Minilamas Geburtsbericht – Natürliche Geburt nach Blasensprung, leider nicht sehr selbstbestimmt

In meinem letzten Post habe ich  über meine beiden Schwangerschaften berichtet, heute kommt Minilamas Geburtsbericht in einer ausführlicheren Version. Minilama ist am Termin spontan nach Blasensprung geboren. Trotz intensiven Bemühens konnte ich es nicht stillen und stellte bald auf Flaschennahrung um. Zu meiner enttäuschenden Stillgeschichte findet ihr hier mehr.
Es ist kein 1:1 Bericht, dafür ist es auch schon zu lange her, sondern mehr ein Einblick in meine Gefühlswelt während und nach der Geburt. Sehr blutig wird es auch nicht. Ein bisschen aber schon. Ich schreie nämlich gerne „hier“, wenn es um lebensbedrohliche Geburtsverletzungen geht…

12 Stunden nachdem ich vom Frauenarzt zurückgekommen und eine Zeichenblutung gesehen hatte, sprang meine Fruchtblase. Irgendwie war ich überrascht, dass es losging. Wochenlang hatte ich damit gerechnet, jetzt war ich in dem Zustand „schwanger“ derart angekommen, dass ich mit einem Ende nicht mehr wirklich rechnete.
Als ich Blutschlieren zwischen dem Fruchtwasser sah, hatte ich nur noch Panik. Ich war von allem ausgegangen, aber nicht von einem Blasensprung. Ich weiß selbst nicht, warum. Und dass Blut dabei sein könnte, war mir auch unklar gewesen. Ich wusste, dass das Kind gut lag und ich sitzend transportiert werden konnte. Eigentlich wollten wir noch ein paar Stunden mit dem Losfahren warten, da ich keine Wehen hatte. Aber das Adrenalin war derart weit oben, dass wir um 0.45 schon überstürzt aufbrachen; Alphalamas Rasierzeug und Wechselkleidung, seine Hygieneartikel vergaßen (und das obwohl er mit ins Familienzimmer kam). Ich hatte solche Angst, dass dieses Blut etwas Schlimmes bedeuten könnte, dass ich regelrecht vergaß mich aufs Kind zu freuen. Diese Haltung hat sich durch die Entbindung leider durchgezogen. Als wir in der Klinik ankamen wurden wir nett aufgenommen, Untersuchungen folgten CTG und der Zugang wurde gelegt. Dazu muss ich sagen; Ich bin 27 Jahre meines Lebens ohne Krankenhausaufenthalt und ohne Zugänge ausgekommen; die Geburt war in vieler Hinsicht eine Premiere gewesen. Erwartungsgemäß wurde ich leichenblass als der Zugang saß und konnte meine Hand kaum noch benutzen. Doof war, dass der Zugang auf dem Handrücken meiner linken Hand saß, meiner Schreib- und Alleshand. Da war keine Alternative möglich gewesen für die Ärztin. Ich streckte die Hand ab, als gehörte sie nicht zu mir, war total irre mit dem Ding. So lange es blieb, schlief ich kaum (auch nach der Entbindung), brauchte Hilfe bei allem – auch beim Hose öffnen und beim Trinken. Ich verzichtete auf eine Ultraschalluntersuchung mit dem guten Gerät, das ev. das bis zum Ende unbekannte Geschlecht gezeigt hätte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, aufzustehen. Die Ärztin, total verdattert, dass meine Anstellerei vorher sich in Wirklichkeit gewandelt hatte, brachte ein Uraltgeät auf Rollen rein.
Durch die Einschränkung mit dem Zugang wurde alles schwierig. Ich musste durch den Blasensprung sehr oft auf Toilette und brauchte jedes Mal die Hilfe von Alphalama, den ich zudem jedes Mal anblaffte, weil er noch nie einem anderen Menschen eine Vorlage eingelegt hatte. Ich konnte ja nichts mehr, war paralysiert und zu allem Übel auch noch kratzbürstig drauf.
Da wir nicht auf Station kamen, sondern im Wehenzimmer neben dem Kreissaal bleiben durften, spielte sich das alles auf dem öffentlichen Bad der Gyn ab. An Ausruhen war nicht zu denken. Ich war total am Ende, müde, verängstigt. Das CTG war ok, es hieß abwarten.
