Ein Jahr Zwillingsmama – Ein Rückblick

DIe Babylamas sind schon seit einem Jahr bei uns. Ich kann mir ein Leben ohne meine beiden Schätze gar nicht mehr vorstellen. Die zwei haben schon immer zu uns gehört und sind doch erst seit einem Jahr da.
Meine Mutter sagte mir vor ein paar Wochen“ Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, wie das ein wird mit 2 Babies. Und jetzt kann ich es mir gar nicht vorstellen, dass wir nur eins hier haben. Da würde immer eines fehlen.“
Da sagt sie wahre Worte. Von null auf hundert – wir waren sofort im Zwillingsmodus, ein Einling war eigentlich gedanklich nicht mehr vorstellbar.
Ich habe mir auch – das muss man erwähnen – schon immer Zwillinge gewünscht, ich finde das einfach schön, wundervoll, herausfordernd und besonders. Eine meiner Stärken ist sicher das Organisieren und Planen. Das kommt mir beruflich schon immer zugute, zuhause jetzt auch. Das hat mir die Zeit erleichtert, die ich überwiegend alleine mit 2 Säuglingen und einem Kleinkind verbracht habe. Leicht und ein Zuckerschlecken war es aber nicht, Schwangerschaft und erstes Lebensjahr sind harte Arbeit, egal wie viele Kinder man hat.

Ich gebe heute einen weiteren Rückblick über all das, was man als „Vorurteil“ über Zwillinge kennt, teils in Form von Aussagen, die mir schon begegnet sind, teils als Thesen, die ich mir aus den Erfahrungen des letzten Jahres ableiten konnte.

Zwillinge brauchen alles doppelt und das ist sauteuer. 
In gewisser Weise stimmt die These, da will ich nichts beschönigen. Gerade, wenn man wie wir schon alles auf 1 Kind zugeschnitten gekauft hat, kommt einiges auf einen zu: Kinderwagen, Buggy, Bettchen, Kindersitz, Hochstuhl – davon kauft man eigentlich alles nochmal. Entweder wie beim Kindersitz, weil man ja nur einen zum Vererben hat oder weil man wie beim Kinderwagen ja ein anderes Modell benötigt, um die Kinder transportieren zu können. Dazu kommt, dass die Auswahl an Zwillingssachen kleiner ist. Bei Doppelkinderwägen kann man vielleicht unter 10 Modellen wählen, da gibt es aufgrund der kleineren Nachfrage einfach weniger Angebot. Das muss aber auch nicht unbedingt schlecht sein, betone ich. Weniger Auswahl heißt auch oft, schnellere Entscheidungsfindung. Teuer sind Doppelwägen und dergleichen, sehr sogar. Daher habe ich auf 2nd Hand zurückgegriffen. Mit unserem Hartan habe ich nicht mein Wunschmodell zuhause. Ich wollte lieber einen ABC Zoom, diese Hintereinanderwägen, da er schmäler ist. Den gab es aber nicht gebraucht und neu war er mir zu teuer. Außerdem war ich sauer, dass das Grundmodell der Geschwisterbuggy ist – und man alles fürs Neugeborene teuer (und ja doppelt) dazu kaufen muss. Bei solchen Sachen bin ich rasch dogmatisch – über den Tisch ziehen lassen wollte ich mich nicht, daher eben was ganz anderes. Jedes Modell hat seine Nachteile, ganz klar. Mit unserem komme ich aber zurecht, das reicht.
Auch Basicteilchen, die ich von Minilama weitervererben wollte musste ich ein zweites Mal kaufen, wie Walkpullunder oder Schurwollleggings. Die tragen wenn es das Wetter erfordert eben beide und nicht nur einer. Stoffwindeln mussten wir aufstocken, besonders weil wir zu Anfang drei Windelkinder hatten.
Vieles geht natürlich gebraucht, vom Kleidermarkt oder von Kleinanzeigen. Leider hatten wir keinen in der Bekanntschaft, der uns was hätte leihen oder schenken können, da wir die ersten sind, die Nachwuchs haben. Das wäre natürlich super gerade bei zwei Babies, wenn man getragene Sachen von anderen auftragen könnte – und in jeder Größe eine neue, extra schöne Garnitur bereithält – das macht ja auch Freude so niedlich verpackte Mäuse zu sehen.
Teuer ja, aber: Man bekommt ja auch ein weiteres Mal Kindergeld und einen Zuschlag aufs Elterngeld. Das finde ich schon entlastend.

