„Minilama, bist du gedopt?“ Erziehungsorganisation für weit Fortgeschrittene

In unserem stark ritualisierten Alltag gab es bisher einen Abend, der mir zunehmend Bauchweh bereitete. Eine von diesen Alltagsbaustellen, bei der man spürt, dass etwas nicht rund läuft, aber man keine Idee hat, was genau. Es geht ums Kinderturnen, bei dem Minilama schon seit knapp einem Jahr mitmacht. Zuerst mit Alphalama bis Schwangerschaft und Rückbildungszeit abgeschlossen waren, nun mit mir.
Alphalama hat die erste Phase des Trotzens und Heimwollens, des ausschließlich Im-Tor-Stehens anstelle Mitmachens und des kollektiven Weinens mit den Kitakumpel durchgestanden. Auch die Zeit, in der das Mini lieber im Vorraum sein wollte anstelle in der Halle, in der es die Trinkpause zur Turnstunde ausgeweitet hat und lieber nur trinken und nicht turnen wollte. Öfters als nur ein Mal musste er frühzeitig abbrechen, weil nichts mehr ging. Mittlerweile will Minilama gern toben gehen, wie es sagt. Es freut sich auch auf die Gummibärchen, die es nach dem Turnen immer für alle gibt und fragt vermehrt am Vortag nach dem Turnen. Wenn es entfällt, ist es traurig und wenn wir an der Turnhalle vorbeigehen oder es den Weg zur Turnhalle erkennt, will es sofort turnen.
Das Jahresende haben wir super hinbekommen, alle hatten Spaß und waren zufrieden.
Gerade, wenn man meine eigenen Erfahrungen kennt, was das Turnen angeht, weiß man wie wichtig mir der Spaß daran ist. Wenn ich an meine eigene Kinderturnzeit denke, bin ich nicht so glücklich und weiß sicher, dass ich nicht einen Bruchteil der Freude daran hatte, die Minilama hat. Ich erinnere mich an sehr viele Details aus meiner frühen Kindheit, episodisch weiß ich Begebenheiten seit meinem 3 Lebensjahr. Ich weiß, welche Lieder wir im Turnen gesungen haben, grob, was gemacht wurde, wie ich die Übungsleiterinnen fand und dass ich am liebsten laufen wollte und im Tor stehen.Und dass alle anderen lieb an der Hand der Mama mitgemacht haben, dass mich ein sehr gelocktes Mädchen an meine Kuschelkatze erinnerte, die unglücklicherweise „Zombi“ hieß und dass mein „Zombi, Zombi“- Rufen daher nicht allzugut ankam. Dass meine Mutter ziemlich genervt war, weil sie immer alleine „ringel ringel rose“ tanzen musste und ich im Allgemeinen nicht gern dort war, da ich im Kinderturnen zum ersten Mal erfahren habe, wie schlecht ich beim Sport bin, wie gut und ambitioniert es andere Kinder sind. Eine Erfahrung, die ich von dieser Zeit an bis zum Abitur mehrmals wöchentlich machen durfte, auf dem Gymnasium stets schon am Vortag des Unterrichts mit Bauchschmerzen eingeleitet und großer Erleichterung, wenn es vorüber war. Bis ich dann verstand, dass das Verweigern einer Bodenturnkür das gleiche Ergebnis brachte wie das Blamieren vor den Mitschülern: Nämlich eine 6. Und als mir das einigermaßen egal war mit der 6 habe ich sie mir dann ohne die Schmach vor den Jungen meiner Klasse im Nebenraum eintragen lassen und den Rest der Stunde doof in der Halle rumgestanden. Zum Abschluss nur so viel: Die sportlichen Kids sind soweit ich Facebook trauen kann heute überdurchschnittlich oft „alte Herren“ mit Bierbauch, die ach so beliebten und gern lästernden Bauchfreigirls der 90er , nun ja, sehen oft eher nicht mehr so knackig aus, während die Sportloser von früher heute Halbmarathon laufen oder täglich trainieren gehen. Verrückte Welt. Nicht in jedem Fall natürlich, aber witzgerweise öfters als man so denkt.
Minilamas Turnen ist anders wie meines früher. Hier werden nicht die Besten in den Mittelpunkt gerückt. Nach dem Aufwärmen bauen wir gemeinsam eine Zirkelbahn auf, die alle Kinder 10 bis 15 mal wiederholen. Jeder fängt an wo er will, macht die Übungen in seinem Tempo. Die Kinder haben Spaß, sie lachen. Das merkt man daran, dass sie nach einigen Runden beginnen zu spielen, richtig zu spielen. Da ist einer der alte Mann, ein anderer ist ein Pferd, Minilama war gestern eine Babyspinne – und dann machen die Kinder die Übungen eben so, wie ihr alter ego sie machen würde, auch wenn das nicht so ist, wie sie angesagt wurde. Das ist ok für alle. Es gibt nie Wettbewerbe, sondern Spiele sind immer kooperativ. Natürlich sind manche Eltern sehr ambitioniert und schubsen durchaus andere Kinder (leider meist meine Babyspinne) ein