Alltagsästhetik – Ernteglück im tiefen Winter

Alltägliches kann erstaunlich schön sein, wenn man es aus einem anderen, einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet. Die Schönheit des Alltags möchte ich in der Reihe „Alltagsästhetik“ einfangen.
Ein Bild, ein paar Sätze, flüchtig wie der Augenblick.

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Im Winter gibt es nur so wenig wirklich Frisches, Knackiges. Seit einigen Jahren (außer in den Schwangerschaften) ziehen wir besoders in dieser Zeit frische Spossen auf dem Fensterbrett (in der alten Wohnung) oder auf einem freien Fleckchen Arbeitsplatte.
Erbsen, Kichererbsen, Linsen, Alfalfa, weiße Bohnen, Mungbohnen und manchmal einige Getreidekörner. All das wird gewaschen und dann einige Tage im Keimgerät bewässert. Die Ausbeute ist lecker – und wird meist nebenher weggenascht, wie ein Blick in die leergeräuberte Keimschale belegt. Gut abwaschen nicht vergessen!
Lecker, aber auch ein Augenschmaus, im kalten Winter nochmal etwas Grünes sehen zu können.

Zwischenbericht: Ein halbes Jahr Zwillingsmama – 10 Irrtümer über Zwillinge

Die Babylamas sind schon fast keine Babies mehr. Sie sind ein halbes Jahr alt, essen ihre Beikost und werden immer mobiler, entdecken die Welt, lachen, spielen und beobachten ihre Umwelt.
Und wir sind nun seit einem halben Jahr Zwillingseltern. Im letzten halben Jahr habe ich öfters mal episodisch aus meinem Alltag mit Mehrlingen gebloggt (hier, hier, hier) und darüber, wie es ist, wie ein „bunter Hund“ in der Öffentlichkeit aufzufallen. Es ist schräg und manchmal auch witzig, wenn man mit zwei Kleinen unterwegs ist. Die Menschen in meinem Umfeld sind irritiert, schockiert und überwältigt von der Arbeit, die ich wohl mit meinen Kindern habe, die noch alle unter drei Jahren alt sind.
Ich bin überwältigt von der großen Liebe, die ich für diese Kinder empfinde, darüber, wie wundervoll sie sind, welches Glück wir als Familie haben, mit diesen lieben Kindern. Wenn ich sie ansehe, dann bin ich völlig hingerissen von ihrer Schönheit, von ihren hellen klaren Augen, von ihren schönen Wimpern und ihren niedlichen Händchen, die alles entdecken und alles betasten wollen.
Sie sind sogar noch hübscher als ich sie mir vorgestellt habe und sie sind so ausgeglichen und zufrieden, besonders, wenn sie zusammen sind. Wenn sie zusammen auf der Krabbeldecke liegen, halten sie Händchen und lachen sich übermütig an. Wenn Minilama dazukommt, folgen sie seinem Tun überaus interessiert und tun alles, um seine Aufmerksamkeit zu erregen und geben immer öfter niedliches Gebrabbel und Dinogeräusche von sich. Es ist spannend zu beobachten, wie die Zwillinge miteinander agieren, wie sie miteinander kommunizieren, sich freuen, einander oder das Baby im Spiegel zu sehen. Sie beginnen, sich zu drehen und werden zunehmend mobiler. Die beiden entwickeln ganz eigene Persönlichkeiten und trotz sehr großer Ähnlichkeiten.
Nach einer anstrengenden Zwillingsschwangerschaft und schönen Kennenlerntagen und -wochen sind wir im Alltag angekommen. Der, von dem alle immer unaufgefordert sagen, bald besser wird. Die Kinder wachsen und gedeihen und sind jedes so groß wie ein Einling, noch immer. Keinerlei Anzeichen von irgendwelchen Nachteilen dadurch, dass sie sich 38 Wochen lang einen Bauch geteilt haben. Auch sonst zeigen sie keine Verzögerungen oder Auffälligkeiten, die man Mehrlingen ja häufiger nachsagt und weshalb sich viele vor dem Los „Zwillinge“ fürchten. Die U 5 war jedenfalls völlig in Ordnung. Sie sind nicht kränker als andere Kinder ihres Alters, nicht anstrengender, nicht lauter oder quengeln mehr. Sie sind manchmal etwas ungeduldig, was ich aber nachvollziehen kann, denn sie müssen öfters mal warten.
Das Horror-erste-Lebensjahr mit Zwillingen? Ist wohl in die zweite Jahreshälfte verschoben, wenn die Zähne kommen. Damit haben meine Kinder traditionell etwas Probleme. Gerade wenn drei in einer Woche durchbrechen. Minilamas Gebiss war mit 13 Monaten quasi vollständig und das arme Kind hat einiges mitgemacht in den 7 Monaten Zahnungsperiode. Darauf warten wir also noch und sehen erste Vorboten, bei einem der Babies stärker (und weißer blitzender) als beim anderen.
Ich kann also Entwarnung geben: Das Leben mit Zwillingen ist definitiv keine Höllenqual 24/7 wie es mir die Menschen weißmachen wollen. Und ich bin auch nicht zu bemitleiden, weil ich mit Mehrlingen gestraft bin. Alphalama und ich würden gern mal zu den Einlingseltern sagen, die uns so runtermachen: „Wie? EIN Kind? Oh Gott, was wollt ihr das nur machen? Was macht ihr die ganze Zeit? Das wird schlimm. Wir sind froh, dass wir keinen Einling haben, dann hätte ja nur einer was zum Knuddeln!“ – Nun ja, das denken wir uns natürlich. Aber mein Gegenüber hatte oft nicht den Anstand, seine Meinung zu Zwillingen für sich zu behalten – vom Unbekannten bis zur näheren Freundin. Zwillinge empfinden viele als Strafe und sagen das auch den armen Zwillingseltern. Damit die sich besser fühlen oder so.

