Leben mit drei Kindern unter drei Jahren – Rückblick auf 5 Monate Unterstützung durch Wellcome

Vielleicht hat die eine oder andere schon mal was von Wellcome gehört, ein karitatives Angebot moderner Nachbarschaftshilfe für junge Familien. Als ich mit den Zwillingen schwanger war, kam mir das wieder ins Gedächtnis; ich weiß allerdings nicht mehr, wo ich zuerst davon erfahren habe. Mag sein im Netz davon gelesen, mag aber auch sein, dass ich dienstlich davon gehört habe.
Jedenfalls habe ich von dem Angebot zeitweise Gebrauch gemacht und möchte, quasi als Abschluss dieser Zeit meine Erfahrungen damit teilen. Es ist also weder Werbung noch vernichtende Kritik, weder gekauft noch sonst was, sondern meine Erfahrungen damit, da ich als ich selbst gesucht habe, nur wenig finden konnte.
Ich war als ich schwanger mit den Babies war sehr aufgeregt und unsicher, ob ich insbesondere kurz nach der Entbindung in der Lage sein würde,  meine Kinder und Familie zu versorgen, dem Haus und den Haushalt vorzustehen, Einkäufe usw. zu erledigen. Unsere Eltern leben nicht um die Ecke, haben alle knapp eine Stunde Fahrzeit bis zu uns und sind vollzeit berufstätig. Wenngleich wir hier integriert sind, habe ich kein voll ausgebautes Hilfsnetz zur Verfügung, keine Freundin, die ich anrufen kann, damit sie mir Gekochtes bringt oder Wäsche bügelt. Das geht einigen anderen Familien, die ich kenne ähnlich. Viele haben Verwandschaft in der Nähe, Opas im Ruhestand, quirlige Omas, die helfen wollen und können und deren Hilfe sie annehmen. Einige, wie wir, sind zugezogen und bisher immer gut so zurecht gekommen. Und wenn die Konstellation neues Familienmitglied plus ein Erwachsener fällt eventuell und unbestimmt lange für einiges aus, eintritt, dann muss unbedingt ein Notfallplan geschmiedet werden.
Ein Teil unseres – erst nach der Geburt angedachten Nofallplans – war eine Haushaltshilfe, die anteilig von der Krankenkasse gezahlt wurde (kein Geschenk, das muss man sich klarmachen, wenn man den Antrag stellt), die mir von der 3. bis 8 . Lebenswoche der Kinder viel geholfen hat. Darüber hinaus kommt meine Mutter regelmäßig zu Besuch, guckt auf die Babies und ermöglicht es mir damit, schwimmen zu fahren.
Wellcome als zusätzliche Unterstützung hatte ich schon früh in der Schwangerschaft in den Blick genommen, erst jedoch als ich erfuhr, dass wir Zwillinge erwarten. Hätte ich einen Einling bekommen, wäre das für mich nicht in Frage gekommen, da ich nicht den Eindruck hatte, dass ich die Hilfe wirklich brauche und dass andere sie dringender brauchen. Das ist aber eine subjektive Einschätzung.
Ich habe ungefähr im Februar (ein halbes Jahr vor dem ET) erstmals Kontakt aufgenommen, meine Lage geschildert und um Hilfe gebeten. Ein erstes Telefonat mit der Koordinatorin fand im März statt. Wir verabredeten uns wieder für den Sommer. Letztlich wollte die Koordinatorin dann 2 Wochen vor dem ET mit der angedachten Ehrenamtlichen zum Hausbesuch kommen, um alles final abzusprechen.
Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, denke ich, dass die meisten meiner Bekannten das Vorgehen gut gefunden hätten. Die allermeisten sind bis kurz vor Termin noch mit dem Auto unterwegs, gehen mit den Großen zum Kinderturnen, zum Kinderarzt, holen und bringen in die Kita – kurzum sind aktiv bis kurz vor der Geburt und auch dankbar um Ablenkung. Wenn man dem Plan der Koordinatorin dann gefolgt wäre, hätte man eine Begleitung ab Geburt bzw. nach deren Urlaub gehabt, Nummern ausgetauscht und sich direkt im Krankenhaus per Mail verabreden können.
Da jedoch meine Babies 2 Wochen vor ET eingeleitet wurden und ich zuvor 6 Wochen wegen drohender Frühgeburt aufgrund von frühzeitiger Wehentätigkeit zuhause gelegen habe, kam das Treffen so nicht zustande. Zudem habe ich mich in beiden Schwangerschaften eher zurückgezogen und ruhebedürftig erlebt und gerade die letzten Wochen wollte ich nur einige wenige ausgewählte Menschen um mich haben.
Daher hatte ich direkt nach der Entbindung keine Ansprechpartnerin, die mit den Kindern hätte 2 Stunden im Wagen ausfahren können während ich ein wenig geruht hätte. Das fand ich, hormongeplagt wie ich da war, sehr schade. Da ich ein halbes Jahr vor der Geburt angefragt hatte, fand ich die Tatsache, dass ich niemanden hatte darüber hinaus sehr ärgerlich. Kann man sicher verstehen: Ich wollte mich gut vorbereiten und mir die Hilfe holen, die ich brauchte, aber ein starres System hatte dazu geführt, dass ich außer einem Haufen verlorener Zeit nichts vorzuweisen hatte.
Kurz nach der Geburt rief ich erneut an. Da die Babies jedoch im Hochsommer geboren sind, war erst einmal Ferienzeit und ich erreichte länger niemanden. Ich kürze ab: Letztlich bekam ich eine Ehrenamtliche zugeteilt, da waren die Kinder knapp 4 Monate alt.
Man muss wissen: Wellcome bietet keine Hilfe im Haushalt an, sondern entlastet die Eltern in Bezug auf die Kinder, geht spazieren, spielt mit den Kindern und mit den großen Geschwistern, holt und bringt in die Kita, begleitet zum Arzt oder Physiotherapeuten – je nach Bedürfnislage.
Ein Leitspruch ist „2-3 Stunden, 2-3 Mal in der Woche, für 2-3 Monate.“
Umgesetzt wird natürlich das, was vor Ort möglich und benötigt wird, das kommt dann auf die Absprachen an. Wir hatten ein Mal in der Woche für 2 Stunden vereinbart, das passte beiden Seiten. Die Ehrenamtliche, die uns betreute, hat schon sehr viel Erfahrung und begleitet schon viele Familien. Anfangs erzählte sie mir (natürlich anonymisiert, klar), was sie für Familien tut, wie ihr Einsatz konkret aussehen kann. Und auch, dass sie mit den Familien noch engen Kontakt hat, quasi „zur Familie gehört“. Das Konzept ist wirklich klasse und ich finde das Engagement der Ehrenamtlichen prima.
Für mich war das Angebot letztlich dennoch nicht das Richtige, das sage ich ganz ehrlich. Ich habe immer mehr gespürt, dass die Kinder gar nicht das „Problem“ sind, von dem man mich entlasten muss. Was ich gebraucht hätte, wären emsige Hände, die die Spülmaschine ausräumen oder die Waschmaschine befüllen und einen Topf Suppe mitbringen. Diese Kleinigkeiten im Haushalt, die einen um den Verstand bringen, wenn man ganz kleine Kinder hat.
Ich bin nicht die typische „Kundin“ von Wellcome, bestätigte auch meine Ehrenamtliche. Insofern sollte man sich vorher gut überlegen, ob sich der Aufwand mit Kontaktaufnahme und Kennenlernen lohnt.
Es gibt natürlich auch Kurzzeitbetreuung, wie z.B. für die Eingewöhnung des großen Kindes in die Kita, aber eigentlich ist das Konzept, so wie ich es kennengelernt habe, für länger ausgerichtet. Auch länger als der Leitsatz sagt. Meine Ehrenamtliche betreut im Moment 2 Jahre alte Zwillinge weiter, quasi als Ersatzoma, holt aus der Kita ab, macht bettfertig bis die Eltern kommen. Das jedoch liegt außerhalb dessen, das Alphalama und ich für unsere Familie wollen und brauchen. Da war zudem mein kleiner Bedarf nach 2 Stunden Ruhe in der Woche zum Duschen und Haare waschen und im Frühling zum Nordic Walken an der Mosel nicht das, was sie sich vorgestellt hat. Zumal die Babies mittlerweile in der Zeit, in der sie immer kam, eine aktive Wachphase haben und ich häufiger abgesagt hatte, da spazieren gehen mit wachen Babies, die quengeln, weil sie krabbeln wollen, keinen Spaß macht. Und meine Kinder können echte Sirenen sein.
Und an diesem Punkt ging es bei mir nicht weiter – hatte ich aber schon befürchtet und auch angesprochen: Mehr als Spazierengehen konnte ich mir nicht vorstellen. Also z.B. daheim mit den Kindern spielen während ich was erledige oder sogar unterwegs bin, ist für mich nicht denkbar. Von Anfang an nicht. Schon bei Minilama nicht. Dabei bin ich nicht besonders gluckig, ich glaube sogar, noch nicht mal besonders mütterlich vom Typ her. Den Kindern tschüss sagen und 2 Stunden schwimmen fahren ist völlig ok für mich – wenn – und das ist der Punkt – meine Mutter oder Alphalama bei den Kindern sind. Anderen vertraue ich nicht genug. Das ist keine Unterstellung oder kein böser Wille. Aber da ich die Mutter bin und die Sorge für die Kinder trage, nehme ich mir die Freiheit heraus, meine Regeln aufzustellen.
Daher habe ich meine Wellcome-Betreuung nach knapp 5 Monaten (wirklich ein ungefährer Wert) wieder aufgehört, also auslaufen lassen. Für mich stimmig und in Ordnung. Die freie Zeit, die ich hatte, habe ich genossen und neue Kraft gesammelt für die Zeit mit den Kindern. Also kann ich das Konzept grundsätzlich weiterempfehlen. Man muss nur bedenken: Nichts ist umsonst auf der Welt, auch diese Dienstleistung kostet einen kleinen Beitrag. Bei uns 5 Euro in der Stunde. Das muss man sich ausrechnen, ob man das, wenn  man das Maximum ausschöpft,  9 Stunden in der Woche finanzieren kann, gerade da das Elterngeld ja einen ziemlichen finanziellen Einschnitt in der Familienkasse darstellt.