bisschen zur Seite, wenn sie nicht schnell genug für ihre Kinder Platz machen, aber ich lerne immer besser damit umzugehen. Die Atmosphäre ist im Großen und Ganzen angenehm und wenn man es hinbekommt, die anderen auszublenden (was mir auch immer besser gelingt), kann man sein eigenes Kind sehr gut bei der motorischen Entwicklung begleiten. Minilama kennt daher die negativen Gefühle meiner Kindheit nicht, weiß nicht, dass Kind a ein super Sportler werden wird – das kann man schon jetzt sehen – oder dass Kind b sehr mutig ist, viel mutiger als es selbst. Ich habe einen genauen Blick dafür bekommen, aber behalte es für mich, denn Minilama hat Spaß dabei und die Übungsleiterin ermuntert mich, das Kleine Schritt für Schritt in die Freiheit zu begleiten.  Minilama erlebt in seinem eigenen Tempo jede Woche neue Erfolge. Dass es dennoch von vielen Altersgenossen weit überflügelt wird, ist eine andere Sache, die ihm völlig egal scheint und die ich dadurch immer besser akzeptieren kann.
Ich ziehe mitnichten eine Sportskanone groß, die auf eine Elitenförderschule für Sport gehört.Wenn es darum geht, dran zu bleiben, die eigenen Grenzen zu erweitern dann verdient Minilama gute Zensuren. Wobei, das wissen wir alle: So ist Sportunterricht nicht. Aber zum Glück ist das Leben ja mehr als nur Schule und Bewegungsfreude ist eine Gabe, die man sich das ganze Leben über erhalten sollte, ebenso wie Kreativität trotz autoritärem Kunstunterricht oder Freude an der Musik trotz elitärer Förderung in der Musik.
Ich gedenke Minilama in seinem Versuchen zu unterstützen und meckere nur dann, wenn es aus Bequemlichkeit eine Übung umgehen will. Wenn es Angst hat oder gerade nicht will, frage ich nur ein einziges Mal nach. Dann bleibt es bei dem „nein“ und wir machen etwas anderes.
So fahren wir grundsätzlich gut. Seit Minilama trocken ist, haben wir wieder vermehrt Schwierigkeiten mit dem Turnen gehabt. Es war gestresst und weinerlich und öfters trotz Fragen nass. Wir hatten beide keinen Spaß mehr am Turnen. Ein neuer Entwicklungsspung stand ins Haus, das war deutlich zu spüren. Da ich noch nicht wusste, wie ich damit umgehen wollte, waren mir die zwei Ausfallwochen, die auf eine schlimme Turnstunde, die abgebrochen werden musste, gerade recht.
Normalerweise holt Alphalama das Kleine nach dem Turnen ab, damit ich noch eine Stunde Fitness machen kann, Aerobic, Rückentraining, Bauch-Beine-Po. Nach der Rückbildung bin ich nach längerer Pause wieder eingestiegen und habe  es zunehmend als Schwierigkeit wahrgenommen, in den Abendstunden nicht zuhause sein zu können. Diese Zeit ist hier die dichteste und bedarf zweier Erwachsener. Zudem ist es uns nicht gelungen, die Menge an Zeugs zu reduzieren, die ich dabei hatte: Kitataschen, Wechselkleidung für alle, oft noch den Buggy, meine Turnmatte usw. Wir waren beladen wie die Maulesel, gestresst vom Schleppen und es fehlte doch immer was Wichtiges. Minilama kam meist  unmittelbar aus der Kita und sollte dann direkt turnen. Es ging nicht. Daher fasste ich an Fastnacht den einzig richtigen Entschluss und meldete mich selbst vom Turnen ab. Wir sparen dadurch jeden Monat sage und schreibe 6 Euro (!) und ich spare dadurch einen Haufen Nerven und Minilama hat eine gute Zeit. Wenn Turnen ist, steht Minilama absolut im Mittelpunkt. Ich habe für mich nur ein paar Ersatzschuhe dabei, sonst nichts. Ich hole es in der Einrichtung früher ab, wir sind noch 1,5 Stunden zuhause, gehen dann alle zusammen mit Buggy und Doppelwagen an die Halle, Alphalama kommt an die Halle und übernimmt die Babylamas. Dann haben wir den Buggy zum Behängen mit der Tasche. Wir beide wechseln nur die Schuhe; ich habe 3 komplette Ersatzgarderoben in der Tasche dabei, für den Fall der Fälle. Getrunken wird im Moment nichts mehr, bei der Halbzeit gehts anstelle dessen kurz zum Boxenstopp. Auf dem Weg nach Hause wird ausnahmsweise der Buggy bemüht, denn es ist fürs Auto zu nah, aber mit den 800 Metern (mit ordentlich Steigung) bis nach Hause ist es doch eine Zumutung am Ende es Tages für ein Kleinkind.
Und was sagt die Übungsleiterin, die ich übrigens außerordentlich schätze? „Minilama, was ist los mit dir? Du bist ja heute wie gedopt.“
Alles richtig gemacht, schätze ich. Erziehung für Fortgeschrittene eben.