„Alles wird besser“ sagen die Leute. Ich freue mich drauf – wo es doch schon im ersten halben Jahr überwiegend schön war mit den Babylamas und dem Mini. Jay, drei Kinder und eine Schwangerschaft gespart. Was kann es Besseres geben?

Nach einem halben Jahr kann ich folgende Bilanz geben:

  1. Oh je, Zwillinge! Das ist doch eine schlimme Risikoschwangerschaft und man muss dauernd zum Arzt.

Ja, muss man. Alle 2 Wochen mindestens. Aber dafür sieht man seine Kinder regelmäßig per Ultraschall.

2. Risikoschwangerschaft. Da stirbt doch sicher noch eins im Bauch und es werden sicher Frühchen.

Joah. Schwangerschaften sind im Allgemeinen unvorhersehbar und es kann alles Mögliche passieren. Am besten geht man aber vom Besten aus. Dem Körper ist durchaus zu trauen. Ich kenne genug Zwillingsmamas, die eingeleitet werden mussten (einschließlich ich selbst), ebenso wie ich Einlingsmamas kenne, die Frühchen in der 27. SSW geboren haben.

3. Zwillinge werden per Kaiserschnitt geboren.

Die Kaiserschnittrate in der BRD ist hoch, knapp jede 3. Schwangerschaft endet per Kaiserschnitt. Das hat verschiedene Gründe. Beckenendlage ist einer davon. Liegt ein Einling oder der führende Zwilling in BEL, wagen sich nur wenige Klinken an eine natürliche Geburt. Wer es sich zutraut, findet aber sicher eine Klinik, die es versucht.
Da bei Zwillingen alles Mögliche sein kann, was die Lage und die Gewichts- und Größenverhältnisse der Kinder angeht, gibt es schon mal einen Kaiserschnitt. Aber es ist keine Gleichung Zwillinge = Kaiserschnitt.
Wenn die Kinder gut liegen, der führende schwerer ist und sie 2 Fruchtblasen haben, rät die Klinik sicher zur natürlichen Geburt. Und wenn die Mama es sich zutraut, kann sie eine sehr, sehr schöne Geburt erleben.

