Haariges – Muttifrisur, Graues Haar und Haarpflege

Ich glaube ich habe mir noch nie in meinem Leben so viele Gedanken um meine Haare gemacht als im Moment. Nach den Schwangerschaften waren sie schon mal verstärkt Thema als sie mir büschelweise ausgingen.
Ansonsten bin ich immer zufrieden gewesen mit meinen braunen Locken. Und habe sie herrlich gedankenlos zusammengebunden getragen. Weil das ja so praktisch ist und man „mal schnell“ eine Frisur hat. Typisches Argument für lange Haare. Lange Haare haben bedeutet, sie jederzeit zusammenmachen zu können und doch jederzeit das Potential für eine Hochsteckfrisur zu haben. So ganz offen mag keiner in meiner Familie gern sehen, das ist doch zu flattrig. Und obwohl ich schon 12 Jahre ausgezogen bin, prägt mich das Ganze sehr,
Das ganze Scheinargument hat mich aber dennoch schon immer geärgert. Und wenn ich mal an was anderes gedacht habe, kam immer: Aber nur so kurz, dass du sie auch noch zusammenmachen kannst. Weil kurze Haare ja so viel Arbeit sind, und lange kann man immer schnell zusammenbinden.
Ich hatte als Kind mal eine richtige Kurzhaarfrisur. Meine Mutter machte für sich den Schritt und ich war dabei. Weil es praktischer und billiger ist. Es waren einfach andere Zeiten. Es war dilettantisch gemacht und sah doof aus. Nicht frech und witzig wie manche Kurzhaarschnitte bei frechen Mädchen aussehen. Auf meinen Kommunionbildern habe ich diese Frisur. An dem Tag, wo alle Mädchen sich hübsch machen, niedlich aussehen, sah ich aus wie ein verunglückter Junge. Ich war ohnehin größer als alle anderen, hatte schon Schuhgröße 39 und trug unaussprechliche Schuhe – die einzigen weißen Brautschuhe ohne Absatz eben.
Später durfte ich sie wieder wachsen lassen. Und sie waren immer etwas schulterlang und meist nach hinten gekämmt und fest zusammengebunden. Das war nicht praktisch, sondern zeitintensiv. Ich sah außerdem streng aus. Aber offen stört beim Lernen oder so. Waschen und föhnen dauerte eine Ewigkeit, und pflegen will man die Mähne ja auch. (Was nicht heißt, dass ich das gemacht habe, seit ich Kinder habe.)
Aber ich habe richtige Angst vor einem Muttihaarschnitt. Diesem praktischen Kurzhaarschnitt für praktische, blitzsaubere Muttertiere, denen die Weiblichkeit abhanden gekommen ist. Auch wenn ich eigentlich nichts von solchem Geschwätz halte und Weiblichkeit nicht über Haare definieren will. Aber ich habe Angst dass die Leute sagen könnte: Sie hat wenig Zeit, daher sind die Haare ab. Oder: Sie ist nur noch Mutter. Da ist keine Zeit für Haarpflege.