Gegen 6 Uhr war Schichtwechsel und die neue Hebamme war mir zu 100 % unsympathisch. Ich hätte gern eine andere gehabt, aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Sie schickte uns zum Umziehen und Frühstücken auf Station. In dieser Zeit hatte ich die krasstesten Eröffnungswehen, die man sich vorstellen kann. Von 2 cm auf 10 cm in 35 Minuten. Witzigerweise war diese so schmerzhafte Zeit die beste der ganzen Geburt. Ich war im Zimmer, wir waren alleine, ich konnte mich bewegen wie ich wollte. Ich denke, daher lief es auch so gut. Zwischendurch kamen die Stationssschwestern rein, weil es wohl laut zuging und regten an, ich solle doch lieber wieder in den Kreisssal gehen. Das vermied ich so lange wie möglich und erwartete ja auch noch das Frühstück. Letztlich gingen wir mit Tablett runter- das Ergebnis war, dass ich erst nach der Entbindung aß und trank. 14 Stunden seit dem Abendessen, dem letzten richtigen Essen, bekam ich ein Käsebrötchen und einen Schluck Wasser. Erst 5 Stunden nach der Geburt konnte ich wieder auf die Toilette gehen. Ich war während der Geburt auch in Folge dessen sehr genervt und wütend, hungrig und überaus durstig.
Die Hebamme bestätigte, dass die Geburt gleich geschafft sei, alles sei voll eröffnet. Leider dauerte es noch mehr als 2 Stunden, denn sie bleib nicht bei uns. Immer wieder ging sie für 20 Minuten raus ohne zu sagen, wo wir sie erreichen könnten. In dieser Zeit saßen Alphalama und ich recht unschlüssig herum. Die Wehen waren fast weg, ich war abwartend, fühlte mich nicht in dem richtigen Umfeld, um das Kind zu bekommen. Die Hebamme kam kurz wieder, erklärte etwas,  schraubte etwas ans Kreißbett und ging wieder weg. Ich wartete ab.
Dann schrie sie mich auf einmal an: „Es kommt nichts an.“ als sie bei einer Wehe geprüft hatte, ab Druck nach unten geht. Und ging wieder weg. Ich lag die ganze Zeit auf dem Kreissbett und wurde immer müder und wütender. Da ich merkte, dass die Nachlässigkeit der Frau die Geburt künstlich verlängerte und ich in Gefahr war, einen Notkaiserschnitt zu brauchen. Irgendwann wollt sie mir einen Wehentropf anhängen. Noch während sie ihn holen ging, stieg meine Wut in seltene Höhen. Ich schaffte mich mit Alphalmas Hilfe auf und stellte mich an das von der Decke hängende Tuch. Sie verzichtete auf den Tropf, weil es dann doch zu klappen schien oder weil ich deutlich genug geworden war, dass ich eine nicht pathologische Geburt wünsche.
Später dann schlug sie in eigenen Worten den Kristellergriff vor. Ich kannte das nicht, willigte ein. Erst war kein Arzt da, sondern eine Schwester sollte das machen. Alles war abgesprochen, da kam doch ein Arzt. Ohne Nachfragen oder Information wurde ein Katheter gesetzt, um die Blase vollständig zu leeren, dann ging es los. (Das tut gar nicht weh, aber ich fand es unangenehm, nicht zu wissen, was da außerhalb meines Blickfeldes geschieht. )
Der CTG Schlauch quetschte meinen Bauch wie ein riesiger Knutschfleck, den ich noch tagelang hatte. Der Ellenbogen des Arztes drückte den Bauch unter Vorschwangerschaftsniveu.
Das Kind kam, ich erinnere mich, dass ich total laut schrie, und mich noch darüber wunderte, weil es gar nicht so sehr weh tat wie ich da schrie. Ich brauchte zwischen den Wehen Sauerstoff, da ich hypervetilierte und gleichzeitig fürchterliche Angst um Minilama hatte, dass es weil ich so doof atmete nicht gut versorgt wäre. Das CTG piepste auch laut. Wie eine Verrückte riss ich mir zwischen den Wehen die Sauerstoffmaske vor den Mund.
Dann war Minilama da. Ich hatte das Geschlecht richtig eingeschätzt und freute mich total. Minilama ging es super.