Zwillinge sind öfter krank. Zwillinge sind langsamer und schlechter entwickelt als Altersgenossen. Daher hängt man auch dauernd beim Arzt oder irgendwelchen Therapien ab.
Wir sind Dauergäste beim Kinderarzt, ja. Man kennt uns, die Namen aller Kinder, ihre Dauerthemen. Das liegt aber eher daran, dass wir ein Kindergartenkind haben als daran, dass die Zwillinge dauernd krank wären. Minilama bringt was mit, steckt alle an, so läuft das hier.
Im ersten Jahr ist man wegen der Impfungen und der Us ohnehin oft beim Arzt.
Was die Entwicklungsverzögerungen angeht, von denen so oft gesprochen wird, wenn die Rede von Zwillingen ist, kann ich Entwarnung geben: Meine Zwillinge sind altersgerecht entwickelt, stehen in Größe und Gewicht ihren Einlings-Altersgenossen nichts nach (übertrumpfen sie oft noch, da wir Eltern beide sehr groß sind), haben keine Störungen oder Defizite. Ich denke, das liegt daran, dass sie keine Frühchen waren und auch daran, dass wir Glück hatten und die Kinder sich bisher gut entwickelt haben.

Zwillinge sind keine Individuen, sie existieren nur im Doppelpack

Für Fremde, ja. Viele nehmen die Kinder nur als die Lama-Zwillinge wahr, nicht als Baby 1 und 2 so wie wir. Die beiden sind unterschiedlich im Wesen, in der Art, vom Aussehen her, vom Können und den Neigungen her. Sie haben nur zufällig am gleichen Tag Geburtstag und 38 Wochen zusammen im Bauch verbracht. Jedes Baby reagiert auf seinen Namen, auf den anderen eigentlich nicht. Wir Eltern sprechen die Kinder bewusst als Individuen an, fördern individuell. Dennoch läuft vieles auch wie am Fließband. Wickeln oder Füttern z.B. Da warte ich nicht auf den einzelnen, sondern füttere immer zur festen Zeit, wickele auch so grob im festen Abstand. Und dann immer beide. Sonst verliere ich den Überblick.

Die Kinder gehen in eine Kitagruppe, zumindest in der Krippenzeit. Die Einrichtung hat viel Zwillingserfahrung, weil es bei uns überdurchschnittlich viele Zwillinge gibt. Zumindest kenne ich im Ort sicher 10 Pärchen unter 4 Jahren – und hier leben 10.000 Leute. Daher gehe ich davon aus, dass die Erzieherinnen den Babies nicht den Zwillingssonderstatus „ach wie süß“ geben werden, sondern ganz normal mit ihnen umgehen werden.

Einer schreit immer. Zwillinge stacheln sich gegenseitig zum Knatschen an.
Das scheint auf die Kinder anzukommen. Unsere zumindest stecken sich nicht an, wecken sich auch nicht mit dem Weinen (außer wenn sie beim Fuchteln mit den Ärmchen das andere Baby ins Gesicht treffen, das im Wagen neben ihnen liegt).
Immer schreien sie nicht, das wäre ja schrecklich. Sie sind entspannte, liebe Kinder, verschmuste Knuddelbabies. Dankbar für Zuwendung, aber sie wissen wohl auch, dass es nicht immer so geht, wie wir es gerne möchten. Oft sind sie auch zufrieden ins Spiel vertieft, sehr oft. Das nimmt auch täglich zu. Es gibt aber Phasen am Tag, an denen tendenziell viel geweint wird. Das ist beispielsweise der Heimweg aus der Kita. Minilama ist dann oft gestresst, weint, zetert, steckt die Babies an. Oder auch umgekehrt: Baby will nicht mehr liegen oder sitzen, es weint, Minilama ist davon gestresst, weint mit. Ich muss sehr oft mit drei weinenden Kindern die 1,7 Kilometer Weg zurücklegen. Und dann zuhause mit drei weinenden Kindern umgehen. Alle in die Wohnetrage bringen, wickeln, Minilama was zu essen geben, spielen usw. Das ist eine sehr dichte und nervenaufreibende Phase am Tag. Andere sind weniger schlimm.

