Ein Leben ohne Plastik – Unser Weg dahin

Als wir diesen Blog angedacht haben, war mir schnell klar, dass ein Thema dort Raum braucht: Die Vermeidung von Plastik aller Art in meinem Leben.
Es gibt ja viele Menschen, die weniger Plastik wollen und auf der Suche sind nach plastikfreien Flaschen und so weiter. Die Zugänge sind ganz individuell. Ich möchte heute berichten, wie wir dazu kamen.
Kurz vor dem Umzug in den Wohnturm habe ich mir ernsthaft Gedanken über unseren Besitzstand gemacht. Spätestens am Umzugstag wird es ja offenbar: 15 Umzugskisten vom Minilama, bestimmt 20 Bücherkisten von mir, viel Technik vom Alphalama, unzählige Kleiderkisten – und noch mehr Küchenkisten.
Und da der Transport mit dem Unternehmen ja teurer wird, je mehr Kubikmeter man umzieht, bin ich in der Vorbereitungszeit nochmal in mich gegangen: Brauchen wir das alles? Benutzen wir das überhaupt?
Wir sind im Oktober in den Wohnturm gezogen. Über den chaotischen Umzugstag berichte ich vielleicht irgendwann nochmal.
Das Minilama war da noch ein kleines Baby. Es war sehr anstrengend und laut, eigenwillig und fordernd. Da Alphalama und ich in Sachen Umzug und Wohnturm klare und unseren Stärken entsprechende Absprachen hatten, war klar, dass ich mich um das Einpacken der Sachen kümmere.
Und ich habe schon im Juni angefangen Dinge in Umzugskisten zu packen, die wir nicht jeden Tag im Gebrauch haben. Das Raclette zum Beispiel, den Blasebalg, Erstausstattung und Umstandssachen. Das ging gut und ich habe Freude dran bekommen. Daher gings dann an die Küche. Unsere Küche war voll, voll, voll. Ich war ständig auf der Suche nach neuem Stauraum. Ich dachte, dass ich eine oder zwei Kisten schon rausnehmen könnte. Plastikschüsselchen und so was.
Es wurden knapp 10 Kisten.
Die Küche war noch immer gut gefüllt und dem Alphalama ist es nicht direkt aufgefallen, das was fehlt.
Das meiste haben wir im Wohnturm gar nicht mehr ausgepackt. Heute haben wir einen Schrank weniger als vorher und unsere Schränke sind (außer der Vorratsschrank) nur locker gefüllt.
Parallel zu diesen Beobachtungen habe ich begonnen, mich mit dem Thema Kunststoff zu beschäftigen. Als nicht stillende Mutter kam ich nahezu unmittelbar auf das Thema BPA. Eines Abends fragte ich das Alphalama „Meinst du, in den PET-Flaschen sind auch Weichmacher oder sowas enthalten?“

Just in diesem Moment habe ich mich gefragt: Wie naiv bist du eigentlich? Und so ist es losgegangen.

Unter der Rubrik Projekt Plastikfrei findet ihr in Zukunft weiteres zu diesem Thema.

