„Papa, ich war krank“ – Minilama beim Kinderarzt

Gestern holte ich in der Kita ein merkwürdig gestimmtes Minilama ab. In der Einrichtung geht wiedermal der Virenzirkus um und neben zahlreichen Kindern sind auch 7 Erzieherinnen und Erzieher erkrankt. Notbetrieb – mal wieder. Schriftverkehr an uns Eltern, wer sein Kind früher abholen kann. Mal wieder. Das ist seit Weihnachten bestimmt schon das 6 Mal, dass die Kita nicht normal arbeiten kann, weil Leute fehlen. Langsam aber sicher nervt es, trotz allem Verständnis. Und ich will nicht dran denken, wie es wird, wenn ich wieder arbeiten gehe im Herbst. Denn auf meiner Arbeitsstelle ist es reichlich egal, ob in der Kita die Leute krank sind. Ich muss dann Urlaub nehmen, von dem ich mal nicht ausreichend habe, um nur die Ferien abzudecken, unbezahlt daheim bleiben oder mich aufs Kind krankschreiben lassen, was mir empfindliche Lohneinbußen beschert.
Nichts desto trotz, es lässt sich nichts ändern und die Erzieherinnen können nichts dafür. Das ist ein Problem in der Personalplanung, auf die die konkreten Leute vor Ort keinen Einfluss haben.
Wenn ich es nicht schaffe Minilama sehr früh (um 2) abzuholen, endet es jedes Mal im Chaos, leider. So auch dieses Mal.
Ich ließ Mini bis 16 Uhr in der Einrichtung. Um 10 vor vier kam ich an. Es waren noch knapp 5 Kinder da, die spielten. Minilama sah auf den ersten Blick zufrieden aus. Es wollte jedoch nicht auf die Toilette gehen, sondern direkt heim. Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass was nicht in Ordnung ist. Denn es weiß, dass wir 20 Minuten unterwegs sind und das mit voller Blase unangenehm werden kann. Es weigerte sich standhaft, stampfte und weinte. Ich suchte mit ihm die Jacke als Ablenkungsmanöver. Da sah ich es: Ausgelaufen, bis in die Kniekehle hinein. Trotz Trainerhose. Also schon länger. Bemerkt hatte das keiner der Erzieher. Ich musste mir Kitakleidung leihen, da unsere Ersatzsachen im anderen bereits abgeschlossenen Gebäude lagen. Minilama fand das unangenehm und begann zu weinen. Da die Hälfte nicht passte, lief ich mehrmals wieder aus dem Bad in den Raum mit den Ersatzkleidern. Das missfiel ihm auch. Die Hose wollte es absolut nicht, das gab erneut Tränchen. Außerdem war seine linke Wange rot-blau. Wie es dazu gekommen war, konnte es nicht sagen, auch die Erzieherinnen nicht. 25 Minuten später verließen wir die Einrichtung. Minilama weinte noch immer. Und dann lauter als ihm auffiel, dass es seinen Karnevalsorden vergessen hatte – im Nebengebäude. Das abgeschlossen war. Auch der Versuch, Schokolade oder Gummibärchen als Ersatz anzubieten scheiterte. Minilama wollte nichts, auch keinen Joghurt. Anstelle dessen klagte es nun verstärkt über Bauchweh. Was ich zuvor noch als Phase abgetan hatte, besorgte mich. Als 500 Meter weiter noch immer das gleiche Weinen und Klagen zu hören war, trotz dem Angebot aller Dinge, die normalerweise zeigen, dass es dem Mini gutgeht, rief ich den Kinderarzt an. Es war 16.20. Ich musste durchklingeln lassen. Und durfte trotz genervtem Unterton noch vorbeikommen, da sie mir zustimmten, das das kindliche Verhalten untypisch sei und wir besser nachgucken sollten. Aber schnell natürlich, weil um 5 der Feierabend begann. Ich begann zu joggen, noch knapp 1 Kilometer. Zuhause warfen wir schnell Decken, Felle, Regenhose, Kitabeutel usw. ab und liefen quer über die Straße zur Praxis. Dort schlossen wir den Wagen an der Treppe fest und ich griff mir die Babies, eines rechts, eines links und ging die Treppe hoch. Oben angekommen durften wir direkt ins Labor durchgehen. Alle wurden ausgekleidet und wir warteten knapp 15 Minuten. Ich war völlig nassgeschwitzt und stand mit fleckigem Shirt vor der Liege. Minilama begann munter zu erzählen, was es auf dem Plakat vor ihm sah. Es lachte und plauderte gut gelaunt los. Ich begann Zweifel an unserem Besuch zu hegen.
Der Arzt kam, müde vom Tag. Er untersuchte Minilamas Bauch, Ohr und Hals  und sah sich auch die Zwillinge kurz an. Gesund, vielleicht was im Anmarsch, aber im Ganzen ok. Er verabschiedete sich. Minilama quakte ihm nach: „Kann ich ein Gummibärchen haben“? Es bekam eines.
Alphalama war noch nicht nah genug in der Nähe, um mir beim Runtertragen zu helfen. Ich packte wieder die Babies, die schweren und schnaufte die Treppe runter. Löste die Fahrradkette, Minilama hielt uns die Tür auf. Wir traten auf die Straße. Ich sah Alphalamas Hut auf der anderen Straßenseite. Er winkte mit dem Eau de Javel in der Hand, das er mir für die Kellerreinigung mitgebracht hatte. Minilama lachte fröhlich und brüllte über die Straße: „Papa, ich war krank.“

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