Was wir NICHT haben – Anti-Anschaffungstipps für werdende Eltern

Es gibt so viele Dinge, die man fürs Kind kaufen kann. Und so viel davon ist Schrott, unnötig, gesundheitsschädlich, Humbug und Betrug. Was ich toll finde, habe ich schon einmal bzw. erstaunliche drei Mal vorgestellt (hier, hier, hier), was ich überflüssig finde, möchte ich in dieser Liste, die ich regelmäßig erweitern werde, zusammenstellen. Manche habe ich von vorneherein nicht angeschafft, manches hatte ich (leider) mal für eine gewisse Zeit zuhause und war froh, als ich es wieder los war.

  • Isofix Bases für unsere Babyschalen
  • Ein Maxitaxi oder andere Wägen mit Adapter für die Trageschale
  • Treppenstühle mit Neugeboreneneinsatz
  • Windeltwister
  • Wegwerfwindeln
  • Babybadewanne
  • kleines Schälchen aus Plastik mit mehreren Mulden, zum Babywaschen
  • Schonbezug für den Einkaufswagen
  • Abtropfgitterchen für Babyfläschchen
  • Plastikfläschchen
  • Schnuller
  • Moltontücher
  • Bettwäsche für Babies
  • Spülspray für Fläschchen
  • Zahnungsgel, Zahnungsbluboli, Zahnungsketten
  • Spieluhren für jedes Kind
  • Eine Wickelkommode oder ein ganzes Babyzimmer, gekauft im Möbelhaus
  • Fläschchenwärmer
  • Schnuller
  • Portionsdöschen aus Plastik für Babyessen
  • Thermomix fürs Breikochen
  • gekaufte Gläschen
  • Cooltwister
  • BabyCDs
  • Kinderwagenketten oder Kinderwagenspielzeug
  • Ein Babybay-Beistellbettchen
  • Sommerfußsäcke
  • Babyphones
  • Schutzbezüge für die Kindersitze (verrutschen nur)
  • Schonmatten fürs Auto
  • ein großes Familienauto
  • Schwimmhilfen
  • Laufstall
  • Gluboli oder Weledaprodukte allgemein
  • Matschkleidung aus Plastik
  • Regenhosen
  • Gummistiefel
  • Gehfrei oder Hoppser
  • Pukylino
  • Babyschaukel
  • Stubenwagen
  • Reisebett
  • Warmhaltecover für Fläschchen aus Stoff und Isomaterial

 

Hast du eine Ergänzung? Einen üblen Fehlkauf getätigt, vor dem du andere bewahren willst? Willst du eine lustige Geschichte zu zerplatzten Einkaufsträumen erzählen? Gerne, lass mir doch einen Kommentar da!

„Da dürfen Sie heute abend aber müde sein“ – Mit Lamasus auf dem Parkplatz

Ich komme auch wirklich immer in die abgedrehtesten Lagen. So wie neulich. Unterwegs im Auto mit allen drei Kindern im Auto sinnierte ich noch über das Gespräch nach, dem ich gerade entkommen war. Die Babylamas waren im Buggy umhergeschoben worden und ausnahmsweise gleich angezogen: Gleiche Nabelbundhose, gleicher grauer Dufflecoat, die gleichen Klimperklein-Mützchen, gleiche Farbe, jedoch in leicht anderem Stoffdesign. Die beiden schliefen und ja, sie sehen wenn sie so exakt gleich angezogen sind und schlafen aus als wären sie eineiig. Eindeutig als Zwillinge zu erkennen. Außerdem sind sich auf 0,5 cm gleich groß und auf 40 g gleich schwer, der KU ist exakt der selbe.  Sie schlafen nach sehr langem Schreien und einer extrem miesen Nacht (10 mal war ich auf, unter 35 Minuten ging gar nichts. Geschlafen habe ich effektiv von 2.14 bis 4.02 Uhr), da sie nun völlig am Ende sind.
Ich wartete also an der Ampel mit meinen Klonen – und tatsächlich: aufs Recken folgte die beste – und unnötigste- Frage aller Zeiten:

„Sind das Zwillinge?
(Ich denke: Nun ja, sie sind gleich groß, gleich alt, liegen in einem Zwillingsbuggy. Was soll anderes sein als Zwillinge? Wenn ich kein Kind geklaut habe oder über eine externe Gebärmutter zwecks Heranzucht von weiteren Kindern verfügt habe als mein Einling geboren wurde, müssen es wohl Zwillinge sein. )
Ich sage aber: „Ja, sie sind Zwillinge.“
Das Leiden ist nicht zuende„Es ist ein Junge und ein Mädchen, oder?“ (Sie waren ganz rosa bzw. blau  angezogen, eindeutig ihrem realen Geschlecht entsprechend.)
„Ja sicher.“  (Meine Stadtartantwort)
Und es geht weiter mit dem Bullshit: „Da haben Sie aber Glück, dass die so ruhig sind.“