Alltagsästhetik: Schönes Zuhause – Die Einliegerwohnung ist fertig

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

————— Zur Feier des Tages folgt heute ein etwas ausführlicherer Alltagsästhetikartikel ——————

Vor einiger Zeit habe ich vom Ausruf des Paketboten berichtet, als er unsere Einliegerwohnung sah. Jener Teil des Wohnturms, der früher ein Frisörsalon war und später der Alterswohnsitz der Vorbesitzerin und den wir beim Einzug als Abstelllager nutzen und später als Ort, an dem Kinderwägen, Fahrräder, Aussortiertes und Minilamas Fuhrpark, sein Sandspielzeug und sonstiger Krimskrams herumstanden. Eben jener Teil des Wohnturms, in dem die neuen Fenster gelagert wurden, wo die Tischkreißsäge ratterte, und wo wir dann Babytaufe feierten.
Wir haben ja bekannterweise anstelle auswärts zu dinieren eine preiswerte Variante von Taufe gefeiert und unser Geld ins Haus investiert. Angesichts der zahlreichen Feste, die wir veranstalten, eine gute Entscheidung, wie ich finde.
Dass das Ganze ziemlich geil geworden ist, bestätigte mir ja letztens schon der Rheniusbote, der meine neue Küche vorbeibrachte und dabei kurzzeitiges Chaos im Paradies anrichtete.

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Aber nur kurzzeitig. Mein Lieblings-Alphalama hat mit mir zusammen die Küche aufgerichtet und gleich auch noch eine neue Garderobenecke eingerichtet, die unseren aktuellen Bedürfnissen eher gerecht wird als die erste Variante im ersten Stock.
Mal schauen? Gern. Hereinspaziert.

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Und die Garderobe
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Und noch?
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Wie es weitergeht bei uns?
Der Keller muss mal ordentlich aufgeräumt werden und der Speicher wird endlich gedämmt und die gusseisernen Heizkörper haben auch die längste Zeit die Optik verunstaltet.
Dieses Jahr wird einiges geschafft im Wohnturm.

Moderne Dogmen III Selbst- und Fremdbetreuung: Warum ich meine Kinder gern in die Krippe bringe

Momentan lese ich wieder vermehrt zum Thema „Selbstbetreuung“ und „Leben ohne Kindergarten“. Ein Elternteil bleibt vollständig zuhause und betreut Kind oder Kinder bis in die Grundschulzeit oder bis in die Vorschulzeit zuhause. Gefördert werden die Kinder mit allerlei Methoden und Ideen aus den verschiedensten pädagogischen Trickkisten. Dank Pinterest kommen wir ja problemlos an die sehr guten Ideen aus dem anglophonen Raum heran, wo Homeschooling (und alles, was damit zu tun hat) eine größere Tradition hat und  auch für die Schulzeit offiziell erlaubt ist.
Ich selbst bediene mich auch gern an diesen Ideen und habe beispielsweise die busy bags für uns entdeckt. Kleine Spiele in Beuteln, die man in der Tasche dabei hat und mit denen das Kind sich beschäftigen kann. Was zum Basteln, Stecken, Knobeln oder Malen. Aktuell steckt Minilama Duplo nach einer Bildvorlage in Form und Farbe zusammen und hat viel Freude dabei.
Aber ich schweife ab. Denn so klasse manche Förderideen sind und so ich gern sie als – pädagogisch ausgebildeter Mensch – meinem Kind anbiete, bin ich dennoch kein Fan der Selbstbetreuung länger als 1 oder 2 Jahre.
Ich betone: Das ist meine Meinung und diese wende ich auf meinen Wirkungskreis, sprich meine Familie an und rate, wenn ich um meine Argumente gefragt werde, das gleiche auch an die Fragesteller. Von mir aus kann es jedoch jeder so halten wie er/ sie will. Wenn also jemand sein Kind 7 Jahre ausschließlich zuhause betreut,  ist mir das grundsätzlich schnurzegal.
Doch warum schicke ich, eine Akademikerin mit pädagogischem Ausbildungshintergrund, meine Kinder mit 12 Monaten in die Fremdbetreuung?