4. Zwillinge kann man nicht stillen

Ich zumindest kann das tatsächlich nicht, denn ich konnte ja nicht mal einen Einling sattbekommen und habe mich daher dagegen entschieden, es dieses Mal zu versuchen. Theoretisch ist das aber möglich, denn der Körper kann genug Milch produzieren. Ob man Lust hat, 2 Babies an 2 Brüsten gleichzeitig zu stillen, sollte man sich überlegen. Mit der richtigen Hebamme, kann man es lernen. Ich würde eine Kombination aus Brust- und Fläschchenfütterung versuchen, wenn ich es könnte – gern auch mit abgepumpter Milch, damit man auch mal ohne Kinder weg kann und vor allem nachts der Partner mithelfen kann.

5. Zwillinge kann man nicht mit Stoffwindeln wickeln

Ein klares: Doch. Man kann Zwillinge mit Stoff wickeln und ein 2jähriges grade mit dazu. Das geht, wenn man es will und ausreichend Windeln im Haus hat. Wer sich aber vor Babykot ekelt und ungern Pipiwindeln anfasst, der sollte es sich gut überlegen, ob er sich das Ganze im Doppelpack geben will. Zu besten Zeiten gehen hier am Tag 25 Windeln durch, die man von Kot befreien muss, die man waschen, aufhängen und im Haus verteilen muss.
Wer nicht gern wäscht, sollte also nach Alternativen suchen.
Stoffwindeln für Zwillinge sind für Überzeugte kein Problem. Wir haben keine Plastikwindeln als Backup hier und vermissen sie nicht.

6. Zwillinge sind motorisch langsamer als Altersgenossen und brauchen mehr Förderung in Form von Therapien

Kann ich nicht bestätigen. Die Babies sind ebenso langsam wie Minilama und gleichzeitig völlig normal entwickelt. Bisher haben wir noch keine Extratermine und ich gehe grade auch nicht davon aus, das es passieren wird.

7. Zwillinge? Ihr könnt doch nie wieder schlafen

So 2 Stunden am Stück gehen immer, wir werden an schlechten Nächten von 19.30 (da schlafen hier alle) bis 4.30 (zwischen 4.30 und 5.00 ist die Nacht hier beendet) bis zu sieben Mal geweckt, oft von beiden. Das kann sehr zermürbend sein, grade wenn die Kinder dann auch (gemeinsam) acht Flaschen leer trinken und mehrmals gewindelt werden müssen und dabei schrill brüllen, dass man Angst haben muss, dass sie Minilama wecken.
Wir sind nicht ausgeschlafen und nutzen nicht unser gesamtes Hirnpotential im Moment, aber es gibt immer auch Nächste, in denen sie in der ersten Runde bis 23.00 schlafen und dann erst um 2 wieder kommen. Meistens schlafen sie auch rasch wieder ein.

8. Da brüllt doch einer den anderen wach

Nope. Hier nicht. Der eine schläft entspannt, der andere weint.

9. Die machen doch Schichten, einer ruht sich aus, der andere brüllt und umgekehrt. Da kommt man doch zu nichts mehr.

Es gibt solche Phasen am Tag, aber sie sind nicht in der Mehrzahl, zum Glück. Oft wechseln sich die Kinder ab: Heute ist der eine übel drauf, morgen der andere. Mit etwas Selbstdisziplin bekommt man die täglichen Aufgaben trotzdem erledigt. Zwillingsmütter sind ohnehin Supermoms oder sie werden es ganz schnell.

