Alltagsästhetik: Selbst mit Liebe gekocht statt mal eben gekauft – Brei für meine Babylamas

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

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Eine Tagesration für die Babylamas (von links nach rechts: Obstbrei, Milchbrei, Mittagsbrei). Ein schönes Bild, wenn es mir gelingt, morgens alle drei Mahlzeiten vorzubereiten. Obstmus aus heimischen Biofrüchten, Kartoffeln und Möhren von daheim. Wenn alles schon so schön vorbereitet im Kühlschrank steht, gelingt uns der kulinarische Tag gleich umso besser:

5.30 Uhr aufstehen, anziehen
6,45 Uhr 200 ml Fertigmilch plus Vigantolette
12.00 Uhr 150 g Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei
15.00 Uhr 200 g Getreide-Obst-Brei
18.00 Uhr 200 g Milchbrei
zwischendurch abgekochtes Wasser nach Bedarf

Alltagsorganisation mit Baby- Zwillingen: Flaschenfütterung

Da mir in letzter Zeit zwei Begebenheiten klar gemacht haben, wie unklar es vielen Menschen ist, wie man seinen Tag mit neugeborenen Zwillingen organisiert, möchte ich heute ein Wort darüber verlieren, wie wir unsere Babylamas in den ersten sechs Monaten ernährt haben, wie wir das genau organisiert haben und was wir an Hilfsmitteln dazu benötigt haben und was nicht.
Zu Beginn der folgende Hinweis, um mein Gewissen  – und alle Stilldogmatikerinnen – zu beruhigen: „Babies wollen Muttermilch“ und „Stillen ist das Beste fürs Kind“. Das kann man in jedem stillfreundlichen Krankenhaus lesen und das ist sicherlich auch so.
Ich jedenfalls kann dem nicht genügen und daher habe ich drei Flaschenkinder (ich beruhige mich immer damit, dass ich sie wenigstens natürlich entbunden habe und sie keine Dosis Schmerzmittel mitbekommen haben und das es hier im Allgemeinen auch bewusst bio zugeht.)

Wenn man also Flaschenkinder daheim hat, muss man sich darüber Gedanken machen, wie man das Ganze organisiert und muss sich das eine oder andere Hilfsmittel anschaffen. Und das am Besten, anders als wir bei Minilama, schon im Vorfeld, denn sonst kommt auch auch mit Overnightlieferungen krass ans Schwitzen.
Wir haben folgendes angeschafft:

  • Flaschen
  • passende Sauger für die Flaschen
  • Flaschenbürste
  • wenn man keinen Induktionsherd hat: Vaporisator
  • Milchnahrung
  • Thermoskannen

Mehr haben wir nicht gebraucht, also: keinen Fläschchenwärmer, kein Abtropfgitter, kein spezielles Spray, um die Flaschen zu reinigen oder sonstiges Zubehör.
Wirklich unnötig teuer, aber hilfreich ist der Vaporisator. Das ist eine kleine Wärmeplatte, auf der Wasser verdampft, der Dampf steigt hoch und sterilisiert so die Fläschchen, Sauger usw. Man erwärmt jedes Mal knapp 70 ml Wasser, das ist energetisch schon ein Vorteil zum Auskochen im Topf und vermindert auch das Verletzungsrisiko durch heißen Wasserdampf oder auch die Gefahr, dass alles anbrennt und die Sauger schmelzen, weil man den Topf vergessen hat. Unserer hat 50 Euro gekostet, ich habe eine sehr gespaltene Beziehung zu dem Gerät, aber es tut seinen Zweck. Man muss es jede Woche gründlich reinigen, da es sonst zukalkt und unten „anbrennt“.

Wir haben bei allen drei Kindern verschiedene Fläschchen ausprobiert: Nuk, Medela und Avent. Minilama hatte die längste Zeit Avent, die Babies am Anfang als sie frisch auf der Welt waren, kurz Medela, danach nur Nuk Glasflaschen. Für Minilama, einem sehr guten Trinker, haben 7 Flaschen gereicht (eine mehr als in den Vaporisator passt), für die Babies, ebenso gute Trinker, habe ich insgesamt 18 Stück, 4 große, der Rest sind kleine. Ich habe immer morgens und abends vaporisiert als die Kinder voll mit Milch ernährt wurden. Ich hatte das regelrecht ritualisiert beim Frühstück- und beim Abendessenmachen, aber immer einen guten Blick auf die Vorräte gehalten. Nichts ist nerviger als vor Hunger schreiende Kinder und die Hausfrau hat keine sauberen Fläschchen mehr. Habe ich mit 7 Tage altem Minilama (als wir nur 2 Fläschchen hatten, da wir dachten, die Milch fließt sicher bald) schmerzlich gelernt – und da der Vaporisator „nur “ 7 Minuten braucht, nie mehr vergessen. Mein Tipp: Ich habe drei Plastikflaschen in der Wickeltasche für unterwegs, falls ich Sorge habe, dass die Glasflaschen kaputt gehen könnten. (Benutzt habe ich sie so gut wie nie, denn die Glasflaschen sind super stabil und wir sind mit den Babies auch bei Weitem nicht so viel unterwegs gewesen wie mit Minilama) Die waren mein Backup – aber man muss dann nach dem Füttern direkt spülen, klar.

Zum Reinigen nutze ich eine Flaschenbürste wie man sie auf Wochenmärkten kaufen kann, das klappt wirklich gut. Ich spüle mit Biospüli aus und wasche in einer separaten Schüssel gründlich ab.

