Mehr Schein als Sein?

Gerade seit ich selbst Mutter bin, erlebe ich, dass es wieder diese Gegenstände, Kleidungsstücke, Meinungen und Verhaltensweisen gibt, die man braucht, um „dazu zu gehören“. Nein, wir sind  noch nicht an dem Punkt angekommen, wo Minilama ein bestimmtes Paar Schuhe zu brauchen meint, um sich die Glückseligkeit in Form der Akzeptanz der Altersgenossen zu erkaufen.
Es ist eher die Enge der Kleinstadt und meine Sensibilität für diese ungeschriebenen Gesetze. Oft habe ich den Eindruck, dass Konsum und das Zeigen dieses Konsums sich nahezu verselbstständigen und sich eine neue Form der Gruppengrenzen bildet.

Ich weiß  auch, dass das Dazugehören nicht mit einem Paar Markenschuhen machbar ist. Es bleiben doch immer Schuhe, keine magischen Wundertäter. Egal, wie lange man dafür gespart hat und wie sehr man es sich gewünscht hat.
Konsum macht nicht glücklich. So einfach ist das. Ob es nun um etwas Kleines oder um etwas großes geht: Ständig mithalten zu wollen, macht unfrei.
Und: Das „Haben“, die so aufwändig gestaltete Fassade, kann das „Sein“ einfach nicht ersetzen.

Ich nehme mir die Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Menschen ich für „cool“ und bewundernswert halte – und die geltende Allgemeinmeinung zu dieser Frage ist mir erstmal ziemlich gleich.
Wenn ich mich verändern oder verstellen muss, um in einer Gruppe oder bei einem Menschen Akzeptanz zu finden, ist das das eindrücklichste Kriterium dafür, dass hier nicht der richtige Ort für mich ist.

Ein wirklich beindruckender Mann sagte mal zu mir: „Ich suche nicht die Sympathie und die Zuneigung anderer.“ Und das war authentisch – er war wie er war und brauchte keine Claqueure. Gerade das hat mir sehr gefallen und ich habe den Satz auch zehn Jahre nach unserer Begegnung noch immer im Ohr.
Dieser Mann wollte keinen Schein erwecken, er wollte nichts verstecken oder die verkorksten Dinge in seinem Leben mit Zuckerguss überziehen.
Er war, wer er war – nicht mehr und nicht weniger.

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Küchenweisheiten: Liebe geht durch den Magen