Zwillinge sind ein bisschen wie Zootiere, jeder will mal gucken und anfassen.
Leider stimmt das oft. Und das nervt mich. Besonders, wenn ich gestresst bin. Und das bin ich irgendwie oft. Gehört zu meinem Naturell. Ich bin perfektionistisch und mit mir selbst unbarmherzig streng (mit den Kindern weitaus weniger zum Glück). Wenn ich mich dann unter Druck setze mit dem pünktlichen Abendessen oder den Dingen, die Minilama trotz Zwillingsgeschwistern erleben sollen soll (ich finde, das Kind soll keine Nachteile davon haben, dass direkt zwei kamen. Schwimmkurs, Mamazeit, Ausflüge – das kann nicht ausfallen, „nur“ weil Zwillinge nachkamen) kommen mir doofe Kommentare, Übergriffigkeit oder Angaffen äußerst ungelegen.
Bin ich gut gelaunt (kommt auch mal vor), plaudere ich gern über die Freuden des Zwillings- und Minilama-Mama-Lebens. Das ist nämlich auch dermaßen schön und ein Segen, das glaubt mir keiner. Mein Herz ist oft übervoll vor lauter Glück.

Zwillingsmamas sind doch alle nervlich am Ende und völlig überfordert
Das kann ich auch gut ohne Kinder sein, wenn ich ehrlich bin, daran hat das Muttersein wenig geändert.
Seit ich Kinder habe fühle ich mich so aufs Ganze gesehen deutlich robuster und widerstandsfähiger, gepaart natürlich mit Momenten des absoluten Überfordertfühlens. Die sind dann heftig und tun mir weh, aber die sind eigentlich eher selten.
Am Ende bin ich noch lange nicht. Ich habe was ich immer wollte: Einen Haufen Kinder. Und das macht mich grundsätzlich  sehr froh.
Kinder, vor allem eigene, bezaubern einen dermaßen, erstaunen, machen froh und stolz – diese schönen Gefühle erlebt man oft dann, wenn man eben noch dachte, man fällt gleich vom Glauben ab.
Im Moment habe ich nicht das Gefühl, dass ich völlig am Ende bin, also so aufs Ganze gesehen. Dennoch gibt es viele herausfordernde Situationen, in denen ich noch deutlich an Routine gewinnen muss, um meinetwillen und auch, weil die Kinder eine entspanntere Mama verdienen, ja ein Anrecht darauf haben. Eigentlich mache ich Dinge gern in Ruhe und nacheinander. also erst bei einem Kind eine Windel wechseln, dann dem anderen was zu trinken holen, was suchen gehen, erst vorlesen, dann ein Tempo holen, dann Sauger geben. Das machen Kinder aber nicht mit. Sobald ich mich einem zuwende, braucht zumindest gerade, Minilama besondere Aufmerksamkeit oder macht Unsinn. Und das stresst mich sehr, holt mich sehr aus meiner Komfortzone heraus, ich kann die Dinge nicht mehr in Ruhe ausüben. werde schnell und hektisch, oft auch meckere ich herum. Auch so etwas, was nicht sein darf, was Kinder nicht verdient haben. Daher denke ich mit Schrecken daran, wie es sein wird, wenn alle drei in verschiedene Richtungen laufen.
Dennoch: Man wächst an seinen Aufgaben. Das ist nicht nur ein doofer Spruch. Was ich alles geschafft habe im letzten Jahr: natürliche Geburt, auf drei Rädern 2 Kilometer gefahren, zwei auf einmal die Treppe hochgetragen, ein Baby in der Klinik begleitet (das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Solche Angst habe ich eigentlich noch nie gehabt wie da mit sehr krankem 10 Wochen altem Baby in der Klinik) und so oft bin ich im Alltag über mich hinausgewachsen. Warum nicht auch in Zukunft wieder?