Milchnahrung ist eine individuelle Sache, ebenso wie der Einkauf von Nahrungsmitteln im Allgemeinen. Viele nehmen die weiter, die in der Klinik gefüttert wurde. Meist ist das Beba oder Aptamil, beide sind teuer und wer nicht auf Nestlé steht, wird nicht unbedingt begeistert sein. Wir sind bei allen drei Kindern rasch auf eine Biomilch der DM Hausmarke umgestiegen. Bio war mir wichtig und auch der Preis, da wir rasch bei einem Verbrauch von 1 Paket alle 2 Tage angekommen waren. Mir war es auch egal, dass ich auf einen Laden festgelegt war, da ich ohnehin Babysachen überwiegend bei DM einkaufe, der Edeka bei uns immer völlig überlaufen ist (und außerdem ein Ort, an dem man überdurchschnittlich oft auf die Zwillinge angesprochen wird, was mich derart nervt, dass ich nicht mehr zum Edeka gehe), es vor Ort keinen Rossmann gibt und auch keinen Rewe.
Es gibt auch Spezialnahrungen bei Allergien oder Reflux, das wird aber die Hebamme oder der Arzt vorschlagen. Man merkt sicher rasch, dass eine Spezialnahrung nötig ist. Was die Auswahl angeht, findet man beim Kinderarzt oder der Hebamme sicher gute Beratung, wenn man unsicher ist.

Wir haben die ganze Zeit ausschließlich Pre Nahrung gefüttert, 1er oder 2er Nahrung gab es bei uns keine. (außer einer Versuchsreihe bei Minilama, die aber schlaftechnisch nichts brachte) Pre kann man bedarfsgerecht füttern, das finde ich prima und die Kinder können ein eigenes Hungergefühl unabhängig von der Uhr entwickeln. Ich habe auch nie den Eindruck gehabt, dass die Kinder ab einem bestimmten Punkt nicht mehr satt geworden seien von der Pre. Das Durchschlafen – das ist oft ein Argument für stärkere Nahrung oder sogar Breifläschchen (mit Schmelzflocken)  – hat ohnehin unabhängig vom Hunger seine Entwicklungsursachen – bei Minilama eindrucksvoll gesehen.

Die Zubereitungsanleitung steht hinten auf der Packung. Je nach Alter des Kindes nimmt man eine bestimmte Menge Milchpulver und eine bestimmte Menge abgekochtes Wasser, mischt, schüttelt, füttert. Beim Dosieren sollte man genau sein,. Man kann sicher jedes Mal Wasser aufkochen und dann abkühlen lassen wie es auf der Packung steht. Für mich ist das nicht praktikabel. Daher habe ich mehrmals am Tag Wasser aufgekocht, in ein sauberes Gefäß gegossen, auf 40 Grad abkühlen lassen (geprüft mit einem Bratenthermometer) und dann in eine saubere (neue, kaffeefreie) Thermoskanne gegeben. Deckel drauf und dann so lange gefüttert bis das Wasser aufgebraucht war. Für Minilama reichte eine 1 Liter Kanne, die Babies hatten entsprechend zwei Kannen.
Spezielles Kinderwasser gab es nicht, da unser Leitungswasser eine gute Qualität hat (kann man beim Wasserwerk nachfragen. Dort kann man auch das eigene Wasser prüfen lassen, das aus der Leitung kommt, wenn man unsicher ist.)
Abends haben wir immer ein Tablett für die Nacht vorbereitet – und sind nicht wie eine Stillmana dachte, jedes Mal aufgestanden, in die Küche gegangen und haben Wasser gekocht.: Ausreichend abgekochtes, wohl temperiertes Wasser, ausreichend saubere Flaschen, Milchpulver und Messlöffel. Hatte ein Kind Hunger, standen wir auf, gingen an die Kommode im Schlafzimmer, maßen Pulver und Wasser ab und fütterten. Die benutzte Flasche kam dann nach hinten, damit man sie nicht mit sauberen verwechselte. Morgens nahm ich das Tablett mit runter, kochte neues Wasser ab, spülte und reinigte die Flaschen. Ich vaporisiere die Flaschen und anderes, was in den Mund kommt bis zum Ende der Flaschenzeit bzw. der Breizeit. Bei Minilama waren das 1,5 Jahre. Dann trank es nur noch aus Gläsern und aß von normalen Tellern mit Besteck, die ebenso wie unsere Sachen gespült wurden. Im Endeffekt koche ich aber nach wie vor wöchentlich für uns alle beispielsweise die Deckel der Kleen Kanteen Flaschen aus.

Einen Fläschchenwärmer haben wir nicht. Ich weiß nach wie vor nicht, wozu man das brauchen sollte. Ich mache die Flaschen immer frisch und ich füttere die Flaschen immer komplett, unterbreche das Kind nicht beim Trinken. (Das hat man wohl früher gemacht, Zwischen-Bäuerchen, Wickeln, dann weiter. Meine Kinder haben diese 80er Jahre Behandlung der Oma alle drei mit wütendem Geschrei abgelehnt. Tagsüber wickele ich vor dem Fläschchen (nachher heißt oft: entweder ist das Kind schon ausgelaufen oder pieselt los sobald die Windel offen ist), nachts meistens 1 mal vor Mitternacht und 1 Mal gegen 3-4 Uhr. Unsere Stoffwindeln machen das gut mit. Jedes Mal Wickeln ist bei uns unnötig gewesen, zumal die Kinder oft beim Trinken wieder eingeschlafen sind und ich keine Lust hatte, sie durchs Ausziehen und Wickeln zu wecken und zu ärgern.

Wenn Reste bleiben, gerade bei den ganz Kleinen, dann bleibt nur eines: Wegkippen. Und beim nächsten Mal eine kleinere Menge machen, ev. noch etwas anbieten, wenn das Baby dann noch weint. Beispiel: das Kind soll laut Anleitung altersgerecht 4 Löffel Pulver bekommen, die dann bis auf 130 ml aufgefüllt werden. Das Kind lässt öfters was übrig. Ich gebe 3 Löffel auf 100 ml und warte danach ab, ob das Kind noch unruhig ist. Wenn ja, bekommt es noch den 4. Löffel, ansonsten eben 30 Minuten später oder wann es auch immer wieder Hunger hat. Bedarfsgerecht eben. So konnte ich den „Schankverlust“ absolut minimieren. Die Verschwendung muss ja nicht sein. Dennoch: Alte Milch darf man nicht mehr füttern, egal wie schade es sein sollte. Ich habe auch schon volle Fläschchen ausgegossen.