Wie ich also noch so nachsinne komme ich an unserer Garage an. Wir haben ja ein Stadthaus und eine Garage in 200 m Luftlinie Entfernung. Da ich die Kinder nicht allein im Haus lasse, um das Auto umzuparken, ist nach dem Parken immer noch ein kleiner Fußmarsch nötig. Und da die Babies ihren Brei wollen und ich sie so lange sie noch nicht sitzen können, gern in der Babyschale füttere, im Moment auch ein Babyschalentransport. Es nieselt ein bisschen. Es ist dennoch was los draußen bei den Stellplätzen und auch auf dem öffentlichen Parkplatz in der Nähe.
Ich fahre an, stelle den Wagen ab. Steige aus, öffne alle Türen, aus denen was oder wer raus muss. (Das mache ich seit ich in einer alten Nido gelesen habe, wie Eltern ihr Baby hinten im Auto vergessen haben und zur Arbeit gingen. Teils mit schlimmen Ausgang. So übermüdet wie man manchmal ist, kann das sicher vorkommen).
In meinem Fall sind es alle Türen. Zu meiner Beruhigung mache die Fahrertür schon mal zu. Sieht so aus als hätte man schon was geleistet.
Dafür geht der Kofferraum auf. Erstmal muss ich an den Buggy. Dazu räume ich die Wickeltasche, meinen Rucksack, das nasse Regencover und  Minilamas Kitarucksack aus. Muss alles kurz auf den feuchten Boden. Jetzt kommt der Doppelbuggy raus. Der ist nicht leicht. Irgendwer beobachtet mich doch, denke ich. Und ja, hinter mir steht ein Opa, der dem Schauspiel interessiert zuguckt. Ich würde eigentlich gern um Hilfe fragen – kostet ja das selbe – aber der Buggy ist für Fortgeschrittene. Zudem noch ziemlich neu und daher steif. Ich mache ihn so weit auf wie es geht, rüttele dann vorne, an den beiden Körben, an der Verriegelung. Mittlerweile ist Baby Nummer 1 wach und fühlt sich unwohl. Minilama hat sein Buch fallen lassen und will es zurück. Ein Windstoß will mein Regencover wegtragen. Das verhindere ich umgehend, denn dieses Stück Plastik ist mir so wichtig wie kaum ein anderes Stück der Babyausstattung. Der Buggy steht, er ist innen nass vom Regen eben auf dem Parkplatz. Ich lege die Babydecken rein, damit die Babies, die keine Schneeanzüge, sondern ja ihre Nabelbundhosen und Thermostrumpfhose tragen, nicht nass werden. Wäre eigentlich kein Problem, wir sind ja in 2 Minuten daheim. Aber ich bin faul und habe keine Lust die Kinder direkt komplett umzuziehen. Daher das etwas unorganisierte Hantieren mit den Decken – keine Einschlagdecken mit Löchern – und den Anschnallgurten. Baby 1 wird aus der Babyschale genommen, wehrt sich, wird angeschnallt. Tür 2 fällt ins Schloss. Jetzt steht der Buggy sicher. Ich hänge die Wickeltasche hinten dran und knülle mein Regencover oben drauf.
Minilamas Leiden hat zugenommen, ich reiche ihm sein Buch und löse Baby Nummer 2 aus der Babyschale. Und die Schale selbst löse ich auch gleich mit. Die wird gleich zum Füttern zweckentfremdet. Baby Nummer 2 ist verschlafen und bis es weiß, was los ist, ist es auch schon im Buggy angeschnallt. Tür 3 fällt ins Schloss. Ich atme auf, stelle die Babyschale neben den Buggy und ziehe meinen Rucksack an. Jetzt helfe ich dem Mini aus dem Reboarder. Der Verschluss bleibt an seiner Schurwollleggings hängen, das Kind hängt fest, schreit und winkt mit Armen und Beinen. Ich hebe es zurück (aua, das Kind ist schwer), löse Wolle und Clip voneinander. Wieder Glück gehabt, ein Faden ist los, aber es ist keine Laufmasche. Die Bücher müssen verstaut werden. Das Mini geht zum Buggy und hält sich daran fest. Tür 4 fällt ins Schloss. Ich schärfe ihm währenddessen ein, den Buggy nicht loszulassen. Das war unnötig, es spielt mit Baby 1, das noch immer lauthals schreit. Ich ziehe Minilama seinen Rücksack an, ziehe den Buggy und das Mini seitlich ans Auto und schließe den Kofferraum. Ich war mit Alphalamas Auto unterwegs, daher habe ich nur den Ersatzschlüssel. Zurück an die Fahrertür, Schlüssel ins Schloss, Tür verriegeln wie früher, es klickt.
Ich hänge mir die Babyschale an den Unterarm, nehme die Hände an den Buggy und rasch beginne ich zu schieben. Am Anfang braucht man ordentlich Schwung, um die Masse in Bewegung zu bekommen. Ich atme tief ein, kurz die Augen zu, 2 Sekunden lang. Ich habe alles, nichts vergessen. Baby Nummer 2 wird wach, schreit ebenfalls. Es hat Hunger, denke ich, und eine neue Windel ist auch nötig. Das hatte ich mir in der Stadt verkniffen. Minilama erklärt mir, dass es Milch und Knusperbrot mag und ein Gummibärchen. Der Plan für gleich nimmt Formen an.
Wir gehen am Opa vorbei in Richtung Wohnturm. Ich überlege, ob ich den Brei für morgen aus der Truhe nehmen muss oder ob ich das schon gemacht habe. Ob ich noch genug Brot für morgen habe oder ob ich was auftauen muss. Was ich kochen will heute abend und welche TK-Produkte dazu nötig sind. Ihr merkt es schon: Unsere Truhe steht in der Einliegerwohnung, Und da ich nicht die Treppen hoch- und runtergehe ohne etwas dabei zu transportieren, denke ich immer schon vorher darüber nach, was wohin muss. Erspart mir viel Rennerei – und wir haben 50 Stufen im Haus. (Pluspunkt ist natürlich, dass meine Pomuskeln fester sind als die von allen anderen Mamas – und das finde ich als wettbewerbsorienterte Frau natürlich gut.)
Und dann höre ich aus dem Off: „Da dürfen Sie heute Abend aber müde sein.“
Der Opa hat wohl die Vorstellung genossen und gegen Ende seinen Applaus in Gnade umgewandelt. Dennoch vermessen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wirklich nicht. Mein Kopf ist wie leergefegt. Die Brot-Brei-TK-Gemüse-Planung ausgenommen, ebenso die Windel- und Breigedanken und die Käsebrotwünsche.
Aber außerdem?
So gnädig-vermessen dieser Fremde auch sein mag. Er hat keine Ahnung. Ich bin diese Woche Strohwitwe. Ob nun müde oder nicht – ich trage die volle Verantwortung für drei Unmündige – Tag und Nacht.
Und so schweige ich.