Zwillingspapas sind die Allertollsten. Wow, was eine Potenz, gleich 2 auf einen Streich!

Ja, Zwillingspapas sind schon toll. Und müssen oft so Gespräche führen wie: „Zwillinge? Da wurdest du ja um eine Nummer betrogen.“ Ja, im Ernst. Das hat Alphalama im Urlaub zu hören bekommen.
Und dass er super potent ist, sehen ja jetzt alle und beneiden ihn darum. Klar.
Die Mamas sind überfordert und die Papas sind die Superhelden. So sieht es die Gesellschaft. Ich finde das allgemein witzig, Alphalama ist manchmal ein bisschen peinlich berührt.
Aber es stimmt schon: Wenn man als Frau Zwillinge hat, kann man einen Superhelden gut gebrauchen. Einen, der Nachts aufsteht, Windeln wechselt, weil man komatös schläft, der sonntags die Meute ausfährt, damit man endlich mal putzen kann, der den Radiosender im Auto wieder neu einrichtet, wenn alles verstellt ist, einen, der einem Geld fürs Schwimmbad schenkt und noch den Babysitter gibt. Und der für die Kinder sowieso der Tollste ist.

Zwillingsmamas kommen zu gar nichts mehr und kommen gar nicht mehr raus aus dem Haus.
Da ist leider was dran. Gilt auch für die Papas. Ich glaube aber, das hat bei uns einfach mit der Anzahl an Kindern zu tun, die wir haben. Mit einem bin ich regelmäßig mit dem Zug und dem Tragetuch in die Stadt gefahren, habe Bücher ausgeliehen, bin spazieren gewesen. Minilama war auch bei der Rückbildung dabei, ging in die Krabbelgruppe, ins Babyschwimmen. Abends fuhr ich immer noch für knapp 1,5 Stunden ins Hallenbad. Das geht heute nicht mehr, die Abendphase mit allen drei Kindern, die müde, hungrig ist und denen die Zähnen geputzt werden müssen, kann ich keinem zumuten.
Mit drei insgesamt und zweien, die immer bei mir sind, ist vieles anders. Minilama war immer in dem Raum, in dem ich grade war. Es lag auf dem Boden in unserer treppenlosen Wohnung auf einem Tuch. Mit den Zwillingen, die deutlich früher mobil wurden, geht das so nicht. Ich kann sie nicht ständig durchs Haus tragen, wir haben insgesamt 50 Stufen im Haus. Das macht mein Rücken nicht mit. Wirklich zwillingsgerecht ist der  Wohnturm nicht.
Am Anfang habe ich viel mit Babyphone gearbeitet, im Moment, wo sie sich überall hochziehen und Tapete von den Wänden knibbeln, gehe ich nicht mehr aus dem Raum. Das Wohnzimmer ist ein Riesen-Laufstall, alles kindersicher, alles kindgerecht.
Unterwegs ist alles schwierig, zu eng, zu schmal für den Doppelwagen. Alleine mache ich mit den Babies sogesehen keine Ausflüge – außer mit dem Wagen in der Stadt. Wegfahren ist zu stressig, daheim habe ich alles zur Hand, unterwegs brauche ich massenweise Sachen.
Elterntreffs hier sind durch die Bank weg zwillingsunfreundlich gelegen. Im ersten Stock ohne Aufzug zum Beispiel. Das mache ich nicht. Ich will nicht dauernd beide auf einmal schleppen und aus den Augen lasse ich keines meiner Kinder auch nur für einen winzigen Moment. Da bin ich immer noch die Jugendleiterin von früher, die weiß, was Aufsichtspflicht bedeutet und ich habe die Horrorgeschichten über verletzte Aufsichtspflicht gut im Kopf, die ich bei Schulungen den jugendlichen Ehrenamtlern erzähle. Und auch die Spiele sind in vielen der Gruppen eben für Mama-Kind-Interaktion gedacht, nicht für die Mama-Kinder-Interaktion – da sind die Leiterinnen oft sehr unflexibel.
Wollte ich mit Minilama noch die erfolgreiche Business-Mom sein, die trotz Kind in Rekordzeit promoviert, eben mit spielendem Kind zu Füßen, habe ich endlich eingesehen, dass das so leider nicht geht. Andere Supermoms können das und noch viel mehr sicher, ich aber nicht, Denn ich bin ja trotz intensivem Bemühen noch nicht fertig mit der Arbeit (nicht  meine Schuld betone ich, auch Umstände, die ich und meine Familie nicht beeinflussen können, verlängern den Prozess, was mich stark ans Nachdenken gebracht hat) – und habe einfach begriffen, dass ich manchmal einsehen muss, dass es nicht geht, egal wie viel ich einbringe. Das hat mir viel Druck genommen. Warum gegen den Widerstand der Babies etwas machen, das dann doch keinen Erfolg bringt? Und dabei die wertvolle kurze Zeit mit den Kindern durch Stress vergiften. Das habe ich einmal gemacht, kein weiteres Mal. Ab Herbst gehe ich wieder ans Arbeiten, sowohl an die Erwerbsarbeit als auch an das akademische Projekt, jetzt eben nicht.
Alles in allem: Mein Aktionsradius ist beschränkt, ich lade jetzt mehr zu uns ein, treffe mich an Orten, die nah an daheim liegen.

