Attachment parenting: 5 kleine Lamas und das Familienbett

In meiner Internetblase ist überdurchschnittlich oft die Rede vom Familienbett, da es scheinbar ein unentbehrlicher Teil des Konzeptes attachment parenting ist, über das ich mich gern informiere.
Familienbett kann sein: eine Art Matratzenlager auf dem Boden, auf dem die gesamte Familie nächtigt, wobei den meisten Platz in der meisten Fällen der quer liegende und im Schlaf wild um sich tretende Nachwuchs einnimmt, der meistens zudem in der Mitte liegt. Das zu lesen finde ich immer witzig. Alle Kinder scheinen ein bisschen Riesenschlange und ein bisschen Krake im Blut zu haben.
Es kann aber auch eine Konstruktion aus 1, 40 m Elternbett mit Kinderbett sein, bei der das Kinderbettchen ans große Bett geschraubt wurde, sodass das Kind die Möglichkeit hat, jederzeit gefahrlos zu den Eltern zu krabbeln. Praktisch ist diese gerade beim nächtlichen Stillen, weil dann alle Beteiligten direkt nah beieinander liegen.
Aber auch über das Stillalter hinaus pflegen viele begeisterte Familien das Familienbett weiter, manche auch mit mehreren Kindern.

Und wir?
Für meine Neugeborenen habe ich Pendelwiege mit einer hochwertigen Matratze gekauft. Mittlerweile haben wir davon zwei, klar. Babybay kannte ich, das Konzept gefiel uns auch gut. Aber: Das Bett. das ich bei Bekannten gesehen hatte, ist echt teuer und sehr klein. Wir Eltern sind jedoch groß und erwartungsgemäß auch unsere Kinder. Das Bettchen hätte bei unseren drei Kindern kaum länger als drei Monate ausgereicht. Außerdem mag ich es nicht, wenn mein Bett am Rand so zugestellt ist. Wenn ich nachts aufstehen muss, macht mir eine Aufstehsperre am Bett nur Probleme, ein bisschen Panik im verschlafenen Zustand macht sie mir auch. Das kam also nicht infrage. Ein Stubenwagen auch nicht, weil das ganze Klimbim daran, also das Nestchen und der diese Gardine oben, das Kissen, die Decke usw.  ja gefährlich fürs Kind sein kann. Weniger ist ja mehr, wenn es ums Kinderbett geht.
Die Pendelwiege von Minilama haben wir damals auch als Tagesbettchen benutzt, weil wir in einer Wohnung ohne Treppen lebten.
Als Minilama nachts keine Milch mehr bekam (wir schlichen ab dem 8. Monat aus, da es zu dem Zeitpunkt drei Breimahlzeiten aß) wurde es Zeit, dass es in sein eigenes Zimmer umzog. Da es viel Ärger mit Zahnungproblemen hatte, bauten wir erst sein Jugendbett in unserem Zimmer auf, aber es mochte das nicht, Von jedem Drehen wurde es wach, es signalisierte deutlich, dass es Ruhe wollte. Seit es 10 Monate alt ist schläft es im eigenen Zimmer,
In unserem Bett war es als Baby immer für einzelne Schlafphasen (zwischen 2 Flaschen), wenn es keinen  Schlaf fand und känguruhen wollte. Dabei waren wir Eltern meist wach, legten es zurück ins Bettchen sobald es in der REM-Phase war.
Einige Wochen lang blieb das Jugendbett bei uns im Zimmer, dann bauten wir es wieder ab und stellten es ins Kinderzimmer. Seitdem schläft Minilama in seinem Zimmer. Wenn es nachts ruft, gehen wir hin oder es kommt zu uns. Wenn wir Eltern nachts wach sind, gehen wir rüber und gucken, dass alles ok ist. Als ich schwanger war z.B. war ich ja ohnehin viel wach, das ging also gut.
Minilama, das als Baby so schlecht geschlafen hatte, dass ich einmal deshalb beim Kinderarzt war, schläft seit sein Gebiss vollständig ist (haltet euch fest: das war mit 13 Monaten der Fall) sehr gut und tief.
Mit Minilama also kein Familienbett, da unser Kind es explizit nicht wünschte und auch wir gespürt haben, dass wir alle  von dieser nächtlichen Enge eher gestört sind  als beruhigt.
Mit den Minilamas läuft es ähnlich. Wir haben eine zweite Pendelwiege angeschafft. Jetzt hat jeder von uns jede Nacht ein  Baby bei sich. Bei Minilama haben wir immer die babyfreien (und damit weitgehend störungsfreien) Nächte genossen und Kraft getankt für die erneute Nachtwache. Das fällt mit Zwillingen leider aus, da ist man jede Nacht gefragt und das wenn man Pech hat, bis zu 12 Mal in der Zeit von 21 bis 4 Uhr.
Zu Beginn schliefen die Babies wie auch Minilama viel in diesen Wiegen. Nachts bekamen sie nach Bedarf ihre Fläschchen und wurden 2 mal gewickelt. Das erledigte immer einer pro Baby. Seit das erste Zähnchen durchgebrochen ist und seit die Kinder ihre drei Breie am Tag zu sich nehmen, haben wir stetig die nächtliche Trinkmenge reduziert. Das hat einen einfachen Grund: Die Kinder bekommen über Tag genug. Und ich habe keine Lust, nachts nach jedem Fläschchen die Zähne zu putzen. Und auf Nuckelkaries haben wir schon doppelt keine Lust. Daher trinken die beiden seit die 7,5 Monate alt sind nachts gar nichts mehr und werden auch weniger oft wach, da die nassen Windeln nicht mehr quälen.
Die Kinder sind mittlerweile so fix, dass sie sich am Bettchen hochziehen, sodass bald eine Änderung her muss. Die Wiegen sind nicht tief genug für diese Spielereien. Ich denke, sie ziehen in naher Zukunft dann auch in ihr Zimmer um. Eigentlich mag ich sie noch bei uns haben, damit man schnell reagieren kann, wenn sie wach werden, andererseits ist unser Zimmer für die zwei Kinderbettchen doch zu schmal, wenn man noch mal den Schrank öffnen will. Mal sehen wie es wird.
Das Etablieren des Familienbettes, also eines Matratzenlagers in unserem Fall, fällt auch hier wieder aus, wenngleich die Babylamas ganz gern bei uns nächtigen und auch relativ ruhig dabei schlafen. Warum? Minilama verlangt Gleichberechtigung und will dann zu Recht auch bei uns sein bzw. die Nacht durch spielen, Buch lesen und was erzählen.  Warum soll es alleine in seinem Zimmer sein müssen, wenn die Geschwister bei uns im Bett schmusen dürfen? Das kann ich ihm nicht einsehbar erklären.
Nach wie vor ist mein Erstgeborenes aber kein Familienbettmensch. Es braucht viel Ruhe und Platz zum Drehen.
Daher fange ich sowas nicht mit drei Kindern an. Alphalama muss arbeiten und ich demnächst ja auch wieder und obwohl wie so gut wie auf alles verzichten was uns Freude macht oder ein bisschen Luxus wäre im ersten Lebensjahr der Zwillinge – hier ist die Grenze: Ein paar Minuten Ruhe brauchen auch wir Supereltern, damit es dann spätestens um 5 Uhr wieder mit Programm und Essen, Zuneigung und Spiel weitergehen kann.
Und ich kann nach wie vor nicht entspannt schlafen, wenn die Zwerge bei mir liegen. Ich halte es ja für ein Gerücht, dass man sich im Schlaf nicht auf sein Kind rollt, so rein instinktiv, wie das manche Familienbettfreunde sagen.
Drei Kinder, alle unter drei schlafen bei uns alle drei in ihren Bettchen, wenn nicht grade Krankheit, Fieber, die bösen Zähne oder ein Alptraum den Schlaf nachhaltig stören und die Nähe der Eltern nötig machen.
Familienbett, Matratzenlager, xxl-Bett bei den fünf kleinen Lamas? Nach wie vor Fehlanzeige.

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