10. Mit Zwillingen ist man doch völlig überfordert, man hat zu wenig Arme

Mütter, die ihre Kinder ständig im Tragetuch haben und Dauerknuddeln können es sich nicht vorstellen, das für zwei gleichzeitig zu machen, allein weil sie nicht genug Arme haben.
Und ja, man kann Zwillinge nicht ständig im Tuch haben, man braucht einen Kinderwagen und Haushalt mit Kind auf dem Bauch ist auch schwierig, denn man hat ja 2. Dauerknuddeln und den ganzen Tag im Nachthemd bleiben ist auch schwierig, zumal als Mehrfachmama. Ich habe keine Möglichkeit, den Alltag komplett den Zwillingen unterzuordnen. Sie sind in eine bestehende Familie hineingekommen, in der Minilama seine berechtigten Bedürfnisse deutlich macht, in der es Zeiten, Aufgaben und Rituale gibt. Die Kinder haben hierin ihren Platz, aber sie sind nicht der Nukleus der Familie.
Manchmal müssen sie warten, sich alleine beschäftigen oder beobachten, was gerade getan wird.
Trotz Zwillingen manage ich den Haushalt, das Einkaufen, das Kochen, Hobbies, Minilamas Termine usw. Es gibt Kuschelphasen am Tag, an denen ein Baby im Mittelpunkt steht, aber eben auch andere Zeiten.
Diese Einsicht macht mich in vielerlei Hinsicht deutlich entspannter als Einlingsmamas, die von sich erwarten, dass sie alles für ihr Kind tun – jederzeit und immer.

 

Aufgetragen

Wenn ich solche Bilder  sehe, weiß ich ganz genau, warum ich nicht jeden Mist kaufe, der in Textilläden angepriesen wird. Aus Menschenliebe nämlich.
Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich mich mit dem Thema saubere Kleidung immer wieder mal en détail beschäftige (hier, hier, hier, oder hier  könnt ihr einige Gedanken dazu nachlesen) – auch meine SchülerInnen werden damit behelligt – jede Stufe, jedes Schuljahr immer wieder, wenn auch nur 1 oder 2 Stunden lang.
Denn ich finde, wer sich ein Echtfellaccessoire zulegt, sollte durchaus wissen, woher es kommt (eben nicht „aus dem Laden“) und wer Billigkleider für 2-4 Euro das Stück erwirbt, sollte in der Lage sein, nachzuvollziehen, dass die Produzenten dann dafür so gut wie nichts bekommen – und auch, dass die Rohstoffe aus dem die Dinge gemacht sind, nicht unbedingt sehr gesundheitsfreundlich (da eben teuer) hergestellt sind.
Das Thema ist gesellschaftsfähig geworden und die Textilhersteller ziehen nach – ob die Consciouslinie von H&M oder die pure collection bei Ernstings oder die bio cotton Sachen bei C&A: auch die Billigketten antworten auf ihre Art auf den Trend. Und die hochpreisigen Hersteller wittern scheinbar unbeschränkte Preissteigerungen, verrät mit der Spiegel.

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Über 300 Euro verlangt ein Ökoversand für eine Weste aus Restwolle (Abfall von der Produktion)

 