Ich denke, in jeder Küche gibt es Dinge, die man einmal unbedingt haben musste und sich nun wünschen würde, sie wären nie über die Schwelle getragen worden.
Bei mir sind das sicher die gefühlten Tausend Plastikschalen gewesen, die ich mit der Zeit angeschafft habe. Und viel, viel Plastikschrott natürlich, weil ich dachte, man braucht einfach viele Schüsseln und Schalen und Schneidebretter, wenn man so wie ich gerne kocht und backt. (hier und hier  lest ihr mehr darüber)
Und mit absoluter Sicherheit gehört der Dampfgarer in die Kategorie: Musste wortreich ins Haus geholt werden und gammelt seither erbärmlich im Keller herum. Nach wie vor halte ich die Erfindung für genial. Man kann ein komplettes Gericht in einem Gerät machen. Es hat einen Timer und ist daher irre praktisch, gerade mit Kind. Benutzt habe ich ihn aber eigentlich nie. Ich liebe einfach meine Profitöpfe zu sehr, um sie durch ein Vollplastikgerät zu ersetzen. Das weiß ich aber leider erst jetzt. (Daher: Wer gern einen neuen preiswerten Dampfgarer hätte, sollte in meine Ebay Kleinanzeigen gucken!)
So ist vieles ein- und wieder ausgezogen bei mir.
Manches war für eine Zeit ganz praktisch wie das Minimuffigerät*. Im Wohnheim hatte ich keine eigene Küche, sondern habe mir mit 10 Leuten eine Küche auf dem Flur geteilt. Der Backofen war mit einem Schloss versehen, weil er, als er offen war, hinterlassen wurde wie ein Saustall. Das Wort Saustall hatte bei uns eine ganz neue Dimension bekommen. Daher musste einer von uns den Schlüssel haben und damit auch die Verantwortung tragen, wenn der Ofen schmutzig war. Im Endeffekt gab es viele Situationen, in denen man zwar Lust auf etwas Gebackenes hatte, aber entweder war der Schlüsselnachbar übers Wochenende daheim oder man war zwar selbst der Schlüsselinhaber, hat sich aber nicht getraut, den Ofen zu benutzen, in Anbetracht des Verschmutzungsgrads nach dem Garen eines üppigen Bratens ohne Backpapier oder Bratschlauch.
Daher habe ich mir mit der Zeit ein Minimuffingerät und ein Waffeleisen angeschafft, denn auf Muffins und Waffeln schiele ich in der Stadt immer. Wochenends habe ich oft gebacken und Freunde eingeladen. Oder unter der Woche in einer Lernpause was Süßes gezaubert und es mit den hungrigen Nachbarn geteilt.
Das kam immer gut an und schmeckt natürlich auch irre gut, wenn man ansonsten nur  Mensaessen bekommen kann. Mit vielen meiner früheren Nachbarn habe ich heute noch einen guten Kontakt, den engsten natürlich mit Alphalama.  Und uns alle verbindet dieses süße Band.
Waffeln mache ich heute noch sehr oft, mehrmals im Monat. Mein Waffelrezept eignet sich auch super für herzhafte Waffeln, von daher passen sie zu jeder Gelegenheit (hier ist das geniale Rezept, für alle, die sich jetzt denken „Lecker, Waffeln“).
Muffins gibt es nicht mehr so oft. Am Sonntag habe ich nach langer Zeit wieder welche gemacht (Die Geschichte dazu gibt es hier).
Das Minimuffingerät habe ich schon vor längerer Zeit weiterverkauft. Ein guter Bewohner auf Zeit. Aber als ich meine eigene Küche bekam, habe ich das Gerät nicht mehr verwendet. Im Ofen geht das alles fixer und man kann viel mehr Muffins in einem Backgang machen. Außerdem habe ich einen Haufen Silikonförmchen für Muffins geschenkt bekommen und brauche gar kein weiteres Zubehör mehr.
Ich bin  ja an vielen Stellen sehr konsumkritisch und wende mich von vermeintlichen Trends ab. Vieles davon brauche ich schon mal grundsätzlich nicht. Aber in meiner Küche gibt es einen geliebten Bewohner, der mal ein solcher Trend war und der sicher schon in vielen anderen Haushalten in den Keller oder in die Garage verbannt wurde: Ein Minidonutgerät*.
Das gehört Alphalama und wir haben es schon seit Studienzeiten. Damals mehr aus Interesse angeschafft und auch weil wir das Muffingerät überzeugend fanden und den Discounterdonuts eher zwiespältig gegenüber standen: Irgendwie sind die ja lecker, aber irgendwie sind sie uns auch suspekt mit ihrer süßen pinken Glasur…
Ich habe beim Aufräumen schon oft überlegt, ob ich das Eisen verkaufen soll, weil ich es nicht sehr oft verwende. Weil es ja Platz in der Küche wegnimmt und ich ja einige dieser Geräte im Haus habe: Waffeleisen (vor dem Umzug sogar in zwei Formen: Herzchen und quadratische, belgische), Zimtwaffeleisen, Sandwicheisen, damals noch das Muffingerät  und eben das Donutgerät. Das Muffingerät ging ohne langes Nachdenken in die Kiste mit den aussortierten Plastikdosen. Aber das Donutgerät blieb erstmal.
Immer, wenn ich aussortieren will, fällt der Blick auf das Gerät. (Witzigerweise ist mir das Zimtwaffeleisen nie verdächtig, obwohl ich es noch weniger verwende. Vielleicht weil es fast komplett aus Edelstahl ist – ich weiß es auch nicht.)
Und fast immer denke ich: „Donuts  könntest du auch noch mal machen.“
Heute war wieder so ein Tag. Ich sage euch: Die kleinen Dinger schmecken himmlich lecker, sind in 2 Minuten fertig gebacken und sind auch noch toll für kleine Kinderhände. Trotz minimalistischer Grundhaltung, was den Besitzstand angeht, bleibt dieses tolles Stück bei uns. Gerade am Kindergeburtstag bin ich immer froh, dass ich dieses Ass im Ärmel habe.
Fotos kann ich heute leider keine mehr liefen. Die Ladung habe ich schon eingefroren, in die Brotdosen gepackt bzw. genascht. Aber ein kleines, feines Rezept habe ich für alle, die sich an dieses Gerät in ihrem Küchenschrank erinnern.