Just for me moments – Eintauchen ins kühle Nass

Die liebe Mamamiez hat eine super Aktion gestartet: Sie stellt einmal in der Woche jene Momente vor, in denen sie sich eine kleine Auszeit aus dem Alltag genommen hat und sich trotz Mutterpflichten und vieler Alltagsaufgaben einige entspannende Momente gegönnt hat.
Ein sehr gutes Vorbild für alle von uns wie ich finde. Die Aktion gefällt mir sehr gut und daher habe ich beschlossen mitzumachen: Von Aufgaben und Herausforderungen könnte ich ganz viel berichten, vom Stress der letzten Schultage und von Ferienvorbereitungen, von Kontakten mit Handwerkern und Ämtern.
Aber gab es auch etwas Entspannendes, Entschleunigendes?
Ja, zum Glück. Neben einem schönen Grillfest am Wochenende in der alten Heimat, das mich regelrecht tiefenentspannt hat, habe ich mir in der letzten Woche tatsächlich diese „Just for Me Moments“ gegönnt: Es gibt für mich ja keinen schöneren Ort als das Schwimmbad. Dieses schöne Blau des Wassers, die Kühle, die Ruhe, wenn man morgens als allererstes in den noch unberührten Spiegel springt.
Seit Jahren besitze ich schon eine Jahreskarte – und wenn es ganz dick kommt, mache ich mir eine Stunde frei – und fahre ins Schwimmbad.
Letzte Woche war das am Montag, am Mittwoch, am Freitag und am Sonntag. Eine kleine Stunde im Wasser aalen, plantschen, tauchen und bewegen. Herrlich!
Da macht der Alltag doch gleich doppelt Spaß.
Mehr Alltagsgeschichten unter: Mama Miez JFMM

Moderner Sexismus: Ihre Frau ist ja hysterisch, ich erkläre es lieber Ihnen

Ich bin mit Sicherheit keine Emanze, nie gewesen.  Sonst hätte ich bei meinem Arbeitgeber echt ein Problem. Aber mit den Jahren wird man doch etwas kitzlig, wenn man sieht, wie viel Sexismus und Männerpräferenz in der Welt herrscht. Es geht ja nicht darum, dass Frauen besser oder mehr wert sind – ich wäre wirklich froh, wenn Frauen nicht an zweiter Stelle stehen würden.

Als ich schwanger war, wurde mein Mann einmal angesprochen: „Hoffentlich wirds ein Junge, ein Stammhalter ist doch was Schönes.“  Kulturelle Sohnpräferenz, wie eh und je. Schade, eigentlich. Und das war nicht der erste Kontakt, den ich damit hatte. Ich will jetzt keinen mit Kindheitserfahrungen nerven, in denen mir deutlich wurde, dass Mädels die zweite Wahl sind und kein Anrecht auf coole Spielsachen wie Traktoren zum Fahren oder Lego haben.  Und dass so ein Brüderchen doch klasse wäre. Da sehe ich drüber hinweg. Manche Menschen denken eben so.

Aber immer wieder merke ich, dass auch Institutionen (!) so denken. Im Jahr 2014. Und das macht mich wütend. Aber immer der Reihe nach: Als ich geheiratet habe, hat meine Bank mir einen Haufen Vordrucke zugesandt, deren Sinn und Zweck es war, meinem Mann Vollmachten über meine Konten und Einlagen zu geben. Unterschrifts- und Verfügungsvollmachten. Fand ich komisch, passt auch nicht zu meinem Weltbild – zu unserem zum Glück auch nicht. Aber das hätte mich nicht weiter gestört. Das Erschreckende daran war, dass mein Mann nicht einmal danach gefragt wurde, ob ich bei ihm diese Vollmachten bekommen sollte…

Kurz nach der Hochzeit bin ich in einen gemeinnützigen Verein eingetreten, der auch eine Rechtsberatung in Krisenfällen anbietet. Daher haben mein Mann und ich entschieden, dass er auch dort Mitglied wird, dass ich das aber alles regele. Wäre er meine Frau gewesen, hätte er sich wohl auch um nichts weiter kümmern müssen – außer eben den Antrag zu unterzeichnen. Seit dem Tag, an dem ich nach langen Kontakten mit dem Verein dort Mitglied wurde ist mein Mann dort Hauptmitglied und wurde immer angeschrieben. Ich bin so nebenher dabei gewesen. Nach einem Jahr hatte ich genug von dem Mist – und mein Mann wollte ja ohnehin nie dabei sein.

