Leben mit Zwillingen

Zwillinge  sind etwas Schönes. Ein wirklicher Segen und eine große Freude. Mein Leben lang habe ich mir Zwillingen gewünscht und bin jeden Tag dankbar um meine beiden Schätze – ebenso wie um mein Minilama.
Wenn man zu Eltern wird, verändert sich das Leben ein wenig. Man ist mit neuen Dingen konfrontiert, neuen Entscheidungen und muss damit klarkommen, in der Öffentlichkeit mehr als zuvor aufzufallen und wahrgenommen zu werden. Andere Menschen möchten in den Kinderwagen schauen, möchten dem Baby hallo sagen, gratulieren oder Tipps zur Ernährung, Kleidung oder zum Beruhigen geben. Und all das geschieht im Geschäft, auf der Straße, im Treppenhaus, im Café oder wo man auch sonst mit Kind unterwegs sein sollte. Wer mit diesem Umstand einigermaßen klarkommt, kann entspannt in die zweite Runde Nachwuchs starten – es kann einen kaum mehr etwas schocken und man hat den passenden Spruch schon auf den Lippen, wenn die liebe Omi dem Baby ins Gesichtchen langt.
Wenn man so wie wir gleich im Doppelpack Nachwuchs erwartet, muss sich jedoch auf einen Supergau an öffentlicher Wahrnehmung einstellen. 78,5 cm Kinderwagen, doppelte Lautstärke, doppelt so oft muss man Menschen bitten, aus dem Weg zu gehen oder ihren Wagen umzuparken, damit man vorbeikommt. Allein die Abmessungen, die man mit Zwillingen hat (manche schon im Vorheinein, was den Bauch angeht) machen einen unbeobachteten und verschämten Einkauf von Babymilch nahezu unmöglich.
Wo wir auch schon beim Thema wären: Zwillinge sind ungemein interessant, so für die Allgemeinheit, sie provozieren Fragen und laden dazu ein, eigene Erfahrungen mitzuteilen.

„Gibt es eigentlich Zwillinge in Ihrer Familie?“ – Das ist ein wissenswerter Umstand für viele mir völlig Unbekannte.

„Sind das Zwillinge?“ fragen sich auch einige, die mir begegnen.

Ganz Unsichere wollen lieber erst einmal wissen: „Sind da zwei Kinder in dem Kinderwagen“?

Ist das geklärt, geht es ans Eingemachte:
„Sind die eineiig?“ – Eineiige Zwillinge sind die Stars unter den Zwillingen. Und Unwissende müssen erst einmal klären, ob dieses süße Pärchen, das sie vor sich sehen, überhaupt eineiig sein kann oder nicht.
Die Frage, ob das pinke Kind da vorne ein Junge sei bzw. ob der blau gemusterte Schatz, der mit dem Holztraktor spielt ein Mädchen sei kennt man ja schon vom ersten Kind, wird aber auch hier gern ins Gespräch gemischt. Ich weise auf diese Klischees schon gar nicht mehr hin, denn auch vermeintlich eindeutige Attribute lösen die Verwirrung der Umwelt nicht auf.

Zwillingseltern schlägt eine große Welle an Sympathie, ja Mitgefühl  entgegen: Von „da haben Sie aber viel Arbeit“ bis hin zu „da haben Sie ja alles in einem Aufwasch geschafft“ bis hin zu „Zwei reichen aber auch“ ist fast alles dabei“. Witzig wird ein solcher Monolog, wenn Minilama dabei ist – und wie auch immer kurz übersehen wurde.

Zwillingsväter sind ohnehin die Helden ihrer Spezies. Ob sie nun eineiige oder zweieiige Zwillinge haben – entscheidend für deren Entstehung ist natürlich die unerhört große Potenz des Mannes, die nunmehr augenfällig unter Beweis gestellt ist und zu jeder Gelegenheit ausgiebig gelobt wird.

Dass eine Zwillingsmutter oft Hilfe braucht, ist  allen klar – besonders denen, die um sie herumstehen und beobachten, wie sie mit ihrem Kinderwagen und allerlei anderen wichtigen Dingen aus der Schlange bei der Postfiliale rückwärts herausfährt oder die mit ihrem Wagen derart weit auf dem Bürgersteig stehen, dass eben jene Zwillingsmutter auf die Fahrbahn ausweichen muss. Wirkliche Hilfsbereitschaft gibt es immer dann, wenn Umstehende den Eindruck haben, eines der Kinder müsse auf den Arm genommen werden – zum Trösten oder Füttern.
Daneben sind noch einige andere Dinge von allgemeinem Interesse und werden auch gern an der Kasse erfragt, wenn die Babies beide schreien, das Mini zehn mal in der Sekunde nachfragt, ob es „jetzt“ herzhaft in die Brezel beißen darf und die Mutter versucht der Flut an Nahrungsmitteln, die immer schneller vom Band in Richtung Kinderwagen transportiert werden, Herr zu werden.

  • „Sind das Frühchen gewesen?“
  • „Stillen Sie?“ (wird auch  wieder gern schon am Milchpulverregal gefragt, wenn der Kinderwagen über voll beladen ist mit Milchpulver)
  • „Sind die Kinder natürlich entstanden?“ – bisher die einzige Frage, die ich nicht irgendwie lustig finden kann; ist mir nach wie vor zu privat und ich mag auch die Unterstellung in Bezug auf meinen oder Alphalamas Körper, die hier mitschwingt, absolut nicht
  • „Die sind doch sicher per Kaiserschnitt geboren!“ (eine eher implizite Frage, auf die ich gern mit diesem Video  hier antworten würde)

Elternschaft macht öffentlich – das sollte nun klar sein; Zwillingselternschaft macht doppelt öffentlich, das kann ich nur bestätigen. Die süßen Würmchen sind einfach so wunderbar, dass die Welt Anteil nehmen will – und die Eltern sind ja auch zu Recht stolz auf ihre Schätze. Neben den schrägen Kommentaren gibt es aber auch nette Sachen, die jede Zwillingsmama gerne hört:

  • Oh, wie süß, Sie haben Zwillinge. Ich wusste gar nicht, dass Sie schwanger sind.“ (sehr nett, weil es sagt: Sie waren total schlank in der Schwangerschaft)
  • „So klein sind die noch. Dass Sie Zwillinge geboren haben sieht man Ihnen aber gar nicht an.“ (fast noch netter, weil es sagt: Sie sehen jetzt total schlank und frisch aus)
  • „Das machen Sie richtig gut mit den Kleinen.“ oder: „Die Zwei sehen aber richtig zufrieden aus.“ (super nett, weil es sagt: Sie sind eine Supermama)
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Geschwisterliebe

Sonntagsfreuden

 

 

Bei uns ist die Basarsaison losgegangen und jedes Wochenende ist ein anderer Kleider- und Spielzeugbasar mit Kuchen-und Getränkeverkauf.
Wir gehen gern dorthin, allein schon wegen des Kuchens, aber auch, weil wir Bekannte treffen und die eine oder andere Kleinigkeit preiswert erstehen können, die wir gern im Haus hätten.
Kleidermäßig hat meine Mutter in meiner alten Heimat für uns überaus klug und reichhaltig eingekauft, sodass wir für den Herbst und den Winter nahezu vollständig ausgestattet sind. Neben Walk ist dieses Jahr auch viel Cord im Schrank.
Unsere alten Sachen biete ich gerade wieder online an – um dann wahrscheinlich im kommenden Jahr bei der Basarsaison selbst einen Stand mit dem Übriggebliebenen zu bestücken.
Wir sind gestern also gemütlich über den Markt geschlendert und kamen mit reicher Ausbeute zurück.

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Ein heiß ersehntes (dass es so sehr ersehnt war, wusste ich gar nicht) Hämmerchenspiel wegen dem wir früher vom Spielplatz heim mussten.DSC_0820

Und vier Bücher aus unserer aktuellen Lieblingsreihe – wobei ich das Werkzeugbuch besser da gelassen hätte und auf die Kommentare bei Amazon vertraut hätte. Nicht nur, dass es sehr traditionelle Geschlechterrollen vermittelt, auch der Informationsgehalt ist etwas dünn.
Alles in allem haben wir für diese Schätze 6 Euro gezahlt.

Leben mit Kindern: Was ich in die Erinnerungskisten packe

In meiner Familie habe ich mit der Geburt der Kinder die Tradition der Erinnerungskiste eingeführt. Jeder von den fünf kleinen Lamas hat mittlerweile eine. Jede ist anders bestückt mit den Dingen, die schön sind und die einem lieb geworden sind, die aber im Alltag nicht unbedingt einen festen Platz haben. Im Rahmen des Aufräumens unseres Besitzstandes hat sich diese Idee ohnehin als nützlich erwiesen, denn ohne diese Kiste wäre sicher viel Liebgewonnenes weggeworfen worden.
Ebenso wie ich eine Chaosschublade im Haus habe (aber nur eine!), finde ich, muss es einen Ort geben, wo schöne Dinge ungeordnet beieinander sind  – einfach weil sie schön sind.
Für unsere Neuankömmlinge habe ich nun auch eine solche Erinnerungskiste angefangen, die sie ebenso wie Minilama zu ihrem 18. Geburtstag bekommen sollen.

Im Moment sind noch nicht allzu viele Sachen enthalten:
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  • Die Bändchen aus dem Krankenhaus
  • Der erste Fußabdruck
  • Der Nabelrest
  • Erste persönliche Geschenke

Mit der Zeit werden noch einige Sachen folgen:

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  • Ein Album für die Monatsfotos (Jeden Monat am Geburts-Tag wird ein Foto gemacht mit einer typischen Tätigkeit – 36 Monate lang)
  • Die Spieluhr und das Lieblingskuscheltier
  • Ein Lieblingsbuch

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  • Ein Fotoalbum mit Fotos aus dem ersten Lebensjahr

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  • Postkarten und Gratulationswünsche zur Geburt
  • Die Geburtsanzeige
  • Die Taufeinladung
  • Die Danksagung von der Taufe
  • Dekoteile usw. von der Taufe (Näheres zur Taufe folgt in einem späteren Post)

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  • Das Mamialbum * Eine Art Tagebuch für Schwangerschaft und das erste Lebensjahr mit viel Platz für eigene Gedanken, Fotos, Gestaltungsideen. Die Schwangerschaft ist in 3 Trimester und das erste Lebensjahr in Monate unterteilt – also nicht zu viel Aufwand auf den ersten Blick. Man braucht fürs Ausfüllen trotzdem einiges an Disziplin (ich habe das ja schon einmal komplett gemacht) – daher ist es gut, wenn man sich nicht allzu viel vornimmt. Ich finde nämlich nichts doofer als ein halb gefülltes Album.
  • In das Album habe ich eine Grafik eingeklebt, die das Zahnwachstum dokumentiert.
  • Die erste Garnitur und ausgesuchte Lieblingskleidungsstücke
  • Die ersten Schuhe
  • Einige Fuß- und Handabdrücke aus dem ersten Lebensjahr
  • erste Kunstwerke
  • Die erste Locke

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Die Erinnerungskiste habe ich als Starterkit schon ein paar Mal an werdende Eltern verschenkt, das kam immer gut an!

Sun is shining, the weather is sweet?! … Unterwegs mit dem Zwillingskinderwagen

Es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung heißt es. Das stimmt auch. Als ich vor ein paar Jahren nach Santiago gepilgert bin, habe ich das am eigenen Leib erfahren und aus Zucker bin ich auch nicht.
Soweit so gut. Ich habe alles, was ich brauche, um dem Wetter zu trotzen.
Allerdings bin ich ja nicht allein unterwegs, sondern schiebe ein 80 cm breites und 1 Meter langes Riesengefährt mit drei Kindern drin bzw. drauf durchs Dorf.
Durch einen Ort, wo Bürgersteige von 80 cm Breite eine Seltenheit sind und man dauernd auf der Straße fährt, dauernd vom Bürgersteig runter und auf den nächsten drauf wuchten muss. Und das mit 16 Kilo Großkind auf dem Buggyboard und häufig mit drei schreienden Kindern, da Minilama sich vom Weinen der hungrigen Babylamas anstecken lässt und dann ein regelrecht infernalisches Geheul nach seinem Papa anstimmt, das in der Lage ist, mir einen Instant-Migräneanfall zu bescheren.
Während ich also mit diesem Geschoss und flatterndem Regencover sowie schreiendem Minilama, das entweder den Kopf unters Cover legen will oder eine Hand mit Regenschirm blockiert und dabei steter Ansagen  bedarf, wann es sich besonders gut festhalten soll durch die Gegend manövriere und es mir dabei unbarmherzig aufs Haupt tropft, komme ich so ans Denken und ärgere ich mich über alles Mögliche, das mein Leben schwerer macht als nötig.

  • darüber, dass ich ein so ökologisches Gewissen habe, dass ich keine Kurzstrecke mit dem Auto zurücklege, wenn es nicht absolut nötig ist.
  • darüber, dass der Wohnturm keine 40 cm Bordstein hat und ich direkt mit dem Hintern auf der Straße stehe wenn ich mit dem Wagen raus möchte.
  • darüber, dass immer wieder jemand meine beiden Haustüren zuparkt und ich daher nicht vors Loch komme, wenn ich raus will und erstmal Wildfremden über meine Absichten, mein Haus nun zu verlassen und zwar mit drei Kindern, und das ein bisschen zackig, da mindestes einer brüllt bzw. es zeitlich eng ist, da noch einer trinken wollte, unterrichten muss.
  • darüber, dass der Kinderwagen nur 0,5 cm Spielraum in der Haustür hat.
  • darüber, dass ich eine Stufe und eine Fußleiste überwinden muss mit dem Ding, um ins Haus zu kommen – bei 0,5 cm Spielraum eine ätzende Puzzelei, besonders wenn die Menschen wieder parken wie sie wollen, 60 km/h in der 30er Zone hinter mir fahren und Minilama sich weigert ins Haus zu gehen (bzw. ins „andere Haus“ will) und vor allem, wenn irgendwelche Leute just in diesem Moment der Tatsache ansichtig werden, dass ich ja Zwillinge habe und mit mir über Vor- und Nachteile von Mehrlingen diskutieren wollen, während mir hormonbedingt die Brühe das Gesicht runterrinnt und mein Unterhemd schweißnass ist.
  • darüber, dass wir keinen Parkplatz vorm Haus haben und die Garage 350 Meter die Straße runter ist.
  • darüber, dass ich so gut wie nie vorm Haus mit dem Auto halten (3 Minuten zum Be- und Entladen für Anlieger) kann, weil das ja schon andere unrechtmäßigerweise dort parken.
  • darüber, dass wir in der mit Abstand am weitesten vom Wohnturm entfernten Kita einen Platz bekommen haben, sodass ich am Tag 6 Kilometer ins Nachbardorf gehe (1,5 km eine Strecke und das eben mal 4, wenn ich beide Touren mache), obgleich ich die andere Kita vom Speicher aus sehen kann – und eine Kita besuche, auf deren Parkplatz man aus Brandschutzgründen nicht parken darf.
  • darüber, dass auch das Autofahren zur Kita keine echte Erleichterung wäre, da ich mit Kinderwagen erstmal zur Garage gehen müsste, dann allein aus der Garage rausfahren, Kinder ins Auto, Kinderwagen in die Garage fahren, Garagentor zumachen, in die Kita fahren, alle drei aus dem Auto (2 Babyschalen, Proviant für den Tag, Wechselkleidung usw. noch dazu mitnehmen), den Weg zur Kita gehen und dabei die schweren Schalen gegen die Knie schlagen, während Minilama auf die Straße rennt, Minilama abgeben, die anderen zwei wieder ins Auto bringen, zurückfahren, die Kinderwagenprozedur wieder umgekehrt – am besten bei strömendem Regen.
  • und nicht zuletzt darüber, dass der Papiermülleimer übervoll ist, obwohl er erst in 3 Wochen wieder geleert wird, weil er voller Tapete aus der Einliegerwohnung ist, was im Umkehrschluss bedeutet: Die Einliegerwohnung wird renoviert, alles ist im üblichen Bauchaos umfangen, alles ist vom Fliesen staubig, die ganze Treppe ist auch voll davon und trotz 2 mal täglichen Putzens ist doch alles versifft im Haus – und leider auch mein Bett, da Minilama dort gern reinhüpft  – mit staubigen Schuhen natürlich.

Ich hoffe, morgen scheint die Sonne wieder…

Schwanger sein

In diesem Jahr war ich zum zweiten Mal schwanger. Ein zweites Mal erleben können, wie der eigene Körper Höchstleistungen vollbringt und einem anderen Menschen das Wachsen ermöglicht. Spüren, welche Kraft im Körper steckt und wie viel Lebenswille im Ungeborenen.  Die eigene Ohnmacht in einer ganz neuen Dimension kennenlernen, denn man merkt so schnell, dass man es nicht in der Hand hat, ob das Würmchen bleibt oder geht, ob es sich (trotz eigenem richtigen Verhalten) gesund und zeitgemäß entwickelt.
Zum zweiten Mal war die Schwangerschaft erwünscht, geplant und mit unermesslicher Freude angenommen worden – von mir selbst, dem Papa-Alphalama und auch von unseren Familien und Freunden. Dieses Mal mussten wir auf unsere beiden Wunder etwas länger warten als damals bei Minilama, das ganz schnell in unser Leben kommen wollte und ich begann mich selbst dafür zu schelten, dass ich bei Minilama die Zeit der Schwangerschaft nicht absolut genossen und als einmalig angesehen hatte. Ich malte mir aus, wie glücklich und unbeschwert ich dieses Mal sein würde, wie alles besser und anders sein würde. Als erstmalig Schwangere war ich neben der Freude auf mein erstes Kind von der Wucht der Veränderung in der Zeit der Schwangerschaft wie erschlagen.
Auf die große Freude über den positiven Test folgte das Staunen über die Ultraschallbilder und das immer deutlicher erkennbare Menschlein in meinem Bauch, das Vorstellen, wie es sein würde mit Kind. Dann die Übelkeit, der Ekel vor Speisen, vor Gerüchen. Müdigkeit, Abgeschlagenheit. Ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben richtig krank über längere Zeit: Übelkeit und Kreislaufschwierigkeiten zuerst, dann die dauerhaft verstopfte Nase, die man nicht richtig behandeln darf, Mutterbandziehen, Krämpfe und nicht zu  vergessen die Symphyse, die mir einige Termine beim Physiotherapeuten einbrachte. Täglich nahm ich mehrere Tabletten ein, alles Nahrungsergänzungsmittel zwar, aber das trug durchaus auch zu diesem Kranksein-Gefühl bei. Mal abgesehen davon, dass ich normalerweise kaum zum Arzt muss und als Schwangere (besonders als Risikoschwangere, da Mehrlingssschwangere) mindestens alle 14  Tage beim Arzt war. Da in Minilamas Kita eine fragwürdige Erkrankung nach der anderen auftrat war ich derart oft da, dass die vorgesehene Seite im Mutterpass nach knapp der Hälfte der Zeit gefüllt war und eine zweite dazu geklebt werden musste. Gut, dass ich ganz gern zu meinem Frauenarzt gehe…
Nicht nur während der ersten 12 Wochen beider Schwangerschaften erlebte ich mich realistisch-abwartend, wie alles sich weiterhin entwickeln würde und auch sehr klar darin, dass es keine Gelinggarantie gibt. Ich war sehr bei mir, sehr auf mich und meinen Körper, mich und das Baby fokussiert. Die frohe Nachricht über den Familienzuwachs habe ich außer in der Familie, engen Freunden und bei meinem Vorgesetzten eigentlich nicht großartig verbreitet. Ich wollte die Freude noch etwas für mich behalten, wie einen Schatz und ich hatte außerdem keine Lust, dass mich irgendwer auf eine eventuelle Fehlgeburt anspricht bzw., um es nicht ganz so drastisch zu sagen, dass es nur noch das Thema Schwangerschaft geben würde. Und da man mir die erste Schwangerschaft bis in den 8. Monat kaum angesehen hat und ich früh in Mutterschutz ging, wussten sehr viele Menschen in meinem erweiterten Umfeld nichts von dem Baby, da sie mich nicht auf den Bauch ansprachen und ich mit der Nachricht nicht hausieren ging. Durch das Beschäftigungsverbot bei den Babylamas war es ähnlich.
Gegen Ende der Schwangerschaft  ging ich nicht mehr so häufig in die Öffentlichkeit – außer zum Schwimmen natürlich. Das ging bei Minilama witzigerweise bis ein paar Tage vor der Entbindung – und bei allen dreien vier Wochen nach der Geburt.
Eine dieser romantischen, überglücklichen Schwangeren war ich nicht, beide Male nicht, auch wenn ich vor der zweiten Schwangerschaft dachte, dass ich es dieses Mal sicher sein würde. Aber das glückliche Strahlen scheint mir nicht zu liegen; zu gerne zetere ich und bejammere mein „Leiden“ – und mache mir, da ich wie immer etwas zu gut informiert bin, gerne Sorgen um alles Mögliche.
Nachdem ich mir  nach dem ersten Frauenarztbesuch als (Zwillings)Schwangere dann im vollbesetzten Zug nach dem Geruch von Döner, Fleischkäseweck und Männerschweiß mein kümmerliches Mittagessen durch den Kopf gehen ließ und kurz darauf am ganzen Körper zitternd durchs Dorf nach Hause wankte, dachte ich mir schon, dass ich mir mit dem Wunsch die kommenden 40 Wochen nur zu genießen vielleicht zu viel vorgenommen hatte…
Als die erste Panik vor der Fehlgeburt, der Liegendschwangerschaft, der Tokolyse und der Frühgeburt per Kaiserschnitt, von denen das Umfeld ja auszugehen scheint, sobald es das Wort „Zwillinge“ hört  hinter mir lag, konnte ich knapp 15 Wochen lang die Schwangerschaft zuhause (ja, genau, aber Schwangersein ist ja keine Krankheit, wie einem immer alle weiß machen wollen…) wirklich genießen bis dann durch Sommerhitze und verkürztem Gebärmutterhals mit Schongang die letzten Wochen richtig hässlich wurden und meinen Ehrgeiz, es bis 37+0 zu schaffen wirklich bis zum Äußersten herausforderten. (Da mein Kopf aber sehr dick ist, ging das Ganze dann bis 38+1 bis die Kinder dann eingeleitet wurden.)
Doch mit jedem Tag, den die Kinder nicht geboren wurden, mit jedem Mal, bei dem ich zum Erstaunen des Frauenarztes wieder mit Bauch die Praxis betrat, kam die Coolness zurück. Als die Kinder dann letztlich eingeleitet werden sollten, ja sowieso, einfach, weil es zu witzig war, dass es erst sieben Wochen so aussah als ginge es jeden Moment los und die Kinder dann letzendlich doch nicht alleine kommen wollten.
Auch wenn mein Umfeld immer wieder erstaunt darüber war, wie locker ich scheinbar die 7 Wochen Liegezeit auf der heimischen Couch weggesteckt habe, es nur eine Überlebensstrategie. Es war wie es war. Das Liegen war nötig und das Beste für die Kinder. Daran hätte auch kein Lamentieren der Welt was ändern können und eine depressiv-verstimmte Haltung schon gar nicht. Ich wollte ja Kinder haben und das gehörte eben zum Paket mit dazu.
Wenn die Tritte des Kindes im Bauch von einem auf den anderen Tag nicht mehr ausschließlich Freude bereiten, sondern Angst machen, dass sich da jemand auf den Weg machen könnte, wenn jedes Zwicken und Zwacken im Bauch auch eine Wehe sein könnte – ganz zu schweigen vom harten Bauch – dann muss man sich sehr gut zusammenreißen, um nicht einfach auszuflippen. Über dieses Sorgenmachen verlor ich immer wieder aus dem Blick, dass der Zustand des sich Krankfühlens (wann liegt man sonst wochenlang mit quälenden Schmerzen auf der Couch, darf einen Haufen Sachen nicht essen und nimmt einen Haufen Medizin ein, während man die Liste mit den Notfall-Telefonnummern neben sich liegen hat?) definitiv zeitlich begrenzt ist, enden wird und dass wir dann zwei wundervolle Babylamas bei uns haben würden. Ich weiß nicht woran es liegt, aber beide Male kam mir die Zeit ewig, ja nicht enden wollend vor und beide Male habe ich wohl so sehr in Etappen gedacht, dass ich aus den Augen verlor, dass nach der Schwangerschaft das Mamasein kommt. Dieses Mal war es weniger stark, da ich das Ganze ja von Minilama kannte, aber es war wieder da.
Auch dieses Mal war ich einfach froh, als das Ende der fetten Monate gekommen war – zum einen, weil ich endlich wieder meinen Bikinibauch und meinen gesamten Körper zurück haben wollte (so kugelig konnte ich mich nicht wohlfühlen. Als Mittel zum Zweck konnte ich den Bauch annehmen, mehr war leider beide Male nicht drin. Umso freudiger begrüßte ich jedes Mal meinen post-partum Bauch, etwas schlaff, aber schön klein und quasi das Angelt auf die Zukunft.) – zum anderen, weil ich es leid war, die ganze Verantwortung für das Leben der Kinder zu tragen, um es einmal drastisch zu sagen. Das Wissen darum hat mich beide Male mental sehr angestrengt.
Irgendwann ist es einfach genug, auch wenn beide Schwangerschaften im Großen und Ganzen ohne Komplikationen verlaufen sind, ohne Klinikaufenthalt, ohne Tokolyse. Aber es waren 1000 Kleinigkeiten, die mich quälten. Von der Atemnot bis zum Ziehen im Rücken und einige Zeit liegen war wieder alles dabei. Und das macht einfach auf die Dauer mürbe, besonders wenn man wie bei dieser Schwangerschaft wochenlang die Kliniktasche im Auto spazierenfährt, jeden Abend schon die Kleidung für eine überstürzte nächtliche Fahrt in die Klinik bereit legt, nochmal im Haus  alles so aufräumt als käme man ein paar Tage nicht zurück und mit dem Gedanken einschläft „bitte nicht heute Nacht, bitte noch nicht,“ wenn man jedes Mal auf Minilamas Frage „Kommst du mit zum Spielplatz/ zum Feuerwehrfest / zur Grillparty in der Kita / Essen mit Oma und Opa / zu Uromas Geburtstag…? “ mit „nein“ antworten muss und dann ein paar Stunden alleine daheim zubringen muss – zusätzlich zu den 10 Stunden am Tag unter der Woche.
Gerade bei den Zwillingen wurde es ziemlich eng im Bauch gegen Ende. Da ich auch dieses Mal ausschließlich am Bauch zugenommen habe und nur nach vorne getragen habe war wenig Platz für die Babies. Die Kugel war richtig prall gefüllt und die Kinder traten gleichzeitig gegen Blase, Rippen und Nieren – noch Wochen nach der Entbindung hatte ich den Eindruck, dass ich unterm Rippenbogen ordentliche blaue Flecken hatte.
Schwanger sein ist wundervoll, weil es einem ein (oder mehrere) Kinder beschwert, und die sind mit Abstand das schönste und beste Geschenk, das man bekommen kann. Aber es sind 9 Monate jenseits jeder Planbarkeit, völlig anders als man es erwartet. Es kann so viel schiefgehen. Ganz zu schweigen von den Hormonen, die das Hirn erweichen und der bevorstehenden Geburt vor der man glaube ich immer ein bisschen Angst hat, egal wie viele Kinder man schon hat. Mit Zwillingen und nach einer eher bescheidenen ersten Geburtserfahrung mit Minilama sowieso. Aber auch hier war ich zumindest nach außen hin gelassen, nach innen hin fatalistisch. Das ist scheinbar die Grundhaltung des schwangeren Lamasus: Ergebenheit in das, was kommt und unumstößliches Vertrauen in meine eigene Kraft. Was anderes bleibt einem ja auch nicht übrig.