Babylamas‘ Geburtsbericht – Natürliche Zwillingsgeburt nach Einleitung

Eine spontane Zwillingsgeburt ist etwas Besonderes und auch etwas Außergewöhnliches, das das Kreißsaalteam nicht täglich erlebt. Und daher waren sie angesichts des guten Befundes unserer Zwillinge direkt dafür, eine natürliche Geburt zu versuchen. Ich selbst hatte am Anfang ziemliche Angst und war eigentlich auch von einem geplanten Kaiserschnitt ausgegangen. Aber das wollte niemand zu meiner Verwunderung, denn ich hatte der Klinik immer unterstellt, schnell mit dem Messer zu sein. Und ich war irgendwann auch überzeugt, dass es klappen würde. Ich wollte nur so kurz wie möglich ausfallen und auf eine entstellende Narbe hatte ich auch keine Lust, wenn es vermeidbar war.
Die Babylamas lagen seit der 25. SSW nahezu perfekt in Schädellage und blieben auch so. Das CTG war immer ok.
Auch als es noch nach einer Frühgeburt aussah, war der Oberarzt, mit dem ich ein Vorgespräch zur Anmeldung in der Klinik hatte, zu 100 % davon überzeugt, dass eine natürliche Geburt stattfinden würde. Ohnehin war er im Gegensatz zu mir total entspannt, dass die Kinder auch in der 32. Woche geboren; top fit sein würden. Er hat einfach schon mehr gesehen als ich. Und er hat ja auch Recht behalten. Im Endeffekt war alles total entspannt.
Nach einigen Wochen, in denen ich sehr besorgt war, dass die Kinder früher kommen würden, kam ich um die 38. SSW (also 37+0) zum Frauenarzt, der wie jede Woche erstaunt war, mich wieder mit Bauch zu sehen. Dieses Mal sagte er: „Sie sollten in dieser Woche versuchen zu entbinden. Sind die Kinder bei 38+0 noch im Bauch, fahren Sie bitte in die Klinik zur Einleitung.“ Er rief dort an, klärte wieder einmal alles für mich ab, machte einen Termin für 9.00 Uhr am kommenden Montag.
Ich versuchte mit Fensterputzen und Treppensteigen die Kinder zu animieren; es gelang nicht. Also ging es zur Einleitung. Meine Lust dazu war gering, auch wenn ich die Situation an sich skurril-witzig fand. Von der Frühgeburt ohne Umwege zur geplanten Einleitung, schon schräg.
Am ersten Tag versuchten die Ärzte, mit einem Wehencocktail die Wehen auf natürliche Weise in Gang zu bringen. Angesichts des Befundes dachten sie, der kleine Schubser würde ausreichen und die Geburt ginge rasch los. Leider passierte erst einmal nichts.
Am nächsten Morgen war alles nahezu unverändert und der Oberarzt schlug vor, einen Schritt weiter zu gehen und bot mir dazu den Wehentropf an. Er meinte, der sei besser zu kontrollieren als Wehengel. Das klang vernünftig und ich stimmte zu. Den Zugang hatte ich schon seit einem Tag übrigens, auf der Mitte des rechten Unterarms. Absolut nicht störend, kaum zu merken.
Die Hebamme bot mir ein Hemdchen an, schaltete den Wärmestrahler ein, legte Babykleidung raus, U-hefte, das Stempelkissen für die Füßchen. Sie ging davon aus, dass die Kinder vor Mittag geboren wären. Ich war erstaunt, wirklich. Ich dachte nicht, dass es bald losginge. ich war ruhig, dachte an alles Mögliche, nur nicht ans Entbinden. Die Pumpinfusion infundierte fröhlich das Oxytocin in die Vene, völlig schmerzfrei. Das CTG zeigte schöne Wehen, ich merkte so gut wie nichts. Ich konnte normal reden, alles wie immer. Gegen Mittag bekam ich Mittagessen und meine Füße wurden vom Rumsitzen dick. Liegen konnte ich nicht, das war einfach zu unbequem. Und ich wollte es nach der Erfahrung bei Minilama auch nicht. Nach 6 Stunden Infusion zeigte sich keine Veränderung am Muttermund. Ich war genervt. Ich durfte mich wieder anziehen. Draußen stand mein Bett, ich konnte also nicht mehr aufs Zimmer. Ich war genervter. Ich sollte etwas gehen. Eine Stunde lang, dann wiederkommen.
Wir trafen mehrere meiner Kolleginnen auf den Fluren, plauderten, eine versprach nach der Entbindung vorbeizukommen und die Kinder zu segnen. ich freute mich schon drauf.
Als wir zurückkamen, wurde ich in einen anderen Kreisssal gebracht, den größten, den mit der Wanne. Oder auch: Den, den ich schon vollgespuckt hatte, zwei Wochen zuvor. Der ist blau gestrichen und echt angenehm.