Minidonuts aus dem Donutmaker

  • 300 g Mehl (lecker ist diese Mischung:  200 g frisches Dinkel-Vollkornmehl und 100 g helles Dinkelmehl)
  • 1 Paket Weinsteinbackpulver*
  • 50 g Zucker (wir sind ziemlich weg vom stark Gesüßten, Schleckermäulchen nehmen 100 g, ganz Süße 150 g)
  • 1 Prise Salz
  • 300 ml Milch (Milch und Wasser halb und halb gehen auch)
  • 2 Eier
  • 4 Löffel Öl

Eier schaumig schlagen, Zucker und Öl dazu rühren bis der Zucker sich aufgelöst hat. Salz, Mehl und Backpulver vermischen. Nach und nach Milch und Mehl unter die Eier-Zucker-Öl-Mischung rühren. Der Teig sollte zähflüssig werden. Wenn er zu fest ist, ein bisschen Wasser hinzugeben. Ein Esslöffel Teig pro Förmchen sollte ausreichen.
Man kann die kleinen Donuts auch noch reichhaltig verzieren und mit Schokolade überziehen und sonstige filigranen Arbeitsschritte machen; ich serviere sie immer auf einem großen Teller und erfreue mich an den zufriedenen Gesichtern.
Lecker dazu ist Obstmus – am besten natürlich von mundgeraubtem Fallobst.

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Paradiesische Zustände

Auch diesmal bin ich wieder bei den Just for me Moments dabei – und berichte euch über wirklich paradiesische Zustände.
Ich habe in der letzten Woche schon einmal erwähnt, dass ich ein bisschen in Herbststimmung gerate (hier steht mehr darüber). In den letzten Tagen äußert sich das weniger im Aufräumen und Ordnung schaffen, sondern mehr darin, dass ich viel mit dem Gärtnern beschäftigt bin. Das entspannt und erfreut mich gerade sehr. Wir waren viel draußen und haben die Natur genossen. Das Sein in der Natur beruhigt meine Nerven wie nichts anderes. Schöne Momente für mich und für uns als Familie.
Der Wohnturm bietet viele Ecken und kleine Verstecke, wo Pflanzen wachsen und gedeihen können; zwei Balkone und eine kleine Terrasse in bester Südlage.
Einen Garten im klassischen Sinn haben wir nicht. Das ist für uns auch kein größeres Problem, außer der Tatsache, dass wir hinter dem Haus keine Lamaherde halten können. Aber vielleicht finden wir irgendwann eine Weide, die zu verpachten ist.