Bewusstes Kleiderkaufen ist also eine moderne, eine hippe Bewegung geworden. Wieso auch immer – ich finde es gut, dass die Menschen bewusster einkaufen.
Zu Beginn meines Interesses für Biokleidung wollte ich am liebsten alle meinen Kleiderschrank komplett austauschen, dass das eine sehr kurzsichtige Idee war, wurde mir rasch klar. Zum einen ist das preislich nicht machbar, zum anderen große Ressorcenverschwendung, wenn man noch tragbare Kleidung einfach wegwirft. Und wer mal versucht hat, Kleidung zu verkaufen, die nicht die 5 Inlabels trägt, weiß, dass man sie entweder gar nicht oder nur zu Ramschpreisen loswird. (Wer schon mal versucht hat, bei Ebay Kleinanzeigen zu verkaufen, weiß, was ich meine und weiß auch, wie unverschämt Menschen sein können, wenn sie in der Anonymität des Internets als erstes sich selbst sehen)
Insofern muss alles etwas modifiziert werden: Altes trage ich auf bis es nicht mehr tragbar ist. Dank der Nähmaschine und Handnähkenntnissen aus der Grundschule kann ich das meiste auch flicken oder ändern.
Neues wollte ich zuerst nur noch in Bioqualität kaufen. Da ich in der Schwangerschaft bis kurz vor Ende noch normale Kleidung tragen konnte und mit den  Shirts aus Minilamas Schwangerschaft und einigen zu groß gewordene Dinge meiner Mutter bestens auskam, war etwas Geld übrig, um Unterhemden in Bioqualität zu kaufen und einige Shirts – im Ausverkauf, da ging es, aber leider gibt es nicht alles, was mir vom Stil her gefällt, von den Biolabels. Ich bin ein Basictyp und immer mehr Biolabels sind sehr modisch und damit vergänglich. Anderes gefällt mir beispielsweise von Bench nach wie vor sehr gut, wenngleich es nicht bio ist. Und eine echte Marktlücke im Biogeschäft: Pushup-BHs. Die Verkäuferin im Bioladen meines Vertrauens hat alle (ja, alle) ihr zur Verfügung stehenden Kataloge geblättert und sogar auf einer Messe gefragt: Es gibt nur SportBHs und diese Trainingsdinger, Bustiers, wie meine Mutter sie mir als 12jährige gekauft hat. Scheinbar tragen Bioladies keine BHs oder mögen keine Pushups … Ich allerdings schon und das wird sich auch nicht ändern. Da kommen die guten alten Second Hand Klamotten ins Spiel. Die Fehlkäufe anderer werden bei mir geliebt – ebenso wie mancher meiner Fehlkäufe bei anderen.
Meine Garderobe im Moment?

Bench Longmantel 20 Euro
Irie Daily Parka 20 Euro
Levis Jeans aus Schultagen (lang in meinem Jugendzimmer, ungetragen, weil zu lang) professionell kürzen lassen 8 Euro
Think Ballerinas 30 Euro
Unterhemden von Living Crafts pro Stück für 11 Euro
Mavi Cordhose und H&M für je 4 Euro
4 Esprit TShirts 10 Euro
Ecco Schuhe aus Studientagen – auf dem Speicher wiedergefunden
Camel Boots aus der 8. Klasse für 25 Euro neu besohlen und nähen lassen
4 HempAge TShirts, neu je für 9 Euro im Schlussverkauf in Farben, die sich anscheinend nicht so gut verkaufen ließen

Ich bin daher grade zufrieden und kann mein Restgeld sparen für den Wohnturm (der im Moment schöner werden soll) und für die Kinder, die einiges brauchen, jetzt weniger, später natürlich mehr.

 

Tabuthema: Starker Haarausfall nach der Geburt

Es gibt einige Dinge, die wir Frauen nicht so ganz genau wissen, wenn wir uns ein Baby wünschen und schwanger werden wollen.
Dass das Schwangersein und das Kinderbekommen nicht nur ein reines Zuckerschlecken ist, ist denke ich, hinreichend bekannt, wenngleich immer häufiger das gesamte Fruchtbarkeitsthema als völlige Glückserfahrung dargestellt wird. Warum auch immer verklären einige Mütter diese gesamte Zeit, was meiner Meinung nach eine fatale Botschaft für andere werdende Mütter ist.
Aus meinem Erfahrungsschatz kann ich euch eine dafür symptomatische Begegnung schildern. Kopfschütteln absolut erwünscht!