Ich habe nach vollen 6 Monaten mit der Beikost in Form von klassischem Brei (Kartoffel-Gemüse-Fleisch-Mus) begonnen, dann den abendlichen Milch-Getreidebrei gefüttert und später nachmittags einen Obst-Getreidebrei. Morgens gibt es im Moment noch Fläschchen, zwischendurch abgekochtes Wasser zum Trinken. Seit die ersten Zähne da sind, werden diese vorm Schlafengehen geputzt und es gibt nachts KEINE Milch mehr. Wir haben wie auch bei Minilama langsam ausgeschlichen als sich die Zähne ankündigten immer weniger Milchpulver gegeben, sodass es am Ende nur noch Wasser war. Das wollen die Kinder letztlich auch nicht mehr. Ein Tipp von einer Kinderkrankenschwester. Wasser gibt es nachts nur wenn die Kinder Durst haben, wenn sie sich ansonsten nicht beruhigen lassen. Dann aber auch nur 30 ml, kein ganzes Fläschchen. Und danach wird geknuddelt bei Mama und Papa, das hilft immer beim Einschlafen. Dauernuckeln und nächtliches Nuckeln von kohlehydrathaltigen Flüssigkeiten ist Gift für die Zähne. Daher sind Argumente wie „er hat doch nachts noch Hunger“ oder von Stillmamas „er schläft nur an der Brust ein“ für mich nichtig. Wenn ein gesundes Kind alle drei Breie und 1 Flasche am Tag zu sich nimmt, braucht es nachts keine Milch mehr. Auch von einer erfahrenen Kinderkrankenschwester gehört. Sollten die Babies doch irgendwann nochmal nachts noch Milchhunger haben, putze ich ihnen danach die Zähne nochmal gründlich. Kam bisher aber noch nicht vor.

 

 

Geburtsort: Klinik, Krankenhaus, Geburtshaus oder Zuhause?

Die Wahl des Geburtsortes beschäftigt Schwangere immer wieder aufs Neue. Ist man im Kontakt mit der Hebamme, wird man andere Argumente hören wie im Gespräch mit einem Mediziner. Freundinnen mit leichten Geburten werden anders urteilen als Freundinnen, die einen Notkaiserschnitt brauchten. Vergleiche mit unserem Nachbarland Holland und die dortige hohe Rate an Hausgeburten regen durchaus zum kritischen Nachdenken über den Geburtsort an. Gerade zu Beginn einer Schwangerschaft ist der Gedanke, an eine  Geburt in einem medizinisch geprägten Umfeld oft eine Belastung. Insbesondere, wenn man früh Kontakt mit eine Hebamme hat, erfährt man rasch von Alternativen. Auch im Netz finden sich zahlreiche Beispiele für Geburten fernab vom Krankenhaus.
Meines Wissens nach gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Alleingeburt, teils an frei gewählten Orten in der Natur
  • Hausgeburt mit Hebamme
  • Entbindung in einem hebammengeleiteten Geburtshaus ausschließlich mit Hebammenunterstützung
  • Entbindung in einem Geburtshaus, das an eine Klinik angeschlossen ist
  • Entbindung in einem Krankenhaus. Hier unterscheidet man drei (oder 4) Stufen  – Perinatalzentrum Stufe 1, Stufe 2, Krankenhaus mit perinatalem Schwerpunkt (soweit ich das überblicke: alle mit Kinderklinik) oder normale Geburtsklinik (ab vollendete 37. SSW, meist ohne Kinderklinik.) .
    Die Perinatalzentren unterscheiden sich in der Ausstattung und Betreuungsdichte und darin, ab welcher Schwangerschaftswoche sie eine Geburt betreuen dürfen. . Ein Perinatalzentrum Stufe 1 nimmt  alle Geburten auf, ist auch spezialisiert auf die Versorgung extremer Frühchen (26. SSW, 500 g Gewicht) , eine Klinik mit Stufe 2 nimmt (zumindest das in meiner Nähe, Nachfragen vor Ort lohnt sich) Kinder ab 1800 Gramm Schätzgewicht und vollendeter 34. SSW auf.

Je nach Schwangerschaftsverlauf und natürlich Schwangerschaftswoche bietet sich eine bestimmte Variante an. Hebammen in den Geburtshäusern oder wenn man noch eine Hebamme findet, die eine Hausgeburt begleitet, werden im Vorgespräch genaue Anforderungen formulieren, die eine solche Geburt ermöglichen. (Verlauf der Schwangerschaft, Diabetes, Lage des Kindes, Blutdruck, Blutwerte, Gesundheitszustand des Mutter, CTG-Werte, Versorgung des Kindes, eine bestimmtes Alter des Kindes wird sicher auch formuliert…)
Wenn eine Frühgeburt bevorsteht, ist den Eltern sogesehen die Wahl des Geburtsortes genommen, da sie dann entsprechend der Schwangerschaftswoche in ein entsprechendes Perinatalzentrum gehen müssen. Soweit ich weiß, dürfen andere Kliniken die Entbindung nicht durchführen bzw. müssen rasch verlegen.
Wenn die Schwangerschaft gut und normal verläuft, haben die Eltern jedoch die Wahlmöglichkeit und können sich vorab informieren, die Orte anschauen und ihre Wünsche – am besten schriftlich-  formulieren.