Kaum dass ich begriffen hatte, was los war, hatte der Oberarzt schon die untere Blase geöffnet. Fand ich doof, ich hätte gern gewusst, dass er das jetzt macht,. Die Hebamme fand das auch doof (das wie, nicht das dass), der Arzt ging, ließ die Hebamme und uns allein zurück. Ich fing an, mit ihr zu plaudern. Berichtete von meiner ersten Geburt, davon, dass ich so allein gewesen war und fragte, ob sie bei mir bleiben und deutliche Ansagen machen könne, was ich machen soll. Sie bejahte, versprach und hielt Wort: Sie  blieb bis zum Schluss (mit einer Pinkelpause) bei uns.
Da die Blase offen war, geriet ich unter Stress. Wie lange hatte ich bis das Infektionsrisiko stieg? Ich fragte nach, ob ich Zeitdruck habe, wie lange ich Zeit hätte. Sie war entspannt und sagte, alles sei ok, sie sei bis 21 Uhr da (es war 4) und dass ich mir Zeit lassen solle. Von da an lief alles perfekt ab. Wenn immer ich irgendeine Sorge hatte, fragte ich, bat um Untersuchungen, Hilfestellungen, Positionswechsel. Sie stellte mir das Kreißbett auf wie einen Sessel, ich saß aufrecht und fühlte mich echt wohl.
Der Wehentropf lief weiter, in ordentlicher Stärke. Die Wehen stiegen langsam an, ich merkte sie auch immer deutlicher. Erst plauderten wir noch über Gott und die Welt, später ging das nicht mehr. Sie ließ mich dann bei mir ankommen, gab nichts vor. Irgendwann musste ich zur Toilette, ich wäre auch ohne Hose über den Flur gegangen, es war mir egal; aber sie half mir in die Hose, das müsse schon noch drin sein. Fand ich super. Ich blieb danach stehen und sie machte mir ein Handtuchröckchen. Fand ich auch super. Über der Wanne gibt es ein Tuch, an dem hielt ich mich gut fest und versuchte, dem ersten Kind beim Herabrutschen ins Becken zu helfen. Zwischendurch musste ich mich an der Wanne festhalten. Alles war für meine Bedürfnisse ziemlich ideal.
Irgendwann konnte ich nicht mehr, wollte nicht mehr.,Alles tat weh, das Kind kam nicht. Ich war fertig. Sie schlug einen Positionswechsel vor. Ich legte mich seitlich aufs Kreißbett. Alles war vorbereitet, das Kind konnte kommen. Aber es kam nicht. Ich strengte mich echt an; nichts passierte. Der Arzt guckte kurz in den Kreißsaal, die Hebamme schüttelte de Kopf, ging kurz raus. Ich hätte heulen können. Schon wieder Probleme auf den letzten Metern, das ärgerte mich. Die Hebamme fand den richtigen Ton. Ob ich denn bereit sei, die Kinder loszulassen. Schließlich hatte ich ja so gekämpft, dass sie sicher im Bauch bleiben konnten, bis hin zur völligen Selbstaufgabe hatte ich wochenlang im Sommerwetter auf unserer zu kurzen Zweisitzercouch gelegen, und gehofft, dass alles gut ginge. Auf jede Frage Minilamas, ob ich mit irgendwohin käme sagte ich tapfer „nein“ verabschiedete meine Lieben und weinte dann kurz allein. Sie bot mir an, mir etwas zu geben, das mir beim Loslassen helfen sollte. Ich ging davon aus, dass sie mir Placebowasser brächte. Ich sagte dennoch „ja“. Und mir kamen kurz die Tränen. Ich begriff, wie schwer es mir fiel nun von der Schwangerschaft Abschied zu nehmen, da ich überhaupt noch nicht an dem Punkt angekommen war, dass ich genervt war und wollte, dass die Kinder jetzt kommen. Ich war noch an dem Punkt, an dem man Angst vor der Neo hat und alles tun würde, um das zu vermeiden.  Nur so kann ich auch die 6 Stunden Wehentropf so weggesteckt haben. Nicht einmal habe ich das Gesicht verzogen. Wirklich: Ich hatte keine Schmerzen.
Ich konnte aber irgendwie doch Loslassen, da ich ja verstand, dass es jetzt so weit war und wenn ich nicht von mir aus loslassen würde, ein anderer notgedrungen das Messer wetzen müsste.
Als die Hebamme mit dem Wasser wiederkam, war es auch schon fast geschafft. Das hört man ja oft: Zwischen Ich-kann-nicht-mehr und Ich-weine-still-in -mich-hinein und Hallo-Baby stehen nur ein paar Minuten.
Sie wurde deutlich, genauso wie ich es brauchte. Und ich verstand, was zu machen war – was ich bei Minilama nicht begriffen hatte.