Als ich schwanger mit Minilama war arbeitete ich bin zum Mutterschutz weiter (anders als bei den Babylamas, wo ich sehr früh ins Beschäftigungsverbot ging). Einige Bereiche, insbesondere jene, bei denen ich Kontakt zu Kindern und behinderten Menschen habe, waren ausgeklammert, da eine Untersuchung fehlende Immunisierung gegen alles Mögliche bescheinigte.
Kurz vor meinem Abschied in den Mutterschutz hatten wir ein größeres Meeting, bei dem knapp 50 Kolleginnen und Kollegen zusammen kamen. Es war Infektzeit und viele schnieften und husteten. Ich betone, dass ich im Normalfall keine Angst vor Keimen habe, aber als schwangere Frau mit der Verantwortung für ein schwaches Ungeborenes wollte ich nichts riskieren, mied Menschenmengen und sogar Zugabteile mit kleineren Kindern – gemäß des Rates meines Amtsarztes. (Bei der zweiten Schwangerschaft lief das alles etwas anders, da ich Mini täglich in die Kita brachte, die ja vor Keimen nur so strotzt, aber damals konnte ich vielem aus dem Weg gehen und würde es auch immer wieder so machen.)
Als ich die Händeschüttelei mit den Kollegen hinter mir hatte, entschlüpfte ich rasch auf die Toilette und wusch mir ausgiebig die Hände und bediente mich zudem ordentlich an der Desinfektionsflüssigkeit, die dort hing. Eine Kollegin konnte das nicht ertragen und belehrte mich: “ Wenn man sich auf das Kind freut, wird man auch nicht krank!“
Soweit dazu.

Wie eingangs erwähnt, erwarten Frauen im Laufe einer Schwangerschaft einige unerwünschte Nebeneffekte: Sei es Schwangerschaftsstreifen, starkes Erbrechen, übermäßige Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen, Krämpfe und diffuse Schmerzen.
Dass Geburten kein Spaziergang sind, wird glücklicherweise nicht verschweigen, auch dass Nachwehen schmerzhaft sein können (besonders bei Mehrfachgebährenden, aua).
Aber wenn es um den Wochenfluss geht, sind wieder viele völlig unvorbereitet. Eine meiner Bekannten war total glücklich als sie 2 Tage nach der Geburt keine Blutung mehr hatte und sagte “ alles ist geschafft.“ Dass die Hebamme ihr ein neues Krankenhausticket ausstellte, ärgerte sie nur. Den Sinn der Lochien bekam sie dann postpartum erklärt.
Ein Thema ist leider ganz weit hinten in der Schublade der post-partum-Ereignisse vergraben und warum auch immer sehr schambehaftet. Ich meine tatsächlich nicht das ungewollte Wasserlassen nach der Entbindung beim Niesen oder Husten, sondern den hormonell bedingten Haarausfall.
Der ist so heimtückisch, dass er erst dann beginnt, wenn man sich als Frau schon wieder erholt fühlt von den Strapazen der Geburt. Bei mir fing es jedes Mal im 4. Lebensmonat meiner Kinder an, Die Rückbildung ist in vollem Gange, wer Glück hat mit dem Bindegewebe sieht wieder aus wie vorher, die Kinder zeigen eine Art Rhythmus, wer nicht stillt hat wieder eine einigermaßen geregelte Periode – kurzum, man ist auf dem Weg nach oben.
Eine bizarre Form der Entspannung setzt ein, man fühlt sich angekommen.
Und dann das: Die Bürste ist voll, das Siphon ist voll, der Boden ist voll – überall Haare. Unmengen von Haaren.
Und ja: Haare sind total wichtig für das Wohlbefinden. Das wird dann schlagartig klar.
Haare ab? Zum Hautarzt? Bekomme ich eine Glatze?
Der Glanz und die Fülle der Schwangerschaftsmähne ist dahin, stumpf und kaputt hängt alles wie Spaghetti herum. Auch Färben oder Kuren bringt keine wirkliche Verbesserung. Sogar Kieselerde, die sonst immer hilft, versagt: Feste Nägel ja, schönes Haar, nein.
Nur die Bürste bekommt ihr Teil – und der Boden und die Dusche.
Man könnte meinen, ein haariges Haustier sei eingezogen.
Haarausfall nach der Schwangerschaft ist nicht nur lästig, er geht auch ordentlich aufs ohnehin angeschlagene Gemüt.
Bei Minilama ging ich zum Hautarzt. Ich wusste zwar, dass nach der Geburt einige Haare fallen, aber die Menge machte mir Angst. Richtige Angst. Ich bin zwar kein Püppchen, aber wenn ich ehrlich bin: Ich sehe schon gern nett aus. Und da passt eine ungewollte Glatze nicht dazu.
Der Hautarzt war ganz geduldig mit mir, aber er machte klar:

