„Da müssen Sie ein Au-Pair mitbringen“ – Mit Lamasus beim Versuch, sich für einen Babykurs anzumelden

Gestern war ein bizarrer Tag. Ich war kaum in der Lage, Alphalama zu erklären, was ich da am Telefon gehört hatte. Dabei hatte alles doch so harmlos angefangen.
Ich schaue unregelmäßig in die Programme der VHS und anderer Bildungsanbieter hinein, um auf dem Laufenden zu bleiben. Gerade jetzt, wo die neuen Halbjahre beginnen, werfen die neuen Programme ihre Schatten voraus. Und für Minilama beginnt bald der Schwimmkurs und im neuen Jahr dann die musikalische Früherziehung.
Beim Stöbern sah ich, das im Kurs „Klangnest“ (so eine Art Erstkontakt mit der Musik für die Kleinsten, so um 1 Jahr herum) noch Plätze frei sind. Das Zeitfenster passte auch und so entschied ich spontan, es zu versuchen mit den Babies. An dem Kurs konnte ich mit Minilama damals nicht teilnehmen und ich denke öfters, dass es sicher den Kindern Spaß machen würde.
Ich versuchte uns online anzumelden, aber beim Abschicken der Anfrage, trat ein Fehler auf. Und da ich ohnehin nachfragen wollte, ob der Kursort behindertengerecht ist, rief ich direkt an.
Behindertengerecht deshalb, weil man als Zwillingseltern schnell merkt, wie ätzend es ist, wenn man Überbreite hat. Seit wir zwei Babies auf einmal haben, habe ich endlich ein Gefühl dafür, was „behindertengerecht“ heißt, was verweigerte Inklusion bedeutet. Letztens in einem älteren Lidl (wir haben schon einen von diesen neuen Edekaähnlichen) achtete ich nicht so recht auf die Kassenbreite – die Folge war, dass ich von ganz vorne wieder ganz nach hinten musste um an einer anderen Kasse rauszugehen, weil es vorne an der Kasse selbst so eng wurde, dass es beim besten Willen für uns kein Durchkommen gab.. Ärgerlich, ärgerlich, zumal ich so gerne das Aufsehen anderer errege und es nicht leiden kann, wenn man unzählige Menschen bitten muss, doch Platz zu machen, nur damit man vorbei kann. Auch zahllose Bahnhöfe sind uns verwehrt, öfters auch mal Spielplätze mit zu engen Absprerrungen. Und so viele Orte, an die ich schon keinen Gedanken mehr verschwende, weil ich sie schon abgeschrieben habe.
Natürlich kann man immer jemanden fragen, ob er hilft, aber und das merke ich auch bei vielen körperbehinderten Menschen: ich habe dazu keine Lust. Wenn die Bedingungen endlich mal so wären, wie sie sein sollten, dann könnte ich meinen Alltag mit einem großen Wagen vor mir auch sehr gut alleine bewältigen. Immer andere zu brauchen, immer ein Small-talk-Gespräch führen müssen, nervt. Und gerade wenn ich eine Treppe zu überwinden habe, müsste ich eines meiner Kinder jemand Fremden anvertrauen bzw. eines alleine zurücklassen, bis ich wiederkomme.
Das war aber auch kein Problem beim Kursort und ich freute mich schon. Alles ebenerdig, behindertengerecht, also geht der Doppelwagen auch super durch.
Aber dann: „Wie alt ist denn das Kind?“ Ich gab Auskunft, sagte, dass wir Zwillinge haben. „Dann müssen Sie ein Au-Pair mitbringen oder eine Freundin.“ Ich war sehr verwirrt und gleichzeitig sauer, weil mir vermittelt wurde, dass ich ja zum Bewältigen des Alltages jemand Fremdes brauchen würde, am besten ein Au-Pair, für mich nach wie vor ein Luxus, den sich die oberen 10.000 leisten. (auch wenn ich weiß, dass das soo abgefahren auch nicht ist, jemand für die Kinder zu haben. Aber dennoch: Für mich ist das keine Option. Ich habe schon genug damit zu tun, mich um die Belange meiner Familie zu kümmern, da ist im Moment kein Raum für eine fremde Person, auch wenn die mir ein bisschen was an Arbeit abnehmen würde.)
Ich sagte also, dass ich kein Au-Pair habe und auch keins brauche (da war mein Puls schon etwas erhöht) und auch, dass ich keine Freundin (oder Mama…) habe, die mittwochs vormittags für 45 Minuten mit zu einem Kurs kann. Die arbeiten nämlich alle oder haben selbst Kinder. Und das würde ja auch nicht gehen, wenn die mit ihren Kindern da wären und mit auf meine gucken würden.
Und damit was der Deal geplatzt. Vorgabe: Pro Kind ein Erwachsener. Das ist so, fertig. Ob ich mir das zutraue oder nicht, ist egal. Begründung (gut herhören) : Bei Kreisspielen muss jedes Kind auf den Arm genommen werden und dazu braucht man nun mal pro Kind einen Erwachsenen.
Meine Anmeldung kann also nicht entgegengenommen werden
Aber, darauf verwies die Dame am Telefon: Das sei der einzige Kurs, der so angedacht sei. (Und ich dachte ans Babyschwimmen oder an die Krabbelgruppe in unserem Dorf, die absolut nicht behindertengerecht ist, sondern  20 Stufen zu erklimmen sind). Und  für Zwillinge zahlt man ja nur 1,5 mal so viel wie Einlinge Was mir aber reichlich wenig bringt.
Wir sind also ausgeschlossen aus dem Klangnest. (Später, bei den Folgekursen können wir gern mitmachen, wenn die Kinder schon selbst laufen können ist das auch kein Problem – was übrigens hier auch gar nicht abgefragt wurde. Meine laufen ja schon so gut wie.)
Da ich in der Lage bin, meine Kinder alleine zu betreuen, darf ich also nicht mitmachen. Und auch natürlich, weil ich mir kein Au-Pair leiste oder arbeitslose Freundinnen habe.
Meine Kommentare dazu muss ich leider für mich behalten, die wären nicht so nett…

 

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