Alles Mögliche einschließlich Zervix war beim Rumgedrücke gerissen und ich blutete kollossal, da Minilamas Schulter ein wenig quer gestanden hatte beim Rausquetschen. Tuch um Tuch wurde weggeräumt, da es voller Blut und Fruchtwasser war, der Mülleimer war übervoll mit verbluteten Tüchern. Genäht wurde ich nahezu unbetäubt, weil kaum Zeit zum Abwarten blieb bis die Mittel wirkten, schien mir. Ich hatte das Neugeborene auf dem Arm, konnte mich aber nicht freuen, da ich befürchtete, auf der Stelle zu verbluten. Diese Angst konnte mir keiner trotz mehrmaligem Nachfragen, ob alles normal sei, bzw. was genau gerissen sei, nehmen, da meine Frage nicht beantwortet wurde. Irgendwann fragte ich nicht mehr, schrie nur zwischendurch wegen der Schmerzen beim Nähen auf.
Und so viel Angst wie ich gehabt hatte, so unnötig war es dann auch gewesen. 25 Minuten später war alles genäht, alles war wieder gut. Meine Anspannung war jedoch noch nicht gewichen, blieb auch die ganze Zeit in der Klinik bestehen. Als dann eine Nachblutung auftrat, war alles wieder da. Ich war wie verrückt vor Sorge um mein blankes Überleben und betete einen Rosenkranz nach dem anderen. Ich weiß noch, wie ich nach der Geburt dachte, dass ich gleich auf dem Kreisbett sterbe, mit dem Kind im Arm. Und dass ich diesen Tod nicht sinnvoll fand und auch ärgerlich. Dem Kind ging es übrigens von Anfang an sehr gut.  Ich machte mir aber noch während der Wehen die schlimmsten Vorwürfe, dass ich in einem Haus ohne Kinderklinik war. Nicht, weil es dem Kleinen nicht gut ging, sondern weil mich der Dilettantismus ängstigte.
Ein richtiges Kennenlernen mit meinem Minilama, wie man es so oft in Blogs vor verzauberten Müttern liest, fand erst zuhause statt. Wir blieben 5 volle Tage, auf dem Bericht der Klinik stand: Mutter stillt. Ich fühlte mich verarscht. Meine Brust blutete, war völlig zerbissen und das Kind trank Beba, eine Nahrung, die ich im Leben nicht kaufen würde, mit einem Feeder.

Ich war in den ersten Tagen derart mit Abpumpen im 2,5 Stundenrhythmus  beschäftigt, dass keine Zeit blieb, mich mit dem Kind zu beschäftigen. Es wurde mir auch nicht gebracht, es schlief ja so viel und die Schwestern waren immer froh, wenn die Kinder schliefen. Nach dem Abpumpen, dass mindestens 60 Minuten dauerte, weil ich für alles auf eine Schwester warten musste, war ich zu schwach zum Füttern mit dem Feeder. Stehen hätte ich nicht mehr können. Auch wenn ich nur wenig Milch produzierte, fühlte ich mich nach dem Pumpen völlig ausgelaugt. Ich war zu schwach, es selbst zu nehmen, war ständig abhängig davon, dass man es mir brachte. So schade. Erst längere Zeit nach der Geburt konnte ich Muttergefühle entwickeln für mein erstgeborenes Kind, das ich heute umso mehr liebe. Je näher ich dem Kind kam, umso weiter war der Babyblues weg. Das Kind, um das ich direkt in kranker Sorge bin, wenn es ihm nicht gut geht, dass ich regelrecht schmerzhaft vermisse, wenn es länger als 3 Stunden außer Haus ist.
Ich wundere mich noch immer, dass ich es ein zweites Mal gewagt habe angesichts dieser Aneinderreihung ätzender Umstände im stillfreundlichen Krankenhaus. Ich muss auch sagen, dass ich das erste Lebensjahr von Minilama defintiv kein zweites Mal zur Verfügung stehen wollte. Aber: Wer mehr Kinder will, muss das eben auf sich nehmen. Ich bin Pragmatikern, auch hier. Und zum Glück war die Risikogeburt der Babylamas, der Süßen, nach der Risikoschwangerschaft mit Liegendmonat nicht annähernd so entwürdigend und so fremdbestimmt wie diese hier.

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