„wenn du jetzt nicht hörst, reiß ich deinem Teddy den Kopf ab.“ – Warum Mütter in der Öffentlichkeit oft wie hysterische Irre wirken

Ja, ihr lest richtig. Diesen Satz habe ich gestern im Zug von einer Mama gehört. Und er hat mich an ein Gespräch mit Minilamas Patentante erinnert, die ein paar Jahre zur Arbeit mit dem Zug gependelt ist. Sie verstand einfach nicht, wie eine Mutter sich im Zug so benehmen konnte, wie sie es tat.
Die Mutter hat, so die Erzählung, das Kind wiederholt gebeten, sich zu setzen und nicht auf dem Sitz herumzuklettern. Wegen dreckiger Schuhe und eventuellem unerwartet starkem Bremsen des Zuges und weil man eben sitzt im Zug und sich unauffällig benimmt. Das hat das Kind natürlich nicht gemacht. Scheinbar wiederholt sich dieses Spiel bei jeder, wohl regelmäßigen, Zugfahrt. Die Mutter war gut genervt und hat irgendwann in ihren nicht vorhandenen Bart gemurmelt, um ihrem Unmut über das gut gelaunte, aber unfolgsame Kind, Ausdruck zu bringen. Meine Freundin fand das Ganze sehr unangemessen und hat sich ein bisschen geschämt in dieser Situation, aus der sie nicht heraus konnte, da sie ja auch im Zug festsaß. Nun, ich war nicht dabei und weiß daher nicht wie genau das Ganze abgelaufen sind und was da los war, aber: ich frage mich seitdem nochmal mehr, wie ich eigentlich in der Öffentlichkeit so wirke.
Also, davon, wie ich wirke, wenn ich nur als Lamasus unterwegs bin, habe ich ein ziemlich gutes Bild, das ist auch völlig ok. Ich denke nicht, dass irgendjemand daran Anstoß nehmen wird, mich irre, hysterisch oder anderweitig anstößig finden wird.  Vielleicht ein bisschen, wenn ich enerviert telefoniere, aber das Telefonieren hat ohnehin abgenommen seit ich keinen Handyvertrag mehr habe. Insofern ist alles in Ordnung, denke ich. Wenngleich mir immer wieder Dinge passieren, die man so nicht erwartet hätte (Beim Metzger, in der Bibliothek oder wenn es ums Autofahren geht. Letztens habe ich im Schwimmbad einer Jugendlichen die Haare ausgekämmt, weil sie das nicht hinbekam und mich drum gefragt hat.)
Aber mit meinen Kindern? Ich denke schon länger darüber nach, wie wir alle so aussehen, wenn wir unterwegs sind, die Sirenen an, am besten im strömenden Regen, nasses oder verdrecktes Minilama. Oder letztens bei der U irgendwas als Minilama zuvor in der Kita komplett umgezogen werden musste (und wirklich und beim besten Willen keine vorzeigbaren Sachen trug) , eine wegen der starken Erkältung zusätzlich noch eine blutige Nase hatte. Beim Kinderarzt allgemein sehe ich immer, ja wirklich immer zum Fürchten aus. Egal, ob ich mich daheim noch frisch geduscht habe, extra noch sauber angezogen haben oder nicht.
Meistens bin ich im Moment alleine und  notfallmäßig da, mit allen dreien. Ich bin dann in Rekordzeit aus der Kita ans andere Ende der Stadt gesprintet und ohne Übertreibung völlig durchgeschwitzt. Das tropische Klima in der Praxis und die Anstrengung Zwillinge zusammen die Treppen hoch zu tragen tun dann ihr übriges (wenn ich schon notfallmäßig kommen darf, gehe ich denen nicht noch auf die Nerven und bitte sie, die Kinder mit hochzutragen.) Glücklicherweise ist Minilama in der Praxis meistens sehr pflegeleicht und guckt auch nach den Babies. Aber nach 60 Minuten warten in einem kleinen Kabuff sind wir dann meistens trotzdem alle völlig durch und haben unsere liebe Not, klar zu artikulieren, was denn jetzt genau mit wem los ist.

Beim Kinderturnen sind sogesehen alle Mütter nonstop dabei, ihre Kinder zu ermahnen, anzutreiben oder zu loben. Hier verliere ich, wie wohl auch alle anderen,  auch am ehesten die Nerven, das gebe ich ehrlich zu. Ich halte den Druck nicht aus, einerseits Minilama freies Spiel zu ermöglichen, andererseits ihm klarzumachen, dass es bitte nicht im Spiel die nächste Übung blockieren soll und vor allen Dingen nicht andere Kinder damit anstecken soll. Und ja: Mir ist das unangenehm, wenn plötzlich alle die Übung so umdichten wie mein Kind, wenn sich die Schlange immer mehr vergrößert hinter uns, weil Minilama irgendwas anderes machen will. Ich denke, diese eine Stunde in der Woche wirke ich wirklich wie eine hysterische Irre. Ob ich nun laisser-faire mache (und damit die Mütter nerve, weil sie ja nicht turnen können und das auch deutlich zeigen) oder ob ich die Strenge gebe, woraufhin Minilama dann bockt und weint und schreit, ich habe ihm wehgetan, weil ich es auf die Füße gehoben habe (und ich mich fühle wie eine aggressive Mutter, der das Kind abgeholt gehört) , ob ich es mehrmals frage, ob es Pipi muss oder ob ich es mir schnappe und aufs Klo zwinge (beides kommt mir vor wie ein faux-pas)- egal was ich da mache, ich komme mir vor als wäre ich völlig irre. Zu laut, zu schrill. Und dabei habe ich nur das Mini dabei!

Oder wenn wir im Laden sind und es einen kleinen Wagen will und an der Kasse den Wagen stehenlässt und wegrennt, zurück in den Laden während das Kassenband schon läuft, die Kassiererin schon eintippt, die Babies sind ja auch noch da, ich habe nicht genug Hände für Wagen, Waren, Geldbörse – und mein Kind ist weg. Auch hier: das ist mir schnell zuviel, ich rede auf das Kind ein, appelliere an die Vernunft, plappere viel, sicher auch etwas, an dem Fremde Abstoß nehmen werden. Ich bequatsche das Kind, es tut nicht, was ich ihm sage – weiß sicher auch nicht genau, was es überhaupt tun soll. Irgendwann knatscht es dann und ich stehe inmitten der Scherben. Knatschendes Kind wegen unnötig zeternder Mutter – ein Bild, das ich um alles in der Welt nicht abgeben will.
Geht aber womöglich nicht anders. Also, dass es so wirkt, wie eben geschrieben. Elternschaft macht ja öffentlich. Alphalama nennt das Babypubertät, was das Mini grade durchlebt. Gewöhnen werde ich mich daran sicher nicht.

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