Während meiner beiden Schwangerschaften haben Alphalama und ich insgesamt drei Krankenhäuser in die engere Wahl genommen.
Bei Minilamas Schwangerschaft dachte ich – als Krankenhausneuling, die bisher noch nie stationär im Krankenhaus gewesen war – mit Schrecken an die vielen medizinischen Details der Geburt, Nadeln, Infusionen, Nähte usw. Daher fand ich die Idee eines Geburtshauses interessant. Es gab jedoch keines in erreichbarer Nähe, sodass ich das Thema aus Praktikabilitätsgründen rasch fallen ließ. Zur Auswahl standen dann noch ein Geburtskrankenhaus, mit dem Siegel „Stillfreundlich“ und das örtliche Perinatalzentrum Stufe 1, in das 95 Prozent der Frauen, mit denen ich den Geburtsvorbereitungskurs machte, gingen. Ich jedoch entschied mich, nach Kreisssaalbesichtigung in beiden Häusern für das stillfreundliche Krankenhaus ohne Kinderklinik. Ich wusste, dass ich dort erst ab 37+0 aufgenommen werden würde. Da Haus ist kleiner als das Perinatalzentrum, man hat eher die Chance, ein Familienzimmer zu bekommen, weil der Andrang allgemein kleiner ist und die Krankenschwestern haben, so mein Eindruck, etwas mehr Zeit, um sich um Fragen des Wickelns, Fütterns und Versorgens zu kümmern.
Meine Geburtserfahrung dort war jedoch leider nicht gut und da ich unter der Geburt immer stärker das Gefühl hatte, dass Hebamme und Assistenzarzt nicht „die selbe Sprache sprechen“, als es um die Begleitung und das medizinische Vorgehen ging, habe ich viel Angst gespürt – um mich ganz konkret, da ich einen Zervixriss hatte, der lange udn stark bulutete und ich nicht vertrauen konnte, dass die beiden mir kompetent helfen. Und dazu noch eher diffus hatte ich bei den Presswehen schreckliche Angst um mein ungeborenes Kind, das zwar reif geboren war bei 39+2 und im Endeffekt Gott sei dank völlig gesund zur Welt kam, dessen Herztöne aber mit einem Mal schrille CTG-Töne produzierten und mich völlig verunsicherten, gepaart eben mit dem Wissen, dass kein Kinderarzt da sein könnte und ich mich selbst  ja nicht sicher und geborgen fühlte. Ich sollte da ich hyperventilierte zwischen den Wehen eine Sauerstoffmaske aufsetzen, damit das Kind mehr Sauerstoff bekäme. Ich erinnere mich noch, wie ich, kaum, dass die Wehe zuende war, wie irre nach der Maske griff, nur damit ich Minilama so schnell wie möglich wieder Sauerstoff geben konnte und ihm damit irgendwie helfen konnte.
Nach der Geburt kam diese Klinik für mich absolut nicht mehr in Frage. Das ist keine Aussage über deren Qualität. Viele sind dort sehr zufrieden, waren dort mit allen Kindern. Ich, Lamasus, jedoch werde dort nie mehr ein Kind entbinden, ganz einfach.
Als ich erneut schwanger wurde fiel also die entfernungsmäßig nächste Klinik (4 Kilometer sind es nur) aus und ich musste mich neu orientieren. In Frage kamen ein Perinatalzentrum Stufe 2 in 25 Kilometer Entfernung und das Perinatalzentrum Stufe 1 in 13 Kilometer Entfernung, allerdings muss man dazu einmal quer durch die Stadt. Innerlich war ich für das weiter entfernte Krankenhaus gewesen, zumal es auch 25 Kilometer näher an unseren Eltern liegt und sehr gute Freunde von mir dort zwei mal sehr zufrieden waren – auch ein Faktor, den ich nicht vernächlässigen würde, wenn ich eine Gebrutsklinik auswähle.
Es kam natürlich anders als angedacht. Beim Terminieren der Vorgespräche mit den Hebammen und dem Oberarzt (das ist bei Zwillingsentbindungen wohl normal) rwies es sich als kompliziert, im Krankenhaus 2 einen Terminen zu bekommen. Man hätte zwei mal anfahren müssen, dienstags waren die Hebammengespräche, mittwochs die mit den Ärzten. Alphalama hätte zwei mal frei machen müssen – und ich fand seine Urlaubstage sehr wertvoll, zu wertvoll für solch einen Hickhack. Außerdem wollten die mich erst in der 36. SSW einladen, ließen sich dann auf die 34. SSW „herunterhandeln“ . Das Ganze war mir zu knapp am Termin – wo es doch immer heißt, dass Zwillinge früher kommen. Unter keinen Umständen wollte ich mit Wehen in der Klinik ankommen ohne dass ich vorher mit den Verantwortlichen gesprochen hatte, die Anästhesiebögen ausgefüllt hatte und meine Wünsche zur Geburt dort schriftlich eingereicht hatte. Das hätte mich derart unsicher gemacht, dass ich es mir nicht vorstellen wollte. Ich vereinbarte noch einen anderen Termin im Krankenhaus 1, den ich dann auch planungsgemäß – und einen Tag nachdem der Arzt frühzeitige Wehen festgestellt hatte und ich die erste Dosis Lungenreife bekommen hatte – wahrnahm. Die Entscheidung war getroffen, da ich mit einer drohenden Frühgeburt keinen Meter weiter fahren wollte als unbedingt nötig. Mir wurde zunehmend klar, dass mein Wohlfühlen keine echte Bedeutung mehr hatte, da die Kinder in Gefahr waren und ich stimmte auch innerlich zu, die Kinder dort zu bekommen.
Unerwarteterweise war diese Klinik für mich die beste gewesen. Der Oberarzt war auch in der 33 SSW völlig von einer guten Geburt und gesunden Kinder überzeugt, völlig entspannt und unwillig mich stationär aufzunehmen (was ich in meiner Panik unbedingt wollte). Mein Frauenarzt rief ihn zwischendurch immer wieder mal an, wenn ich bei ihm zur Untersuchung war – und jedes Mal blieb er dabei, dass ich nicht sofort kommen müsste und dass mein Arzt mich so behandelte wie er es auch machen würde. Ich bin nach wie vor erstaunt, dass diese Klinik, die ich für „schnell mit dem Messer“ gehalten hatte, derart pro Spontangeburt und contra Pathologisierung – zumindest in meinem konkreten Fall – war.
Die Zwillingsgeburt lief glücklicherweise sehr gut ab, die Kinder wurden am Zwillingstermin erfolgreich eingeleitet und kamen 3 Stunden nach der manuellen Öffnung der unteren Blase gesund zur Welt. Die Geburt war zu 98 Prozent hebammengeleitet. Als es jedoch „ernst“ wurde, waren innerhalb von Sekunden 2 Kinderärzte, 3 Gynäkologen, ein fahrbares Ultraschallgerät und draußen sicher auch zwei Intensivbetten zur Stelle. Auch wenn ich normalerweise kein Sicherheitsnerd bin und denke, dass eine Geburt etwas ganz Natürliches ist – ich kann im Vergleich sagen, dass es mir viel lieber war, wir hätten alles haben können, wenn die Babies es gebraucht hätten. Die 1,5 Wochen Unterschied im Geburtsalter zwischen den Geschwistern hat man nämlich deutlich gesehen und ich will mir nicht vorstellen, wie sie in der 34. SSW ausgesehen hätten, meine Babies.
Meine Bekannten berichten teilweise das Umgekehrte: Bei ersten in der Klinik unzufrieden, bei zweiten im stillfreundlichen Haus top zufrieden. Ich habe auch Zwillingsbekannte, deren Kinder in dem Perinatalzentrum Stufe 2 gut zur Welt kamen. Der Geburtsort ist eben sehr individuelle Sache. Und ich denke, gerade, wenn den Eltern die Entscheidung abgenommen wird, kann das Ganze eine doofe Erfahrung werden.
Meine Beobachtungen zu meinen Entbindungen lassen einen Schluss zu: Wenn Mutter und/oder Kind bei der Geburt in Gefahr waren und dann alles gut ging, sind die Eltern mit allem top zufrieden, blenden Kleinigkeiten, die nicht so ganz schön waren, einfach aus.
Wenn es allen unter der Geburt mehr oder weniger  gut ging und alles gut verlaufen ist, neigt man eher dazu, auch kleinere Sachen als ungut wahrzunehmen. Gerade als Mama wechselt man dann vom Notfallmodus (in dem ich bei den Zwillingen auch bei der Geburt noch war) in den Wohlfühlmodus und wünscht sich eine schöne Bilderbuchgeburt, die es ja in den wenigsten Fällen gibt.
Ich wundere mich nach wie vor, wie unterschiedlich ich meine Entbindungen wahrgenommen habe, wie genau ich bei Minilama sehr kleine Details erinnere, während ich bei den Babies nicht einmal die genaue Geburtszeit im Kopf habe.
Und ich wundere mich, dass ein Ort, vor dem ich lange Zeit viel Angst hatte, mich so gut geborgen hat, während einer, von dem ich die Geborgenheit sicher erwartete, mich so einsam und verlassen fühlen ließ.