Was ich leider nicht so ganz weiß – und was mir daher noch nachhängt – ist, ob es für die Ehrenamtliche so ok gewesen ist. Bei Auswertungsgespräch meinte sie, wir seien die ersten gewesen, mit denen es nicht geklappt habe. Ich hingegen, bin, zumal ich von der Koordinatorin den Leitsatz vorgestellt bekam, der Meinung, dass auch die Form und Dauer der Betreuung, die wir hatten, in Ordnung und im Sinne von Wellcome war. Insofern hat das Ganze jetzt einen bitteren Nachgeschmack bekommen, was mich neben der Tatsache, dass ich es schade finde, dass sie Ehrenamtliche nicht bekommen hat, was sie vom Ehrenamt erwartet hat, auch – und das merke ich je länger ich darüber nachdenke – , immer mehr ärgert, weil ich mit meiner Familie nicht das Objekt der Erwartungen einer Ehrenamtlichen sein möchte. Mein Ehrenamtsverständnis ist da anders, eher diakonisch-dienend.
Ihr merkt also: bitter-süß bei uns, leider, aber auch dem geschuldet, was ich mir für meine Kinder vorstellen konnte. Aber in jedem Fall ist Wellcome einen Versuch wert, wenn man kein dichtes Unterstützungsnetz hat. Wenn ich den Erfahrungsberichten im Netz glauben will, kommt es stark auf die Ehrenamtliche an, wie das Verhältnis abläuft.

 

 

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