Da ich vom Bauernhof komme, haben wir zuhause sehr viel Platz und dort einen riesigen Garten. Dort wächst sehr viel Leckeres. Wir fahren regelmäßig dorthin, um beim Pflegen zu helfen und ernten viel schönes Obst und Gemüse (Wer mehr erfahren will, klickt hier).
Minilama hat als Baby nie einen gekauften Mittagsbrei, ein gekauftes Obstgläschen gegessen; wir haben  immer genug Eigenes gehabt. Auch bisher bei der großen Obsternte dieses Jahr sieht es gut aus, dass das kleine Lama über den Winter mit eingekochtem Obst aus dem Garten kommt. Ein echter Luxus der Garten.
Ein richtiger Garten beim Wohnturm fehlt mir daher nicht. Vor allem, weil ich gut weiß, was es heißt, einen großen Garten in Schuss halten zu müssen.
Die Kleinstadt, in der wir leben, ist ein wahres Paradies für Mundräuber. Außer uns interessiert sich scheinbar niemand für das leckere Obst am Staßenrand. Bei einem Spaziergang in der letzten Woche haben wir wieder viel gefunden und  mit nach Hause genommen:

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Haselnüsse frisch vom Baum

Die müssen noch ein bisschen nachreifen, schmecken aber schon jetzt aromatisch und gut.

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Prachtvolle Birnen

Birnen wachsen hier sehr viele. Der Baum, der diese tollen Birnen trägt, steht mitten in der Stadt. Das Fallobst schimmelt auf der Wiese. Das tut mir richtig leid, dass so etwas Leckeres einfach vergammeln soll. Wir waren letzte Woche drei Mal dort und haben nur das Fallobst aufgelesen. Ich habe knapp 10 Gläser Obstmus davon einkochen können und wir haben jeden Abend ausgiebig unseren Birnenhunger stillen können.
Obst schneiden, waschen und weiterverarbeiten hat für mich etwas richtig Beruhigendes. Ich kann meine Gedanken schweifen lassen und meine Hände haben etwas zu tun. Fast wie häkeln oder stricken. Damit fange ich sicher auch bald wieder an. Im Herbst und Winter auf das Sofa gekuschelt macht eine kleine Handarbeit richtig Laune. Im Sommer habe ich meistens  andere Pläne und will mich bewegen.

Zu Hause werden gerade im großen Maßstab Kräuter geerntet und mein Anteil kam am Freitag per Post. Das Päckchen hat mir schon auf der Straße entgegen geduftet.

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Lavendelernte für Lavendelöl und Lavendelkissen

Auch Pfefferminze und Zitronenmelisse habe ich in Hülle und Fülle bekommen und einiges davon zum Trocknen auf das Fensterbrett gestellt. Den Rest wurde zu Sirup verkocht (Das Rezept stammt übrigens von hier). Es duftet gerade im ganzen Haus herrlich minzig.

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Wuchernde und duftende Minze für Tee und Sirup

Abends genieße ich meinen Kleingarten auf dem Balkon.

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Tomatenparadies

Einfach Paradiesisch.
Andere schöne Momente zum Durchatmen könnt ihr hier miterleben.

Backtag und Bastelzeit

Bei uns war heute Backzeit. Seit einiger Zeit gelingt es uns, einmal in der Woche zu backen und dann eine ganze Woche etwas Leckeres für die Brotdosen* zu haben.
Als ich noch in der Ausbildung war, habe ich mir morgens fast immer ein Frühstück beim Bäcker gekauft; Remouladen-Brötchen und eine süße Schnecke. Zum Kaffee am Nachmittag dann einen leckeren Riegel. Da habe ich noch nicht so auf meine Ausgaben geachtet und auch nicht so genau darauf, was ich eigentlich esse.
Als wir letztes Jahr mit dem Haushaltsbuch angefangen haben, um herauszufinden, wie hoch unsere regelmäßigen Ausgaben sind, haben als erstes die Spontankäufe dran glauben müssen. Eis, Müsliriegel, Schokokekse, Teilchen und Falafel kaufen wir nicht mehr fertig. Anstelle dessen haben wir uns eine Eismaschine* gekauft, verschiedene Müsliriegelrezepte ausprobiert, bis wir ein Gutes gefunden haben, und backen Kuchen oder  Törtchen auf Vorrat. Wir haben herausgefunden, wo es Kichererbsenmehl zu kaufen gibt und haben immer welches zuhause. Seit knapp einem Jahr kaufen wir kein Brot mehr, sondern füttern unseren Sauerteig fleißig und backen Brot daraus. Seither sieht ein Teil der Küche so aus:

