„Wollen Sie stillen?“ – „Nein“

In den letzten zehn Monaten habe ich die zweite Schwangerschaftsrunde gedreht. Und wirklich davon profitiert, dass ich das Ganze schon einmal mitgemacht hatte.
Zwar unter anderen Vorzeichen, denn beim ersten Mal gab es noch eine umfassende Hebammenbetreuung für alle, die es sich wünschten. Durch die veränderte politische Situation ist heute vieles nicht mehr so möglich wie noch vor einigen Jahren – Hausgeburt oder Beleggeburt sind in meiner Region einfach nicht mehr drin. Wer sich für die Gründe unserer Hebammen klickt hier – das Thema war ja in der letzten Zeit regelmäßig in den Medien vertreten, aber ich denke, dass persönliche Berichte wie dieser hier die Problemlage noch besser verdeutlichen.
In dieser Schwangerschaft war für mich eines klar: Aus den Fehlentscheidungen der letzten wollte ich lernen. Und da war vor allem ein Thema sehr virulent – die Fremdbeeinflussung. Schwangere neigen irgendwie dazu, etwas zu viel auf die Meinung anderer zu geben, zumindest ist das bei mir der Fall gewesen. Und das hat dazu geführt, dass ich öfters mal unsicher, wankelmütig und unzufrieden war – wenn es um den Entbindungsort, die Ernährung des Kindes, Kurse, Kleidung, Vorsorgeuntersuchungen ging. Irgendwie war ich als erstmalig Schwangere etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Zwar völlig normal, aber äußerst lästig.
Dieses Mal liefen die Dinge etwas anders, denn ich hatte mir bereits in der Vorbereitung auf die Schwangerschaft, also quasi in der Planungsphase, die Zeit genommen, in Ruhe über das nachzudenken, was mir wichtig ist, was mir letztes Mal gut getan hatte und was ich mir gewünscht hätte.
Und so konnte ich entspannt in die zweite Schwangerschaft starten und mich ausgiebig über den positiven Test und in der 8. Woche über die Nachricht, dass wir Zwillinge erwarten, freuen. Bereits zu Beginn machte ich mich auf die Suche nach einer zu mir passenden Hebamme. Ich nahm mir die Zeit, mit mehreren Kontakt aufzunehmen und im Gespräch abzuklären, ob die Chemie stimmt. So gelang es mir dieses Mal, einer Hebamme abzusagen – etwas, dass ich beim letzten Mal sicher nicht hinbekommen, da nicht übers Herz gebracht hätte – die mir zu laut, zu schnell und zu kritisch gegenüber allem, was mein Arzt, dem ich seit vielen Jahren sehr viel Vertrauen schenke, war. Nach dem Telefonat fühlte ich mich aufgewühlt und verunsichert – und schloss für mich daraus, dass dies nicht der richtige Weg war. Die Hebamme, die ich letztlich fand, ist sehr nett, in meinem Alter und hat selbst drei Kinder. Da sie drei Wochen Urlaub hatte, kam ich nach der Entbindung in den Genuss ihrer Vertretung. Es war zwar eine art „blind date“, aber meine Hebamme hatte mit ihrer Einschätzung, dass es gut klappen könnte, Recht behalten. Ein super Konstellation.
Während der Schwangerschaft habe ich dieses Mal auf alle Kurse, Anwendungen usw. verzichtet. Nach einer Geburt fühle ich mich ausreichend vorbereitet und hatte keine Lust auf einen weiteren Geburtsvorbereitungskurs, der ja oft auch der Geselligkeit dient. Das ist zwar gut und schön, andere werdende Mütter kennenzulernen (und Minimalamas ältesten Freund haben wir so kennengelernt – seit der 28 SSW sind die beiden schon Bauchfreunde), aber ich habe den Erkenntnisgewinn für mich als sehr gering erachtet und wollte nicht mehrere Abende mit Erstgebärenden über Dinge spekulieren, die ich schon live erlebt hatte.
Die Vorsorge habe ich komplett bei meinem Frauenarzt gemacht, Akupunktur oder ähnliches habe ich mir gespart. Da ich als Risikoschwangere, da Mehrlingsschwangere, ohnehin alle 2 Wochen beim Arzt war, war ich froh um jeden Termin , den ich nicht hatte. Die 10 Monate Schwangerschaft waren daher sehr ruhig für mich.
