Alltagsästhetik: Liebe geht durch den Magen

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

DSC_0980

Wenn man Kinder hat, bleibt so wenig Zeit für den Liebsten. Die ganzen lieben Kleinigkeiten und netten Ideen sind meist schon für die wilde Herde aufgebraucht und abends ist nur noch das müde, ausgezehrte Lamasus übrig. Besonders wenn wie jetzt die Kita geschlossen hat und ich meinem Socializer-Minilama einen erinnerungswürdigen Sommer zu bereiten gedenke, mit Ausflug zum Wasserspielplatz, zur Eisdiele, zum Brünnchen, in den Wald, in die Bücherei, in die Stadt, in den Zoo, zu den Alpakas und ins Freibad. Und die Freunde wollen schließlich auch besucht und eingeladen werden. Ja, es ist gerade dicht und schön. Das hat mein ältestes Kind mehr als verdient. Wo doch die letzten Sommerferien so doof für es waren (zur Erinnerung: Woche 1: Walmama wartet erfolglos auf die Niederkunft, Woche 2: Babylamas werden erfolgreich eingeleitet und Mama liegt weinend vor Nachwehen auf dem Boden und das mehrere Tage lang, Woche 3: Papa hat keinen Urlaub mehr und Mama und wechselnde Erwachsene versuchen den Tag zu überstehen. Dann geht es wieder in die Kita).
Das Kind ist zumindest in diesem Sommer glücklich und bekommt endlich die Dinge „geboten“, die meiner Ansicht nach zu einem ordentlichen Sommer gehören. Und ich bin es auch, wenn ich sehe, wie ausgeglichen meine drei Schätze miteinander spielen.
Und fürs Alphalama gibts heute wenigstens einen liebevollen Vesperteller.

„Da müssen Sie ein Au-Pair mitbringen“ – Mit Lamasus beim Versuch, sich für einen Babykurs anzumelden

Gestern war ein bizarrer Tag. Ich war kaum in der Lage, Alphalama zu erklären, was ich da am Telefon gehört hatte. Dabei hatte alles doch so harmlos angefangen.
Ich schaue unregelmäßig in die Programme der VHS und anderer Bildungsanbieter hinein, um auf dem Laufenden zu bleiben. Gerade jetzt, wo die neuen Halbjahre beginnen, werfen die neuen Programme ihre Schatten voraus. Und für Minilama beginnt bald der Schwimmkurs und im neuen Jahr dann die musikalische Früherziehung.
Beim Stöbern sah ich, das im Kurs „Klangnest“ (so eine Art Erstkontakt mit der Musik für die Kleinsten, so um 1 Jahr herum) noch Plätze frei sind. Das Zeitfenster passte auch und so entschied ich spontan, es zu versuchen mit den Babies. An dem Kurs konnte ich mit Minilama damals nicht teilnehmen und ich denke öfters, dass es sicher den Kindern Spaß machen würde.
Ich versuchte uns online anzumelden, aber beim Abschicken der Anfrage, trat ein Fehler auf. Und da ich ohnehin nachfragen wollte, ob der Kursort behindertengerecht ist, rief ich direkt an.
Behindertengerecht deshalb, weil man als Zwillingseltern schnell merkt, wie ätzend es ist, wenn man Überbreite hat. Seit wir zwei Babies auf einmal haben, habe ich endlich ein Gefühl dafür, was „behindertengerecht“ heißt, was verweigerte Inklusion bedeutet. Letztens in einem älteren Lidl (wir haben schon einen von diesen neuen Edekaähnlichen) achtete ich nicht so recht auf die Kassenbreite – die Folge war, dass ich von ganz vorne wieder ganz nach hinten musste um an einer anderen Kasse rauszugehen, weil es vorne an der Kasse selbst so eng wurde, dass es beim besten Willen für uns kein Durchkommen gab.. Ärgerlich, ärgerlich, zumal ich so gerne das Aufsehen anderer errege und es nicht leiden kann, wenn man unzählige Menschen bitten muss, doch Platz zu machen, nur damit man vorbei kann. Auch zahllose Bahnhöfe sind uns verwehrt, öfters auch mal Spielplätze mit zu engen Absprerrungen. Und so viele Orte, an die ich schon keinen Gedanken mehr verschwende, weil ich sie schon abgeschrieben habe.
Natürlich kann man immer jemanden fragen, ob er hilft, aber und das merke ich auch bei vielen körperbehinderten Menschen: ich habe dazu keine Lust. Wenn die Bedingungen endlich mal so wären, wie sie sein sollten, dann könnte ich meinen Alltag mit einem großen Wagen vor mir auch sehr gut alleine bewältigen. Immer andere zu brauchen, immer ein Small-talk-Gespräch führen müssen, nervt. Und gerade wenn ich eine Treppe zu überwinden habe, müsste ich eines meiner Kinder jemand Fremden anvertrauen bzw. eines alleine zurücklassen, bis ich wiederkomme.
Das war aber auch kein Problem beim Kursort und ich freute mich schon. Alles ebenerdig, behindertengerecht, also geht der Doppelwagen auch super durch.
Aber dann: „Wie alt ist denn das Kind?“ Ich gab Auskunft, sagte, dass wir Zwillinge haben. „Dann müssen Sie ein Au-Pair mitbringen oder eine Freundin.“ Ich war sehr verwirrt und gleichzeitig sauer, weil mir vermittelt wurde, dass ich ja zum Bewältigen des Alltages jemand Fremdes brauchen würde, am besten ein Au-Pair, für mich nach wie vor ein Luxus, den sich die oberen 10.000 leisten. (auch wenn ich weiß, dass das soo abgefahren auch nicht ist, jemand für die Kinder zu haben. Aber dennoch: Für mich ist das keine Option. Ich habe schon genug damit zu tun, mich um die Belange meiner Familie zu kümmern, da ist im Moment kein Raum für eine fremde Person, auch wenn die mir ein bisschen was an Arbeit abnehmen würde.)
Ich sagte also, dass ich kein Au-Pair habe und auch keins brauche (da war mein Puls schon etwas erhöht) und auch, dass ich keine Freundin (oder Mama…) habe, die mittwochs vormittags für 45 Minuten mit zu einem Kurs kann. Die arbeiten nämlich alle oder haben selbst Kinder. Und das würde ja auch nicht gehen, wenn die mit ihren Kindern da wären und mit auf meine gucken würden.
Und damit was der Deal geplatzt. Vorgabe: Pro Kind ein Erwachsener. Das ist so, fertig. Ob ich mir das zutraue oder nicht, ist egal. Begründung (gut herhören) : Bei Kreisspielen muss jedes Kind auf den Arm genommen werden und dazu braucht man nun mal pro Kind einen Erwachsenen.
Meine Anmeldung kann also nicht entgegengenommen werden
Aber, darauf verwies die Dame am Telefon: Das sei der einzige Kurs, der so angedacht sei. (Und ich dachte ans Babyschwimmen oder an die Krabbelgruppe in unserem Dorf, die absolut nicht behindertengerecht ist, sondern  20 Stufen zu erklimmen sind). Und  für Zwillinge zahlt man ja nur 1,5 mal so viel wie Einlinge Was mir aber reichlich wenig bringt.
Wir sind also ausgeschlossen aus dem Klangnest. (Später, bei den Folgekursen können wir gern mitmachen, wenn die Kinder schon selbst laufen können ist das auch kein Problem – was übrigens hier auch gar nicht abgefragt wurde. Meine laufen ja schon so gut wie.)
Da ich in der Lage bin, meine Kinder alleine zu betreuen, darf ich also nicht mitmachen. Und auch natürlich, weil ich mir kein Au-Pair leiste oder arbeitslose Freundinnen habe.
Meine Kommentare dazu muss ich leider für mich behalten, die wären nicht so nett…

 

Andere Alltagsgeschichten findet ihr hier

 

 

Ein Jahr Zwillingsmama – Ein Rückblick

DIe Babylamas sind schon seit einem Jahr bei uns. Ich kann mir ein Leben ohne meine beiden Schätze gar nicht mehr vorstellen. Die zwei haben schon immer zu uns gehört und sind doch erst seit einem Jahr da.
Meine Mutter sagte mir vor ein paar Wochen“ Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, wie das ein wird mit 2 Babies. Und jetzt kann ich es mir gar nicht vorstellen, dass wir nur eins hier haben. Da würde immer eines fehlen.“
Da sagt sie wahre Worte. Von null auf hundert – wir waren sofort im Zwillingsmodus, ein Einling war eigentlich gedanklich nicht mehr vorstellbar.
Ich habe mir auch – das muss man erwähnen – schon immer Zwillinge gewünscht, ich finde das einfach schön, wundervoll, herausfordernd und besonders. Eine meiner Stärken ist sicher das Organisieren und Planen. Das kommt mir beruflich schon immer zugute, zuhause jetzt auch. Das hat mir die Zeit erleichtert, die ich überwiegend alleine mit 2 Säuglingen und einem Kleinkind verbracht habe. Leicht und ein Zuckerschlecken war es aber nicht, Schwangerschaft und erstes Lebensjahr sind harte Arbeit, egal wie viele Kinder man hat.

Ich gebe heute einen weiteren Rückblick über all das, was man als „Vorurteil“ über Zwillinge kennt, teils in Form von Aussagen, die mir schon begegnet sind, teils als Thesen, die ich mir aus den Erfahrungen des letzten Jahres ableiten konnte.

Zwillinge brauchen alles doppelt und das ist sauteuer. 
In gewisser Weise stimmt die These, da will ich nichts beschönigen. Gerade, wenn man wie wir schon alles auf 1 Kind zugeschnitten gekauft hat, kommt einiges auf einen zu: Kinderwagen, Buggy, Bettchen, Kindersitz, Hochstuhl – davon kauft man eigentlich alles nochmal. Entweder wie beim Kindersitz, weil man ja nur einen zum Vererben hat oder weil man wie beim Kinderwagen ja ein anderes Modell benötigt, um die Kinder transportieren zu können. Dazu kommt, dass die Auswahl an Zwillingssachen kleiner ist. Bei Doppelkinderwägen kann man vielleicht unter 10 Modellen wählen, da gibt es aufgrund der kleineren Nachfrage einfach weniger Angebot. Das muss aber auch nicht unbedingt schlecht sein, betone ich. Weniger Auswahl heißt auch oft, schnellere Entscheidungsfindung. Teuer sind Doppelwägen und dergleichen, sehr sogar. Daher habe ich auf 2nd Hand zurückgegriffen. Mit unserem Hartan habe ich nicht mein Wunschmodell zuhause. Ich wollte lieber einen ABC Zoom, diese Hintereinanderwägen, da er schmäler ist. Den gab es aber nicht gebraucht und neu war er mir zu teuer. Außerdem war ich sauer, dass das Grundmodell der Geschwisterbuggy ist – und man alles fürs Neugeborene teuer (und ja doppelt) dazu kaufen muss. Bei solchen Sachen bin ich rasch dogmatisch – über den Tisch ziehen lassen wollte ich mich nicht, daher eben was ganz anderes. Jedes Modell hat seine Nachteile, ganz klar. Mit unserem komme ich aber zurecht, das reicht.
Auch Basicteilchen, die ich von Minilama weitervererben wollte musste ich ein zweites Mal kaufen, wie Walkpullunder oder Schurwollleggings. Die tragen wenn es das Wetter erfordert eben beide und nicht nur einer. Stoffwindeln mussten wir aufstocken, besonders weil wir zu Anfang drei Windelkinder hatten.
Vieles geht natürlich gebraucht, vom Kleidermarkt oder von Kleinanzeigen. Leider hatten wir keinen in der Bekanntschaft, der uns was hätte leihen oder schenken können, da wir die ersten sind, die Nachwuchs haben. Das wäre natürlich super gerade bei zwei Babies, wenn man getragene Sachen von anderen auftragen könnte – und in jeder Größe eine neue, extra schöne Garnitur bereithält – das macht ja auch Freude so niedlich verpackte Mäuse zu sehen.
Teuer ja, aber: Man bekommt ja auch ein weiteres Mal Kindergeld und einen Zuschlag aufs Elterngeld. Das finde ich schon entlastend.