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Getreidelager: Roggen- und Dinkelkörner im 5 Kilo Sack

Aktuell kaufen wir immer 20 Kilo von einer Sorte Getreide und mahlen* kurz vor dem Backen frisch. Mit 20 Kilo kommen wir knapp 10 Wochen hin. Also kaufen wir keine Getreideprodukte wie Brötchen, Knäckebrot, Kuchen, Muffins o.ä. ansonsten (außer Haferflocken). Ich nutze das Getreide auch gerne als gekochte oder gekeimte Beilage beim Mittagessen, als Salatgrundlage oder als Basis für ein Frischkornmüsli. Eine künftige Anschaffung wird eine Flockenpresse sein, dann können wir unser trockenes Müsli mit eigenen Flocken ansetzen.
Für Waffeln haben wir ein paar Kilo Winteremmer im Haus, das macht die Waffeln zum Geschmacksgedicht (Ein leckeres Waffelrezept findet ihr hier).

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Heute war die Hefe sehr lebendig

Das Brot reicht für eine Woche. Manchmal machen wir auch Brötchen daraus oder stechen für Minilama Förmchen aus und frieren einen Teil davon ein.
Damit es in der Pause und nachmittags etwas Süßes zum Genießen gibt und ich nicht in Versuchung gerate, schnell in den Supermarkt nebenan zu sprinten, um eine zuckrige Belohnung für mein Tun zu kaufen, backe ich sonntags immer etwas vor.
Diese Woche sind es Waffeln für Minilama und Schokotörtchen für Alphalama und mich geworden. Törtchen hatten wir jetzt länger nicht mehr. Das alles lässt sich gut einfrieren und ohne Qualitätsverlust wieder portionsweise auftauen.

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Schoko-Mandelmuffins

Ich schaue, dass immer etwas Abwechslung in der Truhe ist und packe dann abends unsere Dosen vor.

Als die Backzeit beendet war, habe ich noch eine ganz kurze Bastel-Viertelstunde eingeschoben. Die Kita hatte uns diese Woche die leere Verpackung von den Wickeltüchern mitgegeben (Mehr zum Wickeln bei den drei kleinen Lamas findet ihr hier und hier). Ich war schon drauf und dran, die Verpackung klein zu reißen, da ist mir eine Idee gekommen.

Ab in den Mülleimer?
Ab in den Mülleimer?

Wir haben noch Tapete von Mililamas Zimmer übrig, diese kleinen Verschnitte, die entstehen, wenn man Rapporte beachten muss bei gemusteten (in unserem Fall: psychedelischen) Tapeten. Da ich zudem Minilamas Spielsachen und Kleider gerne in Kisten und Schalen verstaue, um Chaos im Haus zu vermeiden und ihm Ordnung halten zu lehren, bin ich immer auf der Suche nach plastikfreien Aufbewahrungsmöglichkeiten, die kein Vermögen kosten.

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Spielkiste

Insgesamt habe ich heute drei Kistchen verschönert und verstärkt, zwei aus alten Tücherkisten und eine aus dem Schuhkarton von Minilamas Schuhen. Für Strümpfe und Strumpfhosen sind die Kisten ideal und zum Aufbewahren von Kleinteilen auch.
Ich finde es richtig schön anzusehen, wie aus vermeintlichem Müll noch etwas Praktisches und Schönes entstanden ist.