Auch wenn ich echt wenig Zeit habe. Aber das soll keiner an meinen Haaren ablesen dürfen. Haare ab wäre also eine Niederlage, das Eingeständnis, dass ich es nicht schaffe mit Haus, Job, Kindern und daher Abstriche machen muss. Und zwar nach außen gut sichtbar, an den Haaren. (Das ist ein bisschen so, wie Aldikleidung tragen als Mama während die Kinder nur Markensachen haben. Ich umgehe das Thema Geld und Kinderreichtum und kaufe gebrauchte Markensachen, von denen ich aus Studientagen noch weiß, dass sie mir passen,  für mich bei Kleinanzeigen.)
Und trotzdem sind sie seit ein paar Wochen ein bisschen ab. Ich konnte die Haare nicht mehr sehen, wie Spaghetti, ausgegangene Locken, zu hässlich zum offenlassen. Und von 2 Schwangerschaften (darunter die eine Superschwangerschaft) arg gebeutelt. Da hätte ich auch gleich Glatze tragen können, so fest wie ich sie nach hinten gekämmt hatte, weil ich nichts anderes hinbekam. An den Seiten kamen Strähnen wie bei Dagobert Duck, die nach dem Ausfallen nachwuchsen. Die standen quer ab, wenn ich einen Seitenscheitel machte und dann einen messy bun. Meine Oma ist fast ins Leid gefallen, als sie es gehört hat, dass die Schere an meinen Haaren geklappert hat. Ich glaube, sie meint aber sie wären kürzer als sie es tatsächlich sind.
Es ist ein kinnlanger Bob geworden. Das habe ich selbst nicht erwartet. Als ich in den Laden ging, schwankte ich noch zwischen Dread Locks, Pixie und Bob. Der Bob sieht hammermäßig gut aus. Hammermäßig. Vom Meister in einem Salon, der meine Haare vom jährlichen Besuch kennt, geschnitten. Und ein Zöpfchen geht noch, das ist gut fürs Schwimmbad, denn da gibt es so wenig Steckdosen für den Fön und Warten gehört nicht zu meinen Stärken.
Mehr Arbeit? Nein! Waschen dauert 2 Minuten, föhnen 5, durchrubbeln mit der Hand und ich sehe super aus. Jetzt stehe ich vor einer neuen Frage: Welche Farbe kommt ans Haar? Oder ergraue ich tatsächlich in Würde wie ich es immer wollte? In den letzten Jahren ging es stetig bergab mit der Haarfarbe. Ausbildungsstress und Kinderstress sind mir deutlich anzusehen. Und die 3 vorne auch. Erste Informationen zu Naturhaarfarben (sonst kommt eigentlich nichts in Frage) lassen im Moment die Prognose zu, dass ich Nummer 2 umsetzen werde. Auf Grünstichigkeit und ein versautes Bad und das Wiederholen alle 3 Wochen haben ich keine Lust. Bleibt zu hoffen, dass ich das Ergrauen würdevoll durchhalte.
Wer Erfahrungen mit dem Thema hat, gerne her damit!