Heute habe ich eine Kündigungsbestätigung erhalten. Ich bin aus einem Verbraucherverein wieder ausgetreten, weil ich mit dem Service unzufrieden war. Wichtig zu wissen: Da war eigentlich nur ich dabei. Der Name meines Mannes musste der Vollständigkeit halber auch in den Personalbogen. Ich kündige mit meinem Namen – mein Mann erhält die Kündigungsbestätigung. Gut, dass er mich darüber informiert hat.

Was soll man da noch sagen?  Wenigstens so viel: Es ist ein urban myth, dass alle Frauen das Denken aufgeben, wenn sie das Standesamt oder die Kirche verlassen. Und dass Frauen vom Prinzen gerettet werden müssen, der fortan ihr Leben organisiert, halte ich ebenfalls für ein Gerücht. Nicht alle Frauen heißen „Frau Doktor“, weil sie Zahnarztgattinnnen sind.  Aber irgendwie scheint das noch nicht überall angekommen zu sein.

Und fast ebenso wichtig: Nicht jede Frau, die ihre Meinung sagt, ist gleich hysterisch. Manche sind auch einfach nur genervt, dass man ihnen nichts zutraut.

Hopfenstopfer Comet IPA

Flasche mit Label
Flasche mit Label

 

Das erste Bier über das ich hier schreiben möchte ist das Comet IPA der Brauerei Hopfenstopfer.
Ich hatte das IPA mehr oder weniger ohne große Information bestellt, da ein anderes Bier der Brauerei in einem Blog empfohlen wurde und ich die Versandkosten nicht für ein paar Flaschen bezahlen wollte. Als ich dann las, dass die Brauerei den Hopfen für einige Biere direkt hinterm Haus anbaut, habe ich mal den Warenkorb voll gemacht (die restlichen Biere werden auch demnächst noch dokumentiert).

Nun zum Bier: Nach dem Öffnen stellte sich direkt ein extrem fruchtiger Geruch ein. Nachdem ich den Geschmack und Geruch nicht direkt einordnen konnte, habe ich kurz nachgeschlagen, was denn nun dieser Hallertauer Comet Hopfen ist. Es stellt sich heraus, dass hier eine alte Sorte aus den USA in Süddeutschland wiederbelebt wurde und aufgrund der dortigen klimatischen Bedingungen einen Geschmack nach Blaubeeren ausprägt. In der Tat ungewöhnlich für ein Bier, aber sehr lecker.
Die beiden zusätzlich verwendeten Hopfensorten Saphir und Hallertauer Taurus wurden vermutlich hauptsächlich zum Bittern und für ein leicht blumiges Aroma verwendet.
Alles in allem ein sehr gelungenes Bier und nur zu empfehlen!