Zum einen sind da empirische und pädagogische Gründe

  • Mein erstes Kind, Minilama, ist ein Socialiser. Es ist gern unter Menschen und hat die Krabbelgruppe (im Gegensatz zu mir) sehr genossen. Wenn sie zuende war, war es traurig.
  • Bei mir zuhause hat es sich gelangweilt, einfach weil zu wenig los war. Und die Alternative, täglich Kurse zu machen, war tatsächlich für mich keine. Ich mag es nicht, in Socken auf Teppichen herumzusitzen, in schlecht geheizten Räumen meine Zeit zu verbringen und Kinderlieder zu singen, auf die mein Kind keine Lust hat, während es wegkrabbelt, um etwas zu entdecken.
  • Minilama lernt durchs Beobachten und das am liebsten von anderen Kindern. Das ist in der Kita natürlich dauerhaft gegeben.
  • Minilama ist zudem sicher gebunden und kann daher gut mit anderen Bezugspersonen umgehen.
  • Minilamas Entdeckerfreude kennt kaum Grenzen und es wünscht sich regelmäßig Abwechslung im Spielangebot. Diese Abwechslung kann ich zuhause nicht, die Kita jedoch sehr wohl, bieten.
  • Minilama erfährt in der Einrichtung sehr viel Förderung und neue Impulse, schließt Freundschaften und lernt vieles Neues kennen. Untersuchungen belegen, dass Kinder, die früh in der Krippe gefördert wurden, bessere Startchancen haben, weniger späteren Förderbedarf. Mein begrenzter Blick auf das zweijährige Minilama bestätigt das. Es löst Puzzles für 4 jährige, ist sehr früh und völlig problemlos trocken geworden, hat einen enormen Wortschatz, den mancher 5 jährige nicht hat, ist motorisch und vor allem sozial sehr weit entwickelt. Das können nicht nur die guten Gene sein…

Zum anderen persönliche

  • Obgleich ich Mama bin und Alphalama Papa bleiben wir auch noch Menschen mit eigenen Interessen und Wünschen. Wir sind keine Egoisten, aber wir kennen uns gut und wissen, wir funktionieren am besten, wenn es uns gut geht. Wir haben Berufe ergriffen, die wir mit Freude und Hingabe ausfüllen und deren Erledigung und glücklich macht. Wenn es uns gut geht, sind wir die besseren Eltern für unsere Kinder.
  • Hinzu kommt: Ich verstehe mich nicht als Zuverdienerin, die mehr oder weniger gezwungenermaßen einen Minijob ausübt sondern erwirtschafte mit meiner Arbeit einen gleichwertigen Anteil am Haushaltseinkommen. Insofern ist meine Motivation unbezahlt auf Dauer zuhause zu bleiben nicht sehr hoch. Dass dies nicht allen Frauen möglich ist, ist ein großes Problem und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und verändert die Ausgangslage der entsprechenden Familien eklatant, das möchte ich betonen.

