um auf dem Spielplatz zu schaukeln. Am Wochenende, wenn der Lagerkoller aufkommt (meist gegen 8 Uhr morgens schon), gehen wir alle erstmal raus einkaufen, spazieren, auf den Spielplatz, bei Bekannten klingeln und Guten Morgen sagen. Auch Alphalama, eigentlich eher unbewegt, ist mehr und mehr angesteckt, macht wenn er zuhause ist, auch alles zu Fuß.
Minilama hat den entscheidenden Entwicklungsschritt nach den Sommerferien getan und braucht mittlerweile kein Buggyboard mehr. Für mich ist das wirklich ein wichtiger und lobenswerter Schritt gewesen. Minilama läuft die 2 Kilometer von zuhause bis zur Kita ohne zu meckern und ohne größere Schwierigkeiten. Natürlich ist es noch immer ein Kind und so ganz smooth geht da nichts – das will ich auch keinem weißmachen. Aber ich sehe immer das, was war und das, was ist und darin erkenne ich riesige Sprünge. Die Wunschvorstellung, „einfach mal ein paar Meter zu gehen“, den eine befreundete Mama an ihren Sohn richtete, kenne ich auch, hege sie im Herzen (wie gern würde ich nochmal eine Runde Nordic Walken gehen…), aber das geht mit dem dreijährigen Mini-Me nicht immer. Minilama ist aber erstaunlich gut zu Fuß, braucht eigentlich auch keine Bestechungssüßigkeiten, um sich zu bewegen. (Aber wehe, andere sind dabei, deren Eltern dieses Mittel einsetzen. Dann hat das Mini natürlich auch Hunger und Durst.) Es fährt ja auch schon seit einem halben Jahr Fahrrad (und da bin ich super stolz, dass mein Kind mit grade mal 3 Jahren innerhalb von kürzester Zeit auf dem Fahrrad fahren konnte) und Roller. Gerade den Roller nutzen wir gern nachmittags auf dem Rückweg, da ist das Mini nämlich schon etwas ermattet von einem langen Spieltag.
Die Babylamas sind noch im Buggy unterwegs, sie entdecken seit sie ein Jahr alt sind immer detaillierter ihre Umwelt, erkennen und benennen Autos, Personen und Dinge, die ihnen auffallen. Es sind zwei süße, für Fremde identisch aussehende Tentakelbabies, die wild vor sich hin brabbeln, die ich da durchs Dorf fahre. Und sie hassen ihre Mützen und ihre Schuhe und Strümpfe. Baby 1 mehr als Baby 2, aber im Endeffekt haben beide wenig Lust auf Kopfbedeckungen oder Schuhe und Socken. Die Folge?
Alphalama und ich laufen viele Strecken zwei Mal. Einmal, um sie zurückzulegen und kurz darauf wieder im Rückwärtsgang, auf der Suche nach Schuh, Strumpf oder Mütze. Das passiert eigentlich nahezu täglich bei uns. Und das, obwohl wir natürlich zunehmend aufpassen wie die Luchse, dass die Kinder sich nichts ausziehen. Nur leider tun sie das meistens dann, wenn wir nicht so richtig gucken, weil wir Autos ausweichen müssen, Minilama beim Balancieren helfen wollen, Bekannten winken oder gedankenverloren in die Luft starren.
Versuche, das Ganze zu begrenzen sind teils gelungen. Beispielsweise tragen die Babies oft nur noch Kapuzen und keine Mützen mehr. Das geht aber auch nicht mehr lange, denn wenn es richtig kalt wird, sollten es schon Mützen sein. Sie tragen oft die Strümpfe unter der Strumpfhose und oft nehme ich ihnen die Lederpuschen für die Zeit des Unterwegsseins ab. Aber auch das wird bei zunehmender Kälte nicht mehr möglich sein.
Minilama hat zwar auch schon mal eine Mütze ausgezogen und weggeworfen, aber in einer deutlich geringeren Schlagzahl als die Zwillinge. Die haben kaum 2 Sekunden die gebundene Mütze auf dem Köpfchen, da fällt sie auch schon in den Dreck. Da hilft auch einer dem anderen, zieht den Loop des anderen aus, übernimmt ihn, wirft ihn zur anderen Seite heraus. Klingt niedlich und lustig, ist aber wirklich nervig.
Zum Glück unterstützt uns unsere Stadt tatkräftig bei dieser Aufgabe. Immer wieder legen nette Unbekannte die heruntergefallenen Sachen auf Fensterbänke oder hängen sie gut sichtbar an Zäune. Bis auf eine Sommermütze (Minilamas Lieblingsstück leider) und einen Fliesenflitzer (der trotz nächtlicher Suche auf einem unheimlichen Spielplatz verschollen bleibt) ist noch alles wieder an Ort und Stelle gekommen. Ich bilde mir ein, dass wir schon bekannt sind als die, die alles zu Fuß machen. Wir werden auch oft angesprochen und die Menschen finden es klasse, dass die Kinder bei Wind und Wetter draußen unterwegs sind – treu jeden Morgen um kurz vor 7 und nachmittags gegen 15 Uhr – und dass wir so top organisiert sind (zumindest deren Ansicht nach -aber ich nehme jedes Kompliment gern an); uns schlägt eine regelrecht solidarische Welle entgegen. Und das ist wirklich schön zu spüren.

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