Alltagsästhetik – Fensterschmuck, endlich

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

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Nachdem die Nähmaschine nun ganze zwei Monate in der Reparatur war, kam sie am Wochenende wieder ins Haus. Und da einiges liegen geblieben war, gab ich mich gleich an die Arbeit. Nach nur 2,5 Jahren im Haus sind schon die Gardinen fertig. Oder so. Aber schön sind sie in jedem Fall- die im Wohnzimmer noch mehr als die in der Küche, aber der Stoff war auch vier mal so teuer. Frau Tulpe, bei dir bestelle ich sehr, sehr gerne wieder.

 

„Ruhe bitte“ – Zwillingsmama oder Vom Schicksal, jederzeit einen gut gemeinten Kommentar oder Ratschlag zu benötigen

Wer Kinder hat, wird öffentlich. Diese These vertrete ich schon seit jeher. Kinder sind laut, verhalten sich unangepasst bis anarchisch, fallen auf. An manchen Orten mehr, an anderen weniger. Je nachdem, wie hoch die Kinderdichte an dem Ort ist, an dem man sich aufhält.
Öffentlich zu sein, mag ich nicht, insbesondere nicht, wenn ich nicht selbst Einfluss darauf nehmen kann, wie das abläuft. Ich habe in den letzten drei Jahren intuitiv jene Orte gemieden, die tendenziell kinderfrei sind, wenn ich mit meinem Nachwuchs unterwegs bin. Beispielsweise Restaurants oder Cafés oder auch Museen. Wer schon einmal in einem Restaurant saß mit weinendem Kind, an einem netten Tag, der hat gespürt, wie sehr er damit die anderen nervt. Und mich macht das nervös. Das Weinen des Kindes macht mich nervös, an sich schon. Kombiniert mit dem unangenehmen Gefühl anderen aufzufallen, deren kritisches Urteil über mich zu provozieren, werde ich noch nervöser. Krame ungeplant in der Tasche, bin langsamer und noch tapsiger als normal, verschütte auch mal gerne Flüssigkeiten, stoße etwas um. All das unter Gebrüll und Beobachtung. Das ist mir zu viel. Diese Minute, in der ich mich besinne, was das Kind braucht und es dann zusammensuche brauche ich für mich. Danach funktioniere ich wieder.
Ich wäre auch keine Mama gewesen, die in der Öffentlichkeit stillt. Das hätte ich nicht gekonnt. Ich wäre definitiv auf eine Toilette gegangen dazu. Emanzipation hin oder her. Aber ich hasse Aufmerksamkeit von Fremden – und ich zeige meine Brust nicht öffentlich. Niemals. Auch wenn es zum Füttern wäre.
Es gibt ja Mamas, die berichten, dass sie sich zum Gebären völlig entkleidet haben, dass es ihnen irgendwann gleich war, wer dabei ist und eventuell sieht, wie sie ganz nackt aussehen. Das habe ich mir nicht vorstellen können. Und es war bei mir auch nicht so. Ausnahmesituation hin oder her. Ich habe in jedem Moment der Geburt das Bedürfnis gehabt, meine Komfortzone gelassen zu bekommen. Insbesondere als der Arzt nach Minilamas Geburt totalen Stress machte, dass das Kind jetzt auf die nackte Brust gelegt werden muss und mir dabei helfen wollte, den BH auszuziehen, was dann darin endete, dass ich das Kind auf der Brust und den BH ans Kinn gequetscht hatte. Bequem ist anders, aber gesagt habe ich damals nichts – ich dachte aber auch, dass ich bald sterben muss.
Das ist eine andere Sache als an der Kasse bei Aldi, wo ich es mir zur Not auf verbal einfordere, dass Fremde sich in ihrer Ausräumwut derart zügeln, dass sie meinen Rücken/Hintern oder was auch sonst nicht anrempeln und berühren. Und es ist mir egal, ob diese Menschen dann komisch gucken. Zur Not erkläre ich es nochmal, dass ich nicht berührt werden will. Das mag ich nicht und das muss ich mir auch nicht gefallen lassen, nicht zufällig, nicht im Eifer des Gefechts.
