Verschwiegene Schattenseiten der Elternschaft: Schlafprobleme und Schreibaby

Mit etwas Abstand sehe ich die Babyzeit von Minilama deutlich klarer und begreife auch besser, warum wir als Eltern so außerordentlich oft grenzwertig belastet waren – und das obwohl wir beide junge, geduldige und agile Menschen sind und nur ein Kind hatten. Ich begreife auch besser, warum ich oft so traurig und enttäuscht war, warum ich es nicht ertragen konnte, andere Mütter mit ihren gut schlafenden, gut gelaunten, innig schmusenden Babies zu sehen, warum ich so dermaßen frustriert war, dass Minilama keinerlei Anstalten machte, irgendwie mobil zu werden.

Schon die Geburt meines ersten Kindes war für mich eine traumatische Erfahrung. Ich will das noch heute kleinreden, denn eigentlich war es keine schlimme Geburt. Ich kenne Frauen, die was ganz anders mitmachen mussten. Daher gestehe ich mir nach wie vor nicht gern zu, dass auch ich viel mitgemacht habe. Einfach weil das Ganze objektiv nichts war. Es war ein Blasensprung, ein Kristellergriff, Geburtsverletzungen, auch am Zervix, eine starke atone Blutung, die durch Nähen gestillt wurde und die einige Stunden später auf der Station noch einmal nachblutete. Zudem hatte ich Stillprobleme und wurde mit Milchpumpe aus der Klinik entlassen. Trotz viel Unterstützung durch meine Hebamme konnte der Milchfluss nicht in Gang gebracht werden, daher musste ich den Versuch beenden. Soweit so normal. Dennoch hat mich das arg mitgenommen und geschwächt. Und in meinem Selbstbild angegriffen. Nach wie vor rechtfertige ich mich dafür. Nach wie vor schäme ich mich, dass mein Kind keine Muttermilch bekommen hat.

Hinzu kam dann leider, dass Minilama häufig Phasen hatte, in denen es so gesehen ein Schreikind war, arge Schlafprobleme hatte und teilweise bis heute noch hat. Leider – und das sage ich direkt – haben wir Eltern keine richtige Hilfe finden können mit diesen Dingen. Mein alter Kinderarzt hat uns (also mich und Alphalama, der extra frei hatte nebst Baby) wieder heimgeschickt und gebeten ein Schlafprotokoll auszufüllen und in 6 Wochen wiederzukommen. Da waren wir mit 9 Monate altem Baby aber schon jenseits von Gut und Böse, völlig übernächtigt, vom Gebrüll zermürbt und wirklich an der Grenze des Leistbaren (und das mit einem Kind). Ich kam mir derart nicht wahrgenommen vor, dass ich den Arzt wechselte.

Aber von Anfang an: Das neugeborene Minilama war  im Krankenhaus durch die Geburt völlig gestresst und schrie durch die Nacht. Alphalama trug den kleinen Wurm flurauf und flurab im Tragetuch, bestellte noch in dieser Nacht sein eigenes im Internet. Die beiden entwickelten eine innige Tragebeziehung.
Zuhause wechselten Phasen am Tag, in denen das Kind zufrieden trank, strampelte und schlief und Phasen, in denen es untröstlich schrie. Am Anfang „half“ das Pucken noch um zur Ruhe zu finden, aber irgendwann befreite sich das Baby aus dem Pucktuch, so sehr ging es dagegen an. Da wir nicht überzeugt vom Pucken sind, ließen wir es dann auch sein. Die Zwillinge wurden nicht gepuckt. Auch andere Tipps wie warme Füßchen, Lavendelduft, Schnuller – alles half entweder gar nicht, kurzzeitig oder wurde wie der Schnuller verweigert. Minilama wechselte zwischen Phasen, in denen es Nähe wollte und Phasen in denen es sich mit aller Kraft von uns wegdrückte. Das waren für mich als junge Mutter die schlimmsten Momente, zu begreifen: „Mein Kind weint, es will aber meine Nähe nicht.“ Das musste ich erst mal verkraften. Natürlich kann ich all das rationalisieren und auch entwicklungspsychologisch deuten, dennoch tut es einfach weh erleben zu müssen, dass das Kind, zumindest phasenweise, überwiegend weint, Nähe manchmal regelrecht hysterisch ablehnt, sich wegdrückt und dann in der Öffentlichkeit ein lieber Goldschatz ist, der gluckst und von Fremden als „freundlich“ wahrgenommen wird, ja teils sogar auf dem Arm anderer Menschen total zufrieden wirkt. Das tut einfach nur weh und das kann man nicht schön reden.

Alphalama erlebte das meistens abends zwischen 5 und halb 7, wenn ich schwimmen war. Ich hinterließ ein zufriedenes Baby und wenn ich wieder kam hörte ich schon auf der Straße, wie das Kind sich die Seele aus dem Leib schrie, während Alphalama es trug, fütterte, wickelte, schmuste, gut auf es einredete. Irgendwann nahm er Ohrenstöpsel, dann seine Kopfhörer. Er bekam nach einigen Monaten einen Tinnitus.
Zunächst hatten wir im Umfeld kein Verständnis erfahren. Dass Kinder mal brüllen und man wenig schläft ist ja auch normal. Als Minilama einige Monate alt war, wollten wir Eltern einige Stunden in die Stadt, um etwas essen zu gehen. Alphalamas Eltern kamen zum Kinderhüten. Minilama war süß und lieb, freute sich, dass der Opa da war (den liebt sie heute noch über alle Maßen). Als wir wiederkamen fanden wir zwei fertige Großeltern vor, die eben eine Pizza bestellt hatten. Das Kind in der Wiege schluchzte alle paar Minuten auf und hatte sich in den Schlaf geweint. Es wachte bald nach der Heimfahrt der Babysitter brüllend auf – und das Abendschreien begann erneut. Nur dass wir Eltern unsere Kraft schon verbraucht hatten. Minilama war bei den Großeltern irgendwann untröstlich gewesen, hatte nur geweint, sich weggedrückt. Wie bei uns auch. Seitdem gab es diese Art Babysittertreffen nicht mehr abends. Wir haben dann darauf geachtet immer zeitig daheim zu sein, um die Situation dort in geregelte Bahnen lenken zu können.

Mit dem Umzug ins Haus erreichte alles einen neuen Höhepunkt. War  Minilama über Tag auf der Baustelle zufrieden, ging es abends auf dem Weg in die Wohnung richtig zur Sache. Der gesamte Stress des Ortswechsels entlud sich. Wenn ich abends im Laden ausstieg, um etwas zu essen zu besorgen, musste Alphalama im Auto bleiben, ich schlug so fix es ging die Tür wieder zu. Das Kind brüllte wie am Spieß, man konnte es draußen hören. Es war satt, frisch, wir versuchten, es abzulenken. Keine Chance.
Kurz nach dem eigentlichen Umzug wachte das Kind nachts regelmäßig gegen 1.30 Uhr auf und brüllte 2 Stunden lang. Nahezu auf die Minute. Nichts half, wir haben alles probiert. Sogar Schmerzzäpfchen halfen erst nach den 2 Stunden. Wir guckten irgendwann nachts Filme, die Töne lenkten Minilama etwas ab. Völlig pädagogisch falsch, das weiß ich auch, aber wir waren kurz davor durchzudrehen.
Trotz der beträchtlichen nächtlichen Wachzeiten wachte Minilama gegen 5 Uhr auf, wollte nicht mehr schlafen. Bald darauf verweigerte es auch den Mittagsschlaf. Im Bett hatte es ohnehin nie geklappt, geschlafen wurde nur im Wagen. Aber auch mein Versuch durchs Gehen das Kind in den Schlaf zu schaukeln brachte nichts. Wir Eltern waren wirklich am Ende. Alphalama muss 1 Stunde zur Arbeit fahren, schlief mehrmals fast auf dem Weg ein. Und ich kam bei morgendlichen Spaziergängen im winterlichen Frühmorgen (so gegen 5 Uhr meist das erste Mal, in der Hoffnung, dass das Kind wieder in den Schlaf findet) an den Häusern Bekannter vorbei, deren Kinder bis 8 Uhr und länger schliefen. Ich war traurig, wütend, enttäuscht. Medizinisch gab es keine Erklärung, alles abgeklärt. Minilama zahnte sehr schnell, vielleicht lag es daran.
Dennoch: Minilamas Gebiss ist schon länger vollständig und die nächtlichen Wachphasen waren auch danach noch eine Zeit lang Thema. Und ich habe jetzt den Vergleich. Das war nicht normal, ganz einfach. Und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass der Arzt das anerkennt, uns Mut macht. Aber diese Bestätigung haben wir nicht bekommen. Leider.

Wenn Minilama im Buggy unterwegs einschlief (bis weit über den 2. Geburtstag) konnte man darauf wetten, dass es beim Aufwachen mindestens 1 Stunde lang untröstlich brüllt. Mir graute davor. Meine Mutter war mal dabei und konnte es nicht glauben. Sie stand schockiert daneben wie mein Kund wetterte und zeterte wie Rumpelstilzchen. Und wie es jeden Versuch nach Nähe einfach abwehrte. Jeden Versuch, es abzulenken, ins Leere laufen ließ. Wie es echt schlimm litt, aber wir nichts machen konnten.
Irgendwann hört das auf, Minilama redet wieder normal, es äußert Hunger oder Durst, es bekommt das Gewünschte. Und alles ist wie immer. Es redet, erzählt, spielt, lacht und ist froh. Man muss das Schreien aushalten. Wie schon in den Babyzeit auch. Helfen kann uns keiner. Es gibt keine Medizin, keinen Trick.

In der Kita hat es normal im Bett geschlafen, das war daheim mittags nie drin. Es hielt dort Mittagsschlaf von 12.30 bis 15 Uhr, manchmal länger. Es war eins der ersten Kinder, die schliefen.
Einmal, da waren die Babylamas schon auf der Welt, habe ich es wegen eines Arzttermins früher abgeholt. Es schlief noch, wurde geweckt. Da weinte es wie bei uns zuhause öfter, war untröstlich. Die Erzieherinnen kannten Minilama so gar nicht. Und ich schämte mich ohne es zu wollen. Und das aus einem Grund: dass mein Kind bei mir so ist, aber in der Umgebung der Kita niemals so reagieren muss. Auch das tut weh, sehr weh. Auch wenn ich weiß, dass Kinder in Kitas allgemein vieles machen und können, was daheim absolut unmöglich wäre.
Seit einiger Zeit haben wir den Mittagschlaf auch in der Kita aufgehört, da Minilama dann abends nicht ins Bett wollte. Bei uns war (und ist) es von 5 Uhr morgens bis 20 Uhr abends wach. Als es noch in der Kita schlief (teils bis 4 Uhr) war es manchmal bis nach 21 Uhr wach.
Da sage ich ehrlich: Das ist eine enorme Anstrengung für uns Eltern, daher haben wir auch so lange versucht, einen Mittagsschlaf zu „erzwingen“, einfach weil wir mal durchatmen mussten oder aufräumen, putzen, kochen. Bei den Babylamas sind wir was den Mittagsschlaf angeht, deutlich entspannter. Wenn sie im Wagen einschlafen, freut mich das, wenn nicht, gehe ich noch eine extra Runde, damit sie sich etwas ausruhen können. Vielleicht kommt die Entspannung daher, dass wir nicht mehr derart übermüdet sind.

Ich schaue mit offenem Mund auf Familien, in denen einer noch einem Hobby nachgeht, samstags Fußball spielt oder regelmäßig in einem Chor singt. Wo Kinder mitlaufen, abends um 7 Uhr im Bett eine CD hören und dann irgendwann einschlafen bis morgens um 8. Das klingt für uns wie Science-Fiction, zumindest wenn wir an unser erstgeborenes Kind denken.

Nach drei Jahren sind wir leider auch schneller an der Belastungsgrenze als zu Beginn. Zum Glück können wir Eltern uns bei der Einschlafbegleitung abwechseln. Einschlafbegleitung heißt bei Minilama, dass jemand bei ihm bleibt, es streichelt und mit ihm Buch liest und CD hört, bis es einschlafen ist. Heute fordert das früher so schmuseunwillige Kind seine Streicheleinheiten explizit ein, hält oft im Tun inne, um uns oder die Geschwister wortreich zu knuddeln.

Neulich wachte Minilama ein paar mal nachts wieder schreiend auf, war nicht ansprechbar, brüllte nur laut. Wir waren dann beide an seinem Bett, redeten beruhigend auf es ein, versuchten heraus zu finden, was wohl helfen könnte. Bei jedem nächtlichen Aufwachen dieser Art ist die Kommunikation schwierig und sobald das Kind wieder normal spricht ist der Spuk vorüber. Es ist kein direkter Nachtschreck, aber vielleicht eine Art davon. In jedem Fall ist es echt doof für uns alle, wir haben dabei oft richtig Angst, dass es das ganze Haus wach brüllt und damit die kurze Nachtruhe beendet ist. Zum Glück erinnerte sich Minilama morgens nicht mehr daran. Wir hatten Angst, dass die Schlafschwierigkeiten zurück kommen würden, aber seit einiger Zeit schläft es zum Glück ruhig durch und steht morgens grinsend neben unserem Bett.

Ich sage ehrlich: Solche extremen Schlafschwierigkeiten wie Minilama als Baby bis knapp 14 Monate hatte (die mit den nächtlichen zwei Schreistunden) zehren enorm an den Kräften. Und sie isolieren auch. Ich wollte zumindest nicht hören, wie gut andere Kinder schlafen, wie schön es für andere mit ihren pflegeleichten Kindern ist, wie wenig sich ihr Leben geändert hatte, seit das mitlaufenden Kind bei ihnen ist, das alles so einfach mitmacht, wollte uns auch nicht outen, wie es bei uns zuging. Alphalama hingegen suchte oft den Austausch mit anderen Eltern.
Spaziergänge mit anderen Mamas mit dem Kinderwagen waren für mich oft schwierig, da Minilama manchmal (meist wenn andere dabei waren)  auch im Wagen ziemlich schrie. Das erste Babyjahr war wirklich eine einsame und anstrengende Zeit, die ich mir nicht zurückwünsche und keinem anderen wünsche.

Auch wenn es besser wird (das hört man ja immer): Schreibaby mit Schlafproblemen ist eine echt schlimme Kombination. Man kann nicht viel anderes machen als aushalten, mit dem Kind zusammen durchhalten. Und zu akzeptieren, dass das Kind gerade nur schreien kann/will/muss.
Das ist lange nicht so schön wie das Dauerstillen und Dauertragen, das innige Verbundensein der Naturmutter mit ihrem kleinen, verschmusten Schatz, das ich mir als Mutter-Kind-Beziehung gewünscht hatte. Aber es ist eine Facette der Wirklichkeit, die wir in der Babyzeit von Minilama erlebt haben, die zu unserem Leben geworden ist und die wir treu begleitet haben so gut wir konnten.
Heute nach drei Jahren hat sich vieles zum Besseren gewandelt. Minilama schläft seit es 14 Monate alt ist, weitgehend durch. Auf den Mittagsschlaf haben wir an den Wochenenden seit seinem 2. Lebensjahr immer weniger Wert gelegt, sondern versucht Phasen zum Ausruhen zu bieten, um so das irritierte Wachwerden mit Weinen zu verhindern. Die nächtlichen Weinattacken sind mit zunehmender Zahnzahl deutlich zurückgegangen, kommen aber an Tagen, die Minilama emotional aufgewühlt haben, durchaus nochmal vor und sind daher ein guter Indikator dafür, dass Minilama mehr Zuwendung braucht, weil es mit einem Thema besonders beschäftigt ist.

Geschwisterliebe

Ich selbst bin leider Einzelkind geblieben. Daher weiß ich gar nicht, wie es ist, Geschwister zu haben. Meine Theorien kann ich gut mit Alphalama abgleichen, der kein Einzelkind ist. Und er bestätigt, was ich mir so denke: Trotz Dauerstreit in der Vorpubertät und Genervtsein voneinander in der Pubertät ist man einander doch eng und ohne viele Worte verbunden.
Ich als Mutter mehrerer Kinder mache und machte mir viele Gedanken darüber, wie man allen Kindern gleichermaßen gerecht werden kann, wie man alle gleich und doch individuell fördert, wie man ein gutes und enges Verhältnis unter den Geschwistern initiiert, stärkt und immer wieder aufs Neue herstellt. Gerade das ist mir sehr wichtig. Geschwister hat man, wenn man Glück hat, sein Leben lang. Das sind Menschen, die eine Vergangenheit mit mir teilen, die mich verstehen ohne dass ich weit ausholen muss. Daher ist diese Beziehung so unheimlich wertvoll und daher muss ich als Mutter alles tun, um meinen Kindern eben das zu vermitteln.
Was das konkret heißt, lerne ich immer wieder aufs Neue. Denn es ist mehr als rein quantitative Gerechtigkeit. Also mehr als im Laden für jedes Kind ein neues Shirt zu kaufen. Wenn für alle drei war da ist, kaufe ich durchaus was für alle. Wenn aber nur ein Shirt schön ist, gibt es nur eins und die anderen sind später dran. Spielsachen kaufen wir sogesehen nicht neu, entweder haben wir noch Erbstücke aus unserer Kindheit oder wir kaufen gezielt gebrauchte Holzspielsachen bei Kleinanzeigen. Das meiste, was wir haben, ist Spielzeug für mehrere Kinder. Murmelbahn, Bauklötze, Duplo, Gesellschaftsspiele, Bücher, Puzzles (mehrere in einem Paket) – das spielt man gern zusammen. Und obwohl die Kinder in Alter und Fertigkeitsstand unterschiedlich sind, animierte ich Minilama regelmäßig, mit den Babies zu spielen. Das ist dann oft Türme bauen, die die Kleinen dann umstoßen dürfen oder die Murmelbahn mit Kugeln befüllen, weil die Babies das gerne sehen, die Eisenbahn aufbauen und gucken, was die Geschwister machen. Das meiste teilen die Kinder sich. Die Babies teilen sich bis auf je 2 Schmusetiere und ihr Bettchen im Alltag alles. Kleidung, Windeln, Stühlchen, Buggy – ich mache keinen Unterschied, wer wo sitzt, wem welches Stück gehört.  Nur mit dem Bettchen eben, da möchte ich Klarheit und feste Rituale. Vieles teilen die Babies einfach so miteinander. Fläschchen zum Beispiel, manchmal wenn sie einen haben auch den Sauger (der wandert immer von Mund zu Mund), Rasseln oder Klötzchen. Da kennen sie noch kein Besitzdenken, sie freuen sich an der Freude des anderen.
Minilama ist da schon anders, klar. Es kennt besonders aus der Kita das Konzept „mein und dein“. Freitags bringen viele Kinder eigene Spielsachen mit, die sind dann nur diesem Kind. Minilama bringt eigentlich nie was mit, Bücher, Puzzles oder Spiele (die Dinge, mit denen es sich am meisten beschäftigt) machen, das sieht es selbst – im Spielzeugparadies kaum Sinn. Aber es weiß genau, wem was gehört, wenn es dann nachmittags vergessen an den Garderoben hängt. Und auch, dass man da nicht einfach so mit spielen darf.
Einige Sachen gehören nur Minilama. Die Bücher, die es grade liest und für die die Babies noch zu klein sind. Klappenbücher haben wir in ein Regal hinters Bett geräumt, da kommt nur das große Kind dran. CDs und Kassetten sind grade auch nur für Minilama. Hören dürfen natürlich alle, aber Hantieren kann damit nur das große Minilama. Stifte und Bastelzeug ist grade auch außer Babyreichweite. Aber Minilama hat klar, dass das grundsätzlich allen gehört und wenn die Babies sich dafür richtig interessieren, sie auch damit spielen dürfen. Manches ist aber nur Minilama, die Kuscheltiere z.B. oder die Spieluhr. Das sind Dinge, an die die Geschwister nicht heran dürfen, wenn Minilama es nicht will. Minilama muss sich auch nicht von den Babies behängen lassen. Damit meine ich, dass die Babies oft zu Zweit zum schmusen über Minilama herfallen, die Schläppchen in den Mund nehmen (die Kinder lieben Pololoschuhe, die schmecken ihnen einfach super), am Beinchen ziehen. Minilama tritt dann nicht (mehr) nach den Geschwistern und schubst sie auch nicht um, sondern ruft uns Eltern. Wir holen die Babies dann weg.
Eifersucht ist bei uns bisher kein Thema. Ich denke es liegt daran, dass hier kein Mangel herrscht, dass das meiste einfach da ist und Minilama nicht materialistisch drauf ist.
Mit großer Freude beobachte ich, wie die Kinder mit zunehmendem Alter aufeinander zugehen. Die Babies sind sich ja sehr nahe, das merkt man direkt. Aber auch Minilama hat hier seinen Platz. Die Kinder haben ganz besondere Beziehungen zueinander. Seit einiger Zeit kann Minilama die Geschwister unterscheiden und benamt sie treffsicher. Woran es festmacht, wer wer ist, kann es leider nicht sagen. Das würde mich brennend interessieren. Es hat einen „Liebling“, von Anfang an. Mit dem knuddelt es öfter. Dennoch liebt es das andere Baby auch sehr, reißt es zum Schmusen um, weist uns Eltern auf die Erfolge hin. „Guck mal, der sitzt schon wieder so cool.“ Ruft es dann. Seit die Babies mobiler sind und fast laufen können, sind die drei ein super Gespann, krabbeln um die Wette, kreischen miteinander (das machen alle meine Kinder unheimlich gern zum Leidwesen von Alphalama, dessen Ohren dann immer schmerzen). Minilama tröstet ganz liebevoll, grade wenn wir mit dem Kinderwagen unterwegs sind, kennt aber auch die Grenzen und sagt dann ganz deutlich „das ist mir zu laut“. Dann müssen wir Eltern schnell was machen, sonst brüllt Minilama mit. Laute Geräusche macht das Kind zwar gerne, erträgt es aber nicht lange.
An Wochenenden ruft Minilama die Babies zu sich ins Zimmer, macht die Tür auf, damit sie reinkrabbeln können. Dann spielen alle drei so ein bisschen zusammen aneinander vorbei. Minilama erklärt, die Babies klettern und suchen was Neues, das im Mund erkundet werden soll. Wir Eltern gehen dann wenn es still bleibt, so alle 5 Minuten gucken, ob alles in Ordnung ist.
Die drei haben sich sehr lieb, auch wenn Minilama das Konzept Zwillinge öfters mal in Frage stellt und nur ein Baby haben will die seine Freunde. Wen es dann abgeben würde weiß es aber auch nicht. Keinen, eigentlich.