Kleiderschrank-Plauderei

Wirklich gute Dinge sind schwer zu finden. Das gilt im Leben allgemein und gerade mache ich die Erfahrung in Bezug auf gute Kinderkleidung wieder einmal.
Ich habe einige Wandlungen mitgemacht, was Kindersachen angeht.
Hormongeflutet dachte ich, dass ich möglichst viele Sachen brauche, denn das Kind spuckt sich ja voll und wird x mal am Tag umgekleidet. Und weil ich ja dauernd mit Stillen beschäftigt bin, habe ich keine Zeit zum Waschen und brauche daher viel Auswahl. Soweit meine aus heutiger Sicht etwas wirren Gedanken.
Realiter hatte sich das mit dem Stillen nach 9 Tagen leider mehr oder weniger selbst erledigt (mehr dazu findet ihr hier) und besonders viel gespuckt hat das Kleine auch nicht. (Lamas spucken ohnehin nur, wenn sie fehlgeprägt sind).
Von daher hatte ich viel zu viele Ministrampler und Jäckchen und andere Süßigkeiten im Kinderzimmer liegen.
Bodies allerdings hatte ich leider zu wenige, denn ein Stoffwindelbaby fängt nichts mit Bodies in Größe 56 an. Der Windelpo ist so voluminös, dass Minilama mit 74 angefangen hat.

Glücklicherweise habe ich ja auf Masse gesetzt und preiswerte große Pakete im Onlineauktionshaus erworben.
Wichtig war mir (und ist es mir noch immer), dass die Sachen für Minilama schon gut durchgewaschen sind, dann ist der gröbste Dreck schon mal aus den Fasern raus. Da die meisten anderen wohl eher Wert auf Markennamen legen, bin ich preiswert an meine Massen gekommen. Besonders viel Geld hatte ich also nicht investiert. Aber lagern wollte ich die Sachen auch nicht, wozu auch?
Freunde von mir haben 8 Wochen nach uns Nachwuchs bekommen – und zwei von  deren Geschwistern haben witzigerweise auch auf Nachwuchs gewartet. Da gab es dann einen wirklich großen Bedarf – und wir sind uns rasch einig geworden. Behalten habe ich nur das, was ich auch gern angezogen habe.
Seither gehe ich das Einkaufen fürs Minilama etwas reflektierter an. Wobei ich meistens immernoch fertige Pakete steigere oder bei Kleinanzeigen kaufe. Bisher hatte ich meistens Glück damit und knapp 80% waren tragbar, schön und lochfrei (bzw. flickbar).
Mein größter Erfolg war dieses Jahr: 5 Latzhosen, 8 langärmlige Oberteile, 4 Westen und ein paar normale Hosen, alles in top Zustand für 12 Eur inkl. Versand.

Ich öffne heute den Kleiderschrank für euch. Ich habe euch ja versprochen, unsere minimalsitische Herbstgarderobe vorzustellen.
Gerade jetzt, wo es wieder kälter wird, kommen die Latzhosen wieder vermehrt zum Einsatz. Ich finde sie praktisch, weil sie die Nierengegend mitwärmen. Sonst rutscht schonmal das Oberteil hoch und es  zieht kühl. Der Body allein wärmt mir nicht genug. Das Warmhalten der Nieren und das Schützen der Blase ist mir wichtig; das war in meiner Familie schon immer ein großes Thema. Beispielsweise sollte ich mich in einem Monat mit einem „r“ nicht draußen hinsetzen; das habe ich immernoch im Hinterkopf.
Die Latzhosen werden gern und viel getragen und haben auch die entsprechenden Abnutzungserscheinungen an den Knien. Die Flecken gehen nicht mehr raus, da in der Kita diese Kunststoffböden im Außengelände sind, wo man sich nicht so doll wehtut, wenn man eine Bruchlandung hinlegt. Die Flecken machen mir aber nichts; Hauptsache, das Kind bleibt heil!

Latzhosen sind was Tolles!
Latzhosen sind was Tolles!