2 Presswehen und der Kopf war da. Pause. Noch eine und Baby 1 war geboren. Kein lautes Rumgebrülle wie beim letzten Mal, keine Panik, kein Hyperventilieren, sondern ganz konzentrierte Arbeit. In der Zwischenzeit waren ein Kinderarzt, der Chefarzt und 2 weitere Ärzte dazugekommen und ein fahrbares Ultraschallgerät.
Baby 1 ging direkt zum Kinderarzt, Alphalama ging mit. Es waren auch nur 2 Schritte, an der Wand lag alles auf einem Tisch bereit. Ich sah kurz, wie das Kind versorgt wurde. Das Kind selbst hatte ich nicht gesehen, war wohl zu beschäftigt gewesen, dann war es schon weg gewesen. Ich hörte es schreien und da Alphalama dabei war, war ich beruhigt. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass Baby 1 ziemlich blau auf die Welt kam, aber innerhalb von 5 Sekunden rosig wurde und schrie. Entsprechend war der Apgartest hier auch 9/10/10 gewesen. War also gut, dass ich nichts mitbekommen hatte.
Der Arzt machte mir klar, dass ich jetzt erst das zweite Kind entbinden müsse, dann erst ginge es ans Knuddeln. War aber nicht nötig gewesen, ich war sehr fokussiert in dem Moment. Er öffnete die zweite Blase und 5 Minuten später war Baby 2 auf der Welt. Das ging völlig problemlos. 2 Minuten später kam dann die Plazenta, zum Glück vollständig.
Und leider lief wieder das Blut, kräftiger als bei Minilama. Mehr als 1,5 Liter meinten die Ärzte später. Daher bekam ich in den folgenden Tagen Eiseninfusionen und wurde mit wieder leicht steigendem, aber eigentlich unterirdischem HB-Wert entlassen.
2 junge Ärztinnen versorgten mich, die Hebamme war auch dabei.  Am Tropf wurde etwas neu eingestellt, die beiden suchten die Stelle, die gerissen war, redeten mit mir, erklärten, dass sie die Stelle noch nicht gefunden hätten, dass ich alles super mache, dass sie davon ausgingen, dass es wieder eine innere Verletzung sei.  Als sie sie endlich hatten, sagten sie, es sei wieder der Zervix, dass sie ihn schon halb zu hätten und das es gleich geschafft sei.
Ich hatte Baby 2 (glaube ich) auf dem Arm und knuddelte es ausgiebig, auch um mich von den Schmerzen abzulenken, musste es zwischendurch leider abgeben. Ich weiß noch, wie mir das Kissen doof an den Rücken rutschte und ich den Kopf so schlecht abstützen konnte, wie mir schwindlig wurde und ich um irgendwas Medizinisches bat. Wie der Tropf dann nicht mehr gut lief, wie die eine Ärztin mich am anderen Arm zwei Mal stach, beim ersten Mal erfolglos, weil der Blutdruck so schlecht war, bei zweiten Mal dann gut, weil ich mich drüber aufregte, dass gepikst wurde, wie sie mir sagte, sie bräuchte aber unbedingt einen funktionierenden Zugang für mich. Wie die Hebamme dann zum Glück sagte, der Zugang rechts sei wieder intakt, es liefe wieder. Wie ich erleichtert auflachte und es wieder aufwärts ging und die Ärztin die beiden neuen Stiche so lange drückte, bis es nicht mehr blutete und ansonsten in Ruhe ließ. Zwischenzeitlich hatten sie mir einiges an Medikamenten gegeben, der Servierwagen voller medizinischer Dinge, der für mich vorbereitet war, war leer geräubert, es ging mir wirklich besser. Ich bekam noch mal was zu trinken, es war ja auch knapp 40 Grad draußen.
Keine 5 Minuten später war die Wunde komplett geschlossen. Ich bekam beide Kinder, Fläschchen für die Kinder und guckte sie mir in Ruhe an. Dieses Mal hatte ich keine Angst um mein Leben gehabt, ich hatte den Umstehenden vertraut. Als alles genäht war, war ich einfach nur glücklich und froh mit mir und den Kindern im Reinen.
Ich zog aufs Krankenhausbett um mit ganz viel Hilfe der Hebamme und Alphalma und blieb zur Beobachtung noch 2 Stunden unten, damit ausgeschlossen werden konnte, dass es nachblutete. Das hat es nicht und wir konnten hoch fahren. Ich war richtig müde. Eine andere Hebamme brachte uns hoch. Es war schon nach 9 Uhr geworden. Alphalama durfte die Nacht über bei uns bleiben. Ich bekam noch die Abstilltablette mit dem Hinweis bitte liegen zu bleiben, da sie wohl den Kreislauf angreift. Das tat ich natürlich auch. Ich schmuste noch eines der Babies, Alphalama das andere und schlief dann zufrieden ein für ein paar Stunden.

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