Zum dritten finanzielle

  • Obgleich ein Krippenplatz nicht umsonst ist, so ist er doch rechnerisch sinnvoll für in meinen Augen – und das nicht nur, weil ich den Entwicklungsgewinn für die Kinder mit einrechne: Die Extrakosten für die Betreuung kann ich über die Lohnsteuer geltend machen, die Kosten überschreiten mein Gehalt nicht, sondern mindern es nur.  Mal angesehen davon: Die Rechnung muss ohnehin anders gemacht werden: Die neuen Kosten hälftig auf die beiden Gehälter verteilt beispielsweise oder man muss sehen, was die Berufstätigkeit der Frau für den Familienhaushalt im Ganzen erbringt – jetzt und in Zukunft. Man darf nie vergessen, dass man mit seiner jetzigen Tätigkeit gleich zwei Mal wertschöpfend unterwegs ist: In Form seines aktuellen Gehaltes und in Form von Rentenpunkten, Antwartschaften und Arbeitsjahren. Jede Stunde, die ich jetzt arbeite, nutzt mir später für die Rente – und auch meinem Partner. Denn da die Renten künftig nicht mehr so üppig sein sollen, ist es doch gut, wenn beide etwas beitragen und vielleicht noch privat vorsorgen können. Oder für den Fall, dass man sich unerwartet als Alleinstehende/r wiederfindet, ist es ohnehin gut, ein bisschen was im Rententöpfchen liegen zu haben und auch, wieder Fuß gefasst zu haben in der Arbeitswelt. Das gegenwärtige Unterhaltsgesetz „zwingt“ Eltern dazu wieder arbeiten zu gehen, wenn das jüngste Kind drei ist, zumindest läuft dann die Unterhaltspflicht der Expartners aus und wenn man dann keine Stelle hat, ist man schnell bei Hartz IV angelangt. (Ich betone: Ich sehe keinen Kausalzusammenhang zwischen „zuhause bleiben für die Kinder“ und „einige Jahre später allein erziehend und von Hartz IV abhängig sein“, wohl aber einen Zusammenhang zwischen „den Anschluss beruflich nicht verpassen“ und „finanziell abgesichert bleiben“)

Zum vierten partnerschaftliche

  • Alleinverdiener und Hausfrau/mann ist für mich und auch für Alphalama kein Lebensmodell mehr. Partnerschaft bedeutet für mich, dass beide sich beruflich wie familiär einbringen und ausbringen können. Die Last des Alleinverdieners und die des Housekeeper hatten Alphalama und ich während Minilamas Elternzeitphase beide schon einmal inne und es macht keinen Spaß. Geteiltes Leid ist einfach halbes Leid und geteilte Freude doppelte Freude – was das Geldverdienen und das Zeit mit der Familie verbringen angeht, besonders.

Soweit meine Ansichten was die Selbst- und Fremdbetreuung angeht. Sicher nicht 100 % wasserfest – aber was ist das schon? Es ist zumindest unsere Art, wie wir mit dem Thema umgehen und bisher sind wir damit zufrieden.