  • 100 Haare am Tag sind völlig normal. Und ich solle mal zählen, was die Bürste so fräße – 60 Maximum kann ich nach eingängigem Studium dazu sagen.
    Haarewaschen sei eine große Beanspruchung fürs Haar, da gingen durchaus mehr Haare ab, das sei normal.
  • In der Schwangerschaft seien mir so gut wie keine Haare ausgefallen, ob ich mich daran erinnerte? Ja, das tat ich – gerade deshalb fand ich die Mengen gegenwärtig ja auch so beängstigend.
  • Das konnte er verstehen, aber auch mit der Hormonumstellung erklären: Von Super-Schwanger hin zu normal sei eine gewisse Schwankung im Hormonspiegel nötig. All das viele Haar, dass 40 Wochen lang am Kopf blieb, müsse nun runter. Zudem falle beim Sommer/Winterwechsel ohnehin einiges an Haar aus. Dass beides nun zusammenfiel erklärte die Massen.

Und nun? Abwarten, meinte er. Ruhig abwarten. Wenn keine neuen Härchen sprießten solle ich wiederkommen.
Abends vor dem Spiegel dann die Entwarnung für mich: Viele kleine Haare im Scheitel, an den Schläfen, kaum wenige Zentimeter lang. Die waren mir zuvor nicht aufgefallen, so sehr war ich auf die Mengen an ausgefallenem Haar fixiert gewesen.

Ich habe keine haarwuchsfördenden Produkte gekauft und auch sonst nichts getan.
Meine Tipps für die Übergangszeit nach der Entbindung (die ich grade auch wieder anwende) lauten:

  • Haare fest zusammenbinden, damit man nicht überall loses Haar verstreut
  • Haare nur alle 2 Tage kämmen (nicht bürsten!) – wenn es die Haarstruktur mitmacht
  • Haare so selten wie möglich waschen. Meine Haare sind lockig, dunkel und sehr dick. Sie machen locker 7 Tage mit ohne fettig auszusehen. Da ich ohnehin daheim bin und keinen Schönheitswettbewerb gewinnen muss, ist die Waschpause also kein Problem für mich.
  • Da ich 1-2 mal pro Woche schwimmen gehe nutze ich den Besuch dort zum Haarewaschen und kämmen. Das erspart mir daheim die Haarflut. Nach dem Fönen flechte ich einen festen Zopf, den ich mit einem weiteren Haargummi zum Dutt fixiere und der bis zum nächsten Kämmen bleibt wie er ist. (auch über Nacht) So fällt nichts raus.

Nicht den Mut verlieren! Das Ganze dauert knapp 2 Monate (bei Minilama weniger, bei den Babylamas länger, aber da war ich auch hyperschwanger und die BetaHCG-Werte sind übers Dach hinaus geschossen).

Geduld ist nötig, leider.
Aber es kommen haufenweise neue kleine Härchen. Wenn die Babies eins werden, sind meine Locken wieder so schön wie vor der Schwangerschaft.
Das ist ein Spruch meiner Mutter, der sich bewahrheitet hat: „40 Wochen braucht das Kind zum Wachsen , 40 weitere Wochen braucht der Körper zur Rehabilitation.“
Was sind eure Tipps was Haarausfall nach der Entbindung angeht? Bin gespannt.