Zwillinge sind öfter krank. Zwillinge sind langsamer und schlechter entwickelt als Altersgenossen. Daher hängt man auch dauernd beim Arzt oder irgendwelchen Therapien ab.
Wir sind Dauergäste beim Kinderarzt, ja. Man kennt uns, die Namen aller Kinder, ihre Dauerthemen. Das liegt aber eher daran, dass wir ein Kindergartenkind haben als daran, dass die Zwillinge dauernd krank wären. Minilama bringt was mit, steckt alle an, so läuft das hier.
Im ersten Jahr ist man wegen der Impfungen und der Us ohnehin oft beim Arzt.
Was die Entwicklungsverzögerungen angeht, von denen so oft gesprochen wird, wenn die Rede von Zwillingen ist, kann ich Entwarnung geben: Meine Zwillinge sind altersgerecht entwickelt, stehen in Größe und Gewicht ihren Einlings-Altersgenossen nichts nach (übertrumpfen sie oft noch, da wir Eltern beide sehr groß sind), haben keine Störungen oder Defizite. Ich denke, das liegt daran, dass sie keine Frühchen waren und auch daran, dass wir Glück hatten und die Kinder sich bisher gut entwickelt haben.

Zwillinge sind keine Individuen, sie existieren nur im Doppelpack

Für Fremde, ja. Viele nehmen die Kinder nur als die Lama-Zwillinge wahr, nicht als Baby 1 und 2 so wie wir. Die beiden sind unterschiedlich im Wesen, in der Art, vom Aussehen her, vom Können und den Neigungen her. Sie haben nur zufällig am gleichen Tag Geburtstag und 38 Wochen zusammen im Bauch verbracht. Jedes Baby reagiert auf seinen Namen, auf den anderen eigentlich nicht. Wir Eltern sprechen die Kinder bewusst als Individuen an, fördern individuell. Dennoch läuft vieles auch wie am Fließband. Wickeln oder Füttern z.B. Da warte ich nicht auf den einzelnen, sondern füttere immer zur festen Zeit, wickele auch so grob im festen Abstand. Und dann immer beide. Sonst verliere ich den Überblick.

Die Kinder gehen in eine Kitagruppe, zumindest in der Krippenzeit. Die Einrichtung hat viel Zwillingserfahrung, weil es bei uns überdurchschnittlich viele Zwillinge gibt. Zumindest kenne ich im Ort sicher 10 Pärchen unter 4 Jahren – und hier leben 10.000 Leute. Daher gehe ich davon aus, dass die Erzieherinnen den Babies nicht den Zwillingssonderstatus „ach wie süß“ geben werden, sondern ganz normal mit ihnen umgehen werden.

Einer schreit immer. Zwillinge stacheln sich gegenseitig zum Knatschen an.
Das scheint auf die Kinder anzukommen. Unsere zumindest stecken sich nicht an, wecken sich auch nicht mit dem Weinen (außer wenn sie beim Fuchteln mit den Ärmchen das andere Baby ins Gesicht treffen, das im Wagen neben ihnen liegt).
Immer schreien sie nicht, das wäre ja schrecklich. Sie sind entspannte, liebe Kinder, verschmuste Knuddelbabies. Dankbar für Zuwendung, aber sie wissen wohl auch, dass es nicht immer so geht, wie wir es gerne möchten. Oft sind sie auch zufrieden ins Spiel vertieft, sehr oft. Das nimmt auch täglich zu. Es gibt aber Phasen am Tag, an denen tendenziell viel geweint wird. Das ist beispielsweise der Heimweg aus der Kita. Minilama ist dann oft gestresst, weint, zetert, steckt die Babies an. Oder auch umgekehrt: Baby will nicht mehr liegen oder sitzen, es weint, Minilama ist davon gestresst, weint mit. Ich muss sehr oft mit drei weinenden Kindern die 1,7 Kilometer Weg zurücklegen. Und dann zuhause mit drei weinenden Kindern umgehen. Alle in die Wohnetrage bringen, wickeln, Minilama was zu essen geben, spielen usw. Das ist eine sehr dichte und nervenaufreibende Phase am Tag. Andere sind weniger schlimm.

Zwillinge sind ein bisschen wie Zootiere, jeder will mal gucken und anfassen.
Leider stimmt das oft. Und das nervt mich. Besonders, wenn ich gestresst bin. Und das bin ich irgendwie oft. Gehört zu meinem Naturell. Ich bin perfektionistisch und mit mir selbst unbarmherzig streng (mit den Kindern weitaus weniger zum Glück). Wenn ich mich dann unter Druck setze mit dem pünktlichen Abendessen oder den Dingen, die Minilama trotz Zwillingsgeschwistern erleben sollen soll (ich finde, das Kind soll keine Nachteile davon haben, dass direkt zwei kamen. Schwimmkurs, Mamazeit, Ausflüge – das kann nicht ausfallen, „nur“ weil Zwillinge nachkamen) kommen mir doofe Kommentare, Übergriffigkeit oder Angaffen äußerst ungelegen.
Bin ich gut gelaunt (kommt auch mal vor), plaudere ich gern über die Freuden des Zwillings- und Minilama-Mama-Lebens. Das ist nämlich auch dermaßen schön und ein Segen, das glaubt mir keiner. Mein Herz ist oft übervoll vor lauter Glück.