Ich brauche einen relativ großen Radius an Bewegungsfreiheit und Ruhe. Mehr als der durchschnittliche Mensch. Nicht dass ich klaustrophobisch sei oder sonstwie pathologisch krank. Aber ich kenne mich sehr gut und weiß, was ich brauche, damit es mir gut geht. Das ist sehr befreiend, sage ich euch.
Mit Minilama war es einfach, diese Ruhe auch zu bekommen. Ein Kind im Wagen ist nicht sehr auffällig, auch wenn mein Minilama ein ausnehmend niedliches Baby war und heute ein anmutiges Kleinkind ist, das durch seine Art die Menschen bezaubert und ich daher oft auch mein Kind angesprochen werde. Alphalama und ich hatten nie den Anspruch unser altes Leben unter allen Umständen mit Kind weiterleben zu wollen, das Kind in Cafés, Restaurants, ins Kino, auf Konzerte o.ä. mitzuschleppen. Wir haben uns an die neue Lage angepasst.Das heißt: Essen und Kuchen zum Mitnehmen und Verzehren im Park oder auf einem Spielplatz, Videoabend zu Hause, Kirchbesuch von der letzten Bank aus oder auch getrennt im Wechsel.
Mit der Ankunft unserer Zwillinge ändere sich vieles. Nicht nur, dass wir auf einen Schlag drei Kinder unter drei Jahren im Haus hatten, die Stoffwindelberge von drei Kindern im Wäschekorb lagen oder dass wir alles seither im xxl-Gebinde kaufen müssen – nein. Zwillinge machen doppelt öffentlich. Ich schreibe ja öfters davon, wenn mir was Ausgefallenes widerfährt oder auch wie es ist, den stinknormalen Alltag alleine mit drei Kindern zu bewältigen, wenn sich die Welt scheinbar gegen einen verschworen hat: enge Bürgersteige, zugeparkte Bürgersteige oder zugeparkte Haustür, Treppen vor der Apotheke, Treppen auf dem Weg zum Kinderarzt, volles Wartezimmer und tropische Hitze beim Kinderarzt während man selbst die Winterjacke trägt, ein Kind auf dem Bauch hat, das andere auf dem Arm balanciert, Gaffer mit doofen Kommentaren, entleerte Autobatterie, wenn man alle drei in den Wagen gepackt hat, weil es so doll regnet und man nicht zu Fuß zur Kita oder zum Papa ins Krankenhaus kann und so weiter und so fort. Am liebsten passiert alles das, wenn ich kaum Zeitpuffer habe, ein Kind krank ist, alle Kinder schreien, ich mich krank fühle (ja, dazu erdreiste ich ich auch manchmal – aber ich leide still vor mich hin und gehe weder zum Arzt noch rede ich darüber) oder es regnet, aber sintflutmäßig, und die Babies am Regencover reißen, bis es einreißt und Minilama sich unter seinem Schirm herausdreht und mit der Jacke so unglücklich auf das tropfnasse Cover lehnt, sodass die Jacke und die Hose, (die Schuhe und Socken) davon schön durchsuppen.
Alles schon passiert. Auch eine Kinderwagenfahrt auf drei Rädern mit einem Platten mit allen Kindern an Bord und das 3 Kilometer lang haben wir schon gemacht. Das meiste ist machbar und geht irgendwie auch ohne Hilfe von anderen. Zwischen 7 und 18 Uhr bin ich wie die meisten anderen Mütter eben alleinerziehend, da hilft kein Jammern und kein Klagen. Eher im Gegenteil so meine Erfahrung: Je mehr ich mir leid tue, dass ich das alles alleine und ohne Unterstützung machen muss, desto schwerer fällt es mir. Da vertraue ich besser meinem inneren drill-coach, der wie beim Sport „kick, kick, kick“ schreit und nach dessen Rhythmus ich einen Fuß vor den anderen setze oder eine Aufgabe nach der anderen angehe. Schritt für Schritt kommt man eben ans Ziel. So wie damals als ich in 10 Semestern mein auf 10 Semester ausgerichtetes Studium abgeschlossen habe und auch mein Zweitstudium bis zur Scheinfreiheit durchgezogen habe. Mehrere neue Sprachen, haufenweise Prüfungen, Auslandsaufenthalt, Praktika, Bewerbungen, Nebenjob – alles Schritt für Schritt, nie alles auf einmal, sonst wird man ja verrückt.