Leben mit drei Kindern unter drei Jahren – Rückblick auf 5 Monate Unterstützung durch Wellcome

Vielleicht hat die eine oder andere schon mal was von Wellcome gehört, ein karitatives Angebot moderner Nachbarschaftshilfe für junge Familien. Als ich mit den Zwillingen schwanger war, kam mir das wieder ins Gedächtnis; ich weiß allerdings nicht mehr, wo ich zuerst davon erfahren habe. Mag sein im Netz davon gelesen, mag aber auch sein, dass ich dienstlich davon gehört habe.
Jedenfalls habe ich von dem Angebot zeitweise Gebrauch gemacht und möchte, quasi als Abschluss dieser Zeit meine Erfahrungen damit teilen. Es ist also weder Werbung noch vernichtende Kritik, weder gekauft noch sonst was, sondern meine Erfahrungen damit, da ich als ich selbst gesucht habe, nur wenig finden konnte.
Ich war als ich schwanger mit den Babies war sehr aufgeregt und unsicher, ob ich insbesondere kurz nach der Entbindung in der Lage sein würde,  meine Kinder und Familie zu versorgen, dem Haus und den Haushalt vorzustehen, Einkäufe usw. zu erledigen. Unsere Eltern leben nicht um die Ecke, haben alle knapp eine Stunde Fahrzeit bis zu uns und sind vollzeit berufstätig. Wenngleich wir hier integriert sind, habe ich kein voll ausgebautes Hilfsnetz zur Verfügung, keine Freundin, die ich anrufen kann, damit sie mir Gekochtes bringt oder Wäsche bügelt. Das geht einigen anderen Familien, die ich kenne ähnlich. Viele haben Verwandschaft in der Nähe, Opas im Ruhestand, quirlige Omas, die helfen wollen und können und deren Hilfe sie annehmen. Einige, wie wir, sind zugezogen und bisher immer gut so zurecht gekommen. Und wenn die Konstellation neues Familienmitglied plus ein Erwachsener fällt eventuell und unbestimmt lange für einiges aus, eintritt, dann muss unbedingt ein Notfallplan geschmiedet werden.
Ein Teil unseres – erst nach der Geburt angedachten Nofallplans – war eine Haushaltshilfe, die anteilig von der Krankenkasse gezahlt wurde (kein Geschenk, das muss man sich klarmachen, wenn man den Antrag stellt), die mir von der 3. bis 8 . Lebenswoche der Kinder viel geholfen hat. Darüber hinaus kommt meine Mutter regelmäßig zu Besuch, guckt auf die Babies und ermöglicht es mir damit, schwimmen zu fahren.
Wellcome als zusätzliche Unterstützung hatte ich schon früh in der Schwangerschaft in den Blick genommen, erst jedoch als ich erfuhr, dass wir Zwillinge erwarten. Hätte ich einen Einling bekommen, wäre das für mich nicht in Frage gekommen, da ich nicht den Eindruck hatte, dass ich die Hilfe wirklich brauche und dass andere sie dringender brauchen. Das ist aber eine subjektive Einschätzung.
Ich habe ungefähr im Februar (ein halbes Jahr vor dem ET) erstmals Kontakt aufgenommen, meine Lage geschildert und um Hilfe gebeten. Ein erstes Telefonat mit der Koordinatorin fand im März statt. Wir verabredeten uns wieder für den Sommer. Letztlich wollte die Koordinatorin dann 2 Wochen vor dem ET mit der angedachten Ehrenamtlichen zum Hausbesuch kommen, um alles final abzusprechen.
Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, denke ich, dass die meisten meiner Bekannten das Vorgehen gut gefunden hätten. Die allermeisten sind bis kurz vor Termin noch mit dem Auto unterwegs, gehen mit den Großen zum Kinderturnen, zum Kinderarzt, holen und bringen in die Kita – kurzum sind aktiv bis kurz vor der Geburt und auch dankbar um Ablenkung. Wenn man dem Plan der Koordinatorin dann gefolgt wäre, hätte man eine Begleitung ab Geburt bzw. nach deren Urlaub gehabt, Nummern ausgetauscht und sich direkt im Krankenhaus per Mail verabreden können.
Da jedoch meine Babies 2 Wochen vor ET eingeleitet wurden und ich zuvor 6 Wochen wegen drohender Frühgeburt aufgrund von frühzeitiger Wehentätigkeit zuhause gelegen habe, kam das Treffen so nicht zustande. Zudem habe ich mich in beiden Schwangerschaften eher zurückgezogen und ruhebedürftig erlebt und gerade die letzten Wochen wollte ich nur einige wenige ausgewählte Menschen um mich haben.
Daher hatte ich direkt nach der Entbindung keine Ansprechpartnerin, die mit den Kindern hätte 2 Stunden im Wagen ausfahren können während ich ein wenig geruht hätte. Das fand ich, hormongeplagt wie ich da war, sehr schade. Da ich ein halbes Jahr vor der Geburt angefragt hatte, fand ich die Tatsache, dass ich niemanden hatte darüber hinaus sehr ärgerlich. Kann man sicher verstehen: Ich wollte mich gut vorbereiten und mir die Hilfe holen, die ich brauchte, aber ein starres System hatte dazu geführt, dass ich außer einem Haufen verlorener Zeit nichts vorzuweisen hatte.