Lebensweisheiten vom Allerfeinsten: Die Dackelstory – wie man sich NICHT manipulieren lässt

Wer kennt das nicht? Man merkt, dass das Gegenüber einen grade manipulieren will, aber irgendwie findet man kein richtiges Verhaltensmuster, um dem zu entkommen. Und man klebt wie das wehrlose Insekt im Netz der Spinne. Man ärgert sich über sich selbst und auch darüber, dass man gerade „geblackmailed“ wird.
Da im Moment wieder einige meiner weisen Lebensweisheiten zu mir zurückkehren, dachte ich, ich teile diese mal  einem breiteren Publikum aus. Das ist eine wirklich bedenkenswerte Story, die ich allgemein gern erzähle.
Und sie handelt von einer der süßesten Spezies, die man sich so vorstellen kann: Glatthaardackelwelpen.
Aber zurück zum Anfang: Als ich noch im Grundstudium war, hatte ich einen guten Bekannten, der – für mich zunächst nicht wahrnehmbar – mehr Interesse an mir hatte als Freundschaft. Da ich das nicht erwidern konnte, war die Situation schon von vorne herein ein wenig doof. Als Freund mochte ich ihn sehr gern, mehr jedoch beim besten Willen nicht. Und obwohl ich mich ehrlich um das größte Taktgefühl bemühte, gelang es nicht, einen guten Schlussstrich zu ziehen. Im Gegenteil, leider: Der Zurückgewiesene war nicht nur enttäuscht, sondern auch derart in seiner Ehre verletzt und richtig sauer, dass er  ab einem gewissen Punkt alles ausprobieren wollte, um mich dennoch zu überzeugen. Als die üblichen, ich sage mal „netten“ Sachen wie Blumen und Gedichte nicht den gewünschten Erfolg brachten, versuchte er die perfideren Dinge, beispielsweise versuchte er mich zu verunsichern. Das überzeugte mich umso mehr, dass meine Haltung doch richtig war. Ich ging auf Distanz.
Und er holte zum entscheidenden Schlag aus: Hundebabies. Ja, ihr lest richtig. Es klopfte an meiner Wohnheimtür und zwei ganz kleine Dackelwelpen kamen rein als ich öffnete. Und ich sage euch, diese Tierchen sind derart niedlich, dass man kaum andres kann als sie zu knuddeln und zu herzen. Ich hatte jedoch genug negative Erfahrungen mit der Person gesammelt, um zu erahnen, dass die Welpen nur Mittel zum Zweck sein sollten. Und daher dachte ich mir, damals: „Egal wie süß diese Dackelbabies sein mögen, ich lasse mich nicht manipulieren.“ Und ich habe die kleinen Süßen nicht geknuddelt, nicht gestreichelt und auch sonst nichts. Der Enttäuschte zog wütend ab, nicht ohne zu betonen, dass doch kein normaler Mensch Dackelwelpen verschmähen würde. Allerdings war das die letzte Note in dieser bitteren Symphonie und ich war das Problem los. So falsch kann mein Verhalten also nicht gewesen sein.
Diesen Rat habe ich sicher schon an die 20 mal  – und jedes Mal mit Erfolg – gegeben. „Egal wie süß die Dackelbabies sind, manipulieren lassen brauchst du dich deswegen noch lange nicht.“
Und wenn ich in einer solchen Lage bin, rufe ich mir kurz die Welpen in Erinnerung und bin sicher, wie ich zu handeln habe.

Alltagsästhetik – Stoffwindeln für die Babypuppe

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

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Minilama beginnt gerade mit Rollenspielen. Es ahmt nach, was ich mit den Babylamas tue. Fläschchen geben, anziehen, mit Brei füttern, baden und natürlich auch wickeln. Und da wir ja ein Stoffwindelhaushalt sind, wollte ich kreativ werden und für die Puppe „Puppe“ eine schöne AIO-Windel entwerfen. Sitzt, passt, das Kind ist froh. Zum Glück nicht kritisch, wenn es um die perfekte Ausführung geht.

 

„wenn du jetzt nicht hörst, reiß ich deinem Teddy den Kopf ab.“ – Warum Mütter in der Öffentlichkeit oft wie hysterische Irre wirken

Ja, ihr lest richtig. Diesen Satz habe ich gestern im Zug von einer Mama gehört. Und er hat mich an ein Gespräch mit Minilamas Patentante erinnert, die ein paar Jahre zur Arbeit mit dem Zug gependelt ist. Sie verstand einfach nicht, wie eine Mutter sich im Zug so benehmen konnte, wie sie es tat.
Die Mutter hat, so die Erzählung, das Kind wiederholt gebeten, sich zu setzen und nicht auf dem Sitz herumzuklettern. Wegen dreckiger Schuhe und eventuellem unerwartet starkem Bremsen des Zuges und weil man eben sitzt im Zug und sich unauffällig benimmt. Das hat das Kind natürlich nicht gemacht. Scheinbar wiederholt sich dieses Spiel bei jeder, wohl regelmäßigen, Zugfahrt. Die Mutter war gut genervt und hat irgendwann in ihren nicht vorhandenen Bart gemurmelt, um ihrem Unmut über das gut gelaunte, aber unfolgsame Kind, Ausdruck zu bringen. Meine Freundin fand das Ganze sehr unangemessen und hat sich ein bisschen geschämt in dieser Situation, aus der sie nicht heraus konnte, da sie ja auch im Zug festsaß. Nun, ich war nicht dabei und weiß daher nicht wie genau das Ganze abgelaufen sind und was da los war, aber: ich frage mich seitdem nochmal mehr, wie ich eigentlich in der Öffentlichkeit so wirke.
Also, davon, wie ich wirke, wenn ich nur als Lamasus unterwegs bin, habe ich ein ziemlich gutes Bild, das ist auch völlig ok. Ich denke nicht, dass irgendjemand daran Anstoß nehmen wird, mich irre, hysterisch oder anderweitig anstößig finden wird.  Vielleicht ein bisschen, wenn ich enerviert telefoniere, aber das Telefonieren hat ohnehin abgenommen seit ich keinen Handyvertrag mehr habe. Insofern ist alles in Ordnung, denke ich. Wenngleich mir immer wieder Dinge passieren, die man so nicht erwartet hätte (Beim Metzger, in der Bibliothek oder wenn es ums Autofahren geht. Letztens habe ich im Schwimmbad einer Jugendlichen die Haare ausgekämmt, weil sie das nicht hinbekam und mich drum gefragt hat.)
Aber mit meinen Kindern? Ich denke schon länger darüber nach, wie wir alle so aussehen, wenn wir unterwegs sind, die Sirenen an, am besten im strömenden Regen, nasses oder verdrecktes Minilama. Oder letztens bei der U irgendwas als Minilama zuvor in der Kita komplett umgezogen werden musste (und wirklich und beim besten Willen keine vorzeigbaren Sachen trug) , eine wegen der starken Erkältung zusätzlich noch eine blutige Nase hatte. Beim Kinderarzt allgemein sehe ich immer, ja wirklich immer zum Fürchten aus. Egal, ob ich mich daheim noch frisch geduscht habe, extra noch sauber angezogen haben oder nicht.
Meistens bin ich im Moment alleine und  notfallmäßig da, mit allen dreien. Ich bin dann in Rekordzeit aus der Kita ans andere Ende der Stadt gesprintet und ohne Übertreibung völlig durchgeschwitzt. Das tropische Klima in der Praxis und die Anstrengung Zwillinge zusammen die Treppen hoch zu tragen tun dann ihr übriges (wenn ich schon notfallmäßig kommen darf, gehe ich denen nicht noch auf die Nerven und bitte sie, die Kinder mit hochzutragen.) Glücklicherweise ist Minilama in der Praxis meistens sehr pflegeleicht und guckt auch nach den Babies. Aber nach 60 Minuten warten in einem kleinen Kabuff sind wir dann meistens trotzdem alle völlig durch und haben unsere liebe Not, klar zu artikulieren, was denn jetzt genau mit wem los ist.