„Haben Sie ein Auto?“ – Lamasus und das Automobil

Vor einiger Zeit, mitten im Gespräch über den Wohnturm fragte mich jemand „Haben Sie ein Auto?“ Das kam nicht überraschend, da wir keine Garage oder Stellplatz direkt vorm Haus haben und mitten in der Stadt wohnen. Zudem kennt mein Gesprächspartner mich nicht als berufstätige Frau, sondern lediglich die Facette der Herdenmama.
Und? Hat Lamasus ein Auto? Und die drei kleinen Lamas in Allgemeinen? Mein Gesprächspartner hielt es für wahrscheinlicher, dass ein „nein“ kommt denn ein ja.
Und es ist auch wahrscheinlicher, dass zumindest ich (Alphalama lassen wir erst mal aus dem Spiel, sonst wird es zu verworren) kein Auto besitze und ebenso auch keine Fahrerlaubnis habe.
Warum? Wer dem Blog folgt, wird bemerkt haben, dass ich eine durch und durch Öko-Haltung vertrete. Das ist weder ein Modetick von mir noch eine mir genuin selbst eingefallene Haltung. Das liegt am Umfeld, in dem ich groß geworden bin. Als Jugendliche war ich viel mit Ökos zusammen und habe daraus eben auch Schlüsse für mein Leben gezogen, was die Berufswahl und auch die Haltung angeht.
Fakt ist, dass ich mit 17 explizit keine Fahrschule besuchen wollte. Zum einen, weil ich vorhatte nach dem Abi die ländliche Gegend, in der ich aufgewachsen bin, rasch in Richtung Stadt zu verlassen (2 Tage waren es, um genau zu sein zwischen Abifeier und Flug ins Ausland), zum anderen, weil ich ein bisschen Angst hatte, das mit dem Fahren nicht hinzubekommen.
Meine Mutter jedoch ließ absolut nicht mit sich diskutieren (zum Glück, sage ich heute. Einer meiner Professoren hat mit 50 den Führerschein nachgemacht – und es war kein Zuckerschlecken), sie bezahlte mir den Führerschein und fuhr mich zur Fahrschule. Sie sagte nichts als ich über 40 Übungsstunden benötigte (aber beim ersten Mal bestand) und beschaffte mir zudem einen 86er Polo Fox, der mehrere Jahre abgemeldet im Carport anderer Leute herumvegetiert hatte. Über Feldwege von meinem Opa, der für solche Aktionen immer zu haben war, zum Schrauber unseres Vertrauens geschafft und schön aufgearbeitet fuhr der Viergangwagen (Meine Mutter sagte immer „Der 5. Gang ist der Rückwärtsgang) noch einiges an Kilometern. Und überraschte mich an meinem 18. Geburtstag. So richtig enthusiastisch war ich nicht. Aber ich verstand meine Mutter: Ich komme aus einem Minidorf, wo 2 Busse am Tag ankommen: Der morgens zur Schule und der mittags von der Schule. Wer mehr oder weniger als 6 Schulstunden hatte, kam im nächsten Ort an und musste abgeholt werden – oder 20 Minuten durch die Felder heimgehen, was natürlich keine Option war  als Mädchen und allein und am besten täglich zur selben Zeit.
Meine Mutter hatte primär mal keine Lust weiterhin mehrmals in der Woche eine Extrafahrt einzulegen, um mich abzuholen, wie sie es schon in der 10. und 11. Klasse gemacht hatte.
Als Fahranfängerin bin ich gefahren wie auf Eiern. Ich hatte keinen Mut, der Motor „soff“ total oft ab und mir widerfuhren ständig neue abgedrehte Dinge auf den 10 Kilometern zur Schule. Einmal war ich davon überzeugt, einem Igel über die Pfote gefahren zu sein.
Ich kannte bald Schleichwege, um dem allgemeinen Stadtverkehr in der Schulstadt zu entweichen; mittelalterlich-enger Stadtkern und Verkehr wie verrückt, um 1000 Schülerinnen anzukarren und eine ordentliche Steigung noch dazu. Nachdem ich 2 mal den gesamten Verkehr lahm gelegt hatte, weil der Motor sich beim Am-Berg-Anfahren verabschiedet hatte (zuviel Gas gegeben in meiner Not) umfuhr ich das Ganze – nachdem ich zu Fuß eine Begehung gemacht hatte (mache ich heute übrigens in manchen Orten noch immer).
Als ich dann endlich mein Abi hatte und für mehrere Monate ins nähere und fernere Ausland entschwand, stand der Wagen still und ich gab ihn an einem Bekannten weiter, der ihn als Forstauto noch einige Jahre ausdauernd nutze.
Für mich was das mit dem Fahren abgeschlossen. Semesterticket und ÖPNV nutze ich (und nutze ich) sehr gern und mein erster Berufswunsch wäre durchaus auch ohne Auto gegangen. Da ich aber eine von denen bin, die immer mehr wollen, wollte ich auch nicht den Job, den so viele wählen, sondern einen anderen mit mehr Verantwortung, mit mehr Reiz, der meinen diffusen Begabungen mehr entspricht. Und ja, mit einer Ausnahme fahren wir alle oft und viel, sind oft unterwegs, auch über Nacht und brauchen realistischerweise ein Auto.
Hätte meine Gesprächspartnerin also gewusst, was ich neben meinem Mamasein und meinem akademischen Projekt tue, um den Wohnturm zu bezahlen, hätte sie nicht nach dem Auto gefragt.