Zwillingsmamas sind doch alle nervlich am Ende und völlig überfordert
Das kann ich auch gut ohne Kinder sein, wenn ich ehrlich bin, daran hat das Muttersein wenig geändert.
Seit ich Kinder habe fühle ich mich so aufs Ganze gesehen deutlich robuster und widerstandsfähiger, gepaart natürlich mit Momenten des absoluten Überfordertfühlens. Die sind dann heftig und tun mir weh, aber die sind eigentlich eher selten.
Am Ende bin ich noch lange nicht. Ich habe was ich immer wollte: Einen Haufen Kinder. Und das macht mich grundsätzlich  sehr froh.
Kinder, vor allem eigene, bezaubern einen dermaßen, erstaunen, machen froh und stolz – diese schönen Gefühle erlebt man oft dann, wenn man eben noch dachte, man fällt gleich vom Glauben ab.
Im Moment habe ich nicht das Gefühl, dass ich völlig am Ende bin, also so aufs Ganze gesehen. Dennoch gibt es viele herausfordernde Situationen, in denen ich noch deutlich an Routine gewinnen muss, um meinetwillen und auch, weil die Kinder eine entspanntere Mama verdienen, ja ein Anrecht darauf haben. Eigentlich mache ich Dinge gern in Ruhe und nacheinander. also erst bei einem Kind eine Windel wechseln, dann dem anderen was zu trinken holen, was suchen gehen, erst vorlesen, dann ein Tempo holen, dann Sauger geben. Das machen Kinder aber nicht mit. Sobald ich mich einem zuwende, braucht zumindest gerade, Minilama besondere Aufmerksamkeit oder macht Unsinn. Und das stresst mich sehr, holt mich sehr aus meiner Komfortzone heraus, ich kann die Dinge nicht mehr in Ruhe ausüben. werde schnell und hektisch, oft auch meckere ich herum. Auch so etwas, was nicht sein darf, was Kinder nicht verdient haben. Daher denke ich mit Schrecken daran, wie es sein wird, wenn alle drei in verschiedene Richtungen laufen.
Dennoch: Man wächst an seinen Aufgaben. Das ist nicht nur ein doofer Spruch. Was ich alles geschafft habe im letzten Jahr: natürliche Geburt, auf drei Rädern 2 Kilometer gefahren, zwei auf einmal die Treppe hochgetragen, ein Baby in der Klinik begleitet (das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Solche Angst habe ich eigentlich noch nie gehabt wie da mit sehr krankem 10 Wochen altem Baby in der Klinik) und so oft bin ich im Alltag über mich hinausgewachsen. Warum nicht auch in Zukunft wieder?

Zwillingspapas sind die Allertollsten. Wow, was eine Potenz, gleich 2 auf einen Streich!

Ja, Zwillingspapas sind schon toll. Und müssen oft so Gespräche führen wie: „Zwillinge? Da wurdest du ja um eine Nummer betrogen.“ Ja, im Ernst. Das hat Alphalama im Urlaub zu hören bekommen.
Und dass er super potent ist, sehen ja jetzt alle und beneiden ihn darum. Klar.
Die Mamas sind überfordert und die Papas sind die Superhelden. So sieht es die Gesellschaft. Ich finde das allgemein witzig, Alphalama ist manchmal ein bisschen peinlich berührt.
Aber es stimmt schon: Wenn man als Frau Zwillinge hat, kann man einen Superhelden gut gebrauchen. Einen, der Nachts aufsteht, Windeln wechselt, weil man komatös schläft, der sonntags die Meute ausfährt, damit man endlich mal putzen kann, der den Radiosender im Auto wieder neu einrichtet, wenn alles verstellt ist, einen, der einem Geld fürs Schwimmbad schenkt und noch den Babysitter gibt. Und der für die Kinder sowieso der Tollste ist.

Zwillingsmamas kommen zu gar nichts mehr und kommen gar nicht mehr raus aus dem Haus.
Da ist leider was dran. Gilt auch für die Papas. Ich glaube aber, das hat bei uns einfach mit der Anzahl an Kindern zu tun, die wir haben. Mit einem bin ich regelmäßig mit dem Zug und dem Tragetuch in die Stadt gefahren, habe Bücher ausgeliehen, bin spazieren gewesen. Minilama war auch bei der Rückbildung dabei, ging in die Krabbelgruppe, ins Babyschwimmen. Abends fuhr ich immer noch für knapp 1,5 Stunden ins Hallenbad. Das geht heute nicht mehr, die Abendphase mit allen drei Kindern, die müde, hungrig ist und denen die Zähnen geputzt werden müssen, kann ich keinem zumuten.
Mit drei insgesamt und zweien, die immer bei mir sind, ist vieles anders. Minilama war immer in dem Raum, in dem ich grade war. Es lag auf dem Boden in unserer treppenlosen Wohnung auf einem Tuch. Mit den Zwillingen, die deutlich früher mobil wurden, geht das so nicht. Ich kann sie nicht ständig durchs Haus tragen, wir haben insgesamt 50 Stufen im Haus. Das macht mein Rücken nicht mit. Wirklich zwillingsgerecht ist der  Wohnturm nicht.
Am Anfang habe ich viel mit Babyphone gearbeitet, im Moment, wo sie sich überall hochziehen und Tapete von den Wänden knibbeln, gehe ich nicht mehr aus dem Raum. Das Wohnzimmer ist ein Riesen-Laufstall, alles kindersicher, alles kindgerecht.
Unterwegs ist alles schwierig, zu eng, zu schmal für den Doppelwagen. Alleine mache ich mit den Babies sogesehen keine Ausflüge – außer mit dem Wagen in der Stadt. Wegfahren ist zu stressig, daheim habe ich alles zur Hand, unterwegs brauche ich massenweise Sachen.
Elterntreffs hier sind durch die Bank weg zwillingsunfreundlich gelegen. Im ersten Stock ohne Aufzug zum Beispiel. Das mache ich nicht. Ich will nicht dauernd beide auf einmal schleppen und aus den Augen lasse ich keines meiner Kinder auch nur für einen winzigen Moment. Da bin ich immer noch die Jugendleiterin von früher, die weiß, was Aufsichtspflicht bedeutet und ich habe die Horrorgeschichten über verletzte Aufsichtspflicht gut im Kopf, die ich bei Schulungen den jugendlichen Ehrenamtlern erzähle. Und auch die Spiele sind in vielen der Gruppen eben für Mama-Kind-Interaktion gedacht, nicht für die Mama-Kinder-Interaktion – da sind die Leiterinnen oft sehr unflexibel.
Wollte ich mit Minilama noch die erfolgreiche Business-Mom sein, die trotz Kind in Rekordzeit promoviert, eben mit spielendem Kind zu Füßen, habe ich endlich eingesehen, dass das so leider nicht geht. Andere Supermoms können das und noch viel mehr sicher, ich aber nicht, Denn ich bin ja trotz intensivem Bemühen noch nicht fertig mit der Arbeit (nicht  meine Schuld betone ich, auch Umstände, die ich und meine Familie nicht beeinflussen können, verlängern den Prozess, was mich stark ans Nachdenken gebracht hat) – und habe einfach begriffen, dass ich manchmal einsehen muss, dass es nicht geht, egal wie viel ich einbringe. Das hat mir viel Druck genommen. Warum gegen den Widerstand der Babies etwas machen, das dann doch keinen Erfolg bringt? Und dabei die wertvolle kurze Zeit mit den Kindern durch Stress vergiften. Das habe ich einmal gemacht, kein weiteres Mal. Ab Herbst gehe ich wieder ans Arbeiten, sowohl an die Erwerbsarbeit als auch an das akademische Projekt, jetzt eben nicht.
Alles in allem: Mein Aktionsradius ist beschränkt, ich lade jetzt mehr zu uns ein, treffe mich an Orten, die nah an daheim liegen.