Das arme ältere Kind. Wäre doch das  erste besser ein Zwilling gewesen…

Das sind gleich zwei Thesen: Die eine besagt, dass Minilama sehr unter dem Doppelpack zu leiden hat, die andere besagt, dass wir jetzt ein Kind zu viel haben, weil doch 2 Kinder die Maßgabe sind. Wäre das erste schon ein Zwilling gewesen, dann hätte es kein weiteres gebraucht, so haben wir eins Überschuss.
Zum ersten: Ich habe ständig die Sorge, dass Minilama zu kurz kommt. Effektiv stimmt das aber so auch nicht. Da das alle glauben, kümmern sich die Großeltern und alle (Paten)Tanten und Onkel besonders gut um unser Großes. Ich habe spezielle Zeiten in der Woche nur mit Minilama, abends vorm Schlafengehen gibt es Einzelzeiten. Aber grundsätzlich ist Minilama sehr gern mit den Geschwistern zusammen, knuddelt, spielt, krabbelt um die Wette. Das mag ich dann oft nicht so gern. Oft ist es etwas zu wild, oft wird Minilama dann wieder zum Baby. Das nervt sehr, das gebe ich ehrlich zu. Aber ich sehe mit großer Freude, welch inniges Verhältnis diese drei Kinder zueinander haben. Auch wenn Minilama in einigen Sachen im letzten Sommer sehr zurückstehen musste (seine Sommerferien waren komplett durch die Geburt der Babies bestimmt, es musste auswärts schlafen, sein Wunsch, ohne Windeln zu gehen konnte nicht erfüllt werden, weil ich so lange liegen musste), konnte es diese Hemmnisse mittlerweile überwinden (Trockenwerden ist geschafft, es kann Fahrrad fahren, es war in Urlaub, es wird bald schwimmen lernen…). Ich habe nach wie vor ein schlechtes Gewissen, weil in dieser Zeit kurz vor der Geburt die Babies absolute Priorität hatten und Minilama nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es gewöhnt war. Dennoch ist die Beziehung zu den Geschwistern von Anfang an sehr gut. Eifersucht gibt es keine. Schon mit 2,5 Jahren hat Minilama begriffen, dass es Dinge gibt, die einem persönlich gehören (Kuscheltiere z.B.) und Dinge, die allen gehören (Spielsachen allgemein, Kleidung, die an früher mal hatte…) und akzeptiert das. In der Kita wird bestätigt, dass Minilama kein Trauma von der Enttronung bekommen hat. Im Gegenteil: Die Einrichtung bemerkt ein gewachsenes soziales Potential, gepaart mit der Fähigkeit, sich Orte zu suchen, an denen Minilama für sich sein kann und ruhig spielt.

