Leben mit Zwillingen

Zwillinge  sind etwas Schönes. Ein wirklicher Segen und eine große Freude. Mein Leben lang habe ich mir Zwillingen gewünscht und bin jeden Tag dankbar um meine beiden Schätze – ebenso wie um mein Minilama.
Wenn man zu Eltern wird, verändert sich das Leben ein wenig. Man ist mit neuen Dingen konfrontiert, neuen Entscheidungen und muss damit klarkommen, in der Öffentlichkeit mehr als zuvor aufzufallen und wahrgenommen zu werden. Andere Menschen möchten in den Kinderwagen schauen, möchten dem Baby hallo sagen, gratulieren oder Tipps zur Ernährung, Kleidung oder zum Beruhigen geben. Und all das geschieht im Geschäft, auf der Straße, im Treppenhaus, im Café oder wo man auch sonst mit Kind unterwegs sein sollte. Wer mit diesem Umstand einigermaßen klarkommt, kann entspannt in die zweite Runde Nachwuchs starten – es kann einen kaum mehr etwas schocken und man hat den passenden Spruch schon auf den Lippen, wenn die liebe Omi dem Baby ins Gesichtchen langt.
Wenn man so wie wir gleich im Doppelpack Nachwuchs erwartet, muss sich jedoch auf einen Supergau an öffentlicher Wahrnehmung einstellen. 78,5 cm Kinderwagen, doppelte Lautstärke, doppelt so oft muss man Menschen bitten, aus dem Weg zu gehen oder ihren Wagen umzuparken, damit man vorbeikommt. Allein die Abmessungen, die man mit Zwillingen hat (manche schon im Vorheinein, was den Bauch angeht) machen einen unbeobachteten und verschämten Einkauf von Babymilch nahezu unmöglich.
Wo wir auch schon beim Thema wären: Zwillinge sind ungemein interessant, so für die Allgemeinheit, sie provozieren Fragen und laden dazu ein, eigene Erfahrungen mitzuteilen.

„Gibt es eigentlich Zwillinge in Ihrer Familie?“ – Das ist ein wissenswerter Umstand für viele mir völlig Unbekannte.

„Sind das Zwillinge?“ fragen sich auch einige, die mir begegnen.

Ganz Unsichere wollen lieber erst einmal wissen: „Sind da zwei Kinder in dem Kinderwagen“?

Ist das geklärt, geht es ans Eingemachte:
„Sind die eineiig?“ – Eineiige Zwillinge sind die Stars unter den Zwillingen. Und Unwissende müssen erst einmal klären, ob dieses süße Pärchen, das sie vor sich sehen, überhaupt eineiig sein kann oder nicht.
Die Frage, ob das pinke Kind da vorne ein Junge sei bzw. ob der blau gemusterte Schatz, der mit dem Holztraktor spielt ein Mädchen sei kennt man ja schon vom ersten Kind, wird aber auch hier gern ins Gespräch gemischt. Ich weise auf diese Klischees schon gar nicht mehr hin, denn auch vermeintlich eindeutige Attribute lösen die Verwirrung der Umwelt nicht auf.

Zwillingseltern schlägt eine große Welle an Sympathie, ja Mitgefühl  entgegen: Von „da haben Sie aber viel Arbeit“ bis hin zu „da haben Sie ja alles in einem Aufwasch geschafft“ bis hin zu „Zwei reichen aber auch“ ist fast alles dabei“. Witzig wird ein solcher Monolog, wenn Minilama dabei ist – und wie auch immer kurz übersehen wurde.

Zwillingsväter sind ohnehin die Helden ihrer Spezies. Ob sie nun eineiige oder zweieiige Zwillinge haben – entscheidend für deren Entstehung ist natürlich die unerhört große Potenz des Mannes, die nunmehr augenfällig unter Beweis gestellt ist und zu jeder Gelegenheit ausgiebig gelobt wird.

Dass eine Zwillingsmutter oft Hilfe braucht, ist  allen klar – besonders denen, die um sie herumstehen und beobachten, wie sie mit ihrem Kinderwagen und allerlei anderen wichtigen Dingen aus der Schlange bei der Postfiliale rückwärts herausfährt oder die mit ihrem Wagen derart weit auf dem Bürgersteig stehen, dass eben jene Zwillingsmutter auf die Fahrbahn ausweichen muss. Wirkliche Hilfsbereitschaft gibt es immer dann, wenn Umstehende den Eindruck haben, eines der Kinder müsse auf den Arm genommen werden – zum Trösten oder Füttern.
Daneben sind noch einige andere Dinge von allgemeinem Interesse und werden auch gern an der Kasse erfragt, wenn die Babies beide schreien, das Mini zehn mal in der Sekunde nachfragt, ob es „jetzt“ herzhaft in die Brezel beißen darf und die Mutter versucht der Flut an Nahrungsmitteln, die immer schneller vom Band in Richtung Kinderwagen transportiert werden, Herr zu werden.

  • „Sind das Frühchen gewesen?“
  • „Stillen Sie?“ (wird auch  wieder gern schon am Milchpulverregal gefragt, wenn der Kinderwagen über voll beladen ist mit Milchpulver)
  • „Sind die Kinder natürlich entstanden?“ – bisher die einzige Frage, die ich nicht irgendwie lustig finden kann; ist mir nach wie vor zu privat und ich mag auch die Unterstellung in Bezug auf meinen oder Alphalamas Körper, die hier mitschwingt, absolut nicht
  • „Die sind doch sicher per Kaiserschnitt geboren!“ (eine eher implizite Frage, auf die ich gern mit diesem Video  hier antworten würde)

Elternschaft macht öffentlich – das sollte nun klar sein; Zwillingselternschaft macht doppelt öffentlich, das kann ich nur bestätigen. Die süßen Würmchen sind einfach so wunderbar, dass die Welt Anteil nehmen will – und die Eltern sind ja auch zu Recht stolz auf ihre Schätze. Neben den schrägen Kommentaren gibt es aber auch nette Sachen, die jede Zwillingsmama gerne hört:

  • Oh, wie süß, Sie haben Zwillinge. Ich wusste gar nicht, dass Sie schwanger sind.“ (sehr nett, weil es sagt: Sie waren total schlank in der Schwangerschaft)
  • „So klein sind die noch. Dass Sie Zwillinge geboren haben sieht man Ihnen aber gar nicht an.“ (fast noch netter, weil es sagt: Sie sehen jetzt total schlank und frisch aus)
  • „Das machen Sie richtig gut mit den Kleinen.“ oder: „Die Zwei sehen aber richtig zufrieden aus.“ (super nett, weil es sagt: Sie sind eine Supermama)
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Geschwisterliebe

3 Gedanken zu “Leben mit Zwillingen

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