An Fronleichnam war meine Mutter zu Besuch und begleitete mich zu Kirche, Prozession und anschließendem Pfarrfest mit Hüpfburg und co. Meine Kinder waren –  und das muss ich betonen – ausgesprochen brav. Die Babies schliefen und Minilama, das mittlerweile einiges an Kirchgangroutine hat, war auch altersentsprechend ruhig und lieb. Wir waren ganz  hinten – man kommt mit dem Doppelwagen auch in der Kirche nicht überall hin und außerdem (wichtig!) sollte an solchen Tagen der Mittelgang für die Sakramentsprozession frei bleiben. Unser Pastor hat mir explizit gedankt, dass kein riesiger Wagen da stand – denn er wäre schon fast über einen hellen Rollator gestolpert.
Später blieb Minilama bei mir und meine Mutter schob die schlafenden Babies durch die Stadt und über das Fest. Diese Aufteilung hat sich bewährt, da Minilama gern vorne dabei ist, um alles gut sehen zu können und ich die Babies gern im Hintergrund (und auch im Schatten) habe, damit sie schlafen können bzw. man rasch heimgehen kann, wenn das nötig werden sollte. Alleine mit allen dreien wird das schwierig, aber wenn ein weiterer Erwachsener dabei ist, klappt es meistens gut und Minilama muss nicht dauernd zurückstecken, weil es gleich zwei Geschwister hat. Meine Mutter ist zwar öfters  außerhalb der Wohnung unterwegs mit dem Doppelwagen, aber dann meistens an unbelebteren Orten,  damit die Kinder ausruhen und vielleicht einschlafen können. Aber das Fest war natürlich eine ganz andere Nummer. Und was sagt sie am Ende des Tages? „Ich kann dich verstehen! Es gibt ja kaum einen Menschen, der keinen Kommentar für mich übrig hatte, weil ich mit zwei Kindern unterwegs war. Und nach dem fünften war es dann auch genug.“
Und das ist das Problem! Alle meinen es gut. Aber es nervt nicht nur irgendwann, sondern man fühlt sich irgendwann auch einfach schlecht damit, so als wäre man nicht in der Lage seine Dinge selbst zu erledigen. Und als sei das derart offensichtlich, dass zahllose Fremde sich ein Herz nehmen würden und zum Wohle der Kinder eingreifen. Als sei man selbst wie ein Kind, dem man sagen muss, was es tun soll, weil es das selbst nicht hinbekommt. Und das kombiniert mit der Einsamkeit, die man in der Elternzeit manchmal verspürt, dem wenigen echten Austausch mit anderen Erwachsenen und den Selbstzweifeln, die man als Frau und Mutter offensichtlich ohnehin immer mit sich trägt, finde ich das eine recht explosive Mischung.
Sicher auch der Mann, der mir sagen wollte, dass die Musikkapelle ganz hinten in der Kirche steht, als ich ganz hinten in Kirche grade meine Jacke anziehen wollte, meinte es gut. Er meinte, die Kinder würden doch sicher wach, wenn die spielt. Sicher sehr gut gemeint. Aber mal ganz im Ernst? Sehe ich so aus, als wäre ich nicht in der Lage, die 50 Mann starke Kapelle zu sehen und das richtig einzuschätzen, wenn ich direkt dahinter (!) stehe? Was sollte ich denn machen? Die Kirche war ganz voll. Weiter vor ging es nicht. Ich muss also annehmen, er wollte mich bitten, wieder zu gehen, damit die Kinder nicht wach werden und brüllen. Um der Kinder willen, das nehme ich ihm auch ab. Aber sorry, aber obgleich ich Kinder habe, möchte ich doch den Fronleichnamsegen empfangen dürfen. Das ist ja was anderes als ein Ärztekonzert. Wenn wir ehrlich sind: Der Kommentar war sicher gut gemeint, aber völlig daneben, denn ich stand ja schon ganz ganz hinten in der Kirche, direkt neben der geöffneten Tür und zog meine Jacke an. War also bereit jederzeit zu gehen, wenn es den Kindern zu laut würde (was nicht der Fall war.) Ich bin also durchaus in der Lage, richtig einzuschätzen, was um mich herum geschieht. Warum man mit Zwillingen nicht einmal in Ruhe gelassen werden kann, werde ich nie verstehen.