Zum zweiten: Alphalama und ich halten nichts vom Durchschnitt. Nur weil die meisten zwei Kinder wollten, ist das noch kein Maßstab für uns. Wir möchten gern viele Kinder in unserer Familie haben und sind glücklich, dass wir auch welche bekommen konnte.  Kinderbekommen ist für uns nichts Selbstverständliches, sondern ein großes Glück, ein Geschenk. Auch wenn das erste ein Zwilling gewesen wäre hatte es von unserer Seite den Wunsch für ein drittes (…) gegeben. Warum denn auch nicht? Kinder sind was Tolles.

Ich bemitleide Zwillingseltern, das ist doch alles furchtbar. Ich hoffe, die kriege nie Zwillinge.

Eine Bekannte hat mir mal sowas Ähnliches gesagt. Aber in einem Kontext, in dem ich damit gut umgehen konnte. Sie selbst war beim zweiten Kind kurzzeitig mit zweien schwanger und fand das für sich ganz schrecklich. Sie hatte solche Angst, dass sie das alles nicht hinbekommen könnte, zumal fürs Zweite schnell der Verdacht auf eine Fehlentwicklung im Raum stand und schon vor der 12. SSW eine Fruchtwasseruntersuchung angeraten wurde. Dass es dann am Ende „nur“ ein Kind wurde (das Gesunde), hat sie sehr erleichtert.
Wir konnten darüber sprechen, ihre Sorgen und Ängste konnte ich verstehen und trotzdem kam ich mir nicht doof vor. Ich fand das, was sie gesagt hatte, einfach ehrlich und daher ok.
Ich denke, jeder kennt seine Grenzen und wenn man keinen Doppelpack möchte, dann bleibt doch zu hoffen, dass man nicht überrascht wird. Wer total anti-Zwillinge ist, der hat es sicher schwer. Oder auch gar nicht. Beim ersten Blick auf die süßen ist man doch direkt verliebt.
Manchmal gucken uns  Schüler nach, wenn wir in die Kita pilgern, da wir an einigen Bushaltestellen vorbeigehen. Was die denken mögen frage ich mich manchmal. Und manchmal will ich rufen „Das kommt dabei raus, Kinder. Also überlegt gut, was ihr macht.“ Je nachdem, wie verschlungen die Jugendlichen dann da stehen. Ich bleibe eben immer Lehrerin, auch wenn ich sehr wahrscheinlich im Herbst das Unterrichten erstmal nicht wieder aufnehmen werde.
Man merkt aber schon, dass manche sehr interessiert reagieren, andere irgendwie geschockt von der Kindermenge sind. Aber so ins Gesicht sagen würde ich das keinem Zwillingseltern. Das ist ja absurd. Entweder bestärkt man jemanden darin, dass sein Leben sch… ist (was soll das bringen außer Trauer und Depression?) oder man verletzt jemanden, der sein Bestes versucht, etwas Schwieriges gut zu meistern. Dann lieber nichts sagen.
Ich jedenfalls gebe, wenn gefragt, immer kund, dass ich super froh mit den Kindern bin und auch drei genommen hätte. Und dass ich es ja nicht anders kenne von der Arbeitsbelastung her.

3 Gedanken zu “Ein Jahr Zwillingsmama – Ein Rückblick

  1. Ach, ich hab 4 Kinder in 5 Jahren bekommen, leider keine Zwillinge. Wie oft ich gehört habe, jetzt schaffst Du Dir aber keins mehr an 😂 Die Leute reden immer, wenn man von der Norm abweicht. Und auch Einlingseltern mit mehr als einem Kind können das Leben von Zwillingseltern nachvollziehen. Hat schon seine Gründe warum ich auf Zwillingsblogs mitlese 😀.
    Viele Grüsse

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