Alltagsästhetik: Brotdose für hungrige Lamas

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

 

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Mein hungriges Kitakind wächst und wächst. Und die Brotdose wurde zu klein. Daher haben wir jetzt zwei. Und ein Joghurt gibt es noch dazu. Obst bietet die Kita an vom Bunten Teller.
Abends: leer.

Überforderte Mamas oder was?

Überforderung ist was schlimmes. Wenn man nicht schaffen kann, was einem aufgetragen ist. Ich habe das in der Schule manchmal im Matheunterricht erlebt. Ich hatte keine Möglichkeit, jemanden zu fragen, wie die Dinge gehen, war daher auf den reinen Unterricht angewiesen. Andere hatten große Brüder, Schwestern oder Mütter, die richtig Ahnung von Schulmathematik hatten. Ich hatte das nicht. Und wenn ich dann gemerkt habe,dass morgen ein unangekündigter Test geschrieben werden und und nicht verstanden hatte, um was es genau zu gehen hat, bekam ich Bauchweh. Trotz allen Versuchen, die Dinge zu durchdringen,  ging es manches Mal nur rudimentär und offenen Auges strudelte ich in Richtung 4 oder 5. Fragen vor dem Test? Das machten unserer Lehrer nicht mit. Nachher durfte man dann jede Unklarheit benennen.
Oder im Sportunterricht, wenn im Winter geturnt wurde. Da konnte ich alles probieren und mich trauen und meine eigenen Grenzen überwinden wie ich auch wollte – am Ende kam leider nichts Besseres als eine 5- heraus und auch der Spott meiner Mitschüler, weil ich Riesin beim Versuch grazil einen Handstand zu machen oder ein Rad zu schlagen kläglich und peinlich versagte. Später verweigerte ich immer die Leistung, das Ergebnis blieb ja ohnehin das selbe. Da war ich wirklich überfordert mit den Aufgaben, die an mich gestellt wurden. Das sage ich selbst. Und bin aber auch kritisch, dass der Versuch nicht mehr bringen soll als das Nichttun. Wenn ich Noten gebe, läuft es anders – nur am Rande.
Aber wenn andere über Menschen urteilen und sagen, sie seien überfordert, empfinde ich das sehr oft als reine Beleidigung und als Übergriff. Überforderte Mütter sind da das Paradebeispiel. Eine Bekannte, auch Zwillingsmama war wegen dem Rücken beim Arzt, welcher ihr bevor er ihr die Massagen verschrieb, die sie brauchte, mitteilte, ihre Schmerzen kämen von der Überforderung mit ihren Zwillingen.  Nicht von der körperlichen Überforderung – das wäre ja noch irgendwie sinnvoll – nein so allgemein sei ihr das alles doch wohl zu viel. Ich kenne diese Zwillingsmama als glückliche, realistische Frau, die ihre Grenzen kennt und mit viel Liebe und Humor ihren Alltag meistert. Überfordert ist sie nicht.
Bei „überfordert“ schwingt doch auch immer etwas Pathologisches mit, wie die Vorstufe vom Burn-Out, wie behandlungsbedüftige Depression, wie Zusammenbruch, oder auch – ich gebe euch mal Einblick in meine bildhafte Gedankenwelt – dass man von zu vielen Männern zu viele Kinder bekommen hat, um die man sich nun nicht kümmern kann oder will und die Kinder daher ihrem, ja, das muss na  ja noch sagen dürfen, asozialen Schicksal überlässt. Oder zumindest sowas in der Art höre ich immer mit und finde es daher reichlich unangemessen, Menschen, die man nur mal nebenbei kurz sieht, als „überfordert“ abzustempeln. Weil überfordert auch heißt, dass man nicht situationsgerecht agieren kann und zwar längerfristig, weil man eher bei sich ist als bei denen, um die man sich kümmern muss, dass man letztlich keine gute Mutter für die Kinder sein kann.
Ich finde, dass Worte eine große Macht habe, sie können verletzen und aufrichten.Und wenn ich doch jemanden kaum kenne, warum sollte ich ihn dann verletzen wollen? Wenn ich eine kurze Episode im Leben eines Menschen beobachte, kann ich doch nicht sein ganzes Wesen ermessen.