„Wie wäre es mit einem Ravello Steinteppich für die Küche?“ – Wie wir einmal 1000 Euro aus dem Fenster warfen

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Tag 0, die Küche ist soweit raus, der hässliche Boden sieht seinen letzten Tag

 

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Ausgleichsmasse
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Am ersten Abend

 

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Am zweiten Abend
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Und mit Küche
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Und mit mehr Küche

 

Unsere Küche ist endlich gefliest. Endlich, endlich. Das hätte sie schon vor 2.5 Jahren sein sollen, nebenbei bemerkt. Und zwar als wir eingezogen sind. Aber anstatt dessen haben wir uns für einen Ravello Steinteppich entschieden. Das sind haufenweise kleine Marmorsteinchen, die mit Kleber vermengt auf den Boden gestrichen werden und dann aushärten. Sieht im Laden super aus. Und geht auch fixer als das Fliesen, bei dem man immer wieder Zeiten hat, in denen der Raum trocken muss und nicht betreten werden darf.
Als wir unser Haus kauften, ging alles sehr schnell. Sehen, kaufen, einziehen alles in 12 Wochen. Wir haben nur einen Monat lang unseren Kredit und die Wohnungsmiete parallel gezahlt. Der Preis war, nun ja, knapp 1000 Euro, etwas mehr als unsere Wohnungsmiete. Aber aus Schaden wird man ja klug oder so.
Der Ravello Steinteppich stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Er hatte bei Hornbach einige Wochen Lieferzeit, die kalkulierte ich ein und bestellte so, dass er dann passend ankommen würde. Er kam aber 12 Tage nach Bestellung und sollte ins neue Haus geliefert werden. Wo noch die Vorbesitzerin wohnte. Mein Versuch, mit der Firma direkt (die direkt verschickte) über dieses Thema ins Gespräch zu kommen gepaart mit der Tatsache, dass der Mann am Telefon sehr unverschämt war und mich sogar bedrohte („ja, das werden wir ja noch sehen.“) als ich darauf hinwies, das sich mich auf die Lieferzeitangaben ja auch verlassen können müsse und zwar grundsätzlich, führte dann dazu, dass ich 150 Euro Liefergebühren dafür aufwendete, dass die Steine zu meinen Schwiegereltern (70 Kilometer von hier) gebracht wurden und mein Schwiegervater die dann noch ein paar mal anfasste und in Etappen zu uns brachte (sind super schwer).
Als die Ravello Steine verlegt wurden fiel uns beim Öffnen der Klebermasse klebrig auf, dass 3 Pakete schon offen waren. Innen in der Schutzverpackung natürlich, von außen unsichtbar. Der Kleber war unbrauchbar. Aber wir hatten einen Teil der Masse schon angerührt und diese muss sofort verstrichen werden. Ein Nachliefern dauerte wohl einige Wochen so die noch immer unverschämten Leute bei der Ravello-Hotline. Also konnten wir auch 3 Säcke Ravello Steine nicht nutzen. Alles ging dünn und buckelig auf den Boden. Es war nicht richtig versiegelt, der Boden blieb total spitz und bohrte sich in den kommenden Jahren mehrmals in die Köpfe meiner Kinder, wenn diese dort hinplumsten. Putzen ließ es sich auch nicht, vielleicht mit einem Hochdruckreinger, aber nicht mit einem Aufnehmer. Daher standen wir dauerhaft in Schokoflecken, Suppenflecken und allem, was sich so festtritt in einer Küche, die viel genutzt wird von einer Frau, die nie gelernt hat, ordentlich zu kochen und der ständig was runterfällt. Die Kinder durften dort nicht krabbeln, da der Boden ein Kniemörder war. Von den Hosen gar nicht zu reden. Zu allem Überfluss lösten sich Ravello Steinchen am Rand, die meine Kinder und zwar alle drei sehr gern herauspulten und mit dem Mund erkundeten.
Wir kauften sogar Ravello Versiegelung nach, aber das Ergebnis blieb ungefähr gleich. Außer, dass der Boden nun in der Mitte stärker glänzte als am Rand. Es sah einfach scheiße aus, der mit Abstand teuerste Raum im Haus und der einzige, den wir komplett renoviert hatten, war völlig ruiniert. Wenn Besuch kam schämte ich mich ehrlich und wirklich.  2,5 Jahre lang. Aber endlich ist es geschafft.  Das hätten wir von Anfang an machen sollen. Aber damals war die Angst, dass Alphalamas Urlaub zuende sein könnte bevor die Küche aufgebaut ist dermaßen groß, dass die Notwendigkeit, eventuell Ausgleichsmasse zu verwenden und damit einen Tag zu verlieren das Thema Fliesen vom Tisch fegte. Jetzt, da ich mit zwei Krabblern daheim bin, ging es aber auch vier Tage lang ohne Küche – wir haben ja noch eine in der Einliegerwohnung, so ist es ja nicht. Und außerdem konnte ich das Elend nicht länger mit ansehen. Die Kinder lieben es in der Küche und ich habe sie allein heute schon drei Mal mit großer Freude geputzt (um den Grauschleier vom Fliesen abzulösen, nicht falsch verstehen.).