Die Wahl der Entbindungsklinik war mir letztlich abgenommen, da mir eine Klinik mit perinatalem Schwerpunkt empfohlen wurde – einfach für den Fall, dass mit den Neugeborenen etwas sein sollte. Ich hatte zwei Alternativen, wobei die eine schon beim Versuch ein Geburtsplanungsgespräch zu vereinbaren ausschied – zu kompliziert war es, dort einen Termin zu bekommen und auf meine Frage, ob dort Zwillinge auch natürlich entbunden werden könnten, kam eine eher ablehnende Antwort. Daher war die Wahl rasch getroffen.
Was das Windeln und Bekleiden unserer Kinder angeht, sind wir ja seit Minilama klar in unserer Haltung. Die Zwillinge tragen ebenso wie ihr Geschwister Stoffwindeln und Biokleidung bzw. Gebrauchtes. Das, was wir von Minilama haben, kann also aufgetragen werden und wir brauchten kaum Entscheidungen bzgl. der Erstausstattung zu treffen. Was jedes Kind braucht wie z.B ein Bett oder ein Kindersitz ist ja schon einmal vorhanden und wurde einfach ein zweites Mal nachgekauft. Anderes wie Kleidung ist ohnehin in ausreichendem Maß vorhanden. Der Kinderwagen, die einzig größere Anschaffung, war auch schnell gefunden.
Eine Frage blieb offen – und wurde immer wieder gestellt: „Wollen Sie stillen?“ – beim Arzt, bei der Hebamme, in der Klinik beim Vorgespräch, auf der Straße, wenn die Rede auf meinen kleinen Kugelbauch kam und so weiter.
Und dieses Mal konnte ich mit einem Wort antworten -ohne zu meinen, mich erklären zu müssen. Die Antwort auf diese Frage ist nämlich eindeutig und klar, sie ist nicht diskutabel und hätte es besser auch vor ein paar Jahren schon nicht sein sollen. Sie lautet: „Nein“.
Nach der Erfahrung mit Minilama bin ich endlich stark genug, das deutlich zu sagen. Ich möchte nicht mehr, dass mir im stillfreundlichen Krankenhaus in jeder Schicht mehrere Menschen an der Brust herumtasten, sie massieren, sie mit irgendwas einreiben oder sie bandagieren. Ich mag nicht oben ohne an einer Milchpumpe sitzen, nachts alle 2 Stunden ins Stillzimmer gehen und dabei ständig gleichzeitig frustriert und besorgt sein. Ich möchte Zeit mit meinem Kind und nicht mit der Pumpe verbringen. Lust auf blutige Brustwarzen oder eine Brustentzündung mit Fieber habe ich ebenso wenig wie darauf bei jeder sich bietenden Gelegenheit blank ziehen zu müssen.
Also: „Nein“.
Mag sein, dass das verwunderlich ist, da ich doch allgemein so natürlich eingestellt bin und meinen Kindern Nähe schenke, wo es nur geht. Mag sein, dass es nichts Besseres gibt als Muttermilch für ein Kind.
Ich habe ja den direkten Vergleich: Entbindung ohne nackte Brust, Wochenbett in der Klinik ohne ständigen Fokus auf der Brust, erste Tage kuschelnd daheim mit Kind auf dem Bauch anstelle in der Wiege während ich verzweifelt zu pumpen versuche, Nächte, in denen die Eltern sich mit dem Füttern abwechseln können, Tage ohne ständige Angst vor einem Milchstau oder einer Brustentzündung, ohne ständiges Fiebermessen, den Konsum vom Bockshornklee oder das Bügeln von Stilleinlagen,  – ich fand und finde das alles einfach nur herrlich. Die Freuden der Zweitgebärenden. Und die Zwillinge sind nicht meine Ausrede: Ob es nun eins, zwei oder drei Kinder gewesen wären – die Antwort wäre immer die gleiche gewesen.

Wen es interessiert: Ich nehme dieses Mal folgende zwei Flaschenmodelle, die ich unbedenklich finde: dieses*  aus Glas. Die sind zum Glück im örtlichen Drogeriemarkt zu haben – ein großes Entscheidungsplus.  Es gibt ja mittlerweile einige BPA-freie Anbieter, die Edelstahl oder Glas anbieten, aber meist nur im Internet und mit eigenen, speziellen Saugern. Finde ich mit zwei Kindern nicht so passend. Wenn was fehlt, kann ich nicht 3 Tage auf die Lieferung warten, da muss ich die Sachen auch rasch im Laden kaufen können. Und dieses*. Die sind Öko Test „sehr gut.“ Das sind übrigens die Milchpumpenflaschen von letztem Mal, die Minilama nicht so gern hatte; die Babylamas finden sie super. Aussortiert sind diese, die ich gern abgebe. Einfach mal hier gucken.

2 Gedanken zu “„Wollen Sie stillen?“ – „Nein“

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: