Stern über Betlehem – oder: Weihnachten ohne Tradition

Weihnachten liegt fast hinter uns – wir sind ja noch in der Oktav, also im Zeitfenster der 8 Tage nach dem Fest. „Frohe Weihnachten“ kann man sich also noch guten Gewissens wünschen.
Das Familienfest wird von vielen Menschen mit Sorge erwartet – das ganze Jahr gelingt es oft ganz gut, die Verwandten nur zeitlich dosiert zu sehen und der Overkill an Weihnachten bringt daher in vielen Häusern die Luft zum Kochen.
Auch Menschen, die alleine leben spüren an den Feiertagen oft ganz besonders schmerzhaft, dass sie alleine sind. Im Jahresverlauf lässt sich das oft kompensieren, aber an Weihnachten wird dann die Familie hochgehalten und dann ist es schwierig einen Ort zu finden. Ein Bekannter von uns hatte Glück: Einige junge Männer aus dem Dort waren an Weihnachten allein – und haben sich zusammengetan, lecker gekocht und zusammen Sky geschaut bis in die Nacht – ein  gelungender Abend. Schade, dass das nicht immer gelingt.
Gerade frisch getrennte Menschen dürften die vergangenen Tage mit Angst erwartet haben und auf ein rasches Ende gehofft haben. Denn oft wie aus dem Nichts heraus ist an Weihnachten die Familie das Wichtigste und auch die Werbung kennt nur noch glückliche Familien.

Nicht falsch verstehen: Ich mag Familientreffen ganz gern, und Minilama ist ein Socialiser. Das ist also ok für mich. Aber ich sehe auch die schillernden Botschaften und die Tatsache, dass das Schwimmbad, das Sonnenstudio, der Fitnessclub und das Kino – also alles Rückzugsorte für Menschen, die nicht die Familie im Rücken haben – schließen und die Leute ortlos zurücklassen. Das sollte man im Blick behalten an Weihnachten – und warum nicht an einer Weihnachtskochaktion teilnehmen? Oder Freunde zu sich einladen?
Dieses Jahr ist mir beim Bloglesen – ich hab ja gerade etwas Zeit zum Stöbern – wieder aufgefallen, welch hohen Wert das Kind doch in den jungen Familien hat. Die Familie allgemein ist das höchste Gut, die Beziehung wird gefeiert, das Wir zelebriert. Und um die Liebe zu zeigen, die man für das kleine Mini-Ich empfindet ist nichts zu teuer. Manche Geschenkeparaden in den Blogs haben mir den Mund offenstehen lassen. Ich habe eine neue Dimension von Kinderliebe gesehen, sagen wir es mal so.
Für mich als Frau vom Fach ist dann immer verwirrend, wie wichtig Weihnachten als Fest der Geschenke und des gezeigten Wohlstandes und der zelebrierten (und so ausschließenden) Wir-Freude ist und wie wenig es um  Weihnachten als christliches Fest geht. Wenn jemand sagt, dass am 1. Weihnachtstag der Weihnachtsmann nach Hause kam, wird immer weniger irritiert reagiert, sondern vielmehr zugestimmt: „Der war auch bei uns“. Weihnachtsmann? Ich verstehe es nicht. Am 6. Dezember kommt der Nikolaus, der Bischof von Myra und an Weihnachten wird Jesus geboren. Zumindest ist das der Kern des Fests und der Grund dafür, dass wir frei haben.
Diese Umdeutung der Weihnachtszeit kann ich wirklich weder nachvollziehen noch „gut sein lassen“.
Zum einen, weil es, wenn es nur um Familienglück und Geschenke geht, ein ganz und gar garstiges und ausschließendes Fest wird, dass viele Menschen traurig und einsam zurücklässt und vielen Kindern schmerzlich bewusst macht, dass sie in einer unvollständigen Welt leben müssen, in der es noch nicht einmal einen angemessenen Anteil am Konsum für sie gibt –
und zum anderen, weil etwas ganz Friedliches, Existenzielles verloren geht, denn der Blick in die Welt zeigt mir auch, dass es zunehmend unklar ist, dass wir im Andvent auf seine Ankunft gewartet haben und uns an Weihnachten über das kleine Kind in der Krippe freuen – der contradictio in se, dem Retter der Welt im Stall.
Und wer das Tagesgeschehen verfolgt, dem wird eine gewisse Ironie nicht entgehen: Besorgte Wutbürger lassen sich von fragwürdigen Führungsgestalten zu Straßendemos mobilisieren und sind bereit, die Not unzähliger Flüchtlinge zugunsten eigener weltanschaulicher Verwirrungen kleinzureden, ja deren Not noch zu kriminalisieren und wollen in einem nachweislich ungläubig geprägten Umfeld das jüdisch-christliche Fundament schützen. Dass die Kernfigur dieser Religion selbst in der Fremde geboren wurde und bis zu seinem 12.Lebensjahr aus Angst vor Verfolgung im benachbarten Ausland  als politischer Flüchtling aufwuchs wird vornehm verschwiegen. Ironisch, oder?
Zum Glück sind wir nicht allein mit unserem Kopfschütteln: hier

Weihnachten bewegt in jedem Jahr die Gemüter, es liegt wohl in der Natur der Sache: Wie soll man denn nur begreifen, dass der Retter der Welt als unscheinbares und verwundbares Baby in einem unbedeutenden Flecken der Erde zur Welt kam?
Die drei kleinen Lamas haben in jedem Fall viel diskutiert, gut gegessen, viel gespielt und sparsam geschenkt. Und sich gegen die Abholzung einer schönen Tanne entschieden. Beim Adventskranzbinden zuhause fällt zum Glück immer genug ab für uns.
Einen guten Rutsch euch allen!

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Schönes Küchenleben

Der Advent schreitet voran.

Bei uns gibt es dieses Jahr einen selbstbestückten Adventskalender. Süßigkeiten oder Plastiknippes kamen nicht in Frage – daher musste ich mir etwas anderes einfallen lassen als die vorkonfektionierten Kalender.

Da man nie zuviele Bücher haben kann, habe ich einen Stapel gebrauchte Minibücher der letzten 30 Jahre preiswert erstanden und in meinen alten Befüllkalender gelegt.

Der schönste Buch darunter ist mit Abstand dieses, so schön friedlich.

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Bei uns wurden leckere Kekse gebacken: Haferflockenkekse und kleine Ausstecherle.

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Knäckebrot gab es auch, da der Ofen schon einmal warm war. Und Sauerteigbrot – das wird immer besser, je öfter man es übt.

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Adventszeit ist auch Nusszeit – Haselnüsse und Walnüsse, die im Herbst gesammelt wurden und leckere Erdnüsse. Die Schalen sammeln wir in einer separaten Schale, die kann meine Oma gut zum Feueranzünden verwenden – bei ihrem Holzherd.

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So kommt nichts unnötig in den Müll.

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