In der Ausbildung habe ich das Autofahren gelernt; nicht mit der Feuertaufe, sondern mit der Schneetaufe. Ich begann im Winter in einer Höhenregion. Und kaum dass ich alle Strecken grob abgefahren hatte, warf es wie aus Eimern. Radeshoch lag der Schnee und leider waren die örtlichen Räumdienste nicht in der Lage, der Sache Herr zu werden. Trauriger Lamasusrekord: in 10 Minuten zwei Mal festgefahren, aber jedes Mal so richtig, so dass ich den Wagen mit der Schneeschaufel (die ich neben Besen und anderem Winterzeugs stets im Auto hatte) freiräumen musste.
Wenn immer möglich nutzte ich Bus und Bahn und nahm den Wagen als Zuwegbewältiger.
Auf der ersten Stelle stand der Wagen am örtlichen Netto und ich bewältigte den Weg von Tür zu Tür (70 km) mit dem Zug, Das war eine schöne Zeit, im Nachhinein.
Obgleich wir nun in einer Stadt wohnen (und vorher immer in kleinere Dörfchen) ist der Weg zur neuen Dienststelle nicht sinnvollerweise mit den Öffentlichen zu machen. 90 Minuten für 25 Kilometer in einem Touristenbus mit Radanhänger und Umsteigen in einem Dorf ohne Laden halte ich nicht für gangbar, zumal ich diejenige bin, die heimfährt, wenn Minilama aus der Kita abgeholt werden muss.
Ich fahre dienstlich knapp 1000 Kilometer im Monat, mal mehr mal weniger. Und privat? 0-10 Kilometer im Monat.
Nach wie vor. Denn die Privatfrau Lamasus ist Autogegnerin. Sie lehnt Kurzstrecken ab, Fahrten zum Aldi, zum Arzt, in die Kita. Wir leben in dicht besiedeltem Gebiet. Und auch wenn ich die Stadtgrenze verlassen muss, um Minilama zur Kita zu bringen, gehe ich nicht länger als 2 Minuten nicht an Häusern vorbei. Da brauche ich keine Angst zu haben. 1,7 Kilometer sind es ein Weg. Die gehe ich vier mal am Tag, bei Wind und Wetter. Ausnahme ist, wenn Minilama krank von der Kita abgeholt werden muss. Dann mute ich ihm das nicht zu.
Einkaufen „fahren“ kennen wir sogesehen nicht. Wir tragen die Einkäufe im Rucksack oder fahren sie im Kinderwagen (wobei der Doppelwagen schockierend wenig Platz im Korb bietet) – und das nicht täglich. Maximal zwei Mal pro Woche kaufen wir zu Fuß ein, meist in Zusammenhang mit Hol- oder Bringgängen zur Kita.
Als Alphalama und ich nach dem Wohnturm suchten, suchten wir auch Infrastruktur mit: Stadtbusanbindung, Zuganbindung, Ärzte- und Schulauswahl, Freibad, Schwimmbadnähe. Für nichts brauchen wir das Auto.
Als Privatpersonen sind wir autofrei, gehen zu Fuß oder nehmen den Zug in die nächst größere Stadt (der schneller ist als der Bus). Ich habe sogar erwogen, mein Auto zu verkaufen für die Elternzeit (weil es den TÜV nicht geschafft hätte). Aber als wir dann Zwillinge erwarteten, traute ich mich nicht, kein Auto zu haben, wenn Alphalama weg ist den ganzen Tag.  Wenn man mal in die Klinik müsste oder so. Eigentlich Quatsch das Ganze. Aber der neue Wagen ist super und fürs Arbeiten ideal. Verkaufen würde ich ihn natürlich nicht mehr, ich gehe ja bald wieder arbeiten. (Das ist auch so ein Thema: Mit drei Kindern wieder arbeiten gehen? Das geht doch nicht)
Entgegen aller Erwartungen:  Einen FamilienSUV haben wir noch immer nicht, obschon alle meinen, wir bräuchten einen Sharan oder sowas, für was sich Eltern üblicherweise verschulden. Mein kleiner Micra fasst wenn nötig uns alle und das trotz üppigen Reboardern. Und weit fahren wir gewöhnlich nicht mit allen fünf, das geht schon.
Im Moment brauche ich den Wagen nur, wenn einer krank wird und heim soll oder wenn ich zum Bahnhof muss, um ins Schwimmbad zu kommen. Was aber nicht heißt, dass ich noch wie auf Eiern fahre, wie früher. Die Schneetaufe hat mir geholfen und die Tatsache, dass ich von Beruf Spurensucherin bin, auch. Wenden und rückwärts einparken kann ich auf jeden Fall souverän. Nach drei verschiedenen Stellen mit immer neuen Orten und Geheimeckchen, die zu erkunden sind, finde ich doch das meiste und habe einiges an Fahrpraxis gesammelt.
„Haben Sie eigentlich ein Auto?“ fragte mich die nette Dame, die mir Wellcome geschickt hat, um mich zu entlasten.
Sie wollte mir helfen, wenn ich mal ein Auto bräuchte für meine Herde. Damit ich nicht immer so weit laufen müsste mit dem Kinderwagen und den drei Kleinen und nicht immer so schleppen müsste. Als ich dann ein bisschen von dem erzählte, was ich hier ausgeführt habe, war sie verwundert. Die Öko-Lamamama und diese Autostory? Nein, da hätte sie doch eher erwartet, dass ich „nein“ sage.