Eingangs habe ich ja schon erwähnt, wie schwierig ich es finde, gute Kinderkleidung zu finden. Also von der Art, wie man sich noch weitervererben könnte. Und die man nicht ständig waschen und flicken muss. (Was Spielsachen angeht, habe ich mittlerweile meinen Weg gefunden, bei Kleidung ist es oft eine richtige Suche. Und das Reproduzieren der Erfolge ist nicht so leicht.)
Eine tolle Entdeckung ist für mich Wollwalk. Das ist ein Stoffgewebe aus verfilzter Schurwolle.
Gewalkte Wolle hat viele gute Eigenschaften, die interessantesten sind sicher, dass sie ziemlich wasserabweisend ist (da kann man mit Wollkur* immer wieder nachhelfen), dass sie mollig warm hält und sehr robust ist.
Die mit Abstand genialste Eigenschaft von Wollwalk ist jedoch, – und jetzt kommt es – dass er selbstreinigend ist! Abends ausgelüftet und ordentlich ausgeklopft – und morgens ist das Schätzchen wieder zu brauchen.
Ich wasche meine Walksachen immer am Ende der Saison im Wollwaschgang (ohne Schleudern!) und kalt. Ich trockne sie dann im Liegen. Einmal musste ich zwischendurch waschen; da ging auch kein Weg dran vorbei – als Minilama sich auf die Hose erbrochen hat. Den Geruch habe ich nicht rausbekommen; so richtig probiert habe ich es aber ehrlich gesagt auch nicht…
Auf die Idee mit dem Walk kam ich über die Stoffwindeln. Hier gibt es zwei Arten von Überhosen; Kunststoff und Wolle. Und die Wollüberhosen sind am dichtesten, wenn sie gut verfilzt sind (Ich habe darüber schonmal berichtet, bei meinem Stoffwindelartikel). Die Überhosen kamen  für mich nicht in Frage, aber dass ein Wollkleidungsstück so dicht sein soll, dass es die Windel abdichten kann, hat mich interessiert. Bei den Ökoversendern kommt man im Herbst dann schnell auf Walkoveralls und Walkhosen.

Wir haben mittlerweile zwei Basics aus Walk. Damit sind wir schon letzten Winter gut zurechtgekommen. Overalls oder sonstige Schneesachen haben wir nicht gebraucht (Wir wohnen aber auch in einer milden Region, das muss ich dazu sagen). Da Minilama sehr empfindlich ist, trägt es unter der Hose immer eine dünne Strumpfhose. Das Walktop hingegen verträgt es gut am Nacken.

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Walkhose mit verstärktem Knie

Die Walkhose hatten wir letzten Herbst, Winter und Frühling fast täglich in Benutzung. Sie sieht noch aus wie neu. Bisher zwei Mal gewaschen. Da ich sie großzügig bemessen habe, passt sie noch eine weitere Saison.

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Mein größter Kleiderschatz: Das Wams. Verträgt Minilama ohne Probleme

Dieses Walktop* trägt Minilama seit wir es gekauft haben, fast täglich. Gewaschen wurde es bisher ein Mal, glaube ich.
Wenn es morgens noch kühl ist auch im Sommer, oder abends. Bei uns heißt es nur „Das Wams“. Es ist ein echter Schatz. Versteckt und ein Geheimtipp anscheinend. Nach diesem Stück habe ich das Internet durchforstet wie wenn man nach einer Nadel im Heuhaufen sucht. Entdeckt habe ich es als ausgelaufene Auktion. Bei Ebay wird das manchmal angezeigt. Ich habe dann die Verkäuferin angeschrieben, ob sie es noch hat und es nochmal einstellen kann. Hat geklappt, wie ihr seht. Und es ist eine witzige Geschichte draus entstanden- denn gerade gestern habe ich eben bei dieser Händlerin über einen ganz anderen Kanal ein Paar Lederschläppchen* bestellt. Als die Kontodaten ankamen, dachte ich mir: Den Namen hast du doch schonmal gehört. So war es dann ja auch.