Beim Kinderturnen sind sogesehen alle Mütter nonstop dabei, ihre Kinder zu ermahnen, anzutreiben oder zu loben. Hier verliere ich, wie wohl auch alle anderen,  auch am ehesten die Nerven, das gebe ich ehrlich zu. Ich halte den Druck nicht aus, einerseits Minilama freies Spiel zu ermöglichen, andererseits ihm klarzumachen, dass es bitte nicht im Spiel die nächste Übung blockieren soll und vor allen Dingen nicht andere Kinder damit anstecken soll. Und ja: Mir ist das unangenehm, wenn plötzlich alle die Übung so umdichten wie mein Kind, wenn sich die Schlange immer mehr vergrößert hinter uns, weil Minilama irgendwas anderes machen will. Ich denke, diese eine Stunde in der Woche wirke ich wirklich wie eine hysterische Irre. Ob ich nun laisser-faire mache (und damit die Mütter nerve, weil sie ja nicht turnen können und das auch deutlich zeigen) oder ob ich die Strenge gebe, woraufhin Minilama dann bockt und weint und schreit, ich habe ihm wehgetan, weil ich es auf die Füße gehoben habe (und ich mich fühle wie eine aggressive Mutter, der das Kind abgeholt gehört) , ob ich es mehrmals frage, ob es Pipi muss oder ob ich es mir schnappe und aufs Klo zwinge (beides kommt mir vor wie ein faux-pas)- egal was ich da mache, ich komme mir vor als wäre ich völlig irre. Zu laut, zu schrill. Und dabei habe ich nur das Mini dabei!

Oder wenn wir im Laden sind und es einen kleinen Wagen will und an der Kasse den Wagen stehenlässt und wegrennt, zurück in den Laden während das Kassenband schon läuft, die Kassiererin schon eintippt, die Babies sind ja auch noch da, ich habe nicht genug Hände für Wagen, Waren, Geldbörse – und mein Kind ist weg. Auch hier: das ist mir schnell zuviel, ich rede auf das Kind ein, appelliere an die Vernunft, plappere viel, sicher auch etwas, an dem Fremde Abstoß nehmen werden. Ich bequatsche das Kind, es tut nicht, was ich ihm sage – weiß sicher auch nicht genau, was es überhaupt tun soll. Irgendwann knatscht es dann und ich stehe inmitten der Scherben. Knatschendes Kind wegen unnötig zeternder Mutter – ein Bild, das ich um alles in der Welt nicht abgeben will.
Geht aber womöglich nicht anders. Also, dass es so wirkt, wie eben geschrieben. Elternschaft macht ja öffentlich. Alphalama nennt das Babypubertät, was das Mini grade durchlebt. Gewöhnen werde ich mich daran sicher nicht.