Das arme ältere Kind. Wäre doch das  erste besser ein Zwilling gewesen…

Das sind gleich zwei Thesen: Die eine besagt, dass Minilama sehr unter dem Doppelpack zu leiden hat, die andere besagt, dass wir jetzt ein Kind zu viel haben, weil doch 2 Kinder die Maßgabe sind. Wäre das erste schon ein Zwilling gewesen, dann hätte es kein weiteres gebraucht, so haben wir eins Überschuss.
Zum ersten: Ich habe ständig die Sorge, dass Minilama zu kurz kommt. Effektiv stimmt das aber so auch nicht. Da das alle glauben, kümmern sich die Großeltern und alle (Paten)Tanten und Onkel besonders gut um unser Großes. Ich habe spezielle Zeiten in der Woche nur mit Minilama, abends vorm Schlafengehen gibt es Einzelzeiten. Aber grundsätzlich ist Minilama sehr gern mit den Geschwistern zusammen, knuddelt, spielt, krabbelt um die Wette. Das mag ich dann oft nicht so gern. Oft ist es etwas zu wild, oft wird Minilama dann wieder zum Baby. Das nervt sehr, das gebe ich ehrlich zu. Aber ich sehe mit großer Freude, welch inniges Verhältnis diese drei Kinder zueinander haben. Auch wenn Minilama in einigen Sachen im letzten Sommer sehr zurückstehen musste (seine Sommerferien waren komplett durch die Geburt der Babies bestimmt, es musste auswärts schlafen, sein Wunsch, ohne Windeln zu gehen konnte nicht erfüllt werden, weil ich so lange liegen musste), konnte es diese Hemmnisse mittlerweile überwinden (Trockenwerden ist geschafft, es kann Fahrrad fahren, es war in Urlaub, es wird bald schwimmen lernen…). Ich habe nach wie vor ein schlechtes Gewissen, weil in dieser Zeit kurz vor der Geburt die Babies absolute Priorität hatten und Minilama nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es gewöhnt war. Dennoch ist die Beziehung zu den Geschwistern von Anfang an sehr gut. Eifersucht gibt es keine. Schon mit 2,5 Jahren hat Minilama begriffen, dass es Dinge gibt, die einem persönlich gehören (Kuscheltiere z.B.) und Dinge, die allen gehören (Spielsachen allgemein, Kleidung, die an früher mal hatte…) und akzeptiert das. In der Kita wird bestätigt, dass Minilama kein Trauma von der Enttronung bekommen hat. Im Gegenteil: Die Einrichtung bemerkt ein gewachsenes soziales Potential, gepaart mit der Fähigkeit, sich Orte zu suchen, an denen Minilama für sich sein kann und ruhig spielt.

Zum zweiten: Alphalama und ich halten nichts vom Durchschnitt. Nur weil die meisten zwei Kinder wollten, ist das noch kein Maßstab für uns. Wir möchten gern viele Kinder in unserer Familie haben und sind glücklich, dass wir auch welche bekommen konnte.  Kinderbekommen ist für uns nichts Selbstverständliches, sondern ein großes Glück, ein Geschenk. Auch wenn das erste ein Zwilling gewesen wäre hatte es von unserer Seite den Wunsch für ein drittes (…) gegeben. Warum denn auch nicht? Kinder sind was Tolles.

Ich bemitleide Zwillingseltern, das ist doch alles furchtbar. Ich hoffe, die kriege nie Zwillinge.

Eine Bekannte hat mir mal sowas Ähnliches gesagt. Aber in einem Kontext, in dem ich damit gut umgehen konnte. Sie selbst war beim zweiten Kind kurzzeitig mit zweien schwanger und fand das für sich ganz schrecklich. Sie hatte solche Angst, dass sie das alles nicht hinbekommen könnte, zumal fürs Zweite schnell der Verdacht auf eine Fehlentwicklung im Raum stand und schon vor der 12. SSW eine Fruchtwasseruntersuchung angeraten wurde. Dass es dann am Ende „nur“ ein Kind wurde (das Gesunde), hat sie sehr erleichtert.
Wir konnten darüber sprechen, ihre Sorgen und Ängste konnte ich verstehen und trotzdem kam ich mir nicht doof vor. Ich fand das, was sie gesagt hatte, einfach ehrlich und daher ok.
Ich denke, jeder kennt seine Grenzen und wenn man keinen Doppelpack möchte, dann bleibt doch zu hoffen, dass man nicht überrascht wird. Wer total anti-Zwillinge ist, der hat es sicher schwer. Oder auch gar nicht. Beim ersten Blick auf die süßen ist man doch direkt verliebt.
Manchmal gucken uns  Schüler nach, wenn wir in die Kita pilgern, da wir an einigen Bushaltestellen vorbeigehen. Was die denken mögen frage ich mich manchmal. Und manchmal will ich rufen „Das kommt dabei raus, Kinder. Also überlegt gut, was ihr macht.“ Je nachdem, wie verschlungen die Jugendlichen dann da stehen. Ich bleibe eben immer Lehrerin, auch wenn ich sehr wahrscheinlich im Herbst das Unterrichten erstmal nicht wieder aufnehmen werde.
Man merkt aber schon, dass manche sehr interessiert reagieren, andere irgendwie geschockt von der Kindermenge sind. Aber so ins Gesicht sagen würde ich das keinem Zwillingseltern. Das ist ja absurd. Entweder bestärkt man jemanden darin, dass sein Leben sch… ist (was soll das bringen außer Trauer und Depression?) oder man verletzt jemanden, der sein Bestes versucht, etwas Schwieriges gut zu meistern. Dann lieber nichts sagen.
Ich jedenfalls gebe, wenn gefragt, immer kund, dass ich super froh mit den Kindern bin und auch drei genommen hätte. Und dass ich es ja nicht anders kenne von der Arbeitsbelastung her.

Ein frommer Wunsch: Allen gerecht zu werden

Sobald man nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist, ist die Herausforderung da, kollidierenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Auch wenn man einfach nur kurzzeitig getrennte Wege geht, damit jeder das tun kann, nach dem ihm eben grade ist. Als kinderloses Paar kamen Alphalama und ich so oft gut klar. Es gab Zeiten, in denen wir beide am Schreibtisch saßen und jeder etwas machte, was gerade anstand. Und Zeiten, in denen wir gemeinsam etwas unternommen haben, spazieren gingen, Eis essen gingen, einen Ausflug gemacht haben oder  Aufgaben  gemeinsam erledigt, die im Haushalt angefallen sind.
Mit dem Übergang zur Elternschaft hat sich einiges verschoben, das ist klar. Und binnen kürzester Zeit nach der Geburt, das können mir sicher andere Eltern bestätigen, weiß man besonders als Mutter kaum noch, was man früher gern gemacht hat, wenn man mal Zeit zur freien Verfügung hatte. Alles dreht sich ums Kind, das lautstark seine Unlust zu allem Möglichen ausdrückt und sich eben nicht mit einem kurzen Knuddler und einem Fläschchen abspeisen lässt. Als junge Mutter war ich oft erstaunt darüber, wie untröstlich so ein Baby auf einmal sein kann. Eben noch zufrieden gelacht, jetzt völlig aufgelöst und tränenüberströmt. Und da kommt man als Mutter eben zu nichts. Oder nur mit Verrenkungen. Wäsche aufhängen beispielsweise wenn das Baby weint – das geht eigentlich nur mit Tragetuch. Und zumindest für mich war das immer anstrengend, denn ich habe meinen Beckenboden noch sehr lange nach beiden Entbindungen schmerzhaft gemerkt und auch die Verspannungen aus der Schwangerschaft erst sehr langsam abbauen können. Putzen, kehren, saugen, Anträge ausfüllen – Dinge, die getan werden müssen, wenn man Mutter ist. Die kleinsten Aufgaben wirken zu Beginn nahezu unlösbar. Da die meisten Väter viel unterwegs sind und sich zunehmend auf ihre Arbeit konzentrieren, wenn Kinder im Haus sind, muss man als Mutter neue Wege finden, um einigermaßen durch den Tag zu kommen. Man will ja auch nicht alles liegen lassen und dann gemeinsam machen, wenn das Kind schläft. Je nach Kind geht diese Rechnung auch gar nicht auf.
Wenn dann aus einem Kind zwei (oder wie bei uns drei) werden, geht es nochmal neu zur Sache. Alphalama und ich , so zumindest mein Eindruck, sind gegenwärtig derart im Elternmodus, dass wir mit gelegentlichen 5 Minuten Ruhe auf dem Örtchen, 20 Minuten Serie anschauen, 30 Minuten Schwimmen oder Computerspielen und dem ungestörten Reinigen des Hauses völlig zufrieden, ja manchmal regelrecht euphorisch sind. Aber die Bedürfnisse der Kinder kollidieren doch manchmal stark und das erlebe ich auch nach einem Jahr immer wieder aufs Neue als Zerreißprobe.
Als die Babylamas ganz frisch auf der Welt waren ging ich oft nach der Kita mit allen dreien noch zum Spielplatz. Ich war zwischen Kinderwagen und dem Begleiten des mobilen Kindes hin- und hergerissen (bei einem hätte ich sicher das Tragetuch ausgepackt, aber zwei schaffe ich nicht), hatte ständig Angst, dass jemand an den Wagen langt. Was auch einmal passiert ist, mitten auf einem Spielplatz in unserem Ort. Minilama, damals etwas über 2,5 Jahre und ich waren gleichermaßen geschockt und ich habe die betreffende Person richtig zusammengefaltet. Fremde Kinder rührt man nicht an, ganz einfach. Und zumal, wenn in dem Moment keine Eltern direkt am Wagen sind, nicht. Da gibt es keinerlei Diskussion für mich.
Seit dieser Erfahrung bin ich noch deutlich gestresster, wenn wir zu viert unterwegs sind. Ich zerreiße mich zwischen der Begleitung von Minilama, das natürlich auch einen riesen Wind macht, dass ich hier und da helfen und gucken soll und der Aufsichtspflicht für die Babies, die ich ungern aus den Augen lasse. Allerdings ist unser Spielplatz mit Mulch gestreut, da kann man sich mit dem Doppelwagen auch schon mal so richtig festfahren, Alles einfach zwillingsuntauglich – und ich wirke mehr denn je wie eine hysterische Irre. Und sehr oft fühle ich mich echt hilflos. Alles ist so kompliziert, wenn man einen so wuchtigen Wagen vor sich her schiebt. Viele Mehrfachmütter, die ich kenne, erleben das ähnlich. Manche bleiben daher gern daheim, wenn sie keinen weiteren Erwachsenen dabei haben. Ich würde das auch gerne machen. Auf der anderen Seite ist das aber nicht gut, weder für die Kinder, die sich ausgegrenzt fühlen, noch für uns Mütter, die wir gerade in der Elternzeit ohnehin oft mit Kontaktmangel zu tun haben. Zumindest ich habe in den Elternzeitjahren sehr wenig kontinuierlichen Kontakt zu Menschen außerhalb meines Hauses gepflegt und auch diese Normalität, mit Menschen umzugehen, sehr vermisst.
Wenn die Babies schlafen oder friedlich die Welt angucken, geht es meistens auch ganz gut. Aber mit zunehmendem Alter wollen die Kinder auch weniger schlafen und sind aktiver. Das ist für die Erfüllung individueller Wünsche ein Problem. Die Babies wollen krabbeln und sich hochziehen, sie wollen was in den Mund nehmen. Ein Spielplatz, auf dem mir unbekannte Sträucher wachen und schon mal Katzen ihren Kot verscharren ist da nicht der richtige Ort für. Wenn ich nur einen Krabbler hätte, würde es eventuell noch gehen. Aber auch da stellt sich die Frage, inwieweit Minilama selbstständig spielen würde. Mit zweien packe ich es nicht, beide vom Essen suspekter Dinge abzuhalten und ein Auge auf MInilama zu halten.
Da ist man nur im Ausnahmemodus, die ganze Zeit. Im Urlaub haben wir es verdichtet gemerkt.
Daher sitzen die Babies meist im Wagen oder kurz in der Schaukel, abwechselnd versteht sich, es gibt ja nur eine Babyschaukel, und brüllen irgendwann genervt herum. Wenn trinken und ablenken nicht mehr helfen, müssen wir heim. Und das will Minilama meistens nicht, denn es ist grade schön, wo wir sind. Endlos lässt sich das nicht ziehen und irgendwann verlassen wir dann mit drei weinenden Kindern das Gelände. Und ich bin richtig gestresst. Weil ich Minilama das Spielen ermöglichen will, weil ich den Babies gerecht werden will. Auch weil ich noch Brotdosen packen muss daheim, noch kochen muss und Abendessen für alle machen will, weil noch irgendwas ansteht im Nachhinein. Weil die Kinder, sobald wir nach Hause kommen, sehr oft durchdrehen. Bzw. einfach weiterbrüllen. Minilama will dann seine Schuhe nicht ausziehen, verzögert also das Ganze noch, die Kinder haben oft schon rot gebrüllte Köpfe und ich muss entscheiden, ob ich es aussitze oder ihm helfe – was ich eigentlich nicht will, da es alt genug dafür ist und es auch in der Kita kann – verlangt dauerhaft nach Eis oder sonstwas und brüllt nach dem Papa (der aber einfach noch 1 Stunde Fahrt vor sich hat nach seinem Feierabend).
Und dann folgen 20 Minuten Genöle darüber, dass der Papa nicht da ist. Nett. und so weiter und so fort. Ich laufe oft 4-5 Mal die Treppen hoch und runter bis alles oben ist. Und bin dann selbst körperlich erschöpft, muss vielleicht mal oder würde gern die durchschwitzten Sachen wechseln. Dafür ist aber keine Zeit es geht weiter; Wickeln, Snack und Getränke für Minilama, Babies füttern, Abendessen für Alphalama warm machen usw. Auch währenddessen gern Gebrüll von den Kindern, die grade nicht gefüttert oder unterhalten werden.
Und obwohl man so sehr versucht, wenigstens die Bedürfnisse de Kinder unter einen Hut zu bekommen: Es gelingt eigentlich nie so richtig. Wohl das Los der Mehrfacheltern.

Fitness nach der Zwillingsschwangerschaft – Mombod auf Nimmerwiedersehen

Im letzten Jahr hat mein Körper zum zweiten Mal in meinem Leben wahre Höchstleistungen vollbracht. Nach der gut rückgebildeten ersten Schwangerschaft mit Minilama startete ich sehr fit in die zweite Schwangerschaft.

IMG_20120325_145916

IMAG0073
Diese riss mir jedoch von Anfang an den Boden unter den Füßen weg. Ich war von der 6. SSW an sehr entkräftet, müde, kraftlos. Nach dem ersten Termin beim Frauenarzt, wo eine Schwangerschaft bestätigt wurde, war mir so schlecht und schwindlig, dass ich es kaum zum Bahnhof schaffe und mich im fahrenden Zug auf der Toilette übergeben musste. (Sehr entwürdigend, glaubt mir.)
Ich, eigentlich sehr bewegungsfreudig und sportaffin, lag die meiste Zeit des Tages zuhause auf der Couch, später auf einem extra aufgestellten Gästebett. Das Sitzen wurde zur Qual, Autofahren schon vor der 12. SSW nahezu unmöglich. Der Druck auf den Bauch war unerträglich, mir war ständig übel. Ich verließ den Ort nur noch, um zum Frauenarzt zu fahren. Schwimmen war ich nur zwischen der 16. und der 31. SSW.
Ich nahm in den 38 SSW 12 Kilo zu, hatte am Ende durch die Hitze stark geschwollene Beine. Da der Bauch sehr kompakt war, hatte ich ständig Schmerzen, wenn die Babies sich bewegten, denn sie traten stets gegen den Rippenbogen oder quetschten meine Organe, Schmerzen, die mich dazu veranlassten, mehrmals mit Verdacht auf Gestose beim Frauenarzt zu erscheinen.
Die letzten 7,5 Wochen verbrachte ich nahezu völlig demobilisiert auf der Couch, um die drohende Frühgeburt abzuwenden. (Erfolgreich, zum Glück) Bei der Geburt selbst bekam ich mindestens 10 Stunden lang Oxytocin über den Tropf, nach dem hohen Blutverlust durch die Geburtsverletzung weitere starke Medikamente, Eiseninfusionen und wegen der unmenschlichen Rückenschmerzen, die ich als Nachwehen hatte, sehr starke Schmerzmittel. Nicht zu vergessen die beiden Lungenreifespritzen in der 31. SSW, von denen ich einen unbändigen Hunger bekam (2 Kilo schlugen die zu Buche), Schweißausbrüche und Schwindelattacken.
Der Bauch war nicht sehr imposant, da extrem kompakt. Keine Risse (bis auf einen am Bauchnabel am Morgen der Entbindung, sehr ärgerlich.) Allerdings blieb eine riesige Menge loser Haus zurück, wie wenn man viel abnimmt, denke ich mir.

IMG_20150730_182520

 

IMAG0256

Ungefähr 35. SSW – vorne und Rückenansicht. Das war eine nur nach vorne gehende Kugel.

IMG_20150729_174958

Eine Woche vor der Entbindung, also 37+irgendwas.

IMG_20150803_085136

Ein Tag vor der Entbindung, also 38+0

IMG_20150806_100749

Ein Tag nach der Entbindung. Das Gewicht ist ungefähr wieder auf Vorschwangerschaftsniveau. Allerdings ist der Bauchnabel und der gesamte Bauch total erschlafft.

IMG_20150810_065720

1 Woche nach der Entbindung zuhause. Man sieht im Sitzen besser die Hautmengen, die noch rückgebildet werden wollen.

Dann gibt es keine Bauchbilder mehr bis knapp 8 Monate nach der Geburt. Ich habe sehr ehrgeizig an der Rückbildung teilgenommen, die Bauchmuskeln haben sich schnell wieder geschlossen (also keine Diastase mehr nach 8 Wochen). Leider habe ich nicht die Zeit gehabt wie bei  Minilama im Anschluss an den Kurs weiterzumachen. Bei Minilama war ich 7 mal in der Woche zum Schwimmen, war knapp 12 Kilometer mit dem Kinderwagen unterwegs, allgemein sehr aktiv und hatte ein sehr geringes Hungergefühl. Nach dem Umzug ging ich immerhin noch 2-3 Mal schwimmen, war viel unterwegs, handwerkerte viel und war einmal in der Woche in einem Fitnesskurs.
Nach der Zwillingsschwangerschaft war ich erstaunt, wie stark die Rückbildungsneigung des Körpers ist, wie schnell der Bauch wieder passabel aussah, wie schnell ich wieder in alte Hosen passte, wie schnell Unbekannte nichts mehr sahen, dass ich kürzlich entbunden hatte und mir kaum abkaufen wollten, dass die drei Schreihälse in und auf dem Kinderwagen meine sind. Das pusht natürlich ganz schön. Denn egal wie wenig man als Frau auch in den Schminktopf greifen mag oder Suchtshoppingqueen ist – schön sein wollen wir alle. Und gerade nach einer anstrengenden Schwangerschaft ist es schön, wieder als attraktive Frau wahrgenommen zu werden, denn das Körpergefühl leidet stark durch eine Schwangerschaft und das viele Alleinsein mit Baby zuhause tut sein übriges.
In den ersten Monaten nach der Entbindung gelang es mir nur, 2 mal in der Woche schwimmen zu gehen. Manchmal auch nur ein Mal. Mein Fitnesskurs muss nach wie vor ruhen, damit Minilama in Ruhe zum Eltern-Kind-Turnen gehen kann und ich Alphalama abends nicht mit drei weinenden Kindern in die Abendroutine mit Zähneputzen und Umziehen und in den Schlaf begleiten alleine lassen möchte. Das kann man niemandem zumuten.
Meine Schwimmzeit glich immer mehr einer Entspanungsphase als einem Workout, nach 30 Minuten war ich fertig. Schlafmangel, Lärmbelastung, Arbeitsmenge, Stress – wir funktionierten nur noch.
Meinem Bewegungsmangel konnte ich kaum nachkommen. Die 7 Kilometer täglich zur Kita reichen mir einfach nicht aus. Da die Kinder sehr fordernd sind, komme ich zudem kaum zum regelmäßigen Essen. Nach dem Mittagsbrei sind die Babies müde, wollen schlafen. Nach dem Essen geht es sofort raus, alle runtertragen, anziehen, raus. Manchmal schlafen die Kindern nur 30 Minuten, das reicht nicht zum Kochen und essen, zum Aufräumen und saubermachen. Mein Essen fiel meistens aus, das der übrigen Familienmitglieder kochte ich immer mit Ach und Krach. Aber es war immer was Warmes da, es ist immer was Warmes da, Windeln sind auch immer da, sauber ist es auch, ich nehme alle Termine für alle wahr, koordiniere Arztbesuche, Sport, kümmere mich um meine Familie.
Dabei komme ich selbst mehr als zu kurz. Vor einigen Monaten wurde mir immer mehr bewusst, wie sehr ich und letztlich auch meine Familie darunter leide. Eine unentspannte, gereizte Mutter bringt niemandem etwas. Und eine unzufriedene schon zwei Mal nicht.

DSC_0271

8 Monate nach der Geburt war ich sehr unglücklich mit der Optik meines Bauchs, denn ich erwarte deutlich mehr von mir. Was meinen Körper angeht bin ich sehr ehrgeizig. Ich überlegte, was in meiner Lage möglich ist. Fitnessstudio, externe Kurse usw. sind kaum machbar solange die Babies noch nicht im Kindergarten sind. Und später wahrscheinlich auch schwierig, da ich vollzeit wieder in den Beruf zurückkehre.
Daher baue ich mir ein Workout zuhause auf, das ich dank der Unterstützung von Alphalama auch durchziehen kann.
Täglich morgens nach dem strammen Gang in die Kita 45 Minuten Fitness und Beckenbodenübungen wie ich sie im Kurs gelernt habe.
Abends 5 Kilometer auf dem Trimmrad und (momentan) 5 Kilometer auf der Crosstrainer. Ich steigere regelmäßig die Dauer. 2 Mal pro Woche 60 Minuten Wassersport, eine Einheit Dauerschwimmen, eine Einheit Aquajogging.
Mindestens 3 Liter Tee oder Wasser am Tag trinken, als Zwischensnack gibt es morgens anstelle einiger Scheiben Brot einen Magerjoghurt mit Müsli und Obst, mittags nur sehr wenig Kohlenhydrate (ich koche für mich separat, nehme mir Gemüse beiseite bevor die Soße, das Fleisch und die Nudeln o.ä. dazukommen) und esse abends gar keine Kohlehydrate mehr, sondern esse mich an Obst und Gemüse satt. Seit ich jenseits der dreißig bin, muss ich deutlich mehr aufpassen, was ich esse. Und leider esse ich gern mal Schokoladenriegel, Schokotafeln oder dragierte Erdnüsse und Cookies -lieber als Obst und Gemüse. Ich verkneife es mir nicht, das Süße, versuche aber mich besser zu  kontrollieren.

DSC_0296

DSC_0299

10 Monate nach der Entbindung bin ich schon etwas zufriedener.

DSC_0339

DSC_0340

 

DSC_0391

 

DSC_0390

 

 

Und 11 Monate nach der Geburt und regelmäßigem Fitness Workout via Youtube: Auf Wiedersehen Mombod!