So habe ich vor einiger Zeit reichlich unbeherrscht reagiert – und dabei eine Frau getroffen, deren Kinder auch in Minilamas Kita gehen. Die Babylamas haben gebrüllt und das den gesamten Weg zur Kita, also ganze 25 Minuten lang bis die Köpfchen rot waren. Es gab keinen direkten Grund, kein Hunger, keine nasse Windel, keine Hitze oder Kälte, einsam waren sie ja auch nicht. Zureden, Minilamas Lieder, Schmuseversuche – alles half nicht. Mamaknuddleln ging nicht, da ich Minilama auf dem Board hatte und das hände- und kräftemäßig nicht schaffe, den Wagen dann mit einer Hand zu lenken. Mit den Zwillingen alleine mache ich es öfters, dass ich eines der Babies heimtrage, wenn wir von der Kita heim gehen. Grundsätzlich mache ich die Dinge soweit meine Einschätzung liebevoll und gut, höre auf die Bedürfnisse der Kinder und kann meine eigenen sehr und bis zu einem sehr weit fortgeschrittenen Punkt gut ignorieren Was auch nötig ist, da die Kinder ihre lauthals anmelden und ich in der Öffentlichkeit gern so unauffällig wie möglich bleibe – was mir aber kaum gelingt.
Aber natürlich nicht immer. Mit dann drei brüllenden Kindern (irgendwann hat auch das große Kind dann mitgebrüllt, Kettenraktion, wenn man so will) morgens um 7.30 Uhr an der Kita angekommen, bockendes Kleinkind gebändigt, welches auf einmal nicht durch die Tür gehen will, nicht vom Board absteigen will, seine Jacke nicht ausziehen will, nicht mitkommen will, infernalisch schreit usw. habe ich 10 Minuten später die Einrichtung verlassen, nachdem ich Minilama noch zum Toilettengang begleitet habe. Sirenengebrüll aus dem Kinderwagen von beiden Kindern. Keine Chance, diese Kinder einigermaßen angemessen zu trösten, die Gänge der Kita sind zu eng für den Wagen, die Nerven liegen wirklich blank. Ich verlasse die Einrichtung, und bevor ich eines der Kinder aus dem Wagen nehme, es es nach Hause trage, mache ich mir Luft und meckere undefiniert herum. Dabei treffe ich auf eben jene Bekannte, welche mich seit diesem Tag nicht mehr grüßt. (Ich hoffe, es ist ein Zufall) Das nagt aber trotzdem an mir. Überfordert, unangemessen, die Situation nicht im Griff gehabt.
Keine 30 Sekunden später war ich wieder die Supermom, die ich sein will, sein muss, die meine Kinder eigentlich 24/7 verdienen würden. Die mit dem kicherndem 10 Kilo-Baby auf dem Arm und einhändig gelenktem xxl-Wagen auf dem Weg über zu enge und zugeparkte Bürgersteige in den Nachbarort, die Quatsch macht mit dem anderen Baby und das Armbaby liebevoll knuddelt.
Wenn ich heute Mütter sehe, urteile ich deutlich milder als noch zu kinderlosen Zeiten. Nun ja, eigentlich urteile ich in den meisten Fällen gar nicht mehr. Kunstvolle Kinderschwalben vor den Süßigkeiten, Gekreische beim Spielzeug, beißen oder schlagen nach der Mama, mütterliches Gemecker und Ausdrücke eigener Grenzerfahrung – ich kann es viel besser nachvollziehen. Überforderung würde ich es nicht nennen. Die Umwelt ist manchmal zu schwierig zu bewältigen. Daheim hat man vieles rasch zu Hand, hat seine Mechanismen, kann die Kinder einschätzen. Draußen sind die ganzen Eindrücke den Kindern oft zu viel, die Mütter selbst sind müde und hungrig (oder müssen mal – dem kann man ja auch unterwegs mit Kindern nicht nachgehen, zumindest mit Zwillingswagen komme ich auf kein öffentliches Örtchen), fühlen sich krank oder haben noch gefühlte 100 weitere Dinge auf der Agenda, weshalb das Reiten auf dem DM-Pferdchen gerade nicht so gut wäre – und da sie auch nur Menschen sind, sind sie eben nicht immer perfekt. So einfach ist das oft.

Alltagsästhetik – Ministrauß

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

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Ein schöner Ministrauß aus der Heimat. Minilama, der Blumenfreund und Empfänger der Sträußchens, und ich sind gleichermaßen entzückt.
Und nun noch was Tagesaktuelles:
In den letzten Tagen erreichte mich die Nachricht, dass eine Studienkollegin sich mit eigenem Label selbstständig gemacht hat. Wer also Freude an richtig schönem und gut gemachten Patchwork hat, sollte ruhig hier ein wenig stöbern. Viel Erfolg wünsche ich dir mit der Selbstständigkeit, Klara!