 

 

Pause

Alphalama und ich wollten immer Kinder. Wenn wir bis jetzt noch keine hätten, würden wir sicher alles tun, um endlich welche zu bekommen. Und zwar viele davon. Ich weiß nicht, ob ich mal davon erzählt habe, dass Alphalama und ich immer gesagt haben „hoffentlich wird das dritte ein Zwilling.“ Zwillinge wollten wir ja immer schon und wenn das dritte ein Zwilling ist, dann hat man direkt einen ganzen Haufen kleiner süßer Schätze im Wohnturm.
Dass wir beiden Witzbolde dann überhaupt Zwillinge bekommen haben ist der größte Kracher überhaupt und ich kann es noch immer nicht so richtig fassen, was wir für ein Glück haben. Unsere Kinder sind ja auch (genau wie die Kinder aller anderen in deren Augen) die klügsten und die besten und haben die stahlendste Zukunft von allen vor sich. Oder sowas. Nun ja, ich sehe das alles eher pragmatisch und weiß auch, dass alle Eltern ihre Brut für die Beste halten und es allen gut tut, realistisch an die Sache heranzugehen. Ohne Ironie gesagt: Unsere drei haben alle ihr Talent, beim Mini schon an deutlichsten ausgeprägt, sind interessiert und wissbegierig und können, bei guter Förderung, sicher was aus ihrem Leben machen.
Und wir Eltern? Was tun wir eigentlich noch, wenn wir nicht waschen, kochen, füttern, Geld für die Kinder und das Haus verdienen, spielen, fördern, zu Hobbies bringen, uns die Nächte um die Ohren schlagen?
Im Moment ehrlich gesagt eher wenig. Manchmal lese ich einen Frauenroman aus der örtlichen KöB, das ist dann schon eine gute Woche. Wenn ich schwimmen gehe, kann ich manchmal kurz noch in die Stadt gegen, um ein Fachbuch leihen. Ob ich es dann auch durcharbeiten kann, ist was anderes. Manchmal fahre ich aber auch auf dem Weg aus der Stadt noch alleine in den Aldi (oder einen anderen Laden) und mache mir den Kofferraum voll  – Vorräte anlegen. Einmal habe ich auch ausgiebig mit einer Freundin telefoniert bis Minilama auf dem Spielplatz meine volle Aufmerksamkeit brauchte. Zurückrufen will ich seit mehreren Monaten schon. Ich war dieses Jahr auch schon ein Mal für 35 Minuten alleine walken als meine Mutter auf die Kinder geachtet hat. Zurück daheim warteten dann die leeren Brotdosen auf mich.
Alphalama wollte schon längst nochmal Bier brauen und von einem interessanten Konzert hat er auch gehört. Aber er hat Star Wars im Kino gesehen, sogar eine der ersten Vorstellungen. Und ich glaube das war es auch schon fast.
Unser Leben pausiert gerade. Da hat jemand die Pausetaste gedrückt, nur dass die Zeit weiterläuft. Interessen, Hobbies, etwas freie Zeit in der nicht gebrüllt oder wir zum Vorlesen aufgefordert werden, können wir gerade nicht haben.

Ich weiß nicht, wie andere das machen, aber mir fehlt mein Leben sehr. Auch wenn meine Kinder so cool sind und ich sie echt gut leiden kann. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich bin gerne für meine Herde da, sehr gerne. Sonst würde ich die ganze Arbeit auch sicher nicht machen können und wäre nicht in der Lage mich selbst derart zu vergessen. Aber trotzdem: Seit wir drei Kinder haben, ist es so viel enger mit der Zeit als zuvor. Da braucht man abends alle vorhandenen Erwachsenen und da ist man auch richtig müde um 21 Uhr. Da der Tag ja schon um 5 Uhr angefangen hat und es kaum nennenswerte Pausen gab.
Manchmal erzählen wir uns noch von unseren Träumen, davon, was wir gern machen würden. Träumen macht ja Spaß. Aber ganz oft macht es mich auch traurig, dass so viel gerade unmöglich ist. Andere Eltern sagen, dass es besser wird. Ich warte ab.