Hier noch ein paar Eckdaten:
Brauart: IPA
Alkoholgehalt: 6,8%
55 IBU

Von modernen Dogmen I: Das Stillen

Stillen ist das beste fürs Kind
Babys wollen Muttermilch
Jede Frau kann stillen

Das ist das Resümee meiner theoretischen Beschäftigung mit dem Thema Babyernährung. Der erste Satz steht auf Muttermilchersatznahrungen, der zweite hängt in Plakatform im stillfreundlichen Krankenhaus und den dritten Satz habe ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt.
Und dann die Stunde der Wahrheit. Der Körper spielt nicht mit, das Kind spielt nicht mit, die Technik bringt keine besseren Ergebnisse.
Unerwartet für mich. Und im Stillzimmer lacht mich das zahnlose Baby auf dem Plakat an und sagt „Babys wollen Muttermilch“.
Für das Fachpersonal im stillfreundlichen Krankenhaus bin ich eine Herausforderung. Sie mobilisieren alle Kräfte, alle Ideen, jede Tinktur und jedes Hilfsmittel wird zu Anwendung gebracht.  Ohne Erfolg. Der Körper macht einfach nicht was er soll. Sie wissen nicht weiter und entlassen mich dem Wortlaut der Entlassungspapiere nach als „stillende Mutter“.
Wenn man Mamablogs liest, wird deutlich, dass es nur eine Wahrheit gibt, wenn es im Kinder geht: Wenn dort vom Tragen, von der natürlichen Entbindung, Led-Weaning oder dem Stillen gesprochen wird, gibt es viele zustimmende Kommentare. Mütter kommen ins Schwärmen über diese unbezahlbaren Erfahrungen.
Und wenn eine Mutter sich „outet“, dass sie einen Kaiserschnitt hatte, dass sie gar nicht stillen will, dass sie Gläschen kauft und Plastikspielzeug gutheißt – dann kann sie sich aber auf was gefasst machen.  Aus der Ferne  und Anonymität des Internets kommt sicherlich einer daher, der auch am Kaiserschnitt nach vier erfolglosen Einleitungsversuchen Kritik zu üben weiß und von den Freuden der natürlichen Geburt zu predigen beginnt.
Ja, es hat schon predigthaften und auch missionarischen Charakter, was es über das Kinderkriegen und Kinderhaben zu sagen gibt.
Beim Stillen sowieso: Stillen ist nicht nur Nahrung geben, es ist auch innige Beziehung zwischen Mutter und Kind.
So viel zum Stilldogma. Unsere Welt ist dogmenkritisch, zumindest, wenn die Dogmen von den Institutionen kommen. Aber in Bezug auf die Mutterschaft, die Geburt, die Erziehung, die Ernährung der Kinder gibt es nur eine Wahrheit.
Ich für meinen Teil habe in Bezug auf das Stillen zumindest keine Wahl gehabt. Ich wollte mich der Mehrheitsmeinung anschließen und mein Kind stillen. Weil es am besten für das Kind ist. Aber es ging nicht. Über die Flasche in meinem Gepäck beim Rückbildungskurs habe ich mich geschämt und ich wollte mich so gern erklären, rechtfertigen. Aber es kam ein Punkt, da  hatte ich keine Lust mehr darauf, mit Fremden über meine Brust zu sprechen. Ja, irgendwann nach der Freizügigkeit der Schwangerschaft kam irgendwann der Punkt, wo ich wie vorher auch Wert auf meine Privatsphäre gelegt habe.

Meine Beschäftigung mit dem Stilldogma ergibt folgendes:
Stillen ist in erster Linie Füttern, in zweiter Linie ist es innige Nähe zu dem Kind. Ich bin der Ansicht, dass das Trösten durch Nahrungsmittel kein guter Weg zu einem gesunden Essverhalten ist. Ebenso finde ich, dass Zahnpflege ab dem ersten Zähnchen wichtig ist – und dass daher über nächtliche Mahlzeiten ab dem ersten Zähnchen kritisch nachgedacht werden sollte, wenn man nicht danach noch die Zahnbürste schwingen möchte.
Und ich denke tatsächlich, dass es ist möglich, seinem Kind Nähe zu schenken und es zu trösten ohne  ihm die Brust zu geben – auch wenn viele Berichte auf Mamablogs anderes vermitteln. Eine Mutter, die nicht stillen kann, ist keine Mutter zweiter Klasse. Sie muss sich aber leider so fühlen, denn sie ist ausgeschlossen von diesem umfassenden Lebensgefühl, das das Stillen mit sich bringt.

Wie Lebensgefühl? Genau, das ist die richtige Frage. Die Wahrheiten zum Stillen, die ich einleitend vorgestellt habe, hatten nichts mit dem Wohlgefühl der Mutter zu tun. Sie machen Aussagen darüber, welche Nahrung die Beste für das Baby ist. Und in Bezug darauf gibt es überhaupt keine Diskussionen: Muttermilch ist die Nahrung der Wahl.
Aber mit Selbsterfahrung, Lebensgefühl und Selbstverwirklichung hat das Stillen nichts zu tun. Wer das behauptet, begründet eine Ideologie, die das reiche Wesen der Frau auf ihre Funktion als Milchspenderin reduziert.