Nach den guten Sachen geht man eben suchen und sie werden nicht an jeder Ecke angeboten. Nach längerem Suchen habe ich gedacht, dass ich ein neues Walktop fürs Minilama bekommen könnte, in einer größeren Größe (hier habe ich das auch angekündigt). Leider war ein Fehler in der Lagerhaltung bei dem Laden, wo ich bestellt hatte, das Geld wurde wieder zurückgebucht, es kommt leider kein Wams zu uns. Ich habe noch nicht in Erfahrung bringen können, ob das Modell aus der Kollektion genommen wurde; ich warte noch auf Antwort vom Hersteller. Im Zweifel gibt es dann im nächsten Jahr dieses Modell*, das wäre eine (etwas preisintensivere) Alternative. Und für diesen Winter versuche ich mich dann an einem selbstgenähten Walktop. Walk habe ich im Stoffschrank liegen (im Hochsommer zum Sommerpreis gekauft) und einen ähnlichen Schnitt habe ich auch. Aber an die Weichheit des GOTS und IVN zetrifizierten Wams kommt der gekaufte Stoff nicht heran, bei Weitem nicht.

Minilama trägt selten richtige Pullis, die schränken es zu viel ein. Meistens Langarmshirts aus Jersey. Wir haben eine ganze Menge davon; oft kombiniere ich sie mit einem Tshirt – so hat man von den schönen T-Shirts auch noch was im Herbst und im Winter. Wenn es kalt wird, dan mit Wams. Zwei besonders schöne Langarmshirts zeige ich euch hier:

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Schön und GOTS zertifiziert, was will ich mehr?

Ob wir dieses Stück viel anziehen werden, weiß ich noch nicht. Es ist eines meiner ersten gehäkelten Kleidungsstücke. Das andere habe ich euch auch schon mal gezeigt. Ich häkele schon seit meiner Kindheit, aber an Bekleidung traue ich mich erst sehr langsam heran. Spielzeug aus Wolle hingegen haben wir in Hülle und Fülle und Decken sowieso (Fotos folgen sicher einmal). Diese Weste ist aus Minilamas Babydeckenwolle*. Die ist nicht ganz billig (leider auch nicht bio), aber irre weich und verarbeitet sich sehr gut.

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Schlüttli

Gestern haben wir Sandkastenschuhe für den Herbst gekauft. Minilama trägt immer noch meistens Lederschläppchen. Die sind ja auch am besten für die kleinen Füße. Ich bin da sehr konsequent. Da unsere Kita aber ein halber Waldkindergarten ist und die Kleinen eigentlich immer draußen unterwegs sind, hatte es öfters mal nasse Füße, wenn es morgens noch feucht war. Die Lederschläppchen sind ja auch keine Wunderschuhe und vermögen alle Bedürfnisse abzudecken. Das weiß ich auch.

Ich habe zwar letztens einen wirklichen Haufen guter Schuhe im Paket gekauft, aber Minilamas aktuelle (Zwischen)-Größe war leider nicht dabei. Die Jochies passten nicht mehr und die Superfit sind noch zu groß und auch ziemlich weit. So kann es gehen. Ich habe sie bei Kleinanzeigen reingestellt, vielleicht hat jemand Interesse dran. In der nächsten Größe habe ich fast die gleichen Schuhe hier stehen wie die, wir wir im Laden nach guter Beratung gekauft haben… Das hier sind dann also die fabrikneuen.

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Wasserdichter Sandkastenschuh

* Das sind Amazon Affiliate Links

Wenn jemand zufällig ein Disana Walktop in Größe 86 und größer daheim rumliegen hat und sich fragt, was er damit noch anfangen soll, dann denkt doch bitte an mich und meldet euch.