Kurz nach der Geburt rief ich erneut an. Da die Babies jedoch im Hochsommer geboren sind, war erst einmal Ferienzeit und ich erreichte länger niemanden. Ich kürze ab: Letztlich bekam ich eine Ehrenamtliche zugeteilt, da waren die Kinder knapp 4 Monate alt.
Man muss wissen: Wellcome bietet keine Hilfe im Haushalt an, sondern entlastet die Eltern in Bezug auf die Kinder, geht spazieren, spielt mit den Kindern und mit den großen Geschwistern, holt und bringt in die Kita, begleitet zum Arzt oder Physiotherapeuten – je nach Bedürfnislage.
Ein Leitspruch ist „2-3 Stunden, 2-3 Mal in der Woche, für 2-3 Monate.“
Umgesetzt wird natürlich das, was vor Ort möglich und benötigt wird, das kommt dann auf die Absprachen an. Wir hatten ein Mal in der Woche für 2 Stunden vereinbart, das passte beiden Seiten. Die Ehrenamtliche, die uns betreute, hat schon sehr viel Erfahrung und begleitet schon viele Familien. Anfangs erzählte sie mir (natürlich anonymisiert, klar), was sie für Familien tut, wie ihr Einsatz konkret aussehen kann. Und auch, dass sie mit den Familien noch engen Kontakt hat, quasi „zur Familie gehört“. Das Konzept ist wirklich klasse und ich finde das Engagement der Ehrenamtlichen prima.
Für mich war das Angebot letztlich dennoch nicht das Richtige, das sage ich ganz ehrlich. Ich habe immer mehr gespürt, dass die Kinder gar nicht das „Problem“ sind, von dem man mich entlasten muss. Was ich gebraucht hätte, wären emsige Hände, die die Spülmaschine ausräumen oder die Waschmaschine befüllen und einen Topf Suppe mitbringen. Diese Kleinigkeiten im Haushalt, die einen um den Verstand bringen, wenn man ganz kleine Kinder hat.
Ich bin nicht die typische „Kundin“ von Wellcome, bestätigte auch meine Ehrenamtliche. Insofern sollte man sich vorher gut überlegen, ob sich der Aufwand mit Kontaktaufnahme und Kennenlernen lohnt.
Es gibt natürlich auch Kurzzeitbetreuung, wie z.B. für die Eingewöhnung des großen Kindes in die Kita, aber eigentlich ist das Konzept, so wie ich es kennengelernt habe, für länger ausgerichtet. Auch länger als der Leitsatz sagt. Meine Ehrenamtliche betreut im Moment 2 Jahre alte Zwillinge weiter, quasi als Ersatzoma, holt aus der Kita ab, macht bettfertig bis die Eltern kommen. Das jedoch liegt außerhalb dessen, das Alphalama und ich für unsere Familie wollen und brauchen. Da war zudem mein kleiner Bedarf nach 2 Stunden Ruhe in der Woche zum Duschen und Haare waschen und im Frühling zum Nordic Walken an der Mosel nicht das, was sie sich vorgestellt hat. Zumal die Babies mittlerweile in der Zeit, in der sie immer kam, eine aktive Wachphase haben und ich häufiger abgesagt hatte, da spazieren gehen mit wachen Babies, die quengeln, weil sie krabbeln wollen, keinen Spaß macht. Und meine Kinder können echte Sirenen sein.
Und an diesem Punkt ging es bei mir nicht weiter – hatte ich aber schon befürchtet und auch angesprochen: Mehr als Spazierengehen konnte ich mir nicht vorstellen. Also z.B. daheim mit den Kindern spielen während ich was erledige oder sogar unterwegs bin, ist für mich nicht denkbar. Von Anfang an nicht. Schon bei Minilama nicht. Dabei bin ich nicht besonders gluckig, ich glaube sogar, noch nicht mal besonders mütterlich vom Typ her. Den Kindern tschüss sagen und 2 Stunden schwimmen fahren ist völlig ok für mich – wenn – und das ist der Punkt – meine Mutter oder Alphalama bei den Kindern sind. Anderen vertraue ich nicht genug. Das ist keine Unterstellung oder kein böser Wille. Aber da ich die Mutter bin und die Sorge für die Kinder trage, nehme ich mir die Freiheit heraus, meine Regeln aufzustellen.
Daher habe ich meine Wellcome-Betreuung nach knapp 5 Monaten (wirklich ein ungefährer Wert) wieder aufgehört, also auslaufen lassen. Für mich stimmig und in Ordnung. Die freie Zeit, die ich hatte, habe ich genossen und neue Kraft gesammelt für die Zeit mit den Kindern. Also kann ich das Konzept grundsätzlich weiterempfehlen. Man muss nur bedenken: Nichts ist umsonst auf der Welt, auch diese Dienstleistung kostet einen kleinen Beitrag. Bei uns 5 Euro in der Stunde. Das muss man sich ausrechnen, ob man das, wenn  man das Maximum ausschöpft,  9 Stunden in der Woche finanzieren kann, gerade da das Elterngeld ja einen ziemlichen finanziellen Einschnitt in der Familienkasse darstellt.

Was ich leider nicht so ganz weiß – und was mir daher noch nachhängt – ist, ob es für die Ehrenamtliche so ok gewesen ist. Bei Auswertungsgespräch meinte sie, wir seien die ersten gewesen, mit denen es nicht geklappt habe. Ich hingegen, bin, zumal ich von der Koordinatorin den Leitsatz vorgestellt bekam, der Meinung, dass auch die Form und Dauer der Betreuung, die wir hatten, in Ordnung und im Sinne von Wellcome war. Insofern hat das Ganze jetzt einen bitteren Nachgeschmack bekommen, was mich neben der Tatsache, dass ich es schade finde, dass sie Ehrenamtliche nicht bekommen hat, was sie vom Ehrenamt erwartet hat, auch – und das merke ich je länger ich darüber nachdenke – , immer mehr ärgert, weil ich mit meiner Familie nicht das Objekt der Erwartungen einer Ehrenamtlichen sein möchte. Mein Ehrenamtsverständnis ist da anders, eher diakonisch-dienend.
Ihr merkt also: bitter-süß bei uns, leider, aber auch dem geschuldet, was ich mir für meine Kinder vorstellen konnte. Aber in jedem Fall ist Wellcome einen Versuch wert, wenn man kein dichtes Unterstützungsnetz hat. Wenn ich den Erfahrungsberichten im Netz glauben will, kommt es stark auf die Ehrenamtliche an, wie das Verhältnis abläuft.

 

 

3 Kinder – 2 Mal Wochenbett – Ein Rückblick – 2. Wochenbett für Mehrfach- und Mehrlingseltern

Im Vorfeld der Zwillingsgeburt war ein Planen völlig unmöglich geworden. Erst sah es nach einer Frühgeburt in der 32. SSW aus, später wurden die Kinder dann am (Zwillings)Termin bei 38+1 erfolgreich eingeleitet. Ich hatte daher – ganz unüblich für mich – keine richtigen Plan zur Hand, wie es ablaufen sollte.
Da ich mich vom Frühgeburtsschock noch nicht erholt hatte als es an die Einleitung ging, war mir völlig entfallen, dass ab meiner 37. SSW. die Kita für drei Wochen Sommerferien machte. Egal wie es kommen sollte: meine größte Stütze in der Kinderbetreuung fiel komplett weg. Es tat mir für Minilama sehr leid, dass seine Sommerferien nicht so schön waren wie es es verdient hätte. Kein Urlaub, keine Ausflüge, anstelle dessen eine Woche lang Rumhängen daheim in brütender Hitze mit waliger Mama, die putzt und Treppen steigt, um vor der Einleitung zu entbinden, eine Woche lang Krankenhauszeit mit wechselnden Schlaforten, teils daheim, teils auch bei der Oma, eine weitere Woche lang, 2 neue Geschwister daheim, engeres Wochenbett von Mama, dann wieder Kita. So sah Minilamas leider Sommerprogramm aus.
Ich hätte das Mini so gern in der ersten Woche nach dem Klinikbesuch für einige Stunden in die Kita gebracht, damit es dort etwas Normalität leben kann und wir uns daheim etwas ausruhen können. Aber es war nicht möglich.
Aber zurück zum Anfang. Die Babies wurden dienstags abends geboren und nachdem freitags nachmittags alle Untersuchungen an mir und den Kindern abgeschlossen waren, wir einen Termin mit der Hebamme für den Samstag mittag ausgemacht hatten, verließen wir zu fünft nach dem Abendessen die Klinik. Draußen waren es über 30 Grad. Minilama war vom ständigen Wechsel der Bezugspersonen ordentlich aus dem Gleichgewicht, schüchtern weil es nicht wusste, wie es sich verhalten sollte, aufgedreht und ängstlich zugleich. Die typische Enthronungssituation für ein Erstgeborendes eben.
Mir ging es erstaunlich gut, ich konnte stehen, gehen, denken, war eigentlich schmerzfrei. Völlig anders als zum Zeitpunkt der Entlassung mit Minilama zwei Jahre zuvor. Allerdings spürte ich im Rücken bereits schmerzhaft das Aufwallen der Nachwehenstürme, die mich in den kommenden drei Tagen sehr quälen sollten. Ich war also eigentlich belastbar, stand aber vor einer der heftigsten Schmerzetappen meines Lebens – und hatte dabei die Aufgabe, meinen Kindern das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Zum Glück was Alphalama dabei. Er war schon nachmittags mit Minilama vorgefahren als wir noch Untersuchungen und Behandlungen hatten, hatte aufgeräumt, Wäsche gewaschen (wir hatten ja zu dem Zeitpunkt drei Windelkinder, die zu 100 % mit Stoff gewickelt wurden), Essen eingekauft, Flaschen vaporisiert, die Nahrung für die Kinder aus der Schublade geräumt, die Bettchen ins Schlafzimmer gerollt usw.
Als wir heimkamen konnten wir rasch zum Abendritual übergehen. Minilama schlief schnell ein, die Babies hatten ja noch keinen Rhythmus und waren ein wenig gestresst vom Ortswechsel und dem Tag im Allgemeinen, aber im Großen und Ganzen pflegeleicht. Während Alphalama die Kinder versorgte und tröstete lag ich in voller Länge auf dem Parkett und wand mich vor Schmerzen, schrie, zetere und klagte, teils wütend, teils unter Tränen. Die Schmerzmittel aus der Klinik schlugen nicht an. Nach ungelogen 3,5 Stunden Schmerzattacke konnte ich völlig verdreht liegend Ruhe finden.
Diese Attacken wiederholten sich bis Montag Abend noch 4 Mal. Zwischendurch ging ich einige Schritte draußen, immer 100 Meter vom Haus weg und wieder hin, teils 4 Mal. Volles Handy in der Hand, natürlich und im sehr langsamen Schritt. Es ging aber.
Wenn der Rücken mich ließ, ging es mir sehr gut. Minilama war aufgedreht, wollte unterhalten werden. Wir taten unser Bestes. Es gelang auch meistens, war aber enorm kräftezehend. Die Hebamme kam, gab mir stärkere Mittel, es wurde etwas abgefedert, aber ich musste trotzdem durch.
Montags ging Alphalama wieder zur Arbeit. Seinen Urlaub hatte er vor der Geburt verbraucht, als er einige Wochen bei mir blieb, um mir mit der Angst vor der Frühgeburt beizustehen. Meine Mutter hatte sich frei genommen und blieb wie auch vor der Entbindung mehrere Tage, schlief nachts in einer Ferienwohnung im die Ecke. Ende der Woche kamen Minilamas Patentante und die Patentante von Baby 2, beides enge Freundinnen von mir. Sie spielten mit Minilama, trugen Sachen hin und her, wenn ich sie darum bat, unterhielten mich. Ich lag viel auf der Couch wie auch schon vor der Entbindung, saß aber aber zunehmend auf dem Stuhl, da der Rücken vom vielen Liegen angeschlagen war. Montags ging Minilama dann wieder zur Kita, meine Mutter und ich kümmerten uns mit Hochdruck im eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse, die putze, wusch, den Haushalt instand hielt. Das war uns allen in dem Moment nicht möglich. Meine Mutter und Alphalama mussten wieder arbeiten, ich war mit der Genesung und der Kinderversorgung ausgelastet. Als sie dann endlich genehmigt wurde, hatte ich 5 sehr gute Wochen mit schön gebügelter Wäsche und Windeln (sie fehlt mir echt die Haushaltshilfe).

Ganz genau weiß ich es nicht mehr, ich glaube, Alphalama brachte Minilama noch eine weitere Woche morgens zur Kita (und fing dadurch später an, was auch doof war, da er später heimkam), dann traute ich es mir wieder zu. 7 Kilometer am Tag, mit 25 Kilo Wagen, 6,5 Kilo Babies, 15 Kilo Minilama auf dem Buggyboard – und das bei leichter und am Ende deutlicher Steigung. Es ging aber und ich hatte den Eindruck, dass es der Rückbildung auch gut tat.

Als die Kinder 8 Wochen alt waren fing die Rückbildung los. Dafür hatte ich mir die Finger blutig gesucht. Eine Rückbildung nachmittags oder am frühen Abend ohne Kinder, die zeitlich so lag, dass meine Mutter vorbeikommen konnte. Im Endeffekt war es nicht so komplex gewesen: Die Hebammen, die mir am Entbindungstag zur Seite gestanden hatten, machten den Kurs mitten in der Stadt.
Meine Mutter kam 10 mal mittwochs nachmittags, damit ich ohne die Babies turnen (und natürlich schwimmen) gehen konnte. Der Bauch war wiedermal top rückgebildet, besser wie bei den meisten andere, die nur ein Kind geboren hatten. Ich habe da wirklich gute Gene mitbekommen, ich bin auch dankbar dafür!
Die Wochenbettzeit habe ich in guter Erinnerung, vieles weiß ich nicht mehr so 100 % genau, muss ich dazu sagen. Geweint habe ich nicht, ich war gut drauf, froh mit dem Kindern. Wir hatten alles im Haus, was nötig war, da Handling war ja auch bekannt. Und außer kleinerer Unsicherheiten war z.B den Nabel eines Babies anging (der wurden in der Klinik anders versorgt als wir es kannten und machte später leichte Probleme) lief auch alles völlig problemlos ab. Minilama war in der Kita unauffällig, zufrieden, erzählte froh von den Geschwistern. Ich hatte ja diesmal keinerlei Wundschmerzen, mein HB-Wert stieg gut an, sodass ich dieses Mal keine Ausfälle nach der Geburt hatte.