Haushaltsoptimierung: Wäsche für 5 Personen ohne Trockner, ohne auszuflippen

Eine Bekannte, die einen vierköpfigen Haushalt führt, berichtete mir  vor einiger Zeit, sie habe täglich mindestens zwei Maschinen Wäsche und sei dadurch sehr ausgelastet und arbeitsmäßig grenzwertig belastet.
Ich habe versucht, rauszufinden, wieso sie so viel Wäsche hat, aber schnell gemerkt, dass es interessanter ist, wieso ich nur so wenig Wäsche habe und das trotz 24 Stoffwindeln am Tag.
Das Wäschewaschen ist das Thema junger Mütter, so scheint es mir. Die Wäscheberge explodieren, man braucht einen Wäschetrockner und man ist ständig am bügeln.
All das ist im Lamahaushalt nicht der Fall. Ich wickelte zeitweise drei Kinder in Stoffwindeln, Alphalama trägt Hemden auf der Arbeit, die Babylamas waren in ihren ersten beiden Monaten Spuckbabies.
Und dennoch: Alle 10 Tage eine Kochwäsche, alle 7 Tage eine 40 Grad Wäsche, 2 mal wöchentlich Windelwäsche. Bügeln alle 10-14 Tage. Einen Trockner haben wir entgegen aller Prophezeiungen aus unserem Umfeld nicht und werden auch keinen anschaffen. Da protestiert mein ökologisches Gewissen und es ist auch nicht nötig. 5 Personen bekomme ich super ohne Trockner gemanagt.
Wie?
Ich versuche es euch vorzustellen:

  • Ich wasche nur Kinderkleidung, die schmutzig ist oder im Windelbereich riecht. Nur weil ein Body schon einen Tag getragen wurde, wasche ich ihn nicht, ebenso Überziehsöckchen, Babyjacken o.ä.
  • Ich lüfte Hemden und Hosen auf dem Speicher oder draußen aus.
  • Meine Kinder tragen im Winter sehr viel Schurwolle oder Wollwalk. Beides kann man auslüften und ausbürsten. Die Wollhosen wasche ich ein Mal pro Jahr bevor sie in die Winterkiste kommen. Meine Hosenwäsche bei den Kindern geht bei den aktuellen Temperaturen nahezu gegen null.
  • Handtücher im Bad wechsele ich 2 mal in der Woche
  • Geschirrtücher wechsele ich täglich
  • Täglich wechseln die Großen: Socken, Unterwäsche, Tshirts. Den Rest tragen wir im Wechsel mit anderen Hosen/Pullis mindestens 10 Mal, lüften aus und waschen erst, wenn fleckig oder stinkig.
  • Schwimmsachen wasche ich nach einmaliger Benutzung (ich verlängere dann die Laufzeit meines Duschhandtuches zuhause entsprechend), Kinderhandtücher nach 2 mal Baden.
  • Schlafanzüge wechsele ich frühestens 1 mal in der Woche
  • Die Betten ziehe ich alle 6 Wochen ab (habe dafür eine Erinnerung im Kalender), lüfte sie aber täglich.
  • Bevor ich eine Maschine anstelle, sehe ich alle Kinderstrumpfhosen, alle Bodies und Socken durch, ebenso alle Oberteile. Was schmutzig ist, wird gewaschen.
  • Ich halte für alle Familienmitglieder ausreichend Kleidung für mindestens 1o Tage bereit, so dass ich niemals waschen muss, weil z.B. ein Pulli fehlt.
  • Ich wasche nur, wenn die Maschine wirklich voll ist, halbe Maschinen gibt es nicht.
  • Ich koche nur Handtücher, Waschlappen, Putzlappen bei 60 Grad, keine Kleidung. (Ausnahmen gibt es natürlich)

Beim Waschen, ebenso wie beim Haushalt folge ich einem festen Plan. Diesen halte ich in normalen Wochen, in denen keiner krank ist, keine Handwerker kommen oder sonstige Änderungen vorkommen, auch strikt ein. Die Grundsauberkeit im Haus stelle ich dadurch sicher. Regelmäßig habe ich im Kalender Erinnerungen an Dinge wie „Betten abziehen“ oder „Kleiderschrank ausräumen“ eingespeichert. Auf diese Weise vergesse ich nichts und alle Dinge im Haus werden regelmäßig wieder auf einen einigermaßen ordentlichen  Stand gebracht.